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Urlaubslektüre: Verkauft die Leser nicht für hummeldumm!

Tommy Jaud: HummeldummMit einer dürftigen Geschichte ein ganzes Buch zu füllen ist schwer – und auch in diesem Fall misslungen. Vielleicht wollte Tommy Jaud aber nur um viele Gags und Zoten herum eine Geschichte drapieren – leider ist auch dies misslungen.

Es war mein erstes Buch von Tommy Jaud, und es wird wohl auch das letzte bleiben. Ich kannte den Autor nicht, wusste nicht, dass er u. a. einer der Gag-Schreiber für Anke Engelke ist.

Auf diesem nicht besonders hohem Comedy-Niveau bewegt sich das gesamte Buch. Flache und unsäglich langweilige Gags reihen sich aneinander, die Protagonisten sind Klischeefiguren bis zum Unerträglichen.

Warum werde ich nicht veröffentlicht? Oder: Die Große Manuskriptverschickung – Teil 1

Die Große Manuskirptverschickung: Auffangbecken 1Etwa eine halbe Million Menschen, so wird geschätzt, sitzen in den Wohnzimmern der Republik vor Laptops oder sogar Schreibmaschinen und verfassen »Romane«.

Ihre Qualifikation: Deutschunterricht.

Ihr Ansatz: autobiografisch.

Ihr Impetus: Schriftsteller werden, also vor allem reich und berühmt.

In einer fünfteiligen Serie analysiert der Autor Tom Liehr schonungslos, warum diese Werke dennoch kein Verlag veröffentlicht. Immer am Freitag erscheint ein neuer Teil.

Literaturverfilmung: »In meinem Himmel« auf Blu-ray und DVD

Blue-ray: In meinen HimmelDie Verfilmung des Buchbestsellers »In meinem Himmel« (The lovely bones) von Alice Sebold ist ab heute fürs Heimkino auf Blu-ray und DVD erhältlich. Das Werk zählt zwar nicht zu den besten Filmen von Star-Regisseur Peter Jackson (»Der Herr der Ringe«, »Heavenly Creatures«), doch der bittersüß-kitschige und dramatische Mystery-Thiller, den Jackson aus dem Buch gemacht hat, trifft Mitten ins Herz der Zielgruppe, die »In meinem Himmel« beispielsweise auf Facebook in den selbigen lobt: Mädchen ab 14.

Denn obwohl der Film ab 12 Jahren freigegeben ist, ist die Mord- und Vergewaltigungsgeschichte für dieses Alter sicherlich nicht geeignet, auch wenn sich Jackson mit blutigen Details zurückhält.

Wer nicht zur Zielgruppe gehört, kann sich an den fantasievollen Bildern des Films erfreuen und Paramount macht deutlich, dass die Blu-ray-Version dafür besser geeignet ist:

Während die DVD-Version keinerlei Bonusmaterial bietet, liegt in der blauen Hülle eine zweite Silberscheibe mit einem fast dreistündigen »Making-Of«, das den Namen verdient und auch auf die Unterschiede zwischen Film und Buch eingeht. literaturcafe.de hat sich die Blu-ray angesehen.

Mallorca mit Kultur: Schreibwerkstatt mit Vito von Eichborn

Schattenplatz im Apartment vitolibri, dahinter NachbarmühleMallorca ist nicht nur Ballermann, Mallorca kann auch Kultur sein – und Literatur. Unter dem Motto »Durch Schreiben ordnet sich das Denken« bietet der Literaturagent und Ex-Verleger Vito von Eichborn erstmals eine Schreibwerkstatt auf der spanischen Mittelmeerinsel an.

Im Ambiente einer restaurierten Mühle kann sechs Tage intensiv an Texten gefeilt werden. Vito von Eichborn, so steht es in seiner Werkstatt-Beschreibung, ist dabei »Anreger und  Moderator«. Wer den Gründer des Eichborn Verlags kennt, der weiß, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt und nicht nur zu den Texten der maximal 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmern offen seine Meinung sagen wird.

Der Workshop findet statt vom 30. August bis zum 4. September 2010. Die Kosten liegen bei 285 Euro, um Anreise und Unterbringung muss man sich selbst kümmern, Vito von Eichborn bietet für Schnellentschlossene eine Übernachtungsmöglichkeit an.

