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Wo sind die Katzen in der Literatur?

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KatzeIm Internet kann man vieles falsch machen. Wichtig ist es, aus den Fehlern der anderen zu lernen – oder auch aus den eigenen. Da kommt eine Stadtbücherei auf die nette Idee, die Katzenbücher ihres Bestandes in einer kleinen Vitrinenausstellung zu präsentieren. Auf der Homepage der Stadtbücherei ist zu lesen: Vorgestellt werden die Katzen in der Literatur, vom Katzenkrimi bis zur großen Weltliteratur. Darunter sind auch Werke einiger felltragender Schriftsteller, so zum Beispiel der Kater Murr in E. T. A. Hoffmanns bekanntem Katzenbuch »Lebens-Ansichten des Katers Murr«. Auch Katzen ermitteln in spannenden Kriminalfällen, wie uns die schlaue Klosterkatze Mirza in Andrea Schachts »Die Lauscherin im Beichtstuhl« beweist.

Man gibt einen auch Text an die örtliche Presse, erwähnt dort jedoch nicht, in welchem Ort sich die Bücherei befindet. Die Zeitung hat natürlich ein Internet-Angebot, in dem der Text auch zu lesen ist. Doch die Navigation der Website ist so schlecht, dass nicht klar wird, aus welchem Lokalteil die Meldung stammt. Wer z. B. nach »ausstellung katzen literatur« googelt, der kommt direkt auf die Unterseite und erfährt nicht, in welchem Ort die Ausstellung stattfindet. Goggelt man nach dem glücklicherweise angegebenen Straßennamen, so findet man heraus, dass es die Stadtbücherei in Rüsselsheim ist, in der die Ausstellung noch bis zum 25. März 2008 zu sehen ist. Aber wer ergoogelt sich das schon auf diese Weise?

Was also daraus lernen?

Wie sich Eichborn-Autor Frank Müller ein Buch zusammenkopierte

Nicht vermisst, sondern rasch gefunden: Autor Müller hat die Texte seines Buches ohne Quellenangabe zusammenkopiert.Lesenswert und ein erschreckendes Beispiel dafür, wie sorglos ein namhafter Verlag mit Plagiaten umgeht, ist dieser Weblog-Eintrag des Druckers Martin Z. Schröder. Der bekam nämlich vom Eichborn-Verlag ein Rezensionsexemplar des Buches »ß. Ein Buchstabe wird vermisst« des Autors Frank Müller zugeschickt. Schröder glaubte seinen Augen nicht zu trauen: Passagen des Buches waren aus einem Artikel abgeschrieben, den Schröder ein Dreivierteljahr zuvor für die Süddeutsche Zeitung geschrieben hatte. Eine Quellenangabe fehlte.

Schröder recherchiert und stellt fest, dass weitere Passagen des Buches ebenfalls ohne Quellenangabe aus der Fachzeitschrift SIGNA entnommen waren. Schröder macht die Sache öffentlich und berichtet von diesem dreisten Textdiebstahl in seinem Weblog. Nun erhält Schröder eine eMail des Autors Frank Müller, in der dieser die fehlenden Quellenangaben mit »technischen Versehen« und »Zeitdruck« begründet.

Doch Kommentatoren in Schröders Blog legen nach: Es wird offenbar, dass Müller Texte des Buches aus der Wikipedia und aus anderen Quellen entnommen hat. Auch Rechtschreibreform-Gegner Theodor Ickler meldet, dass weitere Passagen des Buches ohne Quellenangabe aus seinem Werk »Falsch ist richtig« stammen.

Willms Woche: Deutsche Indianer, falsche Trapper und 90 Mal Winnetou

Ist von Indianern die Rede, kann es für uns nur einen geben: Winnetou. Die von Karl May geschaffene Figur verkörpert für viele Generationen von Deutschen den Indianer schlechthin, den edlen Wilden, der mit Silberbüchse und Mustang an der Seite seines Blutsbruders Old Shatterhand für Gerechtigkeit und Frieden eintritt.

Da die Wildwestromane in vielen Fällen aus der Ich-Perspektive des Old Shatterhand erzählt sind, identifizierten viele frühe Leser den Autor selbst mit seinem Westernhelden. Karl May bestärkte sein Publikum in diesem Glauben, posierte 1896 gar im Trapperoutfit für Autogrammfotos und nannte sein Anwesen »Villa Shatterhand«. Lange Zeit behauptete der Autor steif und fest, Winnetou habe wirklich gelebt und mit ihm die vielen Abenteuer, die er als Old Shatterhand festhielt, durchstanden.

Kein gedruckter Brockhaus mehr oder doch? oder vielleicht?

