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Der gespenstische Erfolg eines Zombie-Podcasts

Gone with the Wind: Pole PoppenspälerSeit Wochen ist der Hörbuch-Podcast »Pole Poppenspäler« von Theodor Storm ganz oben in den Charts bei iTunes zu finden. Bis in die Top-10 im Bereich Kunst hat er es zeitweise gebracht und wird sogar von der iTunes-Redaktion als »neu und beachtenswert« eingestuft.

Beachtenswert ist dieser Podcast allerdings, denn: es gibt ihn nicht! Die Website zum Podcast verweist auf ein »Datei nicht gefunden« und die MP3-Dateien sind ebenfalls nicht vorhanden. Und das seit Wochen! iTunes verzeichnet eine von »Waltraud« erstellte 19 Minuten lange Episode, die es nicht gibt.

Dass dieser literarische Zombie-Podcast dennoch seit Wochen unter den Top-Podcast zu finden ist, ist leider ein weiterer Beleg dafür, dass man den angeblichen Erfolgen des Mediums Podcasts sehr misstrauisch begegnen sollte.

Vor drei Wochen haben wir übrigens Apple bereits das erste Mal auf diesen Umstand hingewiesen. Aber untote Puppenspieler leben scheinbar lang.

Nachtrag vom 11. März 2007: Zwischenzeitlich ist die Podcast-Leiche aus iTunes entfernt worden.

Buchreport über Podcasts und Verlage

buchreport 2/2007In der aktuellen März-Ausgabe des Branchenmagazins buchreport widmet man sich erneut dem Thema Podcasts in der Verlagswelt. »Podcasts sind in Verlagen noch nicht angekommen« lautet die Überschrift des zweiseitigen Beitrags (Seite 66/67). Der Autor Daniel Lenz stellt fest, dass insbesondere bei den deutschen Verlagen das Medium noch nicht genutzt oder nicht nachhaltig gepflegt werde. Lenz führt in seinem Beitrag die internationalen und nationalen Podcast-Beispiele auf, die auch wir bereits in unserem Podcast ausführlich besprochen haben: Diana Gabaldon und Dean Koontz oder Marco Polo und Die Arbeit der Nacht.

Das Medium, so Lenz, bliebe daher Initiativen von Einzelkämpfern überlassen. Einer davon: Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de. Wieder sehr schön: das Foto beim Beitrag, das Tischer mit dem Podcast-Award zeigt, den er stolz und mit Konfirmandenlächeln in die Kamera hält. Die weiteren Einzelkämpfer sind Autoren, die auf diesem Weg einen Verlag suchen und die mittlerweile zumindest innerhalb der Podcast-Gemeinschaft bekannt sind. Da wären Christian Heinke, der über das Medium bereits einen Verlag gefunden hat (Interview im literaturcafe.de), Tim Cortinovis (»Herzfassen«) und Alexander Broy (»Die Urlauber«). Cortinovis, so ist dem Artikel zu entnehmen, hat sogar an der Wandsbeker Marktstraße in Hamburg ein 80-qm-Poster angebracht, um für seinen Podcast zu werben.

Schreibwettbewerb »Die Feder«: Ein schöner Anfang von Titus Müller

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Der Schreibwettbewerb »Die Feder« der Autorenzeitschrift »Federwelt« geht in die zweite Runde. Wie bereits beim ersten Mal gilt es, einen vorgegebenen Anfang zu einer Kurzgeschichte mit maximal 10.000 Zeichen werden zu lassen. Das literaturcafe.de wird als Partner des Wettbewerbs die Vertonung der Gewinner-Erzählung übernehmen.

Der Autor Titus Müller hat diesmal einen sehr schönen Anfang vorgegeben:

An ihrem elften Geburtstag erinnerte sich der Kaiser an seine Tochter Anna. Die Regierungsgeschäfte hatten ihn in Beschlag genommen, Reisen, Feldzüge, Nichtigkeiten, Wünsche seiner Hofbeamten. Hatte nicht eine Amme die Tochter in ihre Obhut genommen? Anna war ein merkwürdiges Kind gewesen, mit blasser Haut und pechschwarzen Haaren, er erinnerte sich daran. Heute war der Jahrestag ihrer Geburt. Er fragte sich, was aus ihr geworden war. »Holt meine Tochter!«, befahl er. »Ich möchte mit ihr speisen.«

Da möchte man sicherlich nicht nur die Gewinnergeschichte lesen, sondern auch erfahren, was aus der Tochter bei anderen Autorinnen und Autoren geworden ist. Alles, was Sie wissen müssen, wenn Sie an der »Feder« teilnehmen wollen, ist auf der Website des Uschtrin Verlags nachzulesen, in dem die Federwelt erscheint.

