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    Schreiben und veröffentlichen – Verlag, Self-Publishing oder Literaturagent?
Beitrag vom 3. Mai 2018 | Rubrik: Literarisches Leben, Preise und Wettbewerbe, Self-Publishing

Fördern Self-Publishing-Preise die Ausgrenzung des Selbstverlegten?

Self-Publishing-Preise fördern die Ausgrenzung des Selbstverlegten

Als hätten sie sich abgesprochen: Amazon kündigt gestern den »Kindle Storyteller 2018« an, den Preis für das beste »deutschsprachige Self Publishing Buch« (sic!). Und Börsenverein und Selfpublisher-Verband weisen am gleichen Tag auf den Start des 2. Deutschen Selfpublishing-Preises hin. Beide Preise wollen das beste selbstveröffentlichte Buch küren und sind jeweils mit 10.000 Euro für den Gewinnertitel dotiert.

Nicht nur für Self-Publisher sind die Wettbewerbe eine Qual, denn leider kann man mit einem Werk nur an einem der Wettbewerbe teilnehmen [siehe Nachtrag am Ende dieses Beitrags]. Zudem steht die inhaltliche Qualität wider Erwarten gerade nicht im Vordergrund.

Fördern die Preise stattdessen die Ausgrenzung der Self-Publisher und den schlechten Ruf der selbstverlegten Titel?

Self-Publishing-Preise sind kein Instrument der Literaturförderung

Wer als Self-Publisherin oder Self-Publisher einmal einen ernst zu nehmenden Literaturpreis gewinnen möchte, hat ein Problem. Nicht zu allen Wettbewerben kann man Werke einreichen, oft gehen Veranstalter und Jury selbst auf die Suche nach den Preisträgern und schauen sich bei den Verlagsveröffentlichungen um. Baut ein Literaturwettbewerb auf Einsendungen, so kommt ebenfalls ein »Verlagsfilter« zum Einsatz: Voraussetzung für die Teilnahme ist fast immer mindestens eine eigenständige Verlagsveröffentlichung. Wer die nicht hat, darf nicht dabei sein.

Damit auch mal ein selbstverlegter Titel einen Preis gewinnt, hat man spezielle Preise für Self-Publisher geschaffen. Einer der ersten Wettbewerbe dieser Art war 2013 der Indie-Autor-Preis. Diese Preise werden nicht von renommierten literarischen Einrichtungen vergeben, sondern in der Regel von denen, die irgendwie vom Boom des Self-Publishing profitieren wollen. Die Preise stehen daher nicht für sich, sondern sind eine mehr oder weniger offensichtliche Werbemaßnahme für die Veranstalter und kein Instrument der Literaturförderung.

In der Jury sitzt die Schwimmlegende

Amazons »Kindle Storyteller« ist sicherlich der wichtigste deutschsprachige Preis für Self-Publisher geworden. Im Kern ist er jedoch eine Werbemaßnahme für Amazons KDP-Plattform. Im Jahre 2015 hat Amazon den bindestricharmen »Deutschen Self Publishing Award« zum ersten Mal veranstaltet, im Jahre 2018 geht er in die vierte Runde. Bis letztes Jahr war der Freie Deutsche Autorenverband (FDA) noch Kooperationspartner, in diesem Jahr macht Amazon alles allein und verzichtet auf die Anbindung zur außer-amazonalen Autorenlandschaft. Hatte man im ersten Jahr noch namhafte Autoren zur Jurytätigkeit überreden können, die jedoch rasch merkten, was sie da an nicht sonderlich hochwertigen Stoffen zu beurteilen hatten, gehört in diesem Jahr u. a. die »weltweit bekannte Schwimmlegende« Franziska van Almsick zur Jury.

Wer sich in den Vorjahren die nominierten Titel angeschaut hat, um einmal einen Eindruck davon zu erhalten, was sich da scheinbar Hochwertiges im Self-Publishing-Markt bewegt, fand sich sehr schnell in überaus seichten Gewässern wieder. Der erstmals im Vorjahr vergebene Sonderpreis Storyteller X änderte daran nichts.

