Das US-Publikum bekommt ein anderes Ende der Neuverfilmung des Jane-Austen-Klassikers „Stolz und Vorurteil“ von Regisseur Joe Wright zu sehen als die Europäer: Die beiden Liebenden Lizzie (Keira Knightley) und Mr. Darcy (Matthew MacFadyen) küssen sich dort nach der Hochzeit leidenschaftlich auf einer Terrasse im Mondlicht. In Europa dagegen endet der Kinofilm wie in der Romanvorlage: Vater Bennet (Donald Sutherland) gibt seinen Segen. Weiter beim Standard…
Schwere Zeiten für kleine Buchhandlungen
Unter Lesern und Buchkäufern hatten die kleinen Buchhandlungen bislang immer einen sehr guten Ruf. Im Gegensatz zu den großen Buchhandelsketten fühlte man sich dort besser beraten und aufgehoben.
Dies scheint sich nun zu ändern, zumindest wenn man die Ergebnisse einer Studie des Marktforschungsinstituts INNOFACT betrachtet, für die 2.000 Verbraucher befragt wurden.
Während in den vergangenen Jahren lokal operierende Buchhandlungen noch einen klaren Qualitäts- und Imagevorsprung gegenüber den Handelsketten vorweisen konnten, hat sich beispielsweise Marktführer Thalia mit seinen rund 100 Buchhandlungen in Deutschland in der qualitativen Bewertung durch die regelmäßigen Buchkäufer immer weiter nach vorn geschoben. […] Die zunehmende Konzentration in Verbindung mit der positiven Wahrnehmung der Filialistenkonzepte durch die Kunden ist ein klares Indiz, dass die Vielfalt der Buchhandelslandschaft in Deutschland in der bisherigen Form nicht erhalten bleiben wird. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass auch der deutsche Buchhandel eine Entwicklung durchlaufen wird, die in anderen Einzelhandelsbranchen schon längst vollzogen wurde: Konzentration auf wenige große Anbieter mit entsprechend uniformem Erscheinungsbild und Angebot.
Den schlechtesten Ruf sowohl beim Preis-/Leistungsverhältnis genauso wie bei der Kompetenz der Mitarbeiter haben nach dieser Studie die Buchabteilungen von Karstadt und Kaufhof sowie der Club Bertelsmann.
Das literaturcafe.de in München
Am kommenden Freitag (18.11.2005) ist Wolfgang Tischer, Gründer und Herausgeber des literaturcafe.de, in München zu Gast. In seinem Vortrag an der Münchner Volkshochschule nimmt Wolfgang Tischer die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf einen kurzweiligen und interessanten Bummel durch die literarische Welt des Internets. Egal, ob Sie selbst bereits im Netz literarisch tätig sind oder diese neue Welt erst entdecken wollen, sie werden an diesem Abend manch Interessantes und Wissenswertes erfahren und Tipps und Anregungen erhalten.
Volkshochschule München · Schwanthalerstr. 2 · Fr 18.00 bis 19.30 Uhr · 18.11.2005 · 5.50 · Restkarten 6.- nur am Veranstaltungsort · 18 Plätze · Telefonische Anmeldung möglich
Textkritik: Lückenlos – Prosa
»Guten Tag. Kommen Sie herein. – Name?«
»Meller.«
»Ja?«
»Knut Meller.«
»Hallo Knut, wir duzen hier oben; sind ja eine große Familie.«
»Hallo Pe.«
»Knut, erzähl uns dein Leben – und lass dir Zeit. Zu uns kommt ja selten jemand. Du hast ja gesehen, das Wartezimmer ist leer. – Einen Kaffee?«
»Ich trinke lieber Wasser.«
Pe drehte sich zur Seite und rief: »Domiel, eine Karaffe Wasser, bitte.«
Aus dem Nebenraum flötete Domiel: »Kommt sofort.«
Knut erzählte sein Leben tabellarisch: Geburt, Schule, alle wichtigen Ereignisse brav hintereinander.
»Wir wünschen einen lückenlosen Lebenslauf«, forderte Pe und Knut berichtete, woran er sich erinnerte. Er vergaß nicht von Ulla, seiner ersten Liebe, zu erzählen.