Demnächst wird übrigens auch verkündet, wer die Gewinnerin oder der Gewinner der ersten Runde ist. 

MySpace wird zur Literaturplattform

MySpace-Profil (Ausschnitt)Das Web-Angebot MySpace wird immer mehr von Literatinnen und Literaten genutzt. Vor allem Slam- und Beat-Poeten präsentieren dort ihre Werke, aber auch unbekannte Autoren nutzen sie.

Bekannt geworden ist MySpace als eine Art Homepage-Baukasten für Teenager. Mit wenigen Klicks kann man dort sein Profil ins Netz stellen und sich mit anderen vernetzen. Nach eigenen Angaben soll MySpace weltweit über 160 Millionen Nutzer haben. Seit 2005 gehört die Website zum Medienkonzern von Rupert Murdoch.

Für Musiker bietet MySpace einen eigenständigen Bereich, in dem Aufnahmen der eigenen Band als Stream oder MP3-Download bereitgestellt werden können. Ohne Programmierkenntnisse können rasch auch Tourpläne oder ein Weblog hinzugefügt werden. Die Beliebtheit von MySpace nutzen dabei nicht nur unbekannt Bands und Sänger, sondern beispielsweise auch die Rolling Stones, die eine eigene MySpace-Seite eingerichtet haben.

Just dieser Künstlerbereich wird immer mehr von Wortkünstlern genutzt. So kann man auf der MySpace-Seite von Sebastian Brück seine Erzählung »Sofía auf dem Sand« anhören, die ursprünglich für einen Schreibwettbewerbs der taz verfasst wurde. Der Vorteil an MySpace sei, so schreibt uns Brück in einer eMail, dass dieser Weg der Veröffentlichung technisch wesentlich einfacher sein, als einen Podcast mit dazugehörigem RSS-Feed zu erstellen.

Heute geht es los: Der Jokers Lyrik-Preis 2007

Der große Jokers Lyrik-PreisVon heute an bis zum 31. März 2007 können wieder Gedichte zum großen Jokers Lyrik-Preis eingereicht werden. Für die ersten drei Gewinner winken insgesamt 4.500 Euro an Preisgeld. Zusätzlich werden weitere Sach- und Sonderpreise vergeben. Als Partner des Jokers Lyrik-Preises stiftet auch das literaturcafe.de in diesem Jahr wieder zwei Gedichtvertonungen sowie je eine literaturcafe.de-Tasse. Erstmals gehört in diesem Jahr auch der Herausgeber des literaturcafe.de, Wolfgang Tischer, mit zur insgesamt zehnköpfigen Jury. Die besten Gedichte werden wieder in einer gedruckten Anthologie veröffentlicht.

Wer mitmachen will, der sollte sich die Tipps & Tricks auf der Jokers-Website vorher gut durchlesen und dann das Gedicht ausschließlich über das spezielle Web-Formular einsenden. Viele Erfolg!

Literaturportal kann abgeschaltet werden

Kann in Marbach gezogen werden: der Stecker»Wir haben vielleicht den Fehler begangen, [das Literaturportal] nicht Literaturkalender zu nennen«, so stellte es jüngst Roland Kamzelak fest, der Leiter der Direktionsabteilung im Deutschen Literaturarchiv Marbach (wir berichteten mehrfach). Ein Fehler, der laut Ministerium mit 150.000 Euro an Bundesmitteln gefördert wurde.

Die Kalenderdaten werden jedoch nicht in Marbach gepflegt, sondern vom Kulturkurier in Berlin. Der hat jetzt unter der Adresse www.kulturkurier.de einen eigenen bundesweiten Kulturkalender gestartet. In diesem Kalender sind 1:1 auch die Literaturtermine enthalten, deren Extrakt im Marbacher Literaturkalender angezeigt wird.

Somit braucht man für einen Kalender in Marbach kein eigenes Portal mehr zu betreiben und kann Geld sparen, das der Bund künftig für wirkungsvolle Literaturförderung ausgeben könnte. Wenn man die Aussagen Kamzelaks richtig interpretiert, so ermöglichte die bisherige Förderung immerhin auch, dass der Online-Redakteur des Literaturportals sich offenbar einen viermonatigen Urlaub gönnen kann. Denn auch nach dem jüngsten kritischen Artikel der Stuttgarter Zeitung wurde die Startseite des Portals nicht aktualisiert. Offensichtlich kennt nur der Redakteur das Passwort und ist im Urlaub schlecht erreichbar.

