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Mit Lulu das eigene Buch veröffentlichen

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Lulu-Logo auf der Website von lulu.comLulu heißt ein neuer Print-on-Demand-Dienstleister, der nun auch hierzulande mit einer deutschsprachigen Website die Verlagswelt aufmischen möchte. Über Lulu berichtete gestern das Handelsblatt. Gegründet wurde Lulu 2002 in den USA von Robert „Bob“ Young. Young hat mit dem Vertrieb der Linux-Distribution „Red Hat“ Millionen gemacht und eigentlich ausgesorgt.

Aber ein seiner Meinung nach viel zu geringer Scheck für ein von ihm geschriebenes Buch hat ihn zur Gründung von Lulu veranlasst. Autoren sollen besser behandelt werden – und besser verdienen.

Lulu hat viel mit anderen Print-on-Demand-Anbietern gemeinsam. Auch bei Lulu muss der Autor seine Druckvorlage selbst gestalten und idealerweise im PDF-Format einreichen. Lulu unterstütz den Anwender jedoch mit zahlreichen Konvertern und digitalen Assistenten. Ein Lektorat und andere Qualitätskontrollen gibt es bei Lulu in der Grundversion natürlich nicht. Dafür verbleiben alle Rechte beim Autor.

Doch es gibt bei Lulu einen wesentlichen Unterschied: der Autor zahlt für das Bereitstellen der digitalen Vorlage keinerlei Aufnahme- oder Einrichtungsgebühr und keine monatliche Grundgebühr. Der Autor verdient somit bereits mit dem ersten verkaufen Exemplar, das erst bei einer Bestellung gedruckt wird. Nach Abzug der Druckkosten behält Lulu 20% des Gewinns ein. 80% verbleiben beim Autor.

Trotz der teilweise deutschsprachigen Website sind nachwievor sämtliche Preise in Dollar angegeben.

Außerdem erhält das Buch automatisch keine ISBN und ist nicht bei Online-Buchhandlungen wie Amazon gelistet und zu bestellen, sondern ausschließlich über Lulu. Und natürlich kann das Buch auch nicht über eine Buchhandlung bestellt werden. Wie es bei Lulu mit den Lieferzeiten ausschaut, können wir leider mangels Erfahrung noch nicht sagen.

Ohne Risiko und Grundgebühr zu publizieren klingt zunächst also faszinierend. Allerdings ist genau zu überlegen, ob man Dollarpreise, fehlende ISBN und ausschließliche Bestellbarkeit über Lulu in Kauf nehmen möchte. Professionell wirkt dies derzeit noch nicht, sodass Anbieter wie BoD nachwievor die bessere Wahl sind, sofern man für sein Werk keinen Verlag finden konnte oder wollte.

Doch es dürfte nur eine Frage der Zeit und des Erfolges in Deutschland sein, bis Lulu auch hier professioneller auftritt und beispielsweise ein Euro-Preis möglich ist. Doch spätestens mit der Zuteilung einer ISBN wird auch Lulu eine Grundgebühr verlangen müssen.

Technorati-Tags: lulu print on demand bod

„Wir sind das Bodenpersonal, und die Autoren dürfen fliegen“

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Dies ist ein sehr schönes Zitat und sprachliches Bild des Verlegers Egon Ammann. Anlässlich des 25jährigen Verlagsjubiläums hat sich die Neue Zürcher Zeitung mit Egon Ammann und Marie-Luise Flammersfeld unterhalten.

Das Interview gibt einen guten Einblick, wie es bei einem kleinen Verlag zugeht. Ein Gespräch, bei dem man merkt, dass hier noch Verleger mit Leidenschaft dabei sind.

