StartseiteLiterarisches LebenScheindebatte um ein Kinderbuch: Winnetou im falschen Shitstorm

Scheindebatte um ein Kinderbuch: Winnetou im falschen Shitstorm

Ein verbotenes Buch über Winnetou? Ein zurückgezogenes Buch über Winnetou? Nö, dieses Fanbuch zum Film aus dem Karl-May-Verlag steht nicht zur Diskussion. Warum eigentlich nicht?
Ein verbotenes Buch über Winnetou? Ein zurückgezogenes Buch über Winnetou? Nö, dieses Fanbuch zum Film aus dem Karl-May-Verlag kann man überall kaufen und es steht nicht zur Diskussion. Warum eigentlich nicht?

Seit letzter Woche droht wieder einmal der literarisch-kulturelle Untergang. Die Bücher von Karl May sollen verboten werden. Oder so ähnlich. Dabei veröffentlichte ein Kinderbuchverlag nur ein schlechtes Buch und erkannte den Fehler. Ein persönlicher Rückblick auf die ewigen Jagdgründe von Wolfgang Tischer.

Karl May war in Amerika

Als ich unlängst im Raum Ulm unterwegs war, fielen mir Plakate der Festspiele Burgrieden auf. »Winnetou III – Das Vermächtnis« wird dort gegeben, und für einen kurzen Augenblick war ich verwundert, dass im Jahre 2022 sowas noch ohne Shitstorm möglich ist. Als rassistischer Begriff ist »Indianer« auf dem Weg zum I-Wort, doch auf Freilichtbühnen von Norden bis Süden reitet noch das Klischee vom »Wilden Westen«, wie es sich einer erdacht hat, der selbst nie da war: Karl May (Tatsächlich lese ich erst jetzt im Rahmen dieser Recherchen, dass diese immer wieder gern zitierte Widersprüchlichkeit nicht stimmt. Karl May hat tatsächlich einmal die USA bereist. Allerdings erst, nachdem er Winnetou I-III geschrieben hatte.)

Ich gehöre nicht, wie der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, zu denen, die mit den Werken Karl Mays irgendwelche Kindheits- und Jugenderinnerungen verknüpfen. Ich weiß, dass in meiner Kindheit in einigen Haushalten noch vom Vater oder Großvater die dunkelgrünen Bände aus dem Karl-May-Verlag standen. Mir ist diesbezüglich nur mein eigener Großvater in Erinnerung geblieben, der immer wieder betonte und sich darüber lustig machte, dass May eine zweifelhafte Figur gewesen und dass May selbst nie in Amerika gewesen sei. Alles erlogen. Aber ist das nicht Literatur? Oder hat mein Großvater bereits für mich die historisch-kritische Einordnung der Bücher vorgenommen, die nun einige fordern?

Eine deutschsprachige Verfilmung, in der ein Franzose in Jugoslawien einen amerikanischen Ureinwohner spielte und Uschi Glas dessen Schwester, das habe ich als Kind ohnehin noch weniger verstanden, genauso wenig, warum der Darsteller des deutschen Old Shatterhand den englischen Namen Lex Barker trug und mit der Stimme von Captain Kirk sprach.

Mit dieser seltsamen May-Welt konnte ich nie viel anfangen.

Wer hat diese Bücher gelesen?

Viel später, während meiner Ausbildung las ich interessehalber »Winnetou I« in der historisch-kritischen Ausgabe des Haffmans Verlags. Ich habe das Buch nie zu Ende gelesen, zu sehr schwang ein falsches Amerika mit, obwohl Literatur doch alles darf. Aber in erster Linie war der Stil hölzern, der Inhalt kitschig. Haben wirklich Millionen von Kindern und Jugendlichen diese Bücher mit Begeisterung gelesen? Ich kann es mir kaum vorstellen.

