StartseiteBachmannpreis 2026Brigitte Schwens-Harrant ist die beliebteste Bachmannpreis-Jurorin des Jahres 2026

Brigitte Schwens-Harrant ist die beliebteste Bachmannpreis-Jurorin des Jahres 2026

Brigitte Schwens-Harrant (Foto: Johannes Puch/ORF)
Brigitte Schwens-Harrant (Foto: Johannes Puch/ORF)

Brigitte Schwens-Harrant ist die beliebteste Bachmannpreis-Jurorin des Jahres 2026. Bei der Publikumsabstimmung auf literaturcafe.de setzte sie sich diesmal deutlich an die Spitze und verwies Laura de Weck auf den zweiten Platz. Vorjahressieger Thomas Strässle landet auf Platz 3. Schlusslicht der Abstimmung ist Mithu Sanyal – ganz knapp hinter dem scheidenden Jury-Vorsitzenden Klaus Kastberger.

Brigitte Schwens-Harrant ist Feuilletonchefin der österreichischen Wochenzeitung »Die Furche«. Sie organisiert und leitet diverse Literaturveranstaltungen und ist als Bachmann-Jurorin seit 2020 mit dabei. Bei der Publikumsabstimmung des literaturcafe.de ist sie zur beliebtesten Bachmannpreis-Jurorin des Jahres 2026 gewählt worden und gewinnt diesen Titel nach 2022 und 2024 nun zum dritten Mal. Im Vorjahr hatte sie den 2. Platz belegt.

Eine kleine Überraschung gibt es auf dem zweiten Platz: Laura de Weck, im Vorjahr noch auf Platz 4, rückt in der Publikumsgunst nach oben. Die Dramatikerin gehört der Jury seit 2024 an.

Vorjahressieger Thomas Strässle, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Zürich, belegt in diesem Jahr den 3. Platz.

Philipp Tingler, im Vorjahr noch Dritter, kommt diesmal auf Platz 4. Viele Begründungen attestieren ihm, in diesem Jahr gelassener aufgetreten zu sein.

Am unteren Ende der Publikumsgunst liegen in diesem Jahr Mara Delius (Platz 5), Klaus Kastberger (Platz 6) und Mithu Sanyal (Platz 7). Für den Jury-Vorsitzenden Kastberger, der 2015, 2016 und 2017 noch dreimal in Folge an der Spitze der Publikumsgunst stand, ist es zugleich das letzte Jahr in der Jury.

Genau am Text – und mit feinem Humor

Warum das Publikum Brigitte Schwens-Harrant zur besten Jurorin kürte, ist eindeutig. Das Publikum schätzt ihre sachliche, stets am Text orientierte Art, ihren Blick für das, was andere übersehen, und ihren feinen Humor. »Sie bringt oft Aspekte, die alle anderen übersehen haben. Vor allem begründet sie ihre Meinung immer nah am Text«, heißt es u. a. in den Begründungen.

Die Publikumsabstimmung zum besten Juror/zur besten Jurorin wurde vom literaturcafe.de 2014 zum ersten Mal durchgeführt. Die erste Preisträgerin war seinerzeit Daniela Strigl.

Das genaue Ergebnis in Zahlen wird wie immer nicht öffentlich bekannt gegeben.

Wie ebenfalls in den Vorjahren haben wir aus ausgewählten Kommentaren, die bei der Abstimmung eingegeben werden mussten, kleine Begründungen zusammengestellt. Wie in den Jahren zuvor gab es erfreulicherweise keinen Juror und keine Jurorin, der oder die gar keine Stimme erhielt. Wir danken allen, die an der Abstimmung teilgenommen und so großartige Begründungen geliefert haben!

Der Preis ist undatiert und wird am Bachmannpreis-Sonntag symbolisch überreicht.

1. Platz: Brigitte Schwens-Harrant

Vorjahresplatzierung: 2

Brigitte Schwens-Harrant mit Brigitte Schwens-Harrant-Ultra (unbedingt klicken, um zu vergrößern!)
Brigitte Schwens-Harrant mit Brigitte Schwens-Harrant-Ultra (unbedingt klicken, um zu vergrößern!)

