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Unsichtbares Unwort

Wenn ein Wort zum »Unwort des Jahres« gekürt wird, dann gehen wir eigentlich davon aus, dass dieses Wort in der Regel durch die Medien eine gewisse Bekanntheit erlangt hat – und zwar vor der Kür. »Ja«, sollte man dann sagen, »das war ein gar garstig Wort, das dort von Politikern, Wirtschaftsbossen oder Medien verwendet wurde. Diese Auszeichnung hat es uns nochmals vor Augen geführt. Hinfort!«

Entlassungsproduktivität. Sagt Ihnen das was? Wie? Das sei kein Wort, das Ihnen aufgefallen ist? Es gehört nicht einmal zu Ihrem passiven Wortschatz? Entlassungsproduktivität war das Unwort des Jahres 2006, gekürt wie immer von einer Expertenjury. Thomas Knüwer vom Handelsblatt hatte sich seinerzeit gefragt, woher denn dieses Unwort stammt, denn auch er als Wirtschaftsjournalist hatte es zuvor noch nie gehört.

Achja, in diesem Jahr lautet das Unwort »Freiwillige Ausreise«. Laut der Expertenjury ist es der euphemistische Begriff für eine doch nicht so ganz freiwillige Ausreise von Asylbewerbern. Nicht gewonnen haben in diesem Jahr »Problembär Bruno« oder die »Unterschicht«.

Heißer Kandidat für das Unwort des Jahres 2007 dürfte natürlich »Stoiber« sein.

4 Kommentare

  1. Liebe susa, Unwort ist hier richtig, obwohl es mehrere Wörter sind. Der Begriff „Wort“ bezeichnet im Deutschen nicht nur die kleinste grammatische Einheit eines Satzes, sondern auch eine Kombination mehrere Wörter. Der Plural von Wort lautet dann Worte.

  2. Ich hatte den „Migrationshintergrund“ vorgeschlagen, der den scheinbar politisch korrekten Vermeidungsbegriff für Einwandererprobleme darstellt. Migration steht für Wandern, lässt aber die Richtung (Ein- oder Auswandern) völlig unberüchsichtigt. Immigration oder Einwanderung waren dafür mal eindeutige Begriffe, aber eindeutig will man es offenbar nicht mehr haben. Der „Hintergrund“ bleibt in diesem Zusammenhang dubios aber die Medien haben sich auf ihn gestürzt und ihn in kürzester Zeit zu einem sinnlosen Unwort gemacht. – Vielleicht ist die Jury des Unwortes inzwischen political correct und wagt es nicht, Begriffe zu küren, die längst zu sinnfreien Medienlieblingen geworden sind? Mischsprachige Begriffe oder Wortneuschöpfungen wie „Migrationshintergrund“ gehören unbedingt an den Unwortpranger! Ein Unwort pro Jahr reicht offenbar schon längst nicht mehr aus.

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