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Das Libroid: Des Kaisers neues Ü-Book

Libroid in Apples iTunes StoreDer Mann schien sich geklont zu haben: Egal ob Buchmesse, TOC, Homer 3.0 oder andere Lese-Veranstaltungen, Jürgen Neffe war omnipräsent. Branchenpresse und Spiegel online bejubelten, dass es diesem Mann gelungen war, die Zukunft des Lesens aufzuzeigen.

Was Unternehmen wie Amazon und Apple mit Millionen an Entwicklungskosten nicht schaffen, das hatte Neffe im Alleingang hinbekommen, so konnte man es aus den Medienberichten heraushören. Sein von ihm so genanntes »Libroid« schien das Ü-Book zu sein, das Über-eBook. Und seit wenigen Tagen ist es für alle erhältlich.

Unsere kleine Nichte hat es sich angeschaut und meint: »Aber das ist ja nur eine App!«

ZDF beerdigt seine Literatursendung »Die Vorleser«

Aus für »Die Vorleser« im ZDF (Foto: literaturcafe.de)
Foto: literaturcafe.de

Nach nicht mal eineinhalb Jahren hat das ZDF die Literatursendung »Die Vorleser« abgesetzt. Die 10. Sendung vom 3. Dezember 2010 war die letzte. Die Nachfolgesendung von Elke Heidenreichs »Lesen!« war ein konsequenter Quotenflopp am späten Freitagabend. Die beiden Moderatoren Amelie Fried und Ijoma Mangold blieben so farb- und profillos wie die ganze Sendung. Die Beiden konnten im Loben weder mit Elke Heidenreich noch im Kritisieren mit Marcel Reich-Ranicki mithalten. Jetzt meldet der SPIEGEL das Aus für die Literatursendung.

Der SPIEGEL zitiert ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut mit den Worten: »Es war sicher auch unser Fehler, dass wir auf eine Doppelmoderation gesetzt hatten.«

Scrivener & Co: Textverarbeitung für Autoren

Abbildung 6: Scrivener im Fenstermodus
Scrivener im Fenstermodus

Wer heutzutage schreibt, kann dies noch mit dem Füller auf Papier tun. Das hat den Vorteil, dass überall und jederzeit gearbeitet werden kann, auch im Café oder auf einer schönen Parkbank, und dass es einfach die schönste Art zu schreiben ist. Der Nachteil ist natürlich das Abtippen, das einerseits eine schätzenswerte Nachkorrektur darstellt, andererseits aber zeitaufwendig ist. Häufig wird daher direkt am Computer gearbeitet. Und schon ergibt sich die Frage: Welches Werkzeug ist dafür überhaupt geeignet? Ein Blick ins Internet zeitigt eine überwältigende Zahl von Programmen: OpenOffice Writer, Microsoft Word, InDesign, Ulysses, nano, jEdit, Scrivener, LaTeX … also, wovon sprechen wir hier?

Videoanleitung: Bücher als Geschenk verpacken

Video: Bücher als Geschenk verpackenBücher sind ein beliebtes Geschenk. Wir zeigen Ihnen in einer Videoanleitung, wie Sie Bücher schnell und effektiv verpacken. Es ist die klassische Verpackung mit Geschenkband, die natürlich auch für CDs, DVDs, Pralinenschachteln und andere Päckchen geeignet ist.

Speziell beim Geschenkband muss man mit unserer Methode keine Längen vorab abmessen. Es wird nie passieren, dass es zu kurz ist. Außerdem lässt sich die Lage des Knotens auf der Oberseite nachträglich praktisch verschieben, um dort einen Gruß oder eine Geschenkkarte zu platzieren.

Die gezeigte Methode ist besonders für diejenigen interessant, die beruflich viel verpacken müssen, wie beispielsweise Buchhändlerinnen im Weihnachtsgeschäft.

Verlosung: »Das Labyrinth der Wörter« mit Gérard Depardieu – Buch- und Kinopakete zu gewinnen

Das Labyrinth der Wörter - Szenenfoto (Concorde Filmverleih)
Foto: Concorde Filmverleih

Egal ob als Obelix, unlängst als Mammuth oder aktuell als Konrad in der Verfilmung von Martin Suters »Small World«: Gérard Depardieu scheint auf die Rolle des einfältigen aber irgendwie liebenswerten Dicken festgelegt zu sein.

