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Gut schreiben heißt richtig schreiben

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Mit Hinweisen wie »Rechtschreibung ist mir nicht wichtig, es geht mir um die Aussage« wirken Sie eher wie ein Idiot, als wie ein wahrhaft kreativer Geist. Das haben wir vor einiger Zeit in einem Artikel des literaturcafe.de geschrieben, in dem wir u.a. auf banale, aber immer wieder gemachte Fehler von (Möchtegern-?)Schriftstellern hinweisen.

Kommata werden nach dem Zufallsprinzip gesetzt, Satzkonstruktionen sind absurd (und vollständige Sätze werden oft ungern gebildet), Groß- und Kleinschreibung sind Glückssache – sorry, aber selbst, wenn sich dahinter ein geniales Werk verbergen sollte, so was prüfen wir erst gar nicht weiter. Das schreibt der Atlantis-Verlag in seinem Weblog.

Ihre Liebesgeschichte an eine Literaturzeitschrift zu senden, die nur Horrorgeschichten veröffentlicht, kann böse enden, wenn man Ihren Beitrag dort als Ironie versteht. Das haben wir vor einiger Zeit in einem Artikel des literaturcafe.de geschrieben, in dem wir u.a. auf banale, aber immer wieder gemachte Fehler von (Möchtegern-?)Schriftstellern hinweisen.

Vielleicht war es ja ein Fehler, unseren Verlag nach dem berühmten versunkenen Kontinent zu benennen und wir haben es dann möglicherweise auch herausgefordert, aber ein wenig Recherche vor der Manuskripteinsendung über den Verlag, an den man etwas schickt, wird man doch erwarten dürfen. Nein, wir sind nicht an esoterischen Büchern über die Geister der verblichenen Atlanter interessiert. Nein, wir sind nicht an pseudowissenschaftlichen Büchern über den wahren Ort des versunkenen Atlantis interessiert. Das schreibt der Atlantis-Verlag in seinem Weblog.

Es gibt noch eine ganze Reihe mehr Parallelen zwischen unserem Artikel und dem Weblog-Eintrag. Was also tun? Beide nochmal in Ruhe lesen – und die Ratschläge befolgen!

Traumbesetzung: Brückner liest Stamm

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Das Hörbuch- und Podcast-Blog macht uns darauf aufmerksam, dass es „An einem Tag wie diesem“ von Peter Stamm nun als Hörbuch gibt. Ein Interview mit Peter Stamm können Sie sich übrigens im literaturcafe.de kostenlos herunterladen.

Und das Hörbuch liest wer? Christian Brückner! Auch mit ihm finden Sie im literaturcafe.de ein Interview zum Download.

Brückner liest Stamm. Was für eine Traumbesetzung! Muss man eigentlich sofort kaufen.

Peter Stamm, Christian Brückner: An einem Tag wie diesem. 4 CDs. Audio CD. August 2006. Parlando Edition Christian Brückner. ISBN 3-935125-61-5. EUR 29,90 (Bestellen bei Amazon.de)

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Interview mit lulu.com

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lulu.com ist ein neues Werkzeug für Verleger, eine Web-Plattform, der jeder seine Werke als Datei zusenden kann (Bücher, Kalender, CDs etc.), und lulu.com macht daraus handfeste materielle Produkte. Das „Print on Demand“-Verfahren selbst ist nicht neu, doch was lulu.com einzigartig macht: Der Autor muss keinerlei Anzahlung oder Vorschuss leisten. Wenn das erste Buch verkauft wird, verdient der Autor oder die Autorin sofort. Lulu macht sein Geschäft mit der Provision.

Wo derzeit (noch?) die Unterschiede zwischen BoD und lulu.com liegen, haben wir bereits in einer früheren Notiz erläutert. Mittlerweile bietet lulu.com seine Produkte auch in Euro-Preisen an. Und weitere Dienstleistungen speziell für den europäischen und deutschen Markt sind in Vorbereitung. „So mancher Verleger muss sich warm anziehen, wenn Lulu seinen Service auf Deutschland eingestellt hat“, so Daniel Bender von Lulu im Lulu-Forum. Übrigens: Im gleichen Foren-Beitrag behauptet auch ein anderer Nutzer, dass im literaturcafe.de einige Leute Lulu-Autoren hassen, womit wahrscheinlich dieser Eintrag in unserem Forum gemeint ist.

Ein Interview mit Daniel Bender findet sich auch im „Pfade durch den Buchmarkt-Dschungel“-Weblog. Dort darf er relativ ungestört die Werbetrommel für Lulu rühren.

Denn natürlich lebt Lulu, wie andere Print-on-Demand-Anbieter und auch die Zuschussverlage, von der Mär des „freien Autoren“, der ohne Lektor und Verlag endlich der Welt sein Buch präsentieren kann. Von „ergrauten Lektoren“ ist im Interview die Rede, die bestimmen, was der Leser in Deutschland lesen darf und was nicht. Natürlich schimmert da das Wort „Zensur“ hervor.

Und so bleibt auch ein scheinbarer Gegensatz unwidersprochen, den Bender aufführt: „Hier habe ich die Hoffnung, dass dieses Klischee von den unlesbaren POD Büchern recht bald verschwindet und sich eben nicht das lektorierte Buch durchsetzt, sondern das spannendere, schönere oder interessantere Buch.“

Was zunächst gut klingt und wie ein Gegensatz daherkommt, denn welcher Autor würde gerade sein Buch nicht als spannend und/oder interessant bezeichnen, ist in der Praxis Folge und Ergebnis.

Jeder wirklich professionelle Autor weiß seinen Verlagslektor zu schätzen und erkennt, welchen Anteil sie oder er daran hat, das Wertvolle aus dem Text herauszuarbeiten. Denn dass ein unlektorierter Text schlechter ist als ein lektorierter, ist eine Tatsache. Das Gegenteil behaupten nur Autoren ohne Verlag – oder PoD-Anbieter. Zumindest widersprechen sie dieser Behauptung nicht. Denn am Klischee des jungen deutschen Autoren, dessen wunderbares Manuskript den großen Verlagen nicht mal einen Blick wert ist und dessen grandioses Buch die Leser nie erreichen wird, da man sowieso nur auf amerikanische Bestseller-Autoren setzt, lässt sich gut verdienen. Dagegen ist auch nichts auszusetzen, und man kann froh sein, dass es BoD und Lulu sind, die daran verdienen. Denn diese Anbieter entziehen wenigstens den schwarzen Schafen der Zuschussbranche den Boden. Mögen sie tief fallen!

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Problem Perlentaucher?

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Konrad Lischka, Chefredakteur des Magazins bücher, nimmt das positive Urteil für den Perlentaucher zum Anlass, dessen Rolle kritisch zu hinterfragen.

Der Perlentaucher fasst die Buchbesprechungen der wichtigsten Tageszeitungen und einiger wöchentlicher und monatlicher Pubklikationen zusammen. Da sich nun wiederum andere Journalisten im Perlentaucher informieren, wer was über wen geschrieben hat, entsteht der Eindruck: Was der Perlentaucher nicht sieht, existiert nicht. Dabei erfasst er in der Tat nur einen winzigen Bruchteil der Buchrezensionen in der deutschen Medienlandschaft.

Und obwohl das Gerichtsurteil eine sehr spezielle Frage zu klären hatte und es hier nicht darum ging, ob der Perlentaucher solche Zusammenfassungen generell erstellen darf, sondern vielmehr, ob er sie an Dritte weiterverkaufen kann, lässt das Urteil den Perlentaucher noch heller erstrahlen, wofür er natürlich auch selbst sorgt. „David siegt gegen Goliath“, titelte er beispielsweise heute im eigenen Newsletter.

