0
Startseite Website Seite 96

Bastei Lübbe Academy: Ein Besuch in der verlagseigenen Autorenschule

Bastei Lübbe in KölnEin Verlag mit eigener Autorenakademie: Das klingt nach einer sinnvollen Kombination. Gute Autoren und gute Manuskripte fallen selten vom Himmel. Warum also sollte ein Verlag sie nicht aktiv fördern?

Es erstaunt, dass erst jetzt ein Verlag diese Idee umsetzt. Im März 2013 startete die Bastei Lübbe Academy des gleichnamigen Kölner Verlages.

Die Leitung der Kurse ist hochkarätig besetzt, die Preise jedoch nicht gerade günstig. Kritiker wittern sofort die Gefahr, dass nun auch seriöse Verlage Profit mit der Hoffnung der Autoren machen wollen.

Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de war in Köln und hat den Nervenkitzel in einem der Seminare gesucht.

Textkritik: 110 fehlende Leerzeichen

0

Lautes Lachen, ein rollendes Poltern und Gejohle hörte Anna plötzlich hinter sich. Erschrocken drehte sie sich um. Mindestens fünf Jugendliche auf Inlinern und Skateboards kamen um die Ecke gebraust. Schnell trat sie an die Seite. ›Das sind doch die Kinder aus der Nachbarschaft!‹ dachte sie missmutig. ›Keine Rücksicht nehmen die, auf nichts und niemanden. Frech und Laut, so waren wir früher nicht.‹ Langsam ging sie weiter, dabei stütze sie sich schwer auf ihren Gehstock. Mit der anderen Hand zog sie einen Einkaufs-Trolly hinter sich her. Vom Ziehen tat ihr der Arm nun weh, denn der Supermarkt war ein ganz schönes Stück entfernt. Der Arzt hatte ihr einen Rollator empfohlen, aber so etwas wollte sie nicht. ›Das ist doch nur was für alte Leute‹, das war ihre Meinung dazu. Erneut blieb sie stehen, um etwas zu verschnaufen. Dabei schweifte ihr Blick zur anderen Straßenseite. Ihre Augen wurden mit einem mal groß. Erstaunt sah sie dort eine noch ziemlich junge Frau mit einem … Rollator! »Meine Güte, die ist so jung, und ich habe Angst, alt zu wirken? Ich muss wohl doch noch mal über den Rat des Doktors nachdenken.« Nach diesem Selbstgespräch ging sie mit etwas mehr Schwung weiter. Endlich stand sie vor ihrer Haustür. Seit dem Tod ihres Mannes lebte sie alleine hier.
›Nein, nicht ganz alleine‹ dachte sie lächelnd, als sie die Wohnungstür aufschloss. Ein großer roter Perserkater kam schnurrend auf sie zu und strich um ihre Beine. Der wurde jetzt ausgiebig gestreichelt. Dann erst fing sie an, die Tasche auszupacken. Der Kater war auch nicht mehr jung und ihr ein und alles. »Wir sind ein gutes Team« sagte sie zu ihm. Er miaute, als ob er ihre Worte verstand.

Mit einer Tasse Kaffee setzte sie sich nun auf den großen Balkon. Alles blühte so wunderschön, eine richtige Wohlfühl-Oase war das. Früher hatten sie und ihr Mann am Stadtrand ein kleines Einfamilienhaus mit einem Garten. Aber als sie beide älter wurden, entschlossen sie sich zu dieser Eigentumswohnung. Deshalb legte sie so großen Wert auf die Bepflanzung der Blumenkästen, quasi als Ausgleich zu dem Garten, den sie manchmal vermisste. Wie schön wäre es, wenn ihre Enkel hier mal sitzen würden. Aber die Kinder wohnten weit weg und sie sah sie nur noch selten. War das vielleicht ein Grund für die Abneigung gegen die lärmenden Nachbarskinder? Kinder waren nun mal laut, und man kann sie nicht festbinden und ihnen auch kein Pflaster auf den Mund kleben. Ihre eigenen waren in der Jugend auch nicht anders. Das musste sie ehrlicherweise zugeben. Und wie war sie selbst gewesen? Nun musste Anna doch schmunzeln. Sie war ein ziemlich wildes Mädchen, und das war in ihrer Jugend schon sehr unschicklich gewesen. Sehr oft hatte sie Hausarrest, und auch auf den Po hat es öfter was gegeben. Die Eltern hatten es mit ihr nicht leicht. Sie liebte Kinder und war deshalb auch Lehrerin geworden. Nun war sie schon viele Jahre pensioniert, aber sie dachte gerne an die Schulzeit zurück.

