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Textkritik: Wie der Mauerfall einen Text zum Einsturz bringt

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Prolog

11.11.1989

Es war extrem voll. Die Türen gingen nicht richtig zu. Alles voller Menschen. Diejenigen drinnen waren froh im Zug zu sein und die draußen wollten noch unbedingt hinein. Der nächste fährt erst in zwei Stunden, aber alle wollen so schnell wie möglich nach Berlin.

Meine Freundin und ich, wir waren zwar drin, aber ich dachte: »Wie sollen wir die nächsten eineinhalb Stunden bis zum Ostbahnhof überstehen?« Gerade war genug Luft zum Atmen, das war auch schon alles.

Schon nach den ersten Kilometern wurde es unerträglich heiß. In jeder Kurve trat dir jemand auf den Fuß. Es blieb natürlich nicht aus, dass Arme, Beine, Hände und Gesichter, alle möglichen Körperteile fremder Leute, sich berührten. Ich konnte deutlich und nicht nur eine Hand, an meinem Hintern spüren. Mein Gesicht lag immer wieder auf einer, zugegeben schönen, Brust. Doch angenehm war das deshalb nicht. Schon nach kurzer Zeit rochen alle nach Schweiß, bei vielen klebten die Kleider an den Körpern.

Fahr mal sonst um diese Zeit mit dem Zug von Magdeburg nach Berlin. Da musst du aufpassen rechtzeitig aus zusteigen, weil du nämlich einpennst und niemand da ist, der dich wecken könnte.

Aber heute interessiert das keine Sau.

Alle sind nur aufgeregt und reden, ja schreien fast, weil es gar nicht anders geht. Anscheinend hat jeder jeden lieb. Es fallen keine bösen Worte. Jedenfalls höre ich keine, was hier auch ein Wunder wäre. Alle lachen, selbst wenn mein Gesicht in diese Brust fällt guckt mich das Mädchen nur lächelnd an. Zu einer anderen Zeit hätte ich sicher schon Eine gefangen.

Der Zug musste immer wieder an einem Bahnhof halten. Als die Türen dort auf gingen wollten immer noch Menschen hinein. Raus wollte keiner, so das es jedes Mal ein riesiges Gemenge gab bis der Bahnhof hinter uns lag. Einige schafften es nicht, manche nicht wieder hinein und mussten sich von diesem Zug und ihren Leuten verabschieden.

Erst ab Potsdam ging es besser, weil kaum noch jemand zusteigen wollte. Meine Freundin stand mal neben und mal vor mir, doch immer so nah, dass wir uns gegenseitig festhalten und nicht verlieren konnten.

Wenn viele Menschen auf einem Haufen sind, ich mittendrin, da habe ich schon des Öfteren Platzangst bekommen. Doch auch mir machte das heute nichts aus, obwohl ich den Moment der Ankunft, wie alle anderen auch, herbei sehnte.

Es dauerte eine Ewigkeit, von wegen eineinhalb Stunden. Fast drei brauchten wir, ehe der Zug Berlin Ostbahnhof erreichte.Als die Türen sich öffneten war alles egal. Hauptsache raus, frische Luft, weg aus dem Gedränge.

Doch das war leichter gesagt, als getan. Auch aus anderen Richtungen kamen die Züge an, nicht weniger gefüllt mit Menschen.

© 2014 by Jörg Stollmann. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Völlig verkorkster Text

Die Überschrift »Prolog« zeigt es eigentlich schon: Das soll der Beginn eines  Romans sein (geplant sind laut Autor 500 Seiten). Der Original-Prolog ist doppelt so lang wie der besprochene Teil – aber zum Herausarbeiten von Fehlern muss ich das nicht weiter lesen!