Der BROCKHAUSDas Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus (Bifab) bemüht sich zu betonen, dass die Aussage »es gibt keinen gedruckten Brockhaus mehr« falsch sei. Dieser Eindruck sei durch die Medienberichte darüber entstanden, dass die mehrbändige Brockhaus Enzyklopädie demnächst frei und werbefinanziert im Internet einsehbar sei. Nachwievor werde Bifab gedruckte Nachschlagewerke zu speziellen Themen verlegen. Das Börsenblatt zitiert in seiner Online-Ausgabe den Bifab-Vorstand Ulrich Granseyer mit den Worten: »Es gibt Inhalte, Umgebungen und Situationen, in denen das Buch auch künftig nicht ersetzt werden kann«.

Und auch die Aussage, dass die aktuell gedruckte 21. Auflage der 30-bändigen Brockhaus Enzyklopädie die letzte sei, wird relativiert. So sagt Andreas Langenscheidt, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Verlagsgruppe, die mit der Langenscheidt KG Mehrheitsaktionärin der Bifab ist, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: »Da wir technologisch in der Datenerstellung und -speicherung gut aufgestellt sind, könnten wir später auch wieder in kleinen Auflagen bei entsprechender Nachfrage weiterhin Enzyklopädien in Printform anbieten.«

Mit anderen Worten: Man weiß es nicht und kann die künftige Entwicklung im Internet nicht einschätzen. Man reagiert statt zu agieren.

So erkennen Sie dubiose Literaturagenten, Literaturagenturen und Zuschussverlage

Klingt gut, ist aber alles gelogen: Scheinagentur per PhotoshopDie Tricks, wie dubiose Verlage und Literaturagenten an das Geld gutgläubiger und naiver Autoren kommen wollen, sind raffinierter geworden. Da entpuppt sich beispielsweise der professionell und ganz im Sinne der Autoren agierende Agent plötzlich als Abzocker und vermittelt für den Autor kostenpflichtige Lektoratsaufträge an eine Firma, die mit ihm in Verbindung steht.

Aus aktuellem Anlass haben wir daher ein paar Indizien zusammengestellt, die Sie bei einer Literaturagentur misstrauisch machen sollten. Die gleichen Hinweise gelten auch für dubiose Zuschussverlage.

Um es deutlich zu sagen: Keiner der folgenden Punkte muss bedeuten, dass dahinter ein Betrüger steckt, der nur Ihr Geld will – jedoch ist erhöhte Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall gilt: Finger weg!

Zitat der Woche: Hormonell bedingte Qualität

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Hormonell anregender Inhalt bei Zoomer.de»Es gibt eine Minderqualität, die von bestimmten Zielgruppen schon hormonell bedingt als Qualität empfunden wird.«

Frank Patalong vom SPIEGEL Online in seiner Kritik über das neuen Nachrichtenportals Zoomer.de 

Willms Woche: Heinz Erhardt zum Neunundneuzigsten

Es gibt wenige Menschen, die uns so beeinflussen, dass sie Idole für uns werden und damit vielleicht ein kleines Stückchen zu einem Teil unseres Lebens. Heinz Erhardt ist ein solches Idol für mich. Bereits als kleines Kind habe ich seine Bücher und Filme verschlungen, bei jeder Gelegenheit hieß es: »Und noch’n Gedicht!« – ich kannte und kenne sie alle! Heiter und manchmal nahezu albern wirkt Heinz Erhardts Werk an der Oberfläche, und doch stecken so viel Herzblut und Perfektionsbestreben darin. Der studierte Musiker war ein Allround-Talent, er brillierte als Dichter, Komponist, Schauspieler und Entertainer und gehörte in den 50er und 60er Jahren zu den beliebtesten deutschen Stars. Heinz Erhardt war erfolgreich – und doch blieb er stets Mensch. Geplagt von schwerem Lampenfieber, so erzählt man sich, habe er seine Brille vor Auftritten oft gegen eine mit Glaseinsatz getauscht. So spielte er zwar nahezu blind, musste aber wenigstens sein Publikum nicht sehen. Frei nach seinem Liedchen »Wenn ich einmal traurig bin, trink ich einen Korn…« soll er auch ab und zu – unter dem Vorwand die Beleuchtung zu kontrollieren – noch ein Schnäpschen hinter Bühne genossen haben, um die Aufregung einzudämmen.