Von draußen hörte sie nun wieder unbeschreiblichen Lärm. Als sie über die Balkonbrüstung schaute, erblickte sie die Jugendlichen von vorhin. ›Aber da weint doch jemand‹ dachte sie und sah genauer hin. Einer der Jungens lag etwas verdreht auf dem Boden und die Freunde standen ziemlich ratlos herum. Jemand rief um Hilfe. Ein anderer meinte: »Meine Eltern sind nicht zu Hause
Anna war nun nicht mehr zu halten. Ohne zu überlegen ergriff sie den Notfallkoffer und rannte zum Fahrstuhl. Durch den Keller des Hauses war sie nach einigen Minuten im Garten.
»Ich wusste gar nicht, das ich noch so schnell laufen kann!« sagte sie zu den Kids. Diese sahen sie erstaunt an. Darum zeigte sie auf ihren Balkon direkt über ihnen: »Da wohne ich, Anna Meyers ist mein Name. Was ist passiert?« Die Jugendlichen erklärten es ihr und fragten sie, ob sie Ärztin wäre. »Nein,« lächelte Anna, »ich war Lehrerin, aber mein Mann war Arzt und ich musste ihm oft helfen
Der junge Mann hatte einige Schürfwunden an Kopf und Knie, und das eine Bein war am Knöchel schon stark geschwollen. Sanft befühlte sie die Stelle. »Es scheint nichts gebrochen, nur verrenkt. Ihr habt doch im Gefrierschrank bestimmt so Eisbeutel, die holt mal und ein Glas Wasser.« Schnell wie der Blitz sauste einer ins Haus. Die anderen standen flüsternd etwas abseits. Scheinbar wussten sie nun wer die alte Dame war. Sehr oft hatten sie sie schon geärgert und beschimpft, wenn sie nicht schnell genug aus dem Wege ging. Und jetzt war sie hier unten und half ihnen, während die anderen, sonst so freundlichen Nachbarn, hinter der Gardine standen und zusahen.
Zu allem Überfluss fing es jetzt an zu regnen. Der Eisbeutel war inzwischen da und sie legte ihn auf den Knöchel. Dann gab sie ihm ein Aspirin gegen die Schmerzen. »Das Bein muss ruhig gehalten werden. Besser wäre es, wenn ihr in die Notaufnahme fahren würdet. Damit er noch mal von einem Arzt untersucht wird. Mehr kann ich für ihn nicht tun.« »Aber wir sind alleine, unsere Eltern sind arbeiten und die Freunde wohnen wo anders. Wie sollen wir da hin kommen?« Anna sah die Jugendlichen prüfend an: »Ich rufe von meiner Wohnung aus einen Krankenwagen an. Einer fährt mit ihm. Die anderen können von mir aus bei mir warten. Natürlich nur, wenn ihr wollt. Zu essen und zu trinken habe ich auch.» Das nahmen sie zögernd an und trugen erst einmal den Verletzten auf die Terrasse.

Als der Freund weg war, standen sie auf der Terrasse herum und schauten zu Annas Balkon hoch. Sie trauten sie nicht, in die Wohnung zu gehen. War das ihr schlechtes Gewissen? Da erschien Annas Kopf über dem Geländer: »Nun kommt schon, der Kakao wird kalt.« Schnell wie der Blitz rannten die Jugendlichen nun hinauf.
In der Wohnung roch es wunderbar nach heißem Kakao. Auf dem Tisch standen Schokokekse und Apfelkuchen.
»Setzt euch und langt zu. Bei soviel Temperament, wie ihr habt, seid ihr bestimmt hungrig, oder?« meinte sie lächelnd. Immer noch waren sie erstaunt über diese alte Dame, die eigentlich keinen Grund hatte ihnen zu helfen. Und das sagten sie dann auch. Und sie entschuldigten sich. Aber davon wollte Anna nichts hören. »Kinder sind nun mal so. Zeitweise habe ich vergessen, wie ich selbst einmal war und auch meine Kinder waren keine Engel. Viele alten Leute vergessen das. Aber ich habe mich, glaube ich, noch rechtzeitig erinnert.« Es entspann sich ein tolles Gespräch. Die Kinder waren froh, das ihnen mal jemand zuhörte. Sie erzählten ihr von ihren Sorgen und Nöten. Anna hatte so manch guten Rat. Plötzlich klingelte es und die beiden Jungens waren wieder da. Auch sie bekamen heißen Kakao und Kuchen. Mit Erstaunen sahen sie, wie gut sich die Freunde inzwischen mit Frau Meyers verstanden. Anna erzählte ihnen Erlebnisse aus ihren Schultagen als Lehrerin und auch von ihren vielen Strafen als Kind. Sie versprach den Jugendlichen immer ein offenes Ohr für sie zu haben. Sie dürften jederzeit zu ihr kommen, auch mit den Hausaufgaben. Allerdings nicht ohne Zustimmung der Eltern. Und so entstand eine wunderbare Freundschaft. Auch die Eltern der Kinder waren begeistert und luden die neue Freundin nun öfter zu sich ein. Kater Oskar war auch sehr angetan, hatte er doch jetzt ganz viele Hände mehr, die ihn streichelten.

