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Folge 47: Pfarrer Menzel musiziert

Einmal wurde Pfarrer Menzel schon in einer gutsortierten Musikalienhandlung entdeckt, wo er – allerdings vergeblich, sofern das korrekt wiedergegeben wurde – nach einem Wirbel für ein(e)(n) Soud(?) oder Zoub(?) verlangt haben soll, jedenfalls nach einem Ersatzteil für ein eindeutig heidnisches Instrument. Jedoch musiziert Pfarrer Menzel ausschließlich ganz privat und für sich und nur dann, wenn er vollständig allein ist. Er wird schon wissen warum.

Folge 46: Pfarrer Menzel schreibt

Altmodische Federkiele sind Pfarrer Menzels bevorzugte Schreibgeräte, auch wenn reines Eisengallus inzwischen schwer bekommbar ist. Sich gegen einen modernen Computer entschieden zu haben bereut er nicht mehr, nachdem auf der Festplatte seines protestantischen Amtsbruders ein schwarzes Loch sämtliche Predigten und Gemeindemitgliederdateien aufgefressen hat. Er jedoch fand seine Papiere immer wieder, manchmal, und das sei durchaus zugegeben, auch erst nach langwierigem und u. U. auch immer verzweifelterem Suchen. Gefressen aber sind sie noch nie worden!

Folge 45: Pfarrer Menzel zitiert

Bei einem der alljährlich notwendigen, aber einmaligen Frühjahrspütze fiel Pfarrer Menzel unverhofft des Konrektors i.R. Alfred Hunger Standardwerk »Vernachlässigte und vergessene Integrale. Eine Denkschrift zum 23. Jubiläum des Werther-Gymnasiums« in die Hände. Bereits die neugierig zufällig aufgeschlagenen Ausführungen über die Familie der archaischen Integrale schlugen Pfarrer Menzel so in ihren Bann, dass ein Fortschreiten des Frühjahrsputzes ernsthaft gefährdet schien, und tatsächlich kam er ja dann auch vollständig zum Erliegen. Vor allem das Kapitel über die memorablen Hyperbeln coelophober und -philer Heliographen (oder auch der – wie der Volksmund selbige so treffend nennt – entwurzelten Geographen) lernte er stante pede auswendig, um es immer bei sich und parat zu haben. Denn dieses Kapitel giebt ihm Kraft, und besonders zum Zwecke des Gottesbeweises zitiert er daraus gerne.

Folge 44: Pfarrer Menzel altert

Pfarrer Menzel machte der fortschreitende Alterungsprozess hin und wieder ganz schön zu schaffen; z. B. war es ihm manchmal, als sei er gestern erst zwölf gewesen oder auch vorgestern zweiundvierzig – und das zog ihn gewaltig runter. Wenn er aber in der Kirchengeschichte las von all den gestorbenen Gottvertretern wie Pius II oder Gregorius V oder in der Bibel von Lamech oder auch nur Henoch, dann machte das Mut und baute mächtig auf. So kommt eins zum andern!

Schwerpunkt »Blind sein – blind schreiben« in der aktuellen Federwelt

Federwelt mit aufgeklebter Braille-ErläuterungEine tolle und informative Themen-Idee der Kolleginnen der »Federwelt«: Angeregt von einer Leser-Zuschrift widmet sich das Heft 70 der Zeitschrift für Autorinnen und Autoren dem Titelthema »Blind sein – blind schreiben« (Ausgabe Juni/Juli 2008).

Der sehenden Leserin und dem sehenden Leser wird das Thema im wahrsten Sinne des Wortes sehr plastisch nahegebracht, denn als Beikleber findet sich auf dem Heft eine Übersicht der Blinden-Schrift Braille. Hier kann man selbst ausprobieren, wie gut der eigene Tastsinn entwickelt ist und ob man die aus sechs Punkten zusammengesetzen Zeichen unter den Fingerspitzen erfühlen kann.

Neben einer allgemeinen Einführung in das Thema werden die unterschiedlichen Schreib- und Lesegeräte der Blinden vorgestellt, und man widmet sich dem literarischen Schreiben und wie das Nicht-Sehen die Sprache beeinflusst.

buecher.blog des Bayerischen Rundfunks von Rüdiger Dingemann

buecher.blog des Bayerischen RundfunksWerktäglich stellt Rüdiger Dingemann für perlentaucher.de u.a den Medienticker zusammen. Da Dingemann aus der Verlagswelt kommt, spielen Meldungen von dort eine wichtige Rolle.

