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Textkritik: Der Jambus, die Sau

Maltes Meinung - Die Textkritik im literaturcafe.deUnser Kritiker Malte Bremer hat wieder ein neues Gedicht begutachtet. Es ist von Markus Linner und trägt den schönen Titel Der Jambus, die Sau. Wieviel Brillen Malte dafür vergeben hat, das lesen Sie in unserer Rubrik Textkritik.
 

Textkritik: Der Jambus, die Sau – Lyrik

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Du dreckiger Jambus, verfluchtes Gezücht,
verweigerst dich ständig, du ganz dumme Sau,
und wie ich’s auch winde und wie ich auch schau
und was ich auch schreibe – ein Jambus wird’s nicht.

Da soll man Gedanken in dichterisch’ Licht
betrachten und wälzen auf dass es erbau,
das Volk soll es mögen, der Mann und die Frau
und nicht am Gedanken – am Jambus es bricht!

Ich sag: »Liebe Leute, seid nicht gar so streng,
das Ding mit dem Jambus, ei seht’s nicht so eng.«
Der Pöbel schreit: »Stümper! Du bist nur zu faul!«

Es reicht nicht der Jugend rebellische Wut,
die Masse sie meckert: »Nix Jambus, nix gut.«
Dann lest was ihr wollt, weil ich scheiß euch ins Maul.

© 2007 by Markus Linner. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Sauber gestaltetes Sonett mit einem astreinen Metrum (Amphibrachus) und einer gewaltigen satirischen Fallhöhe: So etwas liest man doch gerne!
Kleinere inhaltliche Verbesserungswürdigkeiten und die zu massive letzte Zeile verhindern fünf Brillen.

Die Kritik im Einzelnen

Dieses ganz klingt etwas hilflos! Ich empfehle ein zusammengesetztes Wort, etwa saudumme oder: saublöde, strohdumme, strohdoofe – mein Herz gehört einer Verknüpfung mit sau-, weil das so schön zur Sau passt. zurück
Wie windet man ein Gedicht? Wie eine Zeile? Und worum windet man diese? Ich plädiere für wenden: Wie ich’s auch (drehe und) wende, es kommt kein Jambus dabei heraus. zurück
Durch Schauen erzielt man gedichtmäßig wohl kaum Fortschritte, sofern es um Metrik geht: Die muss man hören, dafür genügt das innere Ohr! Aber man kann Verse bauen: … und wie ich’s auch bau. Dagegen spräche nur das Reimwort erbau im nächsten Quartett, aber das fände ich nicht dramatisch, da es inhaltlich etwas anderes bezeichnet. zurück
Zu einem anständigen Gedicht gehören anständige Satzzeichen: … wälzen, auf dass es erbau, zurück
Dieses und mag mir nicht munden: Die Aufzählung ist beendet, eigentlich ist alles gegeben, damit das Volk = Mann & Frau das Gedicht goutieren könnte: Folgerichtig müsste die vorhergehende Zeile mit einem Doppelpunkt enden und diese mit einem starken doch beginnen. zurück
Ein Komma ist vonnöten: die Masse, sie meckert zurück
War bist jetzt eine Fallhöhe deutlich, kippt das Gedicht jetzt in ein rachsüchtig-persönliches Beleidigtsein: Das lyrische Ich will der Masse ins Maul scheißen. Da sollte etwas anderes stehen, etwas Ironisches, vielleicht könnte das Quartett gar plötzlich vor lauter Verzweiflung versehentlich in Jamben enden – der Autor ist Manns genug, da etwas Sinnvolleres zu finden als diese fäkale Breitseite. zurück

Einsendeschluss für den Bachmannpreis ist der 16. Februar

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Ab dem 27. Juni finden in Klagenfurt zum 31. Mal die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt statt. Autorinnen und Autoren können ihre Texte bis zum 16. Februar bei der Jury einreichen. Vergeben wird der diesmal mit 25.000 Euro dotierte Bachmann-Preis am 1. Juli. Die Bedingungen für eine Teilnahme sind gleich geblieben, Veränderungen gibt es dieses Jahr in der Jury. Mehr darüber weiß der Standard bzw. ist auf den Seiten des Wettbewerbs zu lesen.

Interessant: Bei der Bewerbung muss jeder Autor die Empfehlung entweder eines Verlages oder einer Literaturzeitschrift beilegen.