Und schon kommt am 6. Januar 2011 erneut ein Film in die deutschen Kinos, in dem Depardieu in seiner Standardrolle zu sehen ist. Das Besondere: »Das Labyrinth der Wörter« ist nicht nur die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Marie-Sabine Roger, sondern Bücher und Literatur spielen darin eine zentrale Rolle.

Grund genug also, um im literaturcafe.de mit freundlicher Unterstützung des Concorde Filmverleihs drei Buch- und Kinogutscheinpakete zu verlosen. Sie bestehen aus dem Buch »Das Labyrinth der Wörter« – erschienen bei Hoffmann & Campe – und je zwei Kinogutscheinen, die in jedem Kino einzulösen sind, das den Film zeigt.

Kein Fastfood: »Fütter mich« von Cornelia Travnicek

»Fütter mich« steht auf dem kakelbunten Cover, auf dem sich Hariboteilchen drängeln: Cornelia Travnicek serviert uns Lesern schlichte, aber alles andere als leichtverdauliche Kost: 11 Erzählungen über Menschen, die nach sehr Unterschiedlichem hungern.

Mit »schlicht« ist hier beileibe nicht der Inhalt gemeint, sondern die klare, einfache, ja schmucklose Sprache: kein Wort zu viel – nichts wird uns Lesern vorgekaut, sondern wir müssen selbst herausfinden, was mit den Protagonisten los ist; kein Etikett à la mager- oder fresssüchtig klebt darauf!

Der Erzähler lässt die Protagonisten ihren jeweiligen Hunger implizit entwickeln, da heißt es aufmerksam lesen, mitdenken, sich einfühlen.

Zerlesener Bestseller: Ferdinand von Schirachs »Verbrechen« an der Hotelrezeption

Ferdinand von Schirach: VerbrechenDer »Schirach« lag an der Hotelrezeption in einem der Regale mit zerlesenen Büchern, die andere Urlauber zurückgelassen hatten. »Verbrechen« als Piper Taschenbuch, sein Überraschungserfolg aus dem Jahre 2009. Der Aufkleber »Spiegel Bestseller« ist auf dem Umschlag angebracht. Mir war nicht bekannt, dass es gar kein Roman, sondern Kurzgeschichten sind. »Stories« ist innen im Buch zu lesen, nicht aber auf der Titelseite.

Da das Buch hier rumliegt, kann man es ja mal mit aufs Zimmer nehmen. Gekauft hätte ich es nicht. Ich erwerbe selten Bestseller, denn das machen andere, da muss ich es nicht auch noch tun.

Kostenloser Hörbuch-Download: Ein Werwolf zu Weihnachten ist wieder da

Hörbuch "Ein Werwolf zu Weihnachten" aus dem Buch "Werwölfe zu Weihnachten"Freuen Sie sich auf eine über einstündige Weihnachtsgeschichte der besonderen Art: literaturcafe.de und der Deutsche Taschenbuch Verlag präsentieren auch in diesem Jahr die Erzählung »Ein Werwolf zu Weihnachten« von Kat Richardson zum kostenlosen Download im MP3-Format.

Es ist schon reichlich blöd gelaufen für Matthias, den Werwolf: Nach einem »superdämlichen Flugzeugabsturz« sitzt er am Nordpol fest. Glücklicherweise kann er ein Rentier mit einer roten Nase erlegen, um seinen Hunger zu stillen. Doch dann taucht dieser merkwürdige Typ in Rot auf …

Obwohl die Geschichte von Matthias, dem Werwolf, reichlich schräg beginnt, hat Kat Richardson ein erstaunlich bewegendes Stück Prosa geschaffen, das – wie jede gute Weihnachtsgeschichte – den Leser berührt.

Krimi um Stuttgart 21: »Wo die Löwen weinen« von Heinrich Steinfest

Heinrich Steinfest (Foto: Theiss/D. Obertreis)
Heinrich Steinfest (Foto: Theiss/D. Obertreis)

Rosenblüt ist wieder da! In seinem neuen Krimi »Wo die Löwen weinen« schickt Autor Heinrich Steinfest seinen Kommissar als »Schwabenversteher« und Sonderermittler zurück nach Stuttgart. Eigentlich wollte Rosenblüt nie mehr hierher zurückkehren, doch besondere Umstände und vor allem das Projekt »Stuttgart 21« erfordern dies, denn mysteriöse Spuren führen zum umstrittenen Bau- und Immobilienprojekt nach Schwaben.