Liebe Marbacher! RUFT! UNS! AN! Die Telefonnummer findet ihr im Impressum. Wir setzen uns in die S-Bahn, kommen zu euch und installieren auf eurem Server WordPress. Für euch machen wir das sogar kostenlos. Und auch das S-Bahn-Ticket zahlen wir. Ehrensache! Dann können alle eure Mitarbeiter – einschließlich Herrn Kamzelak – Minuten später bloggen, und die Texte sind sofort online.

Kann man in Ostdeutschland nicht mehr lesen?

Es ist ja schön und gut, dass die Leipziger Buchmesse immer mehr zur Hörbuchmesse mutiert. Insgesamt 120 Hörbuchverlage präsentieren dort im immer größer werdenden Hörbuchbereich ihre Produkte. Aber wenn man jetzt Veranstaltungsreihen »Wer nicht lesen will, darf hören« betitelt, dann fragt man sich allmählich, ob das wirklich so klug ist. Hörbuchhören ist cool, Buchlesen ist doof schwingt da mit. Lesen ist was für Langeweiler im Lesesessel. Dabei muss man denken. Das ist übel. Hörbücher hingegen kann man nebenbei hören. Und sogar Auto fahren. Lesen war gestern. Lesen war was für Oma. Heute ist Hörbuch!

Neue Werbeformen erobern auch das Buch

Gerade entdeckt: Neue Formen der Buchwerbung
Foto: Wolfgang Tischer – Das literaturcafe.de – Unter Creative-Commons-Lizenz

»Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit«

In unserem Literatur-Quiz suchen wir einen Autor und Wortkünstler, der in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden wäre. Raten Sie mit! Unser regelmäßiges Quiz entsteht in Zusammenarbeit mit der Schiller Buchhandlung in Stuttgart-Vaihingen.

Ein sehr unbekannter Vater

Régis Jauffret: MicrofictionDass in der Literatur (und in der Wirklichkeit) männliche Kindeserzeuger häufig fraglich oder unbekannt sind, ist nicht neu; eine besonders verrückte Version findet sich in dem aktuellen Roman von Régis Jauffret: Microfiction (leider nur auf Französisch); für die, die kein Französisch können, hier ein eigener und höchst unautorisierter Übersetzungsversuch; und für die, die diese Sprache schätzen, folgt anschließend das Original – übrigens wäre in den Kommentaren genug Platz für bessere Vorschläge:

»Mein Vater existiert nicht, Mama hat mich mit dem Sperma gemacht, das sie einem Betrunkenen gestohlen hat. Er lag ausgestreckt am Ufer. Weil es Nacht war, hat sie sein Gesicht nicht gesehen. Danach hat sie ihn in die Seine geschubst. Er muss sofort untergegangen sein. Er war sicher schwarz, denn ich bin ein Mischling, während Mama blond ist wie eine Schüssel Cornflakes.«

»Mon père n’existe pas, maman m’a faite avec le sperme qu’elle a volé à un ivrogne. Il était allongé sur le quai. Comme il faisait nuit, elle n’a pas vu son visage. Après, elle l’a poussé dans la Seine. Il a dû couler tout de suite. Il était sûrement noir, car je suis métisse, alors que maman est blonde comme un bol de corn flakes.« (S. 131)

Sprachkritiker und Fan sein? Geht nicht!

Cover: Lieder voller PoesieBastian Sick (»Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod«) hat gezeigt, dass man selbst heute noch als Sprachkritiker Berühmtheit erlangen kann (höre auch unser Podcast-Interview aus dem Jahre 2005). Sick füllt mit seiner Sprachshow die Konzerthallen und begeistert Jung und Alt.

Nun gibt es eine neue CD des Schlagersängers Udo Jürgens, deren Stücke von Bastian Sieck ausgewählt und kommentiert wurden. Und Andreas Platthaus von der FAZ lässt es sich natürlich nicht nehmen, die Klappentexte Sicks genüsslich zu sezieren. So stößt er auf Floskeln wie »vielleicht« und »womöglich« und zeigt, dass das Sicksche Lob für die Jürgensche Sprache sehr selektiv ist. So wird alles sprachlich Zweifelhafte kurzerhand ausgeblendet. Damit aber zeigt Sick, dass er nicht weiß, was er will: Sprachkritiker bleiben oder Fan sein. So versucht er beides. Das gelinge ihm nicht, so Andreas Platthaus.