Dennoch bleibt Amazons Kindle Storyteller der wichtigste Preis für Self-Publisher, was daran liegt, dass trotz Tolino-Konkurrenz Amazon die wichtigste Plattform ist. Hier erreicht man digital die meisten Leser, und hier werden Self-Publisher sichtbar und beworben wie nirgendwo anders. Neben den 10.000 Euro Preisgeld für den Gewinnertitel und 5.000 Euro für den Sonderpreis Storyteller X, also für »Erzählformen außerhalb der klassischen Belletristik«, werden die drei Finalisten auch als Audible-Hörbuch produziert. Amazon setzt also die ganze hauseigene Marketing-Kraft für die selbstverlegten Titel ein und beziffert diesen Wert nochmals mit 20.000 Euro.

Werbeaktion für die Veranstalter

In erster Linie ist der Kindle Storyteller jedoch eine Marketingkampagne für die eigene Self-Publishing-Plattform KDP. Wer am Wettbewerb teilnehmen will, muss den eingereichten Titel für die Laufzeit des Wettbewerbs, also bis zur Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse, zumindest als E-Book exklusiv bei Amazon anbieten. Selbst eine Druckausgabe muss bei den Amazon-Unternehmen KDP oder CreateSpace erhältlich sein. Letzteres ist zwar im Gegensatz zum E-Book nicht exklusiv, doch in der Praxis wird es kaum anders sein [siehe Nachtrag am Ende dieses Beitrags].

Bereits in den Vorjahren hat Amazon auf diesem Wege neue Self-Publishing-Autoren an sich binden können. Für viele Autoren ist der Amazon-Wettbewerb die Motivation zum Upload des ersten Manuskripts überhaupt. Beim Wettbewerb 2017 teilte Amazon mit, dass ein Drittel aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer das erste Mal einen Text bei Amazon hochgeladen hat.

Amazons Exklusivitätsklauseln machen es daher unmöglich, dass man das Manuskript gleichzeitig beim Deutschen Selfpublishing-Preis einreichen kann [siehe Nachtrag am Ende dieses Beitrags]. Die Einreichungsfrist beginnt hier einen Monat später am 1. Juni, und die Preisverleihung findet ebenfalls auf der Frankfurter Buchmesse statt. Wie bei Amazons Preis dürfen die eingereichten Bücher nicht schon zuvor irgendwo veröffentlicht worden sein.

Auch der Deutsche Selfpublishing-Preis ist eine Werbemaßnahme der beiden Veranstalter. Der Selfpublisher-Verband etabliert sich als wichtigster Vertreter für die Interessen der Selfpublisher, und die MVB, der kommerzielle Marketing-Arm des Börsenverein des deutschen Buchhandels, zwingt die Teilnehmer zu einer ISBN und der Aufnahme im Verzeichnis lieferbarer Bücher. Beides kann bei der MVB käuflich erworben werden. Mit diesen beiden Vorgaben wird jedoch auch erreicht, dass die Bücher überall über den Buchhandel zu bestellen sind und eben nicht nur auf einer Plattform. Eine einzelne ISBN kostet jedoch über 80 Euro, die Listung im VLB schlägt aktuell nochmals mit einer Jahresgebühr von über 80 Euro zu Buche. Da wird die Wettbewerbsteilnahme ganz schön teuer. Günstiger ist es daher, wenn man das Buch bei einem Dienstleister wie BoD oder epubli veröffentlicht, über die man ISBN und VlB-Eintrag wesentlich günstiger bekommt.

Self-Publisher unter sich

So wie die renommierten Literaturpreise Self-Publisher ausschließen, so bleiben diese wiederum bei den genannten Preisen unter sich. Haben die Medien bei Amazons erstem Storyteller noch vermehrt berichtet, weil der Preis einfach neu war, war die mediale Resonanz bei den letzten Ausgaben weniger spürbar. Schnell war klar, dass die inhaltliche Qualität der ausgezeichneten Titel eher dünn ist. Wieder einmal bestätigten sich die Vorurteile über die Seichtigkeit. Wie sollte erst der Rest aussehen, wenn selbst die Gewinnertitel so schwach sind? Schließlich gibt es auch keinen Literaturpreis für Arztromane.

Denn während Literaturpreise üblicherweise dazu dienen, qualitativ hochwertige Werke zu ermitteln, geht es gerade darum bei den genannten Self-Publishing-Wettbewerben nur am Rande. Stattdessen geht es um den Kommerz. »Gesucht werden gute Bücher, die jeder Buchhändler gern verkaufen würde«, heißt es beim Deutschen Selfpublishing-Preis. Und Amazon lässt die der Jury vorgelegte Vorauswahl durch nicht näher spezifizierte Algorithmen erstellen.

