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Textkritik: Alles online – oder was? – Prosa

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Noch ein bisschen schläfrig hat die dicke Hausfrau die Türe vom Arbeitszimmer hinter sich zugemacht. Sich an den Rechner gesetzt und aufs Knöpfchen gedrückt. Leises Summen, sanftes Sirren. Ein Mausklick, und schon öffnet sich das Fenster zum Tor in die große weite Welt. Dort, wo es alles in Hülle und Fülle gibt: News, Zeitgenossen zum Chatten – und nicht zu vergessen, alles, was das Herz an Waren, Dienstleistungen und sonstigem begehrt.
Ein verstohlener Blick auf die Uhr sagt ihr, Zeit, sich auf die etwas schnelleren Socken zu machen. Um 7.30 Uhr ist die world.wide.web-Welt zwar noch in Ordnung. Aber was, wenn um Schlag 8.00 Uhr das reale Büroleben erwacht und sich auf die virtuelle Welt stürzt.
Nicht trödeln, dicke Hausfrau. Wer zu spät kommt, den bestraft der Browserabsturz!
Aber um diese Zeit ficht dies die dicke Hausfrau noch nicht an. Noch geschlagene 30 Minuten bis zum morgendlichen Chaos. Zeit genug, der Freundin eine Mail zu schicken, mit dem Rezept für handgeschabte Curryspätzle!
»Menschen haben es gut«, spricht da der Computer das erste Mal an diesem Morgen zu ihr. »Menschen kriegen richtiges Essen mit Farbe und Geschmack.« Da huscht ein Lächeln über die Wangen der dicken Hausfrau. »Hat Strom denn keine Farbe? Keinen Geschmack?« – »Nein, leider.«
Oben in der Wohnung ist noch alles ruhig. Der Herr Gemahl schon zur Arbeit; die kleine, freche Tochter kann heute länger schlafen – schon wieder Unterrichtsausfall. Und erst 7.45 Uhr. Zeit genug, den neuen Versandhauskatalog anzusehen. Wenn schon das Banner so verführerisch blinkt.
»Denk an die Zeit!«, mahnt der Computer. »Ach, es wird schon reichen! Ich brauch doch nur ein paar Sommerblusen«, antwortet die dicke Hausfrau leicht unwirsch. Rief die gesuchte Seite auf, lehnte sich bequem im Bürosessel zurück und harrte der Dinge, die sie erfreuen sollten.
»Die Seite wird aufgebaut. Bitte haben Sie einen Moment Geduld!«
»Die Seite wird aufgebaut. Bitte haben Sie einen Moment Geduld!«
Da hat die dicke Hausfrau runde Augen gekriegt, einen scheuen Blick auf die Uhr geworfen. Es sind doch erst 7.55 Uhr! Noch gar keine Angestellten/Beamten/Surfzeit! Nicht schon um 7.55 Uhr.
»Die Seite wird aufgebaut. Bitte haben Sie einen Moment Geduld!«
»Die Seite wird aufgebaut. Bitte haben Sie einen Moment Geduld!«
So flimmerte es unerbittlich am Bildschirm. Und der Zähler lief unerbittlich mit und zeigte der dicken Hausfrau, wie viel an Knete gerade versurft wurde.
»Die Seite wird aufgebaut. Bitte haben Sie einen Moment Geduld!«
Da hat die dicke Hausfrau resigniert mit den Schultern gezuckt, dem Rechner einen liebevollen Klaps gegeben. Den Seitenaufbau abgebrochen, das Programm beendet und die Verbindung gecancelt.
Ist aufgestanden, zur Türe gegangen, noch einen sehnsüchtigen Blick auf den längst dunklen Bildschirm geworfen.
Offline.

© 2003 by Marlene Geselle. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Die folgende Kritik (Zusammenfassung und Einzelkritik) stammt erneut nicht von mir, Malte Bremer, sondern von Nicole Thomas. Mehr dazu und zu ihrer Person findet sich hier. Jetzt aber zu »Nicoles Meinung«:

Insgesamt ist der Text durchaus flüssig erzählt, humorvoll und erfrischend lebendig. Leider weist er noch etliche Ungereimtheiten auf und enthält keinen nennenswerten Höhepunkt. Dabei hätte sich dieser Text mit ein wenig mehr Anstrengung spielend in etwas wirklich Lesenswertes verwandeln können.
So humorvoll und wortgewandt dieser Text auch ist, so belanglos ist er auch. Die etwas vorzeitig aufgetretenen Schwierigkeiten beim Aufbau der Site reichen einfach nicht aus, eine wirklich interessante Wendung herbei zu führen. Der Text zeugt von Spaß am Schreiben und einem guten Gespür für den Umgang mit Sprache, aber das war es dann auch schon. So, wie er jetzt ist, mutet er wie die Klischeevorstellung des Tagesablaufs einer Hausfrau an: Eine Aneinanderreihung von Tätigkeiten, ohne besondere Vorkommnisse und im Endeffekt ziemlich frustrierend. Aber das kann doch nicht schon alles gewesen sein, oder?