Alles Weitere ist in einer PDF-Datei zur Schreibwerkstatt nachzulesen, die uns Vito von Eichborn übermittelt hat.

Unsere Meinung: Aktiver Kultururlaub für Kurzentschlossene. Wir wären gerne selbst dort.

Erfahrungsbericht: Von der Idee zum Manuskript, vom Verlagskontakt bis zum Verlagsvertrag

SchreibenDie Idee hatte sich viel Zeit gelassen. Bis sie endlich Konturen annahm, musste sie über zwei Jahre im Kopf reifen. Nachdem ich die ersten Ideefetzen auf Papier gespuckt hatte, war der Rohbau schnell fertig. Die Worte flogen von der Tastatur auf den Bildschirm, als ob ein Ghostwriter im Computer gesessen hätte. Das erste Manuskript war nach vier Monaten fertig, doch wie sollte es weiter gehen?

Aller Anfang ist nicht nur schwer, sondern entscheidend für den Erfolg. Aus diesem Grund ließ ich die ersten Seiten meines jungfräulichen Manuskripts von zwei Personen lesen – von einem Spezialisten des Genres und von einer Vertreterin des anderen Geschlechts. Schließlich sollten auch Frauen als Leser infrage kommen.

Nachdem der Anfang passte, schickte ich das Manuskript an fünf Erstleser, natürlich nach vorheriger Absprache. Zwei Exemplare bekamen meine größten Kritiker in zwei unterschiedlichen Foren – zum einen die wohl größte und älteste deutsche Literaturplattform und zum anderen ein Meinungsforum, in dem auch Literatur veröffentlicht wird.

Marketing-Aktion: Bastei Lübbe schickt Drohbücher an Blogs und Websites

Das Buch ohne StabenZahlreiche Blogger und Website-Betreiber fanden in der letzten Woche eine merkwürdige Postsendung im Briefkasten: Auf dem Umschlag stand kein Absender, stattdessen war ein Computer und ein Totenschädel abgebildet.

Im Umschlag selbst steckten ein Buch und ein Anschreiben. Titel des Werkes: »Das Buch ohne Staben«. Kenner des Horror- und Fantasy-Genres erkannten am Titel und der ähnlichen Covergestaltung, dass es sich offenbar um einen Nachfolgeband des erfolgreichen »Buch ohne Namen« handelt.

Doch ein Blick ins Werk zeigte, dass es leer ist, ein Blindbuch mit weißen Seiten!

Das beiliegende Schreiben, ein auf alt gemachtes Schreiben mit Feuchtigkeitsflecken, offenbarte den Absender eindeutig: oben rechts prangt das Logo des Bastei Lübbe Verlags.

Der Brief jedoch hat es in sich: Das Buch sei mit einer unsichtbaren Tinte gedruckt, denn würde man das entschlüsselte Werk lesen, so drohe der Tod.

Interview: Das Geheimnis um Twitter-Lyrikerin @Nanuscha ist gelüftet

Nina Weber (Foto: Seashell Productions)
Nina Weber (Foto: Seashell Productions)

Am 21. März 2009 hatte sie sich bei Twitter unter dem Namen @Nanuscha angemeldet und nur einen einzigen Tweet verfasst. Es war ein Gedicht, das sie zum 1. Twitter-Lyrik-Wettbewerb einreichte. Sie schrieb genau 137 Zeichen: es ist kristallklar und still/ein Kreuz, ein Zaun,/die Spitzen pietätvoll zugeschneit/während Elstern/auf einem Hasen sitzen/und fressen

Das Werk überzeugte die Jury, die unter anderem feststellte: Ein im besten Sinne poetisches Werk, das nachwirkt, indem es beschreibt und nicht doziert. @Nanuscha gewann den 1. Twitter-Lyrik-Preis und somit auch einen iPod touch.

Doch @Nanuscha meldete sich nicht und blieb ein Phantom. Gerüchte um ihre Identität entstanden. Hatte sich jemand einen Spaß erlaubt? Doch wer würde freiwillig auf den iPod verzichten?

Und plötzlich, über ein Jahr später, meldete sich @Nanuscha erneut mit einem Tweet.

