0
Startseite Website Seite 79

Let’s Dance – and Write: Joachim Llambi übt Kritik

Buchcover: Joachim Llambi

Am Freitag (5. Juni 2015) ist das Finale der RTL-Tanzshow »Let’s Dance«. Joachim Llambi war als Juror bei allen 8 Staffeln dabei und gilt als harter Kritiker. Wie man Kritik übt, darüber hat er sogar ein Buch geschrieben: »Das wollte ich Ihnen schon immer mal sagen: Mut zur ehrlichen Kritik«.

Kann Llambis Kritik-Buch auch hilfreich für Literaturkritiker sein? Leider nur bedingt – und das liegt nicht daran, dass Llambi auch Krtik an Marcel Reich-Ranicki übt.

Textkritik: Dieser Text sitzt nicht so richtig

0

Und schön brav sitz …

INTRODUCTIONS: My name is … Nazywam się … What’s your name?

Häufig ist das Leben nur ein Warten auf das Sterben. Du sitzt jahrzehntelang rum. Schon bald nach dem kurzen Liegen und dem langen Aufstehen wieder hinsetzen.

Vielleicht schön im Cafe zu Croissant und Tee, aber meistens am PC.

Dein Arbeitsplatz im Rollstuhl mit 5 wohlgeformten Beinen. Chromglänzend oder Alu-gebürstet. Auf jeden Fall schöner als die eigenen. Armlehne, Rückenlehne, Lendenwirbellehne, Lordosenstütze. Flexibel verstellbar, bis alles verstellt ist.

Das hochgestellte Leben ersitzen im Off-Roader durch den Innenstadt-Stau. Das Gefühl von Macht und einen runden Popo kriegen. Sehr sexy, isn´t it?

Viele sitzen auch tief unten in den Rhein-Bahn-Verliesen, wie es sich lebende Ölsardinen nicht gerne gefallen ließen.

Aber immer organisiert, schnell und sichel, das ist doch der wahre Deutsche Michel.

Nach der Arbeit auch schon mal ein Stündchen am Tresen sitzen und über Deine Rückenschmerzen schwitzen. Gelbgoldene Gerste gibts gegen den Geschmack vom Büroschlafkaffee der Maulfechter. Fürs Bauchweh ein, zwei Jägermeister. Und noch ein, zwei hinterher für die gute Laune, wenn noch Kredit da ist. Ein kleines Leben.

Aber dann schnell nach Hause, denn da wartet schon das große Leben. Es ist auf DVD, wird gestreamt oder kommt einfach so aus dem HomeCinema 7.1. Hinein in den Kunst-Ledersessel und dann nur noch Breitband, Bruder. Das ist Deine Heimat, Hallelujah.

Während der ausgestrahlten Dauer-Werbungsendung schnell noch auf der Küchenarbeitsplatte hacken und Staub wischen. Immer wieder, bis nichts mehr geht. Dann kommt die Schlafenszeit, und Du kannst endlich davon träumen, was Dich bewegt. Mach doch.

© 2014 by Frank Panzer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Völlig verkorkste Moralinpredigt.
Ein paar angewandte Stilmittel machen noch keinen brauchbaren Text.

Die Kritik im Einzelnen

Was sollen diese INTRODUCTIONS? Nur wegen dem Anagramm mit den Buchstaben m,y,n,a,m,e,i,s? Schön.  Zum wahren Namen des Autors gibt es allein zehn!  Interessiert aber letztlich nicht, denn  es hat nichts mit dem folgenden Inhalt zu tun: Streichen! zurück

Schönes Spiel mit dem Reim Cafe-Tee-PC zurück

Das haut grammatikalisch nicht hin. Was ist gemeint: Das Gefühl von Macht und Einen-runden-Popo-Kriegen? Oder sollte es heißen: Das Gefühl von Macht. Und einen runden Popo kriegen.  Sollte letzteres der Fall sein, drängelt sich die Frage auf: Was ist das Besondere an einem runden Popo? Und was hat der wiederum mit einem SUV zu tun? zurück

Da ist nichts sexy! Das wäre allenfalls der Klischee-überfrachtete knackige … Brauchts so wenig wie die Introductions! zurück