Die Kritik im Einzelnen

In diesem Satz sind zwei Dinge nicht ganz schlüssig. Dass die Hausfrau aufgrund der frühen Uhrzeit noch recht müde ist, wird erst im weiteren Verlauf des Textes deutlich. Bis dahin ist das Ganze für den Leser eine Information ohne Wert. Also kann man das schläfrig hier entweder streichen oder direkt erklären, indem man die Aussage konkretisiert und sagt, dass die Hausfrau zu dieser frühen Uhrzeit noch ein wenig schläfrig ist. Wobei ich die Begriffe müde oder verschlafen allerdings noch passender fände als schläfrig. Zum anderen stellt sich die Frage, ob die dicke Hausfrau die Tür nun von innen oder außen zugemacht hat. Und da die Antwort aus dem unmittelbar darauffolgenden Satz sofort ersichtlich wird, wäre es sinnvoll, den Punkt zwischen beiden Sätzen durch ein Komma zu ersetzen. So erhält man zwar einen relativ langen, dafür jedoch in sich schlüssigen ersten Satz. Und so prägnant die Bezeichnung dicke Hausfrau auch sein mag, so klischeebeladen ist sie auch. Ist hier wirklich keine weniger plakative Charakterisierung möglich? zurück
Das Fenster zum Tor klingt holprig und beeinträchtigt den Lesefluss. Einer dieser beiden Begriffe sollte gestrichen werden. Meine Empfehlung wäre, das Tor zu streichen und dem Fenster den Vorzug zu geben, denn das Spiel mit der Doppeldeutigkeit des Wortes Fenster bietet meiner Meinung nach die reizvollere Variante. zurück
Schön und gut, aber was bezweckt diese Aufzählung eigentlich? Dass es all diese Dinge – und noch etliche mehr – im Internet gibt, ist klar, wozu also das Offensichtliche noch einmal besonders betonen? zurück
Warum verstohlen? Vor wem soll dieses Überprüfen der Uhrzeit denn verborgen bleiben und vor allem: Warum? Verstohlen macht hier keinen erkennbaren Sinn, ich würde es ganz einfach weglassen. zurück
Dieser Satz ist als Frage formuliert und sollte meiner Meinung nach folglich auch mit einem Fragezeichen beendet werden. Und so reizvoll das Spiel reale / virtuelle Welt auch ist, so unstimmig wirkt es, wenn die Begriffe real, irreal und virtuelle Realität vollkommen beliebig verwendet werden. Besser, wenn auch zugegebenermaßen nicht allzu originell, wäre, wenn in den Büros die Arbeit beginnt und die Angestellten sich in die virtuelle Welt stürzen. zurück
Wohl eher die world-wide-Warteschleife. Ansonsten kann ich der dicken Hausfrau nur empfehlen, es einmal mit einem anderen Browser zu versuchen, wenn der, den sie jetzt benutzt, den alltäglichen Stau auf dem Datenhighway gleich mit einem Absturz quittiert. Außerdem: könnte man diesen etwas unmotiviert im Raum stehenden Hinweis nicht vielleicht schon dem Computer zuschreiben? Es spricht doch eigentlich nichts dagegen, dass sich der Rechner schon etwas früher zu Wort meldet, und diese Aussage wäre dann um einiges harmonischer in den Text integriert. zurück
Woher dieser plötzliche Sinneswandel? Bisher war sie doch immer der Ansicht, sich beeilen zu müssen und nicht trödeln zu dürfen. Und jetzt auf einmal ist sie die Ruhe selbst? Das erscheint mir nicht wirklich nachvollziehbar. zurück
Grundsätzlich ist die Idee recht interessant, dass die Hausfrau sich mit dem Computer wie mit einer menschlichen Person unterhält, die Maschine vielleicht sogar den Status eines Familienmitgliedes einnimmt. Leider ist der Dialog selbst nicht allzu unterhaltsam. Der Werbeschwachsinn mit der angeblich gelben Farbe elektrischen Stroms wird hier viel zu halbherzig durch den Kakao gezogen. Das geht auch bissiger! Aber vielleicht sehe ich das ja falsch, und die Werbung sollte gar nicht ad absurdum geführt werden. Schließlich basiert ja schon die Überschrift auf einem abgewandelten Werbeslogan – was übrigens nicht wirklich gelungen, weil nicht besonders einfallsreich ist. Wie auch immer: so, wie er da steht, ist der Dialog zwischen dicker Hausfrau und Computer alles andere als interessant. Außerdem würde ich statt huscht ein Lächeln über die Wangen der dicken Hausfrau die übliche Formulierung huscht ein Lächeln über das Gesicht der dicken Hausfrau vorziehen. Selbst wenn man, aus welchen Gründen auch immer, diese Redewendung abändern möchte, macht es keinen Sinn, an dieser Stelle Wangen zu schreiben, denn zunächst einmal ist an einem Lachen zuallererst die Mundpartie beteiligt, und ich sehe keinen Anlass, warum man diese hier überspringen sollte. zurück
Also, zumindest ein ist sollte man diesem Satz schon verpassen, wenn schon auf eine weitergehende Formulierung wie zur Arbeit unterwegs oder zur Arbeit gefahren verzichtet wird. Entweder ergänzt man also diesen Satz entsprechend, oder man setzt einfach hinter den vorhergehenden Satz statt eines Punktes ein Komma. zurück
Diese Informationen beschreiben eine Person, die hier nicht näher in Erscheinung tritt, sind daher eigentlich überflüssig. Der Hinweis auf den Unterrichtsausfall lässt den Leser wissen, dass die Tochter noch im schulpflichtigen Alter ist, und das ist für die Charakterisierung einer eher unwichtigen Nebenfigur vollkommen ausreichend. Bleibt an dieser Stelle eigentlich nur noch die Frage, warum es zuvor beim Betreten des Arbeitszimmers eigentlich so immens wichtig war, die Tür zu schließen, wenn in der Wohnung doch alles ruhig ist. Schließlich besteht weder die Gefahr, dass die dicke Hausfrau gestört wird, noch stört sie ihrerseits jemanden. Für gewöhnlich sind nämlich weder das Schreiben einer E-Mail noch das Stöbern in virtuellen Katalogen mit übermäßiger Geräuschentwicklung verbunden. zurück
Dieser Satzanfang wirkt unnötig abgehackt. Auf überflüssiges Herumreden zu verzichten, ist zunächst einmal ja vollkommen korrekt und wünschenswert. Hier wird jedoch zu sehr an Worten gespart. Ein einleitendes sie darf man dem Satz schon gönnen. Außerdem war der Text, seit sich die dicke Hausfrau an den Rechner gesetzt hat, im Präsens gehalten. Ausgerechnet an dieser Stelle plötzlich wieder in die Vergangenheitsform zu wechseln, ergibt keinen erkennbaren Sinn. zurück
Ungläubig erscheint mir in diesem Zusammenhang passender als scheu. zurück
Korrekt muss es heißen Es ist doch erst 7.55 Uhr. zurück
Das an vor Knete ist in jedem Fall überflüssig, außerdem klingt Knete zu nachlässig und umgangssprachlich, das hat der Text nicht verdient. Der Begriff Geld mag vielleicht nicht allzu einfallsreich wirken, ist hier jedoch angemessener. zurück
Sicher, dass sie tatsächlich den Rechner getätschelt hat? Oder war es vielleicht doch eher der Monitor? zurück
Da hat die dicke Hausfrau ihre Enttäuschung aber ziemlich schnell überwunden, wenn sie so problemlos von resigniert auf liebevoll umschalten kann. Auch dieser Sinneswandel kam wieder einmal ein bisschen sehr plötzlich. zurück
Wenn die dicke Hausfrau zur Tür geht, ist sie logischerweise vorher aufgestanden, das muss also nicht noch einmal explizit betont werden. Außerdem fehlt hier definitiv ein hat, die Formulierung ist noch einen sehnsüchtigen Blick auf den Bildschirm geworfen ist schlicht und einfach sprachlich falsch. Außerdem: Wieso ist der Bildschirm dunkel? Die dicke Hausfrau hat doch nur ein Programm beendet, da müsste dann doch noch die Benutzeroberfläche oder ein Bildschirmschoner zu sehen sein. Davon, dass sie den Computer komplett heruntergefahren hat, war bisher doch noch gar nicht die Rede. zurück
Ob das offline an dieser Stelle des Textes besonders sinnvoll ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. Mir persönlich gefällt es, weil es noch einmal das definitive Ende des Online-Aufenthaltes betont, sowie eine schöne Verbindung zu der, wenn auch leider nur mäßig einfallsreichen, Überschrift darstellt. Andererseits kommt diese Feststellung ein bisschen spät – offline war die dicke Hausfrau doch spätestens, nachdem sie die Verbindung gecancelt hat. zurück

