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Angelas Frohe Botschaft

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"Gemein sind wir"

Als ich mich am vergangenen Freitagmorgen (30.12.) etwas verspätet ans Frühstücken machte, verblüffte mich diese öffentliche Bekanntmachung: Seit wann sind Regierungen ehrlich? Die Bundesregierung: »Gemein sind wir«?
     Ich war wohl noch etwas müde, ich schlug die Seite weiter auf und fand ein Werbefoto für eine erfolgreiche anti-angieing-creme:

Werbefoto für eine erfolgreiche anti-angieing-creme

Klar erkennbar eine irgendwie trotzdem lächelnde 20-jährige im Großmutterkostüm, ganz allein zwischen allerlei nebulösen Gestalten: Gemeinsam sind wir stärker. Deswegen wirkt sie also so verloren…

In den vergangenen Monaten bin ich oft FÜR MEHR WACHSTUM

Der erste Satz nach der der Anrede verblüffte erneut: In den vergangenen Monaten bin ich oft FÜR MEHR WACHSTUM. Manchmal also auch nicht – wen wundert’s, vor allem nicht einen so Unausgeschlafenen wie mich.
     Und dann überflog ich den richtigen Text: Aha, statt an Gott glaubt Angela Merkel »an dieses Land und seine Menschen« – seit wann gehöre ich Deutschland? Deutschland gehört mir (zugegeben: unter anderen). Und: sie »ist oft gefragt worden« (Vergangenheit), aber sie »entgegnet (Gegenwart) dann immer« mit ihrem Glaubensbekenntnis: Wird sie folglich immer noch gefragt? Oder will sie nicht mehr gefragt werden, weil jetzt jeder die Antwort kennt?
     Sie ist überzeugt, dass »Deutschland voller Chancen steckt«, gesteht sie, und dass »wir sie nutzen können«. Richtig, davon sind alle Lottospieler und Wetter und Klassenlosabonnenten überzeugt! Immerhin hat sie ihre Chance genutzt – und das ist kein 1-Euro-Job geworden! Die Weiterführung des Gedankens in diesem Absatz erstaunt – letztlich aber dann doch nicht: »Die große Koalition hat den festen Willen, die Probleme zu lösen und die Herausforderungen zu meistern.« Wenn Deutschland voller Chancen steckt – wo sind dann die Probleme? Und welche Herausforderungen sind zu meistern, wenn die Probleme gelöst werden, oder sind die Chancen die Herausforderungen oder die Herausforderungen die Lösungen? Was ein Sprachmüll! Franziska Augstein hat schon Recht mit ihrer Feststellung, dass die Ausdrucksweise »im grammatikalischen und rhetorischen Sumpf des Polit-Geschäfts« verschwindet. Schlussfolgerung: Es gibt gar keine Chancen, es gibt nur Probleme; aber die will die Koalition nicht lösen, sie hat lediglich den festen Willen dazu.»Nur der gute Wille ist an sich gut.« hat Kant festgestellt – aber der Wille nützt gar nichts, wenn ein Mensch oder ein Staat nicht seine Vernunft einsetzt, denn leider sind Mensch und Staat nicht vernünftig, sondern allerhöchstens vernunftfähig. Und an dieser Vernunftfähigkeit kommen geharnischte Zweifel auf, wenn man sich ernsthaft mit solchem hohlen Wortgeklingel auseinandersetzen muss! (Doch: muss! Als mündiger Staatsbürger ist es meine Pflicht, den Politikern aufs Maul zu schauen.)
     Und wozu hat die große Koalition (nicht etwa die gewählten Politiker!) den festen Willen? Sie ist FÜR MEHR ARBEIT! Dem entnehme ich, dass jeder, der arbeitet, mehr und länger arbeiten soll. Das wird auch sicherlich so kommen – aber gemeint ist, dass die Regierung begonnen hat, »ein neues Klima für Unternehmen zu schaffen«; das führt unweigerlich zur Klimakatastrophe, das ist bewiesen! Lohnnebenkosten werden gesenkt, »damit endlich wieder mehr Menschen in Arbeit kommen«. Die bekommen also keine Arbeitsplätze, sondern »sie sollen in Arbeit kommen«, m. a. W. malochen, zur Not auch ohne Entgelt.
     Es folgen die üblichen Plattitüden: Die Bundesregierung ist FÜR NÖTIGE REFORMEN statt für unnötige, dafür gibt’s den festen Willen, auch wenn Vernunft hin und wieder auf der Strecke bleibt; FÜR MEHR WACHSTUM, das zwei Zeilen weiter zu »höherem Wachstum« wird, was etwas vollständig anderes ist, denn höher wachsen kann nur, was bereits wächst, während mehr wachsen bedeutet, dass da etwas gesät wird. Ich schätze mal, dass es den Großkonzernen besser gehen wird. Schließlich wird eine Lanze FÜR EINE BESSERE ZUKUNFT gebrochen, allerdings nicht gesagt, für wen es eine bessere Zukunft geben soll! Die Bürgerinnen und Bürger jedenfalls sollen sich um und für ihre Zukunft und ihre Kinder sorgen, das wird ihnen leichter gemacht.
     Der Ausruf »Überraschen wir uns damit, was möglich ist und was wir können« ist typisch unehrlich, denn wir wissen, was wir können. Der Satz müsste aus der Sicht der Bundesregierung korrekt so lauten: »Sie werden überrascht sein, was möglich ist und was wir können!« Ich glaube allerdings nicht, dass wir überrascht sein werden, das Programm spricht für sich.

Malte Bremer

PS: In ihrer Neujahrsansprache schwafelt sie erneut munter drauflos: »Unerreichbare Ziele setzen? Das ist nicht unsere Art. Unhaltbare Versprechungen machen? Davon haben Sie zu Recht genug.« Das ist wohl wahr! Aber natürlich folgt keine Entschuldigung für die eigenen unhaltbaren Versprechungen. Dafür gibt es neue: »Viele kleine Schritte gehen, die aber in die richtige Richtung. So haben wir angefangen. Und dabei ein Ziel fest im Blick: unser Land in 10 Jahren wieder an die Spitze Europas zu führen, und zwar weil jeder von uns ganz persönlich etwas davon hat.« Wir freuen uns jetzt schon im Vorgefühl von jenem höchsten Augenblick auf die Genugtuung, dass das Land (!) an die Spitze Europas geführt worden ist. Diese Genugtuung über den ersten Platz ist es, was wir zu erwarten haben. Doch woran der Spitzenplatz qualitativ gemessen wird, etwa als Spitze im sozialen Bereich, als Spitzenplatz in Wissenschaft und Forschung, als Land der meisten Arbeitslosen und Armen, der meisten Milliardäre oder der hilflosesten Politiker – das wird tunlichst verschwiegen.

SPIEGEL führt neue Rechtschreibung ein

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Es war mit Sicherheit die peinlichste Aktion, die sich der SPIEGEL seit seinem Bestehen geleistet hat: Großmäulig Großmundig verkündete man im Sommer 2004 gemeinsam mit der BILD-Zeitung zur „alten“ Rechtschreibung zurückkehren zu wollen. Schon damals ließ sich der SPIEGEL ein opportunistisches Hintertürchen offen, indem man kurze Zeit nach der Ankündigung die tatsächliche Rückkehr »von der Besetzung des Gremiums [Rat der Rechtschreibung] sowie vom Ablauf und Ergebnis der Beratungen« abhängig machen wollte.

