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Bei vier Jahren Buchmesse-Podcast entwickeln sich Traditionen, und ein Gespräch mit ihm gehört einfach dazu: Roger Willemsen (siehe und höre 2005, 2006 und 2007). Läuft man mit diesem Mann über die Buchmesse, dann kennt ihn jeder und vor allen Dingen er scheint alle zu kennen. Natürlich sprechen ihn auch viele Autoren an und wollen ihm Manuskripte zur Begutachtung zusenden. Wie geht Willemsen damit um? Und dann war da noch eine junge Autorin, da sorgte in diesem Jahr nicht nur ein Willemsen-Zitat auf der Rückseite ihres Buches für viel Wirbel.
Roger Willemsen selbst bringt jedes Jahr mindestens ein eigenes Buch oder Buchprojekt heraus. Diesmal ist es »Der Knacks«, ein Essay über die kleinen, zunächst vielleicht unmerklichen Veränderungen im Leben, nach denen alles anders ist als zuvor. Aber das kann Roger Willemsen im Interview natürlich besser erklären. Hier klicken und den vollständigen Text lesen »
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Eine Kontaktanzeige würde jener aus der Zeit verrutschte Großbürger aus Martin Suters Roman »Der letzte Weynfeldt« nie aufgeben. Selbst der Autor, lange Jahre als Werbetexter erfolgreich, scheitert an dessem komplexen Charakter. Literarisch hat sich Suter so aus der Affäre gezogen, dass er Perspektivwechsel einbaut und seinen Figuren auch das gewisse Geheimnis belässt.
Dass sich ein Luxusweibchen zur gefälligen Partnerin entwickelt, wirkt nicht nur konstruiert, sondern ist es auch. Der Autor folgt beim Schreiben einem peniblen Plan. Die dazu gehörigen Recherchen im Schweizer Kunstmetier gingen diesmal leichter voran als erwartet, auch weil Suter in diesem vermutlich verschwiegenen Kreis über beste Kontakte verfügt. Nur bei einer Sache erlaubte sich Suter Nachlässigkeit: Die im Roman angepriesene Website des Auktionshauses »Murphys« gibt es nicht.
Martin Suter: Der letzte Weynfeldt. Broschiert. 2009. Diogenes. ISBN/EAN: 9783257239331. EUR 7,90 (Bestellen bei Amazon.de)
Martin Suter: Der letzte Weynfeldt. Gebundene Ausgabe. 2008. Diogenes. ISBN/EAN: 9783257066302. EUR 4,68 (Bestellen bei Amazon.de)
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Er hat Filmgeschichte geschrieben, einen Oscar gewonnen, und vor allen Dingen immer wieder Bücher in Drehbücher und hervorragende Filme umgesetzt. Dabei hat er mit Autoren wie Heinrich Böll, Günter Grass, Max Frisch oder Arthur Miller direkt zusammengearbeitet. Der Filmregisseur Volker Schlöndorff spricht sympathisch und bescheiden sogar von Demut, die man haben muss, um den Geist eines Buches wirklich zu verstehen und daraus einen guten Film zu machen. Aber was ist eine gute Literaturverfilmung? Wie bei Theaterstücken würde sich Schlöndorff auch bei Büchern viel mehr filmische Inszenierungen und Interpretationen unterschiedlicher Regisseure wünschen.
Schlöndorff wollte in vielen Filmen nicht nur mit dem Inhalt eine Diskussion anregen, sondern setzte dosiert auch immer wieder Ekelszenen ein, man denke an die vollgekotzte Toilette bei »Katharina Blum« oder natürlich die Szene mit den Aalen und dem Pferdekopf in »Die Blechtrommel«. Da drängt sich am Schluss des Gesprächs natürlich die Frage auf, was Schlöndorff von Charlotte Roches »Feuchtgebiete« hält.
Volker Schlöndorff: Licht, Schatten und Bewegung: Mein Leben und meine Filme. Gebundene Ausgabe. 2008. Hanser Belletristik. ISBN/EAN: 9783446230828. EUR 24,90 (Bestellen bei Amazon.de)
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Reicht ein guter Buchtitel, damit sich ein Buch verkauft? Wenn das der Fall wäre, meint Sascha Lobo vor dem Interview, dann hätten die Seiten unseres Buches leer sein müssen. Doch genial ist der Titel schon: »Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin«. Wer wünscht sich das nicht?
Ohne Frage wäre ein Buch mit dem Wort »Prokrastination« im Titel problematischer geworden. Doch darum geht es: um das ständige Aufschieben selbst wichtiger Aufgaben. Man lebt permanent mit dem Druck, dass man eigentlich gerade etwas Wichtigeres und Dringenderes tun sollte. Man geht trotz Vertrag nicht ins teure Fitnessstudio und lässt selbst wichtige Briefe tage- und wochenlang ungeöffnet. Hier klicken und den vollständigen Text lesen »
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Reicht ein prominenter Name, um ein Buch zu veröffentlichen? »Nein«, sagt der Comedian Ralf Schmitz. »Man hat vielleicht ein paar Vorschusslorbeeren, aber ich glaube nicht, dass man die Leute austricksen kann.«
Der Buchtitel »Schmitz’ Katze« ist dabei nicht nur ein Wort, sondern Schmitz schreibt tatsächlich über seine Katze Minka (23), mit der er seit 22 Jahren zusammenlebt. Für Katzen ein biblisches Alter.
Schmitz gibt aus eigener Erfahrung Tipps für den Umgang mit Katzen und möchte die Leute »bedingungslos« dazu animieren, sich selbst so ein Wesen anzuschaffen. Aber bitte aus dem Tierheim und nicht unbedingt vom Züchter. Und so süß junge Katzen sein mögen: Man sollte sich bewusst sein, dass sie viel mehr Aufmerksamkeit und Erziehung benötigen als ältere.
Zum Glück wird das Gespräch nicht durch einen Bombenalarm unterbrochen, weil aber hören Sie einfach selbst.
Ralf Schmitz: Schmitz' Katze: Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal. Broschiert. 2008. Fischer Taschenbuch Verlag GmbH. ISBN/EAN: 9783596179787. EUR 8,95 (Bestellen bei Amazon.de)
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Peter Härtling hat die persönliche Beziehung zwischen ihm und seinem Enkel in einem Roman verarbeitet. Es ist eine bewegende Geschichte von Verletzung und Depression, die Härtling nicht als Autobiographie offen legen konnte, aber dennoch niederschreiben musste. Wir wollten von ihm wissen, wie es nun für ihn ist, in Interviews und Lesungen über diese Geschichte zu sprechen. Auf diese Weise erfuhren wir, dass das Sprechen zu einem bedeutenden Teil des Schreibprozesses werden kann.
Härtling hat ein Buch verfasst für Menschen, die leidlich spüren, dass das Alter ihnen Mühe macht. Allerdings hat sein Buch nichts vom Nachtrauern eines Roth’, Karaseks oder Márquez’ nach Jugend und Begehrlichkeit. Im Gegenteil: Härtling will mit seinem Roman das Angebot machen, sich selbst neu zu erfinden, um wieder zu sich zu kommen. Den besten Beweis, dass Anfänge auch mit bald 75 noch gelingen, liefert Härtlings ansteckendes Lachen.
Peter Härtling: O'Bär an Enkel Samuel: Eine Erzählung mit fünf Briefen. Gebundene Ausgabe. 2008. Kiepenheuer & Witsch. ISBN/EAN: 9783462040609. EUR 14,95 (Bestellen bei Amazon.de)
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Für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ist »Der Schatten der Tiere« von Mathias Gatza der beste Debütroman dieses Herbstes. Eigentlich, so mag man denken, ist dies kein Wunder, denn dessen Autor war selbst mehrere Jahre als Lektor und Verleger eines kleinen Verlages tätig. Da sollte er wissen, was die Leser wollen und was Verlage schätzen.
Doch Gatzas Roman ist kein gefälliges Werk und führt die Hauptfiguren und den Leser gleichermaßen in einen Rausch. Was ist noch real? Was ist Einbildung?
Wie schon Michael Köhlmeier in »Abendland« lässt Gatza einen Literaten und einen Mathematiker aufeinandertreffen, und es scheint, dass diese Konstellation nicht nur zu intensiven Romanen führt, sondern auch zu ebenso intensiven Gesprächen im Buchmesse-Podcast.
Mathias Gatza: Der Schatten der Tiere. Taschenbuch. 2010. rororo. ISBN/EAN: 9783499246661. EUR 9,95 (Bestellen bei Amazon.de)
Mathias Gatza: Der Schatten der Tiere. Gebundene Ausgabe. 2008. rowohlt. ISBN/EAN: 9783498025106. EUR 19,90 (Bestellen bei Amazon.de)
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Der Mann wüsste sogar, wie Homer seine Zahnpastatube ausdrücken würde. Raoul Schrott hat drei Jahre hinter sich, in denen er den Dichter und (mutmaßlichen) Schöpfer der »Ilias« in- und auswendig kennenlernte.
Während seiner Lektüre bemerkte der Literaturwissenschaftler, um wie viel emotionaler Homers Werk ist, als es die bisherigen Übersetzungen erfasst hatten. Wie würde Homer wohl, lebte er denn als gefriergetrockneter Poet wieder auf, heute seine »Ilias« niederschreiben? Mit dieser Frage im Kopf las Schrott mehr aus den 24 Gesängen heraus als den bloßen »Zorn des Achilleús« – bei ihm durchlebt der antike Held Bitternis, Groll, Wut, Hass, Beleidigtsein.
Homer, Raoul Schrott: Ilias. Gebundene Ausgabe. 2008. Hanser Belletristik. ISBN/EAN: 9783446230460. EUR 34,90 (Bestellen bei Amazon.de)
Raoul Schrott: Homers Heimat. Der Kampf um Troia und seine realen Hintergründe. Gebundene Ausgabe. 2008. Hanser Belletristik. ISBN/EAN: 9783446230231. EUR 24,90 (Bestellen bei Amazon.de)
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Mit Ingrid Pfeiffer könnte man ewig schnacken. Natürlich zunächst mal über ihre Bücher. »Die Köchin oder …« sind spannende Krimis, aber es ist auch die Geschichte der Moorkolonisten, also jener Menschen, die vor 200 Jahren im Teufelsmoor bei Worpswede wohnten, damals eine reichlich unwirtliche Gegend. Zur trendigen Künsterkolonie sollte der Landstrich erst sehr viel später werden. Doch obwohl das Leben dort alles andere als leicht ist, verlässt die Köchin Line ihren Arbeitsplatz bei einem reichen Bremer Kaufmannshaus, um ihrem Herzen und der Liebe ins Moor zu folgen. Und wer über eine Köchin schreibt, der muss auch die damaligen Rezepte erwähnen und im Anhang aufnehmen.
Und dann ist da noch das zweite Leben der Ingrid Pfeiffer: im Hauptberuf ist sie Trauerrednerin. Wie kommt man zu diesem Beruf? Und was kann sie von den Erfahrungen dort in ihren Büchern verwenden? Hier klicken und den vollständigen Text lesen »
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»Gott sei Dank habe ich das nicht gelesen!« Anja Jardine kann sich herrlich darüber amüsieren, wie viel Bedeutung Kritiker in ihre Erzählungen legen. Unser Gespräch beginnt mit dem Unterschied zwischen journalistischem und literarischem Schreiben. Recht bald aber entwickelt es sich zum trefflichen Beispiel dafür, wie weit doch die jeweiligen Interpretationen von Autor und Leser auseinanderklaffen können. Beispiel: Nix von wegen Sehnsuchts-Motiv – der vom Himmel herabstürzende Mond ist einfach nur ein absurdes Bild, das sich bei Turbulenzen in einem Flugzeug ergibt. Ein Glück, dass sich die Journalistin zur Veröffentlichung ihrer elf Erzählungen durchrang. Zu Unrecht war sie lange Jahre unsicher gewesen, ob ihre Geschichten überhaupt für andere Menschen interessant sein könnten.
Anja Jardine: Als der Mond vom Himmel fiel. Gebundene Ausgabe. 2008. Kein & Aber. ISBN/EAN: 9783036955186. EUR 18,90 (Bestellen bei Amazon.de)
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