| Hier lesen Sie die besten Beiträge der fünften Runde (April '02 - Mai '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Anne Tyler eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Atemübungen«. Fischer Taschenbuch 10924. ISBN 3-596-10924-8. 8,45 EUR: |  | Sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse drauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Brief an Dr. Tod von Gitta Kohlmann, 27442 Gnarrenburg (Deutschand) Hallo Dr. Tod!
Wie geht es Dir? Mir geht es gut!
Ha, lustig oder? Du weißt, ich hatte schon immer einen Hang zu schwarzem Humor.
Aber mal ehrlich - nachdem Du mich heute Nacht in meinem Traum schon wieder besucht hast, mußte ich Dir schreiben, um Dir diese Frage zu stellen: Kannst Du mir nicht einmal einen vernünftigen Rat geben?
Du weißt genau, ich werde niemals aus einem Fenster springen können (wegen meiner Höhenangst). Gegen einen Baum fahren? Na, der Tipp war ja wohl auch nicht so toll (Das endet doch meistens nur im Rollstuhl). Vor einen Zug springen? Zu weit bis zum nächsten Bahnhof. Tabletten? Wenn sie mich zu früh finden, pumpen sie mir doch nur den Magen aus. Eine Pistole? Habe ich nicht. Pulsadern aufschneiden? Ich werde mir ganz bestimmt nicht noch mehr Schmerzen zufügen (da reicht mir mein Seelenschmerz völlig).
Du siehst also Dr. Tod, Du mußt Dir schon etwas anderes einfallen lassen, um mich zu kriegen!
Jetzt bist Du zornig, oder? Das will ich doch hoffen! Denn wenn Dich jetzt die Wut packt, dann wirst Du diesen Brief mitsamt meinen Seelenqualen in kleine Stücke reißen. Und das ist auch gut so!
In diesem Sinne verbleibe ich vorerst
Deine Feindin
P.S.: Ich hoffe, dass dieser Brief seinen Empfänger erreicht. Wenn nicht, dann hat mich irgend jemand (oder irgend etwas?) daran gehindert zum Briefkasten zu gehen und ihn abzusenden. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Erster Urlaub von OK, 66539 Neunkirchen (Deutschand) Erste Liebe Sie wußte nicht mehr was sie tun sollte, einesteils war der Urlaub in Spanien das schönste was sie bisher in ihren 18 Jahren erlebt hatte andererseits dachte sie daran was auf sie, wenn sie auf das Angebot einging zukommen würde. Ihr Zuhause, ihre Freiheit und die Entscheidung für ihr junges Leben, sie war gerade 18 Jahre geworden, standen auf dem Spiel. Es war der 1. Urlaub, und ausgerechnet jetzt, lernte sie einen Kerl kennen, der ihr sehr gefiel und der etwa fünf Jahre älter als sie, ihr in der kurzen Zeit ihres Urlaubs die Liebe gezeigt hatte von der sie zwar gemeint hatte viel zu wissen, doch jetzt wo ihr Herz immer heftiger zu schlagen anfing und er, fing an Sie so heftig zu bedrängen ob sie nicht ein Paar werden könnten, so daß, Sie nun doch obwohl Sie ihn über alles zu Lieben glaubte nachgeben wollte, andererseits aber ihre Freiheit welche sie erst vor kurzer Zeit erreicht hatte, zu verlieren drohte, von Zweifel geplagt wurde. Sie hatte, da der Zeitpunkt ihrer Rückreise in drei Tagen anstand ihm einen Brief geschrieben indem sie ihm ihre Liebe gestand sie ihm unter Tränen mitteilte, das er der erste Mann in ihrem Leben war und das sie glaube ohne ihn nicht leben zu können. Er aber durch sein Drängen in ihrem innersten Zweifel geweckt habe, ob eine dauerhafte Bindung für sie jetzt schon in Frage kommen könnte. Liebster schrieb Sie: "ich Liebe dich unwahrscheinlich und glaube, das ich ohne dich nicht leben kann und doch muß ich dir sagen, daß mir meine junge Freiheit Tun und Lassen zukönnen was ich möchte, mich in meinem Beruf fortzubilden, weitere Reisen durchführen zu können und noch vieles mehr hindern mit dir jetzt und in Zukunft mein Leben gemeinsam zu gestalten. Glaube mir schrieb Sie und ihre Tränen näßten das Papier, ich liebe dich wirklich sehr und freue mich jedesmal auf dich, wenn wir zusammen sind und ich weis, daß der Abschiedsabend schön wird würde doch bitte ich dich, mir zu verzeihen, wenn ich dann nicht mehr an unserem Treffpunkt sein werde, Ach Gott, ich glaube mir bricht das Herz Liebster, Lebewohl und behalte mich in Erinnerung so wie ich dich, den ersten Mann in meinem Leben. Ob ich es richtig mache, ich kann es nicht wissen, die Sehnsucht nach dir bringt mich fast um. Unter einem Tränenerguß welcher das Briefpapier durchnäßte verschloß sie den Umschlag, schrieb die Adresse drauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der Dankesbrief von Jens Erdmann, 1731 Asse (Zellik) (Belgien) "Lieber Herr N.,