© 2003 by Nicole Thomas. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Textkritik: Nimmermehr – Lyrik

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die Krieger, sie ziehen aus zu fernen Schlachten
wo sie den erklärten Feinden nach dem Leben trachten
die Erde sie trauert um sinnlos vergossenes Blut
die Bäume erzählen von Schlachten und Mut

doch abseits steht ein Barde einsam alleine
besingt die toten Freunde und weinet gar sehr
macht es sein Herz traurig, doch so schwer
steht er da und schreit ein Wort nur: Nimmermehr

dies Wort was einst die Raben brachten in die Welt
er mit diesem Wort darüber sein Urteil fällt
ein Mann, ein Freund, leblos am Boden liegt
für ihn, es war ein sehr teurer Sieg

das Schwert steckt noch tief und fest in der Brust
Gestern noch saß er am Feuer, schürte seine Kampfeslust
doch nun klamme fahle Finger umklammern noch die Schneide
er hernieder sinkt, starrt in die leeren Augen und leide

die Schlacht sie ist im Gange, sie reihenweise sich niederlegen
das klirren der Schwerter, die Kampfesstimmen über die Erde fegen
doch er steht nur da versunken in Trauer, tief in seiner Melancholie
weint bittere Tränen für die Welt, sie werden geschlachtet wie Vieh

die letzten stehen noch aufrecht im Kreise
ohne Chance, ein Blick, ein kurzes Nicken
das Wissen zu sterben, zum gehen bereit
ein letztes Aufbäumen, zu schinden noch Zeit

so standen die Krieger, Rücken an Rücken da
es war sicher, wussten das der Tod sie ansah
so kreuzten sie die Klingen ein letztes Mal
dann sie sich dem Schicksal ergaben und starben

der Barde, der alte Mann
formte mit seiner Trauer
für Sie diesen Gesang
und zog davon gebrochen und schwer
nur ein Wort auf den Lippen: Nimmermehr

© 2003 by Talis Wood. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Eine formal und inhaltlich grausam zusammengestümperte Pseudoballade.

