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Wie Self-Publishing Leser, Autoren und Verlage verändert hat

Baby schreib mir ... einen Roman

Wie hat Self-Publishing den Belletristikmarkt verändert? Hannes Monse stellte mir die Frage. Demnächst werde ich bei der 3. Stuttgarter Verlagsrunde dieser Frage nachgeben und am kommenden Wochenende wird sie mir beim Seminar für den Förderkreis deutscher Schriftsteller gestellt werden.

Ich versuche mich an einer Antwort. Was hat Self-Publishing der Bücherwelt gebracht, was den Verlagen, was den Autoren, was den Lesern?

Nummer kleiner: Kindle Storyteller Award geht in die zweite Runde

Nummer kleiner: Kindle Storyteller Award geht in die zweite Runde

Zum zweiten Mal veranstaltet Amazon in diesem Jahr den Kindle Storyteller Award. Autorinnen und Autoren sind aufgerufen, ab Juni 2016 ihre Texte bei Amazons Self-Publishing-Plattform KDP hochzuladen.

Namhafte Autoren in der Jury und bekannte Verlagspartner fehlen allerdings in diesem Jahr. Stattdessen ist Schauspieler und TV-Produzent Christian Ulmen mit dabei. Mit Preisen im Gesamtwert von 30.000 Euro bleibt der Textwettbewerb gut dotiert.

70%-Kürzung: Amazon streicht Kindle-Provision drastisch zusammen

Kindle-E-Reader vor Buchregal
Sollte man künftig besser die Buchregale im Hintergrund besprechen, statt der E-Reader davor?

Amazon feiert 5 Jahre Kindle in Deutschland. Doch vielen Blogs und Websites, die sich dem Thema E-Book und E-Reader widmen, dürfte die Partystimmung vergangen sein. Zum Jubiläum hat Amazon die Kindle-Provision des Partnerprogramm dramatisch gekürzt. Umsatzeinbußen von 70 Prozent sind die Folge.

Der US-Konzern dürfte damit einigen Websites und Blogs die Existenzgrundlage entzogen haben.

Textkritik: Das missglückte Luder

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Magst tanzen mit mir im fahlen Licht?
Bei Tannenduft?
Auf Moos gebettet,
verschling ich dich mit meinen Schenkeln.

Magst jagen mit mir durch Dornengebüsch?
Zum Ruf der Eule?
Im See erfrischt,
liebkost mein kalter Busen deine Lenden.

Magst laben dich an meinen Gruben?
Bei brütenden Vögeln?
Über Pfade der
fließenden Glut verführe ich dich.

Magst, dass ich dein Köder bin?
Ein Lockruf des Verlangens?
Willst, dass ich mich
schinde auf Knien vor deinem Eros!

Magst fühlen das Feuer unsrer Herzen?
Blutrote Haut auf weißen Federn!
Wässrige Küsse glucksen
im Sumpf meiner Verderbtheit.

Magst rufen mich bei meinem Namen?
Mein brennender Atem flackert vor Lust!
Als Jungfrau Diana soll ich dir dienen,
nennst Luder mich.

Magst dich nicht wehren mit Klauen und Zähnen?
Ich keuche meine Beichte mit Freude Dir ins Ohr:
Deinen Leib will ich weiden,
wie der Jäger die Ricke!

Magst nun darben auf liederlichem Schindacker,
verscharrt unter vertrocknetem Laub!
Noch ein Mal witt’re ich deinen klebrigen Duft.
Nun lockst du nach altem Brauch das Biest!

© 2016 by Martina Siehms-Dahle. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Missglückter Versuch, die Doppelbedeutung von Luder in ein Gedicht zu stopfen
Dieses Gedicht enthält eine inhaltliche Steigerung. Das spiegelt sich aber nur grob inhaltlich wieder, jedoch überhaupt nicht in der Form! Die Vorgabe der ersten beiden Strophen wird nicht allmählich aufgelöst, sondern schlagartig. Formal bleiben nur die vier Zeilen und die Frage Magst zu Beginn (abgesehen letzten Abschnitt). Eine allmähliche Veränderung der Struktur in weniger Strophen wäre eindringlicher gewesen.

