Zumindest in diesem einen Punkt lässt Pfarrer Menzel auf seinen abtrünnigen Amtsbruder Martin Luther aber auch gar nichts kommen.
Grimme Online Award für literaturport.de in der Kategorie »Kultur und Unterhaltung«
Beim Literarischen Colloquium Berlin und dem Brandenburgischen Literaturbüro können die Sektkorken knallen: Der Online-Literaturführer für Berlin und Brandenburg literaturport.de gewinnt in diesem Jahr den Grimme Online Award in der Rubrik »Kultur und Unterhaltung«. Der ebenfalls nominierte Lesesaal der FAZ ging leer aus. Obwohl der Literaturport keinesfalls eine sonderlich spektakuläre Website darstellt, ist die Auszeichnung der Berliner auch ein deutliches Signal an das Literaturarchiv in Marbach, dessen staatlich geförderte Literaturruine literaturportal.de daneben noch tiefer absackt.
Das Literarische Colloquium Berlin und das Brandenburgische Literaturbüro haben bewiesen, dass man mit weniger Mitteln ein besseres und jetzt auch ausgezeichnetes Literaturportal erstellen kann. Spätestens jetzt sollte darüber nachgedacht werden, ob es nicht zum neuen offiziellen bundesweiten Literaturportal ausgebaut werden sollte. Glückwunsch!
Überaus peinlich agierte dahingegen erneut das Adolf Grimme Institut.
Folge 50: Pfarrer Menzel wartet
Eigentlich wartet Pfarrer Menzel beständig, aber vergebens. Letzteres hat Ursprung oder Begründung insofern, als Pfarrer Menzel – obwohl er nicht weiß, worauf – durchaus den Eindruck hat, noch länger warten zu müssen, wohingegen Ersteres mangels Begründung und Ursprung eigentlich in jeder Beziehung blödsinnig ist, wäre da nicht die peinliche Parallele zu Jesus.
Thomas-Mann-Quiz: Die Auflösung der Fragen
Vor einer Woche konnten Thomas-Mann-Fans anlässlich seines 133. Geburtstages ihr Wissen rund um die Buddenbrooks und Co unter Beweis stellen. Insgesamt 6 Fragen galt es in »Willms‘ Woche« zu beantworten.
Nun dürfen sich 3 Gewinner auf ihre literaturcafe.de-Tasse und ein Überraschungsbuch freuen.
Allen anderen wollen wir die richtigen Lösungen auf unsere Quizfragen natürlich nicht schuldig bleiben. Hier sind nochmals die Fragen – und ihre Antworten.
Folge 49: Pfarrer Menzel träumt
Soweit Pfarrer Menzel sich erinnern kann, träumt er mit Vorliebe von überlebten Abstürzen bei gewagten Kletterpartien an Bergen. Aus seinem letzten Traum wusste er noch, wie er auf dem Rücken lag und mit blutrünstigem Antlitz zum grünen Deneb und in die ambrosisch schöne Nacht starrte. Der Berg, der ihn abgewiesen, war ihm Besieger und Stiefmutter zugleich und – aber das einzugestehen setzte Pfarrer Menzel erheblich zu – eine Art harter Gott in gnadenloser Schöne. Er selbst fühlte sich dann ebenfalls wie Besieger und Stiefmutter und harter Gott, war aber wie selbstverständlich bereit, sein Haupt vor dem Richterspruch des Waltenden zu neigen. Bei der Ausführung ging er zwar kurzfristig des ambrosisch grünen Deneb verlustig, aber nur, um gleichzeitig festzustellen, dass keine Lehre der Welt in der Lage war, ihm das Schwert der Tat aus der Hand zu schlagen. Erleichtert kehrte er die Neigerichtung um und tauchte blicklings in die feucht-weisen wissend-wässrigen Augen eines Riesenmops, weswegen Pfarrer Menzel dann doch noch schweißgebadet hochschreckte.
