Das literaturcafe.de unterstützt die Stuttgarter Buchwochen 2020. Vier hochkarätige Livestreams sind ab dem 12. November 2020 auch über das literaturcafe.de verfügbar. Freuen Sie sich auf spannende Buchdiskussionen des literarischen Buchhandelsquartetts und Gespräche mit der Autorin Anna Katharina Hahn (»Aus und davon«), Heinrich Steinfest (»Der Chauffeur«) und Joachim Zelter (»Imperia«).
ALLES GUT? – Schaurig-schöner Corona-Grusel von Nikolaus Heidelbach

Lockdown. Quarantäne. Allein in der Wohnung. »Außenkontakte versiegt«, notiert der Erzähler. Der Blick fällt auf Tapeten. Alles bekommt plötzlich Augen. Covid-19? Beginnender Wahnsinn? Nikolaus Heidelbach hat mit »ALLES GUT?« ein beängstigend schönes und klaustrophobes Corona-Tagebuch gezeichnet.
Textkritik: Keine Gnade für den amerikanischen Obermops
(Der Obermops und die steinerne Dame)
Die Zeiten sind schwierig in der Mopsrepublik. Donald Trampel, der Obermops, hat an vielen Ecken gezündelt, und nun droht ihm das Ganze um die Ohren zu fliegen. Alle sind etwas aufgeregt, aber nicht Donald Trampel. Er ist ganz in seinem Element. Er hat seine Berater einberufen und bespricht mit ihnen die Lage: »Wir müssen handeln!«, sagt er. »Was wollen wir tun?«
»Wir müssen etwas gegen die Pekinesen unternehmen Die fressen uns immer die fettesten Bissen weg!“, sagt Mops Blinky.
»Gut! Machen wir!«, sagt Donald Trampel.
»Und die afghanischen Windhunde – die sind wirklich gefährlich. Die greifen uns ständig von hinten an! Die müssen wir zur Ordnung rufen!«, ruft Mops Lollypop aufgeregt in die Runde.
»Ja! Auch das machen wir!«, sagt Donald Trampel. »Verdammt, und ich hab immer Ärger mit einem Qhadrejooni!«, wirft Labra Doodle ein. »Der ist beinahe so groß wie ich und will einfach nicht zur Seite gehen, wenn ich komme. Man muss unbedingt etwas gegen ihn unternehmen!«
»Wer is´n das?«, fragt der Obermops.
»Na, der iranische Hirtenhund, das müsstet Ihr als Obermops doch wissen!«
»Klar, klar! Weiß ich ja auch! Das war ja nur eine Testfrage, ob ihr überhaupt wisst, wovon ihr redet!«
»Hä? Na, egal! Macht Ihr nun was gegen ihn?«
»Klar, machen wir!«, bestätigt Donald Trampel.
»Und was?«, bohrt Mops Lollypop nach.
»Na, ich werde ihm einen Tweed schicken!«
»Hä, einen Tweed? Was soll er denn mit einem Tweed?«
»Na, wenn er den bekommt, weiß er, was die Stunde geschlagen hat!«
»Ach, der Obermops meint sicher einen Tweet!«, schaltet sich nun Donald Trampels engster Berater Lord Waldemar ein.
»Klar!«, bestätigt Donald Trampel.
»Und was wollt Ihr da sagen?«
»Äh, ich werde sagen, er soll aufhören, Ärger zu machen, sonst …«
»Ja, was sonst?«
Wieder schaltet sich der Oberpinscher Lord Waldemar ein. »Wie wär‘s damit: Wenn Du kämpfen willst, wäre es Dein offizielles Ende. Drohe niemals der Mopsrepublik!«
»Ja, stimmt, genau das wollte ich sagen!«
Plötzlich klopft es donnernd an die Tür.
»Geh mal einer nachschauen!«, ruft unerschrocken Donald Trampel.