Ein Verlagsprogramm im strengen Sinn haben wir nicht. Wir lassen in unserem Garten wachsen, was uns gefällt. Wir hegen und pflegen die Pflänzchen und sehen, wie sie sich entwickeln. Da kann es schon passieren, dass es bei einzelnen nicht weitergeht. Es ist immer ein Wagnis, mit einem neuen, unbekannten Autor zu beginnen. Man muss ihn auswählen und dann kontinuierlich aufbauen. Das ist schwierig.

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BoDcast: Partnersuche im Netz und total versaute Märchen

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BildDie zweite Folge des BoDcast ist online und kann kostenlos Heruntergeladen werden. Das literaturcafe.de produziert diese literarische Radiosendung (einen so genannten Podcast) exklusiv für Books on Demand. Wolfgang Tischer, der Gründer und Herausgeber des literaturcafe.de, unterhält sich einmal im Monat mit Autorinnen und Autoren, die ihr Werk auch ohne Verlag veröffentlicht haben. Autoren bekommen so wertvolle Tipps, wie’s andere machen, und Lesebegeisterte erhalten interessante Empfehlung abseits der Bestsellerlisten.

Diesmal stellt sich die TV- und Radiojournalistin Bettina Pohlmann im Interview den Fragen von Wolfgang Tischer.

Pohlmann hat vor kurzem ihren ersten Roman „Netz Date“ veröffentlicht, in dem sie amüsant-kurzweilig von der Partnersuche im Internet berichtet. Im Interview verrät sie Wolfgang Tischer, wie viel eigene Online-Flirt-Erfahrungen in ihren Roman eingeflossen sind, wie es sich anfühlt, das eigene Buch in Händen zu halten und wie wohlwollend die Presse ihr Debüt bereits aufgenommen hat. Außerdem gibt sie Tipps, wie man geschickt den regionalen Faktor in Sachen Vermarktung nutzt und berichtet aus eigener Erfahrung, auf welche Weise man die Presse wirkungsvoll anspricht.

Und danach spricht Bettina Heer von Books on Demand über Total versaute Märchen. Ja, wirklich! So heißt nämlich das neueste Buch in der Edition BoD, die von Vito von Eichborn herausgegeben wird. Ein Interview mit Branchenkenner Eichborn können Sie nach wie vor in Folge 1 des BoDcast hören.

Zur Website des BoDcast | RSS-Feed des BoDcast | BoDcast bei Apple iTunes

Menüwechsel

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Das Menü des literaturcafe.de wurde kleinen Änderungen unterzogen. Es stellte sich nämlich bei Tests heraus, dass einige Besucher die Hauptmenüpunkte nicht angeklickt haben, wenn darunter weitere Unterpunkte zu finden waren. So gingen natürlich wertvolle Infos verloren. Daher gibt es jetzt immer einen ersten Menüpunkt, der den Hauptpunkt widerspiegelt.

Die „Notizen der Redaktion“ sind eine wichtige Informationsquelle für viele Besucher geworden. Daher sind sie nun zu einem eigenen Menüpunkt geworden, der „Redaktions-Weblog“ heißt. Als wir mit den Notizen vor über zwei Jahren begonnen haben, kannte kaum jemand den Begriff „Weblog“, sodass wir ihn nicht verwenden wollten. Mittlerweile findet er sich in der neuen Ausgabe des DUDENs und ist im Internet weit verbreitet. Daher also diese Anpassung des Namens. Unser Weblog heißt jetzt sozusagen „Notizen der Redaktion“.

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Jugendbuch- Schreibwettbewerb des Rowohlt Verlags

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Na, das ist doch mal was: Ein Schreibwettbewerb, bei dem dem Gewinner ein Honorar von 10.000 Euro garantiert wird.

Und dann wird dieser Wettbewerb auch nicht von irgendwem veranstaltet, sondern vom Rowohlt Verlag.

