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Textkritik: Drei Brillen für drei Miniaturen

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Mein Schwiegervater war als junger Mann hübsch gewesen: groß und breit mit vollem, schwarzen Haar. Es gibt ein Foto von ihm, auf dem er sehr stattlich auf einem dicken, schweren Pferd sitzt. Später bekam er dann Hautausschläge und Haarausfall und seine Schönheit schwand. Dass er ein kluger Mensch gewesen sei, hat nie jemand von ihm behauptet, am wenigsten seine Familie. Er wäre – obwohl von sanftem Gemüt – leidenschaftlich gern Metzger geworden, aber seine Mutter verbot ihm das einfach, so lernte er schreinern, arbeitete als LKW-Fahrer bei einem Kieswerk und schließlich als Totengräber der Gemeinde Gräfelfing. Mit dieser Arbeit war er nicht unzufrieden: Seine Kinder spielten unter den Särgen, er hielt Kaninchen am Friedhof, und voller Stolz fuhr er den kleinen Bulldog, den die Gemeinde ihm in späteren Jahren für Hubarbeiten zur Verfügung stellte. Die Freunde seiner erwachsenen Kinder nannten ihn »Fred« wegen seiner Ähnlichkeit mit Fred Feuerstein.
Eines Tages klingelte die Polizei an seiner Haustür. Ein junger Polizist zeigte ihm ein Foto, auf dem unscharf zwei Personen zu sehen waren, die vorne in einem Auto saßen. »Kennen Sie die vielleicht?«, fragte der junge Polizeibeamte. »Ja hö!«, freute sich Fred. »Das sind doch die Renate und der Sepp! Gleich habe ich sie erkannt!« Renate war seine Tochter, der Sepp war ihr Freund. »Vielen Dank«, sagte der Beamte und ging.
»Haben Sie dir eigentlich ins Hirn reingeschissen?« wollte Tochter Renate am nächsten Tag von ihm wissen. Sie hatte sein schwarzes Haar, aber nicht sein ruhiges Temperament geerbt. »Hey, die Fotografie war ganz unscharf, die hätten uns im Leben nicht drangekriegt! Und dann musst du kommen und alles vermasseln!! Jetzt ist der Sepp seinen Führerschein los! Spinnst du, oder was?!«
Fred sah ein bisschen unglücklich drein. Aber ernsthaft verunsichert war er auch wieder nicht. »Der Polizei muss man doch die Wahrheit sagen!«, grollte er.