Heute nun meldet der Ticker: »Auf br-online hat ein Buecher-Blog seine Seiten geoeffnet …«. Klickt man auf den Link zum Blog, so kommt einem der Blog-Autor sehr bekannt vor: es ist Rüdiger Dingemann!

So bloggt Rüdiger Dingemann nun für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und der hat mit Dingemann einen fachkundigen und engagierten Blogger zum Thema gefunden. Ein für die Kontinuität eines Blogs enorm wichtiger Faktor, denn Firmen und Unternehmensblogs existieren – entgegen der Aussagen mancher Berater – nur so lange, wie dahinter ein engagierter Autor steckt. Und Engagement lässt sich mit Geld nur bedingt kaufen.

Folge 43: Pfarrer Menzel giebt auf

Die in Pfarrer Schleyers Sprache gehaltene – von diesem im Übrigen selbst verfasste und von Pfarrer Menzel lediglich auswendig gelernte – Predigt am Sonntag darauf wurde wider Erwarten ein sensationeller Reinfall: Pfarrer Menzel wurde stehend ausgepfiffen, und erstmalig in der doch recht umfangreichen Kirchengeschichte endete eine Messe statt statutengemäß mit einer Für- mit einer zerknirschten Abbitte. Das Buch übrigens hat Pfarrer Menzel nie wieder angerührt. Das kommt davon.

Willms‘ Woche: Kleines Thomas-Mann-Quiz

Er war nicht nur Nobelpreisträger, sondern hat mit »Die Buddenbrooks« und »Der Zauberberg« einige der bekanntesten deutschen Werke verfasst.

Anlässlich des 133. Geburtstages von Thomas Mann am 6. Juni 2008 haben diese Woche alle Fans des Schriftstellers die Gelegenheit, ihr Wissen bei einem kleinen Quiz unter Beweis zu stellen. Unter allen Teilnehmern, die uns die richtigen Antworten nennen können, verlosen wir drei Pakete mit literaturcafe.de-Tasse und einem Überraschungsbuch. Nachtrag: Einsendeschluss war der 7. Juni 2008, 18 Uhr.

Insgesamt müssen Sie die folgenden sechs Fragen beantworten.

Aufbau Verlag meldet Insolvenz an – aber doch ganz anders

Bücher des Aufbau VerlagsMeldungen, dass der Aufbau Verlag kurz vor der Insolvenz stehe, Insolvenz angemeldet habe oder insolvent sei, beachtet man fast gar nicht mehr. Dass es dem Verlag finanziell nicht gut geht, ist schließlich keine Neuigkeit mehr. Zuletzt ging das Gerücht vom Aufbau-Ende vor fast einem Jahr durch die Presse, als der Spiegel in seiner Ausgabe vom 2. Juli 2007 titelte: »Aufbau baut ab«.

Und heute nun tatsächlich eine Pressemeldung des Verlags mit dem Titel »Aufbau Verlag meldet Insolvenz an«. Also muss es stimmen. Verständlich, knapp und klar legt uns die Meldung die Sachverhalte dar:

Der bisherige Verleger der Aufbau Verlagsgruppe Bernd F. Lunkewitz hat heute im Namen des Verlages eine dpa-Meldung über die Insolvenz der Verlagsgruppe veranlasst. Die Geschäftsführung stellt anlässlich dieser nicht abgestimmten Meldung am heutigen Freitag einen Insolvenzantrag, da der Verleger damit deutlich gemacht hat, zu seinen Zusagen über eine Freistellung des Verlages von den Ansprüchen gegen die Treuhand sowie über die Finanzierung des Verlages nicht stehen zu wollen.

Die zwei Sätze klingen nach Juristen und nicht nach Literaten. Denn als Unbeteiligter versteht man nichts.

Folge 42: Pfarrer Menzel beschließt

Eines Morgens beschloss Pfarrer Menzel noch vor dem Frühstück für den so überraschend nun doch auch wieder nichtigen Fall eines plötzlich z.B. missionarsmäßig sich notwendig erweisenden Auslandsaufenthaltes sich eine Fremdsprache anzueignen. Die Entscheidung aber zwischen Mchedruli, Lallans, Bihari, Maurodarb, Wendagisch, Sargassisch, Ubychisch, Solonisch oder etwa Kumükisch, ja Kyp-tschakisch gar, geschweige denn Telugu oder Belgisch, war schlechterdings nicht zu fällen. Aufsprang da aber Pfarrer Menzel einer plötzlichen Eingebung folgend und fand in den Regalen der Gemeindebücherei versteckt das Universal-Sprachenlehrbuch seines bereits verstorbenen Amtsbruders Pfarrer Schleyer: »Söls palestimöl elilädob in gased zifa olsik das nedols konodelü sevöl pläbukamau flentänapuki.« Genau das war es! Die nach diesem Rezept angefertigten Ölknödel waren allerdings eine bitterherbe Enttäuschung.

