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Künstlername: Jan Böhmermann hat ein Problem mit Thea Dorn

Podcaster und Moderator Jan Böhmermann: Derzeit macht seine Sendung »Neo Magazon Royal« eine Pause, bevor er im Herbst mit einer neuen Show ins ZDF-Hauptprogramm zurückkehrt (Foto: ZDF/Ben Knabe)
Podcaster und Moderator Jan Böhmermann: Derzeit macht seine Sendung »Neo Magazon Royal« eine Pause, bevor er im Herbst mit einer neuen Show ins ZDF-Hauptprogramm zurückkehrt (Foto: ZDF/Ben Knabe)

»Fest und flauschig« mit Jan Böhmermann und Olli Schulz ist weltweit einer der erfolgreichsten Podcasts und nicht gerade ein Ort der Hochkultur. Doch in der Folge vom 08.03.2020 kommt Böhmermann auf Thea Dorn zu sprechen. Wegen ihres »studentischen« Künstlernamens könne er die Moderatorin und Literaturkritikerin nicht ernst nehmen.

Wie war’s mit Thea Dorn? Das nochmals neue Literarische Quartett

Das Literarische Quartett vom 06.03.2020: Vea Kaiser, Thea Dorn, Jakob Augstein und Marion Brasch (Foto: ZDF/Svea Pietschmann)
Das Literarische Quartett vom 06.03.2020: Vea Kaiser, Thea Dorn, Jakob Augstein und Marion Brasch (Foto: ZDF/Svea Pietschmann)

Zunächst ist man irritiert: derselbe Vorspann, derselbe Ort, dieselbe Deko. Doch wo ist Christine Westermann? Wo sitzt eichhörnchenhaft aufgerichtet Volker Weidermann? Aber nein, es ist ja das nochmals neu strukturierte Literarische Quartett mit Thea Dorn als Chefin im literarischen Ring. Hat das neue Konzept funktioniert?

Corona-Hysterie: Die schönsten Viren in der Weltliteratur [Bakterien-Bonus]

Bekanntes Pest-Motiv: Paul Fürst, Der Doctor Schnabel von Rom (Wikipedia)
Bekanntes Pest-Motiv: Paul Fürst, Der Doctor Schnabel von Rom (Wikipedia)

Die Angst geht um. Kann man der Corona-Hysterie entkommen? Eines ist sicher: Wir werden alle sterben. Wer in Quarantäne sitzt oder sich wegen des Corona-Virus’ nicht vor die Tür traut, kann tödlichen Viren und Bakterien auch in der Literatur begegnen. Wir haben vier verseuchte Lesetipps zusammengestellt. Außerdem gibt es noch einen Bonus-Tipp.

Preis der Leipziger Buchmesse 2020: Wer hat ihn wirklich verdient? – Lutz Seiler gewinnt

Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2020

Die Leipziger Buchmesse 2020 ist aufgrund des Corona-Virus‘ abgesagt worden. Am 12. März 2020 wäre dort der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben worden. Nachtrag: Alternativ werden die Gewinner nun im Deutschlandfunk bekannt gegeben. Unser Textkritiker Malte Bremer hat sich die fünf nominierten Titel in der Rubrik »Belletristik« angesehen, um zu schauen, welches Buch den Preis verdient hätte. Nur zweieinhalb der fünf Nominierten sind für ihn preiswürdig.
Nachtrag: Gewonnen hat den Preis schließlich Lutz Seiler mit »Stern 111«. Mehr dazu im Nachtrag unten.

Textkritik: Traurigkeitslevel 5, Brillenwertung 3

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Ich bin schon lange wach, bevor der Wecker klingelt, so wie jeden Morgen. Ich starre im Dämmerlicht an die Decke meiner leeren Wohnung, meine Einsamkeit und meine Traurigkeit sind um mich herum wie ein vergifteter Nebel. Schließlich gebe ich es auf, noch einmal einzuschlafen, und gehe in gebückter Haltung ins Bad. Wie so oft schaue ich in den Spiegel, versuche zu ergründen, was in meinem Leben schief gelaufen ist, aber mein Spiegelbild verrät mir nicht die Antwort. Dann übe ich eine halbe Stunde lang mein Lächeln, bis ich fast selbst daran glaube. Ich hole den TL-Checker aus dem Versteck hinter dem Wandschrank, er ist natürlich vom Schwarzmarkt, für Privatpersonen ist der Besitz illegal. Ich führe meine rechte Hand durch die Mess-Schleife und starte das Gerät. Mein Traurigkeitslevel ist 2,5 … so früh am Morgen ist das gar nicht gut! Heute wird ein schwieriger und gefährlicher Tag.

