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Gänsehaut mit Jürgen von der Lippe

Da unser iPod gerade die wunderbare Interpretation des Gedichts »Dorfabend« per Zufallsfunktion in die Redaktionsräume schallte, muss an dieser Stelle unbedingt auf die CD »Gute Stunde – Lyrik & Musik« von Jürgen von der Lippe hingewiesen werden. Ja, genau, der dicke Mann mit den Hawaiihemden, der ansonsten im Fernsehen immer so spaßige Sachen erzählt.

Hier ist ein ganz anderer von der Lippe zu hören. Meisterlich und unprätentiös trägt er Gedichte vor. Zu hören sind bekannte Werke wie die »Mondnacht« von Joseph von Eichendorff oder »Stufen« von Hermann Hesse (»Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne«), aber auch andere schöne Gedichte wie die »Klassenzusammenkunft« von Erich Kästner und eben »Dorfabend« von Hertha Kräftner (1928-1951) sind auf der CD zu hören.

Es ist wahrlich nicht übertrieben zu sagen, dass einem bei mancher Interpretation der berühmte Schauer über den Rücken läuft. Dazu trägt auch die wunderbare Musik von Lippes Bühnenpartner Mario Hené bei.

Ein ganz andere Lippe, als wie man ihn sonst vom Fernsehen her kennt. Ein sehr ruhiger Lippe und ein seeeehr hörenswerter Lippe. Unser unbedingter Muss-man-haben-und-hören-Tipp!

Jürgen von der Lippe: Gute Stunde – Lyrik & Musik. Audio CD. Februar 2003. Random House Audio. ISBN 3-89830-552-X

Unsichtbares Unwort

Wenn ein Wort zum »Unwort des Jahres« gekürt wird, dann gehen wir eigentlich davon aus, dass dieses Wort in der Regel durch die Medien eine gewisse Bekanntheit erlangt hat – und zwar vor der Kür. »Ja«, sollte man dann sagen, »das war ein gar garstig Wort, das dort von Politikern, Wirtschaftsbossen oder Medien verwendet wurde. Diese Auszeichnung hat es uns nochmals vor Augen geführt. Hinfort!«

Entlassungsproduktivität. Sagt Ihnen das was? Wie? Das sei kein Wort, das Ihnen aufgefallen ist? Es gehört nicht einmal zu Ihrem passiven Wortschatz? Entlassungsproduktivität war das Unwort des Jahres 2006, gekürt wie immer von einer Expertenjury. Thomas Knüwer vom Handelsblatt hatte sich seinerzeit gefragt, woher denn dieses Unwort stammt, denn auch er als Wirtschaftsjournalist hatte es zuvor noch nie gehört.

Achja, in diesem Jahr lautet das Unwort »Freiwillige Ausreise«. Laut der Expertenjury ist es der euphemistische Begriff für eine doch nicht so ganz freiwillige Ausreise von Asylbewerbern. Nicht gewonnen haben in diesem Jahr »Problembär Bruno« oder die »Unterschicht«.

Heißer Kandidat für das Unwort des Jahres 2007 dürfte natürlich »Stoiber« sein.

Was sagt ein Foto über den Schriftsteller aus?

Die Literatin wird fotografiertDas Literaturarchiv Marbach zeigt derzeit die Ausstellung »In der Geisterfalle« mit Porträts von deutschen Schriftstellern. Sie ist bis zum 18.03. verlängert worden. Vielleicht sollten wir also mal wieder mit der S-Bahn hinfahren.

Die ZEIT nimmt dies zum Anlass, sich mit der Physiognomik-Expertin und ehemaligen Lektoren Claudia Schmölders aktuelle Verlagsprospekte anzuschauen, um über die Wirkung von Autorenfotos zu sprechen.