Neben der Werbung für die Angebote der Veranstalter soll die Aufmerksamkeit fürs Self-Publishing gesteigert werden, doch manche der preisgekrönten Titel sollte man besser nicht so genau ansehen. Die Self-Publishing-Preise in der jetzigen ausgrenzenden Form festigen leider den schlechten Ruf des Selbstverlegten.

Nachtrag: Wie man dennoch an beiden Wettbewerben teilnehmen kann

Matthias Matting von der Selfpublisher-Bibel weist in einem Kommentar darauf hin, dass es dennoch zwei nicht ganz einfache Wege gibt, wie man an beiden Wettbewerben teilnehmen kann. Hierzu hat er einen Artikel geschrieben. Gerade Self-Publishing-Neulinge dürften jedoch nach der Lektüre nicht unbedingt schlauer sein, wie sie das denn genau anstellen müssen.

Für beide Wege wird die oben im Beitrag beschriebene Lücke ausgenutzt, dass Amazon für die gedruckte Ausgabe eines zum Wettbewerb eingereichten Titels keine Exklusivität verlangt. Vereinfacht gesagt reichen Sie daher Ihren Titel als E-Book bei Amazons Wettbewerb ein und erstellen über Amazons Plattformen KDP oder CreateSpace die gedruckte Ausgabe. Anschließend melden Sie diese gedruckte Version beim Deutschen Selfpublishing-Preis an. Allerdings müssen Sie sich bereits vor Erstellung des Printbuches – wie oben im Beitrag erwähnt – eine eigene ISBN kaufen und diese bei Amazon dem gedruckten Buch zuordnen, um das Buch dann anschließend selbst ins VlB eintragen zu lassen. ISBN und VlB-Eintrag sind schließlich die Kriterien für die Teilnahme am Deutschen Selfpublishing-Preis.

Aber Vorsicht: Ihre ISBN dürfen Sie nur der Taschenbuchausgabe bei KDP oder CreateSpace zuordenen. Es ist nicht zulässig, dass dieselbe ISBN dem E-Book zugeordnet wird. Bei Amazon benötigt ein E-Book jedoch keine ISBN. Auf keinen Fall dürfen Sie aber ihr Manuskript auf einer anderen Plattform als E-Book bereitstellen, da die Amazon-Teilnahmebedingungen dies ausschließen. Verwenden Sie auch nicht die ISBN für den VlB-Eintrag, die Sie auch von Amazon für die gedruckte Ausgabe erhalten können.

Ebenfalls berücksichtigen sollten Sie, dass durch den VlB-Eintrag Buchhändler bei Bedarf das Werk nun direkt bei Ihnen bestellen. Sie müssen dann Exemplare bei Amazon erwerben und selbst an die Buchhandlung schicken.

Der zweite Weg, der Ihnen eine Teilnahme an beiden Wettbewerben ermöglicht, setzt ebenfalls auf die Nicht-Exklusivität der gedruckten Ausgabe. Statt die gedruckte Amazon-Version – wie oben beschrieben – mit einer eigenen ISBN zu versehen und beim VlB anzumelden, erstellen Sie eine zusätzliche »erkennbar verschiedene« Druckausgabe bei einem Dienstleister, der dies ermöglicht. Laut Matting ist dies beispielsweise bei epubli/neobooks möglich.

Mit einer »erkennbar verschiedenen« Ausgabe bewegt man sich jedoch auf schwankendem Boden, da nicht genau definiert ist, ab wann eine Ausgabe »erkennbar verschieden« ist. Hier könnten Probleme mit der Preisbindung bestehen, was zu Abmahnungen führen könnte. Nur ein anderes Cover reicht zum Beispiel nicht, da der Inhalt gleich bleibt. Ein zusätzliches ausführliches Nachwort schreiben? Reicht sicherlich ebenfalls nicht aus. Matting empfiehlt »eine Extra-Ausgabe mit Farbbildern, eine Großschrift-Ausgabe oder eben gleich das Hardcover«. Tatsächlich dürfte eine Hardcover-Ausgabe mit höherem Ladenpreis für die meisten Buchkäufer einen erkennbaren Unterschied darstellen, da man dies auch von Verlagstiteln gewohnt ist. Eine alternative Hardcover-Ausgabe könne man laut Matting auch bei BoD erstellen lassen.