Buchtrailer: Wie man einen Marketing-Text schlecht vorliest und in Suchmaschinen nicht gefunden wird

Wir sind HeldenDa veröffentlicht die junge sympathische Band »Wir sind Helden« ihr Tourtagebuch bei S. Fischer, was ja ganz nett ist, vor allen Dingen für Fans. Und der Verlag erreicht neue Zielgruppen. »Wir-sind-Helden«-Hörer passen sicherlich besser zum Fischer-Verlag als Tokio-Hotel-Fans.

Es wäre ein gutes Potenzial gewesen, das Ganze online pfiffig zu bewerben. Stattdessen ist als »Trailer« auf der Website ein ziemlich peinliches Video zu sehen. Die Bandmitglieder sitzen und stehen gediegen vor einem offenen Kamin (wie witzig!) und lesen einen Text vor, den ihnen offenbar die Marketingabteilung in die Hand gedrückt hat. Die Vier scheinen ihn davor noch nie gesehen zu haben. Denn wie ist zu erklären, dass selbst Judith Holofernes ihn so schlecht vorliest abliest, als wüsste sie gar nicht, worum es in dem Text geht? Die Frau ist doch ein Bühnenprofi! Ihre Liedtexte singt sie doch auch mit der richtigen Betonung (Nachtrag: Mittlerweile hat der Verlag das Video entfernt).

Es ist ein Vorlese-Stil, wie man ihn manchmal bei Müttern und Vätern hören kann, wenn ein Kind sie bittet, aus einem Buch vorzulesen, das sie nicht kennen. Dann wird meist deutlich und etwas überbetont gelesen, ohne dass die Betonungen wirklich stimmig sind. Beim Lesen selbst erst merkt der Vorleser, was er da eigentlich liest und macht mit einer leichten Verzögerung Gesten oder Grimassen dazu.

Harper Collins Verlag stellt aktuellen Bestseller von Paulo Coelho kostenlos ins Netz

Jeweils einen Monat lang bietet der Harper Collins Verlag ab sofort ausgewählte Bücher vollständig und kostenlos im Internet an, darunter aktuell die englische Ausgabe von Paulo Coelhos »Die Hexe von Portobello« (The Witch of Portobello). Ob Coelho mit seinen provokanten Thesen zum Thema »Raubkopien« Einfluss auf diese Aktion hatte? Coelho selbst gibt sich in gewohnter Weise naiv und schreibt in seinem Blog, er habe davon in der Zeitung erfahren.

Die kostenlosen Bücher werden Seite für Seite als Bilddateien angeboten, sodass ein Ausdruck schwer möglich ist. Auf Handys oder gar dem Amazon Kindle kann das Werk nicht gelesen werden, theoretisch muss man also am Bildschirm schmökern. Es ist klar, dass die Aktion zum Kauf der Bücher anregen soll. Wie in einer Buchhandlung kann man allerdings vor dem Kauf im Werk blättern und mal hier und mal dort reinlesen. Zum Einbetten des Buches in die eigene Website steht zudem ein Flash-Widget bereit, das wir hier rechts beispielhaft eingebettet haben. Über ein Eingabefeld kann der Text vollständig durchsucht werden.

Unsere Meinung: Eine begrüßenswerte Aktion, die zeigt, dass mittlerweile einige Verlage das Internet verstanden haben.

Wikipedia zerstört den gedruckten Brockhaus – 50 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze

Der BROCKHAUSDer 11. Februar 2008 ist ein historischer Tag, denn die Jahrhunderte alte Ära der gedruckten Lexika geht zu Ende. Das geduckte Nachschlagewerk schlechthin, die Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden, wird es künftig nicht mehr geben. Die aktuelle 21. Auflage ist die letzte, eine 22. erscheint nicht mehr. Zu groß ist die kostenlose digitale Konkurrenz im Internet. Die Herausgeber des Brockhaus‘, das Bibliographisches Institut und die F. A. Brockhaus AG (Bifab), treten die Flucht nach vorne an und stellen die Inhalte ab Mai kostenlos und mit multimedialen Inhalten angereichert ins Netz. Finanziert werden soll das Angebot durch Werbung. Speziell für Schulen ist ein werbefreier Zugang geplant. Erste Erfahrungen hatte der Verlag bereits mit dem kleinen Bruder des Brockhaus‘, dem Meyers-Lexikon, gemacht, das bereits seit einiger Zeit kostenlos im Netz verfügbar ist.