Es sei, so Lischka, wie bei Google. Was man dort nicht findet existiert scheinbar nicht. Und Google erfasst nicht einmal 70% der Inhalte im Internet. Die Quote beim Perlentaucher in Bezug auf den Anteil der wahrgenommenen Buchbesprechungen dürfte noch weitaus geringer sein.

Lischka verschweigt nicht, dass er selbst ein Betroffener ist, denn der Perlentaucher beachtet bücher nicht, dafür jedoch beispielsweise Literaturen. Aber ist Literaturen besser oder wertvoller als bücher? Besser lesbarer und weniger verkopft-intellektuell ist bücher in jedem Fall.

„Keine Zeit, noch mehr zu sichten“, lautet die Antwort des Perlentaucher – eine wenig befriedigende. Für die nicht besprochenen Publikationen allemal.

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Perlentaucher darf Zusammenfassungen von Rezensionen verkaufen

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Für heute wurde das Gerichtsurteil erwartet und nun ist es da (aber noch nicht rechtskräftig): Der Perlentaucher darf seine Zusammenfassungen von Buchrezensionen an Dritte verkaufen. Die FAZ und die Süddeutsche hatten dagegen geklagt. Das Gericht hat den Zeitungen nicht Recht gegeben.

Im Perlentaucher ist zu lesen: Als „lebensfremd“ bezeichnet das Gericht die Befürchtung der Zeitungen, der potenzielle Leser der Zeitungskritiken werde auf die Lektüre der Originalkritiken verzichten: „Der kulturinteressierte Interessentenkreis, der von den bei der Klägerin beschäftigten renommierten Autoren hochwertige Kritiken erwartet und auch erhält, wird sich regelmäßig mit den streitgegenständlichen Kurzfassungen nicht zufrieden geben.“

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Papst kündigt Besuch von Jesus an

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Unglaublich… ach nee, nur verlesen, es muss heißen: Papst kündigt Buch über Jesus an.

BoDcast: Über Afrika und Awards

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Wie er dem Interviewer da gegenüber saß, so mit Hut und hellbrauner Kleidung, da war er eine Mischung aus Indiana Jones und Ed Harris. Als wäre er gerade von den Wüsten und Steppen Afrikas zurückgekehrt.

Und in der Tat ist Kay Schaefer geradezu besessen von diesem Kontinent. Der studierte Tropenmediziner bildet Kollegen in dieser medizinischen Disziplin direkt vor Ort aus. Zudem führt er reine Abenteuerreisen in Afrika durch.

Kay Schaefer hat seine Afrika-Liebe und Begeisterung zudem in einem Reiseroman festgehalten: Ruhe in der Rastlosigkeit lautet der Titel des Buches, das 2006 den BoD AutorenAward erhalten hat.

Wolfgang Tischer hat sich für den BoDcast, den das literaturcafe.de für Books on Demand produziert, mit dem Mediziner und Buchautor Kay Schaefer unterhalten.

Zur Website des BoDcast | RSS-Feed des BoDcast | BoDcast bei Apple iTunes

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Politiker fordern Verbot für Killerbücher

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BildNach dem Amoklauf an einer Realschule in Emsdetten warnen Politiker und Lehrer vor wachsender Gewalt in der Gesellschaft. Unionsfraktionsvize Bosbach forderte flugs ein Verbot von Killerbüchern.

„Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass der 18-jährige Täter sich über einen längeren Zeitraum und intensiv mit sogenannten Killerbüchern beschäftigt hat, müsste der Gesetzgeber nun endlich handeln“, sagte er. Romane wie Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ oder Hermann Hesses „Steppenwolf“ und „Klein und Wagner“ müssten verboten werden. Buchhändler, die diese Werke künftig weiterhin verkaufen, sollen zu Gefängnistrafen von bis zu 2 Jahren verurteilt werden können.