Wolfgang Tischer liest »Der Spieler« von F. M. Dostojewskij in Karlsruhe

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Der Spieler von F. M. DostojewskijDer Inhaber und Herausgeber des literaturcafe.de, Wolfgang Tischer, liest am kommenden Samstag (31.05.2008) aus dem Roman »Der Spieler« von F. M. Dostojewskij. Die Lesung findet statt anlässlich der »Nacht des Glücks« im Badischen Landesmuseum, Karlsruhe.

Von 19 bis 1 Uhr kann man zudem die Glücksspiele Roulette, Black Jack und Poker ausprobieren, denn das Museum im Karlsruher Schloss verwandelt sich in dieser Nacht in einen Spielsalon, in dem die Spiele von Croupiers aus Baden-Baden erklärt werden. Zusätzlich gibt es Sonderführungen durch die Ausstellung »Volles Risiko«, die sich mit dem Glücksspiel von der Antike bis heute beschäftigt.

Dostojewskijs Werk über den tragischen Niedergang eines Spielsüchtigen wird in insgesamt 4 Abschnitten zu jeder vollen Stunde gelesen. Der erste Teil beginnt um 20 Uhr. Was in dieser »Nacht des Glücks« noch geboten ist, kann auf der Website des Badischen Landesmuseums nachgelesen werden.

Und wer am Samstag sein Glück nicht in Karlsruhe finden möchte, der kann die spezielle Hörversion des Spieleres auch im literaturcafe.de als MP3-Dateien herunterladen.

Folge 41: Pfarrer Menzel hat Bedenken

Pfarrer Menzels Beichtvater hielt es wenn überhaupt für eine lässliche Sünde, Aschermittwochs glücklich sich zu fühlen, denn nur er, Pfarrer Menzel, wisse ja mit Sicherheit zu sagen, ob dieses Glücksgefühl Ursach finde in sündhaften Erinnerungen oder mithilfe von Sack und Asche entstehe, und deswegen könne er, der Beichtvater, da nichts auftragsgemäß vergeben, sondern ihn, Pfarrer Menzel, allenfalls in sein, des Beichtvaters, allabend- und -morgendliches Gebet, Abteilung Fürbitten, einschließen. Pfarrer Menzels Bedenken gegen dieses sein Glücksgefühl werden damit aber nicht ausgeräumt.

Textkritik: apex – Lyrik

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Wohin die Stunden weichen
– ergeben keinen Sinn

Wenn Tag, dem Andren gleichen
in Nebel schmilzt,aus Stein dahin

Woran Minuten eichen;
dreht sich am Kern um Sinn
?

Im Hagel der Sekunden
– prallt schon, weit draußen hin
das klingt – was Trommeln gleichen –
nicht mehr, bis an uns in

hauchlos, strahl_ohne Wind
– wattiert

binn Zeit und Raum gekrümmt sind,
– taub, blind –
dreht ArmbandUhr,
mit mir, im wir
am Brennpunkt;

.. seiend Kind.

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Zusammenfassende Bewertung

Apex: Ist es der Sprengstoff Acetonperoxid? Die Zungenspitze? Die Zahnwurzelspitze? Wird hier gesprengt? Verkostet? Schmerzt etwas? Apex ist in jedem Fall ein komplexes, ein spannendes Gedicht, lässt viel Raum für Assoziationen, lädt ein zur Dekonstruktion – und tatsächlich gibt es viel zu entdecken! Einige Hinweise seien gegeben, die geneigte Leserin beiderlei Geschlechts möge selbst weiter suchen …