Ich zwinge mich dann dazu, wenigstens etwas zu essen. Über meinen erkalteten Kaffee hinweg blicke ich ins Leere. Ich habe heute frei und würde mich am liebsten in der Wohnung verkriechen, aber das geht natürlich nicht, das elektronische Türschloss und die Bewegungsmelder überwachen akribisch mein Kommen und Gehen, ich habe diesen Monat schon zu viele Stunden in meiner Wohnung verbracht. Werden es noch mehr, kommt von der Behörde ein Einschreiben mit der Vorladung zu einer BESPRECHUNG. Oder schlimmer noch: sie schicken gleich die CLOWNS. Beides kann ich mir in meiner jetzigen Verfassung nicht erlauben, also verlasse ich meine Wohnung, um Spaß zu haben, wie es von einem Single erwartet wird. Ich kontrolliere noch kurz den Sitz meines Lächelns und meines Anzugs, und mit dem beschwingten Gang, den ich mir so mühsam antrainiert habe, flaniere ich durch die Straßen meiner Stadt. Alle Menschen lächeln mich an und grüßen mich freundlich, ich lächele und grüße zurück, einige ziehen ihren Hut, dessen Tragen neuerdings wieder in Mode gekommen ist, aber ich werde so ein Ding nie aufsetzen. Ich frage mich, welches Lächeln echt ist und welches genauso eine Fassade ist wie mein eigenes. Nur die Leute, die schon eine BEHANDLUNG hinter sich haben, erkennt man gleich: ihr Grinsen ist fast manisch, und ihre Augen sind leer.

Ich bin auf der Hut und achte auf die CLOWN-Patrouillen. Ich wechsele betont langsam die Straßenseite, wenn ich ihrer ansichtig werde, und versuche meine Nervosität zu verbergen. Heute sind sehr viele unterwegs, es ist fast ein Spießrutenlauf. In einem uralten Buch, das mir mal in die Hände fiel, schrieb ein Autor namens Stephen King, dass Kinder Angst vor Clowns haben und dass Erwachsene sie albern finden. Das Buch ist natürlich verboten, so wie alle Texte, Filme und Lieder, die einen traurig oder ängstlich machen. Ich finde sie albern und beängstigend zugleich: Albern wegen ihrer Uniform, den von Hosenträgern gehaltenen Sackhosen, den viel zu großen Clown–Schuhen, dem Rüschenhemd samt Fliege mit quietschbuntem Sakko kombiniert. Sie tragen immer eine Perücke mit Halbglatze und roten Haaren, ihre Clownschminke und die rote Nase sind ganz klassisch. Und sie ängstigen mich wegen dem, was sie tun: Die riesigen Pistolen in ihren Schulterhalftern sind keine Dekoration! Und sie immer sind zu zweit.

Ich will nicht sehen was jetzt kommt, aber es wird von uns erwartet, dass wir gut gelaunt die Szene beobachten. Eine Flucht würde mich verraten. Einer der CLOWNS legt ihr die Handschellen an, der andere ruft die Behörde. Sie will zu ihrem Kind, während Tränen über ihr Gesicht laufen, aber sie lassen es nicht zu. Einer der CLOWNS setzt ihr eine Spritze, es ist wohl ein starkes Beruhigungsmittel, ihr Körper verliert jede Spannung, ihr Gesicht erschlafft. Zehn Minuten später kommen zwei Fahrzeuge, ein Krankenwagen mit bunten Clowngesichtern und ein Auto der Behörde, in leuchtendem Rosa lackiert. Die CLOWNS verfrachten die Frau in den Krankenwagen. Dieser wird sie in die Klinik bringen zur BEHANDLUNG. Dort wird sie all ihre Ängste und all ihre Traurigkeit verlieren, aber auch all ihre Liebe und Empathie und große Teile ihrer Intelligenz. Zur Mutter taugt sie danach nicht mehr, wahrscheinlich kommt sie dann ins Lächlerheim. Der Mitarbeiter der Behörde nimmt das Kind mit. Entweder wird der Vater sich darum kümmern, wenn er den TL-Test übersteht, oder es kommt in die Obhut der Behörde. Beide Fahrzeuge verlassen den Ort des Geschehens, nur der am Straßenrand vergessene Kinderwagen bleibt zurück als Mahnmal der Tragödie die sich gerade abgespielt hat. Und ich überstehe auch diesen Tag.