Ich habe gerade erst gesehen, dass ich den Twitter-Lyrikwettbewerb gewonnen habe … 2009. Ich war wohl zu sehr in meinem Roman vergraben, schreibt sie am 10 Juni 2010. Mittlerweile war bereits die Gewinnerin des 2. Twitter-Lyrik-Wettbewerbs gekürt.

Es wird also Zeit, das Geheimnis aufzuklären. Wir haben uns mit @Nanuscha unterhalten, die im wahren Leben Nina Weber heißt.

Kindle für iPhone und iPad hat »New Oxford American Dictionary« integriert

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Kindle Wörterbuch wird auf dem iPhone heruntergeladenAmazon macht das Lesen englischer eBooks auf dem iPhone, iPad und iPod touch einfacher. Ab Version 2.2 der Kindle-Lesesoftware für die mobilen Geräte ist kostenlos das »New Oxford American Dictionary« integriert, mit dem sich zu unbekannten Wörtern eine ausführliche englische Worterklärung anzeigen lässt. Es ist zwar kein Englisch-Deutsch-Wörterbuch, aber dennoch kann eine Umschreibung beim Verständnis des englischen Textes helfen. Die Version 2.2 der Lesesoftware steht ab sofort im App-Store von Apple zum Download bereit.

Das Wörterbuch umfasst 250.000 Begriffe. Es ist nach dem Download der Kindle-Lesesoftware nicht sofort verfügbar. Zunächst muss in einem englischen eBook ein Begriff markiert werden, dann lädt sich das Wörterbuch herunter und ist danach auch ohne Netzanbindung verfügbar. Mit Netz kann über Links der Begriff zusätzlich bei Google und Wikipedia nachgeschlagen werden.

Ratlose Verlage: Das eBook zerstört das künstlich geschaffene Absatzbiotop

eBooks auf dem iPod touchWie so viele Branchen hat sich auch der Buchhandel in der Vergangenheit ein Geschäftsmodell geschaffen, in dem elektronische Produkte nicht vorgesehen waren. Bei elektronischen Büchern wird daher hilflos am Kunden vorbeigeplant.

Vor der eBook-Zeit war die Verlagswelt noch in Ordnung: Kam ein neuer Roman auf den Markt, so wurde er zunächst als sogenannte »gebundene Ausgabe« oder »Hardcover-Ausgabe« verkauft, die wertvoll erscheinen sollte, um einen hohen Preis zu rechtfertigen, obwohl sie schon längst in billiger Pappe statt Leinen gebunden war. Zielgruppe waren die Fans des Autors, die jedes Buch sofort haben wollen, Geschenkekäufer und Leute, die Solideres im Buchregal stehen haben wollten. War diese Gruppe abgefischt, kam nach einiger Zeit das Taschenbuch auf den Markt, um als zweite Welle die Käufer mit schmalerem Geldbeutel zu erreichen. Und vielleicht gibt es später noch eine dritte Welle für Gelegenheitskäufer mit einer preiswerten Sonderausgabe. Und egal ob Hardcover oder Taschenbuch: Dank gesetzlicher Preisbindung kosten die Bücher überall gleich.

Doch dann kam das eBook und machte das künstlich geschaffene Absatzbiotop zunichte. Absurde Preismodelle sind die Folge.

Textkritik eines Romananfangs: Der Beste am Schluss

SchreibStar - Maltes RomananfangskritikMan soll immer mit etwas Positivem aufhören. Daran hält sich auch Malte Bremer. In einer Spezialausgabe seiner Textkritik hat unser Kritiker für SchreibStar.tv, der Website zum Roman »Möchtegern« von Milena Moser, insgesamt sechs Romananfänge besprochen.

Heute nun gingen der letzte Romananfang und die letzte Kritik online. »Präzise, lebendig, humorvoll: So wünsche ich mir Romane!«, schreibt Malte in seiner zusammenfassenden Bewertung. Ein Romananfang, in dem lebendig erzählt statt öde berichtet wird.