Aber Vorsicht: Bei den Dienstleitern dürfen Sie nur »erkennbar verschiedene« Druckausgaben anfertigen lassen und auf keinen Fall die E-Book-Veröffentlichung dazu buchen, da das E-Book im Wettbewerbszeitraum nur bei Amazon erhältlich sein darf. Der Vorteil dieses Weges ist, dass – wie bereits oben im Artikel beschrieben – die Dienstleister ISBN und VlB-Eintrag wesentlich günstiger anbieten als beim Selbstkauf. Zudem sind die Bücher vom Buchhandel direkt bei den Dienstleitern bestellbar, die Versand und Zahlungsabwicklung übernehmen, sodass Sie selbst keinen Päckchen verschicken müssen.

Fazit: Es erfordert einiges Detailwissen, Zusatzaufwand und Kosten, um ein Werk dennoch bei beiden Self-Publishing-Preisen einzureichen.

Nachtrag 2: PDF-Upload ist keine E-Book-Veröffentlichung

Uns erreichten Rückfragen, ob die PDF-Datei des Buches, die beim Deutschen Selfpublishing-Preis eingereicht werden muss, nicht auch ein(e) E-Book(-Veröffentlichung) sei. Die Antwort in diesem Fall lautet: Nein. Die PDF-Datei wird nur intern den Jury-Mitgliedern zur Verfügung gestellt und nicht veröffentlicht. So kann die Begutachtung durch die Jury digital erfolgen, da keine Papierbücher verschickt werden müssen  .

Wolfgang Tischer

Link ins Web:

13 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Johanna Sibera schrieb am 3. Mai 2018 um 13:39 Uhr

    “Self-Publisher” – gekrönt wird dieser Ausweg in einen Anglizismus nur durch die seltsame Wortschöpfung “Self-Publisherin” – hat es immer schon gegeben. Früher nannte man das “veröffentlicht im Eigenverlag” und es war recht klar, was damit gemeint war: Kein Verlag wollte den Text in seinem Programm, also griff man sozusagen auf sich selbst zurück und gründete einen Verlag, exklusiv fürs eigene Werk. Kein Verlag, den der Autor oder die Verfasserin angeschrieben hat, glaubt an den Roman oder die Kurzgeschichte – egal, der Glaube an sich selbst muss da sein. Daraus entstehen Verlagsgründungen, selbst und auf eigene Kosten publizierte Bücher. Natürlich kann man da auch ein Event draus machen, einen Preis aussetzen für einen glücklichen Self-Publisher, warum denn nicht? Wir alle, die gerne schreiben und das als ihre Berufung sehen, werden gemessen werden an den großen Werken der Literatur, die uns und noch Generationen überleben. Lasst uns alle daran arbeiten, egal, wo und unter welchen Umständen man uns veröffentlicht!

  2. Selfpublisherin schrieb am 3. Mai 2018 um 13:57 Uhr

    Eines vorab: Ich bin Selfpublisherin aus Überzeugung und nehme nicht an den ausgelobten Preisen teil. Ob meine Romane “seicht” sind – wie hier zweimal betont wird, überlasse ich anderen zu beurteilen. Nach Ihrer Ansicht sind alle Selfpublisher-Romane “seicht”. Schade, dass hier so negativ in das Horn geblasen wird, das Verlage seit Erscheinen der Selfpublisher so schön polieren.
    Am Rande: Ich arbeite mit einem professionellen Lektorat, lasse meinen Romanen ein Korrektorat angedeien und die Cover werden von professionellen Coverdesignern gestaltet. Zwar lasse ich meine Protagonisten nicht von Parkplätzen umarmen, wie z. Bsp. bei Juli Zeh zu lesen ist, aber sind die Romane dann seicht?

    Immer noch gibt es die zwei Lager Sp/Verlage. Schwarz/weiß? Zumindest nach diesem Artikel. Der Hochmut wird noch verstärkt durch den auf Literaturpreise bezogenen Satz: “Voraussetzung für die Teilnahme ist fast immer mindestens eine eigenständige Verlagsveröffentlichung”.
    Das impliziert, dass nur Verlagsromane inhaltlich “wertvoll” sind und Qualität aufweisen.

    Zu den ausgelobten Preisen in der Amazonblase kann ich nur sagen, dass sich leider Bücher von Autoren, die eine entsprechende Fanbase haben, vornehmlich in den vorderen Reihen befinden. Das hat tatsächlich nichts mit Qualität oder “hochwertiger Literatur” (Was auch immer Verlage und der Verfasser des obigen Artikles als hochwerte Literatur bezeichnen.) zu tun. Jedoch wird hier über einen Kamm geschert. Andererseits wissen wir alle, das Bestseller gemacht werden, nicht geschrieben, gerade von Verlagen. Passt das Buch voraussichtlich zum Lesergeschmack, ist der Autor medienwirksam? Wenn er sehr medienwirksam ist, aber Müll schreibt .. Na und? Wir kreieren einen neuen Star? Und wohin geht der Lesergeschmack? … Eines haben Verlage dem Einzelkämpfer Selfpublisher voraus: Das Budget. Und das wird in die Autoren gekoffert, die als Cash Cow gelten. Die kommenden Kataloge werden entsprechend bestückt und die Büchertische in den Buchhandlungen gebucht. Das hat mit Unvoreingenommenheit und hochwertiger Literatur nur bedingt zu tun, weil viele Perlen von Verlagen kein Budet erhalten. Und viele Perlen im Selfpublishing sind keine aggressiven Marketer mit riesiger Fanbase.

    Ich persönlich halte weder von den Selfpublisher- noch von den hochgelobten Literaturpreisen etwas. Beides bringt unrealistische Ergebnisse. Die einen zu seicht, die anderen zu abgehoben.
    Welch ein Schwachsinn auf beiden Seiten.

  3. Matthias Matting schrieb am 3. Mai 2018 um 23:58 Uhr

    Hallo Wolfgang, die Information, man könne nur an einem der beiden teilnehmen, ist sachlich falsch, siehe: http://www.selfpublisherbibel.de/wie-sie-…

  4. Redaktion schrieb am 4. Mai 2018 um 07:55 Uhr

    Lieber Matthias, vielen Dank für den Hinweis. Ich habe die Infos als Nachtrag ergänzt. (wt)

  5. Carlotta Stern schrieb am 4. Mai 2018 um 10:15 Uhr

    @Johanna Sibera

    “Früher” war vieles anders. Heute kann man mit einem selbst produzierten Titel (SP) mehr Geld verdienen, als ein Verlag für Midlist-Titel als Vorschuss bezahlt. Es mag nicht unbedingt hohe Literatur sein, die solche Umsätze erzielt, aber gute Unterhaltung für zahlreiche Leserinnen ist es allemal – und noch mehr: Diese Einkünfte finanzieren inzwischen vielen professionellen Autorinnen ambitioniertere Projekte, bei denen absehbar ist, dass sie nur eine kleine Leserschaft finden werden und sich “nicht rechnen”. Hier übernehmen Autorinnen inzwischen das unternehmerische Risiko, das “früher” die Verlage trugen.

    Sellfpublishing hat außerdem den Vorteil, dass Autorinnen viel schneller auf den Markt reagieren können, als es die großen Publikumsverlage gemeinhin tun. Wenn ich heute mein Manuskript abgebe, ist mit einem Erscheinen des Romans vor 2020 nicht zu rechnen. Die Laufzeiten sind in den letzten Jahren immer länger geworden und besonders für Autorinnen eine Belastung. Man hat sich idR schon längst vom Projekt verabschiedet und steckt im übernächsten Buch, wenn das Marketing für einen Titel beginnt.

    Zwischen den Selbstverlegerinnen oder DKZV-Opfern vergangener Jahrzehnte und erfolgreichen Selfpublisherinnen von heute liegen buchstäblich Welten.

    Dass die Selfpublishing-Buchpreise in erster Linie denjenigen nutzen, die sie ausloben, bleibt dabei unbenommen.

