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Buchtrailer: Wie man einen Marketing-Text schlecht vorliest und in Suchmaschinen nicht gefunden wird

Wir sind HeldenDa veröffentlicht die junge sympathische Band »Wir sind Helden« ihr Tourtagebuch bei S. Fischer, was ja ganz nett ist, vor allen Dingen für Fans. Und der Verlag erreicht neue Zielgruppen. »Wir-sind-Helden«-Hörer passen sicherlich besser zum Fischer-Verlag als Tokio-Hotel-Fans.

Es wäre ein gutes Potenzial gewesen, das Ganze online pfiffig zu bewerben. Stattdessen ist als »Trailer« auf der Website ein ziemlich peinliches Video zu sehen. Die Bandmitglieder sitzen und stehen gediegen vor einem offenen Kamin (wie witzig!) und lesen einen Text vor, den ihnen offenbar die Marketingabteilung in die Hand gedrückt hat. Die Vier scheinen ihn davor noch nie gesehen zu haben. Denn wie ist zu erklären, dass selbst Judith Holofernes ihn so schlecht vorliest abliest, als wüsste sie gar nicht, worum es in dem Text geht? Die Frau ist doch ein Bühnenprofi! Ihre Liedtexte singt sie doch auch mit der richtigen Betonung (Nachtrag: Mittlerweile hat der Verlag das Video entfernt).

Es ist ein Vorlese-Stil, wie man ihn manchmal bei Müttern und Vätern hören kann, wenn ein Kind sie bittet, aus einem Buch vorzulesen, das sie nicht kennen. Dann wird meist deutlich und etwas überbetont gelesen, ohne dass die Betonungen wirklich stimmig sind. Beim Lesen selbst erst merkt der Vorleser, was er da eigentlich liest und macht mit einer leichten Verzögerung Gesten oder Grimassen dazu.

Dabei zeigte erst unlängst der wie S. Fischer ebenfalls zum Holtzbrinck-Konzern gehörende Verlag Kiepenheuer & Witsch zu Nick Hornbys neuem Buch »Slam«, wie ein guter Trailer zu einem Buch aussehen kann. Allerdings liest hier mit Matthias Schweighöfer wirklich ein Profi.

Und KiWi hat den Trailer nicht nur auf einer Website platziert, sondern dort, wo ihn die Leute wahrscheinlicher finden und sehen werden: beim Video-Portal YouTube. Sucht man dort nach »Nick Hornby«, erscheint das Video ganz oben (Man beachte übrigens den typischen »Ich-habe-einen-Fehler-gefunden«-Kommentar darunter). Die Suche nach »Wir sind Helden« fördert das Fischer-Video (noch?) nicht zutage.

Eine Website nützt nichts, wenn man sie nicht bei Google findet

Gefunden zu werden ist wichtig. Hier krankt wiederum die Hornby-Online-Kampagne an einer mangelnden Suchmaschinen-Optimierung. Der Verlag richtete eigens eine sogenannte »Micro-Site« ein, also eine kleine Website, in der sich Infos zu Buch und Hörbuch finden. Diese wurde jedoch ausschließlich mit der Flash-Technologie umgesetzt und besitzt keinen für Suchmaschinen lesbaren Textinhalt. Die negative Folge ist, dass eine Website zum aktuellen Buch – für die der Verlag Geld investiert hat – bei der Suche nach »Nick Hornby« auf den ersten 10 Ergebnisseiten bei Google nicht zu finden ist. Damit existiert die Website quasi nicht.

Sucht man nach »Nick Hornby Slam«, so erscheint die Site zwar an dritter Stelle, doch wurde ein so schlechter Titel und eine so schlechte Beschreibung hinterlegt, dass man daraus nicht erfährt, dass es die Website zum neuen Buch des Autors ist. Stattdessen steht dort ein Werbetext des Hörverlages ohne Bezug zum Titel.

Google-Eintrag für die Hornby-Website 

Verschenktes Potenzial, verschenkte Klicks, verschenkte Besucher, verschenkte Buchkäufer.

https://www.youtube.com/watch?v=ZJmpIwjGxEs

5 Kommentare

  1. Gerne füge auch ich „den typischen »Ich-habe-einen-Fehler-gefunden«-Kommentar“ hinzu.

    In der Tat bringt die Suche nach „Nick Hornby Slam“ die Website zum Buch noch immer an dritter Stelle.
    Die im Text genannte Suche nach „Nick Horny Slam“ hingegen liefert bereits an zweiter Stelle folgendes Ergebnis: „Buchtrailer: Wie man einen Marketing-Text schlecht vorliest und in …“.
    Suchmaschinen-Optimierung durch Tippfehler, nicht schlecht. Und so passend.

    Ach ja:
    ich stimme Ihrem Text voll zu, vielen Dank.

  2. Der Vollständigkeit halber möchte ich aber hier ergänzen: Es gibt aber auch tolle Buchtrailer! Club Bertelsmann (!) macht seit drei Jahren einen ganz coolen, erstaunlich frischen Wettbewerb für Studenten http://www.derbuchtrailer.de Ich mache schon zum zweiten Mal mit… mal sehen, mein Drehbuch diesmal bei der Jury bestehen kann….

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