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Die Maske: Verfilzte Binsen von Siegfried Lenz

Cover: Siegfried Lenz: Die MaskeSiegfried Lenz ist fraglos einer der großen deutschen Schriftsteller. Schon als Schüler mochte ich ihn: Seine Erzählungen So zärtlich war Suleyken und Das Feuerschiff, seine Romane Deutschstunde und Das Vorbild. Ja: Ich schätzte ihn, erinnere mich noch an Gefühle während des Lesens, weniger an die Inhalte. Dann wurden andere Schriftsteller für mich wichtiger.

Vor ein paar Jahren las ich Lenz‘ Novelle Schweigeminute, eine Liebesgeschichte zwischen ungleichen Partnern, schnörkellos und berührend: Doch, Siegfried Lenz kann was.

Vielleicht schreibt er zu viel? Die fünf Erzählungen in »Die Maske« zumindest enttäuschen zutiefst!

Strategie: Wie veröffentliche ich mehr als ein E-Book bei Amazon & Co?

Fantasy-Trilogie Leserfrage: »Ich habe eine Fantasy-Trilogie geschrieben, die ich dank eures E-Book-Ratgebers bei Amazon veröffentlichen möchte. Wie sollte ich dabei vorgeben? Sollte ich alle Teile auf einmal veröffentlichen, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die Leser den Erscheinungstermin des zweiten und dritten Teils vergessen könnten?«

Eine interessante Frage, da sie sich weder auf technische E-Book-Details noch auf den Inhalt bezieht, sondern auf die Strategie einer Veröffentlichung.

Die Antwort zeigt viele Aspekte auf, die für alle Autoren hilfreich sind, die mehr als ein Buch geschrieben haben.

Textkritik: Kleine Mängel, leicht zu beheben

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Das leise Gemurmel der Betenden beginnt, sich in der einzigen Hauptstraße des Dorfes zu sammeln. Die schwarzen schweren Röcke der Frauen schleifen über die Pflastersteine. Alte Hände halten Gesangbücher. Zwei junge Burschen tragen mit unbewegter Miene das hohe Kreuz. Die Frau am Rande der Straße hält inne. Sie stützt sich auf ihren Kehrbesen, während ihr erster Blick auf den Pfaffen fällt. Sein liturgisches Gewand berührt im Vorbeiziehen beinahe ihre Alltagsschürze. Sie schreckt zurück vor dem Geruch von Mottenkugeln und Haarwasser. Das gemurmelte Beten der alten Frauen schwillt an. Sie senken die Köpfe. Die Frau am Straßenrand erkennt dennoch das eine oder andere gelblich-eingefallene Gesicht, und sie sperrt ihren Atem vor dem Geruch von Lavendel auf alter Haut. Die Gruppe der Männer in dunklen Anzügen betet lauter und tiefer. Als wolle sie die Kreuzesträger in ihrer Mitte schützen vor dem Ansturm der Frühlingsluft. Die frisch umgepflügte Erde verbreitet ihren würzigen Geruch. Sie trägt die dunkle Farbe des Holzkreuzes. Die Frau sucht den Blick des rechten Kreuzträgers. In der Nacht hatte sie den weichen Flaum seines braunen Haares an ihrer Brust gespürt. Später schäumte sie mit einem cremigen Kamillenshampoo dieses kräftige junge Haar, um ihre Nase darin zu baden. Die vorwitzigen Schaumkronen verliefen sich immer noch auf ihrem Gesicht, als er ihr Haus bereits verlassen hatte.

Nun schaut er weg, weit weg, ganz weg. Sie glaubt dennoch, der Duft der Kamille wehe zu ihr hinüber. Es ist aber der strenge Geruch des jahrhundertealten Holzkreuzes, der jeden anderen Sinneseindruck überbietet. Sie fängt den Blick des Gekreuzigten auf und wendet sich mit schnellem Atem ab, als die letzte Gruppe der Murmelnden an ihr vorbeigezogen ist. Raschen Schrittes, nicht mehr auf den Besen achtend, läuft sie ins Haus .

