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Selbstmord in Bildern

Cover: Confidential Confessions 1Manatsu ist 16. Das Leben kotzt sie an. Was hat das Ganze für einen Sinn? Sie schleppt sich von Tag zu Tag. Es ist nicht so, dass sie sterben will – aber warum sollte man weiterleben? Wie das Leben später werden kann, das sieht sie an ihrer Mutter. Diese wäscht immer noch die Hemden des Vaters, obwohl dieser die Familie schon vor langer Zeit verlassen hat. Doch die Nachbarn sollen es nicht merken. Dabei weiß es jeder. Was für ein trauriges Dasein.

Eines Tages trifft Manatsu Spargel. Spargel wird so genannt, weil ihre Haut sehr bleich ist und sie sich ritzt, also die Haut an Armen und Beinen aufschneidet. Angefangen hat sie mit dem Töten von Fliegen und Mäusen. Irgendwann reichte das nicht mehr. Also begann sie, an sich selbst herumzuschneiden.

In Spargel entdeckt Manatsu eine Seelenverwandte, und zwischen den beiden Mädchen entsteht so etwas wie eine Freundschaft. Der Selbstmord eines bekannten Popstars lässt die beiden intensiver über den eigenen Selbstmord nachdenken. Manatsu und Spargel kommen zum Ergebnis, dass es die beste Art ist zu sterben. Denn man kann selbst bestimmen, wann, wo und wie man es tun will. Man hat in Ruhe Zeit, in einem Abschiedsbrief die Gründe darzulegen und vielleicht kann man dem ein oder anderen ein schlechtes Gewissen machen. Und nicht zu vergessen: In den Zeitungen erscheint kein peinliches Urlaubsfoto, das die Angehörigen aus dem Fotoalbum klauben, um es nach einem Unfall der Presse zu übergeben. Nein, wenn man den Selbstmord gut vorbereitet, sollte man auch für ein anständiges Foto sorgen.

Durch ein paar dubiose Jobs verdienen die beiden schließlich genug Geld, um sich im Internet ein spezielles Gift zu bestellen, mit dem man schmerzlos stirbt. Schneller als die beiden denken, liegt dann auch das Paket mit den tödlichen Pillen vor der Tür. Ein Drama beginnt.

Es ist eine erschreckende Geschichte, die Reiko Momochi in ihrem Manga Confidential Confessions 1 beschreibt. Und dennoch ist die Geschichte (auch für Europäer) nachvollziehbar. Und es ist – auch wenn sich das nach unserer Beschreibung zunächst nicht so anhören mag – ein aufrüttelndes Buch gegen den Selbstmord. Ein Manga, den hoffentlich auch Menschen im Alter von Manatsu in die Finger bekommen, wenn sie vielleicht ähnliche Gedankenspiele anstellen wie die Protagonistin. 15+ gibt der deutsche Verlag Tokyopop als Altershinweis an, dem man jedoch folgen sollte.

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2 Kommentare

  1. Ich finde es schön das hier auch Mangas behandelt werden. Deutschland ist nach wie vor weltweit auf Platz eins wenn es darum geht alles gezeichnete nicht für voll zu nehmen, dabei ist das Comic, ob nun japanisch oder nicht, in meinen Augen ein sehr ausdrucksstarkes Medium, dass viel zu oft unterschätzt wird. Dem Urheber dieses Textes merkt man an das er vorurteilsfrei an die Sache herangegangen ist, was sehr lobenswert ist, aber leider immer noch viel zu selten vorkommt.

  2. Ich habe diesen Manga gelesen und finde, dass er wirklich durchweg gelungen ist. Die Geschichte ist nachvollziehbar, erscheint realistisch und wird nicht von den Zeichnungen “verschluckt” (wie das bei anderen Manga manchmal der Fall ist). Dennoch finde ich auch die Zeichnungen ansprechend.
    Ich bin etwa im gleichen Alter wie Manatsu und fühlte mich nach dem Lesen wirklich mehr von Selbstmordgedanken abgeschreckt.
    Allerdings muss ich auch sagen, dass ich eine Freundin habe, die nach dem Lesen eine Zeit lang wirklich depressiv gewesen ist.
    Trotzdem möchte ich diesen Manga jedem weiterempfehlen, ebenso wie die weiteren Manga der Confidential Confession-Serie, die zum Beispiel sexuelle Belästigungen, Vergewaltigung, Drogenkonsum und Mobbing behandeln. Dabei sind beinahe alle Geschichten in einem Band abgeschlossen, so dass man sich nicht die gesamte Serie zulegen muss.

    Abschließend möchte ich noch anmerken, dass gerade Manga es schaffen in Themen, die das alltägliche Leben betreffen, zu überzeugen. Sie beinhalten oftmals viele Lebensweisheiten, die durchaus wahr sind und die in einen Kontext verpackt sind, dass jeder Leser sie verstehen sollte.

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