ich danke Ihnen herzlichst für das von Ihnen hinterlassende geistige Erbe. Wenn mich die Mittelmäßigkeit der Welt nervt und mir die menschliche Gesellschaft krankhaft vorkommt, ist es Zeit, Heilkräfte aus Ihrer Prosa zu ziehen, um meiner Seele ihre Gesundheit und ihr Gleichgewicht zurückzugeben. Seien Sie glücklich, nicht mehr sehen zu müssen, wie schrecklich die Menschen nach Ihrem Tode auf der Erde gehaust haben. Selbst Ihre Vorstellungskraft in die Abründe des Menschen hätte nicht ausgereicht. Und diese Menschen lassen nicht davon ab, sich gegenseitig und gemeinsam die Erde weiter zu vergewaltigen. Es stimmt mich traurig und ohnmächtig stehen wir vor den großen Zukunftsproblemen, die es zu lösen gilt. Ihre Utopie und Lehre von einem höheren Menschen wird täglich in den Mühlen des Hasses, der Unfähigkeit und Unkenntnis zermahlen. Wir sind nicht fähig und willens alte Tafeln zu brechen, Götzen von den Sockeln zu stürzen und das brüchig gewordene Seil über dem Abgrund geschmeidig zu halten. Was mich rettet: Ihre alte Hoffnung, dass der Mensch auf dem Wege ist, dass er die Brücke weg vom Tiere baut. Meinen Dank dafür. Meinen Dank auch für den unendlichen Lesegenuss, den Ihre Schriften bereiten. Mein Brief wird sie nie mehr persönlich erreichen können, aber er wird immer unterwegs zu Ihnen sein, das ist mir wichtig.
Hochachtungsvoll,
eine Genesende."
Sie verschloss den Umschlag, schrieb nur "An Herrn N." darauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Kein perfekter Ablauf des Geschehens von Jürgen Heimlich, 1110 Wien (Österreich) Sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse drauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Dies war eine Steigerung für sie. Noch vor Wochen hatte sie mindestens zwölf Mal nachgeschaut, ob der Brief auch Anschrift, Unterschrift und Telefonnummer in sich impliziert hatte, ob auf dem Umschlag die richtige Empfängeradresse stand, und auf der Rückseite die richtige Absendeadresse. Dann hatte sie jeweils den Brief vorsichtig verschlossen, und nachgegriffen, ob der Brief auch wirklich drin war. Und dann auf dem Weg zum Briefkasten nochmals alles kontrolliert, auch die Vergebührung der Briefmarke war nie unbedeutend. Und vor dem Briefkasten hatte sie jeweils Nachschau gehalten, ob alles mit dem Brief zusammenhängende seine Richtigkeit hatte. Absender, ja, Empfänger, ja, richtige Adresse vom Empfänger, ja, richtige Vergebührung der Briefmarke, ja, der Schlitz des Briefkastens ist nicht verklebt, ja, der Brief langsam hineingeschoben, ja, mit den Fingern schauen, ob der Brief auch nicht hängengeblieben ist, ja, der Brief ist im Briefkasten eingedrungen, ja, nächste Entleerung des Briefkastens findet um 18 Uhr statt, ja. Aber diese Mechanismen wollte sie sich abgewöhnen. Und hatte jetzt doch ein schlechtes Gewissen, dass sie so unvorsichtig gewesen war. Die Neurosen konnten nicht so einfach weggewischt werden. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Zu Hause von MZ, 51067 Köln (Deutschand) Wärme drang ein durch das geöffnete Fenster. Die Sonne verursachte tanzende Schattenspiele auf dem weißen Blatt Papier, das vor ihr auf dem Schreibtisch lag. Sie blickte aus dem Fenster auf das Meer, das heute zum ersten Mal ruhige Wellen auf die Steilküste warf. Die letzten Tage tosten Stürme über das kleine Häuschen hinweg. Endlich zu Hause, seufzte sie schwer. Von hier könnte sie kein Sturm der Welt mehr forttreiben. Tränen stiegen ihr bei diesem Gedanken in die Augen. Schnell konzentrierte sie sich wieder auf das weiße Blatt Papier. Dann schrieb sie: " Lieber Jan, nur erahnen kann ich, wie sehr dich mein plötzliches Verschwinden ohne ein Wort des Abschieds in die Verzweiflung getrieben haben muss. Viel, vielleicht zuviel Zeit ist verstrichen seitdem. Dennoch möchte ich nicht versäumen, dir mitzuteilen,: ich lebe und bin jetzt endlich sehr, sehr glücklich! Deine Karin"
"Liebling, kommst du, das Essen ist fertig!" Eine zärtliche Frauenstimme rief aus dem angrenzenden Zimmer. "Ja, Liebes, ich muss hier nur noch etwas in Ruhe zu Ende bringen." Bedächtig faltete sie den Brief und griff in die Schublade nach einem passenden Umschlag. Sie fischte einen blaßrosanen heraus und musste lächeln. Der Zweizeiler wanderte hinein, sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse drauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |