Vom Leben erfinden und Leben leben und vom am Leben hängen und ans Leben gehängt werden, … und vom Sterben.
»Welche Agonie?« Ja. Welche Agonie, blinder Freund mit gesunden Augen. Leg die Bücher für einen Moment beiseite und sei der Protagonist in Deiner eigenen Lebenszeit, vielleicht fällt sie Dir auf.
Spiel mir Schubert, … mir ist nach weinen.
Während Du den Tod erfindest und ihn schwarz auf weiß den gelangweilten Voyeuren zur Bettlektüre reichst, wird er hier verhindert.
Sterben will er, doch wir lassen es nicht zu. Es passt nicht in unser Konzept. Keiner stirbt hier ohne unseren Segen. Und wenn er es doch versucht, kaltschweißig sein Bewusstsein mit aller ihm noch zur Verfügung stehenden Macht unserer Präsenz zu entziehen, sind wir schneller. 360 Blitze jagen durch seine Brust, ein Ruck und die Augen zeigen, kurz nur, Weiß. Es bleiben rote Brandränder, … so leicht kommst Du uns nicht davon. Flügel wachsen lassen und mit dem Herz voran davon flattern? Pack Deine Flügel wieder ein, denn wir haben ein intensives Auge auf dich und dulden keine Eigenmächtigkeiten. Dein Tumor interessiert uns nicht, auch nicht die Schmerzen, die damit verbunden sind. Schon gar nicht deine 94 Jahre. Wir bringen dir das Leben schon noch bei! Und schicken dich nach Hause. Vielleicht tetraplegisch oder ohne Verstand, aber im Sinusrhythmus. Druck und Frequenz kontrolliert von Giften mit schönen Namen. Mutterkornalkaloide … das klingt nach heißer Milch mit Honig und bringt dir nur die Hölle in dein Schlafzimmer, weil es dich weiter an dein einsames Leben fesselt. Aber rhythmisch.
»Status idem« … ich möchte mich übergeben.
Warte nicht auf die Muse, die dich küsst und dir den Durchbruch im Bestseller verschafft. Mach die Augen auf und sieh, das Leben schreibt die schönsten Geschichten.
Spiel mir Wagner, … mir ist nach sterben lassen.