Der Anlass der damaligen Lektüre war ein Urlaub im Norden Deutschlands und ein Ausflug mit der Familie. Denn dann habe ich tatsächlich Pierre Brice live als Winnetou in Bad Segeberg gesehen. Es muss – so ergeben es meine Recherchen – um 1990 gewesen sein. Brice selbst inszenierte auf der dortigen Freilichtbühne »Winnetous Vermächtnis« frei nach Karl May. Das Einzige an das ich mich platzpatronenbenebelt noch erinnere, ist der Zaubertrick, dass Brice vorn auf der Bühne als Winnetou starb und er dann plötzlich hinter den Zuschauerrängen wieder auferstand.

Der »Wilde Westen« des Karl May ist ein seltsamer Mythos, der insbesondere aufgrund der Verfilmungen Ende der 1960er-Jahre für viele zum Deutschland der 1970er und 1980er Jahre gehört.

Während Brice für mich den Winnetou in Bad Segeberg sterben lässt, zeichnete Hollywood in »Der mit dem Wolf tanzt« bereits ein ganz anderes Bild des kolonialen Amerikas.

Erklären lassen und zuhören

Jahre später dann besuchte ich in Kanada Gebiete, die von den »First Nations« bewohnt sind. Von ihnen ließ ich mir ihre Kultur und Geschichte erklären und hörte zu.

Ende August 2022 redet ein paar Tage wieder alles von Winnetou und niemand scheint einander zuzuhören.

Irgendwer kam in diesem Jahr auf die Idee, die Lizenzkuh »Winnetou« noch einmal zu melken. Man will offenbar die Väter und Großväter mit ihren Söhnen und Enkeln ins Kino locken.

Mike Marzuk, der bereits Enid Blytons »Fünf Freunde« reanimierte, erdachte sich frei nach Karl May im Auftrag einiger Filmproduzenten ein Kindheitsabenteuer für den kleinen Indianerhäuptling. Gewagt.

Wie es zu einer Merchandising-Abschöpfung gehört, wurden zum Film mehrere Bücher »erstellt«. Neben dem »Buch zum Film« sollte es im Ravensburger Verlag ein »Erstlesebuch zum Film« geben, ein Sticker-Buch und ein Puzzle. Darüber hinaus gibt es »Das große Fanbuch« zum Film im Karl-May-Verlag, ein »Filmhörspiel« im Hörverlag und an den Kiosken eine Zeitschrift zum Film mit Pfeil und Bogen aus Plastik. 

Kann auch Markus Söder an jedem Kiosk noch kaufen: Zeitschrift zum Film mit Plastikbogen.
Kann auch Markus Söder an jedem Kiosk noch kaufen: Zeitschrift zum Film mit Plastikbogen.

Als der Ravensburger Verlag die beiden Bücher via Instagram ankündigte, gab es – man muss schon sagen »natürlich« – Kritik an den Büchern. In den Kommentaren warf man dem Verlag vor, er bediene koloniale Klischees und fördere die falsche, romantisierte und überholte Darstellung der amerikanischen Ureinwohner. Mitunter warf man dem Verlag pauschal Rassismus vor.

Ein Shitstorm, der einer wurde und keiner war

Beim Verlag sah man ein, dass die Bücher nicht die beste Idee waren. Man stoppte sofort die weitere Auslieferung der Titel, die zum Teil schon in den Buchhandlungen zu finden waren, und ergänzte den Insta-Beitrag transparent um einen Kommentar, in dem es u. a. heißt: »Euer Feedback hat uns deutlich gezeigt, dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben. Das war nie unsere Absicht und das ist auch nicht mit unseren Ravensburger Werten zu vereinbaren. Wir entschuldigen uns dafür ausdrücklich.«

Ob jetzt die Kommentierenden verletzt waren oder ob sie im Namen der Verletzten sprachen, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, ob die Kommentierenden das Buch gelesen hatten.

Wie Analysen gut eine Woche später zeigen, ist es zudem mehr als fraglich, ob es so etwas wie einen »Shitstorm« gegen den Verlag überhaupt gab.

