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Elke Heidenreich: »Ich bin über die Machenschaften der Deutschen Literaturgesellschaft empört«

Das Buch bei dem Elke Heidenreich angeblich als Herausgeberin auftritt, ist nun erhältlichOhne ihr Wissen veröffentlichte ein Zuschussverlag Texte von Elke Heidenreich in einem Buch, platzierte ein Foto von ihr formatfüllend auf dem Cover und machte sie zur Herausgeberin des schmalen Bändchens (wir berichteten).

Nun erreichte uns dazu eine Stellungnahme von Elke Heidenreich.

Sie schreibt uns:

»Ich bin über die Machenschaften der sogenannten Deutschen Literaturgesellschaft empört und habe damit nichts zu tun. Im Gegenteil, die Opfer solcher Zuschussverlage beklagen sich oft bei mir, dass sie sich betrogen fühlen.

Meine Verlage, werden juristische Schritte einleiten und prüfen, wie man gegen die Verwendung meines Photos und meiner Texte vorgehen kann.«

Wie es zu dieser merkwürdigen Buchveröffentlichung im Namen Elke Heidenreichs kommen konnte, das erläutern wir Ihnen in diesem Bericht »

Weniger illegal als erwartet: Texte von Elke Heidenreich erscheinen bei einem Zuschussverlag

Das Buch bei dem Elke Heidenreich angeblich als Herausgeberin auftritt, ist nun erhältlichUnlängst hatten wir berichtet, wie ein Zuschussverlag Elke Heidenreich ungefragt zur Herausgeberin eines seiner Bücher machte. Mit dem Namen der bekannten Buchkritikerin sollen offenbar zahlungswillige Buchautoren von der Seriosität des Verlages mit dem wohlklingenden Namen »Deutsche Literaturgesellschaft« überzeugt werden.

Unglaubliches ist passiert: Wir haben das Werk bei einer Online-Buchhandlung bestellt – und es liegt nun tatsächlich auf dem Redaktionsschreibtisch! Physikalisch zumindest ist es also keine Luftnummer.

Veröffentlicht Frau Heidenreich also doch Texte bei einem Zuschussverlag, der sich schon mal vom Autor eine Publikation für knapp 10.000,00 Euro bezahlen lässt und für bis zu drei Gedichte knapp 800,00 Euro an Autorenzuschuss verlangt?

Der große Sommer-Fotowettbewerb – 3 rote Rollkoffer gefüllt mit Büchern zu gewinnen

Lesen to go: Der Sommer-FotowettbewerbDer Deutsche Taschenbuch Verlag und das literaturcafe.de laden ein zum großen Sommer-Fotowettbewerb. Zu gewinnen gibt es 3 rote Rollkoffer gefüllt mit Büchern im Gesamtwert von 375 Euro.

Passend zur neuen handlichen dtv-Buchreihe »BOOKS TO GO« lautet das Motto des Wettbewerbs »Lesen to go«: Fotografieren Sie Menschen, die unterwegs ein Buch lesen – egal ob im Freibad, am Strand, in der U-Bahn, im Zug oder im Café, und schicken Sie uns das Foto digital über das Teilnahme-Formular. Einsendeschluss ist der 31. August 2009. Alles was Sie sonst noch wissen müssen und die genauen Teilnahmebedingungen finden Sie unter www.dtv-books-to-go.de.

Zum Hören unterwegs können Sie dort auch den Podcast zur 12-teiligen Buchreihe abonnieren mit je einem Ausschnitt aus den Büchern und persönlichen Anmerkungen u.a. von Uwe Timm, Maxim Biller, Alex Capus, Arno Geiger, Michael Köhlmeier und Ingo Schulze.

Hier klicken, mitmachen und reinhören unter www.dtv-books-to-go.de »

»Ich habe auch schon gehört, dass einem Autor für sein Buch keine Kosten entstehen sollen.« [Nachtrag]

Werbung der Deutschen Literaturgesellschaft für eine angebliche Gedichtsammlung mit einem Vorwort von Marcel Reich-RanickiManchmal sind wir Don Quichotte. Wir kämpfen gegen Windmühlen und wiederholen wie Gebetsmühlen: Firmen, die von Autoren Geld verlangen, sind keine Verlage im eigentlichen Sinne – auch wenn sie sich selbst so nennen. Es sind im besten Falle Dienstleister, im schlechtesten Abzocker. Es ist nicht die Art von Verlagen, deren Werke man gemeinhin in den Buchhandlungen findet.

Es ist der Normalfall im Buchhandel, dass der Verlag das wirtschaftliche Risiko einer Veröffentlichung trägt und dem Autor ein Honorar zahlt. Nochmals deutlicher: Ein Autor erhält Geld vom Verlag, nicht umgekehrt. Wir schreiben es hier, hier, hier und an vielen anderen Stellen.

Doch dann wieder ein Windmühlenschlag ins Gesicht: In einem Kommentar zu einem Beitrag heißt es völlig ironiefrei und ernst: »Ich habe auch schon gehört, dass einem Autor für sein Buch keine Kosten entstehen sollen.«

Uns steht der Mund offen, denn wir ahnen, wie viel Potenzial für »literarische Abzocker« weiterhin besteht.

Textkritik: Planloses Wörtergefuchtel

Maltes MeinungHandwerk will gelernt sein. Wer sich im eigenen Wohnzimmer eine Holzdecke dilettantisch über den Kopf nagelt, mag damit vielleicht noch die Verwandtschaft beeindrucken, doch spätestens der Fachmann schaut entsetzt, wenn breite Fugen klaffen und der Randabschluss nicht stimmt. Die Angst ist groß, dass einem alles auf den Kopf fallen könnte.

Schreiben ist auch Handwerk. Besonders bei Gedichten wird ein Mangel schnell offenbar. Da stimmen Reime, Bilder und Rhythmus nicht, da knirscht es im Gebälk und alles droht einem auf den Kopf zu fallen.

Und da reicht es nicht, wie im heute von Malte besprochenen Werk, eine pseudo-lyrische Sprache zu imitieren, um fehlendes Handwerk zu überspielen. Machen Sie einen Test: Lesen Sie das Gedicht einmal mit etwas übertriebenem Pathos laut vor. Sie werden sofort merken, wo die breiten Fugen klaffen.

Lesen Sie hier das Gedicht und Maltes Meinung »

Textkritik: Liebe und Liebelei – Lyrik

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Werbend sehen ihre weichen Augen
zu mir her, nur halb so alt
wie meine, ich ecke gar im Kreise an,
bin wie gebannt in lichtem Staunen.

Die Gefühle woll’n sich überschlagen,
ihre jung‘ Gestalt ist wie ein Reh grazil,
die Haut so zart, wie von einem Kind,
soll ich einfach Nein nur sagen?

Ihr Reden ist wie Sonnenstrahlen,
ich spüre, wie ich lebe,
wie ein lauer Sommerabend
streicheln ihre Hände.

Ihr Mund küsst wie Meereswellen,
mein Herz wiegt trunken hin und her,
nichts kann ich klar noch denken,
der Kopf ist völlig leer.

Ihr junges lachende Gesicht
verfolgt auf jedem Schritt und Tritt,
bin wie gefangen hinter Gittern –
doch mein Herz ereilt ein Zittern:

mit wahrer Liebe hat das alles nichts zu tun,
darüber find ich niemals Ruh‘,
es ist mein Herz zum Teilen nicht bereit:
die wahre Liebe mit der verführend Liebelei.

Nun der schnelle Herzensabschied naht,
zu Ende ist der Augen ständig Suche,
die Gefühle sind bald wieder kalt –
und mein Herz hat wieder Fried‘ und Ruhe.

© 2009 by Karl-Ulrich Zimmermann. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Planloses Wörtergefuchtel
Ein Hüpfen von Zeile zu Zeile, von Einfall zu Einfall und von Bild zu Bild macht noch lange kein Gedicht, da helfen auch altertümelnd gekürzte Wörter nichts – da fehlt es eben an schlicht und einfach an Arbeit!