Willms‘ Woche: Eine Stimme für 6 Millionen
Am 15. April 1945 befreiten britische Truppen das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Für die meisten Gefangenen jedoch kam diese Hilfe zu spät. Auch Anne Frank und ihre Schwester Margot waren wenige Wochen vor der Rettung gestorben. Geschwächt durch die menschenunwürdigen Bedingungen im Lager und gezeichnet vom nationalsozialistischen Terror fielen die Mädchen im März 1945 einer schweren Typhus-Epidemie zum Opfer.
Annes Vater, Otto Frank, überlebte das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und veröffentlichte das mittlerweile weltberühmte Tagebuch seiner Tochter. Sie war nur 15 Jahre alt geworden.
Folge 48: Pfarrer Menzel hat einen Konflikt
Bei Durchsicht der Kollekte stieß Pfarrer Menzel aus völlig heiterem Himmel auf ein Bank-Deutscher-Länder-Fünfzig-Pfennig-Stück aus dem Jahre 1950 mit der Prägung L. Die Versuchung, dieses Unikat klammheimlich gegen einen ganz normalen Fünfziger auszutauschen und dann zu versilbern, war groß. Ob er es gewagt hat, entzieht sich unserer definitiven Kenntnis. Aber tags darauf blickte er immer wieder um sich wie einer, der einen Anschlag befürchtet. Außerdem nahm die nächste Sitzung bei seinem Beichtvater ungewöhnlich viel Zeit in Anspruch; offenbar wurden die beiden so leicht nun auch wieder nicht handelseinig!
Die LITERA in der Nachspielzeit: Geld für lesende Autoren
Eigentlich ist Österreich nur mehr mit der EM beschäftigt, in welcher Form auch immer. Die Literatur und die erste LITERA-Messe in Linz wurden schon fast wieder vergessen.
In meinem Bericht zur Literaturmesse hatte ich seinerzeit beanstandet, dass die Autoren von der Literaturmesse teilweise keine Bezahlung erhalten haben.
Heute nun eine gute Nachricht: Offenbar hat die Stadt Linz nachträglich einen Förderbeitrag für Autorenlesungen von 5.000 Euro bereitgestellt. Das zumindest teilt der Veranstalter der LITERA, die Linzer Kongressgesellschaft, in einer eMail an die Autoren mit.
Demnach erhalten Autoren für eine Lesung von maximal 30 Minuten 75 Euro. Wer eine »große Lesung« von maximal 1 Stunde gehalten hat, darf sich über 125 Euro freuen.
Dieser Schritt ist ein guter und richtiger hin zur langfristigen Etablierung der LITERA in Linz. Natürlich hoffe ich, dass die Honorare in Zukunft noch an die Empfehlung der IG Autoren angepasst werden können.
Cornelia Travnicek
Folge 47: Pfarrer Menzel musiziert
Einmal wurde Pfarrer Menzel schon in einer gutsortierten Musikalienhandlung entdeckt, wo er – allerdings vergeblich, sofern das korrekt wiedergegeben wurde – nach einem Wirbel für ein(e)(n) Soud(?) oder Zoub(?) verlangt haben soll, jedenfalls nach einem Ersatzteil für ein eindeutig heidnisches Instrument. Jedoch musiziert Pfarrer Menzel ausschließlich ganz privat und für sich und nur dann, wenn er vollständig allein ist. Er wird schon wissen warum.
Folge 46: Pfarrer Menzel schreibt
Altmodische Federkiele sind Pfarrer Menzels bevorzugte Schreibgeräte, auch wenn reines Eisengallus inzwischen schwer bekommbar ist. Sich gegen einen modernen Computer entschieden zu haben bereut er nicht mehr, nachdem auf der Festplatte seines protestantischen Amtsbruders ein schwarzes Loch sämtliche Predigten und Gemeindemitgliederdateien aufgefressen hat. Er jedoch fand seine Papiere immer wieder, manchmal, und das sei durchaus zugegeben, auch erst nach langwierigem und u. U. auch immer verzweifelterem Suchen. Gefressen aber sind sie noch nie worden!