Ähnlich äußerte sich Brandenburgs Innenminister Jörg Schöhnbohm (CDU): „Killerbücher leisten einen verhängnisvollen Beitrag zur leider wachsenden Gewaltbereitschaft und fördern aggressives Verhalten. Deshalb muss konsequent gegen Romane vorgegangen werden, die Gewalt verherrlichen.“

Eine Forderung, die das literaturcafe.de bereits seit dem Amoklauf in Erfurt im Jahre 2002 aufgestellt hat. Wir raten dringend zur Lektüre unseres damaligen Artikels.

[Eine Textkollage aus Versatzstücken des SPIEGEL Online]

Abschiedsbrief eines Amokläufers

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Rasch wurde der Abschiedsbrief des Amokläufers und Selbstmörders Sebastian B. von den Behörden aus dem Internet entfernt. Stattdessen spekulieren lieber Journalisten und Politiker über die Motive, die Sebastian B. zu seinem Rachefeldzug trieben.

Zudem wird die Tat von einschlägig bekannten Politikern zum Instrument gegen „Killerspiele“ missbraucht, und vielleicht mag das die menschenverachtendste Reaktion auf eine menschenverachtende Tat sein.

Denn um „Killerspiele“ ging es hier nicht. TELEPOLIS macht den Abschiedsbrief dankenswerterweise wieder ungekürzt zugänglich.

Ein Brief, dessen Lektüre mehr darüber verrät, was hier falsch gelaufen ist, als ein ARD Brennpunkt. Lesebefehl!

Nach meiner Tat werden wieder irgendwelche fetten Politiker dumme Sprüche klopfen wie „Wir halten nun alle zusammen“ oder „Wir müssen gemeinsam versuchen dies durchzustehen“. Doch das machen sie nur um Aufmerksmakeit zu bekommen, um sich selbst als die Lösung zu präsentieren.

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Brombeerbums nach Speichelhockey

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BildSie vermuten Schlimmes bei dieser Überschrift? Keine Angst! Beide Begriffe stammen aus einem Wörterbuch des seriösen PONS Verlags. Und eigentlich ist es auch Jugendsprache, denn die Begriffe sind dem „Wörterbuch der Jugendsprache 2007“ entnommen. Und nein, wir lösen die Begriffe jetzt nicht auf, obwohl sie im erwähnten Wörterbuch sogar ins Französische, Englische oder Spanische übersetzt sind.

Nun mag man sich vielleicht darüber aufregen, dass ein renommierter Verlag Wörterbücher mit solchen Begriffen auf den Markt bringt. Oder man mag beiläufig und möglichst abfällig anmerken, dass doch die Jugend so nicht spricht und diese Wörter nur Eintagsfliegen sind.

Egal! Wir empfehlen eines: Investieren Sie schlappe 2 Euro 95 in dieses kleine Heftchen und legen Sie es auf einen Kneipentisch, an dem Leute über 25 Jahre sitzen.

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„Essen und Trinken“, Splatter Movie und Psychoanalyse

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Klingt interessant, das Interview der Kieler Nachrichten mit Sigrid Engeler, die den Roman „Leibspeise“ des dänischen Autors Kristian Ditlev Jensen ins Deutsche übersetzt hat.

Die Aufzählung der kulinarischen Genüsse und die von Ihnen monierte Gewaltphantasie, die im Übrigen nur drei von den über 400 Seiten des Buchs ausmacht, sind doch konstituierend für den Roman. Der Held muss durch all das hindurch, um am Ende mit sich einigermaßen ins Reine zu kommen. Darauf muss man sich als Leser einlassen, auch wenn das manchmal schwer auszuhalten ist. Aber dann wird man von seiner Sinnlichkeit und von vielen zauberhaften Geschichten verwöhnt.

Kristian D. Jensen, Sigrid Engeler: Leibspeise. Gebundene Ausgabe. August 2006. Hoffmann und Campe. ISBN 3-455-40002-7. EUR 24,00 (Bestellen bei Amazon.de)

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Dussmann trennt sich von Tittel

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Peter Dussmann hat sich mit sofortiger Wirkung von der langjährigen Geschäftsführerin seines Berliner Kulturkaufhauses Martina Tittel getrennt.