Erneut ein Reim: Verliesen-ließen. zurück

Einfach nur albern ist der Deutsche Michel, der gern bemüht wird, um zu demonstrieren, dass man anders ist als die anderen, weil man den Durchblick hat. zurück

Jetzt klinkt sich der fiktive Erzähler aus: Ließe sich ein du bislang als allgemeine Ansprache verstehen, wird es jetzt dank der Großschreibung zur direkten Leseransprache, dem damit die Leviten gelesen werden: SO bist Du, und merkst es nicht einmal! Peinlich … zurück

Wieder ein Reim: sitzen-schwitzen. So weit, so gut, als Stilmittel erkannt! zurück

Als Stilmittel jetzt die Alliteration: fünf Mal ein g – Gleichzeitig wird Bierwerbung parodiert.  zurück

Diese Bewertung kann ersatzlos gestrichen werden. zurück

Eine schwächliche Alliteration und zusätzlich eine Anbiederung an den Deutschen Michel, denn der wird jetzt Bruder genannt  … ist das jetzt unfreiwillige Selbstironie, also ein Versehen? Oder ein bewusster Akt? zurück

Jetzt hat er’s dem Leser aber gegeben – Hallelujah! Wenn er jetzt nicht endlich aufwacht … Streichen! Das ist schon oberpeinlich! zurück

Wenn er nur bei einer „ausgestrahlten“ Dauer-Werbesendung auf der Küchenarbeitsplatte herum hackt, dann muss er dauernd auf ihr herumhacken, schließlich wird eine Dauer-Werbesendung dauernd ausgestrahlt  … das ging völlig daneben! zurück

Jetzt wird auch noch das Thema verlassen: Es ging doch wohl ums SITZEN! So etwas passiert halt, wenn man beim Drauflosschreiben den Faden verliert. zurück

Bis WAS nicht mehr geht? Das Hacken, weil die Arbeitsplatte wegen dem Dauerhacken kleinst gehackt ist, z. B. zu Staub? Der kann ja dann mit dem Staubtuch … Was soll’s! zurück

Nö! Hab ich keine Lust zu! zurück

Bachmann und Brockmann II: Von Frauen, Profis und besseren Gewinnchancen

Bachmann-Tasche 2015 (Foto: ORF/Ferdinand Neumüller)
Foto: ORF/Ferdinand Neumüller

Auf der Pressekonferenz vom 28. Mai 2015 gaben die Veranstalter des Bachmannpreis-Wettbewerbs letzte Neuigkeiten zu den »39. Tagen der deutschsprachigen Literatur« bekannt: Die Farbe der Bachmannpreis-Tasche, eine Veränderung beim Wahlmodus, den Namen des Redners der »16. Klagenfurter Rede zur Literatur« und – ta-da! – die KandidatInnenliste für die Lesungen vom 2.-4. Juli 2015.

Nutzer kommentieren »Sind 30 Euro für vergessene Parkscheiben übertrieben?«

2

Dramatisierte Fassung von Nutzerkommentaren zu einem Artikel in der Badischen Zeitung vom 23. Mai 2015. Auf die Sprechblasen klicken und anhören.

Dracula – Eine Vampyrlesung – Live in Stuttgart am 27. Mai 2015

Bram Stoker: Dracula - Eine Vampyr-Lesung
Bram Stoker: Dracula – Eine Vampyr-Lesung (Foto: Birgit-Cathrin Duval)

Am Mittwoch, 27. Mai 2015, lesen Lilian Wilfart und Wolfgang Tischer wieder Bram Stokers »Dracula«. Das blutsaugende Original, das bis heute unübertroffen ist – eine fulminante Horrorstory und zwei Stunden Text, die sie atemlos zurücklassen werden.

Beginn ist um 19:30 Uhr in der Akademie für gesprochenes Wort. Der Raum ist nicht sehr groß, fast könnte man sich an eine viktorianische Salon-Lesung erinnert fühlen. Das Grauen ist nah.

Joachim Zelter: Wiedersehen – aber mit ohne drei Zeilen

Joachim Zelter: Wiedersehen

Joachim Zelter kann schreiben, daran besteht kein Zweifel. Ich denke dabei an den Ministerpräsidenten, der seinerzeit auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, oder an Einen Blick werfen.