Wir zitieren die Pressemeldung vom 14.07.2006:

Der Rowohlt Verlag ruft für sein Kinder- und Jugendbuchprogramm rotfuchs einen Schreibwettbewerb ins Leben. Bis zum Januar 2007 können Bewerber eine Geschichte im Genre Fantasy/Science-Fiction einreichen. Das beste Manuskript soll 2008 veröffentlicht werden und garantiert dem Gewinner ein Honorar von 10.000 Euro. Die Geschichte soll für Leser ab 10 Jahren geeignet sein. Rowohlt startet diesen Wettbewerb mit Blick auf sein 100-jähriges Verlags-Jubiläum im Jahr 2008.

Eine Jury aus Kultur- und Medienvertretern, die sich im Bereich Kinder- und Jugendbuch einen Namen gemacht haben, wird den Sieger im Frühjahr 2007 ermitteln. Zu den prominentesten Jurymitgliedern gehören der Schauspieler und Kinder-Hörbuch-Sprecher Rufus Beck und Fantasy-Autor Peter Schwindt.

Der Umfang der eingereichten Manuskripte sollte mindestens 150 Seiten betragen und muss bis zum 5. Januar 2007 in ausgedruckter Form im Verlag vorliegen. Die Bewerber sollen mindestens 17 Jahre alt sein und noch nicht publiziert haben.

Ziel dieses Wettbewerbs sei es, im Segment Kinder- und Jugendbuch deutschsprachige Nachwuchsautoren zu finden und zu fördern, sagte die bei Rowohlt verantwortliche Programmleiterin Christiane Steen. Zudem wolle man rotfuchs-Büchern einen zusätzlichen Impuls verleihen und die Marke weiter ausbauen.

Nähere Informationen zum Wettbewerb finden Sie unter: www.rowohlt.de

Aber halt! Bevor Sie jetzt wild drauflos schreiben, machen wir Sie – wie bei jedem Wettbewerb – darauf aufmerksam, die Bedingungen auf der Website des Verlags wirklich gut durchzulesen (hier frech in den Frame verlinkt) und sich akribisch daran zu halten. Schicken Sie nur Beiträge zum genannten Thema ein. Wie Sie oben gelesen haben, müssen die Beiträge zudem gedruckt vorliegen. Also schön das Manuskript ausdrucken und auf dem Postweg an die in den Teilnahmebedingungen genannte Adresse schicken. Das ist in Zeiten von eMails nicht anachronistisch, sondern schlichtweg praktischer für den Verlag und zur Durchsicht der Manuskripte.

Denken Sie auch daran, dass hier mit „150 Seiten“ Normseiten gemeint sind. Am besten Sie formatieren Ihren Text also auf Basis unserer Dokumentvorlage.

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Das literaturcafe.de schreibt offenen Brief an Staatsminister Neumann

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Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de sieht durch die staatliche Förderung von 150.000 Euro für literaturportal.de ehrenamtliche und privatwirtschaftliche Initiativen bedroht. Es fehle dem Portal zudem jeder integrative Ansatz.

(06.07.2006) Stuttgart – In den letzten Tagen wurde viel über das neu eröffnete und vom Staatsminister für Medien und Kultur mit 150.000 Euro geförderte literaturportal.de diskutiert.

"Die Welt" und das "Hamburger Abendblatt" kritisierten insbesondere die inhaltliche Qualität des Portals. Joachim Leser vom Literaturportal bluetenleser.de sprach gar von "digitalem Mist unter Schirmherrschaft der Bundesregierung".

Auch der Herausgeber des literaturcafe.de im Internet, Wolfgang Tischer, übte in einem Artikel scharfe Kritik an dem staatlich geförderten Literaturportal.

Tischer bemängelt, dass mit hoher staatlicher Förderung Inhalte zusammengetragen wurden, die im Internet bereits seit langem vorhanden sind. Es bestehe die Gefahr, dass mit staatlichen Geldern ehrenamtliche oder privatwirtschaftliche Initiativen zerstört oder demotiviert werden. Was als Förderung von Literatur deklariert ist, drohe dieser eher zu schaden.