    __
    Die der Einfachheit halber gewählte weibliche Form schließt Männer selbstverständlich mit ein

  6. Renate Blaes schrieb am 4. Mai 2018 um 13:17 Uhr

    Bei Buchpreisen geht es um Marketing, das ist bekannt. Dass Autoren Preise bekommen, bei denen man sich fragt, warum sie sie bekommen, ist nicht verwunderlich. Auch hier geht es um Marketing. Abgesehen davon halte auch die Expertise der “Jury”-Mitglieder in einigen Fällen für fragwürdig. Wobei ich einräumen muss, dass ich auch auf Frau Westermanns (z. B.) literarischen Geschmack keinen Wert lege …

    Was die “Seichtigkeit” betrifft, so ist sie bei Verlagsprodukten und Selfpublishern gleichermaßen zu finden. Kann sein, dass sie bei Selfpublishern etwas höher ist, aber auch in diesen Kreisen spricht sich rum, dass es auf Professionalität ankommt, und selbst gebasteltes Cover und unlektorierter Buchinhalt geringere Marktchancen haben. Also wird auch hier an der Qualität gearbeitet.

    Dass literarische Qualität auch mal nicht dem weit verbreiteten Vorurteil über SP-Bücher entsprechen kann, zeigen anschaulich zwei aktuelle Sci-Fi-Romane.

    Das eine ist der Schmetterlings-Thriller von Frank Schätzing, das bei mittlerweile 42 Amazon-Bewertungen schlappe 43 % (!) Ein-Sterne-Bewertungen kassiert hat – gut begründete.

    Dagegen hält der Sci-Fi-Roman von Oliver Jurig “Der Kristall”. Dieser Thriller kann bei 34 Bewertungen mit 88 % 5-Sterne-Bewertungen aufwarten, und die “schlechteste” Bewertung hat 4 Sterne. Ein-Sterne-Bewertungen gibt es hier also keine.

    Leider lese ich keine Sci-Fi-Thriller, habe also keine eigene Meinung zu beiden Büchern. Aber ich weiß als Vielleserin, dass die Bewertungen bei Amazon sehr aussagekräftig sind – zumindest, was meinen Leseanspruch betrifft.

  7. Johanna Sibera schrieb am 4. Mai 2018 um 13:40 Uhr

    Als Antwort zum Beitrag von Carlotta Stern kann ich nur sagen, dass ich es traurig finde, welch kurze Lebensdauer einem Roman und damit seiner Aussage heute gegeben wird. Es dürfte für ein Buch kein Schaden entstehen, wenn es erst zwei Jahre nach Abgabe des Manuskripts erscheint, um dann Jahrzehnte zu überdauern – hallo, was ist mit dem “Zauberberg”, “Fänger im Roggen”, Updikes “Rabbit” und “Anna Karenina”? Schreiben wir nur fürs nächste Quartal? Da hätte ich mir mehr erhofft, als ich begonnen habe zu schreiben; meine diversen Werke werden auch nicht überleben, aber hoffen darf man doch!

  8. Vito von Eichborn schrieb am 4. Mai 2018 um 14:34 Uhr

    1. Ein “deutlicher Unterschied” ist bereits ein anderes Format – sagen wir als Tradepaperback mit größerer Schtrift und als Tb. Klar, mit anderem Cover und anderer ISBN. Kostet kaum mehr.
    2. Das da immer noch gefaselt wird, Bestseller würden quasi willkürlich “gemacht”, ist so weiterhin Kokolores. Niemand kann aus Scheiße Gold machen. Natürlich werden sie “gemacht” – indem der Verlag entlang an seinen Erfahrungen das mutmaßlich verkäuflichste Manuskript pusht. Und diese Erfahrungen stammen aus vielen Büchern – aus Hits und Flops – aus Jahrzehnten. Was denn sonst? Das liefert einen starken Impuls im Handel – wenn der Verlag bereits bewiesen hat, dass er urteilsfähig ist. Und wenn nicht? Wenn er für diesen Inhalt zuviel hineinverkauft hat, wird er mit Remittenden erschlagen – weil die Leser entscheiden.

  9. Anke Schläger schrieb am 5. Mai 2018 um 12:50 Uhr

    Zu »denen, die irgendwie am Boom des Self-Publishing profitieren wollen«, gehört auch ein Wolfgang Tischer – nämlich mit seinen Seminaren für Autoren, die vor genau diesem Schritt stehen. Wie ich selbst vor einem knappen Jahr, und ohne das Tischer-Seminar an der Bundesakademie in Wolfenbüttel hätte ich mir den Schritt zur eigenständigen Veröffentlichung vielleicht nicht zugetraut. Aber ich habe mich schon mehrmals gefragt, wie jemand einerseits an solchen Seminare verdienen kann und andererseits bei vielen Gelegenheiten deutlich macht, wie wenig er von selbst verlegten Titeln hält. Dieser Blogbeitrag lässt ebenjene Haltung einmal mehr erkennen, dafür genügt ein Blick auf die Zwischenüberschriften. Tut mir leid, aber mir wäre das ebenso peinlich wie die Notwendigkeit des langen Nachtrags.