Die Kritik im Einzelnen

Vorbemerkung: da ich hier mit Textmarken geizig sein muss – denn die Übersicht geht verloren, wenn ich jedes zweite Wort verlinke – bekommt jede Strophe nur einen Link verpasst.
In der ersten Zeile ziehen Krieger zu fernen Schlachten aus, womit klar wird, dass dieses Gedicht nichts mit Soldaten zu tun hat, sondern historisch woanders angesiedelt ist. Warum es die Krieger, sie ziehen heißt statt die Krieger ziehen sollte einen Grund haben, sei es nun Metrum oder Stil; hat es aber nicht, denn in diesem Gedicht – ich greife vor – wechseln Metrum & Rhythmus & Reim ganz nach Belieben, was ein schlechtes Zeichen ist, wenn ein Gedicht zentriert & in Strophenform daherkommt…
Die Krieger werden charakterisiert: es sind keine edlen Krieger, die ihre Jungfrauen oder ihr Vaterland oder ihren Geldsack verteidigen, sondern es sind blutrünstige historische Hooligans, die aus purer Mordlust losziehen, um erklärten Feinden (»Ich erkläre hiermit allen Rübennasen den totalen Krieg!«) das Leben (nicht das leben) zu mopsen.
Hieß es in der ersten Zeile die Krieger, sie ziehen…, so heißt es jetzt – seltsamerweise ohne Komma – die Erde sie trauert…: Also doch ein Stilmittel? Abwarten! Wichtiger ist, dass unsere Erde im Vorgriff auf zukünftige Ereignisse schon einmal vorsorglich trauert (vielleicht hat sie später dazu keine Gelegenheit mehr, z.B. wenn sie in Blut ersaufen sollte), weil in der kommenden Schlacht Blut sinnlos vergossen worden sein wird; kann ich irgendwie nachvollziehen, denn soweit mir geläufig ist, schätzt die Erde nur sinnvoll vergossenen Blut in der berüchtigten Kombination >Blut und Boden<.
Zum Stilmittel: wäre es eines gewesen, müsste es in der vierten Zeile korrekterweise heißen: die Bäume, sie erzählen. Tut es aber nicht; also ist es kein bewusst eingesetztes Stilmittel. Weiter: mich würde schon interessieren, von wessen Mut hier die Bäume erzählen: sind sie heimliche Fans dieser Hooligantruppe und halten deren Abschälachtereien (He, Word 2000!!! Ich habe Abschlachtereien getippt, das musst du nicht verbessern – halte dich da gefälligst raus!!!) für ein Zeichen von Mut? Spannend auch, wem die Bäume erzählen: z.B. der Erde, um sie zu trösten? oder einander, um ihre Vorfreude auf kommende Metzeleien zu kanalisieren? Sonst ist niemand in der Nähe! Halt, Kommando zurück: sind die Bäume etwa und gewissermaßen die lyrischen Ichs, die dieses Gedicht zu verantworten haben? Festzuhalten bliebe noch, das die erste Strophe saubere Paarreime hat. zurück
Warum steht der Barde doch abseits statt einfach abseits? Zieht er normalerweise mit seinen Kumpels mit und bleibt nur dieses Mal daheim? Schließlich sind Barden nichts anderes als singende Krieger, die ihre Kumpels zusätzlich durch ihre Musik psychologisch beeinflussen können – man betrachte, was das Psychologische angeht, nur einmal Troubadix (der im Original viel sprechender heißt: Assurancetourix)! Jedenfalls: der Barde ist ein armes Schwein, denn er steht einsam und allein (bitte nicht das umgangssprachliche alleine, vor allem dann nicht, wenn es wie hier nicht einmal als Reimwort missbraucht werden muss). Damit fällt er als Baumerzählungszuhörer flach, weil er dann in Gesellschaft gewesen wäre.
Nanu: die Erde trauert wegen vergossenem Blut, der Barde besingt die toten Freunde… Aber die Hooligans sind doch erst auf dem Weg zu fernen Schlachten? Oder habe ich etwas nicht mitgekriegt? Vielleicht haben die Mordbrenner schon eine Schlacht hinter sich – nämlich diese hier -, ziehen unbefriedigt blutgeil zu einem ferneren Schlachten, während sie mit den Leichenteilen den Barden zurückgelassen haben, der ihnen offenbar entwischt ist oder sich mutlos hinter einem Baum versteckt hatte wegen einer Arthrose im Schwerthandhandgelenk. Irgendeinen Sinn muss das ja haben…
Was macht wohl sein Herz traurig, doch so schwer – was auch immer diese sprachlich höchst eigenwillige Wörterkombination bedeuten will: sein Herz ist traurig, aber so schwer… – : beschweren es (das Herz) die toten Freunde (was kein es wäre), dass er überhaupt weint, dass er sehr weint (was als Tätigkeit zwar ein es wäre, aber sinnlos, da es (das Weinen) das Ergebnis der grammatisch unbegründeten Trauer wäre)? oder – ja doch! – gehört doch so schwer zur nächsten Zeile,
wo es dann im Zusammenhang hieße: doch so schwer / steht er da ? Das könnte möglich sein: er weint, pardon: weinet, das heißt er verliert Flüssigkeit, aber dennoch (doch) steht er schwer da (also haben wir es mit einem umfangreichen Barden zu tun). So fügt sich zumindest ein Weniges sinnstiftend zusammen: man muss halt Geduld haben, vor allem als Kritiker! Unser Barde aber weinet (ob der wohl Hänschen heißt?) nicht nur, sondern er singt gleichzeitig (von Schluchzern geschüttelt) zu Gunsten seiner toten Freunde, während er ebenfalls gleichzeitig ein Wort nur schreit (diese drei stimmlichen Vorgänge gleichzeitig: das schafft keiner, da wette ich), nämlich Nimmermehr; er kannte offensichtlich & bestenfalls den guten Edgar Allen Poe; damit kann der Text jedoch nicht im Mittelalter spielen. Schlimmstenfalls kennt er den Raben Nimmermehr als den ständigen Begleiter und Fernaufklärer der Hexe Gundel Gaukeley (Magica de spell), doch die taucht in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts zum ersten Mal auf, was für den Zeitpunkt der Schlachten und Barden der Todesstoß wäre. Aber lassen wir das. Festzuhalten bleibt noch, dass in dieser Strophe die erste Zeile reimlos vor sich hin kümmert, während dann gleich drei Reime folgen. zurück
