| Hier lesen Sie die besten Beiträge der fünften Runde (April '02 - Mai '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Anne Tyler eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Atemübungen«. Fischer Taschenbuch 10924. ISBN 3-596-10924-8. 8,45 EUR: |  | Sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse drauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Frauen sterben einsam von Notburga FAST, 1120 Wien (Österreich) Nachdenklich überflog sie die Kartei, nachdem sie den Bericht an den Kollegen abgeschlossen hatte.
Erstgespräch am 24.August 2001: Völlig erschöpfte Frau, nassgeschwitzt (heute 32 Grad), Flanellärmel ohne Knöpfe, darüber dicke Winterjacke, wartet im Stiegenhaus. Ich verbringe die letzten Monate fast nur im Wald. Stockend, krampfhafte Sprechweise, zweifelt daran, dass wir hier nur zu zweit sind, schaut sich immer wieder um, atmet schwer, sucht mühsam nach Wörtern, Hände unruhig, Fingerknöchel weiß, Therapieempfehlung, Kontrolltermin wöchentlich. 1.Kontrolle am 12. November 2001: Keine Terminabsage zuletzt. Mir geht es besser, hat XY eingenommen, Empfehlung eines Freundes, Schwarzmarkt, gibts nur in Deutschland, ist fixiert auf 31. Dezember werde mich umbringen. Gründe und Alternativen besprochen, erhält Kassenrezept mit XY, Kontrolle wöchentlich. 2. Kontrolle am 13. November 2002: Telefonat mit dem Gatten. Spitalsbehandlung empfohlen, unmöglich zu machen, das hält sie nicht aus wegen der Platzangst, hat Visionen, nimmt Medikamente nur sporadisch, Gattin wehrt jedes Gespräch ab. 3. Termin am 4. Dezember 2001: Ich nehme alles viel gelassener hin, weil mir bis zu Silvester eh nix mehr passieren kann. Mein Mann versucht mich jetzt zu verstehen, aber jetzt ist es zu spät. Ich frag mich, warum er es in all den Jahren nicht getan hat. Jetzt erst sieht er was ich gelitten habe, weil er jetzt selber leidet. Und ich schau ihm dabei zu, es geschieht ihm recht. Es ist nur ein kleiner Teil von dem was ich mitgemacht habe. Männer sind nicht teamfähig, halten keinen Druck aus, Frauen leben einsam und sterben einsam, Kontrolltermine wöchentlich, Rezept abgelehnt. 4.Termin am 18. Dezember 2001: Fixiert auf 31.12., Alternativen besprochen, erste Geburt unauffällig, zweite Schwangerschaft ungewollt, Zwangsgedanken wegen Aggressionen gegen Kind, mein Mann hat mir das angetan, er hat Schuld, dass ich keine gute Mutter war, er wird sich wundern, fixiert auf Selbstmord, weiß noch nicht auf welche Art, vielleicht mit seinem Gewehr. Termin, Rezept abgelehnt. 20.Dezember 2001: Brief an Amtsarzt, Bitte um Zwangseinweisung, Eigen- und Fremdgefährdung, Waffe im Haus.
Sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse darauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Die ganz alltägliche Metamorphose von mahagonib, 51067 Köln (Deutschand) Sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse drauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Um mich herum wurde es dunkel und ich fragte mich ängstlich, was wohl passieren würde. Woher sollte ich Selbstbewußtsein beziehen, wenn mein Schreiber mit Zweifeln zu kämpfen hatte, die sich in der Wortwahl und im Schreibstil manifestieren? Man konnte mich noch nicht einmal als Liebesbrief bezeichnen, ich war ein erster Versuch, hinter dem sich ein Meer von Hoffnungen verbarg. Direkt unter mir lag ein korrektes amtliches Schreiben, das mit Stolz seine drei Stempel zu Schau stellte. Sehr geehrter Oberliegender, addressierte es mich Würde es Ihnen etwas ausmachen, ein kleines Stückchen weiter nach links zu rücken? Bevor ich antworten konnte nörgelte es von dort: Ich muß protestieren! Bleiben sie, wo sie sind, es ist eng genug hier im Kasten! Einige Serienbriefe riefen im Chor, der Beschwerdebrief solle seine Klappe halten und überhaupt hätten sie Lust, ein wenig zu feiern, schließlich seien sie nicht umsonst Einladungen zu einer Danceparty. Ich fand den Gedanken gar nicht unangenehm und bemerkte, daß ein parfümierter Liebesbrief mir ein Lächeln schenkte. Die Serienbriefe fingen an zu singen, schüttelten sich in ihren Sichtfensterumschlägen und verbreiteten eine so ausgelassene Stimmung, daß sich sogar der Amtliche ein wenig im Rhytmus bewegte. Dann hatten die Serienbriefe eine Uhse Wurfsendung entdekt und brüllten: Ausziehen! Ausziehen! Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als die ersten Worte aus dem Umschlag quollen und sich im Kasten verbreiteten. Ein dickes Bewerbungsschreiben tat es der Wurfsendung gleich und nach und nach tanzten auch die Worte der Serienbriefe zwischen den Umschlägen hindurch und bildeten absurde Endlossätze. Als die Worte in die Dunkelheit des Kastens aufgestiegen waren, passierte das Unglaubliche. Licht quoll herein und ein Luftzug wirbelte die Buchstaben durcheinander. Sofort suchten die verstreuten Worte in hektischer Eile nach ihren Umschlägen und drängten hinein. Als der Postbeamte den Sack zu seinem Fahrzeug trug, waren wir gerade mit dem sortieren fertig. Ich würde meinen Empfänger überzeugen können, das wußte ich jetzt. Vielleicht war ich eine Spur zu amtlich und vielleicht hatte ich auch etwas von einer Bewerbung, aber die Spritzigkeit der Serienbiefe besaß ich und mit dem Liebesbrief hatte ich mich wirklich gut verstanden ... Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Schicksalsbrief ein Briefschicksal? von Brigitte Gumminger, 94060 Pocking (Deutschand) In diesem Umschlag steckte ihre Zukunft, nicht mehr und nicht weniger. Sie spukte dreimal drauf, mehr symbolisch als feucht, denn sie war abergläubisch, und natürlich durfte auf dem Weg zum Postkasten keine schwarze Katze von links nach rechts den Weg kreuzen. Übermorgen würde das wichtige Papier spätestens ankommen. Die Post ist immer pünktlich. Wenn man sich nur auf alles so verlassen könnte, wie auf die Post, dann sähe ihre Zukunft gleich rosiger aus, stabil und sicher, dafür würde sie schon sorgen. Aber ein Anfang musste gemacht werden und der ist bekanntlich am schwersten. Sie hatte ihn geschafft, nun war das Schicksal, so es eines gab, an der Reihe, oder ihr Schutzengel. Welcher Heilige ist eigentlich für Zukunftsentscheidungen zuständig? Wer auch immer. Wichtig war, dass er ja sagte, ja zum Inhalt des Umschlags. Dieser Adressat war der Beste, der Größte, der Bedeutendste, der Effektivste zwischen Narvik und Ägypten. Hoffentlich hat er einen guten Tag, ist gut drauf, keine größeren Turbulenzen am Horizont, dann würde ihr Brief wie ein Komet funkensprühend einschlagen. Sie stellte sich vor, wie er hastig und auch ein wenig neugierig den Brief öffnete, wahrscheinlich mit einem Brieföffner, der pedantisch genau in der Federablage auf dem Schreibtisch lag. Er war sicher ein ordentlicher Mensch, einer