»Mit vierzehn habe ich Ulla zum ersten Mal geküsst.« Knut wurde rot, so was sollte man hier doch nicht erzählen, oder?, und fügte hinzu, »geheiratet habe ich Cornelia, die war auf einmal schwanger.« Verstohlen schaute er nach Domiel, die interessiert zuhörte und ihre hüftlangen blonden Haare kämmte. Dann folgten Anekdoten aus der Zeit seiner Berufsausbildung, den Studentenjahren und seines Arbeitslebens und wie er endlich Grauer Panther wurde. Unruhezustand nannte man damals den Lebensabend.
Vom Nebenzimmer her war Musik von Andreas Vollenweider zu hören: »Comming Home.«
»Passend«, dachte Knut. Sanft spülten die Töne herüber und weich frottierten die Melodien Knuts Gemüt. Er fühlte sich zu Hause. Seine Anspannung löste sich und er plauderte von seinen vielen Reisen, die er als Rentner mit Else unternommen hatte. Seine früheren Reisen verschwieg er. Besonders die zwei Jahre Aufenthalt mit Feliz im Ashram von Hikkaduwa. Ceylon war damals ein Geheimtipp, nach Poona pilgerten nur die Salon-Hippies. Knut gefielen die Gewänder mit den Farben der Morgenröte, eine Harmonie aus Orange und Gelb.
»Lückenlos!«, forderte Pe.
Knut hatte sich Pe sanfter vorgestellt und war von dessen Ungeduld überrascht. Er berichtete davon, wie langweilig sein Arbeitsleben verflossen war. In seinem Herzen aber hielt er Gesine verborgen. Mit ihr war er von Hikkaduwa nach Sigiriya getrampt, um die Wandmalereien zu genießen. Ihn stimulierten die Bilder, denn in jeder der vollbusigen Damen erkannte er damals Gesine, die blonde Gesine. Knut fand eine gewisse Ähnlichkeit mit Domiel. Ihr würde ein gold-orangener Sari ebenso gut stehen wie Gesine. Domiel spielte gerade als Ersatz für Vollenweider auf einer irischen Harfe.
Pe schlug ein Buch mit blauem Ledereinband auf. Die silbernen Schriftzeichen darauf konnte Knut nicht lesen. Während er erzählte, schien Pe die Lebensgeschichte mit der Niederschrift im Buch zu vergleichen.
»Weiter«, ermunterte Pe, »nichts auslassen. Anderenfalls . . .« Pe ließ offen, was >Anderenfalls< für Konsequenzen hätte.
Nach einiger Zeit, die Knut wie eine halbe Ewigkeit vorkam, sagte er: »So war mein Leben.«
»Ehmmmm,« brummte Pe gedehnt, »alles?«
Knut nickte und schämte sich, nicht von Gesine erzählt zu haben. Aber konnte er das wirklich Pe erzählen, hier, vor Domiel?
Pe nahm eine Feder und legte sie auf die linke Schale einer altmodischen Balkenwaage. Auf die rechte Schale stellte er eine Phiole und verkündete würdevoll: »Sie enthält dein Leben, deine guten und schlechten Taten.«
Die Schalen hoben und senkten sich, der Messzeiger schwankte zwar nur wenig um den Nullpunkt; aber die Waage kam nicht zur Ruhe; immerzu blieb sie ein wenig in Bewegung.
»Wir wollten einen kompletten Bericht,« resümierte Pe, »es darf keine Lücke im Lebenslauf erscheinen. Selbst die Universitäten verlangen eine vollständige Vitae.«
Pe schrieb ins blaue Buch und sagte: »Du darfst nicht hier bleiben! Du musst zurück auf die Erde. Wir können dir aber weder ein vollständiges Leben noch den endgültigen Tod geben: Du wirst nun als Wiedergänger ein Wächter der Menschen sein, bis die Waage zum Stillstand kommt.«
Zusammenfassende Bewertung
»Sanft spülten die Töne herüber und weich frottierten die Melodien Knuts Gemüt« ist der einzige lebendige Satz in diesem Text, und die einzige Figur, die mein Interesse ansatzweise erwecken konnte, ist Domiel.