Zelters Können setzt sich fort in seiner neuen Erzählung »Wiedersehen«, die er (oder der Verlag?) aus unerfindlichen Gründen Novelle genannt hat.

Wenn da in diesem kleinen Büchlein nur nicht die drei letzten Zeilen wären!

Bachmann und Brockmann I: Neuigkeiten des Jahres 2015

Kann sich 2015 entspannt zurücklehnen: Burkhard Spinnen gehört (freiwillig) nicht mehr der Bachmannpreis-Jury an
Kann sich 2015 entspannt zurücklehnen: Burkhard Spinnen gehört (freiwillig) nicht mehr der Bachmannpreis-Jury an

Am 1. Juli 2015 werden die »39. Tage der deutschsprachigen Literatur« (#TDDL) eröffnet.

Leichtes Vorvibrieren macht sich im Literaturbetrieb breit. Alles wartet auf die Bekanntgabe der zum Bachmannpreis-Wettbewerb ein­geladenen Autorinnen und Autoren. Bis die News in Klagenfurt verkündet werden, wollen wir die Wartezeit nutzen, uns die bereits bekannten Neuig­keiten anzuschauen.

Video-Interview: Neobooks startet neue Selfpublishing-Plattform

Im Interview: Projektleiter Andreas Ländle von neobooks.com

Der Droemer Knaur Verlag hat seine Selfpublishing-Plattform Neobooks komplett überarbeitet. Neben einem neuen Design wurde das Hochladen und Konvertieren der Manuskripte für Autorinnen und Autoren vereinfacht.

Was ist sonst noch neu bei Neobooks? Was bringt die Plattform den Autorinnen und Autoren? Und was bringt sie dem Verlag Droemer Knaur?

Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de hat sich mit Michael Döschner, Verlagsleiter Elektronisches Publizieren bei Droemer Knaur, und Neobooks-Projektleiter Andreas Ländle getroffen und über den Neustart und die Bedeutung von Self-Publishing gesprochen.

Der Hals der Giraffe: Stuttgart liest wieder ein Buch

Leserin mit »Der Hals der Giraffe« vor der Stuttgarter Oper

Ab heute (11. Mai 2015) bis zum 22. Mai 2015 heißt es in der Landeshauptstadt von Baden- Württemberg wieder »Stuttgart liest ein Buch«. Zwei Wochen lang wird das Buch »Der Hals der Giraffe« von Judith Schalansky im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen stehen – von Lesungen, über Poetry-Slam bis hin zur Führung im Giraffenhaus der Wilhelma.

Den Auftakt bildet die Eröffnungsveranstaltung in der Stuttgarter Stadtbibliothek. Neben Musik gibt es ein Gespräch zwischen Judith Schalansky und der Literaturkritikerin Daniela Strigl. Das literaturcafe.de ist als Sponsor von »Stuttgart liest ein Buch« mit dabei.

Literarischer Spieletipp »Lifeline«: Notruf aus dem All

3

Lifeline iPhone App

Manche Ideen sind nicht neu – aber gut in die Neuzeit gebracht. Die kleine Spieleschmeide 3 Minute Games kombiniert das gute alte Textadventure der 1980er-Jahre mit Tamagotchi und Mobiltelefon. Eine weitere wichtige Zutat: die Zeit.

Und plötzlich erhält man auf seinem Smartphone Nachrichten von Taylor. Er (oder sie?) ist bei einer Weltraummission auf einem fernen Planeten abgestürzt. Die einzige Verbindung zur Erde besteht zu Ihrem Mobiltelefon! Und so blickt man auf sein Smartphone und wartet ungeduldig auf Nachrichten von Tayler. Kann man ihr oder ihm helfen zu überleben?

Abnormal albern: Die Abnormen von Marcus Sakey

»Die Abnormen« auf dem E-Reader

Warum der Originaltitel »Brilliance« zu »Die Abnormen« wurde, kann ich mir nicht erklären – wie so vieles in an und in diesem Buch von Marcus Sakey.