Moderne Sagen: Die Schlange auf der Toilette

Die Spinne in der Yucca-Palme. Sagenhafte Geschichten von heute.Zu den Klassikern der modernen Sage (Urban Legend) zählt die Geschichte von der Schlange in der Toilette. Insbesondere der SPIEGEL Online versteht sich meisterlich, diese Geschichte immer wieder durch Nennung von Quellen und Ortsangaben so zu verkaufen, als ob sie tatsächlich echt sei.

Besser konnte es da eigentlich nur das Fachblatt für den Bereich unter der Gürtellinie Coupé: „Auf der Toilette biss sich eine blutgierige Schlange zischend an meiner Scheide fest“ (Coupé , Nr 09/2000, Seite 34/35 zitiert nach sagen.at). Gilt hier nicht das alte Sprichwort: Schlangen, die zischen, beißen nicht?

Die Fackel nun komplett online

fackel.jpgWie bereits berichtet unterliegen die Texte von Karl Kraus seit dem 01.01.2007 nicht mehr dem Urheberschutz. Ein Projekts des Austrian Academy Corpus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) macht nun sämtliche Ausgaben der von Kraus herausgegebenen Zeitschrift Die Fackel im Web zugänglich. Hierzu muss man sich kostenlos unter der Web-Adresse www.aac.ac.at/fackel registrieren und man erhält eine eMail mit den Zugangsdaten.

Die 922 Nummern und rund 22.500 Seiten sind im Volltext durchsuchbar und auch einzeln durchzublättern. Dabei wird sowohl die gescannte Originalseite als auch die digitalisierte Textform angezeigt.

Die Fackel wurde von Karl Kraus von 1899 bis 1936 herausgegeben. Er schrieb auch die meisten der dort enthaltenen Texte. Kraus setzte sich kritisch, ironisch und oft bitterbös mit den Entwicklungen seiner Zeit auseinander. Seine Themen
waren u.a. Journalismus und Krieg, Sex und Kriminalität, Politik und Korruption sowie Literatur und Lüge.

Kraus im Vorwort der ersten Ausgabe:
Das politische Programm dieser Zeitung scheint somit dürftig; kein tönendes »Was wir bringen«, aber ein ehrliches »Was wir umbringen« hat sie sich als Leitwort gewählt.

Der Iran lässt drei Millionen Euro für einen europäischen Literaturpreis springen

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Zumindest macht er das in der Glosse, die Joseph von Westphalen fürs Börsenblatt geschrieben hat. Westphalen macht sich so seine Gedanken, was 2007 passieren muss, um die Literaturskandale 2006 (Heinepreis, Grass, Suhrkamp) zu überbieten. [via Lotrees Bücherblog]

Phrase des Tages: gewinnt an Fahrt

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Die Phrase gewinnt an Fahrt wird häufig in Nachrichtenportalen eingesetzt. Überdurchschnittlich häufig findet man sie zudem in Pressemeldungen oder Internetportalen, die Pressemeldungen weitestgehend per Copy and Paste übernehmen – aber nicht nur. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Phrase in der Regel dann eingesetzt wird, wenn eine Sache nicht neu ist oder gar stagniert. Mit der Überschrift xyz gewinnt an Fahrt wird versucht, xyz wieder ins Gespräch zu bringen, obwohl es darüber eigentlich nichts zu berichten gäbe. Das prominenteste an Fahrt gewinnende Ding ist die Konjunktur. Häufig wird das Gewinnen an Fahrt durch eine Studie belegt.

Die Phrase gewinnt an Fahrt ist eng verwandt mit dem Begriff startet durch. Dieser lässt jedoch weitaus mehr auf einen rückläufigen Aspekt schließen. 

Herzlichen Glückwunsch, Herr Karasek!

Der Schriftsteller und Literaturkritiker Hellmuth Karasek wird heute 73 Jahre alt. Das literaturcafe.de gratuliert. Ein guter Anlass, um wieder einmal das Interview zu hören, das wir mit Herrn Karasek für unseren Podcast auf der letzten Buchmesse geführt haben und in dem es um das Altern und sein Buch Süßer Vogel Jugend oder Der Abend wirft längere Schatten geht.

Selbstmord in Bildern

Cover: Confidential Confessions 1Manatsu ist 16. Das Leben kotzt sie an. Was hat das Ganze für einen Sinn? Sie schleppt sich von Tag zu Tag. Es ist nicht so, dass sie sterben will – aber warum sollte man weiterleben? Wie das Leben später werden kann, das sieht sie an ihrer Mutter. Diese wäscht immer noch die Hemden des Vaters, obwohl dieser die Familie schon vor langer Zeit verlassen hat. Doch die Nachbarn sollen es nicht merken. Dabei weiß es jeder. Was für ein trauriges Dasein.