Und natürlich geht es demnächst bei »Maltes Meinung« auf literaturcafe.de wieder ganz normal weiter. »Normal« bedeutet: Schicken Sie Malte Ihre Kurzgeschichten oder Gedichte, wenn Sie diese öffentlich besprechen lassen wollen. Nutzen Sie dazu bitte ausschließlich das Formular im literaturcafe.de.

Zur sechsten Romananfangskritik auf SchreibStar.tv »

Textkritik: Treppenwitze – Romananfang

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Die Julisonne lässt das Wellblech der Unterstände knacken, wo früher die Angebote eines dubiosen Gebrauchtwagenhändlers auf Käufer warteten. Jetzt steht das Gelände leer. Die Zeit zieht hier nur noch an einer Ansammlung rostigen Geräts undefinierbarer Bestimmung und der altmodischen Zapfsäule in ihrem stumpfen Grün vorbei. So wie die Autos an Ruth und Marie vorbeiziehen, die vor dem Gelände in einer Parkbucht der Bundesstraße nach Bonn eifrig die Daumen heraus halten und die Insassen der Fahrzeuge freundlich anlächeln. Bevor sie aufgebrochen sind, haben sie die Spülmaschine ausgeräumt, das Wohnzimmer gesaugt, eine Maschine Wäsche angestellt und vorsichtshalber zusätzlich das Bad geputzt und die Haustürklingel mit dem Namensschild aus Messing poliert. Auf dem Küchentisch haben sie einen Zettel hinterlassen: Sind mit Simone und Claudia ins Jugendzentrum gegangen und spätestens um 18.30 Uhr wieder zu Hause. Und dann nichts wie ab nach Bonn auf die Hofgartenwiese, wo sich das Leben abspielt.

Die Autofahrer sind heute sehr stur. Gegen den Frust und die zähe Wartestellung beginnt Marie, hessisch zu sprechen. Sie hat ein außerordentliches Talent für Dialekte, vor allem für das Hessische und das Sächsische. »Ei du klaans gälwes Audohsche, nu halt doch emol.« Das gelbe Auto blinkt tatsächlich und fährt auf den Parkstreifen, aber als Ruth und Marie sich anschicken hinzulaufen, winkt die Fahrerin ab. Sie will auf den gegenüberliegenden Friedhof und stellt bloß ihr Auto ab. Endlich hält ein Familienvater in einem dicken Peugeot, der sie bis zur Kennedybrücke in Beuel mitnehmen kann. Er nehme immer die jungen Leute mit, erzählt er, er habe selber zwei Kinder, an die müsse er immer denken usw. Ruth und Marie kennen diesen Gesprächsverlauf und führen während der nächsten 15 Minuten eine nichts sagende, aber freundliche und entspannte Unterhaltung.

Der Hofgarten ist enttäuschend, weder Simone und Claudia, noch Uwe oder Jan tauchen auf. Nur ein junger Obdachloser gesellt sich zu ihnen und kaut ihnen ein Ohr ab, versucht sie mit einer Postkarte zu beeindrucken, die Ernst Bloch ihm angeblich geschickt hat, und behauptet schließlich, er liebe Ruth. »Völlig bescheuert«, sagt Ruth, »Was soll der Quatsch?«. Sie wollen, dass dieser Kerl sie in Ruhe lässt, es reicht, wenn die Mutter sie ständig vollquatscht. Letztlich gelingt es dem Aufdringling, Ruth ihr letztes Geld aus den Rippen zu leiern, weil er Hunger habe und sich eine Wurst kaufen wolle, die koste zweiachtzig. Ruth hat nur noch ein Fünfmarkstück, selbstverständlich wird der den Rest sofort zurückbringen. Selbstverständlich tut er genau das nicht. Ruth erwartet es auch nicht wirklich, ist aber trotzdem ein wenig überrascht.

Es ist 17.30 Uhr, eigentlich müssten sie sich nun auf den Heimweg machen, aber sie hoffen zu sehr, dass doch noch etwas Erfreuliches passiert und so bleiben sie noch eine Viertelstunde auf der Wiese sitzen, drehen eine letzte Zigarette und verlängern ihren Aufenthalt um weitere 10 Minuten. Um 17.55 Uhr brechen sie hektisch auf, im Laufschritt geht es zur Trampstelle an der Kennedybrücke. Sie sind jetzt sehr nervös, am Morgen war die Mutter zwar halbwegs gelaunt, aber das heißt nichts für den Abend. Die Autos der ersten Ampelphase rauschen vorbei, die der zweiten und dritten ebenfalls.