Die Kritik im Einzelnen

Wie kann man auf Moos gebettet tanzen? Nachdem das Luder zwei Fragen gestellt hat, teilt es dem befragten Wesen mit, es verschlingen zu wollen. Normalerweise müsste der Text hier enden  – aber wer kennt schon des Wesens Wesen! Gewiss: verschlingen ist hier übertragen gemeint, dennoch bleibt der Fall vom Tanz zum Geschlechtsverkehr gewaltig! zurück

Durch die Wiederholung ist jetzt die Struktur des Gedichts vorgegeben: Erste und zweite Zeile enthalten jeweils eine Frage, dann folgt ein konkreter Ort, gefolgt von einem Partizip, und dann folgt die Handlung des Luders.
Im Metrum zeigen sich kleine Variationen – außer in der Schlusszeile: die hat hier fünf Jamben, in der vorherigen waren es nur vier. Das ließe sich leicht verbessern, wenn man aus dem kalten Busen einfach Busen machte – schon wäre sie sauber! zurück

Jetzt wird die aufgebaute Struktur zerbrochen. Einen nachvollziehbaren Grund dafür finde ich nicht: Es gibt kein mit mir mehr, keine Orte, das Metrum wird verlassen. Gleich bleibt nur das Magst zu Beginn jeden Abschnitts (Strophe heißt es nur, wenn die Teile eines Gedichts vom Aufbau gleich sind).
War in den beiden ersten Strophen das Luder noch aktiv, ist es nun passiv: Es will, dass die andere Person sich an seinen Gruben labt . Was das für Gruben sind? Keine Ahnung! Bisher war noch nicht von einem Aushub die Rede! Oder sollten das etwa Wangengrübchen sein? Und kann man sich denn an denen laben? Keine Ahnung! Geschehen soll das bei brütenden Vögeln, also irgendwo in der Nähe eines Nestes. Doch warum werden hier Tiere genannt statt nur der Ort?
Dann wird das Luder wieder aktiv und verspricht der anderen Person, sie zu verführen … aber das hat Luder bereits in der ersten Strophe erledigt – auch wenn die andere Person jetzt nicht mehr schenkelmäßig verschlungen wird, sondern über Pfade der fließenden Glut. zurück

Luder würde gern Köder der anderen Person sein? Aha, sie will also nicht mehr die andere Person verführen, sondern dass die andere Person sie als Köder benutzt – für andere Männer und Frauen, mit anderen Worten: Das Luder wünscht sich einen Luden – nun gut, jede wie sie will.
Aber wieso heißt das, dass das Luder sich jetzt schinden muss auf Knien wegen des Eros‘ des Luden? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Dieser Abschnitt kann getrost fehlen! zurück

Prostitution hilft offenbar nicht weiter, jetzt ist erneut (Ex)-Lude gefragt: Ob er das Feuer unserer Herzen fühlen möge, fragt sie. Kitsch sage ich. Dazu passend das schräge Bild von wässrigen Küssen, die im Sumpf der Verderbtheit glucksen … zurück

Das Luder möchte jetzt bei seinem Namen genannt werden, der da lautet Diana. Aber warum? Weil sie dem Luden als Jungfrau dienen will mit flackerndem Lustatem? Zu spät, geht nicht mehr, hat sich in der ersten Strophe bereits erledigt! zurück

Dass der Exlude Diana einfach über sich ergehen lässt, mag sie nicht, sie hätte lieber Gegenwehr, am besten mit Klauen und Zähnen, tierisch halt! Und aus irgendeinem Grund keucht sie ihm dabei freudvoll ihre Beichte ins Ohr: Deinen Leib will ich weiden,/wie der Jäger die Ricke!
Eine seltsame Beichte, denn niemand, nicht einmal eine Göttin kann etwas weiden! Es gibt Tiere, die weiden können. Man findet sie auf der Weide. Man kann sich zudem an etwas weiden (nicht an diesem Text), z. B. an einem Leib. Und den kann man sogar ausweiden – so wie ein Jäger den einer (toten!) Ricke. zurück

Jetzt haben wir den Salat: Das Luder hat den Exluden zum Luder im jägersprachlichen Sinne gemacht. Dann fragt es sich, wieso der Leib unter Laub versteckt wurde, wenn er das Biest anlocken soll, obwohl das Biest Luder-Diana bereits da ist!
Wozu also noch eins anlocken? Und welches? Das von der Schönen? Es gibt doch so viele
PS: Was ist ein liederlicher Schindacker? Gibt es denn auch gepflegt? zurück

Kindle Oasis im ausführlichen Test – Lohnt der Kauf des coolen Luxus-Readers?

