Lukas Bärfuss im Interview: Hundert Tage – Buchmesse-Podcast 2008

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Lukas Bärfuss: Hundert TageMit Lukas Bärfuss treffen wir uns in einem Restaurant außerhalb der Messehallen. Dadurch geriet das Interview zu einem der schwierigsten während der gesamten Messe, denn während des Gesprächs wurden die Nudeln aufgetischt und dampften dem hungrigen Dramaturgen stetig in die Nase. Dem ungeachtet reflektiert Bärfuss scharfsinnig und differenziert über die Notwendigkeit, mehr engagierte Literatur zu wagen. Intellektuelle, ob Schweizer oder nicht, tragen eine Verantwortung, und die heißt: nicht zu schweigen. Wie um diesen Anspruch selbst einzulösen, schrieb Bärfuss seinen ersten Roman über den Genozid in Ruanda. Das reale Grauen, dem an hundert Tagen im Frühjahr 1994 jeder siebte Bewohner des afrikanischen Staates zum Opfer fiel, ereignete sich vor den Augen der Vereinten Nationen.

Bärfuss führt an der Figur des jungen Schweizer Entwicklungshelfers David vor, wie leichtfertig Menschen sich in Widersprüche und Gewaltzusammenhänge verstricken. Der Schlaf der Vernunft gebiert nach wie vor Ungeheuer. Vernunft hat den Menschen noch nie von den größten Schweinerein abgehalten, im Gegenteil war Logik oft genug Anlass zum atavistischen Morden. Bärfuss’ Roman ist für den 1. Schweizer Buchpreis nominiert: Nicht bloß eine politische Entscheidung, ist Bärfuss überzeugt, sondern ein Statement für anspruchsvolle Literatur. Selbst der abgebrühtester Kritiker lese nicht, um ein besserer Mensch zu werden, sondern um erschütternde Erfahrungen zu machen.

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