Die Kritik im Einzelnen

Auweia: Englischer Titel! Prolog: Der aktuell favorisierte Ich-möchte-auch-gern-Autor-sein-Beginn! Als Schmankerl ein »historisches Datum«, das in 200 Jahren keinen Normalmenschen mehr interessiert … ob das was wird? zurück

Es war extrem voll: Warum nicht gleich den Zug nennen? Und alles voller Menschen: Alles? Auch die Türen, von denen unmittelbar zuvor die Schreibe war? Je nun, ein Zug mit Menschen drin, das ist doch der Normalfall! Aber was sind das für Zugtüren, die nicht richtig zugehen? Gehen die nur ein bisschen zu? Was ist extrem voll? Voll ist voll genug, voller geht doch nicht! Da können Menschen noch so sehr nach Berlin wollen … Ach ja, der Zeitenwechsel: Eigentlich soll wohl im Präteritum erzählt werden, aber der nächste Zug fährt und die Menschen wollen rein, stehen da wohl immer noch!

Ich-Erzähler mit Freundin sind im Zug – warum das durch wir nochmals betont wird, wo im Folgenden doch nur noch von drinnen erzählt wird, bleibt unklar. Dann folgt ein sensationeller Gedanke, wie man diese Völle überstehen könne. Vermutlich droht Erstickungstod, denn es steht geschrieben: Gerade war genug Luft zum Atmen: Ich lese das als Gerade eben! Daraus folgere ich, dass Ich-Erzähler Angst hat, ein paar Minuten später gäbe es keinen Sauerstoff mehr (obwohl die Türen ja nicht richtig zu sind, Sauerstoff also ungehindert eindringen kann). Hätte der Satz gelautet Es gab gerade noch genug Luft zum Atmen, gäbe es dieses Missverständnis nicht. zurück

Jetzt wurde es unerträglich heiß. Warum? Nun: In jeder Kurve trat dir jemand auf den Fuß … und außerdem berührten sich Körperteile, Gesichter z. B. – so lernt man dazu: Gesicht ist ab jetzt ein Körperteil! Was macht Ich-Erzähler? Er spürt Hände an seinem Hintern, und sein Gesicht legt er immer wieder auf eine weibliche Brust (nein, nicht die seiner Freundin! Wird jedoch erst später deutlich). Wurde ihm deswegen unerträglich heiß? Soll das ein Anflug von Humor sein in einem sonst davon freien Text?

Nach diesem Gesicht-auf-fremde-Brust-Legen steht geschrieben: Doch angenehm war das deshalb nicht. Deshalb? Weshalb den? Wegen dem Gesicht? Oder der Brust? Oder der Hände am Hintern? Nein, natürlich nicht: Das soll sich auf das unerträglich heiß beziehen, was am Anfang dieses Abschnittes steht. Das macht aber ebenfalls keinen Sinn. Tatsächlich bezieht es sich auf die Folge der Hitze, nämlich den Schweißgeruch, der anschließend genannt wird!

Da soll ein Leser drauf kommen! Hier setzt sich fort, was schon von Anfang an gedroht hat: Sprachlich-inhaltliche Verwirr-Irrungen abseits jeder Vernunft! zurück

Ich-Erzähler fordert jetzt den Leser auf, mal von Magdeburg nach Berlin zu fahren, denn er würde den Bahnhof verpassen, da niemand ihn weckt, wohl weil es langweilig ist und kein anderer Fahrgast im Zug. So weit, so gut. Jetzt stellen sich eine Menge Fragen: Gilt das tatsächlich heute, also im Jahr 2014? Oder galt das damals zu DDR-Zeiten? Ich befürchte, dass das eine Erinnerung ist an die Zeit vor der Wende – und damit inhaltlich völlig daneben!

Das hat zu tun mit dem Satz »Aber heute interessiert das keine Sau.«

Was denn, bitte schön? Und was ist heute? 2014 oder 1989? Und wenn 2014 gemeint ist: Was soll dann dieses aber? Sollte uns heute interessieren, wie es dermaleinst um die Bahnverbindung Magdeburg-Berlin bestellt war, auch wenn man kein DDR-Bahn-Freak ist?

Falls 1989 gemeint sein sollte (das wäre das einzig Nachvollziehbare), dann müsste es unbedingt »Aber heute interessierte das keine Sau« heißen, also Präteritum statt Präsens! zurück

Weiter geht’s im Präsens – bei diesem Absatz ist das in Ordnung, weil die intensive Erinnerung so nah ist!