© 2012 by Sieglinde Schwierczinski. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung


Eine Erzählung für Kinder mit dicker Moralkeule und überaus kitschigem Schluss.
Unklare räumliche Vorstellungen, seltsame Dialoge, und im Original kaum zumutbar: 110 (!) fehlende Leerzeichen nach Punkt oder Komma mussten ersetzt, 29 fehlende oder falsche Anführungs- bzw. Schlusszeichen sowie 13 falsche Satzzeichen verbessert werden, damit Leser und Leserin dem Text ohne Irritationen folgen kann …

Die Kritik im Einzelnen


Wie kann Anna lautes Lachen von dem viel lauteren Gejohle unterscheiden? Ist das laute Lachen überhaupt wichtig? Rätselhaft auch, warum sie das plötzlich laut hörte: Normalerweise steigert sich die Lautstärke mit der Annäherung der Jugendlichen. Das ist alles ziemlich merkwürdig. zurück

Die Ecke macht das Unverständliche des Anfangs nicht besser, denn diese hält den Schall nicht davon ab, schon vor den Jugendlichen um die Ecke zu witschen! M.a.W: die Ecke darf fehlen!. Erstaunlich, dass Anna sie nicht zählen kann: Dann müssen die Jugendlichen verdammt schnell gewesen sein, denn bis zu sieben Personen erkennt man ohne zu zählen auf einen Blick …
Inliner sind in der Regel ziemlich lautlos, sie verursachen gewiss kein rollendes Poltern – das bleibt den Skatebords mit den kleinen Rädchen vorbehalten.
Ich erlaube mir mal wieder einen Verbesserungsvorschlag zu machen für diesen missglückten Beginn:
Erschrocken trat Anna zur Seite: Mit lauten Gejohle brausten fünf Jugendliche auf Inlinern und lärmenden Skateboards von hinten an ihr vorbei. zurück

Ein Trolly ist eigentlich ein Trolley, zumindest rechtschreibmäßig betrachtet – das hat nichts damit zu tun, dass Trolly sehr wohl im Internet zu finden ist, wie jeder andere Rechtschreibfehler auch. Aber das ist nicht so wichtig: Viel wichtiger ist, dass es nicht um die Entfernung zum Supermarkt geht, sondern um den Weg hin und zurück. Dass ihr der Arm nun weh tat, ist verzichtbar. Und so würde ich das auch schreiben:
Vom Ziehen tat ihr der Arm weh, denn der Weg zum Supermarkt und zurück war weit. zurück

Das das nebst voraus gegangenem Komma darf man getrost streichen! zurück

Warum wohl werden Augen groß? Na? Eben – Anna ist erstaunt! Warum also muss das denn nochmals dem armen Leser um die Ohren geklatscht werden? So muss das heißen:
(…) wurden groß: Eine ziemlich junge Frau mit einem … Rollator! Dass die Madame noch ziemlich jung ist, kann man getrost vergessen, denn niemand ist immer jung, das vergeht, garantiert … zurück

Mit etwas mehr Schwung ist dröger Nominalstil: Wie wäre es mit einem einfachen etwas schwungvoller? zurück

Sowohl hier als auch im folgenden Sätzlein empfehle ich das hochsprachliche allein statt dem umgangssprachlichen Geschnodder alleine. zurück