Naja, die gute Frau wollte wohl einmal im Leben früher daheim sein.

Obwohl: Ein Zusammenhang mit der Einführung der neuen Ladenöffnungszeiten, die von Montag bis Samstag von 10 bis 24 Uhr erweitert wurden und für Freitagnacht den durchgehenden Verkauf ermöglichen, bestehe nicht, schreibt das Börsenblatt.

Andererseits: Wer möchte schon in einem Unternehmen arbeiten, in dem man vorgeblich zum Wohle des Kunden Gesetze bricht?

Technorati-Tags: peter dussmann Martina Tittel

Textkritik: Der Tag an dem ich wieder zu leben begann – Prosa

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Was man wissen sollte, ist, dass meine Ohren sehr eng an meinem Kopf anliegen, nicht mal ansatzweise Segelohrencharakter, ja, wenn ich mich manchmal im Spiegel betrachte, finde ich sogar, dass es so aussieht, als wären sie an meinem Schädel festgetackert. Naja, das musste jetzt erst einmal gesagt werden, nicht dass ich dann plötzlich als schmuddliger Kerl abgestempelt werde, weil es ja auch immer sehr schwer ist, aus dieser Schmuddelecke wieder raus zu kommen. Auf jeden Fall ging es mir den Großteil meines Lebens ziemlich beschissen, obwohl, das stimmt wieder nicht ganz, weil diese Apathie erst mit circa 15 Jahren kam, also wäre es richtig zu sagen, dass es mir fast mein halbes Leben beschissen ging. Den genauen Grund dafür kannte ich nicht, ich fühlte mich einfach schlecht, andere protestierten, kämpften für ihre Überzeugungen, und ich saß einfach nur da, es schien mir immer alles so weit weg, so als ob das alles gar nicht hier und jetzt geschehen würde. Krieg? Was Krieg, wo Krieg. Verdammt noch mal, wo liegt den Uganda, ist das morgen? Mit 18 suchte ich zum ersten Mal einen Arzt auf, irgendwie hatte ich das Gefühl, jedem auf die Nerven zu gehen, der Schreibmaschinenkraft hinter ihrem Tresen, »Na was hat den unser Kleiner, besonders krank sieht er ja nicht aus, will wohl blau machen«, den anderen Patienten im Wartezimmer, »Suuuper, wenn das jetzt n` Privatversicherter ist, können wir noch länger warten, der sieht ja schon so aus«, und schließlich dem Arzt, »Hoffentlich hat er eine Krankheit, die in meiner Abschlussprüfung vorkam«. Ich versuchte ihm mein Problem möglichst verständlich näher zu bringen.
»Mir geht es sehr schlecht.«
»Aha, was denn genau?«
»Wie was denn genau?«
»Was für Beschwerden haben sie denn?«
»Wie ich bereits sagte, mir geht es schlecht.«
»Dann sagen sie mir doch bitte, warum es ihnen schlecht geht.«
»Hmm, ich dachte eigentlich, dass sie mir das sagen würden
»Ich glaube, wir haben hier ein kleines Verständigungsproblem.«
»Das glaube ich allerdings auch.«
Wir sahen uns stumm in die Augen.
»Also,« begann ich von Neuem, »mir ist eigentlich immer übel, ich fühle mich wie unter einer Glaskuppel, ich nehme nichts richtig war, ich höre und sehe zum Beispiel nichts so wie es ist, aber vielleicht will ich das auch einfach nicht, ich weiß es nicht.«
»Also haben sie Wahrnehmungsstörungen?«
»Vereinfacht ausgedrückt, – ja.«
»Haben sie genug Schlaf?«
»Meistens ist mir zu übel um zu schlafen.«
Das Gespräch dauerte noch etwa 10 Minuten, dann zum Routinecheck, mir fehlte absolut überhaupt nichts, »kerngesund« war ich. Besser wurde es trotzdem nicht, dann kamen die Drogen, aber auch die halfen nicht, ich war ziemlich ratlos, und dann kam dieser Tag, als ich 26 war. Ich stand vor dem Spiegel und mein linkes Ohr juckte ganz fürchterlich. Ich klappte es nach vorne und sah da, in der engen Nische zwischen meinem Kopf und meinem Ohr vier dicke eitrige Pickel, die so aussahen, als würden sie jeden Moment aufplatzen. Als ich sie genauer betrachtete, fiel mir auf, dass sie pulsierten, als wären sie eigenständige Organismen. Gegen den Ratschlag vieler Ärzte versuchte ich den untersten auszudrücken, er platzte auf, Blut und Eiter schossen heraus, und dann fühlte ich irgendetwas Festes unter meiner Haut, ich drückte weiter, bis ich etwas Weißes sah, das offensichtlich zu groß war, um durch die kleine Wunde zu passen. Ich drückte weiter, dann begann es herauszutreten, ich musste unweigerlich an eine Geburt denken, dieses feste Ding, dass sich durch eine viel zu kleine Öffnung zu zwängen versucht. Spagetthi, kleine feste Stränge, etwa fünf an der Zahl, in sich gedreht wie ein Tau, drangen hinter meinem Ohr ins Licht. Schleimig wie Eiter, umsponnen von Blut. Ich drückte weiter, ein Zentimeter, drei, vier, es wollte gar nicht mehr aufhören, je mehr davon aus der Wunde quoll, desto kleiner wurden die übrig gebliebenen Pickel, ich drückte circa eineinhalb Meter von diesem Eiterseil aus meinem Kopf. Das Endstück flutschte mit einem lauten »Plopp« heraus, wie man es vom Öffnen einer Flasche kennt. Angewidert sah ich das Ding an und fühlte mich schlagartig besser, dieser graue Schleier vor meinen Augen, diese schalldämmende Wand vor meinen Ohren, wie weggeblasen. Ich konnte wieder atmen, mir war nicht mehr schlecht, meine Gedanken waren von einer unglaublichen Klarheit. Ich bekam mein Leben in den Griff, war endlich frei, niemand konnte mir sagen, was da geschehen war, aber das ist ja auch egal. Heute lebe ich glücklich in einem Bezirkskrankenhaus, und manchmal darf ich sogar spazieren gehen. Das Eiterseil fand ich nie wieder.