Ansonsten sprachliche Unsauberkeiten, langweilige Berichte, völlig unklare und unlogische Verhaltensweisen bis hin zu dem absurden Auswahlverfahren am Ende; dazu wird von Anfang an unübersehbar klar gemacht, dass Knut sich im Himmel befinden muss, (große Familie; der ach so geheimnisvolle »Pe«; das stark an biblische Namen erinnernde »Domiel«; dass selten jemand kommt: Dickere Pflöcke kann man gar nicht einrammen – warum also nicht gleich Petrus beim Namen nennen?) sodass diese Erzählung nicht einmal auf einen überraschenden Schluss zusteuert, sondern trübe vor sich trieft.
Die Kritik im Einzelnen
Ja da schau her: Was ist das für ein Name? Und Pe? Abkürzung für Petrus? Und Domiel einer der Wächter(innen) am 6. Tor, so weiß es das Internet, aus der jüdischen Mystik? Und alle eine große Familie? Das riecht bislang nach einer Aufnahme im Himmel .zurück
Gut, dass die Erzählung einfach anfängt, ohne allerlei Überflüssiges zu berichten. Schlecht, dass dieser Satz berichtet, was Knut erzählt, statt ihn zumindest ansatzweise tabellarisch erzählen zu lassen, woraufhin Pe ihn dann unterbricht! Weg mit diesem Satz. Oder ändern. zurück
Man kann zu Andreas Vollenweider stehen, wie man will, aber ich glaube nicht, dass er einen solche Liedtitel ernsthaft verfasst hat, denn das liest sich doch verdammt Denglish. zurück
Die Anspannung ist angeblich gelöst, sein Gemüt durch eine Überdosis Vollenweider aufgeweicht – und trotzdem verschweigt er etwas? Das will mir nicht einleuchten, wo er doch gerade noch so nett geplaudert hat! zurück
Knut weiß doch Bescheid, wenn er sich Pe schon vorstellt; er weiß Bescheid um die Vorgänge am Himmelstor, er muss vom Buch des Lebens gehört haben – warum verschweigt er solche Belanglosigkeiten??? Daran hängt die ganze Erzählung! zurück
Genau das gleiche! WARUM erzählt er nichts davon, da doch alle da oben Bescheid wissen? zurück
Dieses »er« bezieht sich grammatisch auf Pe, denn es gehört logisch zum letzten männlichen Subjekt des übergeordneten bzw. vorhergehenden Satzes. Richtig verständlich wird der Satz, wenn »Knut« und »er« vertauscht werden: »Nach einiger Zeit, die ihm wie eine halbe Ewigkeit vorkam, sagte Knut .« Das männliche Subjekt des übergeordneten Satzes wäre »Knut«, und damit wäre »ihm« eindeutig zuzuordnen. Das Problem dabei ist immer, dass der Verfasser genau weiß, wer gemeint ist, er diesen logischen Fehler also nur bemerken kann, wenn er darum weiß oder selbst erfahren hat, dass er überflüssigerweise bei der Lektüre eines Satzes über unklare Bezüge nachgrübeln muss. zurück
»Ehmmmm« brummt der Leser kurz angebunden, wie lang muss mannfrau eigentlich das gedehnte Ehmmmm schreiben, damit fraumann ohne »gedehnt« auskommt? Ab wieviel mmmmmmmmmmmmmms ist die optische Information so eindeutig, dass auf die attributive Verzuckerung verzichtet werden kann? zurück
Hahaaalt, Moooooment, das will ich jetzt genauer wissen! Also: da ist eine Balkenwaage. Und der Zeiger (wieso »Messzeiger«? Der misst doch gar nichts .) zittert um die Null herum, kommt also nicht zu einem ausgewogenen Verhältnis. Richtig? Richtig! Wenn die Waage zu einem Stillstand gekommen wäre, also auf der Null – was wäre dann die Folge? Vollständiges Leben UND endgültiger Tod? Denn vollständiges Leben ODER endgültiger Tod sind ja logischerweise die beiden Zustände, die sich aus dem Absenken der einen oder anderen Schale ergeben. Gibt es denn kein Gleichgewicht? Wer ist dann in diesem Bunde der oder das ominöse Dritte? Höchst befremdliches Verfahren, das! zurück
Aha! Knut wird also ein »Wächter der Menschen«. Beschützt der die jetzt davor, von heimtückischen Waagen oder Vollenweidern angegriffen werden, oder bewacht er sie, damit sie nicht an Waagen rumpfuschen oder Vollenweiders ärgern? Da finde ich Schutzengel schon besser, da weiß man jedenfalls, was man hat! »Wächter der Menschen« – was nicht gar! zurück
Beeindrucken Sie mit Ihrer harten Aufrichtung
Gerade haben wir im Stuttgarter Literaturhaus JODI erlebt. „Werft Spam nicht weg!“, hat er uns zugerufen. Er selbst hat ihn alphabetisch sortiert und von einem Sprachcomputer vorlesen lassen.