Ihr Atem beginnt zu rasseln. Die Ausdünstungen der Küche nach altem abgestandenen Kaffee, heruntergebrannten Holzscheiten und Morgenschweiß legen sich auf ihre Bronchien wie zäher Schleim.

Als der Menschenzug zurückkommt, steht niemand mehr am Straßenrand. Die alten Frauen singen in hohen schrillen Tönen: »Oh Haupt voll Blut und Wunden.« Die Kreuzesträger blicken zu Boden. Das hohe alte morsche Kreuz ist schwer geworden. Der Pfaffe schweigt noch immer.

Ein Mädchen mit langen blonden Zöpfen hüpft in gebührender Entfernung dem verhallenden Singsang hinterher. Es hält kurz inne angesichts der weit geöffneten Tür jenes kleinen Hauses am Straßenrand. Zu Hause wartet das Fastenessen mit jenem Karpfen, dessen tote Augen glotzen. Das kleine Mädchen hüpft auf den Türschlund zu. Ahnungslos. Ihre blonden Zöpfe schaukeln in der Frühlingsbrise. Der tote Karpfen kann warten.

© 2013 by Ella Rosenmichel. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Eine leise, hintersinnige Kurzgeschichte

Kleine Mängel, die leicht behoben werden können!

Die Kritik im Einzelnen

Wie viele Hauptstraßen kann ein Dorf vertragen? Eben: einzige streichen!

Aber großes Lob, dass hier nicht platt erzählt wird, sondern überlegt: Bevor man die Prozession sieht, hört man sie! Und das trifft sicher zu für die Frau mit dem Besen, um die es geht, die aber erst später auftaucht. Das Gemurmel sammelt sich, wird also immer lauter! zurück

Zwischen den beiden Adjektiven sollte ein Komma stehen; zudem würde ich die Reihenfolge ändern, denn der optische Eindruck ist der erste: die schwarzen, schweren Röcke. zurück

Hier beginnt etwas Neues, nämlich der Blick auf die Frau. Deshalb empfehle ich einen Absatz am Anfang. Aus am Rande der Straße würde ich Straßenrand machen, weil das nur 1 Substantiv ist – sonst nehmen die überhand! zurück

Während gibt einen Zeitraum, d. h. sie stützt sich so lange, wie der Blick fällt: Das kann nicht so lange dauern, dass es ein während verdiente! Ich würde während einfach streichen: Die Frau hält inne, stützt sich auf den Besen und sieht den Pfarrer (der ja sehr nahe ist, wie man gleich erfährt). zurück

Wegen der Ähnlichkeit (vorvon) schlage ich vor: vor dem Geruch nach Mottenkugeln und Haarwasser. Gut, wie hier alt und neu zusammengebracht werden, und ebenso, wie das abwertende Pfaffe ganz allein ausdrückt, was die Frau von diesem Kirchenmann hält! zurück

Auch das ist gelungen: Die Alten ignorieren die Frau, demonstrieren das auch noch, aber diese erkennt dennoch einige Gesichter. Es wird seinen Grund haben, warum diese Frau nicht bei der Prozession dabei ist. zurück

Hier würde ich den folgenden allein stehenden Nebensatz durch ein Komma anbinden, es wäre ja der einzige. Sofern Leser diesen Gedanken jedoch als einen spöttischen der Frau auffassen, was durchaus möglich und berechtigt wäre, gäbe es auch die Lösung, mit dem isolierten Nebensatz einen neuen Absatz zu beginnen und mit einem Ausrufezeichen zu beenden, was den Kommentar-Charakter verstärkte! zurück

Das stimmt nicht, es gibt fünf Sinne! Hier geht es ausschließlich um den Geruch, also streichen! zurück