Krimi- und Steinfest-Fans müssen sich noch etwas gedulden, »Wo die Löwen weinen« erscheint am 24. Februar 2011 beim Theiss Verlag.

Zum Start des Krimis gibt‘s ein besonderes akustisches Bonbon: literaturcafe.de produziert in Kooperation mit Theiss einen Podcast. Zusammen mit Heinrich Steinfest besuchen wir die Schauplätze von »Wo die Löwenen weinen« und sprechen mit dem Autor über sein Buch.

Undankbare Literatur: »Und das alles für ein paar Cent«

Buch-Kunst 1Einer der Schwerpunkte in der Kultur unserer und der vergangenen Zeiten ist neben der Literatur die bildende Kunst. Man könnte meinen, beide Künste seien irgendwie gleichrangig oder zumindest bei vielen Menschen beliebt und geschätzt.

Ich gehe gerne zu Einladungen von Ausstellungen vieler Richtungen der bildenden Kunst und zu Lesungen mit den vielfältigsten Themen.

Aufgefallen ist mir, dass bei Ausstellungen mehr Publikum anzutreffen ist, bei Lesungen mit nicht so bekannten Autorinnen oder Autoren schon weniger. Du schaust dir die Bücher an, die ausliegen und denkst dir, na ja, eines könntest du dir schon kaufen, ist ja nicht so teuer, aber es fehlt halt die Zeit, das auch zu lesen.

Aber du zückst doch den Geldbeutel, weil der Typ da vorne am Lesepult ein wenig traurig dreinschaut. So eine Traurigkeit von innen, auch wenn er sich bemüht, seinen Part locker und easy vorzustellen.

Textkritik: Drei Brillen für drei Miniaturen

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Mein Schwiegervater war als junger Mann hübsch gewesen: groß und breit mit vollem, schwarzen Haar. Es gibt ein Foto von ihm, auf dem er sehr stattlich auf einem dicken, schweren Pferd sitzt. Später bekam er dann Hautausschläge und Haarausfall und seine Schönheit schwand. Dass er ein kluger Mensch gewesen sei, hat nie jemand von ihm behauptet, am wenigsten seine Familie. Er wäre – obwohl von sanftem Gemüt – leidenschaftlich gern Metzger geworden, aber seine Mutter verbot ihm das einfach, so lernte er schreinern, arbeitete als LKW-Fahrer bei einem Kieswerk und schließlich als Totengräber der Gemeinde Gräfelfing. Mit dieser Arbeit war er nicht unzufrieden: Seine Kinder spielten unter den Särgen, er hielt Kaninchen am Friedhof, und voller Stolz fuhr er den kleinen Bulldog, den die Gemeinde ihm in späteren Jahren für Hubarbeiten zur Verfügung stellte. Die Freunde seiner erwachsenen Kinder nannten ihn »Fred« wegen seiner Ähnlichkeit mit Fred Feuerstein.
Eines Tages klingelte die Polizei an seiner Haustür. Ein junger Polizist zeigte ihm ein Foto, auf dem unscharf zwei Personen zu sehen waren, die vorne in einem Auto saßen. »Kennen Sie die vielleicht?«, fragte der junge Polizeibeamte. »Ja hö!«, freute sich Fred. »Das sind doch die Renate und der Sepp! Gleich habe ich sie erkannt!« Renate war seine Tochter, der Sepp war ihr Freund. »Vielen Dank«, sagte der Beamte und ging.
»Haben Sie dir eigentlich ins Hirn reingeschissen?« wollte Tochter Renate am nächsten Tag von ihm wissen. Sie hatte sein schwarzes Haar, aber nicht sein ruhiges Temperament geerbt. »Hey, die Fotografie war ganz unscharf, die hätten uns im Leben nicht drangekriegt! Und dann musst du kommen und alles vermasseln!! Jetzt ist der Sepp seinen Führerschein los! Spinnst du, oder was?!«
Fred sah ein bisschen unglücklich drein. Aber ernsthaft verunsichert war er auch wieder nicht. »Der Polizei muss man doch die Wahrheit sagen!«, grollte er.