Die Kritik im Einzelnen

Eiwei aber auch: Schon die erste »Strophe« knirscht und kracht prächtig – ja: Anführungszeichen: »Strophe« heißen bei Gedichten die Apparate, die gleich gebaut sind von Versmaß, Reimschema und Zeilenzahl. In diesem »Gedicht« stimmt lediglich die Anzahl der Zeilen, ansonsten ist alles voll total egal:
Mögen die beiden ersten Zeilen noch durchgehen, auch wenn mir weiche Augen nicht so sehr behagen – aber immerhin stabreimen sie mit werden -, wenn sie denn Vorgabe wären für die nächsten Zeilen, nämlich: fünffüßiger Trochäus mit klingendem, gefolgt von einem vierfüßigen mit stumpfen Ende. So könnte es weitergehen, man hat sich schließlich eingelesen.
Ja Pfeifendeckel! Die dritte Zeile hat freie Rhytmen, die vierte bietet vier Jamben. Und Reime? Gibt’s keine! Muss aber auch nicht seine!
Das zur Form. Was den Inhalt betrifft: Da wirbt ein Weib mit weichen Augen um ein doppelt so altes lyrisches Ich, das darob im Kreise aneckt: Ööh, was denn für ein Kreis? Erdenkreis? Feldenkreis? Oder gehört das weichäugige Weib zum Kreise seiner Liebsten immer schon? Oder eben nicht, und lyrisches Ich eckt wegen der Augenturtelei im Kreise seiner Liebsten an? Aber das kann nicht sein, es kriegt das gar nicht mit, denn es ist wie gebannt in lichtem Staunen – wer oder was immer da bewegungslos verharrt im schütteren Staunen (siehe: lichtes Haar), während es im Kreise gar aneckt (im Gegesatz zum rohen Anecken) oder aber sogar aneckt. Ich konstatiere: Die vernachlässigte äußere Form korelliert kongenial mit dem verkorksten Inhalt! zurück
Dass die erste Zeile dieses Abschnitts das gleiche Metrum hat wie die entsprechende des ersten, ist wohl eher dem Zufall zuzuschreiben, die anderen tun, was sie wollen. Und: 1 Reim wagt sich herfür: schlagen – sagen! Aber warum plötzlich ein Reim, warum so geizig? Was ist so besonders an diesem Abschnitt, dass ihn 1 Reim verpasst wird? Keinen blassen Schimmer.
Das Staunen wird zu Sich-überschlagen-wollende-Gefühle (das böse Freud’sche Überich hebt mahnend die Panzerfaust: wehe, wenn Du willst!), die jung’ Gestalt (warum um Himmelswillen wird hier das End-e abgewürgt, wo doch Metrum und Rhythmus keinerlei Rolle spielen?) ist selbstverständlich rehgrazil, und dass die Haut zart ist, sieht das lyrische Ich auf den ersten Blick, Kosmetikfachmann, der es ist; erfreulicherweise grabscht es nicht einfach drauflos, sondern überlegt sich, ob es Nein sagen soll zu den weichen Werbeaugen – wären da nicht Bannung und Gefühlsüberschläge … zurück
Dieser Abschnitt enthält die kürzesten Zeilen: Das bildet einen unfreiwillig-ironischen Kontrast zu Kitschgehalt; Reime fielen keine ein, fehlen also konsequenterweise wieder.
Sie redet unhörbar wie Sonnenstrahlen (klar: wenn das lyrische Ich – ab jetzt LI genannt – schon nichts sagt), woraufhin LI spürt, wie es lebt: »Wie lebst Du?« – »Och, im Bungalow, 12 Zimmer, 3 Bäder, 8 Küchen – so lala halt«. Und zu allem Überfluss fängt die rehgrazile Kindfrau jetzt auch noch an, das doppelt so alte LI zu streicheln … sanft wie ein lauer Sommerabend: das erste Bild, dem ich zustimmen könnte, wäre es nicht bereits so breitgetrampelt. zurück