Die Uhr zeigt 18.10 Uhr, sie überlegen schon, ob sie noch genug Geld für die Straßenbahn haben und wann die nächste wohl fährt, da hält ein weißer Mercedes mit zwei Männern an. Der jüngere Fahrer sieht sympathisch aus, aber der ältere Schnauzbärtige auf dem Beifahrersitz wirkt nicht gerade Vertrauen erweckend. Ruth gibt einen leisen angewiderten Ton zwischen Ä und Ü von sich, als der der Ältere schon die Tür öffnet und sie nach ihrem Ziel fragt. Mit einem kurzen, für Außenstehende kaum wahrnehmbaren Blickwechsel verständigen Ruth und Marie sich, den Lift zu nehmen, keinen Nerv auf Höllengezeter zu Hause. »St. Augustin«, sagt Ruth. »St. Augustin«, wiederholt der Schnauzbärtige zum Jüngeren gewandt, »kommen wir da durch?« »Ja, liegt auf der Strecke.« Kaum sind sie eingestiegen, bietet der Schnauzbart ihnen Zigaretten an. Sie lehnen ab. »Raucht ihr etwa nicht?« »Doch, doch, aber nur Selbstgedrehte.« »Keine Ausnahme?« »Nein, Filterzigaretten schmecken nicht.« Der Schnauzbart zündet sich eine Marlboro an, die Ruth und Marie sehr wohl ab und an ganz gerne rauchen, und fordert seine Gäste auf, sich doch einfach eine zu drehen. Dabei wendet er sich ihnen die ganze Zeit so weit zu, wie es die Gegebenheiten erlauben, und da er keinen Sicherheitsgurt angelegt hat, kann er sich recht weit herumdrehen. Aus Höflichkeit und Verunsicherung holen Marie und Ruth ihre Tabakpäckchen hervor. Als der Schnauzbart die Blättchenpackungen mit den abgerissenen Deckeln sieht, lässt ein breites Grinsen seine Goldzähne blitzen. »Hab’ ich’s mir doch gedacht, dass meine beiden Hübschen hier kiffen.« Ruth und Marie müssen sich sehr zusammenreißen, um ihre aufwallende Angst nicht zu deutlich zu zeigen.

© 2010 by Dorothée Leidig. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Präzise, Lebendig, humorvoll: So wünsche ich mir Romane!
Die wenigen negativen Kritikpunkte sind absolut marginal!