Inhaltlich verwirrt es weiter: Alle sind nur aufgeregt und reden … Wie wäre es mit Alle reden aufgeregt? Schließlich sind sie ja nicht nur aufgeregt, sie reden auch noch! Dann schreien sie fast, weil es gar nicht anders gehtWas geht nicht anders? Und warum geht es nicht anders? Ist da ein Fast-Schrei-Zwang?

Wir werden es nicht erfahren! Außer: »Anscheinend hat jeder jeden lieb.« Das ist aber kein Grund zum Schreien … mmh: Lustschrei? Nun: Das fremde Mädchen mit der von des Ich-Erzählers Gesicht in Beschlag genommenen Brust lächelt nur. Doch alle anderen lachen, wenn sein Gesicht in diese fällt … quasi so ne Art Gesichtsverlust … Und ist Ich-Erzähler denn so klein, dass er den Frauen nur bis zur Brust reicht?

Dieser blödsinnige Zusammenhang ist Folge des inhaltlich grotesk falschen Kommas nach Alle lachen: Da muss ein Punkt hin!

Und wen Ich-Erzähler damit meint, wenn er sicher sonst Eine gefangen hätte, bleibt unklar. Gemeint ist garantiert, dass er sicher schon eine (Ohrfeige) gefangen hätte. Warum steht es nicht so da?. zurück

Was für eine Information: Der Zug musste immer wieder an einem Bahnhof halten. Boah: Sogar zu DDR-Zeiten! Da herrschte wohl noch Zucht und Ordnung – im Gegensatz zur BRD, wo ICEs schon mal Bahnhöfe vergessen … Und dieses wunderbare an einem Bahnhof: Immer derselbe? Und immer wieder, also quasi Kreisverkehr? Was soll dieser doofe Satz?

Weiter im Text: Der Ort, um den es geht, ist ein Bahnhof, richtig? Richtig! Und was passiert dort? Auf dem Bahnhof gehen die Türen auf! Weil der Zug anhält! Will sagen: Man kann jetzt in das Bahnhofsgebäude hinein und auch wieder heraus. Schön, dass die eingesperrten Möchtegern-Reisenden endlich freigelassen werden …

Es kommt noch schlimmer: Alle im Zug sind auf dem Weg nach Berlin! Der Zug ist proppenvoll mit fast-schreienden, schwitzenden und stinkenden Menschen! Die Zugtüren (Oh ja, wir erinnern uns!) waren die ganze Fahrt über nicht richtig zu (trotzdem fuhr selbstverständlich der Zug), also eigentlich auf! Nehmen wir jetzt einmal an, die nicht zuenen Zugtüren gingen trotzdem auf – was geschieht jetzt?

Zumindest auf dem einen Bahnhof wollten immer noch Menschen hinein! Der Ich-Erzähler befindet sich aber im Zug! Er schreibt aus seiner Sicht – also wollten diese freigelassenen Menschen herein (Perspektivwechsel heißt das, und das ist in diesem Text ein Fehler!). Doch wann haben die Menschen denn bereits herein gewollt, wenn sie es immer noch wollten? Schließlich fuhr der Zug ja definitiv nicht im Kreisverkehr, auch wenn Ich-Erzähler uns das weismachen will. Raus wollte aber keiner. Jetzt fährt der Zug mit offenen Türen weiter, und es geschieht etwas, was Ich-Erzähler uns kryptisch verschleiert: Raus wollte keiner so das es jedes Mal ein riesiges Gemenge gab bis der Bahnhof hinter uns lag.

Nach keiner und gab müsste jeweils ein Komma stehen, es müsste auch so dass heißen – aber das sind Kleinigkeiten. Es geht um den Inhalt: Wo findet denn ein Gemenge statt, wenn keiner raus will und keiner rein kann? Das ist doch sauber getrennt, also höchsten ein Gedränge in eine Richtung, nämlich in den Zug?