© 2006 by André Kandzia. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Erzwungene Witze statt Humor, schlampig und schluderig durchgeführt.
Was als einziges wirklich gut gelungen ist, ist das Motiv der Ohren; zu Beginn wurde so viel Wert auf sie gelegt, dennoch hatte man als Leser sie bereits wieder vergessen, als sie eine entscheidende Rolle spielen. Dafür gibt es eine Brille!

Die Kritik im Einzelnen

In der Regel bin ich für das korrekte »einmal« statt dem umgangssprachlichen mal – es sei denn, man lässt Leute einfach mal so reden. zurück
Gestöhne und Gejammer oder Illustratives wie »oh, ah, igitt, naja usw.« sind eigentlich prinzipiell verzichtbar: Das musste gesagt werden ist klar genug. zurück
Warum sollte jemand mit anliegenden Ohren als schmuddeliger Kerl bestempelt werden – schließlich lassen sich sogar solche Ohren waschen? Was sind das für seltsame Äußerungen? zurück
Diese drei Wörter sagen nichts aus – sie können getrost wegfallen. zurück
Eine typische umgangssprachlich-redundante Konstruktion, da sie aus überflüssigerweise zweimal enthält: aus der Schmuddelecke raus kommen. Vorschlag: (…) sehr schwer ist, wieder aus dieser Schmuddelecke zu kommen. zurück
Was hat denn zuvor nicht gestimmt? Das ist doch wohl das erste Mal, dass etwas nicht stimmt? Streichen! zurück
Nach schlecht sollte kein Komma folgen, sondern eher ein Strichpunkt oder besser noch: ein Doppelpunkt, alldieweil ein Erläuterung folgt. zurück
Auch hier empfehle ich eine Rückführung auf das normale Super – wie das bei solchen Gelegenheiten gesprochen wird, wissen wir alle! zurück
Ebenfalls ein weit verbreiteter Fehler: In der Umgangssprache wird aus ein häufig ein n. Das heißt, der ai-Laut vor dem n wird weggelassen. Warum sollte aber nach dem n eine Auslassung markiert werden? Denn ein Apostroph kennzeichnet Auslassungen. Allerdings wurde auch kein Apostroph verwendet, der so aussieht: , sondern fälschlicherweise ein Akzent (`). Der Apostroph befindet sich übrigens auf der Tastatur links unten neben der Return-Taste! zurück
Alle drei direkten Reden sollten mit Satzeichen beendet werden! Zudem wäre es besser, sie zu klammern, da sie gewissermaßen nachgereichte Beweise sind für des Protagonisten Gefühl, allen auf die Nerven zu gehen. zurück
Das ist ein zu uralter Witz, als dass man ihn nochmals bemühen sollte – zumal man geradezu darauf wartet! Funktioniert der Dialog ohne diesen den nicht? zurück
Die direkte Rede ist fast zu Ende, jedenfalls kommen keine Anredefürwörter mehr vor – also auch keine falschen: Sage und schreibe sechs Mal (häufiger wurde ein Gegenüber auch nicht angesprochen), also immer wird der wache Leser unnötig verunsichert! Was ist denn so schwierig daran, die höflichen Anredefürwörter groß zu schreiben? zurück
Gibt es jetzt auch für Gespräch einen Routinecheck? Nein? So lese ich aber den Zusammenhang – das kommt von unvollständigen Sätzen. Hier passt diese Ellipse nicht, besser wäre: Noch 10 Minuten Gespräch, dann der Routinecheck: mit Doppelpunkt, aus oben genanntem Grund. zurück
Jetzt wird es absurd! Hat der Protagonist zumindest 1 waschechtes Stielauge, das er aus dessen angestammter Höhle entfernen und hinter das Ohr führen kann? Oder hat er Spiegel raffiniert aufgestellt, um sich diesen Blick zu ermöglichen? zurück