Was soll mit schnellem Atem bedeuten? Atem hat nichts mit Tempo zu tun, wohl aber Atmen! Der Blick des Gekreuzigten bewirkt etwas in ihr, was zu einem veränderten Atmen führt: schnell sagt wenig aus: Vielleicht heftig? Weil es die allein stehende (?) Frau stark berührt, von dem jungen Burschen so ignoriert zu werden, wo sich Jesus doch um die Huren bemühte? Das wäre Interpretationssache, entsprechend müsste das Adjektiv fürs Atmen gefunden werden: und wendet sich heftig atmend ab könnte es z. B. lauten. zurück

Raschen Schrittes ist zuviel, schließlich benutzt sie wohl nicht die Hände! Rasch genügt vollauf! Aber jetzt kommt das Problem mit dem Laufen: Im Süddeutschen Raum bedeutet das gehen, im Hochdeutschen das, was in Dauerlauf steckt, also im Süddeutschen rennen. Da es am Anfang rasch heißt, sollte jetzt gehen folgen, denn ein Lauf bzw. ein Rennen ist von vornherein rasch: Rasch geht sie ins Haus.

Den Besen habe ich dabei eliminiert, denn ich gehe davon aus, dass sie ihn beim Abwenden einfach hat fallen lassen, so deute ich zumindest diese umständliche Formulierung »nicht mehr auf den Besen achtend«. zurück

Abgestandener Kaffee muss alt sein, es gibt keinen frischen abgestandenen, allenfalls einen aufgewärmten! Weg mit diesem Adjektiv! zurück

Hier würde ich keinen Abschnitt machen, sondern nur einen Absatz, denn hier ereignet sich nichts Neues! zurück

Schrille Töne sind hoch, sonst wären sie nicht schrill. Also weg mit hohen! zurück

Christliche Kreuze sind immer hoch, das darf also ebenfalls weg! zurück

Hier fängt etwas Neues an, also sollt hier ein Abschnitt voraus gehen! zurück

Das ist jetzt ZU deutlich! Hier wird eine möglich Gefahr für das Mädchen angedeutet, und genau darauf würde ich verzichten! Wer bis jetzt noch keinen Verdacht gehegt hat, dass die (angeblich) männerverschlingende und abgelehnte Frau mit dem Besen als Hexe betrachtet werden könnte, sollte jetzt nicht gewaltsam darauf gestoßen werden! Denn sie muss ja keine sein, nur weil andere sie dafür halten! Warum also sollte dem Mädchen Gefahr drohen? Wovon hätte sie eine Ahnung haben sollen? Ahnungslos streichen! zurück

Oh nein, das tun sie gewiss nicht: Die Zöpfe schaukeln notwendig, weil das Kind hüpft! Also hinweg mit der Frühlingsbrise! zurück

So liest sich die verbesserte Version:

Das leise Gemurmel der Betenden beginnt, sich in der Hauptstraße des Dorfes zu sammeln. Die schweren, schwarzen Röcke der Frauen schleifen über die Pflastersteine. Alte Hände halten Gesangbücher. Zwei junge Burschen tragen mit unbewegter Miene das hohe Kreuz.

Die Frau am Straßenrand hält inne, stützt sich auf ihren Kehrbesen, und ihr erster Blick fällt auf den Pfaffen. Sein liturgisches Gewand berührt im Vorbeiziehen beinahe ihre Alltagsschürze. Sie schreckt zurück vor dem Geruch nach Mottenkugeln und Haarwasser. Das gemurmelte Beten der alten Frauen schwillt an. Sie senken die Köpfe. Die Frau am Straßenrand erkennt dennoch das eine oder andere gelblich-eingefallene Gesicht, und sie sperrt ihren Atem vor dem Geruch von Lavendel auf alter Haut. Die Gruppe der Männer in dunklen Anzügen betet lauter und tiefer.