»Wer nicht denken will, fliegt raus [sich selbst]« soll Beuys 1977 Studenten in einer Vorlesung angedonnert haben, wurde mir mal anlässlich einer Ausstellung seiner Frühwerke erzählt (ich übernehme keine Gewähr für den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung!). Daran musste ich zunächst denken, als mich dieses Gedicht anschaute. Wörter sind da, aber sie geben zunächst wenig Sinn: was z. B. ist binn zu Beginn des vorletzten Abschnittes? Binnenschifffahrt, binnen dreier Tagen, ich bin, binär … das gibt alles keinen so rechten Sinn.
Die Sprache allein gibt also wenig her, die Kombination mancher Wörter zunächst auch nicht (bis an uns in). Auffallend aber sind die Reimwörter: weichen – gleichen – eichen – gleichen; Sinn – dahin – Sinn – hin (wobei die identischen Reime in meiner Aufzählung mal an zweiter und vierter, mal an erster und dritter Position stehen); Wind – sind – blind – Kind (hierbei stehen die großgeschriebenen an Position 1 und 4, die kleinen an 2 und 3) : Wir finden hier eine ähnliche Struktur, die streng wechselt. Der 5zeiligen Abschnitt beginnt mit besagtem binn, was wiederum ein Reimwort der ersten Gruppe (Sinn) ist und somit eine Verbindung schafft zu dem vers-abschließenden Wind. Es wäre ein 5tes Reimwort der Sinngruppe und steht zu Beginn des 5zeiligen Abschnitts, unterbricht gleichzeitig die letzte Reimgruppe (es gibt übrigens keine weiteres :in-Wort im Text, das ins Stammbuch derer, die das alles für Zufall halten).
Die ersten vier Abschnitte beginnen mit einem Großbuchstaben, der erste und dritte mit einem Fragewort (Wohin – Woran); das dazugehörige Fragezeichen bekommt eine eigene Zeile am Ende des dritten Abschnittes. Der zweite Abschnitt enthält in der Mitte ein Leerzeichen zuviel, beide Zeilen beginnen vorne; im vierten Abschnitt wird ein Leerzeichen durch einen Unterstrich ersetzt, beide Zeilen beginnen zurückgesetzt; Abschnitt 4 und 6 sind analog gebaut, was die Einrückungen betrifft (wenn man die die binn-Zeile mal nicht berücksichtigt, was man wegen ihrer Besonderheit ruhig einmal tun kann!).
4 Zeilen beginnen mit einem Gedankenstrich
Die beiden Abschnitte mit ungerader Zeilenzahl (3 und 5) enthalten identische Wörter: dreht und am sowie die inhaltlich verwandten am Kern und am Brennpunkt. Die Abschnitte mit gerader Versanzahl haben zusammen genauso viele wie die beiden anderen: nämlich 8.
Wir haben die Folge Stunden – Tag – Minuten – Sekunden, die so nicht logisch ist: auch hier ist eine Struktur unterbrochen.
Weiter: Die letzte Zeile fällt in jeder Beziehung aus dem Rahmen: Sie steht allein, ist weiter entfernt vom Seitenrand als die normale Einrückung, hat als einzige ein Partizip, das einen aktiv andauernden Zustand bezeichnet: seiend (im Gegensatz zu dem passiven Zustand gekrümmt sind.) Es scheint eine Art Resümee, eine Schlussfolgerung zu sein, eine Flucht, eine Hoffnung: Kind sein und bleiben. In diesem Gedicht schafft Sprache eine eigene, eine andre Wirklichkeit; man könnte auch sagen, die Sprache zerbricht an der Wirklichkeit. Oder: Was ist eigentlich Wirklichkeit?

Die Kritik im Einzelnen

Hier ist die einzige Stelle, die mir nicht behagen will – aber das ist wohl eher ein persönliches Problem: Das Gedicht wird mir hier zu bombastisch, zu gewaltig und damit zu flach! Krümmung von Zeit und Raum ist ein physikalisch notwendiges Phänomen, gleichzeitig aber außerhalb unseres Vorstellungsvermögens und damit Verständnisses. Damit sollte sich ein Gedicht nicht befassen, sowenig wie mit der Unendlichkeit, dem All, dem Nichts und dergleichen Wort-Ungetümen. zurück

Maltes Meinung: Raum für Assoziationen

Maltes MeinungWas macht ein gutes Gedicht aus? Eine Frage, dich nicht einfach zu beantworten ist. Ist das auch eine Geschmackssache? In seiner heutigen Textkritik zeigt Malte Bremer, dass ein gutes Gedicht auf jeden Fall viel Freiraum lassen und dem Leser Assoziationsmöglichkeiten bieten sollte. Und die handwerkliche Ausführung muss stimmen.

Zur aktuellen Textkritik von Malte Bremer »

Folge 40: Pfarrer Menzel feiert

Es ist Pfarrer Menzel ein großes Bedürfnis und eine große Freude, am Fasnachts-Dienstag als Papst sich zu kostümieren und inmitten der einfachen Menschenbrüder deren harmlosen Freuden und Vergnügungen sich hinzugeben getreu dem allerdings eigentlich ja nicht ganz christlichen, aber trotzdem Motto »Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein!«. Aschermittwochs darauf ist Pfarrer Menzel erfahrungsgemäß redlich erschöpft und ziemlich glücklich.