Willms Woche: Mit und ohne manische Depressionen

Zwar begann der Amerikaner Sidney Sheldon erst in der zweiten Lebenshälfte eigene Bücher zu verfassen, doch da wusste er längst, wie der Krimihase läuft: Jahrelang hatte er als Bühnen- und Drehbuchautor in Hollywood gearbeitet und dort Spielfilme und auch Musicals entwickelt. Auch zwei Serienklassiker stammen aus der Feder Sidney Sheldons: Er schenkte uns sowohl die »Bezaubernde Jeannie«, in der Barbara Eden als naiver Flaschengeist das Leben des damals noch netten J. R. Ewing, pardon, Larry Hagman, auf den Kopf stellt, als auch »Hart aber herzlich« mit dem fast zum Erbrechen harmonischen Millionärsehepaar Hart, das zum puren Zeitvertreib knifflige Verbrechen aufdeckt. Beinahe wäre es zu all dem nie gekommen: Sidney Sheldon litt bereits als Jugendlicher an einer »bipolaren Störung«, auch als »manische Depression« bekannt. Sheldons Vater hielt den damals 17jährigen von einem Freitod durch eine Überdosis Schlaftabletten ab und ebnete so den Weg zu Sheldons Hollywood – und Schriftstellerkarriere. Das Multitalent Sidney Sheldon wäre am 11. Februar 91 Jahre alt geworden.

Lucky Luke, Tim und Struppi, die Schlümpfe – diese Figuren kennt man mittlerweile auf der ganzen Welt. Allesamt stammen sie aus Belgien und sind bei Weitem nicht die einzigen fiktiven Berühmtheiten, die das kleine Land hervorbrachte.

Filmkritik zur Stephen-King-Verfilmung: »Der Nebel« hat sich schnell verzogen

Der Nebel»Der Nebel« hat sich schnell aus den deutschen Kinos verzogen. Bereits in der dritten Woche nach Starttermin muss man länger suchen, um ein Kino zu finden, in dem der Film noch gezeigt wird. »Der Nebel« (The Mist, USA 2007) ist kein Blockbuster. Es gibt darin keine Hollywood-Stars (zumindest nicht die glamourösen), sodass die Medien über den Film kaum berichteten. Und ein Horrorfilm ist kein Werk für die breite Masse.

Doch Werbebudgets sind nicht alles. Nur wenn ein Film persönlich im Bekanntenkreis weiterempfohlen wird, hat er eine Aussicht, länger auf dem Spielplan zu bleiben.

Doch leider ist »Der Nebel« kein Film, den man unbedingt weiterempfehlen wird. Es ist jedoch auch kein Film, vor dem man die Leute warnen wird, was den Ticketverkauf ebenfalls fördern könnte. Jüngstes Beispiel war die FSK-Freigabe-Debatte des Films »Keinohrhasen« – ein Glücksfall für die PR-Abteilung.

»Der Nebel« ist die Verfilmung eines Kurzromans von Stephen King. Buch und Regie des Films lagen in den Händen von Frank Darabont, der mit früheren King-Adaptionen Meisterwerke wie »Die Verurteilten« (The Shawshank Redemption) auf die Leinwand brachte.

Mit »Der Nebel« konnte sich Darabont jedoch nicht entscheiden, ob er das Übersinnliche nur als Kulisse verwenden sollte, um menschliche Abgründe aufzuzeigen, oder ob er einen Horror-Film mit Splatter-Effekten drehen sollte. So wurde der Film von jedem etwas – und daher nichts Ganzes.

Maltes Meinung: Dazu ist bereits alles gesagt

Maltes Meinung - Die Textkritik im literaturcafe.deGerade wollten wir ansetzen und ein paar allgemeine Bemerkungen zur aktuellen Textkritik von Malte Bremer zum Gedicht »Ratio?« schreiben. Wir wollten unserer Verwunderung  Ausdruck verleihen, warum Menschen Malte nach wie vor solche Texte schicken, bei denen das Urteil von vorn herein klar ist, wenn man seine vorherigen Kritiken aufmerksam gelesen hat. Aber dann ist uns aufgefallen, dass wir all das schon mal geschrieben haben. Zur aktuellen Kritik »

Textkritik: Ratio? – Lyrik

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Wenn Gedanken von Liebe getragen,
verwirkliche sie,
ohne zu zagen.

Dein Verstand sagt,
dass du es nicht tuen musst.

Doch tust du es nicht,
hast du später Verdruss.

Denn dann, in späteren Jahren,
beklagt dein Verstand,

dein früheres Zagen!

© 2008 by Anke Kopietz. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Alberne Pseudolebensweisheit, auch noch schlecht verpackt!