Es gibt aber noch einen praktischen Grund für diesen Realismus [der aktuellen Autorenporträts]. Die Autoren müssen ja einerseits im Fernsehen auftreten, andererseits auf Lesereisen. Überall sind sie live zu erleben. Das Foto ist nur noch das Kürzel, es darf nicht wesentlich anders aussehen als der Lebende. Sonst würden die Besucher der Lesungen verdrossen sagen: Ach je, so sieht er gar nicht aus, das ist doch ein ganz einfacher Junge. Sie erinnern sich vielleicht an Daniel Goldhagen, von dem dieses ungeheure Buch mit seiner grauenhaften Botschaft erschien, und als dieser nette, süße Junge hier ankam, waren wir doch alle hin- und hergerissen. Ein Autor kann sich heute hinter einem Foto nicht mehr verstecken. Mehr bei der ZEIT…

ARD informiert über Literatursendungen per eMail

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ARD HörspielwebsiteDurch einen Hinweis auf polarluft.de wurden wir darauf aufmerksam, dass die ARD einen komfortablen Newsletterservice für ihre Radiosendungen anbietet. Nach einer Registrierung, bei der man lediglich seine eMail-Adresse angeben muss, kann man aussuchen, über welche Sendungen und Kategorien man täglich oder wöchentlich per elektronischer Post informiert werden möchte. Für Literaturfans sind auch die Rubriken Lesungen/Literatur, Hörspiel oder Krimi dabei. Ebenfalls kann man angeben, welche ARD-Hörfunksender berücksichtigt werden sollen. In Zeiten von Kabel oder digitalen Satellitenempfängern ist jedoch beispielsweise der Empfang von NDR oder MDR auch hier im Süden kein Problem. Und dann gibt es da ja auch noch Internet-Streams.

Schade, dass es diesen Service nicht auch als RSS-Feed gibt.

Was in China der Sack Reis, ist in Hannover die Plakatwand

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Der Orkan "Kyrill" ist im Anmarsch. In den nächsten Stunden soll der Monstersturm über Deutschland hinwegfegen. Beim SPIEGEL Online schreibt man sich daher schon mal warm:

In Hannover drohte eine Plakatwand umzustürzen, außerdem löste sich ein Werbeplakat.

Spam von Mama Schopenhauer

Vermeintliche Mail der PostbankIn den letzten Tagen werden leider bei uns in der Redaktion einige Spam-Mails, die angebliche von der Deutschen Postbank stammen und uns verleiten sollen, unsere PINs und TANs in die Formulare irgendwelcher Phisher einzugeben, von unserem Spam-Filter nicht erkannt.

Markiert man den Text der Mail mit der Maus, so wird unter der falschen Postbank-Box ein zuvor weißer Text auf weißem Grund sichtbar. Dieser klingt sehr literarisch und nachdem man Google bemüht hat, stellt sich raus, dass der Text von Schopenhauer stammt. Allerdings nicht von Arthur, sondern von seiner Mutter Johanna Schopenhauer (1766-1838). Ein Auschnitt aus »Reise durch England und Schottland«, der vom Spam-Versender offenbar willkürlich dem amerikanischen Project Gutenberg entnommen wurde, in dem sich auch deutsche Texte befinden.

Der so eingestreute Text, der zwar aus dem Zusammenhang gerissen aber dennoch sinnvoll ist, soll Spamfilter verwirren und ihnen eine normale Mail vortäuschen. Der Postbank-Text darüber ist nämlich eigentlich ein Bild, sodass ein rein textbasierter Filter dort nicht die üblichen Texte findet, die auf eine Phisher-Mail hinweisen.

Und das Austricksen mittels literarischem Text funktioniert bei unserem Filter leider recht gut. Zeit für einen neuen Filter, der per OCR auch die Texte in Bildern erkennt? Denn die Mail einfach so als »Mark as Spam« zu bewerten… hm, da zögert man, denn es dürfte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass deutschsprachige Nicht-Spam-Mails fälschlicherweise im Spamtopf landen.

Winders Wörterbuch zur Gegenwart nun von A bis Z online

Christoph Winder sammelt für den Standard aus der endlosen Flut der Wörter und Phrasen, die in den politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und Alltagsdiskursen auf uns einplätschert, Woche für Woche ein paar frische Exemplare, um sie von allen Seiten zu besehen, zu studieren, zu analysieren, zu kommentieren und zu dokumentieren, auf dass aus dem sprachlichen Stückwerk vielleicht sogar einmal zusammenhängende Konturen entstehen.