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Cooler E-Reader: Der Kindle Oasis

Mit dem Kindle Oasis hat Amazon seine Palette der E-Reader-Modelle nochmals nach oben erweitert. Der Kindle Oasis ist derzeit der kleinste, dünnste und leichteste E-Reader auf dem deutschen Markt. Ein cooles Gerät! Wer es sieht, will es unbedingt einmal in der Hand halten. Doch der Kindle Oasis ist gleichzeitig auch der teuerste Reader.

Wir haben ein reguläres Seriengerät des Kindle Oasis ausführlich in der Praxis erprobt. Lohnt sich die Anschaffung oder der Umstieg? Wir testen sachlich – und schwärmen dennoch am Schluss.

Aktuell: Im November 2017 hat Amazon das Nachfolgemodell Oasis 2 (9. Modellgeneration) auf den Markt gebracht und das hier vorgestellte 1. Modell ist nicht mehr lieferbar. Unseren ausführlichen Testbericht des neuen Gerätemodells können Sie hier nachlesen: Neuer Amazon Kindle Oasis 2 im ausführlichen Test – Für wen lohnt der Kauf des E-Readers? [Mit Video].

Leckere Donuts im Verlies der Stadtbibliothek

Haruki Murakami: Die unheimliche BibliothekWäre man ein Kind und könnte man noch nicht lesen, würden sich die Bilder dieses Buches wohl auf ewig ins Gehirn brennen. Es ist ein kleines fadengeheftetes Bändchen, das da in der Buchhandlung wartete. Ein dunkles Märchen über ein Verlies im Keller der Stadtbibliothek.

Literarisches Quartett: »Reden wir hier über Bücher oder reden wir über Biller?«

Das literarische Quartett (Foto: ZDF)
Das literarische Quartett (Foto: ZDF)

Gute Fernsehsendungen schaffen unerhörte Einblicke und bringen uns Dinge nahe, die wir nie zuvor für möglich gehalten haben. Seit der letzten Ausgabe des literarischen Quartetts wissen wir daher: Das Magazin FOCUS hat einen Literaturchef!

E-Books: Gesetzesänderung erlaubt Umgehung der Preisbindung und bringt Amazon weitere Vorteile

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Fotomontage: Umgehung der Preisbindung durch eine Jahreslizenz?
Fotomontage: Umgehung der Preisbindung durch eine Jahreslizenz?

Sind E-Books gesetzlich preisgebunden, müssen sie also überall von jedem Händler zum gleichen Preis verkauft werden?

Der schwammige Text des Buchpreisbindungsgesetzes ließ bislang einen großen Interpretationsspielraum. Obwohl der Börsenverein des Deutschen Buchhandels immer schon der Ansicht war, dass sich der gebundene Ladenpreis auch aufs elektronische Buch erstreckt, wurde dies von anderen durchaus infrage gestellt. Ein neuer, aktuell vom Bundestag beschlossener Gesetzestext soll ab Herbst 2016 Klarheit schaffen. Tatsächlich jedoch bringt er vor allem Wettbewerbsvorteile für Amazon.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Self-Publishern zu.

5 Jahre Kindle: Paperwhite erneut für 99,99 Euro im Angebot

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Unschlagbarer Preis: Der Kindle Paperwhite im Angebot
Zum Jubiläum: Der Kindle Paperwhite im Angebot

Seit genau fünf Jahren ist Amazons E-Reader Kindle nun auch in Deutschland erhältlich. In den USA kam das erste Modell 2007 auf den Markt. 2011 verkaufte Amazon in Deutschland erstmals das Modell Nummer 3 – noch mit englischer Benutzerführung.

Zum Jubiläum hat Amazon den Preis des Kindle Paperwhite erneut um 20 Euro auf auf 99,99 Euro gesenkt. Auch das Basismodell, das nur Kindle heißt, ist aktuell für 10 Euro günstiger zu haben und kostet 59,99 Euro. Das Angebot ist bis zum 1. Mai befristet.

Allerdings können wir nur ein Gerät wirklich empfehlen.

