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Folge 58: Pfarrer Menzel schalkt

Bisweilen lässt Pfarrer Menzel seiner schelmischen Ader freien Auslauf, wenn er – selten genug – seinen protestantischen Amtsbruder mit einem Quantum Messwein heimsucht, um zu plaudern. Dann vertritt er in der ansonsten recht lockeren theologischen Grundsatzdiskussion urplötzlich Positionen des Heimholungswerkes, um nicht weniger unerwartet als Zeuge Jehova oder letzter Heiliger munter weiter zu argumentieren. Sein protestantischer Amtsbruder fällt jedes Mal aufs Neue darauf rein.

Allein im Dunkeln: Abmahnung wegen schlechter Kritik

Zensur durch Atari?Dass eine Firma Werbeanzeigen storniert, weil ein Medium kritisch über das Unternehmen oder seine Produkte geschrieben hat, ist zwar schlechter Stil, aber an der Tagesordnung.

Weitaus dreister ist der folgende Fall: Der Spiele-Hersteller Atari mahnt das Online-Spielemagazin 4players.de ab, weil die Rezension des Spiels »Alone in the Dark« nur die Wertung »befriedigend« erhalten hat. In einem Anwaltsschreiben, das 4players.de in Auszügen dokumentiert, wirft man den Spiele-Kritikern vor, sie hätten für den Test Raubkopien eingesetzt und ihre Test würden nicht den Standards entsprechen, »die für Warentests gelten«. Angesetzter Streitwert: 50.000 Euro.

Warum erwähnen wir das hier im literaturcafe.de? Die Antwort gibt 4players-Chefredakteur Jörg Luibl:

All die ungelesenen Wörter

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James Bridle von booktwo.org hat die Texte auf Verpackungsrückseiten neu entdeckt und fotografiert. Diese Essays auf Verpackungen – Zitate, Auflistungen der Inhaltsstoffe, Nährwertangaben, Serviervorschläge und Rezepte – bevölkern die Lücken im Design und erfüllen die obligatorische oder gesetzlich vorgeschriebene Informationspflicht, aber sie sagen sehr wenig und lügen bisweilen. Und auch wir haben uns von Bridles Flickr-Galerie inspirieren lassen.

Folge 57: Pfarrer Menzel hat Unglück im Glück

Wegen unerklärlicher akustischer Ereignisse in der Milzregion zwecks Beobachtung in die nächstbeste Klinik eingeliefert, gewann Pfarrer Menzel eine blauäugig frohsinnstrahlende Schwester so lieb, dass die Ereignisse klammheimlich verstummten. Rücküberführt in seine Amtsstuben sieht Pfarrer Menzel zwar seine Lieblingsschwester nicht mehr, aber die Ereignisse meldeten sich nicht wieder, da mochte er lauschen wie er wollte! Seitdem ist Pfarrer Menzel zu einem tieferen Verständnis von »Jammertal« aufgebrochen und übt sich geduldig in Agape.

Frankfurter Verlagsgruppe scheitert erneut vor Gericht gegen Kritiker

Das Hanseatische Oberlandesgericht in HamburgErst unlängst war die Frankfurter Verlagsgruppe, die unter ihrem Dach und in ihrem Umfeld einige Zuschussverlage versammelt, vor Gericht in erster Instanz gegen die Online-Enzyklopädie Wikipedia bzw. den Wikimedia-Verein gescheitert.

Am 18. Juni 2008 fanden nun gleich drei Verhandlungen vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg statt. Kläger waren die Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe bzw. ihre Tochtergesellschaft Frankfurter Literaturverlag GmbH, jeweils vertreten durch Rechtsanwalt Christian Friedrich Jaensch.

Gegenstand waren Veröffentlichungen des Autorenhaus Verlags und auf der Website Autoren-Magazin.de, jeweils verantwortet von Manfred Plinke und vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Jan Bernd Nordemann.

Bücher-Communities im Web: Nur ein Austausch von Höflichkeiten?

Virtuelle BuchgemeinschaftenJulia Roebke hat sich für die FAZ Bücher-Communities im Internet näher angesehen und darüber einen Artikel geschrieben. Sie kommt zu dem Schluss, zu dem wohl jeder kommen muss, der sich beispielsweise bei lovelybooks.de einmal umgesehen hat: so richtig viel los ist dort leider nicht. Roebke schreibt, dass es meist beim Austausch von Höflichkeiten bleibe und nicht zu tiefergehenden Diskussionen über Bücher komme.