Babs stammte aus dem Ruhrgebiet und war die Tochter reinblütiger Proletarier. Der Vater soff, die Mutter merkte erst nach zwei Tagen, wenn die Tochter ausgerissen war. Aber als sie neunzehn war, hatte Babs wunderbarerweise dennoch das Abitur geschafft. Sie schrieb sich an der Uni ein für Soziologie und Theaterwissenschaft. Das eine Fach war gerade in, bei dem anderen stellte sie sich irgendeine Karriere on stage vor. Abends jobbte sie in einer Kneipe, und mit dem langen, weißblonden Haar, der aufregenden Kluft zwischen ihren großen Brüsten und dem kessen Stupsnäschen hatte sie sehr reelle Chancen beim Trinkgeld. Babs war praktisch ein Bunny. Aber zufällig verliebte sie sich in einen sehr ernsthaften, intellektuellen jungen Mann, und an seiner Seite geriet sie in Kreise, die derart ernsthaft und intellektuell waren, dass sie Blondie-Babsi nötigten, ihr Leben neu zu ordnen. Sie brach das Studium ab und schrieb sich erneut ein als Lehramtsstudentin für Religion und Sport. Ihre neuen Kreise verlangten ihr vielleicht ein bisschen viel ab, aber sie schaffte diese Herausforderungen so locker wie die familiäre Tristesse von einst. Sie legte sich eine besondere, Kaugummi kauende Lässigkeit zu, mit der sie die Abende in der Wohngemeinschaft ihres Freundes überstand, wenn dort heiß über politische und wissenschaftliche Fragen diskutiert wurde, und sah immer so aus, als hätte sie sämtliche Trümpfe in der Hinterhand, wäre sich aber zu schade, sie auszuspielen. Bisweilen wirkte sie kalt.
Sie hielt ihr Studium durch, ermuntert von ihren neuen Freunden, die ihr versicherten, ihre Fächer seien der totale Quatsch, würden aber dereinst ein so ruhiges wie gut bezahltes Lehrerleben ermöglichen. Dann kam das Referendariat, und an seinem Ende die letzte Prüfung, zu der zwei Beamte des Kultusministeriums und ein Mann der Kirche ganz hinten in ihrem Klassenzimmer in einer Bank saßen und beobachteten, wie das blonde Fräulein seinen Religionsunterricht gestaltete. Mitten im Unterrichtsgespräch über die Bergpredigt hob ein schäbiger, nichtsnutziger Knabe den Finger und vermeldete: »Ich finde es übrigens toll, dass unsere Religionslehrerin so heiße Titten hat.«
Babs reckte ihre Stupsnase und wandte der lauschenden Gesellschaft das Profil zu; die Jeans spannte sich über ihren prallen Hintern, das Pullöverchen aus Angora umzitterte die Wölbung weiter oben. »Und?«, fragte sie kühl. »Stimmt’s etwa nicht?«
Der eine Kultusbeamte stritt sich in der nachfolgenden Besprechung lange mit dem Mann der Kirche, aber leider obsiegte dieser, da er von dem zweiten Beamten, der sehr konservativ war, unterstützt wurde.