Nanu? Hat die alte Anna den Trolley verloren? Wo kommt die Tasche her? zurück

Ab hier den Rest des Satzes streichen – denn das sind Standardfloskeln, die man sich schenken kann. Kinder sind nicht doof, die verstehen das Miauen schon ohne diesen Hinweis. zurück

Was soll das denn heißen? Was ist eine großer Balkon? Wie wäre es mit ausladend, geräumig, großzügig bemessen, stattlich? Aber dieses dröge groß? Es ginge ganz ohne ein Adjektiv: Denn dass da viel Platz ist, wird aus der folgenden Wohlfühl-Oase deutlich – was braucht es also mehr? zurück

Klar, ja, ich weiß schon: Normalerweise blühen Pflanzen potthässlich – Anna hingegen liebt & hütet absonderliche Pflanzen, die blühen in echt so wunderschönAlles blühte so wunderschön bitte bitte in den Abfalleimer! Und so zusammen fassen: (…) setzte sie sich nun auf den Balkon: Der war eine richtige Wohlfühl-Oase! Bitte auch die geänderten Satzzeichen beachten, es gibt schließlich weit mehr als Punkt und Komma! zurück

(Stöhn) Es gibt einfach keinen Ausgleich ZU etwas, aber es gibt einen Ausgleich FÜR etwas! zurück

Welche Kinder sind hier gemeint? Die Enkelkinder? Oder Annas eigene mit ihren Kindern? Hieße es ihre Kinder statt die Kinder, wo doch gerade von Enkel die Schreibe war, wäre alles klar, selbst Kinder würden den Satz dann verstehen … zurück

In eigener Sache: Jetzt gibt es nur noch einen Link pro Absatz, sonst sitze ich nächste Woche noch an dieser Besprechung!
Zu Beginn hörte Anna beschreiblichen Lärm – jetzt hört sie wieder unbeschreiblichen Lärm (eiwei …) – und als sie über die Balkonbrüstung blickt, hört sie trotz des unbeschreiblichen Lärms jemanden weinen: Das wird dann wohl eher ein Kreischbrüllen gewesen sein … Auch der Hilferuf und der völlig alberne Satz Meine Eltern sind nicht zu Hause wären in dem unbeschreiblichen Lärmgekreische wohl untergegangen. Und der Genitiv Plural von Junge heißt JungenJungens ist Umgangssprache und damit gewisslich nicht Stil einer pensionierten Lehrerin!
Hätte jedoch vor dem Haus der übliche Kinderlärm stattgefunden und wäre plötzlich abgebrochen, wäre das doch Grund genug gewesen, über die Balkonbrüstung zu schauen, und alles hätte annähernd so sein können – annähernd, denn der alberne Satz kommt später nochmals, da passt er dann auch! zurück

Wenn jemand schwer am Gehstock geht, kann er nicht rennen. Die Äußerung, dass sie selbst nicht wusste, dass sie so schnell rennen könne, entschuldigt das nicht, zumal diese Äußerung in der Situation völlig überflüssig ist. Ebenso ihre Vorstellung. Und dass die Jugendlichen plötzlich Kids heißen, ist nur noch sonderbar. Folgendes bliebe übrig:
Anna war nun nicht mehr zu halten. Ohne zu überlegen ergriff sie den Notfallkoffer und beeilte sich. Zwei Minuten später war sie im Garten. »Was ist passiert?« Die Jugendlichen erklärten es und fragten, ob sie Ärztin wäre. »Nein,« lächelte Anna »ich war Lehrerin, aber mein Mann war Arzt, und ich musste ihm oft helfen.« zurück