Eines Tages trifft Manatsu Spargel. Spargel wird so genannt, weil ihre Haut sehr bleich ist und sie sich ritzt, also die Haut an Armen und Beinen aufschneidet. Angefangen hat sie mit dem Töten von Fliegen und Mäusen. Irgendwann reichte das nicht mehr. Also begann sie, an sich selbst herumzuschneiden.

In Spargel entdeckt Manatsu eine Seelenverwandte, und zwischen den beiden Mädchen entsteht so etwas wie eine Freundschaft. Der Selbstmord eines bekannten Popstars lässt die beiden intensiver über den eigenen Selbstmord nachdenken. Manatsu und Spargel kommen zum Ergebnis, dass es die beste Art ist zu sterben. Denn man kann selbst bestimmen, wann, wo und wie man es tun will. Man hat in Ruhe Zeit, in einem Abschiedsbrief die Gründe darzulegen und vielleicht kann man dem ein oder anderen ein schlechtes Gewissen machen. Und nicht zu vergessen: In den Zeitungen erscheint kein peinliches Urlaubsfoto, das die Angehörigen aus dem Fotoalbum klauben, um es nach einem Unfall der Presse zu übergeben. Nein, wenn man den Selbstmord gut vorbereitet, sollte man auch für ein anständiges Foto sorgen.

Durch ein paar dubiose Jobs verdienen die beiden schließlich genug Geld, um sich im Internet ein spezielles Gift zu bestellen, mit dem man schmerzlos stirbt. Schneller als die beiden denken, liegt dann auch das Paket mit den tödlichen Pillen vor der Tür. Ein Drama beginnt.

Es ist eine erschreckende Geschichte, die Reiko Momochi in ihrem Manga Confidential Confessions 1 beschreibt. Und dennoch ist die Geschichte (auch für Europäer) nachvollziehbar. Und es ist – auch wenn sich das nach unserer Beschreibung zunächst nicht so anhören mag – ein aufrüttelndes Buch gegen den Selbstmord. Ein Manga, den hoffentlich auch Menschen im Alter von Manatsu in die Finger bekommen, wenn sie vielleicht ähnliche Gedankenspiele anstellen wie die Protagonistin. 15+ gibt der deutsche Verlag Tokyopop als Altershinweis an, dem man jedoch folgen sollte.

Confidential Confessions 1 bei amazon.de

Das literarische Weblog eines Toten

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Der Drehbuchautor und Lyriker Klaus-Dieter Diedrich starb am 7. April 2006 an Darmkrebs. Forum Allmende e.V. stellt nun u. a. mit Unterstützung der Stadt Biberach posthum seine Autobiographie mit dem Titel „Die Biberacher Zeit“ als Weblog ins Netz. Bis zum Ende 2007 wird so der komplette Text online sein. Dieses abschnittsweise Vorgehen kommt dem Kompositionsprinzip Diedrichs entgegen, der sein Leben nicht fortlaufend-chronologisch erzählt, sondern dem Prinzip der Collage folgt, ist im Weblog „Tag um Tag“ zu lesen.

Karl Kraus: Die Schwärmer

Als ich in der Nacht mein Werk geschrieben,
sind an meinem Licht
viele Mücken hängen geblieben.
Und ihr Summen stört mein Gedicht.
So müssen, will ich weiter schreiben,
fortan meine Fenster geschlossen bleiben.

Nun sitzen sie an den Fenstern
und sehen mir zu.
Nun ist keine Ruh
vor den Nachtgespenstern.

Ein Gedicht von Karl Kraus, der am 12. Juni 1936 starb und dessen Werke daher zum 1. Januar 2007 nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind.

ISBN: Bücher haben jetzt 13-stellige Nummern

Buch mit 10 und 13-stelliger ISBNWährend sich der Mehrwertsteuersatz bei Büchern Anfang 2007 nicht geändert hat, ändert sich jedoch eine andere Zahl: seit dem 1. Januar 2007 ist die Internationale Standard-Buchnummer (ISBN) nun nicht mehr 10 sondern 13-stellig. Zum einen gleicht man die ISBN damit an die europäische Artikelnummer (EAN) an, die bereits 13-stellig ist, zum anderen ist die Zahl der möglichen Nummern wieder größer. Bei Büchern, die einen Strichcode aufgedruckt haben, konnte man diese Nummer, die in der Regel mit 978 beginnt, schon länger sehen. Eine 10-stellige ISBN lässt sich leicht in die 13-stellige umwandeln.