Als Harry die Vierzig überschritten hatte, bemerkte er, dass sein Glück bei den Frauen irgendwie unstet wurde. Das verstand er nicht ganz, denn er hielt sich selbst für einen außergewöhnlich gut aussehenden Mann mit einem gewissen Niveau. Trotzdem lebte er nun seit vierzehn Monaten ohne eine Freundin, und dieser ungewohnte Zustand ließ sich offenbar immer schwieriger beheben, zumal Harry inzwischen seine Wohnung so ungern verließ. Am liebsten saß er abends zu Hause auf dem Sofa und kraulte seine fette Katze, während der Fernseher lief. Auch an seinen Hüften hatte sich schon Fett angesetzt, aber das war in seinem Alter ja normal.
Die Party, auf der er Gudrun kennen lernte, war so langweilig, wie er es sich vorgestellt hatte. Aber er musste hingehen, es war die Geburtstagsfeier des Chefs. Und siehe da: Peng! Schon gab es wieder eine Frau in seinem Leben. Sie war schon etwas älter und eine Spur fülliger, als er es schätzte, aber sie passte sich seinem Stil an, und bald saßen sie zu dritt auf dem Sofa: Harry, Gudrun und die Katze. Das war die letzte Party, auf die ich gegangen bin, schwor sich Harry, ab jetzt kehrt wieder Gemütlichkeit ein – und da kam auch schon Gudrun und öffnete ihm ein Bier und stellte eine Schüssel Kartoffelchips dazu.
Eines Abends, es lief gerade der Tatort, da sprach der Kommissar zu seiner Frau: »Schätzle, für dich würde ich doch alles tun!«
Gudrun hörte den Satz, nahm sich eine Handvoll Chips und fragte lächelnd: »Und du? Würdest du auch alles für mich tun?« – »Was?« entgegnete Harry überrascht. »Alles für dich tun? Nein, natürlich nicht.«
Gudrun ließ die Hand in der Schüssel mit den Chips ruhen. »Moment mal«, sagte sie und runzelte die Stirn. »Aber du liebst mich doch. – Oder?«
Harry folgte mit den Augen noch ein paar Sekunden der spannenden Szene im Fernsehen, dann wandte er sich Gudrun zu. »Also, wenn du mich so fragst, also ehrlich gesagt: Nein. Lieben tu ich dich nicht.« Er fand es sehr schade, dass sie ihre Frage gerade bei diesem Tatort stellte, in dem sein Lieblingskommissar mitspielte, der aus dem Schwabenland, denn es war ja klar, dass sich nun eine längere Auseinandersetzung dranhängen würde.
Aber Gudrun diskutierte nicht, sondern ging durch die Wohnung und sammelte die paar Besitztümer ein, die sie hierher mitgebracht hatte, darunter auch ihre Zahnbürste. »Ich finde, du hättest es mir nicht unbedingt auf die Art sagen müssen«, erklärte sie ihm an der Tür. Er hob die Achseln an. »Hätte ich denn taktieren sollen?«, fragte er. »In der Liebe? – Da sollte man ja doch die Wahrheit sagen, oder nicht?« Natürlich hatte er nicht vor, sie ernsthaft zu verurteilen – dennoch klang in seiner Stimme ein leiser Tadel mit.

© 2010 by Angelika Jodl. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Lebendig, mit ironischer Distanz und einem Lächeln auf den Lippen
mit leichten Fehlern und  etwas zu lang geraten.

Die Kritik im Einzelnen

Viele Informationen bekommen wir über Fred – aber welche brauchen wir für den Rest der Erzählung? Es ist nicht so, dass das, was erzählt wird, schlecht erzählt wird: Aber es ist zu viel! Ich würde hier nur eine Straffung vorschlagen:
Dass mein Schwiegervater ein kluger Mensch gewesen sei, hat nie jemand von ihm behauptet, am wenigsten seine Familie. Er wäre – obwohl von sanftem Gemüt – leidenschaftlich gern Metzger geworden, aber seine Mutter verbot ihm das einfach. Schließlich arbeitete er als Totengräber der Gemeinde Gräfelfing. Mit dieser Arbeit war er nicht unzufrieden: Seine Kinder spielten unter den Särgen, er hielt Kaninchen am Friedhof, und voller Stolz fuhr er den kleinen Bulldog, den die Gemeinde ihm in späteren Jahren für Hubarbeiten zur Verfügung stellte. Die Freunde seiner erwachsenen Kinder nannten ihn »Fred« wegen seiner Ähnlichkeit mit Fred Feuerstein.
Ein wacher Leser – und davon gehe ich prinzipiell aus – kann hier alle nötigen Informationen über seine Entwicklung erkennen: seine Unselbständigkeit, seine Bescheidenheit, sein Familienstand. Mehr braucht es nicht zum Verständnis des Folgenden. zurück

»Ins Hirn rein« ist doppelt rein, es genügt durchaus, einem nur ins Hirn zu scheißen! zurück