Babs stammte aus dem Ruhrgebiet und war die Tochter reinblütiger Proletarier. Der Vater soff, die Mutter merkte erst nach zwei Tagen, wenn die Tochter ausgerissen war. Aber als sie neunzehn war, hatte Babs wunderbarerweise dennoch das Abitur geschafft. Sie schrieb sich an der Uni ein für Soziologie und Theaterwissenschaft. Das eine Fach war gerade in, bei dem anderen stellte sie sich irgendeine Karriere on stage vor. Abends jobbte sie in einer Kneipe, und mit dem langen, weißblonden Haar, der aufregenden Kluft zwischen ihren großen Brüsten und dem kessen Stupsnäschen hatte sie sehr reelle Chancen beim Trinkgeld. Babs war praktisch ein Bunny. Aber zufällig verliebte sie sich in einen sehr ernsthaften, intellektuellen jungen Mann, und an seiner Seite geriet sie in Kreise, die derart ernsthaft und intellektuell waren, dass sie Blondie-Babsi nötigten, ihr Leben neu zu ordnen. Sie brach das Studium ab und schrieb sich erneut ein als Lehramtsstudentin für Religion und Sport. Ihre neuen Kreise verlangten ihr vielleicht ein bisschen viel ab, aber sie schaffte diese Herausforderungen so locker wie die familiäre Tristesse von einst. Sie legte sich eine besondere, Kaugummi kauende Lässigkeit zu, mit der sie die Abende in der Wohngemeinschaft ihres Freundes überstand, wenn dort heiß über politische und wissenschaftliche Fragen diskutiert wurde, und sah immer so aus, als hätte sie sämtliche Trümpfe in der Hinterhand, wäre sich aber zu schade, sie auszuspielen. Bisweilen wirkte sie kalt.
Sie hielt ihr Studium durch, ermuntert von ihren neuen Freunden, die ihr versicherten, ihre Fächer seien der totale Quatsch, würden aber dereinst ein so ruhiges wie gut bezahltes Lehrerleben ermöglichen. Dann kam das Referendariat, und an seinem Ende die letzte Prüfung, zu der zwei Beamte des Kultusministeriums und ein Mann der Kirche ganz hinten in ihrem Klassenzimmer in einer Bank saßen und beobachteten, wie das blonde Fräulein seinen Religionsunterricht gestaltete. Mitten im Unterrichtsgespräch über die Bergpredigt hob ein schäbiger, nichtsnutziger Knabe den Finger und vermeldete: »Ich finde es übrigens toll, dass unsere Religionslehrerin so heiße Titten hat.«
Babs reckte ihre Stupsnase und wandte der lauschenden Gesellschaft das Profil zu; die Jeans spannte sich über ihren prallen Hintern, das Pullöverchen aus Angora umzitterte die Wölbung weiter oben. »Und?«, fragte sie kühl. »Stimmt’s etwa nicht?«
Der eine Kultusbeamte stritt sich in der nachfolgenden Besprechung lange mit dem Mann der Kirche, aber leider obsiegte dieser, da er von dem zweiten Beamten, der sehr konservativ war, unterstützt wurde.

Als Harry die Vierzig überschritten hatte, bemerkte er, dass sein Glück bei den Frauen irgendwie unstet wurde. Das verstand er nicht ganz, denn er hielt sich selbst für einen außergewöhnlich gut aussehenden Mann mit einem gewissen Niveau. Trotzdem lebte er nun seit vierzehn Monaten ohne eine Freundin, und dieser ungewohnte Zustand ließ sich offenbar immer schwieriger beheben, zumal Harry inzwischen seine Wohnung so ungern verließ. Am liebsten saß er abends zu Hause auf dem Sofa und kraulte seine fette Katze, während der Fernseher lief. Auch an seinen Hüften hatte sich schon Fett angesetzt, aber das war in seinem Alter ja normal.
Die Party, auf der er Gudrun kennen lernte, war so langweilig, wie er es sich vorgestellt hatte. Aber er musste hingehen, es war die Geburtstagsfeier des Chefs. Und siehe da: Peng! Schon gab es wieder eine Frau in seinem Leben. Sie war schon etwas älter und eine Spur fülliger, als er es schätzte, aber sie passte sich seinem Stil an, und bald saßen sie zu dritt auf dem Sofa: Harry, Gudrun und die Katze. Das war die letzte Party, auf die ich gegangen bin, schwor sich Harry, ab jetzt kehrt wieder Gemütlichkeit ein – und da kam auch schon Gudrun und öffnete ihm ein Bier und stellte eine Schüssel Kartoffelchips dazu.
Eines Abends, es lief gerade der Tatort, da sprach der Kommissar zu seiner Frau: »Schätzle, für dich würde ich doch alles tun!«
Gudrun hörte den Satz, nahm sich eine Handvoll Chips und fragte lächelnd: »Und du? Würdest du auch alles für mich tun?« – »Was?« entgegnete Harry überrascht. »Alles für dich tun? Nein, natürlich nicht.«
Gudrun ließ die Hand in der Schüssel mit den Chips ruhen. »Moment mal«, sagte sie und runzelte die Stirn. »Aber du liebst mich doch. – Oder?«
Harry folgte mit den Augen noch ein paar Sekunden der spannenden Szene im Fernsehen, dann wandte er sich Gudrun zu. »Also, wenn du mich so fragst, also ehrlich gesagt: Nein. Lieben tu ich dich nicht.« Er fand es sehr schade, dass sie ihre Frage gerade bei diesem Tatort stellte, in dem sein Lieblingskommissar mitspielte, der aus dem Schwabenland, denn es war ja klar, dass sich nun eine längere Auseinandersetzung dranhängen würde.
Aber Gudrun diskutierte nicht, sondern ging durch die Wohnung und sammelte die paar Besitztümer ein, die sie hierher mitgebracht hatte, darunter auch ihre Zahnbürste. »Ich finde, du hättest es mir nicht unbedingt auf die Art sagen müssen«, erklärte sie ihm an der Tür. Er hob die Achseln an. »Hätte ich denn taktieren sollen?«, fragte er. »In der Liebe? – Da sollte man ja doch die Wahrheit sagen, oder nicht?« Natürlich hatte er nicht vor, sie ernsthaft zu verurteilen – dennoch klang in seiner Stimme ein leiser Tadel mit.

© 2010 by Angelika Jodl. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Lebendig, mit ironischer Distanz und einem Lächeln auf den Lippen
mit leichten Fehlern und  etwas zu lang geraten.

Die Kritik im Einzelnen

Viele Informationen bekommen wir über Fred – aber welche brauchen wir für den Rest der Erzählung? Es ist nicht so, dass das, was erzählt wird, schlecht erzählt wird: Aber es ist zu viel! Ich würde hier nur eine Straffung vorschlagen:
Dass mein Schwiegervater ein kluger Mensch gewesen sei, hat nie jemand von ihm behauptet, am wenigsten seine Familie. Er wäre – obwohl von sanftem Gemüt – leidenschaftlich gern Metzger geworden, aber seine Mutter verbot ihm das einfach. Schließlich arbeitete er als Totengräber der Gemeinde Gräfelfing. Mit dieser Arbeit war er nicht unzufrieden: Seine Kinder spielten unter den Särgen, er hielt Kaninchen am Friedhof, und voller Stolz fuhr er den kleinen Bulldog, den die Gemeinde ihm in späteren Jahren für Hubarbeiten zur Verfügung stellte. Die Freunde seiner erwachsenen Kinder nannten ihn »Fred« wegen seiner Ähnlichkeit mit Fred Feuerstein.
Ein wacher Leser – und davon gehe ich prinzipiell aus – kann hier alle nötigen Informationen über seine Entwicklung erkennen: seine Unselbständigkeit, seine Bescheidenheit, sein Familienstand. Mehr braucht es nicht zum Verständnis des Folgenden. zurück

»Ins Hirn rein« ist doppelt rein, es genügt durchaus, einem nur ins Hirn zu scheißen! zurück

Hier liegt ein Missverständnis vor: Proletarier sind Arbeiter, die sich dadurch auszeichnen, dass sie produktiv arbeiten; was aber hier gezeichnet wird, sind allenfalls Proleten oder ehemalige Arbeiter (Marx nannte sie Lumpenproletariat). Der Begriff waschechte Proletarier muss also weg. zurück
Nun … also: Verlieben tut man & frau sich immer zufällig, das hat etwas mit Chemie zu tun und muss nicht besonders betont werden! zurück

Auch hier würde ich einige Kürzungen vorschlagen, aus den gleichen Gründen wie oben:
Babs‘ Vater soff, die Mutter merkte erst nach zwei Tagen, wenn die Tochter ausgerissen war. Aber mit neunzehn hatte Babs wunderbarerweise dennoch das Abitur geschafft. Sie schrieb sich an der Uni ein, und abends jobbte sie in einer Kneipe. Mit der aufregenden Kluft zwischen ihren großen Brüsten hatte sie sehr reelle Chancen beim Trinkgeld. Sie verliebte sich in einen ernsthaften, intellektuellen jungen Mann, und an seiner Seite geriet sie in Kreise, die derart ernsthaft und intellektuell waren, dass sie Blondie-Babsi nötigten, ihr Leben neu zu ordnen. Sie brach das Studium ab und schrieb sich erneut ein als Lehramtsstudentin für Religion und Sport. Sie schaffte diese Herausforderungen so locker wie die familiäre Tristesse von einst. Sie legte sich eine besondere, Kaugummi kauende Lässigkeit zu, mit der sie die Abende in der Wohngemeinschaft ihres Freundes überstand, wenn dort heiß über politische und wissenschaftliche Fragen diskutiert wurde, und sah immer so aus, als hätte sie sämtliche Trümpfe in der Hinterhand, wäre sich aber zu schade, sie auszuspielen. zurück