Schock: VG-Wort-Ausschüttung an Verlage ist illegal – 3 Wege aus dem Desaster

Schock: VG-Wort-Ausschüttung an Verlage ist illegal - 3 Wege aus dem Desaster

Buchverlage dürfen nicht an den Einnahmen beteiligt werden, die die Verwertungsgesellschaft VG Wort für die Urheber einzieht und verwaltet. Dies hat der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs heute am 21. April 2016 entschieden. Ein Revision wurde nicht zugelassen. Somit gilt das Urteil des Oberlandesgericht München von 2013. Die Verlage müssen die widerrechtlich einbehaltenen Gelder an die Urheber zurückzahlen.

Der Börsenverein für den deutschen Buchhandel befürchtet Insolvenzen insbesondere von kleinen und mittleren Verlagen.

Textkritik: Trocken und dicht

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Die Welt und alle Dinge darin sind kostbar,
aber das kostbarste Ding in der Welt
ist eine tugendhafte Frau.
Der Prophet Mohammed

»Das Band der Ehe ist die Fessel der Frau!«, sagt Halime und tanzt. Es ist nicht ihre Hochzeit. Sie ist nicht die Braut. Sie hat nicht vor, jemals eine zu werden. Halime tanzt mit Aras und Evin, ihrer kleinen Schwester. Ibrahim drückt die Hand seiner Frau Nure. Wie schnell sind sie erwachsen geworden, die Kinder. Yusuf, endlich verheiratet. Canan wird ihm eine fromme Frau sein. Halime tanzt.

In beschlagenen Fensterscheiben geht die Sonne am Steindamm auf. Halime und Aras, Arm in Arm torkelnd, albern. »Bist du betrunken?«
Halime schaut sich um. »Meinst du mich?«
Aras lacht. »Ich liebe dich!«

Frühjahrsferien zu kurz wie immer, und doch lang genug. Die Freundinnen warten am U-Bahnhof Berliner Tor. Halime reißt sich das Tuch vom Kopf. Wie ein Schwall schwarzblauer Tinte fließen ihre Haare über die Schultern. Arme, die sich um die Hälse schlingen, Küsse, warm auf kühlen Wangen.
»Oh, geil deine Ohrringe.«
»Was läuft?«

Morgentoilettenrituale. Mascara satt. Grimassen grinsen im Spiegelbild. Den Stift sicher über die Lippen führen, nicht einfach im Gerangel um die besten Plätze. Heiter schweben die Stimmen auf Rauchschwaden durch Türritzen über den Flur. Schnell noch einen Knopf an der Bluse öffnen, Bauchnabelpiercings glitzern im Sonnenlicht. Krass! Ein letzter Blick in den Spiegel, bevor der Gong zur ersten Stunde ertönt. Zurück bleibt, rotgeringelt in Kloschüsseln schwimmend, ein aufgedunsener Kippenfriedhof.

»Du wirst Murat heiraten!«, sagt Nure. Onkel Mehmet habe es im Einvernehmen mit dem Familienrat beschlossen. Vor Halimes Augen verschmilzt die Küche zu einem trüben Wackelpudding. Die Gläser im Schrank klirren schrill. Halime hält ihn fest, damit sie nicht zerspringen.

Tommis Pullover kratzt. Lambswool aus kontrolliert biologischer Schafzucht. Halime zwirbelt einen Wollfaden zwischen den Fingern.
»›Deutschland sei ein Rechtsstaat‹, sagt meine Mutter. Sie ist Staatsanwältin und sie weiß, wovon sie redet«, sagt Tommi und nippt am Café Latte.
»Du bist süß, Sahnebart.«
Wattewolken treiben im Alsterwasser. Segelboote dümpeln auf und nieder. Flaute.

»Hure!« Yusuf dreht den Schlüssel um im Schloss.
»Sie ist unsere Schwester!«, sagt Aras.
»Sie besudelt meine Ehre!«, sagt Yusuf.
Halime zeigt ihrem großen Bruder hinter der Tür den Stinkefinger. Ihres Vaters vier Wände machten noch lange kein Grab.

Kichererbsenmus, goldgelb, in Knoblauch geschwenkt. Ein Hauch Leben dampft aus der Teetasse.
»Baba?«
Nure weicht Halimes Blicken aus.
»Warum?« Halime wischt die Tränen quer übers Gesicht.
Nure streichelt Halimes Arm. Evin ließe sie grüßen. Und Aras natürlich.
Leere füllt sich mit beißendem Schmerz.