Hier liegt ein Missverständnis vor: Proletarier sind Arbeiter, die sich dadurch auszeichnen, dass sie produktiv arbeiten; was aber hier gezeichnet wird, sind allenfalls Proleten oder ehemalige Arbeiter (Marx nannte sie Lumpenproletariat). Der Begriff waschechte Proletarier muss also weg. zurück
Nun … also: Verlieben tut man & frau sich immer zufällig, das hat etwas mit Chemie zu tun und muss nicht besonders betont werden! zurück

Auch hier würde ich einige Kürzungen vorschlagen, aus den gleichen Gründen wie oben:
Babs‘ Vater soff, die Mutter merkte erst nach zwei Tagen, wenn die Tochter ausgerissen war. Aber mit neunzehn hatte Babs wunderbarerweise dennoch das Abitur geschafft. Sie schrieb sich an der Uni ein, und abends jobbte sie in einer Kneipe. Mit der aufregenden Kluft zwischen ihren großen Brüsten hatte sie sehr reelle Chancen beim Trinkgeld. Sie verliebte sich in einen ernsthaften, intellektuellen jungen Mann, und an seiner Seite geriet sie in Kreise, die derart ernsthaft und intellektuell waren, dass sie Blondie-Babsi nötigten, ihr Leben neu zu ordnen. Sie brach das Studium ab und schrieb sich erneut ein als Lehramtsstudentin für Religion und Sport. Sie schaffte diese Herausforderungen so locker wie die familiäre Tristesse von einst. Sie legte sich eine besondere, Kaugummi kauende Lässigkeit zu, mit der sie die Abende in der Wohngemeinschaft ihres Freundes überstand, wenn dort heiß über politische und wissenschaftliche Fragen diskutiert wurde, und sah immer so aus, als hätte sie sämtliche Trümpfe in der Hinterhand, wäre sich aber zu schade, sie auszuspielen. zurück

Eigentlich reicht das: Das Geschlecht ist genannt; die Adjektive sind offenbar ein wertender Kommentar des Erzählers – aber das ist völlig überflüssig! Beide Adjektive sollten gestrichen werden! zurück

Mir ist unklar, wieso das Pullöverchen den Busen umzitterte: Wo soll denn da Platz zum Zittern gewesen sein bei der Wölbung? Umschmeichelte ließe ich mir gefallen oder umspannte – aber niemals nicht kein Zittern!
Und ganz und gar unklärlich ist mir Babsis Anatomie: Welche Wölbung befindet sich denn weiter oben, ausgehend vom Po, der sich normalerweise hinten befindet? Ein bisher verschwiegener Buckel? Hier fände ich »stolze Brust« nicht schlecht – Babs weiß ja, was sie hat: […]das Pullöverchen aus Angora versuchte vergeblich, die stolze Brust zu fassen. zurück

Der eingeschobene Relativsatz unterbricht zu stark – hier wäre ein Adjektiv besser: […]da er von dem zweiten, sehr konservativen Beamten unterstützt wurde. zurück

Auch hier hätte ich es gerne wieder etwas kürzer – die Gründe sind die gleichen:
Als Harry die Vierzig überschritten hatte, bemerkte er, dass sein Glück bei den Frauen irgendwie unstet wurde. Das verstand er nicht ganz, denn er hielt sich selbst für einen außergewöhnlich gut aussehenden Mann mit einem gewissen Niveau. Trotzdem lebte er nun seit vierzehn Monaten ohne eine Freundin; allerdings saß er abends auch am liebsten zu Hause auf dem Sofa und kraulte seine fette Katze, während der Fernseher lief.
Die Party, auf der er Gudrun kennen lernte, war so langweilig, wie er es sich vorgestellt hatte. Aber es war die Geburtstagsfeier des Chefs. Und siehe da: Schon gab es wieder eine Frau in seinem Leben. Sie war schon etwas älter und eine Spur fülliger, als er es schätzte, aber sie passte sich seinem Stil an. Das war die letzte Party, schwor sich Harry, ab jetzt kehrt wieder Gemütlichkeit ein – und da kam auch schon Gudrun, öffnete ihm ein Bier und stellte eine Schüssel Kartoffelchips dazu.
zurück

Und wieder haben wir ein überflüssiges Adjektiv ertappt: weg mit dem spannend – Harry findet das immer spannend, was er sich anschaut! zurück

Das ist zu umgangssprachlich – ein schlichtes anhängen genügt! zurück

Wohin den sonst hätte sie es mitbringen können? Streichen! zurück

Richard Bach: Der Pilot – Kein Höhenflug wie Jonathan

Richard Bach: Der PilotRichard Bach, das war doch der … ja, genau, der Typ, der das Buch von der Möwe Jonathan geschrieben hat: die Geschichte einer Möwe, die ihre Freiheit und Selbstbestimmung in der Perfektionierung ihrer Flugkünste findet.