Ab heute nun will man die Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung umsetzen. Sie seien eine »Rückkehr zur Vernunft«, so SPIEGEL-Chef Aust.

Im Klartext: Der SPIEGEL bleibt bei der neuen Rechtschreibung und setzt lediglich auf eine geänderte Getrennt- und Zusammenschreibung.

Der Versuch des SPIEGELs, einmal selbst Politik zu machen, war für ein Nachrichtenmagazin schon peinlich genug. Dass nun die Begründung als »Rückkehr zur Vernunft« euphemistisch verkauft wird, ist nicht minder peinlich. Denn niemand hat den SPIEGEL gezwungen, die neue Rechtschreibung so radikal umzusetzen, wie sie im DUDEN steht. Im Gegenteil: die reformierte Rechtschreibung sieht es ausdrücklich vor, dass eigene Hausortografien für Redaktionen, Zeitungen und Zeitschriften möglich sind, die z.B. regeln können, dass in den Publikationen des Verlags eingedeutschte Begriffe wie Ketschup nicht verwendet werden.

Fiese Verräter (Spoiler)?

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Irgendein unbekannter Bösewicht hatte verraten, dass Harry Potter sterben wird. Die Empörung war groß und hat Peter V. Brinkemper dazu veranlasst, einen grundsätzlichen Artikel zu schreiben, in dem er der Frage nachgeht, wer und warum wer so etwas tut.
Erfreulicherweise stellt er auch noch die entscheidende Frage in diesem Zusammenhang, nämlich die Frage, mit der Brecht damals dumpfe Kulturkonsum-Gewohnheiten nachhaltig verstört hat: die Frage nach dem Wie! Nicht das Ende einer Handlung, sondern der Verlauf der Handlung ist wichtig! Ist die Handlung richtig oder falsch? Muss sie so verlaufen, und wenn ja, warum? Kurz: Keine Spannung auf das Ende, sondern Spannung auf den Gang.
Wir wissen bei jedem Mainstream-Film, dass am Ende ein Happy-End folgt. Wir wissen auch ohne Spoiler, dass dieses Jahr zuende gehen wird, aber noch wissen wir nicht, wie es zuende geht, vor allem nicht die berufsmäßigen Kaffeesatz-Leser: Das ist doch spannend!
Es ist letztlich nicht wichtig, ob Harry Potter stirbt oder nicht, sondern wie er stirbt und ob das für die, die das lesen werden, nachvollziehbar ist. Und das weiß der Spoiler auch nicht. (via telepolis)

StZ über BoD

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Die Stuttgarter Zeitung hat in ihrer Ausgabe vom 29.12.2005 über die Möglichkeit berichtet, seine Werke selbst bei BoD zu veröffentlichen. Der Artikel von Dirk Engelhardt, in dem auch der Noch-BoD-Geschäftsführer Pascal Zimmer zu Wort kommt, ist fast schon ein Werbetext, der den Eindruck vermittelt, BoD sei grundsätzlich das Sprungbrett zu den großen Verlagen wie Rowohlt, Piper oder Eichborn.

Ohne Frage: BoD ist eine gute Sache, die auch das literaturcafe.de empfiehlt, wenn keine Möglichkeit besteht, das Werk bei einem „richtigen“ Verlag unterzubringen (also einem Verlag, bei dem der Autor nicht für die Veröffentlichung zahlt, sondern in der Regel ein Honorar erhält). Bevor man sein Geld aber den Zuschussverlagen „anvertraut“, sollte man besser BoD wählen. Nur: So erfreulich und schön und sicherlich auch richtig die Beispiele aus dem Artikel sind, sollte man sich dennoch nicht der Illusion hingeben, nach einer BoD-Veröffentlichung würden sofort die renommierten Verlage anrufen. Das kann passieren, aber es wird die Ausnahme bleiben.

Zum Thema BoD empfehlen wir auch unsere Podcast-Interviews von der Buchmesse mit BoD-Geschäftsführer Pascal Zimmer und mit dem Autor Gerd Scherm, der es ebenfalls geschafft hat, von BoD zum Heyne-Verlag zu wechseln.

Merkel am Einbringen ihrer Möglichkeiten gehindert

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Franziska Augstein, die Tochter von SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein, befasst sich in einem längeren Artikel für die Süddeutsche Zeitung mit der Sprache von Bundeskanzler Merkel.

Was die Ausdrucksstärke angeht, ist Angela Merkel allerdings ein Beispiel für die gegenteilige Entwicklung. Noch in den ersten Jahren nach der Wende hat sie ein unverstelltes Deutsch gesprochen: Ihre Sätze waren meistens klar, und für Dinge, die verschieden sind, fand sie unterschiedliche Wörter. Heute, nach 15 Jahren im freien Westen, kann davon bei ihren öffentlichen Auftritten keine Rede mehr sein, wovon auch ihre Regierungserklärung beredtes Zeugnis gibt.

Der unschönen politischen Aufgabe, wortreich möglichst wenig zu sagen, entledigt Angela Merkel sich, indem sie ihre Sprache auf eine Anzahl sperriger Schlüsselwörter reduziert hat, die sie mehr oder minder wahllos miteinander kombiniert. Auf Grammatik und Semantik kommt es im Zweifelsfall nicht an.

Amazon lässt Autoren bloggen

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Amazon.com bietet seit Dezember 2005 Weblogs für Autoren kann. Die Autoren können so mit den Lesern in Kontakt treten und im Idealfall über sich, den Schreibprozess und ihre Bücher sprechen. Die New York Times widmete diesem neuen Service, der sich Amazon Connect nennt, einen ausführlichen Bericht, in dem auch die Autoren zu Wort kommen.

Obwohl Amazon die Autorenkommentare auch Weblog nennt, fehlen freilich wesentliche Elemente eines Weblogs. So gibt es keine Möglichkeit für Leser, die Einträge ihrerseits zu kommentieren. Ebenso fehlt ein RSS-Feed, der automatisch über neue Einträge informiert. Letzteres verwundert nicht, schließlich will Amazon, dass die Leute die Website besuchen, und natürlich soll Amazon Connect den Verkauf der Bücher fördern.

Eine der Autorinnen, die ein „Weblog“ bei Amzon führen ist Meg Wolitzer, von der derzeit leider kein Buch auf deutsch lieferbar ist.

Im Artikel der NYT wird auch der Autor Mike Jeffress erwähnt. Dessen „Weblog“ besteht derzeit allerdings nur aus einem einzigen Eintrag vom 5. Dezember. Darin verbreitet Mike Jeffress jedoch fundamental-christliche Meinungen wie die, dass das christliche Weihnachtfest gefährdet sei, was ein Zeichen dafür ist, dass Satan und seine Dämonen sich der freien amerikanischen Nation bemächtigen. Den Kampf dagegen könne man nur aufnehmen, indem man u.a. sein Buch kaufe.

Es bleibt also abzuwarten, ob Amazon Connect nur ein Dienst für jene merkwürdigen Autoren wird, die die Welt mit ihren Büchern missionieren wollen, weil sich Bekannte und Freunde (so verhanden) schon längst genervt abgewendet haben, wenn er oder sie wieder von seinem Buch erzählt.