Dabei ist die Idee, die Bücher des eigenen Buchregals auch virtuell ins Netz zu stellen und diese mit anderen Nutzern zu vergleichen, gar nicht so schlecht. Aber eigentlich bietet das Amazon in ähnlicher Form schon seit Jahren mit der Option »Kunden, die den gleichen Titel wie Sie gekauft haben, kauften auch …«. Und selbst Diskussionsforen bietet Amazon mittlerweile an.

Nun könnte man entgegnen, dass Amazon nicht unbedingt ein unabhängiges Angebot sei und hier der Verkauf im Vordergrund stehe. Aber ist das bei lovelybook nicht ebenso?

Folge 56: Pfarrer Menzel fühlt sich wohl

Seelisch verschwiegert wegen der Faszination ob ihres Lebens und Leidens fühlt Pfarrer Menzel sich den lambarenischen Leprakranken. Liest er von ihnen, betasten seine Fingerkuppen unwillkürlich die Löcher in seinen Beinen (deren Entstehung einsetzte nach dem Schritt ins Leere, denn der Aufprall war dann doch erschütternder als zunächst optimistischer Weise angenommen). Seine eindringlichen Versuche, mit Leprakranken Brieffreundschaft zu schließen zwecks Erfahrungsaustausch aus seelsorgerischem Ferntröstungsimpetus, blieben bislang bedauerlicherweise fruchtlos. Beim Nägelreinigen eines Tages aber entdeckte Pfarrer Menzel aus heiterem Himmel seine Hände; die Folge waren rote Ohren, und er schickte eine besprochene Kassette in der Hoffnung, zumindest noch ein offenes Ohr zu finden. Eine Antwort kam prompt, war aber unverständlich; dennoch übte das sonore Geröchel und Gestammel einen wohligen Einfluss auf Pfarrer Menzel aus, und er hört die Kassette ausgesprochen gern, auch beim Baden.

Folge 55: Pfarrer Menzel lauscht

Wenn Pfarrer Menzel plötzlich innehält und den Kopf verschränkt, dann nicht selten deswegen, weil er Augen und Ohren nach innen richtet, um der Stimme seines Herrn zu lauschen. Warum er allerdings die Augen daran Teil haben lässt, weiß mit letzter Sicherheit nicht einmal er selbst.

Kurztest: Droemer Knaur startet kostenpflichtigen eBook-Download

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Handbuch für Sexgöttinnen als eBook immer griffbereit?Ab sofort bietet der Droemer Knaur Verlag ausgesuchte Titel in elektronischer Form zum kostenpflichtigen Download als eBook an. Unter den knapp 40 Titeln finden sich auch Bestseller wie Sabine Kueglers »Dschungelkind«,  »Attic« von Lincoln Child und Douglas Preston oder »1000 ganz legale Steuertricks« von Franz Konz.

Die Bücher stehen als PDF-Datei zum Download bereit. Die Dateien können weder ausgedruckt, noch in Teilen kopiert werden. Die heruntergeladene Datei muss also entweder auf einem Desktop-Rechner bzw. Notebook oder aber auf einem mobilen Gerät gelesen werden, das das in der Nutzung eingeschränkte PDF-Format unterstützt.

Wir haben das neue Angebot gleich einmal getestet.

Folge 54: Pfarrer Menzel schwitzt

Bei Pfarrer Menzel führt die Vorstellung, einen Beichttermin zu übersehen, dazu, dass ihm aus einigen Poren etwas Angstschweiß dringt, was ein unverzügliches Baden (mit den bekannten Folgen) nach sich zieht. In letzter Zeit badet Pfarrer Menzel auffallend oft.

Willms‘ Woche: Durch Scheitern zum Erfolg

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne, mag sich Dan Brown gedacht haben, als aus seinem großen Durchbruch im Musikbusiness nichts wurde. Zwar wurden seine Songs und die selbst geschriebenen Lyrics durchaus für gut befunden, jedoch sind die Chancen für Musiker, die kein Interesse daran zeigen, sich auch mal dem Publikum zu präsentieren, damals wie heute relativ schlecht. Doch genau das wollte Dan Brown tun: im Hintergrund bleiben und schreiben. So kam, was kommen musste: nach dem zweiten Album »Angels & Demons« ereilte Brown das musikalische Aus.