Seine Sammlung hat der Standard nun von A bis Z online zugänglich gemacht. Natürlich sind viele Spezialfälle aus Österreich dabei – aber nicht nur. Ein Blick in Winders Wörterbuch ist also durchaus lohnenswert – und man kann sich schnell festlesen.

Wissen Sie, was zetteln ist? Wir dachten bislang noch, dass das Speichelhockey heißt.

VG WORT wehrt sich gegen falsche Argumente der Druckerhersteller

Seien wir ehrlich: den Herstellern von Druckern sind Urheberrechte eigentlich egal. Selbst wenn alle Drucker dieser Welt nur dazu eingesetzt würden, Raubkopien von geschützten Werken auszugeben, würden sich die Hersteller in Ruhe zurücklehnen. Hauptsache es wird gedruckt und die Hersteller verdienen ihr Geld.

Durch massive Lobbyarbeit in politischen Kreisen versucht daher die Industrie, geplante Abgaben auf Drucker zu verhindern. Solche pauschalen Abgaben existieren in Deutschland und anderen Ländern bereits seit langem beispielsweise auf Kopierer, Leerkassetten oder CD-Rohlingen. Da diese Geräte und Medien zum Teil auch zur Speicherung, Vervielfältigung und Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke dienen, werden diese Abgaben nach einem bestimmten Schlüssel an die Urheber verteilt. Im Musikbereich ist hierfür die GEMA zuständig, bei Autoren ist es die VG WORT. Die VG WORT als Vertretung der Urheber sorgt also dafür, dass diese auch für Verbreitungen ihrer Werke Geld bekommen, die diese nicht selbst kontrollieren können.

Die Dr3i ??? und das geheime Testament

Sony BMG in Gestalt des Hörspiellabels Europa und der Franckh-Kosmos Verlag streiten sich um die Rechte an der Serie "Die drei Fragezeichen/The Three Investigators". Die Hörspiele heißen jetzt "Die Dr3i" und einige der Bücher im Kosmos Verlag mussten vom Markt verschwinden. Alles scheinbar nur, weil unklar ist, wer die Rechte hat, die Serie in Deutschland fortzusetzen.

Zu diesem interessanten Urheberrechtsthema, über das wir bereits berichtet haben, empfehlen wir übrigens mit Nachdruck die überaus gute Folge 19 des J!Cast. Darin erörtern Laura Dierking und der Rechtsanwalt Thomas Ernstschneider die rechtliche Situation um die drei Fragezeichen. Der Podcast gibt auch Laien einen ganz guten Überblick, warum und worüber sich Sony BMG und Kosmos vermutlich streiten (so ganz genau weiß das ja keiner).

Nun hat sich eine neue Entwicklung ergeben. Sony BMG nahm für sich bislang in Anspruch, die Rechte an den ersten 10 amerikanischen Originalfolgen von der Tochter des Drei-Fragezeichen-Autors Robert Arthur als dessen Erbin erstanden zu haben. Nun ist nach einem Bericht der Stuttgarter Zeitung das Testament Arthurs aufgetaucht. Demnach habe dieser alle Rechte an die Universität Michigan vererbt. Somit wäre Arthurs Tochter als Erbin also gar nicht berechtigt gewesen, die Rechte zu verkaufen.

Bis Weiteres bekannt ist, ist die Gerichtsverhandlung zwischen Europa und Kosmos vertagt und auf September verlegt worden.

Übrigens haben wir erst durch die oben erwähnte J!Cast-Folge erfahren, dass die vermeintlich neuen Namen, die zwei der drei Detektive nun in den neuen Hörspiel-Folgen tragen (Justus Jonas heißt jetzt beispielsweise Jupiter Jones), die Original-Namen der amerikanischen Ursprungsserie sind. Von neuen Namen kann also eigentlich gar nicht die Rede sein.

Unser Kostümtipp: Die unanständige Bibliothekarin

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The naughty LibrarianOder wie soll man "Naughty Librarian" sonst übersetzen? Frech, ungezogen, versaut?