Dies Wort was einst…erinnert stilistisch wieder an den Beginn der ersten Strophe (hier fehlt erneut das Komma). Zum Symbol gemacht hat nur 1 Rabe diesen Begriff, eben der Poe’sche, selbstverständlich gab es das Wort bereits lange zuvor. So viel zum Gehalt dieser Zeile.
Nur der Reim Welt-fällt könnte als Vorwand herhalten müssen, warum diese Zeile so entsetzlich verkorkst daherstolpern muss: aber es muss sich doch überhaupt nichts reimen in diesem Gedicht, es gibt doch mehrfach Doppelzeilen ohne Reim! Warum macht sich einer solche Mühe, einen Satz so zu verunstalten? Zumal auch der Inhalt vor die Hunde geht (vermutlich aber nicht wegen der Satzstellung): worüber ist darüber? Worüber fällt unser umfangreiches Hänschen ein Urteil:? Über die Welt? Über die trauernde Erde und die eifrig plappernden Bäume? Über das In-die-Welt-Bringen des Wortes? Über die Hooligans? Über die Feinde? Über seinen Schrei? Über das Gedicht? Und was ist nimmermehr für ein Urteil? Die ganze Zeile ist eine, die man sich schenken kann & sollte: das ist mein Urteil! So etwas mag ich nimmermehr lesen!
Tatsächlich: es hat eine Schlacht stattgehabt, denn immerhin liegt abgesehen von den vielen toten Freunden, die bereits beweinet wurden, zusätzlich auch noch ein Mann, ein Freund leblos am Boden herum. Die anderen toten Freunde hängen wohl in den Bäumen: kein Wunder, dass Letztere sich einiges zu erzählen haben!
Für ihn, es… hat zum vierten Male diese stilistische Hervorhebung, überraschend plötzlich wieder mit korrektem Komma: damit steht es bereits 2:0 für Kommahin nach den beiden Eigentoren von Kommaweg! Erstaunlicherweise hat der Mannfreund einen Sieg errungen: aber in Clausewitzens Namen, wer zieht denn da in welche Schlachten, wenn gerade ein Sieg errungen ist? Oder ist Mannfreund einer aus der ursprünglichen Hooliganherde, deren Reste jetzt zu noch ferneren Schlachten und Feinden zieht, während die toten Sieger zurückbleiben und vom umfangreichen Hänschen beweinet werden? Wo allerdings die erschlagenen Feinde sich befinden, bleibt seltsamerweise unklar: das müssen doch eine Menge gewesen sein… Die Strophe zeichnet sich durch Paarreime aus, von denen der erste sehr brutal hingemurxt wurde. zurück
Also: trotz allem herrscht im Gedicht finsterstes Mittelalter: das Schwert spricht Bände. Aus stilistischen Gründen hätte die Zeile beginnen müssen das Schwert, es steckt… Unerklärlicherweise wird darauf hier verzichtet. Dafür beginnt
die nächste Zeile überraschend mit einem lyrischen Großbuchstaben – vielleicht als stillschweigender Ausgleich für das vorausgegangene kleine Leben…; dass Mannfreund am Feuer seine Kampfeslust geschürt hat, ist eine krasse Portion unfreiwilliger Humor, denn normalerweise kann niemand etwas bei sich selbst schüren, sondern nur bei anderen; da frage ich mich zudem, wo Hänschen in jener Nacht am Schüren war: schließlich ist das seine Spezialfertigkeit, und woher er weiß, dass Mannfreund sich selbst geschürt hat, wenn er gar nicht dabei war.
Auch hier könnte das Stilmittel (wenn es jemals eines gewesen wäre) wieder problemlos eingesetzt werden: doch klamme fahle Finger, sie umklammern nun… Die Verbindung klamm mit klammern klingt ansprechend, haut aber inhaltlich volle Kanne daneben: klamme Finger bedeutet, dass sie schwer beweglich sind, also gerade nicht klammern könnten, auch wenn sie es wollten.
Wer sinkt hernieder? Ich denke, Mannfreund liegt leblos am Boden! Wenn einer schon auferstanden ist von den Toten, möchte man das doch wissen, das ist schließlich nicht selbstverständlich! Auch nicht ganz uninteressant ist, in wessen leere Augen der wiederauferstandene Mannfreund starrt – vielleicht sind es ja seine eigenen, falls nur sein Astralleib sich erhoben hatte, und so starrt Astralmannfreund mit seinen Astralaugen in seine leeren Normalaugen, während seine klammen Astralhände das Astralschwert in der Astralbrust umklammern. Oder sollte mit dem er zu Beginn unerwarteterweise unser umfangreiches Hänschen gemeint sein, das in dieser Strophe bislang noch keine Rolle gespielt hatte? Wäre mir irgendwie lieber, obwohl das auch nicht mehr viel hilft. Denn was soll das heißen: er starrt in die Augen und leide? Völlig hilflos ob dieses tödlich verunglückten Reimwortes leide empfehle ich Scheide, denn die muss erstens leer sein, weil das Schwert in der Brust steckt, und zweitens hat sie eine Öffnung, in die man hineinstarren kann. Besser, das gestehe ich frei heraus, wird das Gedicht dadurch aber um kein Gran. Lediglich der zweite Paarreim in dieser Strophe wäre ansatzweise gerettet. zurück
Wie bitte??? Da war noch gar kein Sieg? Da tobt eine Schlacht? Ja: aber welche denn? Wann sind die Hooligans denn eingetroffen? Und wieso ist der Barde plötzlich bei den Hooligans??? Natürlich nicht: Es ist milliardenfach schlimmer! Gewiss läuft die Schlacht schon von Anfang an, nur war es Hänschen (denn der stümpert ja diesen Unfug zusammen, wie wir am Ende informiert werden) nicht möglich, dem Leser das auch nur ansatzweise verständlich zu machen: Die Krieger ziehen in die Schlacht, aber der Barde steht einsam & allein, so gibt er den Sachverhalt weiter! Und falls der Barde stehend in gebührendem Abstand (wegen abseits und allein) hinter seinen Mörderkumpanen hergeritten wäre, sollte man das als Leser ebenfalls erfahren. Tröstlicherweise wird erneut zum Nichtstilmittel gegriffen (die Schlacht sie ist…), zur Abwechslung wieder ohne Beistrich, neuer Spielstand also 3:0 für Kommahin.