Um in diesem Zusammenhang Antworten auf einige Fragen zu erhalten und um zu erfahren, welche Konsequenzen aus der mangelhaften Projektarbeit gezogen werden, hat sich Wolfgang Tischer heute in einem offenen Brief direkt an Kulturstaatsminister Bernd Neumann gewandt.

"Sehr bewusst frage ich Sie hier nicht nach kulturfördernden Aspekten, da literaturportal.de in meinen Augen eine solche Maßnahme nicht darstellt. Hierzu fehlt dem Angebot zudem jeder integrative Ansatz, der nicht durch eine Linkliste zu lösen ist", so Tischer in seinem Schreiben.

Hier der vollständige Wortlaut des Briefs, der dem Staatsminister zudem am 5. Juli 2006 auf dem Postweg zugestellt wurde:

An den
Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien
Herrn Bernd Neumann
Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Straße 1

10557 Berlin

Offener Brief: Bitte um Stellungsnahme in Sachen literaturportal.de

Sehr geehrter Herr Neumann,

in den letzten Tagen wurde viel über das neu eröffnete und von Ihnen mit 150.000 Euro geförderte literaturportal.de diskutiert.

Als Herausgeber des renommierten literaturcafe.de im Internet, das vor 10 Jahren gegründet wurde und neben zahlreichen Ehrungen und Presseerwähnungen u. a. mit dem alternativen Medienpreis 2004 und dem Podcast-Award 2006 ausgezeichnet wurde, habe ich ebenfalls sehr kritisch zu diesem neuen Angebots Stellung bezogen.

In der Anlage zu diesem Schreiben, finden Sie den ausgedruckten Beitrag, der so auch online unter www.literaturcafe.de veröffentlicht ist. Ich bitte Sie, zu drei Aspekten und Fragen Stellung zu nehmen:

  1. Nach eigener Aussage der Projektverantwortlichen wurden zum Start des Portals nicht die Daten des elektronischen Katalogs des Deutschen Literaturarchivs Marbach (Kallìas) verwendet. Dies soll nun nach der Kritik der Medien nachträglich erfolgen.
    Stattdessen wurde für die Autorenporträts ein zweiter Datenbestand aufgebaut, der nach Recherche einiger Tageszeitungen zu Teilen von der Online-Enzyklopädie Wikipedia übernommen wurde. Dieser Datenbestand zeichnet sich zudem durch eine hohe Zahl von Fehlern aus, wie die Projektverantwortlichen eingeräumt haben.
    Für ein weiteres zentrales Angebot des Portals, dem Terminkalender, wurden ebenfalls lediglich bestehende Daten und technische Lösungen des Angebots "Kulturkurier" übernommen.
    Wie sind diese inhaltlichen Übernahmen und Mängel mit einer Fördersumme von 150.000 Euro vereinbar? Auf Basis entsprechender Honorarspiegel für Konzeptions-, Redaktions- und Programmierleistungen (siehe iBusiness, Bundesverband Digitale Wirtschaft) und auch unserer praktischen Erfahrung wäre die Umsetzung und der Betrieb eines inhaltlich identischen Portals für ein Drittel der Summe (und weitaus darunter) möglich und realistisch gewesen.
  2. Die inhaltlichen und technischen Mängel und Unzulänglichkeiten sind ein Beleg dafür, dass die Projektleitung und insbesondere der eingesetzte Beirat ihrer Überwachungs- und Kontrollfunktion nicht oder nur begrenzt nachgekommen sind. Welche Konsequenzen wird dies künftig für die Zusammensetzung des Beirats haben? Wie stellen Sie als Förderer sicher, dass künftig derartige Probleme nicht mehr auftreten?
  3. Unabhängig von der inhaltlichen Qualität des Angebots literaturportal.de sind dort keine relevanten Inhalte zu finden, die nicht schon von bestehenden ehrenamtlichen oder privatwirtschaftlichen Betreibern zum Teil seit Jahren im Internet angeboten werden. Das staatlich geförderte Portal wirkt daher auf diese Anbieter – zu denen auch wir uns zählen – demotivierend und führt zu einer finanziellen Schädigung privatwirtschaftlicher Angebote, da sich auf dem staatlich geförderten Portal ebenfalls Werbung befindet und auch die Einträge in der Termindatenbank für Verlage kostenpflichtig sind, sodass entsprechende Budgets nicht mehr allein der Privatwirtschaft zugute kommt.