Mastino, der Liebling von Donald Trampel, wackelt zur Tür und öffnet sie einen Spalt. »Oh mein Gott!«, ruft er entsetzt und weicht zurück, so dass der unerwartete Gast zur Tür hereinkommen kann. Mit starrem Gesicht und erhobener Fackel betritt eine riesengroße steinerne Figur den Raum: Miss Liberty!
Alle versammeln sich verängstigt in einer Ecke, nur Donald Trampel nicht. »He, Miss Liberty! Das ist ja geil! Was willst Du denn hier? Du stehst doch sonst immer am Hafen rum! Du hast Dich sicher verirrt!«
Einen kurzen Moment ist Miss Liberty beeindruckt von der Unerschrockenheit des Obermopses, dann herrscht sie ihn an: »Ich bin gekommen, um Dich zur Rechenschaft zu ziehen. Du hast noch eine Chance: Kehre um und ändere Dich!«
»Was, wieso? Ich bin doch toll, so wie ich bin! Alle lieben mich. Hast Du gesehen, wie sich all die Pinscher und Dackel an mich ranschmeißen? Das hat es noch nie gegeben. Ich bin einmalig, ich bin großartig!«
»Nun, ich habe gesagt, was ich zu sagen hatte. Du hast noch einen Tag Zeit, Dich zu ändern. Denk nach!« Mit diesen Worten verlässt die Steinerne den Raum.
Alle sind ein wenig bedrückt, außer Donald Trampel. »He, Leute, war das nicht enorm? Das hat man auch nicht alle Tage! Das müssen wir jetzt feiern!«
»Aber wir sind doch noch gar nicht fertig!«, werfen seine Berater ein.
»Egal! Morgen ist auch noch ein Tag!«, wehrt Donald Trampel ab. »Mastino, los, Getränke und Möpsinnen!«
Die Nacht ist lang, und sie sind durstig, und die Möpsinnen sind weich und willig. So ist es kein Wunder, dass am anderen Tag alle entscheidungslos in ihren Sesseln hängen. Erst am Nachmittag machen sie weiter mit ihrer Beratung. Die steinerne Dame haben sie längst vergessen.
Irgendwann am Abend – Mastino bringt gerade die Getränke für eine weitere nächtliche Runde herein – klopft es erneut donnernd an die Tür. Alle sind sie noch mehr oder weniger benommen und nehmen das Klopfen nicht wirklich ernst. Wieder öffnet Mastino die Tür. Mit einer devoten Verbeugung bittet er die steinerne Dame herein.
Zusammenfassende Bewertung
Eine bemüht witzig sein wollende und äußerst stümperhafte Auseinandersetzung mit Donald Trump und seinen Beratern.
Die Kritik im Einzelnen
Die Dämlichkeit dieses Textes beginnt bereits mit der Überschrift: Die Verfasserin glaubt nämlich allen Ernstes, dass die weltweit bekannte Freiheitsstatue aus Stein bestehe … zurück
Donald Trump, Donald Trampel … wie billig! Schön war es, als nach seinem Amtsantritt tatsächlich ein*e Nachrichtensprecher:in von ARD oder ZDF die aktuellen Nachrichten begann mit den Worten: »Und täglich grüßt das Trampeltier … «: DAS hatte was! Aber aus dem Trampeltier einen Mops zu machen bzw. Obermops: Das hat gar nichts! zurück
Das sollen wohl die Chinesen sein? Platt, platter geht’s nicht! Es reicht: Mit diesem zusammengestümperten Text, der angeblich ein Märchen für Erwachsene sein soll, werde ich mich nicht weiter auseinandersetzen: Aber wer wer möchte, darf ihn gerne bis zum Ende lesen! zurück
Das Beste kommt auch hier erst nachts: Die Frankfurter Buchmesse »Special Edition« im Selbstversuch