Ob der Dienst in Deutschland verfügbar sein wird, ist ebefenfalls noch offen.

Textkritik: Der letzte Trick – Prosa

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Es goss in Strömen. Mariano war bereits bis auf die Knochen durchnässt. Aber heute machte es ihm eigenartigerweise kaum etwas aus. Noch zwei Blocks fehlten bis zu dem billigen kleinen Hotel, wo er nun schon seit vier Jahren wohnte. Bei dem Gedanken an das schäbige Zimmer mit den abgenutzten Tapeten und der gräulichen Bettwäsche, die nie wieder ganz sauber wurde, überlief ihn ein Kälteschauer. Wie oft hatte er sich gesagt, dass es das nächste Jahr besser würde. Irgendein wichtiger Mann aus der Fernsehbranche würde ihn sehen und überwältigt sein von seinem Können. Und dann kämen die Angebote, die öffentlichen Auftritte, erst im Kanal 7, dem staatlichen Fernsehen Argentiniens, und dann vielleicht sogar schon im Kanal 9. Nicht zu vergessen die großen Theater der Strasse Corrientes. Er hatte es bildlich vor sich gesehen und am Anfang fest daran geglaubt, dann noch gehofft und zum Schluss auf irgend ein Wunder gewartet. Aber Wunder geschehen eben nicht. Er seufzte. Wunder kommen nicht für Leute wie ihn. Und dabei hatte er wirklich Talent. Er wusste es. Noch niemals hatte jemand den Taschentuchtrick mit der gleichen Leichtigkeit darstellen sehen, wie er es konnte. Damals, als er noch für Erwachsene auftrat, er lächelte innerlich, sah die verzauberten Augen des Publikums, ja damals … Aber dann kam diese furchtbare Rezession in Argentinien. Niemand gab mehr Geld aus, jedenfalls nicht mehr als nötig, und schon mal gar nicht für einen kleinen Zauberer wie ihn!
Seitdem arbeitete er für Kindergeburtstage. Mein Gott, was für ein undankbares Publikum waren doch Kinder! Immer wieder schaffte es einer der kleinen Banausen, sich hinter oder neben ihn zu stellen und seine Tricks aufzudecken. Und dann das Gelächter der kleinen Biester, wenn er verraten wurde. Ja, Verräter waren es, Kinder, unerträgliche kleine Monster, die nur darauf aus waren, jemanden lächerlich zu machen. Er lachte grimmig in sich hinein. Er würde niemals Kinder kriegen. Er hasste Kinder!
Mit hochgeschlagenem Kragen nahm er die letzte Kurve. Er konnte bereits das kleine Schild seines Hotels sehen. »El Descanso«, auf deutsch, die Ruhestätte. War gar nicht so schlecht gewählt der Name. Abgesehen von der Familie mit den sechs Kindern über ihm wohnten fast nur Rentner dort. Die meisten von der Familie abgeschoben, andere geborene Verlierer. So, wie er. Früher hätte dieses Wort ihn in Rage gebracht. Aber damals hatte er eben noch Illusionen, Träume vom Erfolg, vom Ruhm, vom Ansehen
Sogar eine feste Freundin hatte er gehabt. Norma! Mit Heiratsplänen und allem drum und dran. Natürlich, ihre Familie war am Anfang begeistert vom zukünftigen Schwiegersohn. Aber dann kamen diese Auftritte in zwilichtigen Lokalen. Die Stripteaseläden und dann dieser furchtbare Swingerklub. Partnertausch nennt man sowas. Ganz schön ausgeflippt, diese Typen da. Und wenn er auf der Bühne erschien, mit seinem Zauberkoffer, waren die meisten schon in Unterwäsche und hatten angefangen, sich gegenseitig zu begrabschen. Seine Tricks wurden damals anzüglicher und ordinärer. Trotzdem schenkte kaum jemand ihm viel Beachtung. Aber die Athmosphäre war schon erotisch und die Bezahlung war auch nicht ohne.
Er hatte tausendmal versucht, Norma zu erklären, nachdem sie völlig unerwartet einen Abend dort auftauchte, dass es in so einem Laden ganz alltäglich war, öffentlich in den hinteren Sesseln des Klubs Geschlechtsverkehr zu haben. Alle machten es dort, und er musste doch dazugehören. Meistens kannte man sich hinterher gar nicht mehr.
Aber sie war derartig in Wut geraten, hatte Gläser um sich geschmissen und ihn an den Haaren hinausgezogen, und auch noch so gut wie nackt. Es war einer der schlimmsten Abende seines Lebens gewesen.
Und da war eben Schluss mit Norma und Schluss mit seinen Auftritten. In solchen Klubs liebte man seine Ruhe und Diskretion. Skandale zogen nur unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich. Sogar Hausverbot hatte man ihm gegeben.
Später kam dann die Bar Mitzvah Zeit. Jemand aus der argentinisch/jüdischen Gemeinde hatte da Beziehungen und ihn untergebracht. Aber die Bezahlung war miserabel. Meistens arbeitete er sogar nur für Essen und Trank und eventuell das Fahrgeld. Ja, sein Abstieg war schnell und unaufhaltsam gekommen, und vor allem schmerzhaft.
Mittlerweile hatte er das Descanso erreicht. Hinter der Eingangstür lag ein alter Feudel, um sich die Schuhe zu trocknen. Der gewohnte Geruch der Feuchtigkeit in den Wänden, gemischt mit irgendwas Gebratenem in ranzigem Öl schlug ihm entgegen. Er kriegte Hunger.
Befriedigt schaute er auf das Paket, dass er vorsichtig und aufrecht in einer Plastiktüte eingewickelt in der einen Hand hielt. Ein Stück der Kindergeburtstagstorte.
Es war nicht einfach gewesen, die Alte, der das Hotel gehörte, zu überzeugen, ihm beim Backen zu helfen und ihre Küche benutzen zu dürfen. Natürlich hatte sie das gleich ausgenutzt und ihn den ganzen Abwasch vom Vortag machen lassen, all diese schmierigen und fettigen Töpfe und Pfannen des vorangegangenen Abends. Es war ihm trotzdem leicht gefallen. Er wusste ja, warum.
Das Zyonkali hatte ihm Max besorgt. Nicht mal gefragt hatte er. Wer kannte nicht die Ratten, die nachts durch das Hotel streuchten. Es war eine gute Torte geworden. Mit rosafarbenem Zuckerguss. Eine Mädchentorte. In der Mitte eine kleine verzuckerte Barbiepuppe, und rundherum Bonbons. Und wie die kleinen Monster sie gefressen hatten. Jedes einzelne, denn er hatte ja darauf geachtet.
Er öffnete die Tür zu seinem Zimmer. Das Bett war noch ungemacht und auf dem wackeligen kleinen Tisch lagen die Reste eines Hamburgers, den er sich mittags gekauft hatte. Mit Sorgfalt hängte er seine verschlissene Lederjacke auf den einzig vorhandenen Bügel und an den Nagel in der Wand. Er setzte sich auf den Hocker vor dem Tisch. In dem Plastikglas von Mac Donalds war noch ein Rest Coca Cola übergeblieben.
Mit Andacht packte er sein Stück Torte aus. Sogar eine Plastikgabel hatte er sich mitgebracht. Genüsslich lehnte er sich zurück. Ja, heute war er zufrieden. Nicht einmal der Regen, sein schmutziges Zimmer sein ganzes Versagen, nichts hatte mehr Bedeutung.
Heute hatte er etwas erreicht!
Diese Horde von kleinen Verrätern dürften jetzt schon die Wirkung des Giftes spüren. Und man würde genau wissen, wer sie vergiftet hatte! Mit zufriedenem Gesichtsausdruck trank er den Rest Coca Cola und verspeiste das Stück Torte. Sie schmeckte süss, nach Rache!
Als man ihn nach drei Tagen fand, lag er auf seinem Bett, angezogen, mit einem fast lieblichen Lächeln auf dem Gesicht. Sein letzter Trick war ihm gelungen, so wie er es geplant hatte.