Das angebliche Einknicken des Verlags brachte die Gegenseite auf – das war in erster Linie die Bild-Zeitung. Man habe gehorsam Selbstzensur begangen und sich dem »linken, woken Internet-Mob« gebeugt. Selbst der bereits erwähnte Sigmar Gabriel rief via Twitter trotzig zum Kinobesuch des Filmes auf. Bayerns Ministerpräsident Söder kritisierte ebenfalls auf Twitter den Verlag, indem er sich auf einen Bild-Artikel bezog, der berichtete, dass die ARD die alten Verfilmungen nicht mehr zeige. Eine längst getroffene Lizenzentscheidung, die nichts mit der aktuellen Diskussion zu tun hat. So entstehen mit politischer Unterstützung Mythen und Verschwörungstheorien.

Das Umfrageinstitut YouGov startete eine nach eigenen Aussagen repräsentative Umfrage, wonach nur 13% der Bundesbürger die Entscheidung des Verlags für richtig halten. 68% halten sie für falsch.

Eine unrepräsentative Umfrage in meinem Bekanntenkreis ergibt jedoch, dass aufgrund der breiten medialen Berichterstattung viele von dem Fall gehört hatten, doch niemand wusste, dass es im Grunde um nicht unbedingt hochwertige Merchandising-Produkte geht.

Einen Teil der Kindheit nehmen

Vielmehr entstand aufgrund weiterer Medienberichte und Kommentaren à la Söder in den Sozialen Medien bald der Eindruck, es gehe um ein generelles Verbot der Karl-May-Bücher und man wolle den älteren bundesdeutschen Bürgern einen Teil ihrer Kindheit nehmen.

Tatsächlich schwappte die Diskussion auf May über und die Karl-May-Gesellschaft und Karl-May-Stiftung fühlten sich genötigt, in einem offenen Brief vorsorglich zu erklären, dass es keineswegs so sei, dass Karl May »angeblich ein überholtes rassistisches Weltbild vertrete und den Genozid an der indigenen Bevölkerung Amerikas romantisiere oder verschweige«.

Und von den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg heißt es in einer Stellungnahme: »Wir zeigen keine echte indianische Kultur und behaupten das auch gar nicht. Wir spielen die Abenteuer aus Karl Mays Traumwelt – einem märchenhaften Wilden Westen, den es in dieser Form nie gegeben hat. Auch ist Winnetou keine historische Figur und kein Klischee, sondern ein Idealbild.« Mit dem Begriff »indianisch« tut man sich keinen Gefallen.

#DankeKarlMay

Expertinnen wie Uschi Glas und die Witwe von Pierre Brice äußern ihr Unverständnis über die Verlagsentscheidungen und der Instagram-Account @natives_in_germany wittert und bescheinigt unter dem sarkastischen Hashtag #DankeKarlMay überall Rassismus.

Ältere Menschen wie Sigmar Gabriel haben das Gefühl, man will ihnen mit Karl May einen Teil ihrer Kindheit nehmen und die Bücher von Karl May womöglich ganz verbieten. Vorzugsweise wird diese Forderung einem »anonymen, woken Twitter-Mob« zugeschrieben. Außerdem war Winnetou doch der »gute und edle Wilde«. Was man als Kind liebte, das kann doch jetzt nicht rassistisch sein.

Die bereits erwähnte Datenanalyse von Scompler zeigt, dass es den angeblich anonymen Shitstorm gegen die Bücher gar nicht gab bzw. keiner messbar war. Der Shitstorm gegen den Verlag kam hingegen erst von anderer Seite, nachdem vor allen Dingen die Bild-Zeitung gegen Ravensburger mobil machte. Der Film, das große Fanbuch im Karl-May-Verlag, die Zeitschrift mit Plastikbogen, all das ist weiterhin erhältlich und steht offenbar nicht zur Diskussion, obwohl auch deren Inhalte nicht ganz unproblematisch sind und es daran berechtigte Kritik gibt.