Als wolle sie die Kreuzesträger in ihrer Mitte schützen vor dem Ansturm der Frühlingsluft! Die frisch umgepflügte Erde verbreitet ihren würzigen Geruch. Sie trägt die dunkle Farbe des Holzkreuzes. Die Frau sucht den Blick des rechten Kreuzträgers. In der Nacht hatte sie den weichen Flaum seines braunen Haares an ihrer Brust gespürt. Später schäumte sie mit einem cremigen Kamillenshampoo dieses kräftige junge Haar, um ihre Nase darin zu baden. Die vorwitzigen Schaumkronen verliefen sich immer noch auf ihrem Gesicht, als er ihr Haus bereits verlassen hatte.

Nun schaut er weg, weit weg, ganz weg. Sie glaubt dennoch, der Duft der Kamille wehe zu ihr hinüber. Es ist aber der strenge Geruch des jahrhundertealten Holzkreuzes, der jeden anderen überbietet. Sie fängt den Blick des Gekreuzigten auf und wendet sich heftig atmend ab, als die letzte Gruppe der Murmelnden an ihr vorbeigezogen ist. Rasch geht sie ins Haus.

Ihr Atem beginnt zu rasseln. Die Ausdünstungen der Küche nach abgestandenem Kaffee, heruntergebrannten Holzscheiten und Morgenschweiß legen sich auf ihre Bronchien wie zäher Schleim.

Als der Menschenzug zurückkommt, steht niemand mehr am Straßenrand. Die alten Frauen singen in schrillen Tönen: »Oh Haupt voll Blut und Wunden.« Die Kreuzesträger blicken zu Boden. Das alte morsche Kreuz ist schwer geworden. Der Pfaffe schweigt noch immer.

Ein Mädchen mit langen blonden Zöpfen hüpft in gebührender Entfernung dem verhallenden Singsang hinterher. Es hält kurz inne angesichts der weit geöffneten Tür jenes kleinen Hauses am Straßenrand. Zu Hause wartet das Fastenessen mit diesem Karpfen, dessen tote Augen glotzen. Das kleine Mädchen hüpft auf den Türschlund zu. Ihre blonden Zöpfe schaukeln. Der tote Karpfen kann warten.

Der Bachmannpreis 2013 in 605 Tweets und 32 Fotos

Twitter vom BachmannpreisUnter @literaturcafe twitterte Wolfgang Tischer wie bereits 2011 und 2012 direkt aus Klagenfurt von der Eröffnung der Tage der deutschsprachigen Literatur, den Lesungen, den Abendveranstaltungen, der Preisverleihung am Sonntag und was sonst noch so los ist am Wörthersee. Außerdem gab es täglich den Videopodcast zu sehen.

Wie immer haben wir alle Tweets im literaturcafe.de archiviert, sodass Sie chronologisch nachlesen können, was alles 2013 in Klagenfurt los war.

Katja Petrowskaja gewinnt den Bachmannpreis 2013

Katja PetrowskajaKatja Petrowskaja hat den mit 25.000 Euro dotierten Bachmannpreis gewonnen. Die Jury prämierte damit Petrowskajas Text »Vielleicht Esther« über die Vertreibung der Juden in Kiew im 2. Weltkrieg. Bereits nach Petrowskajas Lesung am Freitag gab es Jubel im Publikum des Klagenfurter ORF-Theaters. Seitdem galt Katja Petrowskaja als Favoritin, und die Jury folgte nun diesem Urteil gleich im ersten Wahlgang. Eingeladen wurde die Autorin von Jurorin Hildegard Keller. Die Qualität des Textes analysierte bereits gestern Uwe Heldt im Video-Podcast.

Weitere Preise gingen an Verena Güntner, Benjamin Maack und Heinz Helle. Der Publikumspreis ging in diesem Jahr an Nadine Kegele.