Zum Einen sind Nischen von Haus aus eng, das Adjektiv darf folglich getrost entfallen; zum Anderen gibt es zwischen Ohr und Kopf keinerlei Nische; das heißt einfach Ansatz, auch Furche würde ich gelten lassen, da hier die Länge eine Rolle spielt – aber Nische? Niemals! zurück
Platzen genügt, es braucht hier kein auf! zurück
Exakt diese drei Wörter waren gerade verbraucht worden; besser: Ich ließ nicht nachzurück
Obwohl es heraustritt, hat es später weder Beine noch Füße! Flüssigkeiten können zwar austreten, aber keinesfalls heraustreten – und zudem handelt es sich bei dem Weißen um keine Flüssigkeit, sondern um etwas Festes. zurück
Das Ding heißt nicht dass Ding, sondern das Ding! Und genau so heißt das zugehörige Relativpronomen im gleichen Fall. zurück
Da schickt mir jemand ein Word-Dokument – und dann findet sich solch ein dumpfer Fehler im Text! Wozu gibt es eine automatische Rechtschreibhilfe? Die kann zwar beileibe nicht alles, aber Spagetthi lässt Word niemals ohne rote Wellenlinie, so wenig wie Spagethti oder Spagehtti– es sei denn, man hätte es aus Ignoranz dem Wörterbuch höchstpersönlich als richtig aufgezwungen. zurück
Wo – bitteschön – ist hinter dem Ohr, wenn das Ohr nach vorne geklappt war? Schon wieder vergessen? Tja, so geht’s, wenn man seine Fantasie die Zügel schleifen lässt, statt selbst etwas zu erzählen. zurück
Mit Flüssigkeiten kann man schlecht spinnen – dieses Partizip will nicht passen. Das weiße Etwas könnte vielleicht blutbesudelt sein – aber nicht zu sehr, schließlich ist es ja weiß! Außerdem zu schreiben, dass diese Stränge schleimig wie Eiter sind, nachdem gerade erst Eiter herausgeschossen ist, das will nicht so recht zueinander finden. Sinnvollerweise lässt man diese sechs Wörter einfach weg, niemand wird sie ernsthaft vermissen. zurück
Und wieder wird weiter gedrückt, dabei quoll es doch schon! Wenn das schleimige Nicht-Sätzlein sowie dieses wiederholte Drücken wegfiele und nach dem letzten vollständigen Satz ein Komma folgte, könnte direkt nach ins Licht angeschlossen werden: (…) drangen ins Licht, ein Zentimeter, (…) zurück
Warum nicht! Ein Eiterseil ist zwar sehr viel dicker als ein Spaghetti, es ist auch nicht weiß, das Von-Blut-Umsponnensein ist inzwischen ebenfalls vergessen, dafür wurde ein superer Wortwitz abgesondert. Wem’s behagt …zurück
Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, folgt am Schluss jetzt noch eine ausgelutschte Pointe! Warum es nicht dabei belassen, dass es dem Protagonisten besser geht? Was ist daran so schlimm? Aber nein: Er muss im Irrenhaus geparkt werden! Falls dies die Schlampereien und Schludereien rechtfertigen sollte: Der Schuss geht nach hinten los! Wenn ein Erzähler die Ich-Perspektive wählt, sollte er sich vor dem Schreiben über den seelischen Zustand seines Protagonisten kundig machen, damit er auch aus dessen Sicht schreiben kann. Warum sollte der Protagonist im Irrenhaus sein? Wo sind seine Fehlleistungen? Wo gefährdet er Mitmenschen? Wo ist er nicht in der Lage, selbstständig zu handeln oder sich selbst zu versorgen? zurück