Eigentlich reicht das: Das Geschlecht ist genannt; die Adjektive sind offenbar ein wertender Kommentar des Erzählers – aber das ist völlig überflüssig! Beide Adjektive sollten gestrichen werden! zurück

Mir ist unklar, wieso das Pullöverchen den Busen umzitterte: Wo soll denn da Platz zum Zittern gewesen sein bei der Wölbung? Umschmeichelte ließe ich mir gefallen oder umspannte – aber niemals nicht kein Zittern!
Und ganz und gar unklärlich ist mir Babsis Anatomie: Welche Wölbung befindet sich denn weiter oben, ausgehend vom Po, der sich normalerweise hinten befindet? Ein bisher verschwiegener Buckel? Hier fände ich »stolze Brust« nicht schlecht – Babs weiß ja, was sie hat: […]das Pullöverchen aus Angora versuchte vergeblich, die stolze Brust zu fassen. zurück

Der eingeschobene Relativsatz unterbricht zu stark – hier wäre ein Adjektiv besser: […]da er von dem zweiten, sehr konservativen Beamten unterstützt wurde. zurück

Auch hier hätte ich es gerne wieder etwas kürzer – die Gründe sind die gleichen:
Als Harry die Vierzig überschritten hatte, bemerkte er, dass sein Glück bei den Frauen irgendwie unstet wurde. Das verstand er nicht ganz, denn er hielt sich selbst für einen außergewöhnlich gut aussehenden Mann mit einem gewissen Niveau. Trotzdem lebte er nun seit vierzehn Monaten ohne eine Freundin; allerdings saß er abends auch am liebsten zu Hause auf dem Sofa und kraulte seine fette Katze, während der Fernseher lief.
Die Party, auf der er Gudrun kennen lernte, war so langweilig, wie er es sich vorgestellt hatte. Aber es war die Geburtstagsfeier des Chefs. Und siehe da: Schon gab es wieder eine Frau in seinem Leben. Sie war schon etwas älter und eine Spur fülliger, als er es schätzte, aber sie passte sich seinem Stil an. Das war die letzte Party, schwor sich Harry, ab jetzt kehrt wieder Gemütlichkeit ein – und da kam auch schon Gudrun, öffnete ihm ein Bier und stellte eine Schüssel Kartoffelchips dazu.
zurück

Und wieder haben wir ein überflüssiges Adjektiv ertappt: weg mit dem spannend – Harry findet das immer spannend, was er sich anschaut! zurück

Das ist zu umgangssprachlich – ein schlichtes anhängen genügt! zurück

Wohin den sonst hätte sie es mitbringen können? Streichen! zurück

Richard Bach: Der Pilot – Kein Höhenflug wie Jonathan

Richard Bach: Der PilotRichard Bach, das war doch der … ja, genau, der Typ, der das Buch von der Möwe Jonathan geschrieben hat: die Geschichte einer Möwe, die ihre Freiheit und Selbstbestimmung in der Perfektionierung ihrer Flugkünste findet.

Ein Kultbuch, das Millionen verzauberte. Wer den kleinen Prinzen von St. Exupéry im Regal stehen hatte, bei dem fand sich gewiss auch die Möwe Jonathan.

30 Jahre sind seit dem Höhenflug der Möwe vergangen. Der heute 75-jährige Autor wurde in der US-Army als Jetpilot ausgebildet und lebte seine Leidenschaft  als Fluglehrer und Schauflieger. Obwohl er zahlreiche Aufsätze über das Fliegen veröffentlichte, blieb die Möwe Jonathan sein bisher einziges Buch. Nun erscheint »Der Pilot – Die Weisheit wartet über den Wolken« – ein Roman über das  Schicksal und die Macht der Gedanken.