ORF-Chef Wrabetz: »Der Bachmannpreis bleibt, weil er wichtig ist«

Alexander Wrabetz unterschreibt seinen #bbleibt-Zettel (Foto: Tischer)
Alexander Wrabetz unterschreibt seinen #bbleibt-Zettel (Foto: Tischer)
Überraschender Besuch: Ziemlich genau um Mitternacht mischte sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz unter die feiernden Bachmannpreis-Fans am Klagenfurter Lendhafen. Kurz zuvor ging am Samstagabend der »Bachmannpreis-Song-Contest« zu Ende, bei dem jeder mitraten konnte.

Wrabetz war tatsächlich nach Klagenfurt gereist, wohin ihn Politik und die Bachmann-Jury eingeladen hatten. Über die Zukunft des Preises, dessen Abschaffung er zunächst aus Kostengründen gefordert hatte, äußerte sich Alexander Wrabetz eindeutig und schriftlich: »Der Bachmannpreis bleibt, weil er wichtig ist«, tippte der ORF-Chef auf einer elektrischen Schreibmaschine für die Aktion »Bachmann bleibt« (#bbleibt).

Bachmann und Brockmann VII: Menschen, Themen, Situationen

Der Jury-Vorsitzende Burkhard Spinnen krault einen HundDrei Tage wurde am Wörtersee gelesen, gelauscht, diskutiert und sich delektiert.

Nun liegen die Karten auf dem Tisch und die Jury muss ihr Spiel machen, an dessen Ende es gilt, fünf Preise zu vergeben. Doris Brockmann hat die Ereignisse verfolgt und zieht Resümee.

Was war los an welchem Tag und wer las was? Mit Inhaltskurzsätzen für die Vergesslichen.

Bachmann und Brockmann VI – Auskunftserteilung 2

Spielt auch Orgel: Nikola Anne Mehlhorn in ihrem VideoporträtWer wissen möchte, was die KandidatInnen für den Bachmannpreis in ihren Videoporträts sagen, aber Zeit und Mühe scheut, ständig vorzuspulen oder an schlecht verständlichen Worten herumzurät­seln: Frau Brockmann hilft!

Wie bereits zuvor schon zweimal hat sie die noch ausstehenden Autorenvideos betrachtet, zusammengefasst und Originalzitate transkribiert.

Es wird Auskunft gegeben über das Schreiben.

Bachmann und Brockmann V: Auskunftserteilung 1

Screenshot: Zé do RockVon der Vogelperspektive zur Nahaufnahme: In ihrer vorherigen Kolumne hatte Doris Brockmann ihren ersten Eindruck von den Autorenporträts der diesjährigen TeilnehmerInnen beim Bachmannpreis-Wettbewerb beschrieben.

Nun zoomt sie heran: Die AutorInnen kommen näher in den Blick. Sie erteilen Auskunft.

Jedoch erscheint es hierfür nur zwei Entscheidungsvarianten zu geben.

»Denkwürdigkeiten« von Eckhard Henscheid: Ein erledigter Fall?

Buchumschlag: Eckard Henscheid - DenkwürdigkeitenAuf der Suche nach Interessantem forschte ich bei meinem Lieblingsbuchhändler in den Regalen, denn was ausliegt, sind meist Massenware, so genannte Bestseller, also etwas, wovon ich aus Erfahrung die Finger lasse: Ausnahmen bestätigen diese Regel! Im Regal stieß ich auf Eckhard Henscheids »Denkwürdigkeiten – Aus meinem Leben«.

Freudig schnappte ich mir die über 400 Seiten starken Erinnerungen und legte sie auf den Tresen. »Toll, nicht?« strahlte mich mein Lieblingsbuchhändler an, und ich strahlte zurück.

Bachmann und Brockmann IV: Die Autorenporträts auf den ersten Blick

Standbild aus dem Video von Anousch MuellerEndlich sind die Videoporträts der Autorinnen und Autoren online gestellt, die in einer Woche beim Bachmannpreis-Wettbewerb lesen werden . Nur ein Video fehlt noch.

Technisch nach wie vor nicht sauber gelöst: Die Videos sind lediglich verlinkte Dateien im proprietären Microsoft-Format (wmv), die nicht zur direkten Wiedergabe in die Website eingebettet, geschweige denn bei YouTube verfügbar sind.