Wie stehen Sie zu dieser Störung bestehender Initiativen durch das staatlich geförderte Portal? Wie ist die Förderung mit aktuellen wirtschaftlichen Zielen der Bundesregierung und subsidiarischen Prinzipien der Politik vereinbar? Sehr bewusst frage ich Sie hier nicht nach kulturfördernden Aspekten, da literaturportal.de in meinen Augen eine solche Maßnahme nicht darstellt. Hierzu fehlt dem Angebot zudem jeder integrative Ansatz, der nicht durch eine Linkliste zu lösen ist.

 

Ich würde mich freuen, von Ihnen noch vor der Sommerpause eine Antwort zu erhalten und bedanke mich hierfür schon jetzt. Mit Ihrer Erlaubnis würde ich diese gerne auch im literaturcafe.de veröffentlichen, in dem bereits dieses Schreiben als offener Brief zu finden ist.

Mit freundlichen Grüßen aus Stuttgart

Wolfgang Tischer
Gründer und Herausgeber
literaturcafe.de

Anlage
"Bildungspolitischer Unfall literaturportal.de"
Ausdruck eines Online-Beitrags auf www.literaturcafe.de

Benjamin Stuckrad-Barre schreibt über Robert Gernhardt

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Zugegeben: Benjamin Stuckrad-Barre war nicht mein Fall; sein hochgelobtes „Soloalbum“ fand ich ausgesprochen langweilig, ich habe es auch nicht fertig gelesen, und es schlummert bei den Fehlkäufen. Überrascht hat mich das Lob von Sybille Berg – und jetzt las ich im neuen Spiegel (Nr. 27 vom 3.7.2006, S. 129) seinen Nachruf für meinen eigentlich absoluten Lieblingsdichter: „Jede Chemo ein Gedicht“ – und ich bin begeistert! Absolut lesenswert. Spiegel kaufen oder bei Freunden lesen (denn der Artikel ist leider nicht online). Ich muss Herrn Stuckrad-Barre Abbitte leisten und werde sein neues Buch kaufen & lesen, ich verspreche es! Malte Bremer, literaturcafe.de

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Satire zur Einbürgerungs- Gesinnungsprüfung

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Im Straßenmagazin HEMPELs vom Mai 2006 auf S.9 finden sich diese „Fragen zur Kieler Leitkultur“ (Gif-Bild/73 kByte) von Eckhard Raupach, der den ganzen Dummfug auf ein überschaubares Maß reduziert. Alle Nicht-Kieler seien gewarnt!
Das literaturcafe.de bedankt sich ganz herzlich bei HEMPELs, dass wir diesen Artikel ins Netz stellen dürfen!

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„Die Krise der deutschen Kritik wird nie enden“

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Und noch ein Interview mit Marcel Reich-Ranicki. Diesmal nicht über Sport und Fußball, sondern darüber, ob das deutsche Feuilleton zu abgehoben ist und die Menschen Literatutkritiker überhaupt verstehen.

Auch Sie müssen dafür sorgen, dass im stern über diese guten Bücher ausführliche und sehr gut lesbare Kritiken erscheinen. Ich habe mich mein ganzes Leben lang mit dem ersten Satz gequält. Aus einem ganz einfachen Grund: Weil der Leser die Möglichkeit hat, nach meinem ersten Satz den Artikel wegzulegen. Gebt euch Mühe, Kritiken zu drucken, die die Leute dazu bringen, sie weiterzulesen.