Annas Wunsch nach Eisbeutel und Wasser ist höchst umständlich und letztlich unangemessen. Die Floskel schnell wie der Blitz kommt demnächst nochmals und ist fürchterlich breitgetrampelt – soll der eine Bursch doch ins Haus rennen oder in ihm verschwinden (war das der, dessen Eltern nicht zu Hause sind?). Dass die Jungen nicht wussten, wo Anna wohnt, ist unglaubwürdig, es sei denn, der Junge, der ins Haus geblitzt ist, ist gerade erst eingezogen. Die anderen Nachbarn sind also freundlich? Und Anna war immer unfreundlich? Was soll das, es ergibt doch keinen vernünftigen Sinn! Außerdem frage ich mich: Wo ist eigentlich das Weinen des Jungen geblieben? Und hat er eigentlich Schmerzen? Darüber zu befinden ist aber nicht meine Aufgabe! Übrig bliebe:
Der junge Mann hatte einige Schürfwunden an Kopf und Knie, und das eine Bein war am Knöchel schon stark geschwollen. Sanft befühlte sie die Stelle. »Es scheint nichts gebrochen, nur verrenkt. Ich brauche einen Eisbeutel und ein Glas Wasser.« Einer verschwand im Haus. Die anderen standen flüsternd etwas abseits. Sie kannten die alte Dame. Oft hatten sie sie schon geärgert und beschimpft, wenn sie nicht schnell genug aus dem Wege ging. Und jetzt war sie hier unten und half ihnen, während die anderen Nachbarn hinter der Gardine standen und zusahen. zurück

Den Regen kann man sich sparen, er hat keinerlei Bedeutung für den Fortgang der Handlung. Man hätte genau so gut schreiben können, zu allem Überfluss sei in Indien ein Sack Reis umgefallen. Warum hat der Eisbeutel eigentlich Schmerzen und bekommt Aspirin, während der Junge leer ausgeht? Das zumindest sagt die Satzkonstruktion aus, denn das ihm bezieht sich sprachlogischerweise auf das Subjekt des vorangegangenen Satzes (sollte der Knöchel das Aspirin bekommen, müsste es diesem heißen – der Junge hingegen fehlt völlig. Vermutlich war das Glas Wasser noch unterwegs, angekommen ist es ja nicht im Gegensatz zum Eisbeutel. Warum Anna aber überhaupt Aspirin verabreicht, ist unverständlich: Weder den Jungen noch den Eisbeutel hat sie danach gefragt. Damit aber nicht genug: Wie sollen denn bitte die Jungen den Verletzten ins Krankenhaus befördern? Und wieso schaut Anna die Jugendlichen prüfend an? Und warum tragen sie den Jungen auf die Terrasse – und auf welche? Wo kommt die her? Der Junge liegt doch im Garten, wenn ich mich recht erinnere … Vorschlag:
Der Eisbeutel und Wasser waren inzwischen angekommen. Sie legte ihn auf den Knöchel. Dann gab sie ihm ein Aspirin gegen die Schmerzen. »Das Bein muss ruhig gehalten werden. Er muss noch mal von einem Arzt untersucht werden. Ich rufe gleich einen Krankenwagen. Einer bleibt bei ihm. Die anderen können von mir aus bei mir warten. Ich wohne im dritten Stock. Natürlich nur, wenn ihr wollt. Zu essen und zu trinken habe ich auchzurück

Die Terrasse und den Regen hatte ich entfernt – Es wäre ja auch doof von den Jugendlichen, auf einer Terrasse zu stehen, wenn es regnet – denn was wäre da der Vorteil? Und sollte es sich um eine überdachte Terrasse handeln, könnten sie nicht von da aus zu Annas Balkon hoch schauen. Da stimmt was Gehöriges nicht. Zudem kommt der angekündigte Blitz … Übrig bliebe:
Als der Freund weg war, schauten zu Annas Balkon hoch. Sie trauten sich nicht, in die Wohnung zu gehen. War das ihr schlechtes Gewissen? Da erschien Annas Kopf über dem Geländer: »Nun kommt schon, der Kakao wird kalt.« zurück

Ja, ja, wundaba … hatten wir doch schon … roch wunderbar (schauder): Wie wäre es mit einem schlichten duftete OHNE riechen und wunderbar? SO EINFACH kann Schreiben sein, wenn man sich nur an die herrlichen Verben zu erinnern bemüht: Die Wohnung duftete nach heißem Kakao. zurück

An diesem Teilstück stört mich lediglich Zeitweise habe ich vergessen – es ist ihr doch gerade erst passiert, und das ist doch nicht Zeitweise, sondern manchmal! Ich würde vorschlagen Manchmal vergesse ich (…) zurück

