
Am 11. August 2026 wurde die Longlist des Deutschen Buchpreises 2026 veröffentlicht. 20 Romane stehen auf der Liste. Wer ist dabei und wer nicht? Wieviel Frauen, wieviel Männer? Wer stand schon einmal auf der Longlist? Wie groß ist der Altersunterschied zwischen den Nominierten? Welche Verlage sind dabei? Was hat sich im Vergleich zum Vorjahr verändert? Wir haben alle Daten und Fakten zusammengetragen, damit Sie mitreden können.
Weniger Einreichungen als im Vorjahr
106 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz reichten 180 Romane direkt zum Deutschen Buchpreis 2026 ein, 76 davon aus Deutschland, 14 aus der Schweiz, 16 aus Österreich. Dazu kamen einzelne Titel, die die Jury zusätzlich von sich aus anfordern konnte. Am Ende hatte die Jury mit ihrer Sprecherin Cornelia Geißler 205 Romane gesichtet.
»Das Vergangene ergründen, um Gegenwart zu verstehen – das findet sich in unserer Auswahl der Romane des Jahres 2026 auf ganz unterschiedliche Weisen«, sagt Jury-Sprecherin Cornelia Geißler.
Im Vorjahr war die Zahl größer: 124 Verlage reichten 200 Romane ein, aus einer Empfehlungsliste mit 125 weiteren Titeln forderte die Jury zusätzliche Werke an und kam am Ende auf 229 gesichtete Romane. Das sind 18 Verlage und 20 eingereichte Titel weniger als im Vorjahr. Mit 106 beteiligten Verlagen liegt das laufende Buchpreisjahr wieder auf dem Niveau von 2024, als ebenfalls 106 Verlage einreichten und die Jury 197 Romane in der Auswahl hatte.
Drei Autorinnen und Autoren standen schon einmal auf der Longlist
17 der 20 Nominierten stehen zum ersten Mal auf einer Buchpreis-Longlist, teilte der Börsenverein mit. Shida Bazyar war 2021 mit »Drei Kameradinnen« bereits nominiert, Ingo Schulze stand 2008 mit »Adam und Evelyn« auf der Shortlist und 2017 mit »Peter Holtz« auf der Longlist, Heinz Strunk schaffte es 2021 mit »Es ist immer so schön mit dir« und 2022 mit »Ein Sommer in Niendorf« jeweils auf die Longlist, erreichte aber nie die Shortlist.
Im Vergleich dazu sah die Vorjahresliste anders aus. 2025 waren sieben der zwanzig Nominierten bereits mit früheren Büchern vertreten gewesen, darunter Michael Köhlmeier, Jonas Lüscher, Dorothee Elmiger, Marko Dinić, Peter Wawerzinek, Feridun Zaimoglu und Thomas Melle. Der Anteil der Erstnominierten stieg damit von 65 auf 85 Prozent.
Debüt mit 59 Jahren
Blickt man auf die Geburtsjahre der 20 Nominierten, ergibt sich folgendes Bild: drei Nominierte sind in den 1960er-Jahren geboren (Schulze und Strunk 1962, Miriam Carbe 1967), vier in den 1970ern (Tomer Gardi, Svenja Leiber, Peggy Mädler, Giuliano Musio), sechs in den 1980ern (Lilli Tollkien, Yade Yasemin Önder, Valeria Gordeev, Karosh Taha, Franziska Gänsler, Shida Bazyar) und sieben in den 1990ern (Alisha Gamisch, Helene Bukowski, Muri Darida, Leh-Wei Liao, Elias Hirschl, Lukas Rietzschel, Dana Vowinckel). Das Durchschnittsalter liegt bei rund 43 Jahren, der Median – weniger von den beiden ältesten Teilnehmern verzerrt – bei etwa 40 (Hinweis: Die Angaben beruhen auf den in Verlagsbiografien genannten Geburtsjahren. Je nach Geburtsmonat kann das tatsächliche Alter um eins abweichen).