Die Kritik im Einzelnen

Ich werde den Teufel tun und einen solchen Rat befolgen! Gott hat seinen Sohn geopfert, weil er angeblich die Welt liebt, aber ich werde meine Söhne nicht opfern! Denn weil ich sehe, dass alle Menschen nur leiden, aber ich sie liebe, werde ich stattdessen die ganze Menschheit (mich eingeschlossen, denn ich gehöre trotz allem dazu) vernichten (auch da gibt es ein bekanntes Vorbild, aber ich lasse keinen Noah zu!), möglichst auf einen Schlag, dann wäre Schluss mit dem Leiden. So will es das Gedicht, es soll mir eine Lehre sein!
Es geht natürlich auch ne Nummer kleiner: Ich liebe meine Frau, und ich weiß, dass sie z. B. von einem alten Triumph-Sportwagen träumt – aber ich habe die Kohle nicht! Da kommt mir der von meiner Liebe getragene Gedanke, eine Bank zu knacken … aber leide zage ich! Mehr Mut, Malte, frisch gewagt ist schon der halbe Triumph, du zaudernder Zage-Zausel!
Oh, ich weiß, natürlich, wie konnte ich nur so etwas Schreckliches unterstellen! Aber ich darf nicht zagen, denn meine Gedanken sind von der Liebe zur Literatur getragen! So steht es im Text, auch wenn es nicht so gemeint ist! Mich interessieren aber nicht die angeblich versteckten Meinungen, sondern die offenliegenden im Text, und der verbreitet Albernheiten!
Immerhin wird hier ein Rhythmus versucht, denn wenn man vor der abgesetzten Zeile zwei Leertakte Pause macht, ergibt sich fast einer – leider nur fast, denn die zweite Zeile fängt unbetont an, statt betont. zurück
Weg ist der Rhythmus und Reime gibt’s auch nicht mehr, vermutlich, weil jetzt der Verstand spricht, nämlich dass ich das nicht tuen muss, die Menschheit ausrotten und so: Recht hat er! zurück
Der Rhythmus ist wieder da, und es findet sich ein Reimwort zu vorangegangenen Strophe. Ich bin jedoch voll davon überzeugt, dass ich nach dem Knacken einer Bank mehr Verdruss habe, Liebe hin – Liebe her, aber es stimmt garantiert & hunterpro, dass ich mitsamt dem Rest der Menschheit keinen Verdruss mehr spüre, wenn ich alle ratzeputz wegmache. Nicht nachvollziehbar ist, warum in den beiden letzten Zweizeilern keine Paarreime mehr verwendet werden, auch ist nicht ersichtlich, warum sie getrennt sind, statt in einem Vierzeiler zusammengefasst, dann gäbe es zumindest einen Schweifreim, und inhaltlich gehören sie ganz eng zueinand, Verstand & Verdruss (zumindest in diesem Gedicht). zurück
Wurde in der ersten Strophe eine oberschlaue Lebensweisheit ausposaunt, in den beiden folgenden Zweizeilern dann mit erhobenen Zeigefingern (es sind schließlich zwei Zweizeiler) vor dem wankelmütigen Verstand gewarnt, folgt jetzt der schlagende Beweis in einem zweipluseins Zeiler (warum dieses Ströphlein nicht wie die erste gestaltet wird, um diesem lyrischen (?) Textlein zumindest noch einen sauberen Rahmen zu geben, braucht man sich eigentlich nicht zu fragen: der Text ist vermutlich von Liebe getragen und wurde geschrieben ganz flink, ohne zagen). Inhaltlich ist auch nichts mehr hinzuzufügen, denn wer den Rest seines Lebens tot ist, ist gefeit vor jedem Verdruss, und wenn ich im Knast sitze, werde ich mich allein darüber beklagen, nicht auf meinen Verstand gehört, sondern stattdessen diesem unsäglichen Text vertraut zu haben. zurück

Willms Woche: Gründerväter und Visionäre

Neben den sozialkritischen Romanen »Oliver Twist« und »David Copperfield« ist es vor allem die »Christmas Carol«, für die Charles Dickens bekannt ist. Mit der Erzählung über den grantigen Geizhals Ebenezer Scrooge schuf er das Genre der Weihnachtsgeschichten und beeinflusst bis zum heutigen Tage Autoren und Filmemacher. So zum Beispiel im Hause Disney: Dagobert Duck, der notorisch geizige Onkel Donald Ducks, nennt sich im Original Scrooge McDuck, diese Anspielung auf Dickens und damit die Versinnbildlichung des Geizes im Namen der Figur ging in der deutschen Übersetzung leider verloren. Charles Dickens, der zeit seines Lebens nicht müde wurde, auf die Armen und Hungerleidenden der Gesellschaft aufmerksam zu machen, wäre am 7. Februar 196 Jahre alt geworden.

Er führte uns 20.000 Meilen unter das Meer, zum Mittelpunkt der Erde und in 80 Tagen um die Welt: In Jules Verne schlug das Herz eines Abenteuers.