Ein Kultbuch, das Millionen verzauberte. Wer den kleinen Prinzen von St. Exupéry im Regal stehen hatte, bei dem fand sich gewiss auch die Möwe Jonathan.

30 Jahre sind seit dem Höhenflug der Möwe vergangen. Der heute 75-jährige Autor wurde in der US-Army als Jetpilot ausgebildet und lebte seine Leidenschaft  als Fluglehrer und Schauflieger. Obwohl er zahlreiche Aufsätze über das Fliegen veröffentlichte, blieb die Möwe Jonathan sein bisher einziges Buch. Nun erscheint »Der Pilot – Die Weisheit wartet über den Wolken« – ein Roman über das  Schicksal und die Macht der Gedanken.

Frankfurter Buchmesse: Wie ein Notenständer für 18 Euro unseren Stand rettete

Frankfurter Buchmesse: Messestand des literaturcafe.deAm Sonntag endete die Frankfurter Buchmesse 2010 – doch auf literaturcafe.de geht sie noch eine ganze Woche weiter. Denn es gibt noch viel zu berichten, beispielsweise von unserer Twitter-Lesung oder der Präsentation des Kalenders mit erotischen Buchhändlerinnen. All das lesen Sie in unseren Buchmesseberichten in dieser Woche.

Ebenso wird es noch eine ganze Woche lang täglich eine Folge des Buchmessepodcast geben, unter anderem mit den Machern von Neobooks, des Eichblogs und mit Sascha Lobo und Roger Willemsen.

Für uns war der eigene Stand am Hot Spot »Literatur & Special Interest« eine feine Sache. Allerdings bahnte sich am ersten Tag der Messe ein Desaster an. Doch ein Notenständer für 18 Euro hat unseren Messeauftritt gerettet.

Stuttgart 21: Gegner werden auch auf der Frankfurter Buchmesse bespitzelt

Normale Fachbesucher der Buchmesse? Nicht ganz.Plötzlich wehte auf der Frankfurter Buchmesse der Atem der Stasi durch die Messehalle 3: Eine kleine Verlagsauslieferung aus dem Stuttgarter Raum hatte am Messefreitag um 17 Uhr 30 zur Happy-Hour eingeladen. Im Vorfeld war bekannt geworden, dass es auch so etwas wie ein inoffizielles Treffen der Parkschützer und S21-Gegner werden würde. Denn warum sollten Verlagsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zur Messe ihr politisches Gewissen abgeben? Immerhin ist freitags Demo-Tag in Stuttgart.

Schon im Laufe des Freitags hatten die Organisatoren Besuch von einigen Herren bekommen, die darauf hinwiesen, dass politische Kundgebungen auf der Messe verboten seien und es ernsthafte Probleme geben könnte, falls die Feier ausarten würde.

Was hat man befürchtet? Ein vielstimmiges »Oben bleiben!« das plötzlich durch die Messehallen schallt? Gewaltbereite Buchhändlerinnen, die mit Papierfliegern auf Polizisten zielen?

Aus iPhone wurde iPad: Die zweite TOC-Verlegerkonferenz in Frankfurt

Beim Google-Vortrag war der Saal voll ...Zum zweiten Mal fand am Vortag der Frankfurter Buchmesse die TOC-Verlegerkonferenz statt. Erneut brachte der O’Reilly-Verlag in Zusammenarbeit mit der Buchmesse den europäischen Ableger der New Yorker Veranstaltung in die Mainmetropole. Was hat sich seitdem an den »Werkzeugen des Wandels« (Tools Of Change) in den Verlagen geändert? Wie sieht die Zukunft der Buchproduktion aus?

Ist die einschneidenste Veränderung nur der Wechsel des Veranstaltungsortes? Statt im Radisson-Blue-Hotel wurde in diesem Jahr im Marriott-Hotel direkt gegenüber der Messe getagt.