Lesetipp: Die FAZ über Selfpublisher und ein Interview als Zugabe

»Ich bin dann mal Autor« - FAZ vom 2. Mai 2015

Unter dem Titel »Ich bin dann mal Autor« widmete sich die FAZ in ihrer Samstagsausgabe vom 2. Mai 2015 dem Phänomen Self-Publishing. In einem fast ganzseitigen Feuilleton-Beitrag blickt Autorin Dana Buchzik auf den Werdegang von deutschen Self-Publishern wie Poppy J. Anderson, Hanni Münzer oder Clara Hitzel. Der FAZ-Beitrag ist nun auch auf faz.net online nachzulesen.

Im Rahmen der Recherche führte Dana Buchzik auch ein Interview mit literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer, der im Beitrag mehrfach zitiert wird.

Als Bonus-Track zum FAZ-Artikel, gibt es das vollständige Interview mit Wolfgang Tischer über Self-Publishing hier im literaturcafe.de zu lesen.

Self-Publishing mit Tolino: Thomas Forstpointner über die neue Plattform

Thomas Forstpointner, Director Tolino Publishing

Als Director Tolino Publishing verantwortet Thomas Forstpointner die neue Self-Publishing-Plattform tolino-media.de, die nun in Konkurrenz zu Amazon antritt.

Unmittelbar nach dem Start wollten wir von Thomas Forstpointner wissen, was bei Tolino Media anders ist als beim großen US-Konkurrenten und welche Pläne es für den weiteren Ausbau gibt.

Attacke auf Amazon: Tolino startet Self-Publishing-Plattform

Screenshot der Tolino-Media-Website

Tolino Media ist am 28. April 2015 mit einer eigenen Self-Publishing-Plattform online gegangen. Selbstverleger können nun E-Books in den wichtigsten deutschen Online-Shops wie hugendubel.de, thalia.de, weltbild.de oder ebook.de direkt veröffentlichen und von 70% Tantieme profitieren.

Existiert nun endlich eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Amazon?

Textkritik: Lyrik mit Schuhwerk, leicht geflickt

0

Heute gingen meine Schuhe
mir einen Schritt zu weit,
sie streckten sich die Zunge raus,
gerieten bald in Streit.

Du gehst mir auf den Senkel, sprach
der eine zu dem andern.
Sie wollten sich ans Leder gehen,
und aus war’s mit dem Wandern.

Ich habe meine Schuhe nun
dem Schuhmacher empfohlen,
der soll sie beide kurzerhand
mal richtig fest versohlen.

© 2015 by Manfred Ende. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung


Eine unterhaltsame Sprachspielerei mit einem klitzekleinen, schnell behobenen metrischen Fehler!

Die Kritik im Einzelnen


Gleich zu Beginn findet sich der Fehler im sonst sauberen Metrum: Die erste Zeile fällt mit ihren 4 Trochäen aus dem sonst üblichen metrischen Rahmen, nämlich jeweils vier Jamben in den Zeilen 1 und 3! Aber das ist leicht zu retten:

Es gingen meine Schuhe mir
heut’ einen Schritt zu weit (…)

Was so gelungen ist: Das Spiel mit Doppeldeutungen – sofern man die Bedeutungen noch kennt: Schuhe haben tatsächlich Zungen! Und wenn Schuhe »einen Schritt zu weit« gehen, ist das geradezu grotesk, denn die gehen ja nicht, die werden gegangen! zurück

Die Schnürsenkel kommen ins Spiel –  aber in einer ganz anderen Sinn: »Jemandem auf den Senkel gehen« bedeutet, ihm auf die Nerven zu gehen: Denn wenn ich jemandem auf den Schnürsenkeln stehe, kann der nicht weg! Die Redensart »sich ans Leder gehen« bezieht sich auf die menschliche Haut; sofern sich Schuhe ans Leder gehen, ist das eigentlich selbstredend (sofern man nicht überzeugter Veganer ist oder Sportler mit Plastikschlappen!) zurück

In den guten alten Zeiten bis weit in die Siebziger wurden Kinder – meist von Vätern – aus pädagogischen Gründen gerne »versohlt« (»hat schließlich noch nie jemandem geschadet!«); heute heißt das »verprügelt« und ist (endlich) gesetzlich verboten. Schuster »besohlen« normalerweise; wenn sie einen Schuh jedoch »versohlen«, dann tun sie das Gleiche, aber mit besonders heftigen Schlägen!

Dieses Gedicht kommt locker-flockig daher, will nichts anderes, als unterhalten! Davon gibt es leider zu wenige … zurück