0
Startseite Website Seite 55

Im Räderwerk der Bespaßungsindustrie – Michael Schwessinger: Robinsonaden vom 40. Breitengrad

Michael Schwessinger: Robinsonaden vom 40. Breitengrad

»Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anfangen«, umriss Jörg Fauser einmal die Aufgabe von Literatur. Einer seiner Erben ist der Leipziger Schriftsteller und Ethnologe Michael Schwessinger, der sein Geld ganz bewusst hauptsächlich als weltreisender Bäcker verdient.

Far Cry 5 mit Buch: »Vergebung« für ein Videospiel

Würden Sie mit diesem Mann die Bibel lesen? Screenshot aus Far Cry 5.
Würden Sie mit diesem Mann die Bibel lesen? Screenshot aus Far Cry 5.

Far Cry 5 ist da. Fans haben lange auf den neuesten Teil der Videospiel-Reihe gewartet. Nach dem missglückten Versuch, einen Sektenführer zu verhaften, kämpft man sich als Hilfssheriff durch die Bergwelt Montanas und organisiert den bürgerkriegsartigen Widerstand gegen die Sekte.

Zur Far-Cry-5-Spielewelt von Hope County gibt es eine ganze Reihe flankierender Medien. Neben einem halbstündigen Kurzfilm zählt dazu auch das Buch »Vergebung«, das – so verspricht es der Untertitel – »Die offizielle Vorgeschichte zu Far Cry 5« liefern will.

Möbelstück muss mit: »Der Tisch« von Ananij Kokurin

Roman »Der Tisch« von Ananij Kokurin

»Lieber Leser! Je länger ich dir von der Geschichte unserer Familie erzähle, desto klarer wird mir, dass ich es eigentlich für mich selber tue.«

Auch so hätte die Geschichte der Selbstfindung von Lehrerin Anna beginnen können, denn die weiß fast nichts von ihrer Vergangenheit, vor allem nicht, wer ihr Vater war. Oder von den Marotten ihrer Mutter, warum diese zum Beispiel nur weiße Rosen duldet.

Leipziger Buchmesse 2018: Wort und Freiheit rutschfest eingepasst

Ruhe vor dem Ansturm: Gang zur Glashalle der Leipziger Buchmesse 2018
Ruhe vor dem Ansturm: Gang zur Glashalle am Morgen der Leipziger Buchmesse 2018

Wer die Stufen zu den Messehallen in Leipzig hinauf stieg, konnte es step by step und weiß auf schwarz lesen: »Für das Wort und die Freiheit«, Hashtag darf nicht fehlen: #FreeTheWords

Der Wiener Kulturmanager Günther Wildner war auf der Leipziger Buchmesse unterwegs und blickt auf Zeitgemäßes und aus der Zeit Gefallenes.

Beglückt zum Schokomuseum: Die Lit.Cologne ist volljährig

Übersetzer, Autor und Vorleser (von links): Paul Berf, Håkan Nesser und Dietmar Bär (Foto; Fellgiebel)
Übersetzer, Autor und Vorleser (von links): Paul Berf, Håkan Nesser und Dietmar Bär (Foto; Fellgiebel)

Jedes Jahr findet die Lit.Cologne – nach Aussagen der Veranstalter Europas größtes Literaturfest – fast zeitgleich mit der Leipziger Buchmesse statt. Das bedeutet für einige »entweder-oder« für andere zwei literaturintensive Märzwochen. Barbara Fellgiebel teilt ihre subjektiven Beobachtungen von der Lit.Cologne 2018 mit den Leserinnen und Lesern des literaturcafe.de.

Live aus Leipzig: Tom Hillenbrand, Fabian Neidhardt, Nicole Staudinger – 17.03.2018

Gestern Gast auf der Bühne: Arno Geiger über Wahrhaftigkeit in der Literatur
Gestern Gast auf der Bühne: Arno Geiger (rechts) über Wahrhaftigkeit in der Literatur. Das Gespräch kann hier nachgehört werden. (Foto: Bremer)

Hurra! Die gestrigen Gespräche mit Klaus Modick und Arno Geiger sind im Archiv abrufbar. Wenn Sie sie noch nicht gehört haben, sollten Sie es nachholen. Folgen Sie diesem Link.

Heute am Messesamstag 2018 sind Tom Hillenbrand, Uve Teschner und Nicole Staudinger zusammen mit Wolfgang Tischer auf der Bühne – also ein Science-Fiction-Autor, ein Hörbuch-Sprecher und eine Motivationstrainerin. Definitiv eine viel(ver)sprechende Mischung!

Änderung: Aufgrund des Schneechaos hat es der Zug mit Uve Teschner nicht rechtzeitig nach Leipzig geschafft. Stattdessen spricht Fabian Neidhardt übers gute Vorlesen.