Man kann und darf diesen Menschen natürlich nicht ihre Kindheit rauben. Aber man sollte von ihnen doch erwarten, dass sie wahrnehmen, dass sich die Zeiten geändert haben. »Als deutscher Schriftsteller des 19. Jahrhunderts ist Karl May unvermeidlich vom Habitus eines kolonialen Zeitalters geprägt«, schreibt die Karl-May-Gesellschaft. »Die Besonderheit Karl Mays besteht darin, dass in seiner Darstellung des ›Wilden Westens‹ von Anfang an die Sympathie des Erzählers der leidenden indigenen Bevölkerung gilt.« Man beachte: Die Karl-May-Gesellschaft schreibt »indigen«.

So edel also die Motive Mays gewesen sein mögen, so sehr reproduzieren wir beim Cowboy-und-Indianer-Spielen ein kolonialistisches Weltbild. Heute können wir es nicht mehr unbefangen tun. Schon gar nicht auf Freilichtbühnen. Die Ausrede, die Indianer seien ja die Guten, gilt nicht mehr. Wir müssen lernen.

Wenn YouGov die deutsche Bevölkerung fragt, ob sie den Verkaufsstopp der Bücher richtig findet, so ist das bereits die falsche Frage.

Die Frage ist, wie im Jahre 2022 noch ein Film mit entsprechendem Merchandising entstehen konnte, der auf dem erfundenen Amerika-Bild eines Autors basiert, der »vom Habitus eines kolonialen Zeitalters geprägt« war. Vielleicht war man bei Ravensburger wirklich naiv und hat das nach kritischen Kommentaren erkannt. Man hätte das loben können, weil wir nicht mehr in den 1970er-Jahren leben. Und man hätte darüber diskutieren können, dass wir Karl May 2022 tatsächlich anders lesen sollten als 1972 und dadurch weder die eigene Kindheit noch das Abendland untergehen.

Aber es hätte keine Aufregung und Klicks gebracht, gegen eine angebliche »Selbstzensur« und ein »Einknicken« des Verlags oder gar ein Verbot von Winnetou.

Wolfgang Tischer

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18 Kommentare

  1. Ich habe als Kind die Hörspiele auf Schallplatten und sämtliche Karl May Bände gelesen. Als ich selbst zu schreiben begann, dichtete ich Old Shatterhand eine Schwester an, die Winnetou heiratete und zwei Kinder bekam. Leider dann als alleinerziehende Squaw im Pueblo nicht gerade beliebt war. Welche Aufregung hätte diese Geschichte wohl verursacht?
    Will sagen, die Bücher hatten zu ihrer Zeit ihre Berechtigung, heute würde ich Karl May nicht mehr lesen wollen. Die Aufregung um den „jungen Häuptling Winnetou“ als Sohn des Chefs kann ich nicht nachvollziehen – warum nicht die Story erweitern? Und warum ist Indianer ein Schimpfwort, so wie Negerkuss und Zigeunerschnitzel? Bei der Knackwurst „Dicke Sauerländer“ macht man ja auch kein Theater.

    • Könnte daran liegen, dass „der Sauerländer“ nicht aufgrund seiner Herkunft oder seines Aussehens per se benachteiligt wurde und wird, seiner Rechte beraubt, verfolgt und getötet wurde und wird.
      Muss man das heutzutage eigentlich wirklich immer noch erklären?