Miriam Carbe, Jahrgang 1967, legt mit »Unerwünschte Töchter« mit 59 Jahren ihren ersten Roman vor – nach eigener Aussage aus Familientagebüchern entstanden, die bis ins Jahr 1908 zurückreichen. Unter den sechs Debütromanen der Longlist finden sich damit Autorinnen und ein Autor im Alter zwischen 33 und 59 Jahren: neben Carbe noch Valeria Gordeev (40), Lilli Tollkien (46), Alisha Gamisch (36), Leh-Wei Liao (33) und Muri Darida (33). Von einer reinen »Nachwuchskategorie« kann bei den Debüts also nicht die Rede sein.
hr-Literaturexperte Alf Mentzer beschrieb die diesjährige Auswahl gegenüber der hessenschau als »weiblich, jung, multikulturell« – ein Trend, der sich seiner Einschätzung nach seit einigen Jahren fortsetze.
13 Frauen, 7 Männer
Von den zwanzig nominierten Personen sind 13 Frauen und 7 Männer. 2025 lag das Verhältnis bei zwölf zu acht.
Die meisten Titel stammen aus Verlagsgruppen
Die Verlage der zwanzig nominierten Titel zeigen keine Verschiebung zugunsten kleiner Häuser, wie sie an anderer Stelle vorab verbreitet wurde. 14 der 20 Titel erscheinen bei Imprints der großen Verlagsgruppen: Kiepenheuer & Witsch und dessen Imprint Galiani gehören ebenso wie S. Fischer und Rowohlt zur Verlagsgruppe Holtzbrinck und kommen zusammen auf fünf Titel, Claassen und park x ullstein aus den Ullstein Buchverlagen (Bonnier-Gruppe) auf zwei, der Hanser Verlag und Paul Zsolnay Verlag aus der Hanser-Gruppe auf zwei, Suhrkamp ebenfalls auf zwei, dtv auf zwei und Luchterhand aus der Verlagsgruppe Random House auf einen. Die verbleibenden sechs Titel stammen von unabhängigen oder mittelständischen Häusern: Voland & Quist, Kein & Aber, Tropen (Klett-Cotta), Luftschacht, DuMont und Aufbau.
Von wann sind die zwanzig Titel?
Der älteste Titel der Longlist ist Elias Hirschls »Schleifen«, erschienen im Januar 2026 bei Zsolnay. Der neueste ist Shida Bazyars Roman »Die Lücken«, der erst im September 2026 bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen wird – wenige Tage vor der Bekanntgabe der Shortlist am 8. September.
Elf der zwanzig Titel erschienen im ersten Halbjahr 2026: einer im Januar (Hirschl), fünf im Februar (Bukowski, Gardi, Leiber, Mädler, Önder), vier im März (Darida, Gamisch, Rietzschel, Tollkien) und einer im Mai (Carbe). Die restlichen neun verteilen sich auf die zweite Jahreshälfte: ein Titel im Juli (Strunk), fünf im August (Gänsler, Gordeev, Liao, Schulze, Taha) und drei im September (Bazyar, Musio, Vowinckel). Karosh Tahas »Gulistan« erschien pünktlich zur Longlist am 11. August 2026.
Wieder keine Wahl: Wer auf der Liste fehlt
Mehrere Autoren, die bereits für den Deutschen Buchpreis nominiert waren oder ihn gewonnen haben, veröffentlichten im relevanten Zeitraum neue Titel, stehen aber nicht auf der Longlist 2026. Robert Menasse, der den Deutschen Buchpreis 2017 für »Die Hauptstadt« erhielt, veröffentlichte am 18. Februar 2026 bei Suhrkamp die Novelle »Die Lebensentscheidung«. Maxim Biller, 2018 mit »Sechs Koffer« auf der Shortlist, legt am 3. September 2026 bei Kiepenheuer & Witsch den Roman »Schwarze Samstage« vor. Stephan Thome, 2009 mit »Grenzgang« und 2012 mit »Fliehkräfte« ebenfalls auf der Shortlist, veröffentlichte am 20. Juli 2026 bei Suhrkamp »Besser als nie«. Alle drei Titel sind nicht auf der Longlist.
Auch eine Umfrage, die der Börsenblatt-Verlag am 10. August 2026 auf seiner Website und in sozialen Netzwerken durchführte, deckte sich nur teilweise mit der Auswahl der Jury. Von den zehn am häufigsten genannten Titeln stehen drei auf der Longlist: »Nelka« von Svenja Leiber, »Sanditz« von Lukas Rietzschel und »Unerwünschte Töchter« von Miriam Carbe. Sieben genannte Titel fehlen, darunter Norbert Gstreins »Im ersten Licht« (Hanser) und Elena Fischers »Wirf einen Schatten« (Diogenes).
Wieder nicht auf der Liste steht Caroline Wahl. Nach der Longlist 2024 hatte sich die Autorin auf Instagram öffentlich dazu geäußert: Sie habe gehofft, auf der Liste zu stehen, und es habe wehgetan, als kein Anruf kam. Mit »Die Assistentin« stand sie jedoch 2025 wieder nicht auf der Liste. Ihr neuer Roman »1999 Meter über dem Meer« erscheint am 28. August 2026 bei Rowohlt und fällt damit noch in den Einreichungszeitraum für 2026 – auf der Longlist findet er sich jedoch erneut nicht.
Die zwanzig Titel der Longlist im Überblick
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| Autor/-in | Titel | Verlag | Erscheinungstermin | Geburtsjahr |
|---|---|---|---|---|
| Shida Bazyar | Die Lücken | Kiepenheuer & Witsch | September 2026 | 1988 |
| Helene Bukowski | Wer möchte nicht im Leben bleiben | claassen | Februar 2026 | 1993 |
| Miriam Carbe | Unerwünschte Töchter | Carl Hanser Verlag | Mai 2026 | 1967 |
| Muri Darida | King Cobra | dtv | März 2026 | 1993 |
| Alisha Gamisch | Parasiti | Voland & Quist | März 2026 | 1990 |
| Franziska Gänsler | Orca | Kein & Aber | August 2026 | 1987 |
| Tomer Gardi | Liefern | Tropen Verlag | Februar 2026 | 1974 |
| Valeria Gordeev | Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle | S. Fischer Verlag | August 2026 | 1986 |
| Elias Hirschl | Schleifen | Paul Zsolnay Verlag | Januar 2026 | 1994 |
| Svenja Leiber | Nelka | Suhrkamp Verlag | Februar 2026 | 1975 |
| Leh-Wei Liao | Glaszeit | Luchterhand Literaturverlag | August 2026 | 1993 |
| Peggy Mädler | Selbstregulierung des Herzens | Verlag Galiani Berlin | Februar 2026 | 1976 |
| Giuliano Musio | Aus anderem Holz | Luftschacht Verlag | September 2026 | 1977 |
| Yade Yasemin Önder | Anti Müller | park x ullstein | Februar 2026 | 1985 |
| Lukas Rietzschel | Sanditz | dtv | März 2026 | 1994 |
| Ingo Schulze | Das Wasser im August | S. Fischer Verlag | August 2026 | 1962 |
| Heinz Strunk | Memories of Heidelberg | Rowohlt Verlag | Juli 2026 | 1962 |
| Karosh Taha | Gulistan | DuMont Buchverlag | August 2026 | 1987 |
| Lilli Tollkien | Mit beiden Händen den Himmel stützen | Aufbau Verlage | März 2026 | 1980 |
| Dana Vowinckel | Anton und Alma | Suhrkamp Verlag | September 2026 | 1996 |
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Am 8. September 2026 gibt die Jury dann die Shortlist bekannt. Von den 20 Titeln bleiben dann sechs übrig. Am 5. Oktober 2026 wird bei der traditionellen Zeremonie in der Woche der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers die Gewinnerin oder der Gewinner bekannt gegeben. Im Vorjahr gewann Dorothee Elmiger mit »Die Holländerinnen« den Deutschen Buchpreis.
Wolfgang Tischer


Die Tabelle sieht grottig aus – der Titel ist nicht lesbar (Google Chrome, Edge & FireFox, Windows 11)
Danke für den Hinweis. Da ging die komplette Formatierung beim Speichern verloren. Jetzt sollte die Tabelle besser aussehen.