Weiter ebendort…

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Robert Gernhardt ist tot

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Der Schriftsteller, Lyriker und Karikaturist Robert Gernhardt ist tot. Gernhardt starb am heutigen Freitag (30.06.2006) in Frankfurt nach Angaben des S. Fischer Verlags im Alter von 68 Jahren an einer schweren Krankheit. [via Börsenblatt]

Traurig. Mit Gernhardt geht einer der Besten.

Ein Interview mit Robert Gernhardt von der letztjährigen Buchmesse können Sie hier in unserem Podcast hören. Und zum Nachlesen findet sich im Café ein älteres Interview aus dem Jahre 1997 mit Robert Gernhardt hier.

Sehr persönliche Betrachtungen, die von den üblichen Nachrufen abweichen, gibt es von Roger Willemsen im tagesspiegel und von Martin Lüdke in der Frankfurter Rundschau.

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Springer schreibt wieder ganz arg neu

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Seit dem legendären Text von Malte Bremer weisen wir immer wieder gerne auf den opportunistisch-populistischen Schlingerkurs von BILD und SPIEGEL in Sachen Rechtschreibung hin. Während der SPIEGEL und Stefan Aust in dieser Sache nur heiße Luft verbreitet haben und nie zur kaiserlich verordneten Rechtschreibung zurückgekehrt sind, änderten die Springer-Blätter ihre Schreibung tatsächlich. Künftig werden alle Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien des Axel Springer Verlags jedoch wieder den Schreibempfehlungen des Dudens folgen, die dieser in der neuen 24. Auflage enthält. Offizieller Anlass hierzu waren die Korrekturen, die der Rat für deutsche Rechtschreibung an der reformierten Schreibung vorgenommen hatte.

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Sport und Literatur sind feindliche Brüder

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Marcel Reich-Ranicki spricht in einem Interview mit der FAZ über die Gemeinsamkeiten und das Trennende von Sport und Literatur. Und natürlich geht es überwiegend auch um Fußball.

Wie auch immer, Sport und Literatur sind nahe Verwandte, die sich ähneln. Sie ähneln sich zu sehr, um sich aufrichtig lieben zu können. Es sind im Grunde feindliche Brüder. Beide appellieren auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Mitteln an dieselben Gefühle. Die fundamentalen Emotionen, mit denen sich die Literatur befaßt – Heldentum, Leidenschaft, Solidarität, Ruhmsucht -, dominieren auch in den Sportwettkämpfen, nur sind sie ungleich einfacher, oberflächlicher, direkter. Was die Literatur dem Leser bietet, kann man auch im Stadion finden, ohne Verschlüsselung, ohne Intellekt, ganz und gar unkompliziert.

Mehr bei der FAZ…

Bildungspolitischer Unfall literaturportal.de

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BildÜber das neue, vom Marbacher Literaturarchiv betriebene Angebot literaturportal.de hatten wir in einer früheren Notiz bereits vor der offiziellen Eröffnung ein vernichtendes Urteil gefällt.

Jetzt, nachdem das Portal offiziell auf einer Pressekonferenz des Kulturstaatsministers vorgestellt wurde, offenbart sich das ganze Desaster des Projekts.

Joachim Leser vom Blütenleser hat das Portal bereits sehr deutlich als das bezeichnet, was es am Ende geworden ist: digitaler Mist unter Schirmherrschaft der Bundesregierung.

Natürlich wird eine solche Kritik, wenn sie vom Betreiber eines anderen Literaturportals kommt, gerne mit Hinweisen wie „purer Neid“ abgetan.

Wie wohltuend ist es daher, dass auch Wieland Freund in der Welt das Portal als „bildungspolitischen Unfall“ bezeichnet.