Stephen King im Interview

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Er ist nicht oft auf Lesereise und Interviews mit ihm gibt es auch nicht so oft: Stephen King. Der Stern hat nun ein Interview mit dem Horror-Schriftsteller mitprotokolliert. Und es macht ihn sehr sympatisch.

Was ist Ihre schlimmste Horror-Vorstellung?
Das Unheimlichste in meinem Leben war bis gerade George W. Bush. Ich bin unglaublich erleichtert, seitdem ich den Ausgang der Kongresswahlen erfahren habe und noch mehr, seit ich vom Rücktritt des Verteidigungsministers Donald Rumsfeld weiß. Der kindische Glaube von Bush an seine Gottgesandtheit – das hat mich wirklich das Fürchten gelehrt. Und ich kann noch immer nicht glauben, dass jetzt wohl endlich die Zeit für eine Art Heilung in Amerika gekommen ist.

HOERSPIEL ist ein echtes Hörspiel

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Es gibt bereits interaktive Hörspielprojekte, bei denen die Zuhörer beispielsweise über den weiteren Verlauf der Handlung abstimmen können.

Aber stellen Sie sich vor, Sie könnten ein Hörspiel körperlich beeinflussen und Sie werden so selbst zum Protagonisten in einem akustischen Umfeld. Das ganze wird also im wahrsten Sinne des Wortes ein dreidimensionales Hör-Spiel.

Ein solches Projekt will Tobias Freudenreich im Rahmen seiner Diplomarbeit realisieren. Ein dunkler Raum, in dem man durch seine Bewegungen Einfluss auf die akustisch simulierte Umgebung hat und wie in einem Computerspiel Aufgaben allein mit Hilfe des Gehörs lösen muss.

Freudenreich hat zu seinem Projekt HOERSPIEL ein Weblog eingerichtet, in dem er die Entwicklung dokumentiert.

Da das Projekt nicht nur technisch sondern auch handwerklich eine Herausforderung ist, sucht Tobias Sponsoren, die Sach- und Geldspenden zur Verfügung stellen. Auch darüber lässt sich alles im Weblog nachlesen.

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