Live aus Leipzig: Klaus Modick, Emily Bold, Arno Geiger – 16.03.2018

Früh am Morgen: Der Stand des literaturcafe.de gegenüber der Interview-Bühne in Halle 5
Früh am Morgen: Der Stand des literaturcafe.de gegenüber der Interview-Bühne in Halle 5

Hochkarätig und ausschließlich mit Bestseller-Autoren geht es am zweiten Leipziger Buchmessetag weiter. Auf den Bühnen der Halle 5 spricht Wolfgang Tischer heute am 16.03.2018 mit Klaus Modick, Emily Bold und Arno Geiger.

Leider gab es gestern offenbar beim Anbieter VoiceRepublic technische Probleme, und wir hoffen, dass heute ein Livestream möglich ist, sodass Sie auch von daheim aus zuhören können.

Live aus Leipzig: Beinert-Schwestern, Anfang, Heinrich Steinfest – 15.03.2018

Noch ist alles Ruhig: Die Bühne autoren@leipzig In Halle 5 am Tag vor der Messeeröffnung
Noch ist alles Ruhig: Die Bühne autoren@leipzig In Halle 5 am Tag vor der Messeeröffnung

Heute (15. März 2018) beginnt die Leipziger Buchmesse. Das literaturcafe.de präsentiert auch in diesem Jahr Autorengespräche live auf den Bühnen der Halle 5. Voicerepublic überträgt alle Termine als Audio-Stream live im Internet täglich um 11:30, 13:30 und 17:00 Uhr.

Hören Sie heute das Autorinnenduo Claudia und Nadja Beinert, Wolfgang Tischer über Textanfänge und Heinrich Steinfest über »Die Büglerin«.

Blogbuster 2018: Die Longlist und das Lesebuch sind da

Blogbuster-Longlist als Leseprobe

Die Longlist des Blogbuster-Preises 2018 steht fest. Insgesamt haben es 11 Manuskripte auf die Liste geschafft, die nun der Jury vorgelegt wird. Das literaturcafe.de hat wie berichtet Doris Brockmann mit »Tuppek am seidenen Faden« auf die Longlist gesetzt.

Ein Lesebuch mit den Anfängen aller 11 Titel steht zudem als E-Book und im PDF-Format zum Download bereit.

Textkritik: Perspektivverwirrung im Blumenladen

0

Ein Läuten ertönte, als die Tür aufging, und die Frau, die den Blumenladen betrat, brachte einen frostigen Windstoß mit sich. Mitten im Juni. Sie blieb einen Schritt hinter der Schwelle stehen, Rücken gerade wie ein Admiral der alten Schule, und glättete die hochgesteckten Haare, bei denen Kastanie noch immer die Oberhand über Grau besaß.

Esther ließ ihren Blick über die Waren wandern. Dass diese Läden überall gleich riechen, dachte sie. Eine Mischung aus süß und schimmlig, Gedeihen und Verderben drang in ihre Nase. Irgendwie passend, das Aroma, dachte sie.

Auf der anderen Seite der Theke stieß die Floristin einer rosa Gerbera Blumendraht ins Genick und fügte sie einem halbfertigen Strauß hinzu. Im Gegensatz zu ihrem Sortiment vermisste die Frau Farbe. Beige auf beige. Vielleicht hatte sie aufgegeben, mit den Blüten konkurrieren zu wollen. »Kann ich Ihnen helfen?«, fragte die Verkäuferin mit einem Lächeln auf den Lippen.

»Das bezweifle ich. Aber sie können mir Blumen verkaufen.«, entgegnete Esther.

Das Lächeln der Floristin wankte, während ihre Kundin den Laden durchschritt. Scharlachrote Pumps klackerten auf Steinboden. Esther streifte ihre darauf abgestimmten Lederhandschuhe ab und tappte mit den Nägeln auf den Tresen. »Ich will einen Strauß kaufen. Groß, bunt, teuer. Etwas, das Lebensfreude ausstrahlt. Meinetwegen pink oder gelb oder was auch immer. Es soll sagen: ›Heute beginnt ein neues Kapitel, und du wirst das Buch lieben.‹«

»Oh, da hätte ich schon ein paar Ideen«, sagte die Verkäuferin. Esther zweifelte nicht daran; bei ›teuer‹ hatte das Lächeln der Floristin seine Brillanz zurück gewonnen.

»Wir haben heute früh ganz tolle Sonnenblumen hereinbekommen, wie klingt das? Vielleicht mit pinken Rosen?«

»Fabelhaft.«, entgegnete Esther und beobachtete, wie die Frau von einer Vase zur nächsten huschte.