Und jetzt kommt die Moralkeule … beim letzten Link hätte diese Erzählung enden können: Anna hat eine Verbindung hergestellt, die Jugendlichen sind gekommen. Alles Weitere ist überflüssig. Stattdessen wird jetzt ein superkitschiges Happyend konstruiert nach dem Motto: Seid lieb zu den Alten, denn dann geht es euch prima! Diese Verbrüderung ist schlichtweg peinlich! Jedes Kind, das zugehört oder gelesen hätte, kann allein weiter denken, vielleicht entstehen fruchtbare Gespräche, aber ein solch zuckersüßes Ende macht die Erzählung unglaubwürdig, weil sie so tut, als müsste es so sein. Solche Moral sollte Märchen vorbehalten bleiben, wo die Kleinen und Schwachen und Unterdrückten gewinnen – aber in Erzählungen haben sie nichts zu suchen, damit macht man alles kaputt! zurück

Dirk Mende: Miranda und die Wunderfeder – Eine literarische Wundertüte

Dirk Mende: Miranda und die Wunderfeder - Buch mit SchutzumschlagWas war das? Was ist geschehen? Wohin hat uns dieses Werk katapultiert?

Wir haben uns gegenseitig aus diesem Buch vorgelesen, abwechselnd eines der 24 Kapitel (es hat aber nicht 24 Stunden gedauert, trotz der 386 Seiten).

Wir haben gelacht, waren erstaunt und glaubten uns zu erinnern (»He: Kenn’ wa doch! War so nicht Goethes Werther angezogen?«).

Wir erlebten mit und in diesem Buch Unerwartetes und Bizarres; mal betraf es die Form, dann die Sprache oder den Inhalt.

Nach Goodreads-Übernahme: Amazon kürzt Autorenhonorare auf 40% [April! April!]

Amazon Autoren erhalten statt 70% nur noch 50% TantimeDer folgende Artikel war unser Aprilscherz 2013 – wenngleich auch nicht alles erfunden war. Näheres zu den realen Hintergründen gibt’s im Nachtrag.

Es waren zwei faule Ostereier, die Amazon Lesern und Autoren ins Nest legte. Kurz vor Ostern wurde bekannt, dass der US-Konzern mit Goodreads einer der größten unabhängigen Buchbewertungsportale übernommen hat. Es wird von einem Kaufpreis von 150 Millionen Dollar gemunkelt.

Das Geld scheint sich Amazon nun von den Selfpublishern zu holen. In einer Pressemeldung gab der Konzern heute bekannt, dass Amazon ab sofort die Autoren-Tantiemen für Selbstverleger von bislang 70% auf 40% kürzt – zunächst jedoch nur in den USA. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass auch Autoren in Deutschland demnächst weniger einnehmen werden.

Amazon begründet diesen Schritt mit »verbesserten Marketinginstrumenten und einem erweiterten Informationsangebot für Selbstverleger«.

Autors Abschied von Amazon: Bye-bye, Mr. Bezos!

»Sechs«-Schriftzug des Romans von Niels GerhardtOhne Amazon und den Kindle wäre Selfpublishing nie so populär geworden wie derzeit. Sein eigenes Buch kann man über Nacht in der weltweit größten Internetbuchhandlung anbieten und erhält bis zu 70% an Autorenhonorar. Ein Traum für Autoren!

Doch wer sich allein von Amazon abhängig macht, der ist dem Konzern mehr oder weniger ausgeliefert. Die Regeln bestimmt nicht mehr der Autor.

Niels Gerhardt ärgert eine ganz bestimmte Kundenrezension zu seinem Roman »Sechs« – und die war eigentlich nicht mal negativ.

Der Autor schildert den Sachverhalt in einem offenen Brief an den Amazon-Chef Jeff Bezos. Denn manches muss man zur Chefsache machen.

Vorsicht Buch! Darf der Börsenverein mit Facebook zusammenarbeiten?

Vorsicht Buch: Alexander Skipis
Alexander Skipis (Foto: literaturcafe.de)

Zur Leipziger Buchmesse startete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Werbekampagne für das Medium Buch. Die Aktion unter dem ironischen Motto »Vorsicht Buch!« ist mit einem Gesamtbudget von 3 Millionen Euro auf drei Jahre angelegt.

Auf der Messe waren die üblichen Werbemittel zu sehen: Plakate, Buttons, Aufkleber und Luftballons. Neben der URL der Kampagnen-Website wird damit eine Facebook-Seite beworben.

Moment! Facebook? Der US-Konzern tritt das Urheberrecht mit Füßen und fördert Urheberrechtsverletzungen. Außerdem verstößt das Unternehmen nach Meinung von Experten gegen deutsche Datenschutzgesetze.