Wir probieren mal was Ähnliches, nehmen die Betreffzeilen der heutigen Spam-Mails und lassen sie von Babelfish ins Deutsche übersetzten.
Das Ergebnis ist durchaus amüsant zu lesen und auf Wunsch liest Anna es Ihnen sogar vor (MP3-Datei, 837 kByte, 1:38 Min. Dauer). Hier das Ergebnis:
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Neu: „den Stoiber machen“
Im Wirtschaftsteil der Südwestpresse vom 8.11. verwendete Niko Frank in seinem Kommentar „Verheerendes Schauspiel“ folgende treffliche Formulierung: „Unter den Topmanagern herrscht Massenflucht. Mit (…) Christine Licci und (…) Stefan Jentzsch machen ausgerechnet die beiden Hoffnungsträger den Stoiber„.
Toller Einfall! Wir freuen uns schon auf den Wörterbuch-Eintrag: „Stoiber den Stoiber machen, sich verdrücken, abhauen, sich verpisssen ugs.“ Da sage noch einer, Politiker bewirken nichts …
Wir gratulieren Hans-Ulrich Treichel!
Der Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel erhält den mit 15.000 Euro dotierten Karlsruher Hermann-Hesse-Preis. Der 53-Jährige lehrt als Professor am Deutschen Literaturinstitut der Uni Leipzig. Er erhält den alle zwei Jahre verliehenen Preis für seinen bei Suhrkamp erschienenen Roman „Menschenflug“. Die Jury lobt das melancholisch, effektvoll komödiantisch erzählte Buch und Treichels Leichtigkeit beim Schreiben über existenziell niederdrückende Dinge.
Vergeben wird die Auszeichnung von der Literarischen Gesellschaft Scheffelbund im Namen der Karlsruher Stiftung Hermann-Hesse-Literatur-Preis. Der Preis wird am 3. Februar 2006 im Karlsruher Rathaus verliehen.
Wir können uns dem Urteil der Jury nur anschließen und gratulieren Hans-Ulrich Treichel sehr herzlich!
Natürlich weisen wir an dieser Stelle auch nochmals auf das Interview hin, dass wir vor 14 Tagen auf der Buchmesse mit Hans-Ulrich Treichel geführt haben. Anhören! Es lohnt sich!
Hans-Ulrich Treichel: Menschenflug. Gebundene Ausgabe. Juli 2005. Suhrkamp. ISBN 3-518-41712-6. EUR 17,80 (Bestellen bei Amazon.de)
Wie werde ich Hörbuchsprecher?
Was muss ein Hörbuchsprecher können? Kann ich Hörbuchsprecher werden? Warum ist Vorlesen eine Kunst?
Diese und andere Fragen beantwortet einer der besten Hörbuchsprecher und Inhaber des Verlags und Studios für Hörbuchproduktionen, Hans Eckardt, in einer 9 MByte großen MP3-Datei (Spieldauer über 15 Minuten), die bei der Hoerothek heruntergeladen werden kann. Dort finden sich auch einige Merkmale und Kriterien, wie man gute Hörbücher von schlechten unterscheiden kann.
Schillers „Kabale und Liebe“ zum Download
Der Mitteldeutsche Rundfunk MDR stellt auf seiner Website Schillers Liebesdrama als Hörspiel zum kostenlosen Download bereit: Die junge Liebe zwischen Ferdinand und Luise steht den Mächtigen im Weg. Große Intrigen werden gesponnen. Am Ende gibts Limonade.
Die Hörfassung ist knapp 70 Minuten lang und kann in zwei Teilen heruntergeladen werden (jeweils 24 MByte).