Na, auf jeden Fall ein Tipp für die bevorstehende Karnevalszeit: das Kostüm "Naughty Librarian" zum Preis von 56,99 Dollar. Es besteht aus vier Teilen, nämlich Petticoat im Bücher-Look, Schal, Hornbrille und dem abnehmbaren "Naughty Librarian" Namensschild.

Oh, Mist, was lesen wir da? Out of stock! Na, dann reicht es wohl nicht mehr für diese Saison.

Wie’s allerdings auch billiger geht, zeigt dieses Video bei Youtube:

https://www.youtube.com/watch?v=1aXfLT1FYrA

Fiktive Bauten und Städte in der Literatur

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Durch einen Artikel in der taz wurden wir auf eine interessante Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München aufmerksam. Noch bis zum 11. März sind dort Modelle und Pläne von Gebäuden zu sehen, die anhand von Beschreibungen in Büchern angefertigt wurden. Laut taz befinden sich darunter auch so bekannte literarische Bauwerke wie Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt oder das Ministerium der Wahrheit aus 1984 von George Orwell. Zur Ausstellung gibt es auch einen Katalog (Architektur wie sie im Buche steht. Fiktive Bauten und Städte in der Literatur). Hat schon jemand die Ausstellung gesehen?

Nachtrag: Auch die FAZ berichtet in ihrer Ausgabe vom 16.01.2007 über die Ausstellung.

Buddenbrooks-Verfilmung wird vorbereitet

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Buddenbrooks. Sonderausgabe. Verfall einer FamilieHeinrich Breloer, der in
Die Manns – Ein Jahrhundertroman bereits das Leben der Familie Mann filmisch dokumentiert hat, beginnt demnächst mit der Verfilmung des Thomas-Mann-Romans Buddenbrooks. Armin Mueller-Stahl, der in Die Manns bereits Thomas Mann darstellte, wird in Die Buddenbrooks den Johann Buddenbrook geben.

Wie der Standard berichtet, wird die Fassade und Inneneinrichtung des Buddenbrookschen Familien- und Handelshauses im Studio in Köln-Hürth aufgebaut. Außerdem soll an Originalschauplätzen in Lübeck gedreht werden. Ins Kino soll der Film dann 2008 kommen, später dann als Zweiteiler ins Fernsehen.

Natürlich ist zu erwarten, dass dies einen Buddenbrooks-Boom auslösen wird und das Buch mit Sicherheit wieder auf die Bestsellerliste klettern wird. Zeit genug also, schon jetzt mal wieder ins Bücherregal zu greifen und das Buch zu lesen, bevor es alle tun. literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer hat es schon vor vier Jahren im Urlaub getan und war begeistert.

Bücher gehören nicht ins Fernsehen

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Das NDR-Satiremagazin extra 3 erläutert mit anschaulichen Filmbeispielen, warum Bücher fürs Fernsehen nicht geeignet sind.

https://www.youtube.com/watch?v=3M-ZjkU_moM

Robert Anton Wilson ist tot

Im Alter von 75 Jahren ist am 11. Januar um 4:50 Uhr der Buchautor und Philosoph
Robert
Anton Wilson
am Post-Polio-Syndrom gestorben. Wilson war einer der prominentesten Verschwörungstheoretiker und schuf mit Illuminatus! zusammen mit Robert Shea eine Trilogie, die für viele Kultstatus besitzt. Wilsons Werk wurde auch durch den Film 23 in Deutschland sehr populär.

Unter der Überschrift "Do Not Go Gently Into That Good Night", einem Zitat aus einem Dylan-Thomas-Gedicht, verabschiedete er sich am 6. Januar in seinem Weblog: Please pardon my levity, I don’t see how to take death seriously. It seems absurd. (Bitte entschuldigt meine Leichtfertigkeit, ich weiß nicht, wie ich den Tod ernst nehmen kann. Er scheint mir absurd.)

Was bedeutet »sein Mütchen kühlen«?

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Sein Mütchen kühlen

Unsere Redaktionsassistentin wollte wissen, was denn ein Mütchen sei. Das Wort sei ihr in letzter Zeit schon zweimal aufgefallen, unter anderem im Roman »Nachtfalter. Ein Fall für Kostas Charitos« des griechischen Krimi-Autors Petros Markaris.