Damit nicht genug: Zwar kam keiner rein und keiner raus, aber: einige schafften es nicht, manche nicht wieder hinein (auch hier muss es herein heißen) … öhm, ähem, Hirnverrenk … WAS schafften EINIGE nicht? Schafften sie es nicht, nicht reinzukommen (kamen also versehentlich rein) bzw. nicht rauszukommen (und fanden sich unvermittelt auf dem Bahnsteig wieder)? Das ist Unfug der allergröbsten Art! zurück

Was jetzt in Potsdam besser sein soll, nur weil weniger Menschen sich ergebnislos hereindrängen wollten – Gedränge bleibt Gedränge! Dem Ich-Erzähler fällt seine Freundin wieder ein: Sie standen so nah beieinander, dass sie einander gegenseitig festhalten und nicht verlieren konnten … Dieses und befremdet heftig, denn normalerweise hält man einander fest, um sich nicht zu verlieren in einem Gedränge (Übrigens braucht es zu diesem Behufe in einem vollgestopften Zug aber kein Festhalten, da man nicht mal umfallen kann! Und verlieren geht schon gar nicht.).

Was des Protagonisten Platzangst anbelangt: Das ist gelogen! Denn er hat gar keine Platzangst, also die Angst, über große Plätze zu gehen (Agoraphobie)! Unser Ich-Erzähler hat genau das Gegenteil, nämlich die Angst, eingeschlossen zu werden oder zu sein, also in geschlossenen Räumen oder Menschenansammlungen (Klaustrophobie oder Raumangst). So viel Korrektheit sollte schon sein, egal, was Volksmund so von sich gibt!

Aber dass ihm seine Raumangst diesmal nichts ausmachte, obwohl er den Moment der Ankunft herbei sehnte (statt herbeisehnte) – das verblüfft mich doch heftigst: Stünde da weil statt obwohl – also das genaue Gegenteil! – hätte mir das überflüssiges Grübeln erspart. zurück

Munter torkelt der Unfug weiter: Der Ich-Erzähler will uns allen Ernstes davon überzeugen, dass eine Ewigkeit knapp eineinhalb Stunden dauert! Als sich endlich die offenen Türen öffneten, war es nicht so leicht, den Zug zu verlassen wegen der anderen Züge: Die kamen nämlich aus anderen Richtungen. Richtungen! Plural! Wir haben es hier nicht mit einem normalen Bahnhof zu tun, auch nicht mit einem Sackbahnhof, sondern einer Art Sternbahnhof (nun, wenn’s der literarischen Qualität dient …)! Und wenn aus anderen Richtungen Züge kommen, nicht weniger gefüllt mit Menschen, (gemeint ist mit nicht weniger Menschen; einfacher wäre ebenfalls vollbesetzte Züge), dann kann man schließlich nicht einfach aussteigen.

Warum man nicht aussteigen kann? Das weiß nicht einmal der Ich-Erzähler, es sei denn, er pflegt auf der Gleisseite auszusteigen.

Solche Albernheiten fallen schon nicht mehr auf, daran sind Leser dieses Textes inzwischen gewohnt! zurück

Amazon Kindle Voyage im Test – Der Spitzenreader

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Luxusklasse. Der Kindle Voyage

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Runzeltomate für Hamburger Autorenvereinigung: »Wer möchte auf Buchcovern schon alte Menschen sehen?«

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Kindheitshölle in der literarischen Zwickmühle: »Das kalte Licht der fernen Sterne« von Anna Galkina

Anna Galkina: »Das kalte Licht der fernen Sterne«

Nachgetragene Vorbemerkung vom März 2016: Die folgende Besprechung des Romans »Das kalte Licht der fernen Sterne« von Anna Galkina bezieht sich – wie in der Rezension richtig vermutet – auf ein erstes Romanfragment, das die Autorin als E-Book im Herbst 2014 bei Amazon veröffentlichte. Im März 2016 ist der vollständige und lektorierte Roman bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen. Ein Interview mit Anna Galkina über den Werdegang des Romans können Sie hier anhören.