Und dann bleibt die Nadel bei 4,9 stehen und fällt dann rasch. Einer der CLOWNS grinst mich an und meint: »Na, hast du gerade an etwas wirklich Lustiges gedacht?«

Und ich grinse zurück: »Ja, in gewisser Weise!«

© 2020 by Thomas Bauernfeind. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Viele Zeichensetzungsfehler (annähernd 50) machten das Lesen zunächst zu einer Qual. Der Versuch, eine erschreckende Zukunft zu skizzieren, überzeugt nur teilweise: Die Nähe zum Kitsch wertet ab! Da starrt der Ich-Erzähler an die Decke seiner leeren Wohnung, und er fühlt sich nicht etwa einsam und traurig, nein: SEINE Einsamkeit und SEINE Traurigkeit befinden sich außerhalb von ihm, denn sie sind um ihn herum! Und zwar wie ein Nebel. Zum Glück kein giftiger Nebel, sondern ein VERGIFTETER: Von wem vergiftet? Warum? Wir werden es nicht erfahren, denn der Protagonist geht jetzt in gebückter Haltung (Warum denn das? Ist die Wohnung so niedrig?) ins Bad, um vor dem Spiegel zu ergründen, was in seinem Leben schief gelaufen ist.

Die Kritik im Einzelnen

Hier habe ich zum ersten Mal eingegriffen: Bis hier hatte ich bereits sieben Kommafehler getilgt, jetzt wird es inhaltlich: Zunächst handelt es sich um einen der ausgeleierten Anfänge, nämlich einem Aufwachen, das hier bereits stattgefunden hat.  Der Titel dieser Erzählung lautet Traurigkeitslevel 5, aber es fehlt eine Erklärung, warum Level 2,5 am Morgen gar nicht gut sein soll: Da ist doch eine Menge Platz nach oben? Und wer misst denn sowas? Der Protagonist benutzt schließlich ein illegales Messgerät! Aber warum? Zurück

Das ist eine starke Kombination! Zurück

Das kann getrost gestrichen werden, denn in einer fremden statt der eigenen kann diese Erzählung nicht spielen! Zurück

Umständlich: Es reicht, dass Hüte wieder in Mode gekommen sind – das Tragen ergibt sich von ganz allein! Zurück

Auch hier: Streichen! Fassade genügt, da braucht es kein eine davor! Zurück

Das die Schuhe von Clowns überdimensioniert sind, ist allgemein bekannt, muss also nicht extra erwähnt werden! Zurück

Das wiederum stimmt nicht: Jeder echte (!!!) Clown hat seine ganz persönliche, unverwechselbare Maske! Zurück

Zum Filmstart: Wir verlosen »Ruf der Wildnis« von Jack London

Filmplakatmotiv »Ruf der Wildnis« (Foto: 20th Century Studios/Disney)
Filmplakatmotiv »Ruf der Wildnis« mit Harrison Ford (Foto: 20th Century Studios/Disney)

Zum Kinostart der Neuverfilmung verlosen wir dreimal den Roman »Der Ruf der Wildnis« von Jack London in der herausragenden Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff. Machen Sie mit!

Ruf der Wildnis: Jack London und der Goldrausch – Ein Besuch im Yukon

literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer ist bei -30 Grad selbst in den Yukon gereist
Ruf der Wildnis: literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer ist bei -30 Grad selbst in den Yukon gereist

»Wir hatten nicht die Absicht, den Yukon genauso nachzubilden, wir er 1898 war«, sagt Stefan Dechant, der in der Neuverfilmung von »Ruf der Wildnis« für das Szenenbild verantwortlich war. Das war einer der Fehler des Films. Aber wie ist es im Yukon wirklich? Wolfgang Tischer war dort und berichtet, von dem Ort, an dem der Goldrausch 1898 begann.