Frankfurter Buchmesse: Wie ein Notenständer für 18 Euro unseren Stand rettete

Frankfurter Buchmesse: Messestand des literaturcafe.deAm Sonntag endete die Frankfurter Buchmesse 2010 – doch auf literaturcafe.de geht sie noch eine ganze Woche weiter. Denn es gibt noch viel zu berichten, beispielsweise von unserer Twitter-Lesung oder der Präsentation des Kalenders mit erotischen Buchhändlerinnen. All das lesen Sie in unseren Buchmesseberichten in dieser Woche.

Ebenso wird es noch eine ganze Woche lang täglich eine Folge des Buchmessepodcast geben, unter anderem mit den Machern von Neobooks, des Eichblogs und mit Sascha Lobo und Roger Willemsen.

Für uns war der eigene Stand am Hot Spot »Literatur & Special Interest« eine feine Sache. Allerdings bahnte sich am ersten Tag der Messe ein Desaster an. Doch ein Notenständer für 18 Euro hat unseren Messeauftritt gerettet.

Stuttgart 21: Gegner werden auch auf der Frankfurter Buchmesse bespitzelt

Normale Fachbesucher der Buchmesse? Nicht ganz.Plötzlich wehte auf der Frankfurter Buchmesse der Atem der Stasi durch die Messehalle 3: Eine kleine Verlagsauslieferung aus dem Stuttgarter Raum hatte am Messefreitag um 17 Uhr 30 zur Happy-Hour eingeladen. Im Vorfeld war bekannt geworden, dass es auch so etwas wie ein inoffizielles Treffen der Parkschützer und S21-Gegner werden würde. Denn warum sollten Verlagsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zur Messe ihr politisches Gewissen abgeben? Immerhin ist freitags Demo-Tag in Stuttgart.

Schon im Laufe des Freitags hatten die Organisatoren Besuch von einigen Herren bekommen, die darauf hinwiesen, dass politische Kundgebungen auf der Messe verboten seien und es ernsthafte Probleme geben könnte, falls die Feier ausarten würde.

Was hat man befürchtet? Ein vielstimmiges »Oben bleiben!« das plötzlich durch die Messehallen schallt? Gewaltbereite Buchhändlerinnen, die mit Papierfliegern auf Polizisten zielen?

Aus iPhone wurde iPad: Die zweite TOC-Verlegerkonferenz in Frankfurt

Beim Google-Vortrag war der Saal voll ...Zum zweiten Mal fand am Vortag der Frankfurter Buchmesse die TOC-Verlegerkonferenz statt. Erneut brachte der O’Reilly-Verlag in Zusammenarbeit mit der Buchmesse den europäischen Ableger der New Yorker Veranstaltung in die Mainmetropole. Was hat sich seitdem an den »Werkzeugen des Wandels« (Tools Of Change) in den Verlagen geändert? Wie sieht die Zukunft der Buchproduktion aus?

Ist die einschneidenste Veränderung nur der Wechsel des Veranstaltungsortes? Statt im Radisson-Blue-Hotel wurde in diesem Jahr im Marriott-Hotel direkt gegenüber der Messe getagt.

Warum werde ich nicht veröffentlicht? Oder: Die Große Manuskriptverschickung – Nachtrag mit Antworten

Die Große Manuskirptverschickung: Auffangbecken 6Bei allen, die meine Serie gelesen haben, möchte ich mich herzlich bedanken – vor allem natürlich für die Rückmeldungen in den Kommentaren, per Mail, in Blogs und diversen Foren.