Das Folgende beschreibt daher eine Romanfassung, die so nicht mehr erhältlich ist. Die neue Version ist gekonnt lektoriert.

Tagungstipp: Gedruckt war gestern – Buchkultur im digitalen Zeitalter

Dr. Olaf Kutzmutz, Programmleiter Literatur der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel (Foto: Bundesakademie)
Dr. Olaf Kutzmutz, Programmleiter Literatur der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel
(Foto: Bundesakademie)

Die einen sagen: Papier ist geduldig. Die anderen sagen: Auch euch werden wir noch digitalisieren. Die einen sind schon seit Jahren mit E-Readern glücklich, und die anderen werden auf ewig das Geräusch lieben, das beim Umblättern einer Buchseite entsteht. Das klingt nach zwei Welten, aber stimmt das so pauschal?

Eine Tagung an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel am 26. und 27.11.2014 geht diesen Fragen nach. Wer Antworten hören will, sollte sich anmelden.

Textkritik: Ein Raum für eigene Gedanken

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er riecht nach meer
er führt nach, und
er ist weit,
der weg
und am ende eben
dort, wo man schon
die möwen hört
er ist warm als sommer
und rau als winter
aber niemals
herbst oder frühling
ist er frei
ist er aufbruch
ist er das letzte stück land
unter meinen füßen
ist er bug
ist er plattform
da wo der kontinent endet
und ich mich dem meer entgegenstrecke
dort wo am horizont nichts als wasser ist
und weil alt ein mythos.

norden, er

© 2014 by Christine Klomfaß. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Gute Ansätze, aber zu eng geführt und zu überfrachtet
Das ließe sich aber leicht verbessern. Wer Lyrik schreibt, sollte vor allem viel gute Lyrik lesen und daran sein Handwerk schulen.

Die Kritik im Einzelnen

Das Problem beginnt mit der Überschrift er (norden): Hier wird das Ziel einer Sehnsucht explizit genannt, der Leser bekommt also schon von vornherein eine Lesart aufgedrückt – doch die braucht er nicht: Leser jedweden Geschlechts sollten sich eigene Gedanken machen können! Schließlich ist es egal, ob der reale Norden gemeint ist … Es ist also eine anderer Titel vonnöten (dazu am Ende ein Vorschlag).
Die ersten drei Zeilen beziehen sich gar nicht auf den Norden, sondern auf den Weg: das irritiert!
Das und in der folgenden Zeile darf getrost weg sowie alle Kommas am Zeilenende, denn später folgen keine mehr, sie sind auch nicht notwendig fürs Verständnis.
Durch das dreimalige er ist eine Struktur vorgegeben, die hinfort zu beachten wäre (und durchaus vorhanden ist). Es ist schön, dass er führt nach nicht weiter ausgeführt ist, denn das lässt Raum für eigene Ziele! zurück

Das und am Anfang dieser drei Zeilen kann entfallen. Gut gelungen ist das zweideutige eben: Ist es das Adjektiv, das eine Fläche meint, oder ist es das Adverb, weil es eben halt so ist am Ende des Weges? Oder beides, weil es dort eben eben ist?
So läse sich dann der erste Abschnitt:

er riecht nach meer
er führt nach
er ist weit
der weg
am ende eben
dort, wo man schon
die möven hört

zurück

Der Weg war im letzten Abschnitt zunächst beendet, es folgen Feststellungen: Darum muss er ist entfernt werden. Um die Drei-Zeilen-Blöcke einzuhalten, sollte herbst oder frühling in eine Zeile gepackt werden. Schön ist, dass der logischen Reihenfolge Sommer-Winter das rückwärtsgewandte Herbst-Frühling entgegengestellt wird und auf warm kein kalt folgt!
Das er kann nicht der Weg sein! Es kann aber auch nicht der Norden sein: Den gibt es weder als Sommer noch als Winter! Deswegen ersetze ich als durch im. Aus klanglichen Gründen tausche ich oder durch ein weiters niemals – wer will, kann das ja mal laut lesen.