Brigitte Schwens-Harrant argumentiert immer aus und mit dem Text und macht so ihre Urteile und Einschätzungen immer nachvollziehbar. Was sie aber besonders herausragen lässt, ist ihre unbedingte Zugewandtheit, den Texten, den Autor:innen gegenüber. Sie zeigt eine Offenheit und Neugier, die sie zu einer ganz besonderen Kritikerin macht. Gleichzeitig hat sie einen Witz und eine Schlagfertigkeit, die sie auch unfaire Anwürfe jederzeit souverän parieren lässt.

Brigitte Schwens-Harrants Bewertungen sind immer respektvoll, auch wenn sie einen Text kritisch sieht. Sobald sie am Wort ist, verstehe ich Textpassagen, die sich mir vorab noch nicht erschlossen haben, sehr schnell.

Kommentiert immer sachlich auf hohem Niveau, eröffnet neue Sichtweisen und ist nicht zuletzt sehr humorvoll, köstliche Kommentare auch den anderen Jurymitgliedern gegenüber, manchmal spitz, immer wertschätzend.

Sie ist immer äußerst kompetent, hat klare und gut nachvollziehbare Kriterien, ist stets fair und macht beim Hickhack der Jury nie mit. Außerdem hat sie auch Esprit und Humor. Sie wäre eine ideale Vorsitzende!

Immer fair, klug, informiert, dabei offen, bereit zuzuhören, witzig, hoch kompetent. Einfach nur Klasse.

2. Platz: Laura de Weck

Vorjahresplatzierung: 4

Laura de Weck (Foto: Johannes Puch/ORF)
Laura de Weck (Foto: Johannes Puch/ORF)

Laura de Weck hatte einen allzeit offenen und interessierten Blick für alle Erzählstimmen, die Geschichten und ihre Autor:innen. Ihrer konstruktiven Kritik war stets die tiefe Begeisterung für Literatur und Sprache anzumerken – und das Faible für starke erste Sätze teile ich. In den Diskussionen mit der restlichen Jury wusste sie sich zu behaupten und mit Standfestigkeit, Humor und Energie in den Austausch zu gehen.

Es ging ihr ausschließlich um die Texte, nie um die eigene Person oder den Effekt einer Äußerung. Sie argumentierte stets textnah und nachvollziehbar, empathisch und klug, und sie verhielt sich immer fair in der Diskussion. Ihre wertschätzende Art ist vorbildlich (und heutzutage fast politisch zu nennen) und ihre Begeisterung für Literatur wirkt ansteckend.

Sehr differenziert, klar und sprachlich anspruchsvoll. Nachvollziehbare, gut belegte Einschätzungen. Ehrlich, aber wertschätzend und nicht verletzend. Sehr sympathisch, humorvoll und ein Gewinn für die Runde.

Sie ist ernsthaft, aufrichtig und uneitel.

3. Platz: Thomas Strässle

Vorjahresplatzierung: 1

Thomas Strässle (Foto: Johannes Puch/ORF)
Thomas Strässle (Foto: Johannes Puch/ORF)

Hat einen ebenso unaufgeregten wie genauen Blick auf die Texte, schöpft aus seinem Bildungsfundus und bedient sich des literaturwissenschaftlichen Bestecks, ohne damit auch nur im Geringsten zu renommieren. Bleibt offen und wirklich neugierig. Lässt sich begeistern, hört zu, lässt Einwände gelten. Formuliert druckreif. Fantastisch sachlich und uneitel.

Er ist gründlich, objektiv und freundlich, entdeckt Zusammenhänge, die mir verschlossen blieben, hat spürbar großes literarisches Fachwissen und eine sehr gediegene Art, die Texte zu analysieren. Humor hat er auch! Es ist ein Vergnügen, seiner Expertise zuzuhören!

Er ist der ruhende Pol, seine Auswertungen sind stets fundiert, er hat eine angenehme Art, sie rüberzubringen, stellt sich nie in den Mittelpunkt, für mich, vor allem in diesem Bewerb, der bessere Juryvorsitzende, da er sich zurücknehmen kann.

Sehr souverän, sachlich, nie launisch, kompetent, wohlwollend.