  2. Interessant wie Wolfgang die Eigendynamik von Missverständnissen, Desinformation und Empfindlichkeiten darlegt. Ich habe Karl May nie gelesen. Auch das Fanbuch zum aktuellen Film „Der junge Häuptling Winnetou“ und die anderen mit dem Film assoziierten Werke kenne ich nur vom Cover. Ich habe Trailer und Ausschnitte zum Film gesehen. Ich hatte den Eindruck einer Mischung aus „Der Schuh des Manitu“ und „Wiki und die starken Männer“. Ich habe als junger Mensch einige Karl-May-Verfilmungen gesehen – und viele andere Western, aus dieser Zeit, der Zeit davor und danach. Nie habe ich bei Karl May gedacht, dass ich Zeuge realistischer Darstellungen bin. Allein schon wegen der recht unterschiedlichen Bilder des Wilden Westens je nach Film, erst recht wenn man neuere Western ansieht. Nie bin ich auf die Idee gekommen, man könnte die Karl-May-Western ernst nehmen. Im Gegenteil. So manches Mal habe ich mich für die Darsteller fremdgeschämt. Und stets kam mir Winnetou in der Tat edel und überlegen vor. Nie hätte ich gedacht, dass das schlimm sein könnte. Ich habe heute ein zwöfljähriges Mädchen gefragt, mit dem ich Ausschnitte aus „Der junge Häuptling Winnetou“ geschaut habe, was sie glaubt, inwieweit das alles damals so war. Sie meinte: vielleicht ein bisschen. Ich fragte, warum nur ein bisschen. Na ja, sagte sie, in dem Film sei alles ein bisschen zu sauber. Genau. Nicht alle jungen Menschen sind naiv und nicht alle Klischees und Romantisierungen werden für bare Münze genommen. Wahrscheinlich gibt es auch im Jahr 2022 noch Menschen, die glauben, dass ein Film wie „Der junge Häuptling Winnetou“ historisch korrekt ist. Es sei diesen Seligen gegönnt. Und offenbar gibt es einige, die meinen, er müsste unbedingt historisch korrekt sein. Falls sie recht haben sollten, müssten wir die gesamte aktuelle historisierende Literatur zensieren, zumindest dort, wo seinerzeit benachteiligte ethnische oder soziale Gruppen verklärt dargestellt werden. Viel zu tun. Aufklärung wäre mir da lieber, zumindest dort, wo es nicht um Verhetzung oder Herabwürdigung geht.

  3. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde sich die Aufregung um den Schriftsteller Karl May drehen und viele Medienmacher sind in diese Falle getappt…
    Nein, es geht um etwas ganz Anderes: da ist einerseits der renommierte Verlag, dem zweifellos Generationen von deutschsprachigen Menschen schöne Spiele verdanken und der als Qualitätsmarke in diesem Bereich einen guten Namen hat…
    …und hier taucht auch schon die erste Frage auf: wer ist auf den seltsamen Gedanken gekommen, einen völlig unliterarische und unhistorische Figur zu schaffen…haben die Marketingstrategen vielleicht gar die erfolgreichen seltsamen Tierwesen von Joanne Rowling im Kopf gehabt, welche die Vorgeschichte von Harry Potter beschreiben? Wenn ja, dann haben sie viel zu kurz gedacht und die Gesamtsituation völlig falsch eingeschätzt. Aber das ist meine Sache nicht, das müssen sich die Leute von Ravensburger selbst ausdiskutieren…
    Und da ist die seltsame anderes Seite, eine Querdenker-Minderheit, die aber lautstark sich selbst findet, indem sie auf andere losgeht und versucht eine irrwitzige Cancel-Culture zu betreiben. Cancel – Culture ist aber keine Kultur, wie der Name vermuten lassen würde, sondern geradezu das Zeichen von Unkultur und Intoleranz – und beides ist für die Demokratie schlecht: hoffentlich kommt keiner von den Gesellen drauf, dass der Text vom berühmtesten Weihnachtslied der Welt, dem „Stille Nacht“ , von einem Mann namens Joseph Mohr stammt. Da könnte man eine Menge Shitstorms daraus machen…aber der Mann hieß nun mal Mohr, konnte nichts dafür und war ein einfacher Pfarrer…
    …in unserem Fall melden sich Leute zu Wort, die weder Karl May gelesen noch eine Ahnung vom echten wilden Westen haben und…der Rückzieher von Ravensburger ist wohl etwas zu früh erfolgt, wenn man sich die Meinung der Deutschen anschaut…
    Was Karl May betrifft, jo mai, das ist ein Mann aus einer fernen Zeit, der für Menschen schrieb in einer fernen Zeit und sehr erfolgreich damit war und nicht mehr klauen musste, so wie vor seinem Ruhm. Es gab damals ein seltsame Indianerromantik in Deutschland, es wurden sogar deutsche Indianerstämme gegründet und die Menschen bauten sich Wigwams. May traf den Zeitgeist…!
    Wie das Ganze aus der heutigen Brille zu beurteilen ist, das hat Bully Herbig mit seinem Schuh des Manitou bis zur Schmerzgrenze dekonstruiert. Ich bin kein Rassist, wenn ich die Worte Negerbrot, Mohr im Hemd, Zigeunerschnitzel verwende, wenn ich aber an die Unkultur denke, dann könnte ich schon zum Rassisten werden…!