Filmkritik: »Ruf der Wildnis« mit Harrison Ford – Susi und Strolch im Goldrausch

Harrison Ford (links) mit Filmhund Buck (rechts) (Foto: 20th Century Studios/Disney)
Harrison Ford (links) mit Filmhund Buck (rechts) (Foto: 20th Century Studios/Disney)

Mit Klamauk und vermenschlichten Tieren richtet sich die Jack-London-Verfilmung »Ruf der Wildnis« an eine sehr junge Zielgruppe. Schade. Mit Harrison Ford und famoser Tricktechnik hätte daraus ganz großes Kino werden können.

Ausgebucht: Wie kommt Ihr Buch zum Leser?

Seminar im Schwarzwald: Schreiben und (selbst) veröffentlichen

Wer ein Buch veröffentlichen will, benötigt keinen Verlag mehr. Self-Publishing ist der schnellste und kostengünstigste Weg, ein Buch auf den Markt zu bringen. Doch wie genau funktioniert das und welche Fallstricke sind zu beachten? Oder sollte man es doch zuerst bei einem Verlag oder Literaturagenten versuchen? Ein Seminar gibt Antworten. Aktuell: Mittlerweile ist das Seminar ausgebucht.

Neues Konzept: Das literarische Quartett wird zur Thea-Dorn-Show

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Thea Dorn im literarischen Quartett (Foto:ZDF)

Das ZDF hat verkündet, wie es mit dem Literarischen Quartett weitergeht: Das ursprüngliche Konzept wird ins Gegenteil gedreht und die Sendung auf die Moderatorin Thea Dorn zugeschnitten. Kann das gutgehen?

Deutscher Literaturfonds wird 40: Tagung in Leipzig widmete sich Literaturthemen

Teilnehmer der ersten Diskussionsrunde »Fake und Fiktion«: Autorin Sibylle Lewitscharoff, Moderatorin Bettina Baltschev, Autor Georg Klein, Literaturkritikerin Meike Fessmann und Moderator Thomas Böhm
Teilnehmer der ersten Diskussionsrunde »Fake und Fiktion«: Autorin Sibylle Lewitscharoff, Moderatorin Bettina Baltschev, Autor Georg Klein, Literaturkritikerin Meike Feßmann und Moderator Thomas Böhm

Der Deutsche Literaturfonds wird 40 und begann die Feierlichkeiten mit einer Tagung am Leipziger Literaturinstitut. Von Fake und Fiktion, digitalen Plattformen bis hin zum Geldverdienen mit Büchern waren alle aktuellen Themen vertreten. Doch beim Gendern und Political Correctness hörte der Spaß auf.

1917: Im Kino nichts Neues – Der Erste Weltkrieg als Action-Tapete

Ein Mann, sie alle zu retten: George MacKay als Lance Corporal William Schofield im Film »1917« (Foto: Universal Pictures)
Ein Mann, sie alle zu retten: George MacKay als Lance Corporal William Schofield im Film »1917« (Foto: Universal Pictures)

Im Film »1917« von Sam Mendes wird der Erste Weltkrieg als Action-Tapete missbraucht. Es ist, als schaut man sich im Kino das Let’s Play eines schlechten Computerspiels an. Welch ein Gegensatz zum Buch »Im Westen nichts Neues«.

Josef Reding (1929–2020): Ein fragmentarischer Nachruf

Josef Reding (Quelle: YouTube/ Karl-Heinz Gajewsky)
Josef Reding im Jahre 2014 (Quelle: YouTube/ Karl-Heinz Gajewsky)

Josef Reding ist tot. Der Schriftsteller starb im Alter von 90 Jahren. Viel weiß ich nicht über ihn. Und dennoch war er der erste Autor, dem ich bewusst begegnet bin. Ein fragmentarischer Nachruf.

Selfpublishing-Seminare in Schweiz und Schwarzwald

Zum Aargauer Literaturhaus

Im Februar und März finden gleich zwei Seminare zum Schreiben und Veröffentlichen statt. Melden Sie sich an zum Self-Publishing im Literaturhaus Aargau oder zum Seminar in Igelsberg im Schwarzwald. Außerdem: Papyrus Autor in Stuttgart.