Beim Spielstand Großschreib gegen Kleinschreib stand es zuletzt 1:1, jetzt legt Kleinschreib wieder einen vor: 2:1 für Kleinschreib dank das klirren. Einen besonderen Reiz bergen auch die Kampfesstimmen, die über die Erde fegen: bei dem Schwertgeklirr dürften die üblichen Unterhaltungen kaum vernehmbar sein: da nimm, hab ich dich, wart nur, das zahl ich dir heim… usw.; wesentlich vernehmlicher hingegen fegte alle Art von Kampfgeschrei über Felder und Wiesen.
Wenn es nicht müßig wäre zu fragen – ich bekomme ja doch keine Antwort -, dann früge ich, wann unser umfangreiches Hänschen sich wieder aufgerappelt hatte, es war doch niedergesunken, um in leere Augen und eine leere Scheide zu starren. Auf das Nichtstilmittel wird großzügig verzichtet (doch er, er steht…), und der umfangreiche Barde ist versackt in Trauer oder Melancholie, er weiß es selbst nicht so genau, deshalb setzt er sicherheitshalber beide Wörter hin.
Dann ist umfangreiches Hänschen schon wieder am Heulen, und zwar weint es diesmal Tränen für die Welt (wär mal was Anderes statt dem ewigen Brot, und schließlich sind Brot & Tränen Geschwister) – und da hat er zusätzlich ein lecker Geheimnis, der umfangreiche Barde: nur er ganz allein weiß, wie man für etwas weinen kann; um die Welt hätte er zudem schlecht weinen können, der geht’s doch geradezu blendend, da reihenweise Grasnarbenzertrampler endgültig in selbiges beißen; irgendwelche Wesen (Hooligans und/oder Rübennasen) werden zudem wie Vieh geschlachtet, vermutlich, weil sie sich bereitwillig niedergelegt haben: sei’s drum, basst scho! Hell aber strahlt die Strophe mit zwei astreinen Paarreimen (irgendjemand muss hier für Lyrisches sorgen). zurück
Kleinschreib schlägt erneut zu, es hat die letzten ins Feld geschickt: Spielstand 3:1. Von der Schlacht selbst ist nicht mehr viel übrig, da stehen noch ein paar Hansele im Kreis, es scheint, es sind die  restlichen blutlüsternen Hooligans, die jetzt ihrerseits von den Rübennasen aber so was von eine drauf kriegen: Recht so! Auch, dass Hänschen wieder das Nichtstilmittel verloren ging (die Letzten, sie stehen…), ist nur wegen dem Spielstand schade.
Oha, Kleinschreib schlägt schon wieder zu, dieses Mal darf zum gehen ran: 4:1 kurz vor dem Schlusspfiff! Wer sagt, dass dieses Gedicht nicht spannend ist? Zum Inhaltlichen könnten sogar die Hooligans höchstpersönlich wohl auch nicht sagen, warum sie einerseits angeblich zu gehen bereit sind, andererseits aber noch Zeit schinden möchten: aber wer weiß schon, was in hohlen Hooliganköpfen vor sich geht? Nicht einmal Freund Hänschen kennt sich da aus… Am Ende findet sich ein trübseliger Paarreim. zurück
Es hätte eigentlich heißen können die Krieger, sie standen Rücken an Rücken da aus Gründen, die zu nennen ich mich inzwischen weigere; in jedem Falle ist das Komma im Originalsatz daneben, also ein sattes Eigentor von Kommahin: Kommaweg verkürzt auf 3:1.
Die zweite Zeile ist schwerstbeschädigt: es war sicher, sie wussten, dass der Tod sie ansah müsste der Satz korrekterweise heißen; wie oft die noch begreifen müssen, dass sie erledigt sind, lässt sich nur dadurch rechtfertigen, dass die Krieger – wie schon gleich zu Anfang nachgewiesen wurde – eben keine ehrbaren Krieger sind, sondern höchst einfachst gestrickte Totschläger. Ein Eigentor von Kommaweg ereignet sich, da nach wussten eines zu stehen hat: 4:1 stürmt Kommahin unaufhaltsam davon.
Noch immer haben trotz Einsicht und Durchblick und Wissen und Erkenntnis die Totschläger keinen Schimmer, sondern kreuzen die Klingen noch ein letztes mal (4:1 für Kleinschreib, Torschütze mal) – menno, das dauert!!! Heißen hätte es müssen die Klingen, sie kreuzten sie… (ich verrate aber nicht, warum!)
Beim sehnlichst erwarteten Exitus wird noch einmal die Grammatik beansprucht durch eine unnötige Inversion: dann ergaben sie sich dem Schicksal und starben… muss es korrekt heißen; Gedichte zeichnen sich schließlich nicht dadurch aus, dass ihre Sätze möglichst falsch gebaut sein müssen. Ist es eigentlich Schicksal, wenn man sich blutrünstig auf einen Feind stürzt und dann den Kürzeren zieht? Ich halte das eher für hausgemacht. Für die getöteten Rübennasen sieht das allerdings anders aus: wer rechnet schon mit solchen Mordkommandos… Zum Glück haben jene gewonnen und leben jetzt friedlich in Rübennasenhausen, übrigens schon seit Jesu Zeiten (weiß ich von Brian)! zurück
Bevor unser umfangreicher Barde Hänschen zum Formen geschritten wäre, hätte er besser nachgedacht; aber vermutlich hat er sich den letzten Rest von Verstand aus dem Hirn geweint, um endlich seinen engsten Freunden, den Totschlägern, gleich zu sein. Nur so kann ich mir erklären, warum er auf seinen Verstand verzichtet und lieber mit Trauer »dichtet«. Auch sonst hat er nicht viel zu Stande gebracht, nicht einmal die Kampfeslust seiner Freunde hat er anstacheln können bzw. müssen, die haben auch ohne sein Zutun genug geschlachtet und sich bei Bedarf selbst geschürt. Und ganz gewiss hat er nicht für mich diesen Unsinn geschrieben.
Dass Hänschen gebrochen davonzieht, rührt mich überhaupt nicht, im Gegenteil, das ist das Mindeste, was er verdient hat! Er hätte besser einige Gedanken und Gefühle an die Opfer seiner Schlägertruppe verschwenden sollen, statt selbstmitleidig in Trauer zu versumpfen; und für seine Schwere ist er auch selbst verantwortlich, Arthrose ist kein Grund, sich nicht körperlich zu betätigen. Froh allerdings stimmt mich sein Gelöbnis am Ende, nämlich dass er nimmermehr singen wird – für wen auch, seine Kumpel haben sich immerhin erfolgreich ausgerottet! »Gut so«, rufe ich dem umfangreichen Hänschen nach, »geh allein in den tiefen Wald hinein und lausche den Bäumen, die haben immerhin was Rechtes zu erzählen!«

