Interview mit lulu.com

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lulu.com ist ein neues Werkzeug für Verleger, eine Web-Plattform, der jeder seine Werke als Datei zusenden kann (Bücher, Kalender, CDs etc.), und lulu.com macht daraus handfeste materielle Produkte. Das “Print on Demand”-Verfahren selbst ist nicht neu, doch was lulu.com einzigartig macht: Der Autor muss keinerlei Anzahlung oder Vorschuss leisten. Wenn das erste Buch verkauft wird, verdient der Autor oder die Autorin sofort. Lulu macht sein Geschäft mit der Provision.

Wo derzeit (noch?) die Unterschiede zwischen BoD und lulu.com liegen, haben wir bereits in einer früheren Notiz erläutert. Mittlerweile bietet lulu.com seine Produkte auch in Euro-Preisen an. Und weitere Dienstleistungen speziell für den europäischen und deutschen Markt sind in Vorbereitung. “So mancher Verleger muss sich warm anziehen, wenn Lulu seinen Service auf Deutschland eingestellt hat”, so Daniel Bender von Lulu im Lulu-Forum. Übrigens: Im gleichen Foren-Beitrag behauptet auch ein anderer Nutzer, dass im literaturcafe.de einige Leute Lulu-Autoren hassen, womit wahrscheinlich dieser Eintrag in unserem Forum gemeint ist.

Ein Interview mit Daniel Bender findet sich auch im “Pfade durch den Buchmarkt-Dschungel”-Weblog. Dort darf er relativ ungestört die Werbetrommel für Lulu rühren.

Denn natürlich lebt Lulu, wie andere Print-on-Demand-Anbieter und auch die Zuschussverlage, von der Mär des “freien Autoren”, der ohne Lektor und Verlag endlich der Welt sein Buch präsentieren kann. Von “ergrauten Lektoren” ist im Interview die Rede, die bestimmen, was der Leser in Deutschland lesen darf und was nicht. Natürlich schimmert da das Wort “Zensur” hervor.

Und so bleibt auch ein scheinbarer Gegensatz unwidersprochen, den Bender aufführt: “Hier habe ich die Hoffnung, dass dieses Klischee von den unlesbaren POD Büchern recht bald verschwindet und sich eben nicht das lektorierte Buch durchsetzt, sondern das spannendere, schönere oder interessantere Buch.”

Was zunächst gut klingt und wie ein Gegensatz daherkommt, denn welcher Autor würde gerade sein Buch nicht als spannend und/oder interessant bezeichnen, ist in der Praxis Folge und Ergebnis.

Jeder wirklich professionelle Autor weiß seinen Verlagslektor zu schätzen und erkennt, welchen Anteil sie oder er daran hat, das Wertvolle aus dem Text herauszuarbeiten. Denn dass ein unlektorierter Text schlechter ist als ein lektorierter, ist eine Tatsache. Das Gegenteil behaupten nur Autoren ohne Verlag – oder PoD-Anbieter. Zumindest widersprechen sie dieser Behauptung nicht. Denn am Klischee des jungen deutschen Autoren, dessen wunderbares Manuskript den großen Verlagen nicht mal einen Blick wert ist und dessen grandioses Buch die Leser nie erreichen wird, da man sowieso nur auf amerikanische Bestseller-Autoren setzt, lässt sich gut verdienen. Dagegen ist auch nichts auszusetzen, und man kann froh sein, dass es BoD und Lulu sind, die daran verdienen. Denn diese Anbieter entziehen wenigstens den schwarzen Schafen der Zuschussbranche den Boden. Mögen sie tief fallen!

Technorati-Tags: Lulu.com print on demand

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