Die Kritik im Einzelnen

Das ist schon mal ein sehr guter Anfang: Statt von einem heißen Juli zu faseln, wird dem Leser die Intensität der Sonne akustisch verdeutlicht, und auch die dubiose Gegend wird klar, wo der Roman seinen Anfang nimmt! zurück
Ist die Zeit grün? Zumindest kann der Satz so verstanden werden, da sowohl Zeit als auch Zapfsäule weiblich sind und in ihrem stumpfen Grün auf beide bezogen werden kann; durch eine einfache Umstellung ließe sich das vermeiden: Die Zeit zieht hier nur noch an einer Ansammlung rostigen Geräts undefinierbarer Bestimmung vorbei und der altmodischen Zapfsäule in ihrem stumpfen Grün. zurück
Und wieder wird lebendig erzählt statt öde berichtet: Ein mündiger Leser kann hier seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen: Ruth und Marie sind also wohlerzogene Geschwister, die im Haushalt mithelfen und den offenbar berufstätigen Eltern (oder nur ein Elter?) Bescheid geben, wo sie sich aufhalten. Diese(r) Elter(n) sind wohl streng, denn es werden vorsichtshalber noch das Bad geputzt und – nachgeradezu komisch, weil den beiden nichts Wichtiges mehr einfällt – das Messingtürschild poliert, damit die von der Arbeit Zurückkehrenden strahlend begrüßt werden … Sicher dient das auch einer möglichen Beschwichtigung, denn sie lügen ja, was ihren Aufenthaltsort angeht! Das alles sagt viel mehr über die Beziehung aus als eine dröge Aufzählung von Charaktereigenschaften! zurück
Industrieruine und gegenüber ein Friedhof: Kein Wunder, dass sich da das Leben nur woanders abspielen kann! Und da sich der ehemalige Gebrauchtwagenmarkt im Rücken der Geschwister befindet, bekommt das Knacken des Wellblechs noch eine logische Begründung im Nachhinein – hier hat der Erzähler eine klare Vorstellung von der beschriebenen Örtlichkeit – auch DAS ist leider häufig nicht der Fall! zurück
Das ist etwas ungeschickt formuliert, da hier Simone und Claudia als Einheit behandelt werden (zudem müsste das Komma nach Simone entfallen) – besser wäre eine Steigerung, denn es scheint, als seien Uwe und Jens der eigentliche Anlass für den Hofgartenbesuch: weder Simone noch Claudia noch Uwe oder Jan tauchen auf. zurück
Ein Ohr abkauen, vollquatschen, aus den Rippen leiern: Dieser Jargon ist eine Gratwanderung – es sei denn, hier würde die Erzählperspektive gewechselt, was sich letztlich erst im Gesamtroman zeigen kann: Immer wenn der Leser die Gedanken und Gefühle der Geschwister unmittelbar beobachtet (weil der Erzähler ihn daran teilhaben lassen will), müssten dieser Jargon verwendet werden. zurück
Spielt das Stück in unserer Vergangenheit bzw. wurde hier ein älterer Text eingesandt? Sollte der Text heute spielen, müsste es sinnvollerweise „Fünfeuroschein“ heißen – im anderen Fall wäre zu überprüfen, welchen Jargon Jugendliche anno dunnemals gepflegt haben. zurück
Die Eltern bekommen mehr Konturen: Es scheint nur ein Elter zu geben, nämlich die berufstätige Mutter. Das wirft automatisch die Frage nach dem Erzeuger bzw. Vater auf und weckt so Interesse. Freilich hätte das auch gleich am Anfang berichtet werden können – aber warum? Die Mutter wird jetzt wichtig für die beiden – es gab keinen Grund, sie vorher zu erwähnen! zurück
a name=“b10″>In diesem kleinen Satz drängeln sich gleich drei Uhren: nämlich eine Uhr, die achtzehn Uhr zehn Uhr zeigt. Die letzte ließe sich problemlos entfernen: »Die Uhr zeigt 18.10.« Die zweite Uhr entsteht lediglich im Kopf und ist wohl kaum wegzubekommen, es sei denn durch angestrengte Formulierungen wie »Die Zeiger wiesen bereits auf zehn nach sechs« oder »die Uhr zeigte zehn nach sechs« – was überhaupt nicht passte, da zuvor die Uhrzeit ebenfalls in Ziffern angegeben wurde. zurück
Ein unsympathischer Mensch mit Goldzähnen – das klingt verdächtig nach einem Gangster-Klischee! Allerdings lässt sich das hier noch nicht eindeutig feststellen, da wir ja nicht wissen, wie der Roman weiter geht! Vielleicht entpuppt er sich ja als ein netter Mensch – dann wäre das Klischee bewusst verwendet worden. zurück

Rede: Warum man in der Schule das Schreiben nicht lernt

Kloster ObermachtalIm barocken Spiegelsaal der Klosteranlage Obermachtal auf der Schwäbischen Alb wurden gestern, am 15. Juli 2010, die Gewinnerinnen und Gewinner des 1. Schreibwettbewerbs der Stiftung Katholische Freie Schule der Diözese Rottenburg-Stuttgart bekannt gegeben. »Reisen« lautete das Thema zu dem 27 Schulen insgesamt 76 Prosa-Texte eingereicht hatten. In vier Altersgruppen wurden je drei Preise überreicht, zudem vergab die Jury einen Sonderpreis. Über 100 Schüler, Lehrer, Eltern und Gäste waren bei der Preisverleihung dabei.

Das literaturcafe.de unterstützte den Schreibwettbewerb als Sponsor, und Herausgeber Wolfgang Tischer war Mitglied der fünfköpfigen Jury.