Workshop »eBooks selbst gemacht«

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Hinweis: Dieses Workshop aus dem Jahre 2003 ist mittlerweile hoffnungslos veraltet und überholt. Aktuelle Infos dazu finden Sie z.B. hier.

eBook-Lesegeräte anno 2003Einführung zu unserem eBook-Workshop

Was bietet unser Workshop? – Was sind eBooks? – Wer liest schon eBooks? – Wie mache ich eBooks selbst und warum?

Über Sinn und Unsinn von elektronischen Büchern wird viel diskutiert. Wir wollen Ihnen in einem mehrteiligen Workshop zeigen, wie Sie eBooks selbst erstellen können, um für Ihre Texte neue Leserkreise zu erschließen.

  1. Einführung
  2. eBooks für den Palm Plattform
  3. eBooks für den Microsoft Reader

Nachtrag aus dem Jahre 2010: Dieser Workshop stammt aus dem Jahre 2003 und ist mittlerweile veraltet. Dennoch werden wir ihn nicht löschen, da er mittlerweile »historischen« Charakter hat und die eBook-Welt um den Jahrtausendwechsel zeigt.

Textkritik: Danach – Prosa

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Das musste das Paradies sein. Jedenfalls blühten überall Blumen, und auf dem sanft geneigten Wiesenhang sah er von hinten ein Mädchen sitzen. Sie war wohl eine der versprochenen Jungfrauen. Aber warum hatte sie eine gelbe Schultasche bei sich, die so aussah wie die der Schülerin in dem Bus von vorhin? Er berührte ihre rechte Schulter. Sie wandte den Kopf und sah ihn an. Ihr Blick kam aus verbrannten Augenhöhlen, und ihrem Gesicht fehlte die Haut.