Aber es ist beruhigend zu wissen, dass auch ein Sprachkritiker, wenn es ihm um Inhalt und Begeisterung in einem Text geht, die Sprachbeherrschung verliert.

Bewohner verbrennen bis zur Unendlichkeit

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Schlagzeile des Spiegels

Eine in jeder Hinsicht grausame Schlagzeile, die der SPIEGEL da getextet hat. 

Die lesen, die Pariser!

Ausschnitt aus dem MetroplanUnd wie sie lesen! Da kann man als Deutscher nur staunen: Sie lesen, während sie auf den Bus warten, sie lesen, während sie auf die Metro warten, sie lesen, während sie die Metro besteigen, oder auch nur, wenn sie mit diesen Verkehrsmitteln fahren – dabei sind jetzt nicht Zeitungen oder Zeitschriften gemeint, die werden auch gelesen, sondern richtige Bücher! Und was für Wälzer!

Man könnte Wetten abschließen: 5 steigen ein, wie viele davon zücken ein Buch, sobald sie drin sind? Drei waren es! Manchmal allerdings ist kein Raum fürs Zücken, wenn es allzu eng zugeht.

Aber leider: Es sind nicht die Jugendlichen, die lesen! Wie sagte das Nina Hagen damals 1978, als sie noch erträglich war, so treffend? »Ich krieg’ne Meise weil / Na, ich fass‘ kein Buch mehr an / Literatur?? Kotz kotz uuuuaah! / Da wird mir übel« und »Ich kann mich doch gar nicht entscheiden, ist alles so schön bunt hier!« Das haben viele verstanden, auch in Paris! Die haben wie unsere den Knopf im Ohr und spielen sich Fragmente per Kreuzstöpselungen zu, während sie eifrig die imaginären iPod-Rädchen drehen und keines ihrer gewählten Stücke länger als ein paar Sekunden ertragen. Und falls kein iPod zur Hand, wird ununterbrochen am Händi rumgefummelt, damit das Leben einen Sinn hat! Welche Ruhe, welche Gelassenheit dagegen bei den Lesenden …

PS: Selbstverständlich lesen nicht ALLE in öffentlichen Verkehrsmitteln, aber doch so viel, dass es einem deutschen Leser einfach auffällt!

Podcast-Tipp: Die Krimiwelt der Fred Vargas

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Zum neuen Krimi »Die dritte Jungfrau« der französischen Bestseller-Autorin Fred Vargas präsentiert der Aufbau-Verlag einen Podcast in 10 Folgen. Die neue Folge erscheint immer am Donnerstag. In die erste haben wir natürlich gleich mal reingehört. Neben einem vom Deutschlandradio übernommenen ausführlichen Interview mit der Autorin ist in jeder Folge ein längerer Ausschnitt aus dem Buch zu hören. Gelesen wird der Text von Gerd Andresen, dessen Stimme insbesondere den Hörern des SWR gut bekannt sein dürfte. Ansonsten ist er uns als Hörbuchsprecher leider noch nicht begegnet. Umso trauriger, dass es zum Roman laut der Website des Verlags zwar ein Hörspiel gibt, aber offensichtlich kein von Andresen gelesenes Hörbuch. Schade, schade …

Ein angenehm zurückhaltend und gut produzierter Podcast, ohne den Privatradio-Klangsumpf, mit dem z.B. der Marco-Polo-Podcast nervt.

Lyrische Schokolade für den Buchhandel

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Lyrische SchokoladeNa, ob das die richtige Nachricht für den Beginn der Fastenzeit ist, die das Börsenblatt da gestern veröffentlicht? Der österreichische Edelschokoladenhersteller Zotter bringt eine neue Schokoladen-Edition auf den Markt, auf deren Einwickelpapier Gedichte von Johann Wolfgang Goethe, Heinrich Heine, Friedrich Hölderlin, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Joachim Ringelnatz, Georg Trakl, Kurt Tucholsky, Emily Dickinson, James Joyce, D.H. Lawrence, Edgar Allan Poe, William Shakespeare, Walt Whitman, Oscar Wilde und Virginia Woolf zu lesen sind.

Die Schokolade soll – neben dem Schokoladenfachhandel – auch in Buchhandlungen verkauft werden. Aber bitte dort nicht gleich aufessen und mit den schokoverschmierten Fingern nach Büchern grapschen, gell?