Nun muss man zunächst auch wissen, dass dieses Portal eine Förderung von 150.000 Euro durch die Bundesregierung erhalten hat, sodass davon auszugehen ist, dass die Gesamtkosten des Projektes noch weitaus höher sind.

Wie wir schon in unserer Notiz festgestellt haben, wurde dafür ein Angebot geschaffen, dessen Inhalte bereits an anderer Stelle im Netz existieren und zumeist in qualitativ besserer Form anzutreffen sind.

Leser wie Freund kritisieren daher hauptsächlich die inhaltliche Qualität des Literaturportals. Freund bemängelt, dass es ohne Redaktion ohnehin keine Qualität geben kann und weist darauf hin, dass man sich für die Autorenporträts ohnehin im größeren Umfang bei der Wikipedia bedient hat. Ein Umstand der nebenbei bemerkt ohne Quellenangabe auch nicht rechtmäßig ist.

Allerdings ist es müßig, auf die vielen Fehler und Unzulänglichkeiten des Portals hinzuweisen*. In der Regel dienen öffentliche Projekte wie das Marbacher Literaturportal ohnehin meist nicht dazu, inhaltlich zu überzeugen. Die entsprechenden Fördergelder werden üblicherweise in Personalstellen umgesetzt, die für andere Dinge zum Einsatz kommen.

Das Resultat literaturportal.de ist somit exemplarisch, denn am Schluss – wenn der Geldgeber nachfragt, was denn nun aus dem Geld geworden ist – kopiert oder kauft man sich noch schnell bereits bestehende Inhalte zusammen. Am Ende steht dann eine erfolgreiche Pressemeldung des Geldgebers, wie auch hier geschehen.

Daher geht es nicht darum, dass das Geld bei anderen Portalen besser aufgehoben wäre und man mit dieser Summe beispielsweise das literaturcafe.de über Jahre hätte betreiben können, sondern dass all die Dinge, die qualitativ schlecht im literaturportal.de zusammengeschustert wurden, bereits in weitaus besserer Qualität und ohne staatliche Förderung existieren. Daher wird mit einem solchen Portal keine Literaturförderung betrieben, sondern es besteht vielmehr die Gefahr, dass ehrenamtliche und privatwirtschaftliche Initiativen zerstört werden.

Zum Glück wird sich Qualität durchsetzen und wenn das Literatuportal auf dem jetzigen Niveau bleibt, so wird es bereits in wenigen Monaten eine der vielen ungepflegten Ruinen im Internet sein. In diesem Fall wäre das zu hoffen, denn weiteres Geld zu investieren, würde die Dinge nur verschlimmern.

So bleibt uns nur, das zu wiederholen, was wir bereits in unserer ersten Notiz zum Thema vermerkt hatten: Was hätte man mit diesem Geld nicht alles Sinnvolles machen können! Wie hätte man nicht bereits bestehende Initiativen stärken können! Nicht nur im Internet, sondern auch außerhalb. Denken wir nur an die vielen Bibliotheken, die landauf landab geschlossen werden. Dass notwendige und wichtige staatliche Fördergelder für Literatur in solchen Projekten versenkt werden, ist mehr als traurig.

Wolfgang Tischer, literaturcafe.de

* Nachtrag: Auch hier ist die Antwort aus Marbach exemplarisch für die Reaktion öffentlicher Betreiber auf Kritik. In der Regel bedankt man sich bei den Kritikern für die Hinweise inhaltlicher Art und verspricht, diese Fehler schnell zu korrigieren. So findet sich nun im Bereich mit den Autoreninfos der folgende Text: Wir danken all unseren Lesern und Benutzern für ihre Kritik und Zustimmung nach dem Start des Literaturportals. Kritische Hinweise betrafen vor allem die Autorenbiografien. Wir nehmen Ihre Vorschläge und Anregungen gern in die Redaktion unserer Artikel auf und bitten unsere Leser, uns auch weiterhin mit wacher und kritischer Aufmerksamkeit zu begleiten. Im Sinne eines verbesserten Service haben wir damit begonnen, die Autorenportraits mit dem elektronischen Katalog des Deutschen Literaturarchivs Marbach (Kallìas) zu verknüpfen, so dass Sie von den Biografien auch Zugang zu unserem Archiv und zu unserer Bibliothek finden.