© 2003 by Rupprecht Mayer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Eine bitterböse und aufklärerische Kürzestgeschichte, die unbedingt ins Arabische übersetzt werden muss – obwohl das für den Autor äußerst unangenehm werden könnte, denn islamische Fundamentalisten würden überschäumen!
Schließlich werden den Selbstmordattentätern Jungfrauen versprochen – und die Versprecher bekommen in diesem Text Recht, allerdings auf eine grauenhafte Weise: ob der erfolgreiche Bomber wohl mit dieser Jungfrau leben möchte? Die anderen aus dem Schulbus dürften wohl kaum in besserer Verfassung sein…
Ich halte solche Texte für eindringlicher und deswegen wirkungsvoller als alle gut gemeinten und sogenannten politischen Gedichte und Texte, die mit Zeigefingern um sich schmeißen.

Die Kritik im Einzelnen

Nur Positives (siehe oben).

Good Bye, eBook! Gemstar gibt auf.

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NuvoMedia Rpcketbook
Das Rocket eBook

War der Markt nicht reif – oder niemals vorhanden? Der eBook-Anbieter hat seine deutsche Niederlassung zum 31. Juli 2003 geschlossen
Update: Am 18. Juni 2003 stellte Gemstar den Verkauf der Geräte weltweit ein

Wird das gedruckte Buch aussterben? Werden wir künftig Texte auf kleinen tragbaren Geräten lesen, deren Speicherkapazität für ganze Bibliotheken ausreicht? Auf der Buchmesse 1998 konnte man zum ersten Mal den Prototyp eines buchgroßen Gerätes sehen, auf dem wechselnde Texte dargestellt werden konnten. Seitdem wird die Diskussion um die sogenannten eBooks geführt. Jede Zeitung, jede Zeitschrift berichtete regelmäßig meist zur Buchmessezeit darüber. Man fragte Schriftsteller und Computerexperten nach ihrer Meinung und diskutierte auf Veranstaltungen. Man verteufelte das Gerät, das nie das Gefühl von Papier und »echter« Literatur vermitteln werde, oder pries es als Zukunft des Lesens. Über Publicity auch außerhalb der Computer-Medien konnte man sich also beim Anbieter Gemstar wahrlich nicht beklagen.

Textkritik: ich sehe dinge – Lyrik

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hinter mir zurück bleiben,
rasierzeug, helden,
das meer bei köln,

sie werden blass,
wie ein hauch alte schrift
ich weiß kaum

noch das rot deines
schals über dem dünnbeschneiten
strand, fremd

die stimmen der freunde
unter den kastanien, der geruch
meines gartens so still

ich frage die augen, ist das jetzt
der blick des astronauten
beim verlassen der welt

sie schauen nach vorn
und sind ohne wort

© 2003 by bernd beißel. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Das ist ein auch formal weitgehend überzeugendes Gedicht, weil es dem Leser Raum gibt für seine eigenen Gedanken.
Und meine sind tröstlich-erschreckend: dass Augen zwar nach vorne blicken, aber angesprochen werden müssen, weil sie so fremd geworden sind, dass sie nicht einmal mehr Bilder nach innen vermitteln, obschon dort nur noch ein Hauch ist, an den das lyrische Ich sich klammert: Das sind die Dinge, die es sieht.

Die Kritik im Einzelnen

Das lyrische Ich beginnt mit einer starken Irritation: bleibt es hinter sich selbst (dann wäre die erste Zeile Aufforderung) oder bleiben die nach dem Komma aufgezählten Dinge zurück? Wegen des Kommas müsste es Ersteres sein, denn andernfalls wären Rasierzeug samt Begleiter Subjekt, dürften also nicht mit Komma abgetrennt werden.
Ich zöge es vor, wenn nach der ersten Zeile kein Komma stünde – dann wären zumindest mehrere Lesarten möglich!
Die Aufzählung selbst ist überraschend, schließlich geht es laut Überschrift um Dinge, wozu sicherlich Rasierzeug gehört! Aber Helden? Und das Meer bei Köln? Helden sind wesentlich historisch (hat nicht Siegfried in der Nähe herumgetobt? Obwohl: der ist ja eigentlich kein Held, sondern eher ein selbstgefällig-arroganter und vor allem dummer Übermensch), auch ein Meer bei Köln als Teil der Nordsee hat es vor Abermillionen Jahren einmal gegeben – allerdings ohne ein Köln! Immerhin gibt es noch ein Kölner Bucht und die Rheinverbindung zum Meer, auf die manche Kölner sehr stolz sind. Wie auch immer: das all dies mit Dinge bezeichnet wird, zeigt eine erhebliche Distanz! zurück
Ein hauch alte schrift kann nicht mehr verblassen, sondern nur noch verschwinden; um diesen inhaltlichen Widerspruch zu vermeiden, stünde dem blass ein so gut zu Gesicht, und fehlte anschließend das überflüssige Komma, wäre alles klar: sie werden so blass/wie ein hauch alte schrift. Es sind selbstverständlich andere Möglichkeiten offen: z.B. verblassen statt werden blass (was einen anderen Anschluss verlangte zum folgenden Satzglied…). Ein treffender Ausdruck stellt sich selten von ganz allein her… zurück
Die drei vergangenen Abschnitte bilden wegen der Enjambements eine starke Einheit, so, als ob das lyrische Ich die Erinnerungen (Farbe, Gefühl, Geruch, Geräusch) gerade noch festhalten kann – als einen Hauch. Das Motiv Meer taucht im Strand nochmals auf: kann es sein, dass sich Erinnerungen vermischen? zurück