Erfolgreich ist, was man so nennt
Merkwürdig. Von manchen Projekten erfährt man erst dann, wenn der Veranstalter sie im nachhinein als überaus erfolgreich anpreist. So lesen wir gerade im Heise-Newsticker:
Die Literaturbüros in Niedersachsen ziehen kurz vor Schluss eine positive Bilanz ihres Projekts „Netznotizen eines Zeitgenossen.“ Seit April publiziert der 1955 in Hamburg geborene und in Bayern lebende Thomas Meinecke Texte über sechs niedersächsische Städte im Internet. Seine wichtigste Informationsquellen sind dabei die örtlichen Zeitungen, sagte die Leiterin des Literaturbüros Westniedersachsen, Jutta Sauer, am Montag in Osnabrück.
Schaut man sich die Site an, so zeigt sich das, was man schon vermutet: Die Eiträge sind ziemlich pillepalle belanglos und weit unter dem Niveau dessen, was man in besseren Weblogs lesen kann. Noch dazu ist die Navigation leider nicht weblog-artig, was das Herumklicken zwischen den Einträgen reichlich umständlich macht.
Der Autor hat dafür ein Gehalt Stipendium über 9.000 Euro erhalten. Naja, wenigstens saß er nicht auf der Straße und konnte sich was zu essen kaufen.
Handlungsreisen
Es gibt Internetsites, die sind so klasse und toll, dass man sich fragen muss, warum man nicht schon früher von ihnen gehört hat, warum die Medien nicht darüber berichten, statt immer über die üblichen Klickibuntiseiten.
www.handlungsreisen.de ist so eine Site. Gerade haben wir darüber im Literaturwelt-Blog gelesen, das wiederum einen Eintrag im Literaturschock-Forum zitiert:
Dort findet Ihr eine Datenbank, in der jeder am Mitmachen Interessierte Bücher und ihre Handlungsschauplätze eintragen kann. Alle Orte, die in den Büchern vorkommen, werden dann auf einem zoom- und drehbaren Globus visualisiert. Man kann sich somit von Handlungsort zu Handlungsort und somit von Buch zu Buch durchklicken und bekommt jeweils detaillierte Informationen zu den zu einem Ort gehörigen Büchern. Wenn ein Buch an mehreren Orten spielt, werden diese Verknüpfungen durch rote Verbindungslinien symbolisiert. Ich finde das ganze sehr spannend, man kann so quasi durch viele Bücher spazieren gehen.
Und das Beste ist, dass in der Datenbank schon tatsächlich einen ganze Menge Handlungsort eeingetragen sind. Die Website erfordert allerdings installiertes Java, sonst sieht man keine Weltkugel.
Podcast-Diskussion in München
„Podcasts: Der Boom der Privatradios im Netz“ so lautet die Podiumsdiskussion, die am Donnerstag, 27.10.05 10:00 Uhr auf den Münchner Medientagen (in München. Logisch!) stattfinden wird.
Es diskutieren:
Georg Albrecht, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Apple Deutschland, Feldkirchen
Markus Kühn, Geschäftsführer Motor FM, Berlin
Georg Spatt, Programmchef Hitradio Ö3, Wien
Terry von Bibra, Geschäftsführer Yahoo! Deutschland, München
und
Wolfgang Tischer, Gründer, Chefredakteur und Buchmesse-Podcaster des literaturcafe.des, Stuttgart
Weitere Infos gibt es auf der Website der Medientage München. Sehen wir uns dort?
Viel Neues bei audible.de
Die Konkurrenz wird in diesem Herbst härter werden und viele neue digitale Hörbuchportale öffnen ihre Pforten. Darüber werden wir auch in unserem Podcast berichten.
Grund genug für den digitalen Hörbuchpionier audible.de rechtzeitig zur Messe einige Neuigkeiten zu verkünden und zu präsentieren. So beteiligt sich nun auch die Verlagsgruppe Lübbe mit fünf Prozent an audible.de. Gleichzeitig wird der Anteil an Lübbe Hörbuchproduktionen bei audible.de steigen. Hierzu zählen Bestseller wie Ken Follett oder Dan Brown („Das Sakrileg“).