© 2005 by Heidi Boehmecke. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Sprachlich und inhaltlich eine einzige Zumutung!
Das ist eine dieser unzähligen Erzählungen, wo man Mitleid mit den Lesern bekommt.

Die Kritik im Einzelnen

Das fängt gar nicht gut an: Es gießt in Strömen und eine Person ist selbstverständlich nicht nur nass, sondern völlig vorhersehbar & metaphernmäßig über-ausgelutscht bis auf die Knochen durchnässt; eigentlich mag ich schon hier gar nicht mehr weiter lesen. zurück
Wer ist für dieses eigenartigerweise zuständig? Eine lesende Person, sofern es sie zuvor angesichts von bis auf die Knochen durchnässt geschüttelt haben sollte? Der Erzähler, da es ihn geschüttelt hat beim Niederschreiben jener nassen Knochen? Staunt der Protagonist selbander darüber, dass Nass-Sein ihm dieses Mal nichts ausmacht – obwohl er doch am besten weiß, was er vorhat, und eigentlich voll Vorfreude sein müsste? Was will eigenartigerweise uns sagen? zurück
Oh dieser hilflose Umgang mit Adjektiven: das billige kleine Hotel im Gegensatz zum billigen großen Hotel … zurück
Weiter geht es mit dümmlichen Adjektiven: Wie wissen bereits, dass es sich um ein billiges Hotel handelte! Und was erwartet uns dort? EBEN! Das steckt alles schon in billiges Hotel !!! Dennoch wird gnadenlos ausgebreitet: Das Zimmer ist schäbig – und da wir Leser uns nicht vorstellen können, was das heißt, wird anschließend erläutert: Das Zimmer hat abgenutzte Tapeten! Wer hätte das gedacht: abgenutzte Tapeten in einem schäbigen Zimmer; aber die Bettwäsche wird doch zumindest frühlingsfrisch sein, es handelt sich ja schließlich um ein billiges Hotel? Nein – überraschenderweise ist sie gräulich …
Statt dieser Benennungen wäre es besser, das Zimmer so zu beschreiben, dass beim Lesen ein Bild entsteht, aus dem der Zustand des Hotels und der Lebensumstände des Protagonisten deutlich werden; aber so etwas ist leider mit Arbeit verbunden!
Zur Verdeutlichung hier der erste Absatz aus dem Roman Emmas Glück von Claudia Schreiber als positives Beispiel, aus dem man viel lernen kann, wenn man denn will:
Emmas Schlafzimmer war ein Saustall: Wäschestücke wucherten aus Schubladen und Schrank, Zeitungshaufen mit unbezahlten Rechnungen waren zu Nachttisch und Hocker geworden, faustgroße Staubflocken tanzten unterm Bett und blieben an angebissenen Brotresten hängen.
Dass das Zimmer hier als Saustall bezeichnet wird, ist in diesem Roman übrigens nicht überflüssig, so sehr auch die folgende Beschreibung für sich spricht, denn Saustall hat leitmotivisch mit dem Inhalt zu tun (wohingegen das schäbige Zimmer ohne jede Bedeutung ist). Wer den Roman gelesen hat oder gelesen haben wird (das ist eine dringende Empfehlung), wird mir Recht geben. zurück
Wenn man am Schluss der Erzählung angelangt ist, merkt man – wie schon bei eigenartigerweise – dass dieses 08/15-Ereignis psychologisch nicht zutreffen kann. zurück
Diese Verortung ist überflüssig; die Namen machen allein deutlich, dass diese Erzählung nicht in Deutschland spielt; und dass Kanal 9 besser ist als Kanal 7, wird schon durch die Klimax (Steigerung) deutlich – auch dafür bedarf es keinen Hinweis auf Argentinien. zurück
Was sind die großen Theater der Strasse Corrientes? Gibt es in dieser Strasse Corrientes auch kleine – oder gibt es dort einfach nur viele? Allerdings ist Strasse kein spanisches Wort – also ist wohl die Corrientes-Straße gemeint, damit handelt es sich dann um die Theater in der Corrientes-Straße – was seinerseits unglaubwürdig klingt, denn Straße heißt auf spanisch bestimmt nicht Straße; vielleicht sollte es calle de Corrientes heißen, aber ich kann kein spanisch und lasse mich gern verbessern. Ich bin immerhin nicht verantwortlich für diese verdrehte Formulierung Strasse Corrientes, sondern mache mir als Leser halt so meine überflüssigen Gedanken … zurück
Schön, dass Mariano es nicht wörtlich vor sich gesehen hat oder gar schriftlich – aber warum überhaupt? Dieses Sich-Vorstellen wird aus dem vorher Geschriebenen deutlich genug, und hier stört diese überflüssige Vorstellung nur die anschließende Klimax. zurück
Fehlte etwas, wenn man diese Wörter streicht? Nein? Also weg damit! zurück
Wenn ich diesen Satz wörtlich nehme, – und das muss ich als Leser, ich habe nichts anderes vor mir als den Text, die Gedankengänge eines Erzählers sind mir verschlossen, ich sehe nur die Folgen – dann gelange ich zu einer verblüffenden Erkenntnis: Mariano war der Einzige, der sehen konnte, dass andere den Taschentuchtrick mit der gleichen Leichtigkeit darstellen konnten wie er, und diese Fähigkeit soll der Beweis für sein Talent. Sind da nicht einfach nur Stümper unter sich?
Gemeint war sicher das Gegenteil, das unterstelle ich dem Erzähler jetzt einfach. zurück
Hier MUSS das Komma weg und durch ein und ersetzt werden, sonst sucht ein Leser verzweifelt nach einem Subjekt im folgenden Sätzchen. zurück
Waren das noch Zeiten, als die Argentinier erfreuliche Rezessionen erlebten! Argentinien kann entfernt werden, denn diese Erzählung hat nichts mit Argentinien zu tun, Rezessionen und Zauberer und billige Hotels usw. sind weltweit geläufig. zurück
Habe ich doch vermutet, dass er nur wenig Talent hat und seine Träume nichts pure Hybris sind à la »Argentinien sucht den Superzauberer«! Schön, dass Mariano endlich der Wahrheit ins Angesicht blickt, dann könnte ja endlich Schluss sein mit der Erzählung, diesem Rückblick auf ein klischeehaftes Künstlerleben. Schließlich hat dieser Absatz bereits 13 Hyperlinks verbraucht, allmählich wird es unübersichtlich.
Der Text ist beileibe noch nicht am Ende – ich werde noch viele Hyperlinks brauchen, aber der Anschaulichkeit und Arbeitsökonomie halber – ich verdiene keinen müden Cent mit diesen Besprechungen! – nur noch höchstens 1 pro Absatz setzen, wenn überhaupt, denn auch die Absatzeinteilung ist in dieser Erzählung völlig willkürlich, nur selten wird in 1 Absatz 1 Gedanke behandelt, wie es sein sollte. zurück
Was für ein Stümper! Hat er sein Publikum nicht im Blick? Keine Kontrolle? Und was für erstaunlich selbstbewusste Kinder, die sich kein U für ein X vormachen lassen, Zauberern misstrauen, was nicht gar! Es muss sich wohl um Geburtstage für pubertierende Kinder halten! Sie sind zudem sicher keine Banausen, denn Banausen hasst man nicht, man kann sie verachten, wenn man will. Mariano aber hasst Kinder, er würde niemals Kinder kriegen – was ein überflüssiger Satz, bei dem, was er vorhat bzw. getan hat! Vorfreude wäre hier viel angebrachter, da er sich ja bereits gerächt hat, wie wir später erfahren werden. zurück