Darf sich der Börsenverein, der immer wieder »ein starkes Urheberrecht« fordert, über alle Bedenken hinwegsetzten, wenn es um die eigene Sache geht? Wir haben bei Alexander Skipis nachgefragt, dem Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

E-Book-Seminar in Bremen: Reich und berühmt im Selbstverlag? [Ausgebucht]

Das denkmalgeschützte ehemalige Verwaltungsgebäude der Bremer Woll-Kämmerei Nach drei ausgebuchten Terminen in Stuttgart, findet unser E-Book-Seminar für Selfpublisher erstmals im Norden Deutschlands statt: am 20. April 2013 in Bremen.

Sein Buch selbst zu verlegen, das galt bislang eher als Makel. Doch E-Books werden immer populärer, und plötzlich erlebt das »Selfpublishing« einen Boom. Nicht nur Neulinge, sondern auch etablierte Autoren nutzen die digitale Veröffentlichungsmöglichkeit oder haben es vor. Viele proklamieren gar das Ende der Verlage, wie wir sie kennen, und einige Autoren wollen mit ihren E-Books 15.000 Euro in nur sechs Wochen verdient haben.

Was ist dran an diesen Berichten? Ist es wirklich so einfach, mit selbstgemachten E-Books Leser zu erreichen und dabei auch noch etwas zu verdienen?

Nach drei ausgebuchten Terminen im Süden findet der Workshop mit dem E-Book-Experten und literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer in Zusammenarbeit mit Pius von Heereman am 20. April 2013 erstmals in Bremen statt.

Rempeln und Staunen: Zweimal Leipziger Buchmesse im Rückblick

Gedraenge 3Ein Mann mittlerer Größe tritt durch die Glastür in die Messehalle 2 der Leipziger Buchmesse. Als er wenige Meter von mir entfernt ist, öffnet er seinen großen Mantel, und ein kleines Mädchen kommt zum Vorschein. Er hatte seine Tochter offenbar zum Schutz vor der Kälte außerhalb der Halle darunter verborgen.

Dieses Jahr hätten sich wohl viele so einen schützenden Mantel gewünscht, der sie vor den Massen an Besuchern abschirmt. Doch gegen eine gewisse Grundaggressivität tausender Menschen auf Veranstaltungen hilft bekanntlich nur eines: Augen zu und durch.

Amazon: Acht deutsche Selbstverleger haben jeweils über 100.000 Euro verdient

Interview mit dem ZDFGestern war der erste Tag der Leipziger Buchmesse – und Selfpublishing natürlich das Thema. ZDF, dpa, MDR, noch einmal MDR und Deutschlandradio Kultur: So viele Interviewanfragen wie in diesem Jahr gab es beim literaturcafe.de noch nie. In unserer lauschigen Ecke im Digitalen Wohnzimmer löste fast ein Kamerateam das nächste ab. Und dazwischen stand Wolfgang Tischer als Referent und Moderator auf der Bühne der Halle 5. Die Veranstaltungen werden in den Tagen nach der Messe nach und nach als Podcast im literaturcafe.de online gehen für alle, die nicht in Leipzig sind.

Amazon als wichtigste Selbstverleger-Plattform ist in Leipzig allerdings nicht vertreten. Und dennoch versuchte der Konzern gestern Selfpublisher mit enormen Geldsummen zu beeindrucken, die die Selbstverleger verdient haben.

autoren@leipzig Award – Die Preisträger des 1. Self-Publishing-Wettbewerbs stehen fest

autoren@leipzig Award - GewinnerDie Buchmesse hat die sechs Preisträger des autoren@leipzig-Awards bekannt gegeben. Mit diesem Selfpublishing-Wettbewerb der Leipziger Buchmesse, der von neobooks gesponsert wird, werden herausragende selbstverlegte Bücher ausgezeichnet. Rund 400 Autorinnen und Autoren hatten ihre Titel für den Wettbewerb eingereicht.

Die endgültige Entscheidung über die je drei Preisträger im Bereich Belletristik und Sachbuch lag bei einer fünfköpfigen Expertenjury, zu der auch literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer gehört.

Tolino Shine im ausführlichen Test: Kindle-Killer oder Kindle-Clone?