Vieles ist 2020 ausgefallen. Die erstaunlichste Kommunikationsleistung hat jedoch die Frankfurter Buchmesse geschafft: Niemand redet von einer ausgefallenen Buchmesse. Stattdessen wird eine Ansammlung von Livestreams, Zoom-Konferenzen und eine unübersichtliche Website als »Buchmesse ›Special Edition‹« bezeichnet. Wie war die digitale Messe? Ein virtueller Rundgang am Messefreitag, der wie immer erst nachts gut wurde.
Das Literarische Quartett im Oktober 2020: Wer verführen will, der kocht Kartoffelsuppe

Gerne hätte der langjährige Rezensent des Literarischen Quartetts dieses als Podcast beim Joggen gehört. Doch leider wird dieser offenbar bewusst verzögert ausgeliefert. Also fährt der Rezensent eine Runde Mario Kart mit Thea Dorn und ihren Gästen.
Gastland Kanada: »Ein Leben mehr« von Jocelyne Saucier

Kanada ist das Gastland der Frankfurter Buchmesse. Wolfgang Tischer war dort. Direkt aus den Wäldern Québecs empfiehlt er im Video ein Buch, das genau dort spielt: »Ein Leben mehr« von Jocelyne Saucier.
2020 präsentiert sich Kanada nur virtuell auf der Frankfurter Buchmesse, im nächsten Jahr 2021 dann hoffentlich auch vor Ort. Aus diesem Anlass sind zahlreiche Übersetzungen kanadischer Bücher erschienen.
Doch wer hierzulande vor zwei oder drei Jahren in einer Buchhandlung nach kanadischen Autoren fragte, bekam meist nur Margaret Atwood und Alice Munro genannt.
Mit einer Ausnahme: Gut informierte Buchhändlerinnen und Buchhändler zogen ein Insel-Taschenbuch aus dem Regal, das bereits 2015 in deutscher Übersetzung erschienen ist: »Ein Leben mehr« von Jocelyne Saucier.
Die Handlung des Buches spielt nicht nur in Kanada, sondern auch in den Wäldern der französischsprachigen Provinz Québec. Sonja Finck hat das Buch aus dem kanadischen Französisch übersetzt. Rund ein Viertel aller in Kanada erscheinenden Bücher sind französischsprachig.
Wo Seen nicht mal einen Namen haben
»Ein Leben mehr«, im Original »Il pleuvait des oiseaux« (Es regnete Vögel), war Jocelyne Sauciers viertes Buch, aber das erste in deutscher Übersetzung. Ende September 2020 erschien ein weiteres Buch der kanadischen Autorin auf Deutsch »Was dir bleibt«. Ein ausführliches Gespräch mit Jocelyne Saucier können Sie demnächst im Podcast des literaturcafe.de hören.
Die Autorin, Jahrgang 1948, lebt mehr oder weniger dort, wo die Handlung von »Ein Leben mehr« spielt: im Norden Québecs, wo es grenzenlose Wälder und so viele Seen gibt, das einige davon nicht mal einen Namen haben.
Drei Männer haben sich hierhin in die Einsamkeit zurückgezogen. Sie sind alle weit über 80. Ihr einsames Leben gerät durcheinander, als sich eine Fotografin zu ihnen auf den Weg macht – und eine ebenfalls ältere Frau, die über 60 Jahre in einem psychiatrischen Heim zwangseingewiesen war.
Roman über die Freiheit
Jocelyne Saucier erzählt eine Liebesgeschichte und die Geschichte der »Großen Feuer«, Rodungsbrände Anfang des 20. Jahrhunderts, die teilweise außer Kontrolle gerieten und Menschenleben forderten.
»Ein Leben mehr« ist aber auch, das betont Jocelyne Saucier im Podcast-Gespräch, ein Buch über die Freiheit und das selbstbestimmte Leben – gerade im Alter.
Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de ist nach Québec gereist und stellt »Ein Leben mehr« von Jocelyne Saucier im Video vor.
Wolfgang Tischer stellt »Ein Leben mehr« von Jocelyne Saucier im Video vor – direkt aus Kanada
Jocelyne Saucier; Sonja Finck (Übersetzung): Ein Leben mehr: Roman. Gebundene Ausgabe. 2015. Insel Verlag. ISBN/EAN: 9783458176527
Jocelyne Saucier; Sonja Finck (Übersetzung): Ein Leben mehr: Roman. Taschenbuch. 2017. Insel Verlag. ISBN/EAN: 9783458361893. 12,00 € » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Jocelyne Saucier; Sonja Finck (Übersetzung): Ein Leben mehr: Roman. Kindle Ausgabe. 2015. Insel Verlag. 11,99 € » Herunterladen bei amazon.de Anzeige
Seifenoper und Kultroman: »Normale Menschen« von Sally Rooney

Laut Times ist es »der beste Roman des Jahres«. Der Guardian nennt ihn »einen zukünftigen Klassiker«. Ob man diese Euphorie teilt oder nicht: Alle lesen anscheinend Sally Rooneys neuen Roman »Normale Menschen«. Alle sprechen über ihn. Aber ist der Hype um dieses Werk berechtigt?
»Der geheime Garten« im Kino: Wir verlosen Buch und Kinogutscheine
Endlich kommt am 15.10.2020 die Neuverfilmung »Der geheime Garten« nach dem Jugendbuchklassiker von Frances Hodgson Burnett in die Kinos. Ein Highlight in diesem an Premieren armen Kinojahr. In Zusammenarbeit mit Studiocanal verlosen wir zwei Fanpakete mit dem Buch zum Film und zwei Kinogutscheinen.
Hörtipp: Alles über E-Books im Deutschlandfunk

Am 1. Oktober 2020 drehte sich in der Sendung »Marktplatz« des Deutschlandfunks alles ums digitale Lesen und Veröffentlichen. Als Experte im Studio mit dabei war literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer. Hören Sie die ganze Sendung in der Mediathek des Dlf.
3 Buchtipps: Zeitreisende im Café auf der Suche nach der Blauen Blume
Handbuch, Fantasy, Sachbuch: Malte Bremer empfiehlt drei sehr unterschiedliche Bücher, die er in letzter Zeit gelesen hat.
Chinesische Propaganda bei Thalia: Sollte bezahlte Regalfläche gekennzeichnet werden?

Die Buchhandelskette Thalia ist in den negativen Schlagzeilen. Gegen Geld hat das Unternehmen Propagandaschriften der chinesischen Regierung in die Regale gestellt. Bezahlte »Buchtipps« sind bei den Buchketten üblich. Dennoch stellt sich die moralische Frage: Was darf man als Buchhändler alles ins Sortiment aufnehmen? Und muss man bezahlte Verkaufsflächen als solche kennzeichnen?
Spaß am Schreiben: Das Schreiblustbuch von Petra Teufl und Sabine Rädisch

Das Schreiblustbuch macht genau das: Lust zu schreiben. Mit 50 Impulsen fordern die Autorinnen Petra Teufl und Sabine Rädisch zum spontanen und kreativen Schreiben auf. Dazu trägt auch die liebevolle Gestaltung des Büchleins bei.