Warum er die letzte Kurve mit hochgeschlagenem Kragen nimmt, wo er doch bereits bis auf die Knochen nass ist, warum er überhaupt eine Kurve nimmt, er ist doch weder Formel 1-Pilot noch 200m-Sprinter, zudem sein Hotel anfangs zwei Blocks entfernt war und Blöcke keine Kurven haben, sondern allenfalls Ecken und Kanten, das alles ist so unerklärlich wie überflüssig. Das Schild kann Mariano auch ohne diesen Schnickschnack lesen. Erfreulich, dass der Erzähler zumindest erkennt, dass Ruhestätte deutsch ist, was er ja extra betont, statt die Übersetzung einfach anzufügen; nach deutsch darf kein Komma folgen, sondern dieses muss nach gewählt im nächsten Sätzlein stehen – ist ja vielleicht nur verrutscht, das Komma. Auch die Feststellung So wie er benötigt keines. Die Erläuterung am Ende des Absatzes ist überflüssig – wir haben schließlich Marianos Erkenntnisprozess über 13 Hyperlinks verfolgt! Die Aufzählung leidet dazu unter den bestimmten Artikeln: Von welchem Erfolg hat er geträumt? Von welchem Ruhm, welchem Ansehen? Hatte er nicht generell von Erfolg, Ruhm und Ansehen geträumt? Warum steht es dann nicht so da? zurück
Auch diese beiden Absätze sind prall von Widrigkeiten und Rätseln: Wieso war eine Familie natürlich begeistert von einem miesen Kleindarsteller – der hatte doch nichts vorzuweisen außer seinen Träumen? Dass es in Argentinien Striptease in Läden zu kaufen gibt, bezweifle ich vorsichtshalber lieber nicht; dass ein Zauberer in Läden arbeiten soll, um Kunden anzulocken, mag ja angehen, aber was sind das für Stripteaseläden, in denen ein Zauberer Kunden anlocken muss? Wer oder was zieht sich denn da aus?
Weiter mit den fürchterlichen Albernheiten: Das fürchterliche Argentinien hat neben einer furchtbaren Rezession auch noch 1 (nämlich diesen) furchtbaren Swingerklub zu bieten! Es folgt erneut eine Übersetzung, diesmal erfreulicherweise ohne auf deutsch, aber mit einem verblüffenden Ergebnis: Furchtbarer Swingerklub heißt auf deutsch Partnertausch! Man könnte sich fragen, was dann wohl Swingerklub solo heißt, aber ich frage nicht; immerhin weiß ich jetzt: Wenn ich meinen Partner tausche, ist das ein furchtbarer Swingerklub. Zudem hat der Partnertausch eine Bühne, auf der Mariano feststellt, dass die Athmosphäre (mit dem zuvielen h) in dem zwilichtigen (mit dem zuwenigen e) furchtbaren Swingerklub schon erotisch war. Damit wäre furchtbar = schon erotisch. Das gilt aber nur, wenn die Bezahlung auch nicht ohne ist. So viel zur Erotik des Geldes.
Jetzt versucht unser erotisierter Zauberer seiner Braut tausendmal als eine Alltäglichkeit zu verkaufen, dass man in den hinteren Sesseln Geschlechtsverkehr hat. Mit Verlaub: DAS klappt nicht! Meine Fantasie lässt allenfalls auf, neben, zwischen und notfalls auch unter Sesseln zu. Als Norma hätte ich meinen Bräutigam allerdings außerdem gefragt, wozu denn die vorderen und mittleren Sessel gebraucht würden, ohne diese gäbe es schließlich keine hinteren. Weiterhin hätte ich geforscht, wen er denn als Partnerin mitgebracht hätte, z. B. standesgemäß eine unzersägte Jungfrau, denn ohne Tauschpartner könne er ja gar nicht dazugehören, geschweige denn mitmachen? Durch die einfache Frage »Wie heißt du eigentlich?« hätte ich zudem festgestellt, ob seine Behauptung stimmt, dass er sich hinterher (meist) gar nicht mehr kennt, denn das wäre höchstgradig alzheimerisch. Und dem Erzähler möchte ich ins Stammbuch schreiben: Allein kommt niemand in einen Swingerklub! Auch keine Norma. zurück
Norma, die gar nicht im Klub sein kann, gerät in eine Wut, die sie nicht haben kann, schließlich ist sie ja nicht zum ersten Mal dort! Denn es steht geschrieben: Tausendmal hat Mariano versucht, ihr die Normalität seiner Mitmacherei zu erklären – aber so oft kann er das ihr gar nicht an 1 Abend weismachen; folglich muss er es ihr schon vor diesem Abend erklärt haben. Norma, die nicht im Klub sein kann, muss hingegen sehr wohl im Klub gewesen sein, da sie kaum so gut wie nackt in diesen Klub gekommen ist, sondern sich eher und logischer unter einem vorderen Sessel hinderlicher Kleidungsstücke entledigt hat – schließlich zieht sie auch noch so gut wie nackt Mariano an den Haaren hinaus, statt sich zuvor wieder züchtig zu bedecken! Von der halbnackten Norma an den Haaren öffentlich durch die calle gezogen zu werden – das ist für den bedauernswerten Voyeur Mariano bestimmt und allen Ernstes tatsächlich einer der schlimmsten Abende seines Lebens. Hätte er bloß Norma dort nie eingeführt, nur um selber mitmischen zu können! Neugier beschleicht einen: Was war wohl der allerschlimmste Abend in Marianos Leben? Warum erfahren wir davon nichts, wenn wir schon seinen unergründlichen Erinnerungen schutzlos ausgeliefert werden? zurück
Wer gedacht hatte, Unsinn ließe sich nicht steigern, wird negativ überrascht: Wir waren zuletzt mitten in einem Partnertausch. Und was kommt später? Die Bar Mitzvah Zeit (Was üblicherweise als Bar-Mizwa transkribiert wird)! Dieses Fest ist abhängig von dem Geburtstag eines Kindes, da gibt es keinen Zeitraum wie etwa bei Konfirmation oder Kommunion! Die bizarre Chronologie Stripteaseläden – Swingerklubs – Bar-Mizwa Zeit ist eigentlich in keiner Hinsicht zu toppen – das ist schon mehr als peinlich! Dazu passt vortrefflich, dass jemand zu dieser Zeit Beziehungen hat und Mariano in dieser Zeit unterbringt. Mariano arbeitet auch nicht für Essen und Trinken, sondern für Essen und Trank (warum nicht Speis und Trinken?), was immer das vergeheimnissen soll. Und dieser Abstieg war schicksalhaft, da unaufhaltsam, und außerdem schmerzhaft, vermutlich, weil Norma ihn an den Haaren hinunter in die Abstiegszone Bar Mitzvah Zeit gezerrt hat. Oder finden Sie einen anderen Grund für das Schmerzhafte?
Zu Auflockerung folgt jetzt eine Portion unfreiwilliger Humor, indem einem Feudel Beine mit Schuhen gemacht werden: Hinter der Eingangstür lag ein alter Feudel, um sich die Schuhe zu trocknen. Mit welcher Absicht lag der alte Feudel da? Er lag da, um sich die Schuhe zu trocknen! Da bleibt einem die Spucke weg. Und es wundert nicht, dass die Wörter nach allem Dummfug jetzt auch noch aus der Umgangssprache geschöpft werden, schließlich ist Schreiben anstrengend, und irgendwann und irgendwie muss man so einen Text doch fertig kriegen: Mariano kriegte Hunger! Und ich Kopfschmerzen.