Bis zum 24. Oktober steht zudem anlässlich der Frankfurter Buchmesse der „Audiowalk Frankfurt“ kostenlos zum Download zur Verfügung, mit dem man sich akustisch durch die Mainmetropole leiten lassen kann.
Und dann flattert uns gerade noch der „audible Hörletter“ ins digitale Postfach. Den kann man lesen – oder sich vorlesen lassen. Hierfür hat man keine Geringere verpflichtet als deutschlands Top-Podcasterin Annik Rubens („Schlaflos in München„). Allerdings klingt der abgelesene Text leider nicht ganz so erotisch wie in ihrem SiM-Podcast.
Schreibt Malte Bremer für den SPIEGEL?
Fast ist es so, als würden wir eine Textkritik von Malte Bremer lesen. Doch nein, diesmal ist es Volker Hage im SPIEGEL, der sich einige aktuelle Neuerscheinungen herauspickt und exemplarisch zeigt, wie schlampig Autor und Lektorat teilweise arbeiten und welcher Müll zusammengeschrieben – und dann auch noch in renommierten Verlagen veröffentlicht wird.
Noch ein Beispiel für hirnlose Formulierungen: „Ich war früh aufgestanden, um mir eine Badewanne einzulassen …“ Man kann sich ein Bad einlassen oder auch Wasser in die Wanne; aber die Badewanne selbst kann man schlecht „einlassen“ (es sei denn in den Fußboden, nämlich beim Bau des Hauses). (Über Gernot Wolframs Roman „Samuels Reise“)
Wie man die Adresse eines Autors herausfindet

Die Anfrage ist in der Redaktion des literaturcafe.de fast schon ein Klassiker: Studenten, Leser, Hobby-Schriftsteller aber durchaus auch Redaktionen namhafter großer Medien rufen bei uns an und hätten gerne die Adresse von Elke Heidenreich, von Katja Kullmann oder Wladimir Kaminer.
Die Studenten haben wegen ihrer Diplomarbeit eine Frage an die Autorin, die Hobby-Schriftstellerin will ihre Kurzgeschichten mal an Frau Heidenreich schicken, um ihre Meinung darüber zu erfahren und der Bayerische Rundfunk würde gerne noch Harry Rowohlt zu einem Thema befragen. „Bitte rufen Sie uns unbedingt heute noch zurück, es ist dringend“, heißt es da auf dem Anrufbeantworter, wenn wir ihn spät nachts abhören.
Warum werden wir plötzlich zur Adresseauskunft für die deutsche Literaturlandschaft? Nun, ganz einfach: Heutzutage glaubt jeder, solche Informationen müssten sich doch in Google finden lassen. Und häufig sind es dann die Interviews, die das literaturcafe.de mit Frau Heidenreich, Herrn Kaminer, Herrn Rowohlt oder Herrn Gernhardt geführt hat, die die Suchmaschine ganz oben auflistet. Und wenn wir mit all diesen Menschen schon gesprochen haben, dann haben wir sicher auch deren Privat- oder gar eMail-Adresse.
In einigen Fällen mag dies sogar stimmen, doch würden wir die Adressen natürlich nie rausgeben. Das ist eine Frage des Datenschutzes und der Diskretion. Bei uns wird man da also leider nicht fündig werden.
Dabei gibt es einen besseren Weg, den Kontakt mit dem Autor herzustellen: Schreiben Sie an den Verlag, bei dem der Autor veröffentlicht oder rufen Sie dort an. Dort kann man Ihnen sicherlich weiterhelfen – oder man blockt ihre Anfrage gleich von vornherein ab, weil Frau Heidenreich verständlicherweise grundsätzlich keine Lust hat, Manuskripte von Hobby-Literaten zu lesen. Auch dann wissen Sie gleich, woran Sie sind. Dem Interview-Wunsch des Radiosenders wird vielleicht schneller entsprochen und der Kontakt hergestellt. Vielleicht mag der Autor aber auch keine öffentlichen Auftritte, dann wird man Ihnen auch das gleich sagen.
Bei welchem Verlag der Autor veröffentlicht, das können Sie leicht z.B. auf buchhandel.de recherchieren (Verzeichnis lieferbarer Bücher). Gibt es Bücher im Hardcover und als Taschenbuch, sollten sie zunächst beim Hardcover-Verlag anfragen.