»Haben Sie ein Budget im Sinn?«, fragte sie und fischte einige Pfingstrosen aus einem der Gefäße.

Esther zupfte ihren Mantel zurecht. »Nicht wirklich. Machen Sie einfach.« Während der Strauß wuchs, zog sie ihre Taschenuhr hervor. Halb zehn. Noch eine gute Stunde. Sie hätte sich vorher noch in ein Café setzen sollen, aber bei dem Gedanken an Lungo aus einem Automaten, der auch Cappuccino und Kakao ausspuckte, verdrehte sich ihr der Magen. Und der würde heute ohnehin einiges ertragen müssen, Oliver hatte sich für den Abend angekündigt. Hoffentlich beließ er es bei einem Anruf und höflichen Belanglosigkeiten.

»Was sagen Sie hierzu?«, riss die Stimme der Verkäuferin sie aus den Gedanken. Esther sah auf.

Die beige Frau verschwand hinter einer Wand aus hauptsächlich pinkfarbenen Blüten. »Alles fröhliche Töne, ein echter Mädchentraum, nicht wahr?«

»Perfekt!«, sagte Esther. »Könnten Sie ihn mir in farblich passendem Papier einpacken? Und verkaufen Sie auch Karten?«

»Natürlich, gleich dort drüben.« Die Verkäuferin deutete auf den Kartenständer, der gut versteckt hinter einem Regal voller Orchideen lauerte.

Esther ging hinüber und studierte die Auswahl mit zusammengezogenen Brauen. »Hm.«, sagte sie und zog eine Karte hervor. »Das ist nicht ganz, was ich suche. Aber ich schätze, man muss immer Abstriche machen.«

»Die mit den Musikbotschaften sind bei uns der Renner.«, entgegnete die Floristin und befestigte die Papierhülle mit einem Klebestreifen. »›Happy birthday‹ ist natürlich der Klassiker.«

»Nein, das würde Adelheid mir übelnehmen.«

»Bitte?«, fragte die Verkäuferin.

»Nichts.«, entgegnete Esther. »Senile Seniorin spricht mit sich selbst. Ich nehme einfach die hier. Hätten Sie einen Stift?« Sie nahm den Füller, den die Floristin ihr reichte, entgegen und riss die Plastikhülle von der Karte. Unter einem vierblättrigen Kleeblatt und einer Comic-Torte mit Kerzen prangte in Schnörkeln gedruckte Schrift ›Man wird nicht älter, sondern besser‹. Esther schrieb: ›Herzliches Beileid, bla, bla. Ich hoffe, unser Trip nach Argentinien fällt jetzt nicht ins Wasser. In stiller Anteilnahme, Esther.‹ Sie blies die Tinte trocken und sah auf.

Die Verkäuferin blinzelte ertappt und räusperte sich. »Wir hätten auch Kondolenzkarten. Dritte Reihe, nach der goldenen Hochzeit.«

»Ist mir nicht entgangen. Was macht das alles?«

Die Floristin übergab Esther den verpackten Strauß – den die kaum mit einer Hand greifen konnte – und hackte auf die Tasten der Kasse ein. »Zweiundachtzig Euro, genau. Es sei denn, Sie suchen vielleicht eher ein Trauergesteck?«

»Nein, ich bin wunschlos glücklich.« Esther legte die Blumen auf dem Tresen ab, um an ihre Börse zu gelangen, und blätterte, bis sie einen Hunderter fand. Sie nahm das Wechselgeld entgegen, verabschiedete sich von der verdutzten Frau und trat hinaus in den Sommermorgen.

Was nun? Die Trauerfeier würde erst in einer Dreiviertelstunde beginnen, und sie hatte vergessen, ihren E-Reader einzustecken. Großartig, dachte Esther. Hoffentlich holt der Priester nicht so weit aus.

Sie atmete tief durch und hielt mit den Blumen im Arm auf das Tor zu, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite zum Friedhof führte. Vielleicht ein kleiner Spaziergang? Wenn man die Grabsteine außen vor ließ, könnte man um diese Jahreszeit fast glauben, durch den botanischen Garten zu wandeln. Mal schauen, was die Konkurrenz so für Blumen springen lässt, dachte Esther und überquerte die Straße.

© 2017 by Stella Brandner. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Vorbildlich im Verzicht auf überflüssige Erläuterungen, präzise im Ausdruck, aber Probleme bei der Erzählperspektive.

Esthers Charakter wird deutlich durch ihr Verhalten, und nicht durch »Erklärungen«. So soll das sein! Die Autorin teilte mit, dass dieser Ausschnitt der Anfang eines »unvollendeten Romans« sei, schrieb die Autorin! Nun: Wenn das so weiter geht, wie es begonnen hat, freue ich mich darauf!