In seiner Rede als Jurysprecher fasste Tischer die Arbeit der Preisrichter zusammen und berichtete von persönlichen Eindrücken. Zwischen dem Schreiben, wie man es in der Schule gelehrt bekomme und dem Schreiben, wie es später in speziellen literarischen Schreibschulen vermittelt werde, bestehe durchaus ein großer Unterschied, so Tischer.

Nicht alles, was man in der Schule lernt, ist fürs literarische Schreiben optimal.

Video: Wie Sie Gewinnspiele im Web erfolgreich umsetzen – Tipps nicht nur für die Buchbranche

Gewinnspiele im Internet: Tipps, Hinweise, WarnungenGewinnspiele im Internet sind bei Teilnehmern und Veranstalter gleichermaßen beliebt. Verlosungen scheinen ein billiges Mittel zu sein, um ein Buch, einen Autor, eine Facebook-Site oder eine Homepage bekannt zu machen. Und die Web-Surfer lassen sich bereitwillig locken.

Doch viele Gewinnspiele erfüllen trotz mehreren Tausend Teilnehmern nicht ihren Zweck. Bei der Konzeption oder der technischen Umsetzung wurden entscheidende Fehler gemacht.

Wolfgang Tischer, Herausgeber von literaturcafe.de, hat beim BuchSW-Branchentreffen am 30. Juni 2010 die wichtigsten Tipps, Hinweise und Warnungen zum Thema Gewinnspiele zusammengefasst. Die Anregung dazu kam aus dem Teilnehmerkreis.

Wer nicht vor Ort sein konnte, der kann sich den Vortrag hier auf literaturcafe.de als halbstündiges Video ansehen oder sogar für unterwegs als Video- oder Audio-Datei aufs iPhone oder den iPod laden.

Die Tipps für die Konzeption erfolgreicher Gewinnspiele helfen nicht nur Verlagen oder Buchautoren, sondern allen, die Gewinnspiele im Internet durchführen wollen.

Buchtipp: Wie man den Bachmannpreis gewinnt

Angela Leinen: Wie man den Bachmannpreis gewinnt»Mit der DDR sind die aus der BRD immer noch leicht zu kriegen.« Mit dieser Feststellung aus ihrem Ratgeber »Wie man den Bachmannpreis gewinnt« hat Angela Leinen auch in diesem Jahr Recht behalten. Der Hauptpreis beim alljährlichen Wettlesen in Klagenfurt ging an Peter Wawerzinek, der eine Kindheit in der DDR beschreibt.

Doch das Buch von Angela Leinen mit dem Untertitel »Gebrauchsanweisung zum Lesen und Schreiben« will kein Kriterienkatalog für den Preisgewinn sein, wie etwa die Automatische Literaturkritik der Riesenmaschine. Leinens Buch ist eben so wenig eine humoristische Anekdotensammlung noch eine Art Geschichtsbuch über Preisträger und Jury-Mitglieder.

Nein, Angela Leinens Buch »Wie man den Bachmannpreis gewinnt« ist ein hervorragender und intelligenter Ratgeber für literarische Texte, der Gutes und Schlechtes anhand von Bachmannpreistexten aufzeigt. So hilft das Buch Autoren und Lesern gleichermaßen.

Textkritik: Wenn ein Roman zu viel erzählt

Ein SchreibStar erklärt nicht vielDie fünfte Kritik eines Romananfangs ist online. In Kooperation mit dem Verlag Nagel & Kimche werden insgesamt sechs Kritiken von Malte Bremer auf SchreibStar.tv zu lesen sein, der Website zum aktuellen Roman »Möchtegern« von Milena Moser.

Die aufgezeigten Fehler im heutigen Text sind symptomatisch, und man findet sie bei vielen Schreibanfängern, die sich an einem Roman versuchen. Anstatt mitten in die Handlung zu springen und den Leser dorthin mitzunehmen, wird dieser sofort ausgebremst, indem lang und floskelhaft erzählt wird »was bisher geschah«. Nebenbei bemerkt: auch langatmige Prologe und Vorbemerkungen sind bei Schreibneulingen beliebt – nicht jedoch beim Leser.

Erklären und erläutern sind typische Schreibanfängerfehler. Die Leserin oder der Leser ist klüger als Sie glauben!

Zur Textkritik zu »Schönenbergers« »