»Meine Tür ist immer offen für euch«, sagt Nure.
Sie hat Wort gehalten. Halime, schutzlos wie ein Kaninchen vor den Wölfen, schlägt Haken durch die Stadt. Wohin? Tommis Pullover kratzt wie eh und je.
»Sei uns willkommen, Halime!«, sagt Tommis Mutter und bittet zu Tisch.
Sie würde ihr sowieso nicht glauben, beruhigt Halime ihr schlechtes Gewissen. Es helfe ja nichts zu dramatisieren, würde Sabine sagen.
»Noch etwas Tee, Halime?«

Gardinen, verquirlt im gleißenden Scheinwerferlicht, treiben es des Nachts wie durchgeknallte Derwische in bauschenden Röcken auf dem Fenstersims. Reiben ihre geistlosen Körper an Rosentapeten – Hure! – Schlampe! – Sau! Wahr ist, dass Halime nicht mehr schlafen kann. Am Tag parkt die dunkle Limousine weiter unten an der Straßenecke im absoluten Halteverbot.
»Das ist kein Verbrechen«, sagt Aras‘ Chefin, die Polizistin.

Am helllichten Vormittag in der Fußgängerpassage. Die Schergen von Onkel Mehmet machen keine halben Sachen. Leute glotzen.

Sie sind da. Das fühlt Halime wie Mundgeruch in der Früh. Sie fährt mit dem Metrobus 6, steigt in den 3er, in die U-Bahn und noch einmal um in den 25er. Universitätskrankenhaus Eppendorf. Sabines Leben hängt an einem Plastikschlauch. Klare Lösung tropft in ihre Vene.

Yusuf kuriert Halime, bis die Scheiße aus ihrem verfickten Arschloch rinnt.

Nures Bruder, Dr. Aslan, kümmert sich, so gut er kann. »Es gibt Dinge, die lassen sich nicht wieder gutmachen«, sagt Dr. Aslan.
Ibrahim, hohläugig, wünschte sich nichts mehr, als seine Lieblingstochter in den Arm zu nehmen. Doch das ist so unmöglich, wie den Propheten Mohammed ins Diesseits zurückzuholen.

Aras riskiert seinen Job. Er muss es tun und er wird. Er verspricht es.

Neunundneunzig Perlen kreisen ohne Unterlass. Die Gebetskette in Murats Fingern findet keinen Frieden. Murat keucht. Er schwitzt. Halime gefällt ihm. An Murats Arm setzt Halime behutsam einen Fuß vor den anderen, einen vor den anderen.

»Alles Gute!« wünscht die Standesbeamtin.

In Ibrahims Haus sitzt Nure auf dem Sofa. Ihre Beine sind unter einer gehäkelten Decke verborgen. Halime, im Brautkleid, liegt zusammengerollt wie eine Katze neben ihr, den Kopf in den Schoß der Mutter geschmiegt. Nure weint die wenigen Tränen, die ihr geblieben sind.

Lammkebab. Reis. Feigen. Datteln. Ingwer. Zuckermandeln. Zimtstangen. Der Imam rezitiert aus dem Heiligen Koran. In Halimes hennagefärbter Hand liegt der Schlüssel zur Feuergrube – eine »Walther P99 DAO« Dienstwaffe, Kaliber 9 mm, 10 Schuss. Halime braucht nur einen. Onkel Mehmet klappt zusammen wie eine Marionette, deren Fäden alle auf einmal reißen.

»Allahu Akbar!«, sagt Halime.

© 2015 by Alexandra Richter. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Eine bis auf Kleinigkeiten überaus trockene und dichte Erzählung: Da wird nichts ausgewalzt, nichts Überflüssiges erläutert – Leser (sofern sie wach sind) kriegen auch so mit, was Yusuf mit Halime angestellt hat und warum! Ja: Allahu Akbar! Er ist so groß, dass man wirklich alles auf ihm abladen kann!