Bis hierhin eine Geschichte, die so oder so ähnlich wohl jeden zweiten Tag geschieht – aber hinter »Angels & Demons« verbirgt sich eben doch noch etwas anderes.

Folge 53: Pfarrer Menzel vergisst

Niemand konnte Pfarrer Menzel der Vergesslichkeit zeihen, im Gegenteil: Er galt als Muster von Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit (von kleineren, geradezu lächerlichen Ausnahmen einmal zu Recht abgesehen). Freiwillig oder fahrlässig verabsäumte er weder nichts noch zu keiner Zeit. So konnte verständlicherweise er selbst es sich nicht vorstellen, dass er es gewesen, der den Hahn vom Weinfässchen im Keller geöffnet hinterlassen hatte. Erfreulich dabei war, dass die kleinen Nager diese Flut nicht überlebt hatten, was in Folge dem Vorrat an Backoblaten zugute kam.

Wegen Karl Valentin: Zitate-Website fällt Abmahn-Wahn zum Opfer

Die Website Abmahnungen werden immer mehr zum modernen Zensurinstrument, um gegen Kritiker im Internet vorzugehen.

Dabei ist es oft völlig unerheblich, ob der Grund der Abmahnung berechtigt ist. Gerade Privatpersonen und Blogger sind durch die anwaltlichen Schreiben und die genannten hohen Streitwerte so eingeschüchtert, dass sie aus Angst vor weiteren Zahlungen meist sofort klein beigegeben.

Der Abmahnende hat sein Ziel erreicht, auch wenn er vielleicht im Unrecht war. Selbst im glimpflichsten Fall bleibt der Abgemahnte auf seinen Anwaltskosten von mehreren Hundert Euro sitzen. Denn einen Anwalt sollte man auf jeden Fall konsultieren, um angemessen auf eine Abmahnung zu reagieren.

Das jüngste Beispiel dieser Art trifft die gut gemachte Zitate-Website »Sehr erfahrende Menschen«, die sich bereits seit Jahren auch auf unserer handverlesenen Literaturlinkliste befindet.

Shaker Media will offenbar mit Anwälten schäkern [Nachtrag]

Unverlangte Werbung per eMail?Ohne Einverständnis der Empfänger darf in Deutschland keine Werbung verschickt werden. Im Bereich der elektronischen Post heißen solche unverlangten Werbe-Mails Spam. Sehr zum Missfallen des Werbenden gilt das Verbot auch dann, wenn er mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass die Werbebotschaft für den Empfänger interessant wäre.  Solche Mails werden daher meist anonym über Server in Asien und Europa verschickt.

Umso mehr erstaunt es, dass der Mediendienstleister Shaker Media ganz offen unverlangte Werbe-Mails an Autoren verschickt. Shaker Media ist mit seiner breiten Publikumsausrichtung relativ neu auf dem Markt aktiv und will offenbar so weitere Kunden gewinnen. Bislang war Shaker hauptsächlich im wissenschaftlichen Bereich tätig.

Folge 52: Pfarrer Menzel reist

Pfarrer Menzels Reise nach Jerusalem gestaltete sich überaus strapaziös: So erwies sich die Platzkarte für den Alpenexpress als Fehlinvestition, da der infrage kommende Wagen definitiv fehlte; auf dem Schiff war die Kabine entgegen allen Beteuerungen und Schwüren doch schon besetzt (und zwar ausgerechnet von liebenswerten Liobaschwestern), und in Beirut, wo er versehentlich landete, da er den Fahrplan wohl falsch übersetzt hatte, fand er nicht einmal mehr eine Rikscha, während die Flugzeuge wegen der andauernden Kriegswirren auf drei Jahre ausgebucht waren. Das im Zustand ernster Verzweiflung gemietete Kamel wurde Opfer eines israelischen Präventivschlages, so dass Pfarrer Menzel schließlich und endlich auf einem Esel in Jerusalem einritt, wobei ihm der Treiber mit Palmwedeln Kühlung zufächelte. Der Jubel war herzerfrischend und unmissverständlich.