Doris Brockmann hat sich die Videoporträts angesehen und gibt ihren ersten Eindruck wieder.

Was fällt auf? Gibt es Trends bei der audiovisuellen Autorenvorstellung?

Barbusiger Protest? Warum der Bachmannpreis überleben muss.

Ingeborg-Bachmann-Torte»Den Bachmann-Preis wird das Landesstudio Kärnten im kommenden Jahr [2014] ganz sicher nicht mehr durchführen«, zitiert die Kleine Zeitung ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der ORF, in dessen Kärntner Landesstudio der Literaturwettbewerb seit 1977 stattfindet, muss sparen.

Wird also auch das literaturcafe.de in diesem Jahr das letzte Mal den Bewerb betwittern und in einem Video-Podcast aus Klagenfurt berichten?

Hat sich die Veranstaltung ohnehin überlebt? Darf für Literatur wertvolle Sendezeit auf 3sat verschwendet werden, wenn nur wenige schauen? Sollte man im Gegenzug besser Millionenbeträge für Sportveranstaltungen investieren, weil da die Quote stimmt?

Bachmann und Brockmann III: Das Ende vorm Anfang

WIR. NICHT?Die Bachmannpreis-Fans stehen in den Startlöchern. Noch zwei Wochen, dann geht es los in Klagenfurt.

Da verkündet ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Donnerstag (20. Juni 2013) aus heiterem Himmel das Aus für den Bewerb ab dem kommenden Jahr 2014.

Doris Brockmann kann es nicht fassen. Aber sie gibt die Hoffnung (noch) nicht auf.

Textkritik: Pfiffig, nässend, unzufrieden – und doch sehr zufrieden

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Rosarot
Die Wolken
Jubelnd
Bin ich
Leben Lachen
Licht

Rosigrot
Die Wunden
Nässen Narben
Sieht man
Schmerzen
Nicht

© 2012 by Derry Verleger. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung


Feines, überraschendes, pfiffig sauberes kleines Gedicht
Die sattsam bekannten beiden Seiten der Liebe werden hier pfiffig und überraschend neu dargestellt – und DAS mach ein Gedicht aus! Rosarot-Rosigrot, Wolken-Wunden, jubelnd-nässend – bereits diese Gegensätze sprechen für sich! Und dabei handwerklich gekonnt mit seinen Alliterationen und dem Trochäus!

Die Kritik im Einzelnen


Ich empfehle analog zu Jubelnd im ersten Abschnitt Nässend. zurück

An der zweiten Strophe irritiert mich: Den beiden Silben von Jubelnd stehen vier in Nässend Narben gegenüber, während den vier in Leben Lachen nur zwei gegenüberstehen (Schmerzen).
Habe deswegen einen Versuch gewagt:

Rosigrot
Die Wunden
Nässend
Narben
Sieht man Schmerzen
Nicht

Das überzeugt mich aber auch nicht, weil optisch die vorletzte Zeile unvermittelt so lang ist: Damit bekäme diese Zeile ein besonderes Gewicht, das sie nicht verdient! Na ja, das hat man davon, wenn man nie zufrieden ist. Aber ich traue dem Verfasser durchaus zu, daran weiter zu arbeiten, wenn es denn tatsächlich nötig sein sollte!

Bachmann und Brockmann II: Wo ist die Schweiz?

Wo ist die Schweiz in Österreich?Bei der statistischen Auswertung der KandidatInnenliste in Folge 1 von »Bachmann und Brockmann« ist eine Frage offen geblieben: Wo ist der Schweizer Autor oder die Schweizer Autorin? Ihr ist Doris Brockmann nachgegangen – also der Frage, nicht der Autorin.

Und in der Tat: Noch nie hat beim Bachmannpreis ein Schweizer Lesekandidat gefehlt. Und jetzt?