Die Resonanz war etwas uneinheitlich, wie auch nicht anders zu erwarten, und obwohl ich um die Kommentar- und Kommentierfreudigkeit von Autoren weiß (schließlich gehöre ich selbst dazu), hat sie mich in der Masse dann doch verblüfft. Zumal ich die Serie eigentlich nicht für sonderlich kontrovers hielt. »Warum werde ich nicht veröffentlicht« war weniger als abzuarbeitende Tippliste oder gar strategische Handhabe gedacht, sondern vielmehr als Zustandsbeschreibung.

Buchtipp: Der baden-württembergische Ministerpräsident hat das Gedächtnis verloren

Joachim Zelter: Der MinisterpräsidentIm Roman von Joachim Zelter geht es um den baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Dies ist jedoch keine Leseempfehlung aus aktuellem Anlass. Denn Zelters Ministerpräsident ist ein netter. Man traut ihm nicht zu, dass er Kinder und Rentner im Stuttgarter Schlossgarten niederknüppeln lassen würde, um danach wie ein kleiner Junge auf dem Schulhof zu behaupten: »Die haben angefangen!«

Auch Zelters Ministerpräsident hat etwas Kindliches, denn sein baden-württembergisches Staatsoberhaupt hat das Gedächtnis verloren.

Twitter-Lesung auf der Frankfurter Buchmesse: Die besten Tweets in deutscher Sprache

Pauschalisierungen wie von @m4gic schreiben sich leicht, wenn man den Irssinn vor Ort nicht selbst erlebt hat. https://lcsh.de/2tq #S21Am Buchmesse-Samstag, dem 9. Oktober 2010, um 13 Uhr wird das Team von twitterlesung.de auf der Bühne des »Literature & Special Interest Hot Spot« in Halle 3.1 die besten, schönsten, witzigsten und großartigsten Tweets aus dem Buch » Twitter – Das Leben in 140 Zeichen« vortragen. Das Buch ist bei PONS erschienen.

Präsentiert wird die knapp einstündige Lesung von literaturcafe.de. Wer genau in Frankfurt lesen wird, das ist demnächst auf twitterlesung.de und hier zu lesen. Außerdem gibt’s preisgekrönte Kurz-Gedichte des 2. Twitter-Lyrik Wettbewerbs zu hören. Das zweite Twitter-Lyrik-Buch ist nun ebenfalls im Buchhandel erhältlich und steht als PDF-Datei zum Download bereit.

Die Twitter-Lesung wird unterstützt von PONS und Books on Demand (BoD).

Outsourcing im Lektorat: Droemer Knaur geht mit neobooks neue Wege

neobooks von Droemer KnaurSeit einiger Zeit bekommen Autoren, die ihr Manuskript an den Verlag Droemer Knaur schickten, selbiges wieder zurück. Nicht mit dem üblichen Standard-Absageschreiben, sondern mit der Bitte, es doch auf der neuen Bewertungsplattform neobooks einzustellen, die seit Ende Juli in der geschlossenen Betaphase ist und zur Frankfurter Buchmesse ihren öffentlichen Start haben wird.

Die Kosten für die Entwicklung und Unterhaltung einer solchen Plattform scheinen sich für den Verlag zu rechnen. Bei ca. 30 unverlangt eingesandten Manuskripten pro Tag wird einiges an Ressourcen gebunden (SekretärInnen, PraktikantInnen, LektorInnen), die nun frei werden. Denn die Arbeit sollen sich gefälligst die User machen. Als Begründung muss folgende Überlegung herhalten: die zukünftigen Leser wissen am besten, was sie lesen wollen. Also fragen wir sie und verlegen dann das, was die meiste Zustimmung bekommt.

Und was erhalten die Leser (Rezensenten) als Dank für ihre Mühe? Oder anders gefragt: Was sollte ein »normaler« Leser für einen Grund haben, seine wertvolle Zeit mit einem Manuskript zu verbringen, das vielleicht nie den Sprung zwischen zwei Buchdeckel schaffen wird?