der nichts verlegte und dann suchen musste. Ein Kopfmensch, der ihren Brief mit Interesse und entspanntem Lächeln lesen würde. Ob er eine Glatze hatte oder gar einen Bauch? Nein, bestimmt nicht, entschied sie, das würde nicht zum Brief passen. Ihr Adressat musste sich morgens und abends die Zähne putzen, kurz geschnittene Zehen- und Fingernägel haben und ein schmales durchgeistigtes Gesicht, kein Sportler, kein Fresser, kein Aufschneider und kein Harley-Davidson Fahrer mit Tätowierungen am Körper. Ihr Schicksalsmann würde sofort, nachdem er alles gelesen hatte, den Briefumschlag küssen und sie anrufen oder E-mailen an: Brirott@web.de . Vielleicht sieht er sich zuerst noch ihre Homepage an: www.blubb.at/brirott. Ihre Fantasie hatte sich zu einem wunderschönen, großen, bunten Fesselballon entfaltet, der sanft seinem Schicksal entgegen schwebte. Da tauchten böse, dunkle Zweifel grauschwarz am Horizont auf und stießen unsere Absenderin auf den Boden der Wirklichkeit zurück und sie fürchtete, dass ihr Brief mit dem Manuskript ungelesen im Papierkorb der Sekretärin des Chef-Lektors vom S. Fischer Verlag landen würde. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Erinnerungen an die Freundschaft von Giulia-Oranka, 06618 Naumburg (Deutschand) Sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse drauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte ging sie hinunter an die Ecke und warf ihn in den Briefkasten. Als sie sich umdrehte rollten ihr ein paar Tränen das Gesicht hinab. Sie dachte an den Inhalt und ging ihn Satz für Satz durch. Freundschaft.....?! Was ist Freundschaft? Beschrieben wird sie als Beziehung zwischen 2 Menschen, auf rein platonischer Basis. Ich habe eine Freundin. Bedeutet das jetzt, daß ich zu ihr gehe und sage:"Ich habe einen Freund." Bedeutet das Freundschaft?Bedeutet es das ich alle Geheimnisse mit ihr teile? Kann ein Junge der beste Freund eines Mädchens sein? Eine Freundin...,mit einer Freundin habe ich einen Menschen gefunden, der zu mir steht in gut und böse. Ich bin egoistisch, gemein und böse. Trotzdem mag sie mich....., eben eine Freundin. Meine Klasse hält mich für eine Hure, na und? Das geht mir doch links rein und rechts raus. Denn ich weiß das ich( wir (meine Freundin und ich))alles können und die nichts. Wir können rauchen, poppen, trinken, aber es ist egal ob wir nichts, alles oder nur ein was machen. Es ist egal, denn wir sind Freundinnen aus Lebensnot und Fun heraus. Langsam flüsterte sie die Worte vor sich hin. Sie lief durch eine große Einkaufsstraße von Berlin. Die Leute strömten an ihr vorbei. Sie sah Türckenmütter an den Wühltischen von C&A, Pärchen, die Hand in Hand langsam an den Geschäften vorbei liefen, und gestreßte Väter, die mit ihren jugendlichen Töchtern schon das 25gste Schuhgeschäft erreicht hatten. Die Tränen rannen ihr übers Gesicht.Sie fühlte sich im Stich gelassen, von allen außer von ihrer Freundin." Oh, Gott nein ich will noch nicht aufstehen, kam eine Stimme unter der Bettdecke hervor." Sie wissen genau, Marleen, daß ich es hasse geweckt zu werden", sagte die gleiche Stimme. Aber Marleen hörte sie schon nicht mehr. Sie, die Hausherrin, stand auf und trat in ihrem weißen, mit Spitze bestztem Nachthemd, auf die Terasse. Die Welt lag ihr zu Füßen, ihre drei Kinder spielten schon seit Stunden auf der Wiese vor ihrer Terasse. Sie ging in ihr Schlafzimmer zurück. In der Mitte des Zimmers Stand ein altes Eisenbett mit einem Himmel darüber. Sie holte ihren Morgenmantel und setzte sich auf den einzelnen Eisenstuhl, der auf der Terasse stand. Sie dachte über ihren Traum nach und erinnerte sich gleichzeitig an ihre Schulzeit in der Kleinstadt. Wie schön es doch ist eine Freundin zu haben, drang aus ihren kastanienfarbenen Lippen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers postwendend von Schneeworte, 44789 Bochum (Deutschand) unentzifferbar die haut die fingerkuppe ein palimpsest wenn im neonlicht der brief- umschlag aus südlichem land 17 worte entblößt warte nicht auf mich Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |