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Schreibzeug: Die fünf schönsten Weihnachtsgeschichten zum Hören und Lesen

Der Weihnachtsmann ist tot

von Angela Stadthaus

Marley war tot; damit wollen wir anfangen.

Mit ihm war auch der Weihnachtsmann gestorben. Aber damit wollen wir nicht enden. Auch mit den traurigen Augen der Kinder, die vergeblich auf den Weihnachtsmann warteten, wollen wir nicht enden. Vielmehr wollen wir mit einem Weihnachten enden, wie es sich die Kinder vorgestellt hatten.

Bis dahin war es ein weiter Weg, den Bob in kurzer Zeit zurücklegen musste. Denn es war Bob, der auf seinem Spaziergang den Weihnachtsmann Marley am Heiligen Abend gegen 17 Uhr tot im Stadtpark in seinem roten Kostüm fand. Ein Herzinfarkt, wie der Doktor später feststellte.

Nach dem Abtransport des Weihnachtsmanns klingelte plötzlich unter dem Busch neben Bob ein Handy. Bob nahm es auf: »Ja, bitte?«.

»Da bist du ja Marley,« sagte eine weibliche Stimme. »Wo bleibst du denn? Die Kinder in der Heilig-Geist-Gasse warten schon«. Bob zuckte zusammen. Dort war sein Zuhause. Bis auf eine einzige junge Familie wohnten dort nur alte Leute.

»Bedauere«, sagte Bob. »Ihr Weihnachtsmann ist tot. Wer sind Sie überhaupt?«

»Weihnachtsmann-Agentur »Nikolaus in jedes Haus««, antwortete die Stimme. »Um Himmels Willen.«, fuhr sie fort. »Heute bekomme ich keinen Ersatz mehr. Wie ist es mit Ihnen? Sie haben so eine sympathische Telefonstimme. Sagen Sie doch probeweise einmal: »Ho ho ho«. Würde Ihnen Größe 46 passen?«

»Lassen Sie mich da raus! Schämen Sie sich nicht, so kurz, nachdem Marley gestorben ist?« Bob legte auf. Er trat den Rückweg an.

Am Haus der jungen Familie saß ein Mädchen von zehn Jahren auf der Treppe und weinte. Die Mutter drückte es.

»Was ist denn passiert?«, fragte Bob.

»Wir haben gerade erfahren, dass der Weihnachtsmann nicht kommt«, sagte die Frau. »Das Rentier ist krank. Die Kleine hatte sich so gefreut. Sie hat demnächst eine schwere OP.«

»Ich habe gute Nachrichten. Dem Rentier geht es besser«, sagte Bob. »Der Weihnachtsmann kommt dieses Jahr etwas später.«

Ein paar Häuser weiter zückte Bob das Handy.

»Hallo Weihnachtsagentur«, sagte er. »Ist die Stelle noch frei? Größe 46 wäre wunderbar.«

© Angela Stadthaus
Hinweis: Diese Geschichte können Sie auch gelesen in Folge 37 des Schreibzeug-Podcasts hören.

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7 Kommentare

  1. Toller Podcast, klasse Tipps und Infos. War bislang nicht so begeistert davon, eine Stunde lang einem Podcast zu lauschen, aber diese Weihnachtsgeschichten-Ausgabe hatte mich neugierig gemacht. Nun freue ich mich auf die nächsten, um hoffentlich noch viel zu lernen. Wie kann man nur glauben, es sei eine einzigartige Idee, Marley einen Hund sein zu lassen und das erst zum Schluss aufzuklären 🙂
    Frohe Weihnachten!

  2. Die Reihenfolge ist zufällig gewählt und stellt keine Platzierung da.
    Ich konnte mich kaum auf dem Stuhl halten, das Lachen hätte mich fast umgeworfen. Wenn Autoren eines Literaturcafes grottenschlecht in der Rechtschreibung sind, ist man zunächst versucht, den Newsletter abzubestellen.
    Aber ich sehe diese “Dastellung” nun mit Humor.

    • Sehr geehrter Herr Kayling,

      vielen Dank für diesen Hinweis. Wir sind hierfür immer sehr dankbar und haben das r gleich nachgetragen. Wir selbst ärgern uns über solche Fehler am meisten. Doch wir sind nur Menschen.

      Es macht uns jedoch etwas Angst um Sie und uns, dass Sie sich bereits aufgrund eines Fehlenden r “kaum auf dem Stuhl halten” können und das Lachen Sie fast umgeworfen hätte. Das halten wird für sehr bedenklich, denn ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn uns ein weiterer Tipp- oder Rechtschreibfehler unterläuft – was ich nicht ausschließen, ja eigentlich bereits vorhersehen kann.

      Vielleicht ist es daher doch besser, Sie meiden Ihrer Gesundheit zuliebe das literaturcafe.de und bestellen den Newsletter ab. Sehr gerne würde ich Sie stattdessen an das rechtschreibcafe.de verweisen, aber diese Adresse gibt es leider (noch) nicht.

      Herzliche Grüße
      Wolfgang Tischer, literaturcafe.de

  3. Sorry, aber der Satz “Wo um alles in der Welt bekommen wir jetzt einen Esel her?” ist meiner Meinung nach am Ende der Geschichte perfekt platziert. Ein ganz wunderbarer letzter Satz!
    Ihn an den Anfang der Geschichte zu setzen, ist in meinen Augen eine völlig falsche Empfehlung.

    • Liebe Renate Blaes,
      ich habe auch gar nicht gesagt, dass der Satz falsch platziert gewesen ist, sondern, dass es (für mich) origineller gewesen wäre, eine Geschichte mit diesem Satz anzufangen. Dabei hätte es sich selbstverständlich um eine ganz neue Geschichte gehandelt. Da Sie – im Gegensatz zu mir – nicht den gesamten Text kennen, verstehen Sie meine Anmerkung vermutlich nicht. Aber der Autor der Geschichte hat sich bereits gemeldet und konnte damit durchaus etwas anfangen.
      Beste Grüße
      Diana Hillebrand

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