Erneut wagt sich ein Reim hereim: her–leer. Inhaltlich eckt der Schmonzes weiter an: Wenn ein Mund wie Meereswellen küsst, dann ist das garantiert kein inniges Küssen, sondern ein immer wiederes(?): …1263, 1264, 1265, 1266 … also etwas für »Das Guiness Buch der Rekorde«. Erstaunlich: die Nackenmuskulatur der rehgrazilen Kindfrau! Doch bleiben wir im Bild: Das Küssen also geht rhythmisch vor und zurück – und sein Herz? Das wiegt hin und her; jedoch trunken – also arhythmisch (wie das Gedicht)! Wenn ich mir nun noch vorstelle, dass das doch recht schwere Herz plötzlich im Brustkorb hin- und herschlägt und diesen also tendenziell mitnimmt, was das für weiter oben für Koordinationsprobleme gäbe … Da möchte man doch glatt Mäuschen sein und die Treffer zählen!
Nun folgt – etwas spät – eine Erkenntnis, nämlich dass LI »nichts klar denken kann« (konnte es von Anfang an nicht!) – und warum? Weil der Kopf völlig leer ist! Wie kann der Kopf dann bitteschön denken, dass er völlig leer ist? zurück
Dieser Abschnitt präsentiert einen eimsamen Paarreim – hatten wir noch gar nicht (Gittern-zittern) – sowie grammtisch schräg ein junges lachende Gesicht. Spannend: Dieses dauerküssende Lachgesicht wird auf jedem Schritt und Tritt verfolgt! Von wem? Einem schlechten Gewissen, weil das alte LI nicht mitmacht, sondern sich nur beschwatzen, bestreicheln und beküssen lässt? Weil es eine Wette verloren hat? Weil es keinen Rekord aufstellen konnte? Wir werden es nie erfahren.
Das LI hingegen ist wie gefangen – aber nicht einfach nur irgendwie gefangen, sondern: wie gefangen hinter Gittern – also vom Gericht verurteilt und nun in der JVA; aber warum? Pädophilie? Unterlassene Hilfeleistung? Trunkenheit beim Küssen? Auch das werden wir nie erfahren!
Noch ist dieser Abschnitt nicht zuende, der mit einem Doppelpunkt enden wird: Das trunken hin- und herwiegende Herz, zudem mit dem gewöhnlichen Schlagen beschäftigt, ereilt nun noch ein Zittern; das kann von Rechts wegen nur eines bedeuten: Herzinfarkt! Schluss, aus, Amen! Doch es folgt der Doppelpunkt: Was will dies uns wohl sagen? Etwa die Moral von der Geschicht? zurück
Reim- und sinnlos diese Moral: Mit Käsekuchen hat das nichts zu tun, / deswegen aber will ich jetzt nicht ruhn, / ich bin, mein Herr, zum Teilen nicht bereit / den Käsekuchen schlag ich lieber breit.
Meine Variante hat die Vorteile eines klaren zwiefachen Paarreimes, eines durchgängig fünffüßigen Jambus’ sowie eines verständlichen Inhalts. Was aber hat die einseitige Anbaggerei einer rehläufigen Kindfrau mit Liebelei zu tun? Wieso findet LI darüber keine Ruh und nicht darunter oder deswegen und warum überhaupt? Wie kann ein Herz Liebe mit Liebelei teilen? Denn teilte ich meine Liebe mit einer anderen Person, würde ich diese ja ebenfalls lieben (und nicht liebeleien)!
Das krude & grause Fazit wurde gezogen – warum muss denn jetzt noch ein Abschnitt folgen? Was muss den jetzt noch an Ungereimtem losgelassen werden? zurück
Reimlos und schnell verabschiedet sich das Herz – Herzinfarkt, hab’s doch geahnt!
LI stellt fest, dass seine Augen nichts mehr suchen – dabei haben die die ganze Zeit überhaupt niemals nie nichts gesucht! Genausogut hätte da stehen können: zu Ende ist der Augen ständig pusten … das haben sie nämlich auch niemals nie nicht getan.
Die sich überschlagen habenden Gefühle sind bald wieder kalt: fein! Und? Weg mit der hitzigen Liebelei – es lebe die wahre kalte Liebe, die man ja nicht mit der Liebelei teilen will kann mag? Nun, jedem das seine, dem LI seine Kaltspeise.
Schon vergessen? Es ereignete sich ein Herzinfarkt! Und damit hoffentlich endgültigen Frieden und ewige Ruhe – und, bitte, bitte: keine Wiedergeburt! zurück