Und weil er Hunger kriegt (und nicht etwa, weil er es vorhatte – bitte merken! Alles Weitere geschieht nur, weil Mariano zufällig Hunger kriegt!), schaut er befriedigt, da er dass (so will es der literarische Text!) Paket aufrecht in der Hand hielt (wie sonst? Seitlich? Quer? Senkrecht? Waagerecht? Schräg? Tangential? Was ändert das an der Lage eines Paketes?). Woher diese Befriedigung? Entdeckt er das Paket zufällig? Ist er befriedigt, weil er sich klug vorausschauend auf einen möglicherweise kriegbaren Hunger vorbereitet hat? Wenn er schon befriedigt ist, warum will er dieses Kindergeburtstagstortenstück zu allem Überfluss auch noch essen, statt zu warten, bis ihn der Hunger wirklich packt? zurück
Dass die Alte sein Hilfeersuchen natürlich ausnützt, ist natürlich so, denn so sind die Alten natürlich, die alten Ausnützer! Der ganze Abwasch vom Vortag verkleinert sich getreu der Maxime »Was geht mich mein Geschreibsel zehn Wörter zuvor an« auf den des vorangegangenen Abends. Aber zum Glück weiß er, wozu er die Alte fieserweise missbraucht.
Wir erfahren, dass unser Zauberer zum Giftmörder wird an irgendwelchen unschuldigen Kindern, wobei er so ahnungslos ist, dass er nicht einmal die Substanz Zyankali kennt. Dafür kennt er die Ratten, die durchs _ pardon: durch das Hotel streuchten. Diese Tätigkeit ist mir unbekannt, mir will auch kein passendes Präsens oder gar ein Infinitiv einfallen, selbst Word meckert rot und bietet als Korrekturvorschlag strechten an, was mich wenig überzeugt (welcher Witzbold hat denn diesen Eintrag Words Wörterbuch verpasst???). Vielleicht striffen die Ratten durchs Hotel, oder sie streiften oder strichen oder streunten oder keuchten oder schlichen oder meinetwegen auch noch schleichten (das passte zu kriegen), es ist vielerlei möglich – aber streuchten? Nimmermehr!
Zu dem angeblich Giftmord später mehr! Nur soviel: Wozu eine Torte backen, wenn das Gift offenbar in den Bonbons steckt? Falls nicht, wieso hatte Mariano darauf geachtet, dass jedes einzelne Bonbon gefressen wurde (statt gelutscht), und wieso hat er nicht darauf geachtet, dass jedes dieser kleinen Monster zumindest 1 Bonbon frisst, statt nur, dass alle gefressen wurden? Woher kam die Barbiepuppe – hatte die natürliche Alte sie konditort oder ihm nur dabei geholfen? Wieso ist Mariano ein billiger Zauberer statt Zuckerbäcker, was er doch offenbar viel besser kann?
Wir erfahren allerlei Unwichtiges über das schäbige Zimmer in dem billigen, aber kleinen Hotel: Irgendwo an der Wand mit der abgenutzten Tapete steckt 1 Nagel, irgendwo in dem Raum befindet sich 1 Kleiderbügel, Marianos verschlissene Lederjacke muss 2mal aufgehängt werden, nämlich auf einen Kleiderbügel und außerdem an einem Nagel – das liegt vielleicht daran, dass in dem schäbigen Zimmer der Kleiderbügel keinen persönlichen Aufhänger mehr hat, sodass man ihm zwar noch eine Jacke überziehen kann, diese ansonsten aber am jackeneigenen Aufhänger befestigt werden muss. Außerdem befinden sich in dem Raum noch mindestens zwei Hocker, der vor dem Tisch und der andere sonst wo. Das seltsamste Gebilde steht vermutlich in oder unter oder neben oder über dem Tisch (auf dem Tisch lagen bislang nämlich nur die Reste eines Hamburgers): ein Plastikglas (statt der gewohnten Glasgläser). McDonald’s ist zwar allerlei zuzutrauen, aber das geht entschieden zu weit! Sicherheitshalber hat der Erzähler deswegen wohl auch MacDonalds geschrieben, das schützt wahrscheinlich vor Prozessen! zurück
Da haben wir den Salat! Heute hat nichts mehr Bedeutung! Wozu die ganzen Erinnerungen, das Schaudern? Er kommt doch fröhlich vom Kindermorden zurück, hat zwar keine Ahnung mehr, wo er eigentlich das Gift reingemanscht hatte, in die Bonbons oder die Barbie, zumindest die Bonbons mussten alle aufgefressen werden – aber was kann der Protagonist für seinen Erzähler? Nichts! Und da er am Ende stirbt, kann er sich auch nicht mehr wehren. Dass die Horde von kleinen Verrätern jetzt schon (!) die Wirkung des Giftes spüren dürfte, verdankt sich auch der Unkenntnis des Erzählers: Zyankali wirkt sehr schnell, nicht irgendwann! Da reicht ein präpariertes Bonbon, falls es denn im Bonbon war. Und bei der Herstellung der Torte hätte Mariano Gummihandschuhe tragen müssen, denn Zyankali wird auch durch die Haut aufgenommen. Die Kinder waren sicher tot! Vermutlich hätte die Polizei ihn schon in dem schäbigen Hotelzimmer erwartet, wenn sie ihn nicht bereits beim Kindergeburtstag festgenommen hätte.
Doch vor der erfolgreichen Selbstvergiftung trinkt er noch einen Rest Cola, und zwar nicht mit Strohhalm oder Mund, sondern mit zufriedenem Gesichtsausdruck. Es ist ein Glück, dass wir Menschen den Unterschied kennen zwischen einem zufriedenen Gesichtsausdruck und einem zufriedenen Ohrenzucken, aber eigentlich muss dieses Wissen nicht strapaziert werden, ich würde mich damit zufrieden geben, wenn Mariano zufrieden den Rest Cola trinkt. So einfach kann Sprache sein. Dennoch: Rache ist nicht süss, sondern gemäß Redewendung süß – aber was solls, das bringt bei dieser Erzählung gar nichts. zurück
Nur immer weiter so: Ein fast liebliches Lächeln auf den Lippen ist bekanntlich der normale Zustand, wenn jemand an Atemlähmung stirbt, es gibt nichts Angenehmeres. So erkennt man todsicher eine Zyankali-Vergiftung, z. B. bei Ratten. Warum sie ihn erst nach drei Tagen gefunden haben, obwohl er doch als Mörder bekannt war und außerdem ein Zauberer, der angeheuert werden konnte, also eine Adresse brauchte oder einen bekannten Vermittler, das spricht in jeder Beziehung gegen die argentinische Polizei, obwohl ich eher vermute, dass hier die Phantasie – wenn man Fehlleistungen so euphemisieren darf – wieder einmal mit dem Erzähler über alle Maßen durchgegangen ist. Drei ist ja auch eine wichtig-mythische Zahl und bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch von 0 bis 100 allerlei: Man denke nur an die Entschuldigung »Dreimal habe ich bei dir angerufen!«.
Doch den Kindermord am Ende Trick zu nennen, ist – für einen Zauberer – nachgeradezu lächerlich! Der zumindest weiß, dass Tricks niemals weh tun und niemandem schaden!
Am ober-aller-mega-unverständlichsten aber bleibt: Wieso hat Mariano nicht am Kindergeburtstag als letzter genüsslich von der Torte gespeist? Dann hätte er vor Ort über seine Tat triumphieren können, und uns wären seine verquasten Erinnerungen erspart geblieben! zurück

