Anzeige
Anzeige
Startseite Literarisches Leben Making of: So wurde »Walden« im Wald gelesen

Making of: So wurde »Walden« im Wald gelesen

Walden nicht im Wald, sondern auf der Wiese: Wolfgang Tischer vor der Technik
Walden nicht im Wald, sondern auf der Wiese: Wolfgang Tischer vor der Technik

Nach über 14 Stunden Lesezeit: »Walden« von Henry David Thoreau ist ab sofort als vollständige Lesung auf YouTube anzusehen und anzuhören. Zwei Wochen lang las Wolfgang Tischer den Klassiker der Weltliteratur frühmorgens im Wald. Im zehnten und letzten Teil gibt Tischer einen Einblick in die technische Realisierung der ungewöhnlichen Online-Lesung.

»Ich habe ›Walden‹ unterschätzt. Und seinen Autor Henry David Thoreau überschätzt«, lautete bereits das Urteil des Vorlesers nach der ersten Lesewoche (siehe Bericht hier). Und es hat sich nach der zweiten Woche nicht geändert. Als Bonus wird daher demnächst ein Video mit einem Buchtipp zu Thoreau folgen.

Am 29. Mai 2020 las Wolfgang Tischer den zehnten und letzten Teil von »Walden« ein, das letzte Kapitel mit dem schlichten Titel »Schluss«. Es ist voll von Zitaten, die man immer wieder aus diesem Buch hört, wie z. B.

Hast Du Schlösser in die Luft gebaut, so war diese Arbeit nicht notwendigerweise vergeblich. Gerade dort sollen sie sich befinden! Jetzt gib ihnen ein Fundament.

Sei nicht so sehr darauf bedacht, Dir neue Sachen anzuschaffen, weder Kleider noch Freunde. Wende die alten! Kehre zu ihnen zurück! Die Dinge ändern sich nicht – wir ändern uns.

Mit überflüssigem Reichtum kann man nur Überflüssiges kaufen. Es bedarf nicht des Geldes, wenn man sich Nahrung für die Seele kaufen will.

Doch eine Gans bleibt eine Gans – man mag sie anziehen, wie man will.

Jeder Nagel, den man einschlägt, sollte eine neue Niete in der Maschine des Weltalls sein. Du förderst auf diese Weise ihr Werk. Wahrheit gib mir, nicht Liebe, Geld und Ruhm.

Zwei Wochen lang lesen im Freien und im Wald. Zwei Wochen lang kein Regentropfen. Das war Glück. Dennoch war es nicht unproblematisch, unter der Sonne zu lesen. Zwei Zeitraffervideos am Anfang des zehnten Teils zeigen, wie spektakulär sich das Licht während der Lesungen bewegt hat.

Die Technik für die Online-Lesung

Ebenso gibt Wolfgang Tischer am Anfang des zehnten Teils einen Einblick in die minimal gehaltene Technik für die Aufzeichnung der Lesungen. Immerhin musste ja alles täglich in den Wald getragen werden.

Ein Ringlicht sorgte für konstante Beleuchtung von vorn, auch wenn die Sonne wanderte.
Ein Ringlicht sorgte für konstante Beleuchtung von vorn, auch wenn die Sonne wanderte.

Die Videos wurden mit einem aktuellen iPhone SE aufgenommen, weil es eine leichte Kamera ist, die im Selfie-Modus gute Full-HD-Videos aufnimmt, sodass sich das Bild stets überprüfen lässt. Das Smartphone befand sich in einem Ringlicht, das für eine Ausleuchtung des Gesichtes sorgte, auch wenn die Sonne eher im Rücken stand. Das Ringlicht hat eine USB-Stromversorgung, sodass es mit einem Akku betrieben werden kann. Alles war auf einem dreibeinigem Fotostativ befestigt, das dicht vor dem Vorleser stand.

Zweitperspektive: Eine zusätzliche Kamera zeigte die Umgebung.
Zweitperspektive: Eine zusätzliche Kamera zeigte die Umgebung.

Zusätzlich war auf einem zweiten kompakten Stativ eine ebenfalls kompakte Zweitkamera aufgestellt, eine Nikon Coolpix S6900, um am Anfang des Videos einen »Location-Shot« einzufügen, der zeigt, dass der Vorleser nicht vor einer Fototapete, sondern tatsächlich im Wald saß.

Der Ton wurde nicht direkt mit der Kamera aufgenommen, sondern mit einem Earmic und einem Zoom H1 MP3-Rekorder.

Für den Ton sorgte ein Earmic mit getrenntem MP3-Rekorder. Und nach der Lesung dann endlich mal wieder rasieren!
Für den Ton sorgte ein Earmic mit getrenntem MP3-Rekorder. Und nach der Lesung dann endlich mal wieder rasieren!

Schnitt, Synchronisierung der Video- und Tonaufnahmen und die Nachbearbeitung erfolgten auf einem Mac mit dem Videoschnittprogramm Final Cut Pro X.

Die Videos waren zwischen 5 und 14 Gigabyte groß und erforderten eine entsprechend lange Upload-Zeit. Trotz technischer Probleme bei der ersten Folge, war wie geplant täglich eine neue Folge online.

Dass die Videos zusammen über 15 Stunden lang geworden sind und die Netto-Lesezeit des »Walden« über 14 Stunden beträgt, war erstaunlich. Die Berechnung zuvor ergab rund 11 Stunden. Allerdings verlangte der Text aufgrund seiner Komplexität häufig einen langsameren und akzentuierten Vortrag.

Klicken Sie hier und unterstützen Sie den Vorleser! Wolfgang Tischer freut sich über Ihre Spende für weitere Lesungen.
Hinweis: Die Spende erfolgt via PayPal. Wer keinen PayPal-Account hat und spenden will, kann alternativ die Kontonummer auf dieser Seite hier verwenden.

Zudem zeigte sich, dass die Übersetzung von Wilhelm Nobbe aus dem Jahre 1905 in der digitalen Fassung zwar einige Scanfehler aufweist, doch ist diese Version vollständig und ungekürzt. Andere Übersetzungen des »Walden« sind bisweilen arg verstümmelt.

Zudem ist der Text gemeinfrei, sodass die zehnteilige Lesung für alle länger auf YouTube verfügbar ist. So kann die ungekürzte Lesung auch später noch jederzeit angesehen und angehört werden.

»Walden – Das Leben in den Wäldern« von Henry David Thoreau als zehnteilige Lesung im Wald
Aus dem Amerikanischen von Wilhelm Nobbe, Eugen Diederichs Verlag, Jena 1905
Text kostenlos zum Download auf archive.org in vielen Dateiformaten

Das Video mit Making of »Walden« und dem 10. Leseteil

Hier gelangen Sie zu allen zehn Teilen im literaturcafe.de und als Playlist bei YouTube.

Video Thumbnail

Henry David Thoreau: Walden – Teil 10 von 10 und Making of – Das Lesen in den Wäldern

Nach über 14 Stunden Lesezeit: »Walden« von Henry David Thoreau ist ab sofort als vollständige Lesung auf YouTube anzusehen und anzuhören. Zwei Wochen lang las Wolfgang Tischer den Klassiker der Weltliteratur frühmorgens im Wald. Im zehnten und letzten Teil gibt Tischer einen Einblick in die technis

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein.
Bitte geben Sie Ihren Namen ein