Allerdings mit einer Einschränkung: Aus wessen Sicht wird hier eigentlich erzählt? Zunächst beschreibt der auktoriale Erzähler eine Person, die einen Blumenladen betritt. Und kaum ist das geschehen, ist da plötzlich eine Esther (vermutlich die Person, die gerade eingetreten ist). Und die sieht eine Person auf der anderen Seite der Theke – also ist das jetzt die Sicht von Esther. Oder doch die des auktorialen Erzählers?

Das führt zu einer Verwirrung! Es wäre einfacher, wenn von vornherein eine Esther den Laden beträte und der auktoriale Erzähler getilgt würde.

Die Kritik im Einzelnen

Ich würde das gewohnte Gedeih und Verderb hier empfehlen, auch wenn das andere durchaus auch seinen Reiz hat! zurück

Eine überaus gelungene, da eindrückliche Variante zu der vor Ökofuzzis verkündeten Ermahnung, dass auch Blumen Lebewesen seien! zurück

Esther kann nicht wissen, ob die Frau Farben vermisste; das ist auch gar nicht gemeint, sondern: »Im Gegensatz zu ihrem Sortiment ließ die Frau Farbe vermissen.« zurück

Diese Wort darf weg, denn Esther nahm den Stift! zurück

Einfach nur herrlich, diese rituell sinnentleerten Floskeln als das schriftlich zu fixieren, was sie sind: Bla bla! zurück

Sehr gelungen, da entlarvend ist hier der Kontrast zwischen »Trauergesteck« und »wunschlos glücklich«. zurück

Preis der Leipziger Buchmesse 2018: Der zweite Blick auf die Shortlist ist Klein (2/2)

Preis der Leipziger Buchmesse 2018

Unlängst sind sie bekannt gegeben worden: die fünf nominierten Bücher für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 in der Rubrik Belletristik.

Unser Kritiker Malte Bremer hatte die ersten vier Titel bereits besprochen, nun folgt der Blick auf den Anfang des noch ausstehenden fünften Buches, das erst jetzt erschienen ist. Was lassen die ersten Seiten des Buches erkennen? Will man sie es weiterlesen? Malte Bremer macht auch hier den Buchhandelstest.

Das Literarische Quartett: Trotz und wegen Philipp Tingler gut

Zack! - Philipp Tingler watscht wortgewaltig ab (Foto: ZDF)
Zack! – Philipp Tingler watscht wortgewaltig ab (Foto: ZDF)

Natürlich zittert die Hand über der Tastatur. Natürlich war der Kalauer vorbereitet. Philipp Tingler zu Gast im Literarischen Quartett. Also, dass Tingler jetzt offenbar durch die Literatursendungen … aber nein. So billige Sprachspiele sind diesem sprachgewaltigen Schriftsteller nicht angemessen. Denn Tinglers Gegenwart und Wortgewalt schien das Quartett in neue Höhen zu schrauben.

ES-Neuverfilmung auf DVD: Pennywise der Schachtelteufel – Hoppala, da ist er wieder!

Bill Skarsgård als Horror-Clown Pennywise (Foto: New Line Cinema)
Bill Skarsgård als Horror-Clown Pennywise (Foto: New Line Cinema)

Es gibt diese billigen Horrorfilme, in denen Menschen grundsätzlich nicht das Licht anmachen, wenn sie in den Keller gehen. Oder in denen die einzigen Schockeffekt aus plötzlichen Schnitten auf gruselige Bilder bestehen, die immer von einem lauten Geräusch begleitet werden, damit selbst schwerhörige Zuschauer zusammenzucken.

Auf solche billige Schockeffekte setzt leider die Neuverfilmung von Stephen Kings »ES«, die nun auf Blu-ray und DVD erschienen ist. Lassen Sie ES besser im Laden stehen.

Von Arno Geiger bis Uve Teschner: Unsere Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse 2018

Arno Geiger (Foto: Birgit-Cathrin Duval)
Arno Geiger (Foto: Birgit-Cathrin Duval)

Auch im Jahre 2018 ist das literaturcafe.de offizieller Programmpartner der Leipziger Buchmesse. Vom 15. bis 18. März 2018 gibt es auf der Bühne des Forum autoren@leipzig in Halle 5 D600 wieder hochkarätige Gesprächspartner. Darunter Bestseller-Autoren wie Arno Geiger und Klaus Modick. Mit dabei ist der preisgekrönte Autor Heinrich Steinfest, Thriller-Autor Tom Hillenbrand und Hörbuchsprecher und »Sprechergott« Uve Teschner.

Hier finden Sie alle Veranstaltungen im Überblick. Zudem finden Sie den Stand des literaturcafe.de in Halle 5 D508.