Die Kritik im Einzelnen


Eins ist sicher: IN den beschlagenen Fensterscheiben geht die Sonne gewiss nicht auf! Allenfalls HINTER den Scheiben. Und Steindamm als Hamburger Straße muss nicht notwendig gesagt werden: Diese Geschichte kann sich überall in Deutschland ereignen. zurück

Aus dem gleichen Grund streichen: Warum das alles verorten? Wer sich in Hamburg nicht auskennt, dem sagt das doch nichts! zurück

Erst jetzt wird deutlich, dass es sich NICHT um die normale Morgentoilette, handelt, sondern um eine zweite, nämlich die in der Schule! Das könnte schon am Anfang dieses Abschnitts deutlich werden, wenn es Schulmorgentoilettenrituale hieße! Denn in den Ferien war Halime sicher nicht geschminkt! zurück

Es gibt kein dumpfes Klirren – also weg mit schrill. Und der Vergleich der Küche mit einem trüben Wackelpudding hinkt gewaltig, denn ein trüber Wackelpudding wäre deutlich sichtbar! Die Küche aber verschwimmt vor Helimes Augen, das heißt, sie sieht zunehmend undeutlich. Wie wäre es damit – sofern man das Schmelzen beibehalten will: Vor Halimes Augen schmilzt die Küche? zurück

Durch die Umkehrung der Wahrnehmung wird das ein grandioses Bild für einen Ohnmachtsanfall! zurück

Die Farbangabe ist überflüssig, schließlich gibt es kein anderes Kichererbsenmus! zurück

Dass es die Gardinen auf den Fensterbänken wild treiben, ist ein viel zu starkes Bild, als dass es verwässert werden müsste durch verquirlt im gleißenden Scheinwerferlicht – bitte ersatzlos streichen! zurück

Mundgeruch kann niemand fühlen – das sagt bereits das Wort Geruch! Fühlen könnte sie z. B. eine pelzige Zunge. Letztlich genügt es, dass sie die Anwesenheit der Schergen spürt! zurück

Analog zu den folgenden Bezeichnungen empfehle ich hier ein einfaches Sie fährt mit dem 6er, denn auch hier muss niemand fragen, was ein 6er sein soll! zurück

Wunderbar gelungen: Yusufs Prollsprache im Namen der Ehre beim Wort genommen! zurück

Kindle Oasis – Was bringt Amazons neuer Luxus-Reader?

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Kindle Oasis - Die Lederhülle verlängert die Akkulaufzeit (Bild:Amazon)
Kindle Oasis – Die Lederhülle verlängert die Akkulaufzeit (Foto: Amazon)

Mit dem Kindle Oasis präsentiert Amazon einen neuen Luxus-E-Reader. Das neue Mitglied der Kindle-Familie wird ab dem 27. April 2016 ausgeliefert. Preislich liegt der neue E-Reader deutlich über dem bisherigen Spitzenmodell Kindle Voyage.

Was bringt Amazons neues Spitzenmodell Kindle Oasis? Wir zeigen, was er hat – und was er leider nicht hat.

David Gray wartet auf die Inspiration. Aber wie schaut sie aus?

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StiftEs ist seltsam mit der Inspiration. Wie genau muss man sich die vorstellen?

Man liest und hört, dass die Kreativen und Großen unter den Künstlern auf sie warten. Das ist, was die den lieben langen Tag so tun – warten, dass die Inspiration vorbeischaut und ihnen etwas dalässt. Im besten Fall eine Idee für den ganz großen, weltverändernden Wurf. Zuweilen auch nur die Idee, was man zum Abendessen kochen könnte.

Während die großen Kreativen da so warten und nichts tun, außer ab und zu auf ihre Uhr oder ihr Handy zu schauen, weil die Inspiration längst hätte vorbeikommen müssen, aber immer noch auf sich warten lässt, frage ich mich: Wie stellen sie sich ihre Inspiration denn genau vor?

»Der Anschlag« von Stephen King: Wer nicht schauen kann, sollte hören

Hörbuch: Der Anschlag von Stephen King, gelesen von David Nathan

Die Serie »11.22.63 – Der Anschlag« nach dem Roman von Stephen King hat heute am 11.04.2016 ihre deutsche TV-Premiere. Leider jedoch nur in einem unbedeutenden Bezahlsender, sodass sie kaum jemand sehen kann.

Warum stattdessen den Roman nicht einfach hören? Denn »Der Anschlag« ist nicht nur einer der besten Romane von Stephen King, sondern ein stimmliches Meisterwerk von Vorleser David Nathan.

»Frohburg« von Guntram Vesper: Will man das lesen?

»Frohburg« von Guntram Vesper

Für sein über 1.000 Seiten starkes Buch »Frohburg« hat Guntram Vesper den Preis der Leipziger Buchmesse 2016 in der Rubrik Belletristik gewonnen.

Malte Bremer und Wolfgang Tischer schauen beide in den Roman und fragen sich: Will man das lesen?