Wie schreibe ich ein Exposé? – Zu Besuch bei der Text-Manufaktur Leipzig

Text-Manufaktur LeipzigDas Manuskript ist fertig und es beginnt die Verlagssuche. Neben der Frage, an welche Verlage man den Text schicken sollte, steht die nach der Form an zweiter Stelle. Wie bringe ich den Lektor dazu, dass er mein Manuskript liest?

»Sie brauchen ein Anschreiben und ein aussagekräftiges Exposé« lautet der Ratschlag. Aber was steht im Anschreiben – und was genau ist ein (gutes) Exposé?

»Die Kunst des Exposés oder: Wie ködere ich Verlage?« lautete der Titel eines Seminars bei der Leipziger Text-Manufaktur, das sich genau diesen Fragen im Detail widmete.

Wut auf Weltbild: Entlassene Mitarbeiter machen ihrem Frust im Web Luft

WeltbildEs begann mit einer kurzen Mitteilung im Online-Branchenmagazin boersenblatt.net. Eine Mitteilung, wie sie in diesen Tagen so oder ähnlich leider oft zu lesen ist: »Das Unternehmen [Weltbild] stellt zum Ende des laufenden Geschäftsjahres am 30. Juni seine 258 Filialen auf ein stärker selbstbedienungsorientiertes Konzept um. Damit werden 322 der 1571 Stellen entfallen, teilte Weltbild mit.«

Erst kürzlich wurde eine Zerschlagung oder gar ein Verkauf der Verlagsgruppe in Erwägung gezogen. An der Augsburger Verlagsgruppe hält die katholische Kirche mit verschiedenen Diözesen einen großen Anteil. Zuletzt war zu lesen, dass am Stammsitz Augsburg bis zu 60 Stellen »auf der Kippe« stünden.

Die weitaus größere Entlassungswelle in den Filialen blieb jedoch nicht unkommentiert, und seit gestern machen sich offenbar viele Filialangestellte und Entlassene in den Kommentaren auf boersenblatt.net Luft. Und da geht es richtig zur Sache.

Hermann Mensing in Münster: Pop Life und die Revolution

Hermann Mensing in der ROSTA Buchhandlung, MünsterDer Autor Hermann Mensing ist weiterhin auf Lesetour mit seinem neuen Roman »Pop Life« (siehe Buchbesprechung). Unlängst war er in Gronau, Wien und Leipzig, jetzt hat er in Münster gelesen. Hier sein neuer Lese- und Reisebericht:

Als der Rosta Buchladen gegründet wurde, galt er als Keimzelle des akademischen Aufruhrs. Im Hinterzimmer mühte sich der revolutionäre Nachwuchs an den Kurbeln der Nudelmaschinen, um pro Matrize maximal 100 Abzüge der neuesten Pamphlete unter das Volk zu bringen. Man schaffte im Glauben, die Intelligenz Hand in Hand mit dem Proletariat zu einem demnächst zu feiernden Sieg führen zu können.

Und was da alles abgenudelt wurde!
Und wie gut diese Matrizen rochen, wenn man die Walze befeuchtete.
Manche wurde regelrecht high davon.

Die Revolution aber ließ auf sich warten und verzettelte sich.

Und noch ein neues Buchportal: lettra lebt!

lettra lebt!Die Behauptung, dass Bücher out sind und sie heute keiner mehr liest, scheint nicht zu stimmen. Zumindest die Zahl der neuen Bücher-Websites beweist offenbar das Gegenteil. Während man in Köln mehr schlecht als recht versucht, den Erfolg des Literaturfestivals lit.COLOGNE mit der Website litcolony.de fortzusetzen, ist nun ein weiteres Buchportal online. Mit lettra.tv lassen die Macher des gescheiterten Pay-TV-Kanals lettra diesen im Web wieder auferstehen. Wie Name und Herkunft vermuten lassen, setzt man dabei verstärkt auf Videos über Bücher und Autoren. Als Aufmacher zum Start wird Bestseller- und eMail-Roman-Autor Daniel Glattauer (»Alle sieben Wellen«) porträtiert.

Anders als bei litcolony.de, wo man den genialen PR-Coup, dass dort Elke Heidenreich ihre Sendung »Lesen« ins Web verlagerte, grandios versickern ließ und erst spät einen Podcat anbot, verbreitet man bei lettra.tv die Filme auch als Podcast und über YouTube.

Bislang sind im nicht sehr umfangreichen Video-Archiv überwiegend Beiträge aus der Pay-TV-Zeit zu sehen. Die aktuellen Videos haben eher privaten Charakter (»KossisWelt«).

Zum Handtuchtag: Christian Ulmen liest den Anhalter

Den Anhalter lesen oder hören - aber nur mit Handtuch!Dass Christian Ulmen gerne und vor allem gekonnt in die verschiedensten Rollen schlüpft, ist bekannt. Nun hat er sich an das »Allerheiligste« gewagt: Für den Hörverlag hat er »Per Anhalter durch die Galaxis« gelesen.  Seit März 2009 kommt diese Version von Douglas Adams‘ Kultbuch in einem kleinen schicken Klappkarton zu den Fans nach Hause. Verteilt auf 5 CDs lassen sich die rund sechs Stunden Hörbuch sowohl bequem im CD-Player anhören als auch relativ flott auf den iPod ziehen. Das Wiedereinsteigen in die Handlung nach Hörpausen ist durch die intelligente Unterteilung in jeweils etwa fünf Minuten lange Tracks kein Problem.

Worum geht’s eigentlich im »Anhalter« und wie liest Christian Ulmen?