Anders gelesen bedeutet dies, dass das Literaturarchiv nicht in der Lage war, von Anfang an fehlerfreie Infos bereitzustellen. Wahrlich kein Ruhmesblatt, wenn das Literaturarchiv nun die Besucher der Website um „Vorschläge und Anregungen“ bitten muss.

Dass das hausinterne Archiv von Anfang an nicht mit dem Literaturportal verbunden war, zeigt zudem, dass hier Synergien nicht genutzt wurden und Konzeption und Projektbeirat versagt haben. Mit den Projektmitteln wurde also laut Aussage aus Marbach zusätzlich nochmals ein schlechterer Datenbestand aufgebaut bzw. aus Quellen wie Wikipedia zusammenkopiert.

Nachtrag II: Mittlerweile ging zum Thema literaturportal.de ein offener Brief des literaturcafe.de an Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Wir halten Sie über die Antwort auf dem Laufenden.

Literarische Orte und Verbrechen

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Der Standard berichtet von einem Projekt an der Uni Erfurt: Die Wissenschaftlerin Eva Erdmann(!) plant im Rahmen ihrer Forschungsarbeit zum Thema „Regionalkrimis“ einen Krimi-Weltatlas im Internet zu veröffentlichen. Bislang ist auf der Website www.crime-and-nation.de allerdings noch nicht allzuviel zu sehen.

Es ist zu hoffen, dass für die geografische Darstellung bereits existierende Software wie Google Earth eingesetzt wird. Für diese Darstellung der Erde mit Hilfe von Satellitenbildern existieren bereits literarische Zusatzinfos. So gibt es beispielsweise eine Darstellung sämtlicher Orte, an denen Shakespeare-Dramen spielen. Neben der Angabe der jeweiligen Textstelle, in der der Ort eine Rolle spielt, finden sich häufig weitere Detailinfos oder Internet-Links. Shakespeare-Fans sollten sich das unbedingt ansehen. Es ist allein schon beeindruckend zu sehen, wie sich Literatur auch geografisch ausbreitet.

Ein weiterer so genannter Placemark für Google Earth widmet sich dem Leben von Jane Austen.

Und es gibt natürlich weitere Projekt dieser Art, die nicht auf Google Earth aufbauen, wie zum Beispiel den „atlas für handlungsreisen.de„, der sich schon länger in den Linktipps des Cafés befindet.

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Ganz Deutschland feiert Kathrin Passig

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Ist das nicht Wahnsinn? Hätte man sich das vor einigen Jahren vorstellen können? Ganz Deutschland jubelt und feiert! Schwarz-rot-goldene Fahnen an Häusern und Autos! Schwarz-rot-goldene Fahnen überall!

Und das alles nur, weil die Deutsche Kathrin Passig mit ihrem Text »Sie befinden sich hier« in diesem Jahr den Bachmann-Preis gewonnen hat! Und das, nachdem bereits ihr Weblog Riesenmaschine den Grimme-Online-Award gewonnen hatte!

Wahnsinn? Wie tief saß uns damals der Pisa-Schock in den Gliedern? Und heute? Jubel und »Deutschland! Deutschland!«-Rufe, weil »wir« bei diesem bedeutenden literarischen Wettbewerb gewonnen haben. Es geht wieder aufwärts in Deutschland! Lesen, Literatur und Bildung haben endlich die Massen erreicht!

Wie? Was? Fussball? Viertelfinale? Oh…

Technorati-Tags: bachmannpreis Kathrin Passig