Folge 45: Pfarrer Menzel zitiert
Bei einem der alljährlich notwendigen, aber einmaligen Frühjahrspütze fiel Pfarrer Menzel unverhofft des Konrektors i.R. Alfred Hunger Standardwerk »Vernachlässigte und vergessene Integrale. Eine Denkschrift zum 23. Jubiläum des Werther-Gymnasiums« in die Hände. Bereits die neugierig zufällig aufgeschlagenen Ausführungen über die Familie der archaischen Integrale schlugen Pfarrer Menzel so in ihren Bann, dass ein Fortschreiten des Frühjahrsputzes ernsthaft gefährdet schien, und tatsächlich kam er ja dann auch vollständig zum Erliegen. Vor allem das Kapitel über die memorablen Hyperbeln coelophober und -philer Heliographen (oder auch der – wie der Volksmund selbige so treffend nennt – entwurzelten Geographen) lernte er stante pede auswendig, um es immer bei sich und parat zu haben. Denn dieses Kapitel giebt ihm Kraft, und besonders zum Zwecke des Gottesbeweises zitiert er daraus gerne.
Folge 44: Pfarrer Menzel altert
Pfarrer Menzel machte der fortschreitende Alterungsprozess hin und wieder ganz schön zu schaffen; z. B. war es ihm manchmal, als sei er gestern erst zwölf gewesen oder auch vorgestern zweiundvierzig – und das zog ihn gewaltig runter. Wenn er aber in der Kirchengeschichte las von all den gestorbenen Gottvertretern wie Pius II oder Gregorius V oder in der Bibel von Lamech oder auch nur Henoch, dann machte das Mut und baute mächtig auf. So kommt eins zum andern!
Schwerpunkt »Blind sein – blind schreiben« in der aktuellen Federwelt
Eine tolle und informative Themen-Idee der Kolleginnen der »Federwelt«: Angeregt von einer Leser-Zuschrift widmet sich das Heft 70 der Zeitschrift für Autorinnen und Autoren dem Titelthema »Blind sein – blind schreiben« (Ausgabe Juni/Juli 2008).
Der sehenden Leserin und dem sehenden Leser wird das Thema im wahrsten Sinne des Wortes sehr plastisch nahegebracht, denn als Beikleber findet sich auf dem Heft eine Übersicht der Blinden-Schrift Braille. Hier kann man selbst ausprobieren, wie gut der eigene Tastsinn entwickelt ist und ob man die aus sechs Punkten zusammengesetzen Zeichen unter den Fingerspitzen erfühlen kann.
Neben einer allgemeinen Einführung in das Thema werden die unterschiedlichen Schreib- und Lesegeräte der Blinden vorgestellt, und man widmet sich dem literarischen Schreiben und wie das Nicht-Sehen die Sprache beeinflusst.
buecher.blog des Bayerischen Rundfunks von Rüdiger Dingemann
Werktäglich stellt Rüdiger Dingemann für perlentaucher.de u.a den Medienticker zusammen. Da Dingemann aus der Verlagswelt kommt, spielen Meldungen von dort eine wichtige Rolle.
Heute nun meldet der Ticker: »Auf br-online hat ein Buecher-Blog seine Seiten geoeffnet …«. Klickt man auf den Link zum Blog, so kommt einem der Blog-Autor sehr bekannt vor: es ist Rüdiger Dingemann!
So bloggt Rüdiger Dingemann nun für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und der hat mit Dingemann einen fachkundigen und engagierten Blogger zum Thema gefunden. Ein für die Kontinuität eines Blogs enorm wichtiger Faktor, denn Firmen und Unternehmensblogs existieren – entgegen der Aussagen mancher Berater – nur so lange, wie dahinter ein engagierter Autor steckt. Und Engagement lässt sich mit Geld nur bedingt kaufen.
Folge 43: Pfarrer Menzel giebt auf
Die in Pfarrer Schleyers Sprache gehaltene – von diesem im Übrigen selbst verfasste und von Pfarrer Menzel lediglich auswendig gelernte – Predigt am Sonntag darauf wurde wider Erwarten ein sensationeller Reinfall: Pfarrer Menzel wurde stehend ausgepfiffen, und erstmalig in der doch recht umfangreichen Kirchengeschichte endete eine Messe statt statutengemäß mit einer Für- mit einer zerknirschten Abbitte. Das Buch übrigens hat Pfarrer Menzel nie wieder angerührt. Das kommt davon.

