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Schreiben über Trauer: Barbara Pachl-Eberhart über »Vier minus drei«

Autorin Barbara Pachl-Eberhart am 14. April 2026 in Stuttgart bei der Premiere des Films »Vier minus drei«, gedreht nach ihrem gleichnamigen Buch (Foto: Tischer)
Autorin Barbara Pachl-Eberhart am 14. April 2026 in Stuttgart bei der Premiere des Films »Vier minus drei«, gedreht nach ihrem gleichnamigen Buch (Foto: Tischer)

Sollte man sich einen Spielfilm über den tragischen Unfalltod eines Vaters und seiner zwei Kinder im Kino ansehen? Einen Film, der das Leid der Mutter zeigt und wie sie das alles zu verarbeiten versucht? Ja, sagt die Autorin Barbara Pachl-Eberhart, auf deren wahrer Lebensgeschichte der Film »Vier minus drei« beruht. Ein Gespräch über den Film und das Schreiben über Trauer und Tod.

2008 verlor Barbara Pachl-Eberhart bei einem Verkehrsunfall an einem unbeschrankten Bahnübergang ihren Mann und ihre beiden Kinder. 2010 erschien ihr Buch »Vier minus drei«, in dem sie schilderte, wie sie dieses schreckliche Unglück verarbeitete und wieder zurück ins Leben fand. Sie habe, so sagt sie im Gespräch mit Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de, damals das Buch geschrieben, das sie vergeblich gesucht habe. Ein Buch, das Menschen in ähnlichen Situationen Mut machen soll. Sie wollte kein Buch lesen oder schreiben, das mit der Haltung des Haderns oder Aufbegehrens geschrieben ist. Sie wollte sich nicht ihr »Schicksal von der Seele schreiben«, sondern von dem Momente berichten, als sie wieder Licht gesehen und die Dinge verstanden habe.

Heute arbeitet Barbara Pachl-Eberhart unter anderem als Trauerbegleiterin und Schreibtrainerin für autobiografisches Schreiben. Trauer, Tod, Krankheiten oder die verlorene Liebe sind oft ein Anlass, das erlebte für sich oder andere niederzuschreiben. Aber wie geht man das an? Und wie entsteht daraus vielleicht ein Text, der mehr ist als eine therapeutische Maßnahme und als Buch erscheint?

»Die größte Kunst oder das Schwierigste beim biografischen Erzählen ist, dass man eigentlich sich traut, noch mal jünger und auch unreifer zu werden beim Schreiben. Ich kann nicht ein Buch beginnen mit etwas, was vor zwei Jahren passiert ist, als die Gescheite oder Gereifte, die ich heute bin. Sondern ich muss mich trauen, mich noch mal so zu zeigen, wie ich damals war«, sagt Barbara Pachl-Eberhart.

Unter der Regie von Adrian Goiginger und mit Valerie Pachner und Robert Stadlober in den Hauptrollen, wurde das Buch »Vier minus drei« verfilmt und läuft ab 16. April 2026 in den Kinos an.

Wie ist es für Barbara Pachl-Eberhart, 18 Jahre später das Ganze als Film anzusehen? Auch darüber berichtet sie im Podcast.

Und wer angesichts der Schwere des Themas den Film lieber nicht ansehen möchte, dem macht die Autorin am Schluss des Gesprächs Mut: Natürlich sei es ein trauriger Film, aber auch eine Liebesgeschichte und ein Film über den Mut, der in uns allen steckt.

Kurze Filmkritik zu »Vier minus drei«

»Vier minus drei«, Filmpremiere am 14. April 2026 in Stuttgart. Von links nach rechts: Tobias Lehmann (Alamode Film), Regisseur Adrian Goiginger, Hauptdarstellerin Valerie Pachner, Autorin Barbara Pachl-Eberhart, Gerrit Klein (Giganten Film), Brigitte Dithard (SWR), Carl Bergengruen (MFG)
»Vier minus drei«, Filmpremiere am 14. April 2026 in Stuttgart. Von links nach rechts: Tobias Lehmann (Alamode Film), Regisseur Adrian Goiginger, Hauptdarstellerin Valerie Pachner, Autorin Barbara Pachl-Eberhart, Gerrit Klein (Giganten Film), Brigitte Dithard (SWR), Carl Bergengruen (MFG)

Regisseur Adrian Goiginger und Drehbuchautor Senad Halilbašić ist eine sehr berührende Umsetzung des Buches gelungen. Natürlich zeigt der Film die Trauer, und Hauptdarstellerin Valerie Pachner ist unglaublich in ihrer Rolle. Doch nie wird der Film kitschig oder pathetisch. Es werden Reaktionen von Menschen gezeigt, aber keine Unfallbilder oder Tote. Rückblenden holen diese ins Leben zurück.

Stark sind auch Nebenfiguren wie beispielsweise der von Hanno Koffler gespielte Serienschauspieler, der zunächst als Klischeefigur angelegt ist, dann aber eine unglaublich starke Wandlung durchlebt.

Man braucht hier auch keine Angst vor Clowns zu haben, denn tatsächlich arbeiteten Barbara und ihr Mann Heli als Clowns. Regisseur Adrian Goiginger gesteht nach der Premiere des Films, dass Clowns vor den Dreharbeiten für ihn eher etwas Bedrohliches an sich hatten und er sie nicht mochte. Dennoch ist es ihm mit und dank Valerie Pachner und Robert Stadlober gelungen, diesen Figuren die Poesie zurückzugeben.

Man sollte und kann sich ins Kino trauen und diesen Film ansehen – auch wenn man selbst Kinder hat. Denn der Film macht Lust auf das Leben und zeigt seinen Wert.

Hören Sie das ganze Gespräch mit Barbara Pachl-Eberhart, geführt bei der Filmpremiere in Suttgart am 14. April 2026 im Podcast des literaturcafe.de. Überall, wo es Podcasts gibt oder unten über den Player.

Vier minus drei. Österreich/Deutschland 2026. Mit Valerie Pachner, Robert Stadlober, Stefanie Reinsperger, Hanno Koffler, Ronald Zehrfeld. Drehbuch: Senad Halilbašić. Regie: Adrian Goiginger. Kamera: Paul Sprinz. Musik: Arash Safaian. Nach der Autobiografie »Vier minus drei« von Barbara Pachl-Eberhart. Eine Produktion von 2010 Entertainment und Giganten Film. Laufzeit: 121 Min. FSK: 12. Kinostart: 16. April 2026.

Das Buch:
Barbara Pachl-Eberhart: Vier minus drei (Filmausgabe): Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand. Taschenbuch. 2026. Heyne Verlag. ISBN/EAN: 9783453705067. 13,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel

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