warm im sommer
rau im winter
niemals herbst, niemals frühling

zurück

Das ist der problematischste Teil: Fünfmal heißt es ist er; es heißt da wo statt dort, wo wie im ersten Abschnitt – das wirkt im Gedicht höchst beliebig! Der endende Kontinent sowie Plattform und das letzte stück land/unter meinen füßen sind inhaltlich ähnlich – das wirkt, als sei da absichtlich Tiefsinn reingestopft! Dabei braucht es diese Wörter gar nicht …
Frei, Aufbruch und Bug hingegen geben eine Entwicklung an, z. B. eine Weiterfahrt auf dem Meer! Deswegen habe ich heftig gekürzt, und so ergeben sich erneut drei Zeilen, die sich wiederholen wie im ersten Abschnitt.
Wohin die Reise geht, hat das lyrische Ich für sich entschieden, und nur für sich! Zu diesem Zwecke habe ich auch er durch es ersetzt:

ist es frei
ist es aufbruch
ist es bug

zurück

Hier verändere ich dieses da wo des vorangegangenen Abschnitts in ein dort, wo analog zu dem im ersten Abschnitt und zu dem in der folgenden Zeile.
Ausgehend von dem ursprünglichen Titel und dem Schluss-Satz mit diesem norden frage ich mich, was denn Norden für ein Mythos sein soll? Etwa der nordische von dem Zwerg Nor∂i, einem der vier Träger des Himmelgewölbes, von denen die Himmelsrichtungen ihre Namen haben? Zudem ist ein Mythos in der Regel immer alt: Das muss nicht noch betont werden.
Stattdessen empfehle ich eine dritte Zeile, die nur noch dort, wo lautet – und damit sollte das Gedicht enden (es könnte sogar der Titel sein.) Das Gedicht wäre inhaltlich und formal rund, Leser oder Leserin wird nichts vorgeschrieben, kann stattdessen eigenen Gedanken oder Gefühlen nachgehen …
So sieht das Gedicht dann aus:

dort, wo

er riecht nach meer
er führt nach
er ist weit
der weg
am ende eben
dort, wo man schon
die möven hört
warm im sommer
rau im winter
niemals herbst, niemals frühling
ist es frei
ist es aufbruch
ist es bug
dort, wo ich mich dem meer entgegenstrecke
dort, wo am horizont nichts als wasser ist
dort, wo

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Self-Publishing-Seminar in Ulm: Eigene E-Books erstellen und verkaufen

Wolfgang Tischer (Foto: literaturcafe.de)

Am 8. November 2014 findet das E-Book- und Self-Publishing-Seminar mit Wolfgang Tischer zum ersten Mal in Ulm statt.

In seinem viel gelobten Seminar zeigt E-Book-Experte und literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer, wie man eigene E-Books bei Amazon & Co veröffentlicht und verkauft. Auch der Weg zum gedruckten Buch wird besprochen. Ein weiterer Teil widmet sich den Verkaufsstrategien und dem (Selbst-)Marketing für das eigene Buch. Immerhin haben einige Autoren mit ihren E-Books 15.000 Euro in nur sechs Wochen verdient.

Barbara Fellgiebels Buchmesseimpressionen 2014

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Eine Woche Frankfurter Buchmesse – für Barbara Fellgiebel das literarische Highlight des Jahres, alle Jahre wieder. Ihre Messeimpressionen sind eine Tradition im literaturcafe.de. Lassen wir also die Buchmesse 2014 nochmals mit den Augen von Barbara Fellgiebel Revue passieren. Und Frau Fellgiebel hat wie immer viel gesehen.

#Twitteratur: Autoren twittern hoffentlich keine Kurzromane von der Buchmesse

#Twitteratur auf der Frankfurter Buchmesse 2014

Der Kurznachrichtendienst Twitter und die Frankfurter Buchmesse haben eine Kooperation bekannt gegeben: Während der Messe vom 8. bis 12 Oktober 2014 wird täglich eine Autorin oder ein Autor literarisch twittern.

