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StartseiteWillms' WocheWillms Woche: Heinz Erhardt zum Neunundneuzigsten

Willms Woche: Heinz Erhardt zum Neunundneuzigsten

Es gibt wenige Menschen, die uns so beeinflussen, dass sie Idole für uns werden und damit vielleicht ein kleines Stückchen zu einem Teil unseres Lebens. Heinz Erhardt ist ein solches Idol für mich. Bereits als kleines Kind habe ich seine Bücher und Filme verschlungen, bei jeder Gelegenheit hieß es: »Und noch’n Gedicht!« – ich kannte und kenne sie alle! Heiter und manchmal nahezu albern wirkt Heinz Erhardts Werk an der Oberfläche, und doch stecken so viel Herzblut und Perfektionsbestreben darin. Der studierte Musiker war ein Allround-Talent, er brillierte als Dichter, Komponist, Schauspieler und Entertainer und gehörte in den 50er und 60er Jahren zu den beliebtesten deutschen Stars. Heinz Erhardt war erfolgreich – und doch blieb er stets Mensch. Geplagt von schwerem Lampenfieber, so erzählt man sich, habe er seine Brille vor Auftritten oft gegen eine mit Glaseinsatz getauscht. So spielte er zwar nahezu blind, musste aber wenigstens sein Publikum nicht sehen. Frei nach seinem Liedchen »Wenn ich einmal traurig bin, trink ich einen Korn…« soll er auch ab und zu – unter dem Vorwand die Beleuchtung zu kontrollieren – noch ein Schnäpschen hinter Bühne genossen haben, um die Aufregung einzudämmen. Erhardt blieb stets bescheiden:

Meine besten Witze hab ich erzählt,
das Publikum lächelte nur leicht gequält,
doch Heiterkeit ohne Maß und Ziel
erregte ich, als ich vom Fahrrad fiel.

Heinz Erhardt, dem es immer gelang, seine Bonmots und Scherze so heiter und locker über die Lippen zu bringen, als seien sie ihm gerade zugeflogen, arbeitete wie ein Tier – manchmal bis zur Erschöpfung. Ein Schlaganfall, den er 1971 erlitt und der ihm die Fähigkeit zu sprechen nahm, änderte sein Leben mit einem Mal. Unfähig weiter mit seiner geliebten deutschen Sprache zu arbeiten, zog sich der »Herr der Worte« immer mehr ins Privatleben zurück, starb im Sommer 1979 nur 4 Tage, nachdem ihm das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik verliehen worden war:

Bis heute bleibt Heinz Erhardt als deutscher Komiker unerreicht, verehrt von Menschen wie mir – und von vielen seiner heutigen Kollegen. Am 20. Februar wäre er 99 Jahre alt geworden und daher gibt es neben diesem Geburtstags-Special auch noch einen Vierzeiler aus Erhardts Feder, der zu meinem Leitspruch geworden ist:

Seit frühester Kindheit, wo man froh lacht,
verfolgt mich dieser Ausspruch magisch:
Man nehme ernst nur das, was froh macht,
das Ernste aber niemals tragisch!

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