    Auf die Diskussion über Self-Publishing versus Verlagsveröffentlichung möchte ich mich an dieser Stelle nicht einlassen. Ich bin Mitglied im Selfpublisher-Verband und werde trotzdem an keinem der oben beschriebenen Wettbewerbe teilnehmen. Denn ich halte es für möglich, dass das Interesse auf Verlagsseite, das die glücklichen Gewinner sich verdienen werden, von kurzer Dauer ist. Vielleicht verpufft es sehr schnell, sobald der nächste Wettbewerb stattfindet. Ich stelle mir eine andere und nachhaltigere Art der Zusammenarbeit vor.

  10. Renate Blaes schrieb am 5. Mai 2018 um 13:03 Uhr

    Nachtrag: Gestern Abend habe ich ein interessantes Interview mit Denis Scheck gesehen – es bezog sich auf den Literatur-Nobelpreis.
    Scheck beschrieb die Jury sinngemäß so: Die meisten Jurymitglieder bewegten sich entweder mit Rollator oder Gehstock.

    Scheck selbst hält ganz offensichtlich von der Vergabe dieses Preises überhaupt nichts, wie er – zumindest war das mein Eindruck im Interview – von Literaturpreisen jeglicher Couleur nichts hält.
    Und wenn man die Preisträger bzw. deren Bücher aufmerksam anschaut, wird man seine Meinung vermutlich teilen. Ich zumindest mache es. Egal, ob bei Verlags- oder Selfpublisherprodukten.
    Und ob nun eine Schwimmlegende in der Jury sitzt oder andere, ebenso wenig relevante, Zeitgenossen, spielt ebenfalls keine Rolle. Wirklich gute Bücher bekommen selten einen Preis. In Relation gesehen …

  11. Johanna Sibera schrieb am 5. Mai 2018 um 13:36 Uhr

    Denis Scheck ist ein rechtes Schlitzohr, denke ich, und seine Bemerkung über die sich mit Rollator oder Gehstock fortbewegenden Nobelpreis-Jurymitglieder ist nicht gerade sehr geschmackvoll – sei’s drum. Die Literaturnobelpreisträgerin von 2004, Elfriede Jelinek, durfte ich ganz kurz persönlich kennen lernen: Ich habe in einer Rechtsanwaltskanzlei gearbeitet und mein Chef stand mit ihr in llebhaftem Briefwechsel. Ihre Texte habe ich schon lange vorherals in einer ganz anderen Liga spielend empfunden und damit völlig zu Recht preiswürdig. Dass der Literaturnobelpreis heuer ausgesetzt wird ist einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Debatte über Belästigungen und sonstige Vorkommnisse zu verdanken, die hoffentlich bald wiederin derverdienten Versenkung verschwinden wird.

  12. Hans Peter Roentgen schrieb am 8. Mai 2018 um 15:09 Uhr

    Der deutsche Buchpreis wäre (nach obigem Artikel) “eine mehr oder weniger offensichtliche Werbemaßnahme für die Veranstalter und kein Instrument der Literaturförderung.”
    Er wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels veranstaltet, damit (immer nach der Logik des Artikel) damit kommerzielle Interessen verfolgt. :-)

  13. Redaktion schrieb am 8. Mai 2018 um 19:53 Uhr

    In der Tat wird der Deutsche Buchpreis daher von einigen Kritikern nicht als Literatur- sondern vielmehr alles Marketingpreis angesehen. So schrieb seinerzeit zum Beispiel Monika Maron: »Es geht nicht um Literatur, sondern um die Verkäuflichkeit von Literatur ohne großen Aufwand, vom Stapel weg wie die neueste Single vom neuesten Superstar.«

    Das mag etwas überzogen sein, und dennoch würde ich den Buchpreis gemäß dieser Logik tatsächlich nicht als Literaturpreis ansehen, sondern eben als – Buchpreis. (wt)

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