Lesezeichen selber falten

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Eine praktische Vorlage für ganz besondere Lesezeichen gibt es hier. Die Lesezeichen können auf Buchseiten aufgesteckt werden und bei Bedarf auch mit Notizen versehen werden [via Rocketboom]

Literaten bloggen nicht

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Don Alphonso spekuliert in der Blogbar, warum so wenig Schriftstellerinnen und Schriftsteller Weblogs schreiben. Auch für 2006 sieht er da keine Veränderung: Es sei denn, es gibt einen Bloggerdebutanten, der auf Platz 1-5 der Spiegelbestsellerliste landet. Dann, dessen dürfen wir uns gewiss sein, kommt die Invasion der Nachahmer. Denn der Erfolg ist letztlich der einzige Treibstoff des Systems, in dem Literaten agieren. Für den Erfolg steigen sie mit Lektoren ins Bett, erdulden die Schwachköpfe in Klagenfurt und die neidischen Hunde der Journaille, von denen jeder zweite auch ein Manuskript rumliegen hat – dafür, so viel ist klar, würden sie sogar bloggen.

Bullshit-Marketing für Hörbücher

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Zwei Hörbuecher Gratis fuer Sie! bzw. Zwei Hörbücher kostenlos herunterladen! So liest man es auf Werbebannern auf einigen Websites, und so wirbt seit geraumer Zeit das digitale Download-Portal audible.de auch auf der eigenen Website.

Und Bernd Röthlingshöfer benennt diese Aktion endlich einmal als das, was sie ist: Bullshit-Marketing! Denn für die Gratis-Hörbüchern muss man zunächst sämtliche Adress- und Bankdaten angeben und man wird automatisch Abonnent bei Audible. Wenn man es dann versäumt, rechtzeitig zu kündigen, zahlt man einen monatlichen Betrag für den man dann weiter Hörbücher herunterladen kann. Eine Masche, mit der auch Zeitschriftenwerber und Buchclubs unterwegs sind.

Und ohnehin sind die Hörbücher nur digital zum Download verfügbar und darüber hinaus in einem Format, das gerade die billigen MP3-Player nicht abspielen können.

Röthlingshöfer: Damit will ich Audible.de nichts unterstellen. Aber das ist exakt das, was einem bei solchen Abo-Angeboten durch den Kopf schießt und von der Anmeldung abschreckt. Und was kommt dann als nächstes – die Audible Drückerkolonne in der Vorstadt?

Undankbare Susanne Osthoff

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Gute Geschichten brauchen eine Dramaturgie. Nur so können Leser und Zuschauer mitfiebern, mitleiden – und sich am Ende hoffentlich über ein Happy-End freuen. Das gilt für „gute“ Bücher und Filme, aber auch für die Wirklichkeit. Wenn es denn die Wirklichkeit wäre. Denn auch das, was uns die Medien vorsetzen, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, ist immer auch eine inszenierte Geschichte, die dem Zuschauer oder Zuhörer gefallen sollte. Dazu benötigt man auch immer gute Protagonisten.

Susanne Osthoff ist es ohne Frage. Vielleicht war sie für die Darstellung des Entführungsopfers schon etwas zu alt. Das ist aber nicht weiterer schlimm, denn sie sah immer noch gut aus.

Die Entführung lief medial gesehen spitzenmäßig. Gut, es war ein Fehler, das Videomaterial den Öffentlich-Rechtlichen zu geben. So war immer nur ein Standbild zu sehen. Bei den Privaten wäre das nicht passiert. Dennoch war das Standbild formvollendet: Breitbeinig dastehende Entführer, knieende und gedehmütigte Geiseln und natürlich Waffen im Bild.

Deutschland konnte bangen, beten und zittern. Wir waren Susanne Osthoff. Und insgeheim überlief uns ein wohliger Schauer, dass wir es eben zum Glück nicht waren.

Die Stimme des Volkes sprach mit Gruseln aus, was viele nicht zu denken wagten: „Wird sie geköpft?

Aber nein, sie wurde es nicht. Ein wunderbares Happy-End stand bevor.

Ja und dann? Was passiert dann? Osthoff versaut es uns im letzten Moment! Gerne hätten wir vor dem Fernseher mitgeweint, wenn sich Tocher und Mutter wieder in die Arme fallen.

Doch was macht Susanne Osthoff? Sie entzieht sich den Medien! Will mit dem Medienrummel nichts zu tun haben. Ja darf sie das denn? Haben wir Steuerzahler dafür das Lösegeld bezahlt? Wenn wir das vorher gewusst hätten!

Aber wenigstens die Bild-Zeitung wird es schaffen, Susanne Osthoff aufzuspüren und sie von einem Paparazzi „abschießen“ zu lassen. Wenn nicht die Entführer, so verlangen die Medien ihren Kopf.

Dank an Henryk M. Broder für seinen wunderbaren Artikel im SPIEGEL Online:

Jede Performance hat ihre Regeln. Die junge Frau, die zur Miss World erklärt wird, muss überrascht die Hände vors Gesicht schlagen, anfangen zu weinen, und so tun, als habe sie an dem Wettbewerb nur teilgenommen, weil sie als Kind eine Zahnspange tragen musste.

Auch für Geiselnahmen und Geiselbefreiungen gibt es ein festes Ritual, an das sich alle Beteiligten halten.

Die Eltern der Geiseln werden besucht. Geben die nicht genug her, kommen die Nachbarn dran oder Bekannte der Nachbarn oder ehemalige Schulkameraden oder der Zeitungshändler, bei dem die Geisel immer ihre Zeitung gekauft hat.

So weit war alles business as usual. Aber dann kippte die Geschichte, denn die Hauptperson, jene zuerst entführte und dann freigelassene Archäologin Susanne Osthoff, weigerte sich, ihre Rolle zu spielen.