»Autoren twittern Kurz-Romane«, verbreiteten gestern viele Online-Medien mit Bezug auf die Pressemitteilung der Buchmesse.

Doch es ist zu hoffen, dass das gerade nicht passiert und Autoren wie Marc Elsberg und Zoë Beck den Twitter-Dienst weitaus kreativer nutzen.

Video: Amazons neuer Kindle im Vergleich

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Video: Kindle mit Touch-Display im Vergleich

Wie unterscheidet sich Amazons neues Kindle-Einsteigermodell von seinem Vorgänger und vom Kindle Paperwhite? Als Ergänzung zu unserem ausführlichen Test des Kindle zeigt Wolfgang Tischer die wesentlichen Unterschiede in einem Video.

Ausführlicher Test: Amazon Kindle 2014 mit Touch-Display – Der Textguckkasten

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Amazon Kindle 2014 mit pinker Hülle

Amazon bietet ein neues Einsteiger-Modell des Kindle an. Auffälligste Änderung: Der neue kleine Kindle hat keine Tasten mehr. Stattdessen setzt man auf eine berührungsempfindliche Lesefläche.

Wir haben das neue Gerät ausführlich getestet und stellen es Ihnen vor. Wie gut ist der neue günstige Kindle E-Reader mit Touch-Bedienung? Ist er wirklich besser als der alte?

Hinweis: Dieses Gerät ist seit Juli 2016 veraltet. Unseren ausführlichen Test des Nachfolgemodells finden Sie hier im literaturcafe.de.

Dave Eggers: Der Circle – Schreckliche neue Welt!

Circle-Kreis in einer Buchhandlung am Frankfurter Hauptbahnhof

Die zahlreichen Besprechungen des neuen Romans »Der Circle« von Dave Eggers wecken allerlei Fantasien: Man meint Szenen der schönen neuen Welt von Huxley bis hin zu George Orwell wiederzuerkennen. So habe ich lange mit mir gerungen, ob ich das Buch nun lesen soll oder nicht.

Jo Lendle über den neuen E-Book-Verlag Hanser Box: »Kalkulatorisch keine Freudentränen«

Hanser-Verleger Jo Lendle
Hanser-Verleger Jo Lendle

Mit »Hanser Box« hat der Hanser Verlag einen reinen Digitalverlag gegründet. Immer mittwochs soll ein neuer, kürzerer Text eines Hanser-Autors exklusiv als E-Book erscheinen. Die Preise werden zwischen 1,99 und 4,99 Euro liegen.

Zum Start am 1. Oktober 2014 erscheinen 10 bislang unveröffentlichte Titel von namhaften Autoren wie Henning Mankell, Janne Teller und Ilija Trojanow.

Im Interview mit dem literaturcafe.de spricht Hanser-Verleger Jo Lendle über die Pläne und Ziele der Hanser Box. Sind die günstigen Preise eine Reaktion auf die Self-Publisher-Preise? Wird das E-Book nun endlich auch im Feuilleton salonfähig? Oder braucht man dieses gar nicht mehr? Wie erfährt der Leser künftig von literarisch anspruchsvolleren E-Books?

Frankfurter Buchmesse 2014: Tipps für Self-Publisher und Autoren

Die Self-Publishing Area auf der Frankfurter Buchmesse

Auch 2014 wird es auf der Frankfurter Buchmesse wieder eine Self-Publishing Area geben. Der Info-und Veranstaltungsbereich für Einzelautoren und Self-Publisher in Halle 3.1 wurde erstmals 2013 geschaffen.

Auf der Bühne gibt es vom 8. bis 12. Oktober 2014 interessante Diskussionsrunden, Vorträge und Firmenpräsentationen zu sehen. Die Self-Publishing Area ist ein idealer Ort auf der Messe, um sich mit anderen Autoren und Experten auszutauschen und Impulse fürs Veröffentlichen ohne Verlage zu erhalten.

Erstmals können Einzelautoren in diesem Jahr sogar E-Books ausstellen.