Halle 3.1 – Stand L681: Besuchen Sie das literaturcafe.de auf der Frankfurter Buchmesse 2010

Hot Spot auf der Frankfurter Buchmesse
Das literaturcafe.de am Hot Spot auf der Frankfurter Buchmesse

Das literaturcafe.de ist in diesem Jahr mit einem eigenen kleinen Stand auf der Frankfurter Buchmesse vertreten. Besuchen Sie uns in Halle 3.1 am so genannten Hot Spot »Literature & Special Interest« – Standnummer L681 – vom 6. bis 10. Oktober 2010.

Wer ein kleines Filmchen für uns dreht und nach Frankfurt kommt, dem schenken wie außerdem eine literaturcafe.de-Tasse. Was Sie tun müssen und wie das geht, lesen Sie hier.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Twitter-Lesung mit dem Team von twitterlesung.de am Buchmesse-Samstag um 13 Uhr.

Außerdem beraten wir Autoren und Verlage über unser Angebot und unsere Dienstleistungen. Und den Buchmesse-Podcast – u.a. mit Sascha Lobo und Roger Willemsen – gibt es natürlich auch wieder zu hören.

Frankfurter Buchmesse: Für einen Film schenken wir Ihnen eine literaturcafe.de-Tasse

Das Tassenvideo zur TassenvideoaktionNach fast 10 Jahren ist das literaturcafe.de in diesem Jahr wieder mit einem eigenen Stand auf der Buchmesse zu finden. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in Halle 3.1 am Stand L681 am Hot Spot »Literature & Special Interest«.

Wir wollen an eine alte Tradition anknüpfen und Ihnen wieder eine literaturcafe.de-Tasse schenken. Damals im Jahre 2000 und 2001 mussten Sie uns ein Gedicht oder eine kurze Geschichte zuschicken, um die Tasse zu erhalten.

Seitdem ist einige Zeit vergangen, das Internet hat sich weiterentwickelt und wir legen die Messlatte diesmal etwas höher:

Schenken Sie uns ein Video auf YouTube – wir schenken Ihnen in Frankfurt eine literaturcafe.de-Tasse!

Jetzt an Weihnachten denken: Bring mir den Kopf vom Nikolaus

Buch: Simon Borowiak: Bring mir den Kopf vom NikolausÜber den Einband dieses kleinen Büchleins stolpert man sofort: lacht einen doch auf grünem Grund ein Mädchen und ein Rentier an!

Doch handelt es sich nicht um ein Kindermärchen, sondern um eine märchenhafte Alltagsgeschichte!

In einer äußerst komischen und lakonisch-witzigen Manier erzählt uns ein Freund, denn als einen solchen möchte man den Ich-Erzähler bezeichnen, wie er seinen Heiligen Abend zu verbringen gedenkt.

Textkritik: Malte tröstet die Form für eine Brille

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In subkutane Regionen, wo
Übel sich hin zurückziehen, wenn
Sie den Augen entkommen müssen, wer
Will denen schon hinterher steigen?

Doch wohl nur der Herr Doktor, der
Ohne zu zucken im Darm wühlt, die
Wunde erneut aufbricht um jenen, die
Dieses Schauspiel interessiert, das
Ergebnis mit wichtiger Miene zu verkünden:

»Da ist nichts zu machen

© 2010 by Martin Giaco. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Ziellos-unentschiedenes Herumfuhrwerken mit Wörtern und Einfällen.

Das einzige, was ein kleines bisschen tröstet, ist die Form: nämlich dass die letzte Wörter der Verse vor der Schlusszeile jedes Abschnittes durch Komma abgetrennt sind und jeweils mit dem gleichen Konsonanten beginnen! Das rettet zumindest 1 Brille! Bedauerlicherweise hat jedoch bereits der zweite Abschnitt eine Zeile mehr.

