Willms Woche: Deutsche Indianer, falsche Trapper und 90 Mal Winnetou

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Ist von Indianern die Rede, kann es für uns nur einen geben: Winnetou. Die von Karl May geschaffene Figur verkörpert für viele Generationen von Deutschen den Indianer schlechthin, den edlen Wilden, der mit Silberbüchse und Mustang an der Seite seines Blutsbruders Old Shatterhand für Gerechtigkeit und Frieden eintritt.

Da die Wildwestromane in vielen Fällen aus der Ich-Perspektive des Old Shatterhand erzählt sind, identifizierten viele frühe Leser den Autor selbst mit seinem Westernhelden. Karl May bestärkte sein Publikum in diesem Glauben, posierte 1896 gar im Trapperoutfit für Autogrammfotos und nannte sein Anwesen »Villa Shatterhand«. Lange Zeit behauptete der Autor steif und fest, Winnetou habe wirklich gelebt und mit ihm die vielen Abenteuer, die er als Old Shatterhand festhielt, durchstanden. May hielt Vorträge über den Wilden Westen (obwohl er zu dieser Zeit noch nie in Amerika gewesen war), ließ sich mit verkleideten Fans ablichten und verriet in Antworten auf die vielen Leserbriefe, die er erhielt, weitere erdachte Details rund um seine Indianer-Abenteuer.

Vielleicht ist die einer der Gründe dafür, wieso Winnetou, der mit »echten« Indianern wohl kaum etwas gemeinsam hat, noch heute so »authentisch« wirkt. Er ist ein Sympathieträger, von dem man gerne glaubt, dass es ihn gegeben haben könnte. Den Schriftsteller Carl Zuckmayer faszinierte der Indianerhäuptling gar so sehr, dass er seine kleine Tochter »Maria Winnetou« taufte. Noch immer ist Winnetou in Deutschland ein offizieller Männername, in den 80er Jahren waren mehr als 90 von ihnen auf Deutschlands Straßen anzutreffen. Des Erfinders der Legende Winnetou, Karl May, gedenken wir am 25. Februar anlässlich seines 166. Geburtstags.

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