Auch suboptimal: Die Wörter des Jahres 2005

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Die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden hat wieder ausgewählt und entschieden. Hier sind die Wörter des Jahres 2005:

1. Bundeskanzlerin
2. Wir sind Papst
3. Tsunami
4. Heuschrecken
5. Gammelfleisch
6. Jamaika-Koalition
7. hoyzern
8. suboptimal
9. Telenovela
10. FC Deutschland 06

Zur Bundeskanzlerin schreibt die GfdS in ihre Pressemitteilung (pdf-Format): Die feminine Endung -in an Berufs- und Personenbezeichnungen ist nicht neu dennoch wäre noch vor wenigen Jahrzehnten auch eine Frau an der Spitze der Regierung als Bundeskanzler bezeichnet worden. Spätestens seit Beginn des Wahlkampfs für die vorgezogenen Neuwahlen zum Deutschen Bundestag etablierte sich mit der Kanzlerkandidatin Angela Merkel auch die Bezeichnung Bundeskanzlerin. Sprachlich wirft der Ausdruck interessante Fragen auf, etwa die nach lexikalisierten Zusammensetzungen wie Bundeskanzleramt oder protokollarischen Gepflogenheiten der Anrede.

Wort des Jahres 2004 war Hartz IV. In der Liste der Top-10 vom Vorjahr auch Schnellvergängliches wie Ekelfernsehen. Ohne Erklärung wird man sich auch sehr bald Fragen, warum denn Heuschrecken zu den Wörtern 2005 zählte.

Bundespreis für Xenia Klinge

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Die 19jährige Abiturientin Xenia Klinge wurde mit ihren Text „Schlaf“ beim Bundeswettbewerb „Schüler schreiben“ ausgezeichnet. Bereits im Jahre 2004 wurde ihre Kurzgeschichte bei uns im literaturcafe.de veröffentlicht und von Malte Bremer besprochen. Der Text zählt mit Sicherheit zu den allerbesten Werken, die Malte rezensiert hat.

Wir gratulieren der Autorin, auch wenn sie selbst die Besprechung im literaturcafe.de für „nicht erwähnenswert“ hält. Das, liebe Xenia, halten wir jetzt mal für sympathische Bescheidenheit. Kaum ein Text hat für so viel Resonanz und Rückmeldungen gesorgt wie der Beitrag „Schlaf“. Wir sind stolz darauf, dass der Text hier im literaturcafe.de zu lesen ist.

Literaturwettbewerb Rote Feder wird zum Hörbuchpreis

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Auch für 2006 schreibt Abebooks, der Internet-Marktplatz für neue, gebrauchte, antiquarische und vergriffene Bücher, wieder den Literaturwettbewerb Rote Feder aus.

Im Jahr 2005 war die Rote Feder noch ein offener Schreibwettbewerb und die auf der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten drei Beiträge waren inhaltlich und qualitativ nicht unbedingt überzeugend. Zumindest wäre noch eine erhebliche Lektorierung erforderlich gewesen, so die Geschichten dann überhaupt noch interessant wären.

In diesem Jahr steigt nun das neue Hörbuchportal claudio.de in den Wettbewerb mit ein. Neben einer inhaltlichen Einschränkung, wird diesmal eine weitere technische Hürde eingebaut.

Thematisch ist der Wettbewerb jetzt nicht mehr frei, sondern es gilt, einen Klassiker neu zu interpretieren und nicht als Text, sondern als Audio-Datei im MP3-Format einzureichen.

Darüber, was ein Klassiker ist und wie die Bearbeitung aussehen könnte, sind die Aussagen der Veranstalter recht vage. Wir nehmen alles. Schicken Sie uns mal was, und dann schauen wir mal. So könnte man wohl die Angaben auf der Website zusammenfassen.

Die „hochkarätig besetzte Jury aus prominenten Autoren, Sprechern, Hörbuchproduzenten und Feuilleton-Redakteuren wird schließlich aus den beliebtesten Beiträgen die Gewinner des 1. bis 3. Preises auswählen“. Es ist zu hoffen, dass diese nicht wieder aus 28(!) Mitgliedern besteht, wie im letzten Jahr.

Und auch die Aussagen zum Gewinn sind reichlich nebulös: Man darf als Gewinner seinen Beitrag auf der Leipziger Buchmesse 2006 präsentieren, und der Beitrag wird „in einem Tonstudio professionell produziert“. Was aber, wenn da ein Comedian seine komische und improvisierte Version von „Goethes Werther“ für den Wettbewerb einspricht? Lässt sich das professionell wiederholen?

Fazit: Ein reichlich nebulöser Wettbewerbsaufruf, der den Eindruck macht, als wüssten die Veranstalter selbst nicht so recht, was sie da eigentlich wollen und erwartet. Klare Vorgaben zeugen in der Regel von der Professionalität des Veranstalters und wirken sich positiv auf die Einreichungen und den Wettbewerb aus. Abebooks scheint hier aus den Fehlern des letztjährigen Wettbewerbs nicht viel gelernt zu haben.

Es sei denn, der Wettbewerb dient lediglich den Marketingaktivitäten der beiden Veranstalter…

MDR sucht die beste Kurzgeschichte

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Der Mitteldeutsche Rundfunk hat zum elften Mal seinen Literaturwettbewerb ausgelobt. Der mit insgesamt 5.000 Euro Preisgeld dotierte Wettbewerb ist deutschlandweit ausgeschrieben und richtet sich an Autoren, die bereits Veröffentlichungen nachweisen können.

Die Teilnehmer müssen bis zum 31. Januar 2006 neben einer Geschichte von maximal sechs Manuskriptseiten einen kurzen Lebenslauf und eine Liste bisheriger Veröffentlichungen einsenden.

Wie immer stellt sich die Frage: Was ist eine Veröffentlichung? Gelten Veröffentlichungen im Selbstverlg/BoD (in der Regel nicht)? Was ist mit Veröffentlichungen im Internet?

Glücklicherweise geben die ausführlichen Teilnahmebedingungen des MDR, die hier zum Download bereitstehen, darüber Auskunft. Dort ist u.a. zu lesen:

Als literarische Veröffentlichung werden gewertet: Bücher (nicht Eigenverlag, nicht Book and Demand), literarische Beiträge in Anthologien und literarischen Zeitschriften, Veröffentlichungen in einem Internet-Literatur-Portal.

Letzteres freut uns natürlich, wobei davon auszugehen ist, dass es nicht die eigene Website sein darf und sicherlich auch keine Postings in öffentlichen Foren als Veröffentlichung zählen. Gemeint sind redaktionell betreute Online-Angebote, wie z. B. unsere Rubrik Prosa.

Wir empfehlen allen, die am Wettbewerb teilnehmen wollen, die Teilnahmebedingungen sehr genau zu lesen. Erfahrungsgemäß scheintern viele Einreichungen schon an formalen Dingen, bei denen ein seriöser Veranstalter wie der MDR sicherlich mit guten Grund sehr streng ist. Im letzten Jahr gab es immerhin 1.822 Einreichungen.

Alle weiteren Infos finden sich auf der Website des MDR.

Und die Redaktion des literaturcafe.de empfiehlt auch die Lektüre eines unserer Artikel zum Thema.