Und noch viel besser wäre es gewesen, böte der erste Abschnitt ein wer-wie-was und die zweite ein der-die-das. Aber sowas wäre selbstverständlich mit Arbeit verbunden …

Die Kritik im Einzelnen

Das Auseinanderziehen von wohin ist sprachlich sehr ungünstig, zumal das hin direkt auf zurück trifft: Warum darf es nicht beieinander bleiben? Die geplante Alliteration w an den Zeilenenden wird davon nicht berührt, und ein Metrum ist nicht vorgesehen!
Dass »subkutane Regionen« sich unmittelbar unter der Haut befinden, merken wir uns – für später! zurück

Warum müssen Übel den Augen entkommen? Viele Krankheiten – und darum geht es ja wohl – blühen prächtig auf der Haut – bis auf die, für die Haut ein unwirtlicher Ort ist. Die sieht man nicht, man spürt sie vielleicht, und dann nützt dann auch kein Rückzug in subkutane Regionen. Dann sucht man einen Arzt auf – und erst recht, wenn Übel auf der Haut prangen. Was also soll diese erste Strophe? Will die witzig sein oder gar humorvoll? zurück

Der Doktor hat die »subkutanen Regionen« entschieden verlassen, er befindet sich sehr viel tiefer – ein Zusammenhang zum ersten Abschnitt besteht nicht mehr, außer dass da wohl im Darm ein Übel ist. Die erste Strophe ist neben dem Unfug also auch noch völlig isoliert und könnte folgenlos gestrichen werden. Und dass ein Darmarzt beim Darmdurchwühlen nicht zuckt, ist wohl selbstverständlich, wird hier aber als etwas Besonderes hervorgehoben. zurück

Der Arzt wird jetzt zu einem Sadisten: Er bricht eine entdeckte Wunde auf, weil er die Absicht hat (um zu ), den Interessierten eine möglichst schlechte Nachricht zu verkünden. Aber vielleicht ist der Arzt gar kein Sadist, sondern ein Organhändler, der vorsätzlich für Tote sorgt, um sich an den Überresten dumm und dämlich zu verdienen, so was wie ein gewiefter Manager? Und vielleicht ist das Gedicht ein Protest gegen solche Gestalten? Wer weiß das schon – ich jedenfalls nicht: Das ist alles herzlich wirr! zurück

Hach: Die Pointe!! Angekündigt durch einen Doppelpunkt bekommt sie eine Extrazeile und Anführungszeichen. Aber wovon ist das die Pointe? Dass – wie es schon geschrieben stand – der Doktor seinen Patienten bewusst umbringt? zurück

Warum werde ich nicht veröffentlicht? Oder: Die Große Manuskriptverschickung – Teil 5

Die Große Manuskirptverschickung: Auffangbecken 5Etwa eine halbe Million Menschen, so wird geschätzt, sitzen in den Wohnzimmern der Republik vor Laptops oder sogar Schreibmaschinen und verfassen »Romane«.

Ihre Qualifikation: Deutschunterricht.

Ihr Ansatz: autobiografisch.

Ihr Impetus: Schriftsteller werden, also vor allem reich und berühmt.

In einer fünfteiligen Serie analysiert der Autor Tom Liehr schonungslos, warum diese Werke dennoch kein Verlag veröffentlicht.

Veronika beschließt zu sterben: Filmkritik und die Frage »Was lesen Gewinnspielteilnehmer?«

Kinoplakat: Veronika beschließt zu sterbenAm 30. September 2010 läuft in den deutschen Kinos der Film »Veronika beschließt zu sterben« an. Er entstand nach dem Buchbestseller von Paulo Coelho aus dem Jahre 1998.

In der Hauptrolle ist Sarah Michelle Gellar zu sehen, die hauptsächlich als Vampirjägerin Buffy in der gleichnamigen Fernsehserie bekannt wurde.

In Zusammenarbeit mit Capelight Pictures konnten Sie bei uns drei Buch-und-Kinopakete gewinnen. Sie bestehen jeweils aus dem Buchbestseller von Paulo Coelho und zwei Kinogutscheinen für den Film. Die Verlosung endete am 30. September 2010, und wir zeigen, welches Buch von Paulo Coelho die Gewinnspielteilnehmer zuletzt gelesen haben.

Ein Kinobesuch lohnt sich auf jeden Fall, denn der Film überrascht durchaus.