    P.S. Old Shatterhand hieß nicht im Film Lex Barker, der Mann war ein Schauspieler, der wirklich so hieß!

  4. „Wenn YouGov die deutsche Bevölkerung fragt, ob sie den Verkaufsstopp der Bücher richtig findet, so ist das bereits die falsche Frage.“
    Das ist die neue Demokratie, chapeau!
    Fuer besonders renitente Artikel empfehle ich die Buecherverbrennung,
    Herr Tischer kann das dann von hier aus feuilletonistisch begleiten, ihm werden
    sicher geschmeidige Argumente einfallen.

  5. Also ich fand die Winnetou-Filme und auch die Bücher von Karl May wundervoll. Und ich lasse mir diese schönen Werke auch nicht von irgendwelchen Spinnern madig machen, die meinen auf allem und jedem herumzuhacken was ihnen aus irgendwelchen dummen Gründen nicht in den Kram passt. Für diese Leute darf es eben nichts geben woran wir uns erfreuen; alles was uns wichtig ist wollen sie abschaffen. Das geht über Denkmäler unserer Geschichte bis eben auch über Bücher unserer Literatur. Warum machen sie das? Weil sie uns hassen. Und warum hassen sie uns? Weil sie inländerfeindliche Rassisten sind. Würde es ihnen wirklich um die Indianer gehen, hielte sie niemand davon ab etwas für die Indianer zu spenden oder in den USA vorbeizuschauen und den Indianern vor Ort zu helfen. Aber darum geht es denen gar nicht; sie wollen uns bloß etwas wegnehmen, weil sie uns hassen und uns fertigmachen wollen. Gut das so viele Leute aufstehen und sich das nicht gefallen lassen.

  6. Hallo Wolfgang. Danke für den sachlichen Kommentar. Zwar schreibe auch ich Western – ok, Karl May ist u.a. schuld – , aber ich konnte wirklich nichts Rassistisches an den Werken feststellen – geschweige denn an den Filmen. Wenn frau wie ich aber Western-Fan ist, sieht man’s anders. Aber zugegeben: Schon Bully Herbigs „Schuh des Manitu“ hat mich sauer gemacht. Warum dann plötzlich Buch und Film über den jungen Winnetou? Was soll das? Schon die Versuche aus den 1980ern, Winnetou als Vorabendserie auf der ARD zu bringen, scheiterten. Kein Vergleich zu den edlen Winnetou-Verfilmungen der 1960er, die ich super fand. Ja, ich gehe mit Sigmar Gabriel mit, dass Winnetou zu meinen Kindheitserinnerungen gehört. Und dass da ein sog. Shitstorm wegen dem Ravensburger-Marketing entstand, entzieht sich meiner Logik. Aber auch ich gebe gerne zu, dass die sog. „grünen Bände“ von Karl May so stinklangweilig waren, mit vielen Fussnoten versehen, dass mir die Lust am Lesen nach knapp 20 Seiten verging. Offensichtlich hat der Autor des „jungen Winnetou“ nicht viel überlegt oder an Yakari gedacht. Warum hat der dann nicht gleich Yakari statt Winnetou genommen? Dann wäre ein Shitstorm oder was auch immer ausgeblieben. Ich persönlich würde es bedauern, wenn die Winnetou-Filme aus dem Programm verschwänden. Dann müsste man ja auch Sissi verbannen.

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