4. Platz: Philipp Tingler

Vorjahresplatzierung: 3

Philipp Tingler (Foto: Johannes Puch/ORF)
Philipp Tingler (Foto: Johannes Puch/ORF)

Herr Tingler hat sich in den letzten Jahren immer mehr verbessert und erstaunt mich in diesem Jahr mit viel Gelassenheit, Klarheit, Fairness und Kompetenz.

Tingler hat sich von einer ziemlichen Nervensäge in den ersten Jahren – für mein Empfinden – zu einem unverzichtbaren, unerschrockenen Gegenpart zu viel zu häufigen Mainstream-Urteilen der Jury entwickelt. Und Tingler kann unglaublich gut sehr komplexe Qualitäten von Texten erkennen und diese auch ausgezeichnet erklären.

Er nimmt die Arbeit am Text sehr ernst; hat einen überraschenden (für mich als Literaturwissenschaftlerin), unorthodoxen Blick auf Literatur. Er riskiert, sich in der Gruppe und beim Publikum unbeliebt zu machen, tut es trotzdem, obwohl er darunter leidet.

Analysiert und argumentiert sehr präzise, sachlich und nachvollziehbar; weist immer wieder umfassend reflektiert, auch (konstruktiv) kritisch, auf neue und interessante Betrachtungsweisen hin. Seine besondere Stärke: der souveräne Umgang mit Seitenhieben und z. T. äußerst primitiven Übergriffen seitens seiner »Gegnerschaft« bei den Diskussionen. Tingler zeigt in jeder Hinsicht Stil.

5. Platz: Mara Delius

Vorjahresplatzierung: 5

Mara Delius (Foto: Johannes Puch/ORF)
Mara Delius (Foto: Johannes Puch/ORF)

Leise und feine Selbstironie auf der Grundlage hoher Sach- und Bewertungskompetenz, transparent und souverän vorgetragen. Stets um echten Diskurs bemüht: in der Lage, individuelle Beobachtungen während der und durch die Diskussionen zu modifizieren.

Bleibt immer ruhig und sachlich, gibt fundierte Erklärungen und anregende Gedanken ab und beteiligt sich an keinen persönlichen Streitereien der anderen, insbesondere männlichen, Juroren.

Bringt ihre Kritik auf den Punkt, oft mit wenigen, genauen Worten. Dabei immer mit Respekt vor Texten, Autor*innen und Juror*innen.

6. Platz: Klaus Kastberger

Vorjahresplatzierung: 7

Klaus Kastberger (Foto: Johannes Puch/ORF)
Klaus Kastberger (Foto: Johannes Puch/ORF)

Keiner sorgt so gelungen für historische und literaturgeschichtliche Einordnung. Wirkte in diesem Jahr lockerer als zuvor, fand immer die Balance aus abwägender Analyse und pointierter, angriffslustiger Formulierung.

Kompetent, geistreich, offen, zugewandt zu Autor*innen und Jurymitgliedern, souverän und durchaus selbstkritisch, humorvoll.

Seine exzentrische Begeisterung wird fehlen.

Hinweis: Im Podcast des literaturcafe.de können Sie ein ausführliches Interview mit Klaus Kastberger nach dem dritten Lesetag 2026 hören.

7. Platz: Mithu Sanyal

Vorjahresplatzierung: 6

Mithu Sanyal (Foto: Johannes Puch/ORF)
Mithu Sanyal (Foto: Johannes Puch/ORF)

Mithu Sanyal findet an Texten immer interessante Aspekte, auf die ich selber nie gekommen wäre, die ich aber durchaus einleuchtend finde. Sie bleibt fair, ihre Kritik ist durchweg konstruktiv, außerdem ist sie witzig und authentisch.

Die Mischung zwischen emotionaler Beteiligtheit und akademischer Prägnanz war hervorragend.

Interessante Aspekte und Sichtweisen, wägt ab, nimmt Argumente auf, lässt ausreden, unaufgeregt und präzise.

Das waren die Gewinner der Vorjahre:

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1 Kommentar

  1. Ich will auch so ein „Schwens-Harrant-Ultras“-T-Shirt haben! 😄

    Eine würdige Siegerin unter den Juroren, aber ich weiß nicht, ob ich sie mir als Jury-Vorsitzende wünsche. Klaus Kastberger scheint dieser Posten jedenfalls nicht gutgetan zu haben.

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