Die bisherige 10-stellige ISBN war in vier Blöcke geteilt und sah z.B. so aus: 3-15-000001-7. Das ist die Nummer von Goethes Faust im Reclam Verlag. Die vier Bereiche sind:

  1. Der Regionalcode (einstellig). Die 3 steht in diesem Fall für deutschsprachig. Englischsprachige Bücher haben in der Regel eine 0.
  2. Die Verlagsnummer. Reclam hat in diesem Fall die Nummer 15. Als Faustregel kann man sagen, dass kleiner Verlage häufig längere Verlagsnummern haben. Stimmt aber nicht immer. Einige Verlage haben auch mehrere Nummern.
  3. Die Buchnummer. Die Buchnummer, die der Verlag dem Buch vergibt. Der Faust hat bei Reclam die prominente Nummer 1 bekommen.
  4. Die Prüfziffer. Sie berechnet sich nach einem bestimmten mathematischen Algorithmus und ist bei der elektronischen Erfassung wichtig, da so Zahlendreher und Tippfehler schnell vom System erkannt werden.

Um daraus eine neue 13-stellige ISB-Nummer zu machen, lässt man die Prüfziffer weg, setzt als fünften Block eine 978 davor und berechnet eine neue Prüfziffer. Die neue ISBN des Faust im Reclam Verlag lautet dann: 978-3-15-000001-4.

Bücher, die in letzter Zeit erschienen sind, hatten meist schon beide Nummern aufgedruckt. Alle neuen Bücher müssen nun mit der 13-stelligen ISBN versehen sein. Weitere Infos zur neuen ISBN gibt es bei der ISBN-Agentur Deutschland.

Mehrwertsteuer für Bücher erhöht sich nicht

Sieben ProzentObwohl der reguläre Mehrwertsteuersatz zum 1. Januar 2007 von 16% auf 19% erhöht wurde, bleibt der ermäßigte Steuersatz weiterhin bei 7%. So hat es das Bundeskabinett bereits vor einem Jahr beschlossen. Eine gute Nachricht für Buchkäufer, denn für Bücher gilt der ermäßigte Steuersatz. Die Buchpreise erhöhen sich also nicht – zumindest nicht aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung. Neben Büchern gilt der ermäßigte Steuersatz auch für andere Kulturgüter wie z.B. Eintrittskarten. Nun mag man zwar nachfragen, was denn beispielsweise an einem kitschigen Liebesroman Kulturgut sei, doch ist dieser Einwand schnell beiseite geräumt, wenn man auf die Ergebnisse der Pisa-Studie schaut. Lesen ist und bleibt wichtig und daher sollte man es auch mit einem ermäßigten Steuersatz fördern.

Was übrigens noch alles zum ermäßigten Steuersatz verkauft werden darf, das regelt Anlage 2 zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 und 2 des Umsatzsteuergesetzes. Dabei sind so Dinge wie lebende Tiere (ausgenommen Wildpferde), die meisten Lebensmittel aber auch Blumen und Körperersatzstücke.

Leider gelten Hörbücher im Sinne des Umsatzsteuergesetzes nicht als Bücher. Für diese so genannten Non-Book-Artikel sind zum 1. Januar 2007 auch 19% Mehrwertsteuer zu bezahlen. Hörbücher werden also leider teurer werden.

Wir wünschen Ihnen für 2007 nur das Beste!

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Für das neue Jahr 2007 wünscht Ihnen das Team des literaturcafe.de Gesundheit, Glück und Erfolg!

Wir haben die ruhigere Zeit zwischen den Feiertagen genutzt und das Layout unserer Startseite umgestellt. Unsere „Notizen der Redaktion“, die in den vergangenen zwei Jahren immer wichtiger geworden und für viele Gäste Nachrichtenquelle und Fundgrube zugleich geworden sind, werden jetzt direkt auf der Startseite angezeigt. So bekommen Sie Neues und Interessantes schneller mit. Außerdem werden wir künftig in den Notizen ausführlicher auf Neuigkeiten im literaturcafe.de hinweisen und auch manche Schätze aus unserem Archiv heben.

Noch sind nicht alle Umstellungen vollständig abgeschlossen. Vielleicht mag noch der ein oder andere Link ins Leere führen. Wir bitten dies zu entschuldigen. Wir sind dran…

Natürlich freuen wir uns auch über Hinweise von Ihnen. Nutzen Sie doch dazu gleich die neue verbesserte Kommentarfunktion zu den Notizen.

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