Sprachkritik: Das Staunen der Wähler im Rahmen der Möglichkeiten

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Ich schwörs dir, Alder!Das Jahr 2009 ist wieder einmal ein sogenanntes »Superwahljahr«, in dem der Bürger im Laufe des Jahres so einiges wegwählen kann. Das beginnt am 7. Juni, an dem wir unbekanntere Menschen nach Straßburg wegwählen. Und da daran niemand großes Interesse hat, werden Europawahlen gerne terminlich mit Kommunalwahlen zusammengelegt, damit überhaupt jemand ins Wahllokal kommt. So auch in Baden-Württemberg, wo wir uns der Wahlkampfbroschüre der Freien Wähler aus der Doppelstadt Villingen-Schwenningen mit den Mitteln der Sprachkritik genähert haben. Denn auch Gebrauchstexte haben ein demokratisch verbürgtes Recht darauf, einmal besprochen zu werden – das Problem der politischen Sprache ist schließlich überall das gleiche.

Hermann Mensing in Gronau: Pop Life im Finanzzentrum

Pop Life schwimmt im GeldDer Autor Hermann Mensing ist weiterhin auf Lesetour mit seinem neuen Roman »Pop Life« (siehe Buchbesprechung). Unlängst war er in Wien und Leipzig, jetzt hat er im Münsterland gelesen. Hier sein neuer Reisebericht:

Mit der Schockstarre, die wechselweise tiefe Angst, Hoffnungslosigkeit und wieder unbändige Zuversicht generiert, fuhr ich mit einem Freund von Münster nach Gronau. Er wollte die Nebenstraßen und Wege kennenlernen, das kaum beschreibbare der münsterländischen Landschaft, das sanfte Grün, mein Westfalendschungel, das gewellte Land, die kleinen Buchenwälder, den blühenden Raps, die auf großen Strecken fast vollständige Abwesenheit unruhigen Verkehrs, das Leuchten des Löwenzahns auf Kuhweiden, die Ruhe, das Gleiten über schmale, oft kurvige Landwirtschaftswege, das Passieren der Dörfer und Bauernschaften, der Höfe, der schlaunschen Adelssitze, das alles kannte mein Freund nicht, obwohl er doch mittendrin geboren ist.

Urheberrecht: Warum die Naivität der Romanautoren für uns alle gefährlich werden kann

Stopp-SchildRomanautoren haben keine Ahnung vom Internet. Diese Behauptung ist gewagt. Aber nur wer solch unumstößliche Tatsachen in den Raum stellt, findet Gehör. Romanautoren haben viel mit Politikern gemeinsam. Auch von Günter Grass kann man sich vorstellen, dass er sich eMails und Websites lieber von seiner Sekretärin ausdrucken lässt, um die Texte zu lesen. Der Mann ist schließlich 82 Jahre alt. Doch auch Judith Hermann, die nicht einmal halb so alt ist, bekennt in einem Interview mit der ZEIT freimütig, dass das Internet nicht ihre Welt sei. »Ich habe erst seit diesem dritten Buch zu Hause einen Internetanschluss. Wenn die mediale Korrespondenz dieser Tage hier vorbei sein wird, schaffe ich ihn wieder ab«, sagt die Bestsellerautorin (»Sommerhaus, später«).

Viele Autoren haben eine Website. Aber gerade die etablierten Autoren lassen diese pflegen. Meist vom Verlag, der dann einen Buchtrailer oder tolle Flash-Animationen erstellen lässt, die dann wiederum in brancheninternen Wettbewerben als besonders innovativ ausgezeichnet werden.

Dabei müssten die Autoren nach »draußen«, ins Web, zu ihren Lesern gehen.

Grimme Online Award 2009: Drei literarische Websites nominiert

Grimme Online Award 2009Unter den insgesamt sieben Nominierungen des Grimme Online Award 2009 in der Rubrik »Kultur und Unterhaltung« befinden sich erfreulicherweise drei Websites zum Thema Literatur. Mit dem Grimm Online Award werden seit dem Jahr 2001 durch das Adolf-Grimme-Institut qualitativ hochwertige Websites ausgezeichnet.

Während man sich im letzten Jahr fragen konnte, was die damals nominierten literarischen Websites so besonders macht, fällt diesmal angenehm auf, dass die preisverdächtigen drei Literatur-Sites in der Tat neue und unkonventionelle Wege der Literaturvermittlung gehen.

Ebenfalls erfreulich: Alle drei nominierten Websites sind private Initiativen, gehören also weder zu einem Medienkonzern noch zu öffentlichen Einrichtungen.