22

E-Book-Reader Tolino ShineAuf dem deutschen Markt gibt wieder ein neues E-Book-Lesegerät. Es hört auf den Namen Tolino, seinen Eltern geht es nicht so gut – zudem sind sie Konkurrenten: Der Tolino Shine ist das gemeinsame Lesegerät der Buchhandelsketten Thalia und Hugendubel-Weltbild (DBH), deren Umsätze rückläufig sind. Weltbild hat schon vor einiger Zeit Filialen geschlossen, und bei Thalia gehen ebenfalls nach und nach die Lichter aus. Das Gerät wird zudem in den seit Jahren kränkelnden Bertelsmann-Buchclub-Filalen verkauft. Und schließlich ist noch die Telekom dabei, die bei Kunden nicht immer den besten Ruf hat.

Trotz alledem will diese Allianz mit dem Tolino den Kindle-Reader des amerikanischen Amazon-Konzerns angreifen. Kann man das Ernst nehmen?

Wir haben den Tolino Shine ausführlich getestet.

Hilflos-handlungsunfähige Götter – oder vom »Recht, beleidigt zu sein«

Qutb-Minar: Figuren in einer Moschee
Figuren in einer Moschee

Politische Korrektheit und das Recht, beleidigt zu sein, das sind zweierlei Dinge – und doch nicht.

Wenn Politiker Sachverhalte nicht ändern können, ändern sie die Bezeichnung: Aus Mülldeponie wurde Entsorgungspark oder Entsorgungsanlage, denn das klingt doch gleich viel freundlicher! Die GEZ heißt jetzt offiziell nicht mehr GEZ, sondern Beitragsservice, obwohl sie nach wie vor Gebühren einzieht. Aus Sonderschulen wurden Förderschulen, grad so, als seien die Schüler der Sonderschulen nicht besonders gefördert worden, aus Putzfrau wurde Raumpflegerin, und wer mit »Personen aus bildungsfernen Schichten mit Migrationshintergrund und mobilem Lebenswandel« gemeint ist, darf sich jeder selbst ausgrübeln.

Jokers Lyrik-Preis 2013: Drei vertonte Gedichte zum Start

Jokers Lyrik-PreisZum elften Mal startet heute (1. März 2013) der Jokers Lyrik-Preis des gleichnamigen Buchversenders. Den ganzen Monat März über können Hobby-Dichterinnen und -Dichter wieder die Jokers-Datenbank mit ihren Werken füttern.

Dem besten Gedicht winkt ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro und für den zweiten und dritten Platz gibt es 500 bzw. 250 Euro – zusätzlich Sonderpreise, Warengutscheine und einen Preis für »Humor« in Höhe von 100 Euro.

Zum Start des Jokers Lyrik-Preis 2013 präsentieren wir Ihnen drei vertonte Gedichte als MP3-Download. Es sind die Sonderpreisgewinner des literaturcafe.de vom vergangenen Jahr.

Erst mal kostenlos: Pfarrer Menzel kommt aufs Kindle

0

Pfarrer MenzelDie schrägen Miniaturen über Pfarrer Menzel sind bereits seit einiger Zeit im literaturcafe.de zu lesen. Es sind kleine Textlein für Liebhaber des Grotesken – und nur für diese. Der Rest wundert sich.

Menzel-Erfinder und Menzel-Autor Malte Bremer empfiehlt, nicht mehr als fünf pro Tag zu lesen und bei der Lektüre die vorgesehene Reihenfolge einzuhalten, um nicht in Verwirrung zu leben.

Menzel-Fans können die gesammelten Werke ab sofort als E-Book für Amazons Kindle herunterladen. Fünf Tage lang kostet das nix, danach dann 3 Euro.

Filmkritik: »Nachtzug nach Lissabon«

Plakatausschnitt: Nachtzug nach LissabonDer Roman »Nachtzug nach Lissabon« von Pascal Mercier von 2004 war über zwei Jahre lang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste vertreten.

Das Buch vereint Blümchen-Philosophie vom Schlage Paulo Coelhos mit der Dramaturgie eines Computer-Textadventure-Spiels. Und die Hauptfigur macht das, was wir uns doch insgeheim alle wünschen: Von einem Tag auf den anderen bricht sie aus ihrem bisherigen Leben aus. Eckpfeiler eines Bestseller-Erfolgs.

Der schwedische dänische Regisseur und Literaturverfilmer Bille August (»Das Geisterhaus«, »Fräulein Smillas Gespür für Schnee«) bringt nun den Nachtzug ins Kino.

Wir haben uns den Film schon mal angesehen.