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Leipziger Buchmesse 2021 erneut abgesagt – Verschwinden Bücher aus der Öffentlichkeit?

Leere Gänge der Leipziger Buchmesse. Da die Messe abgesagt wurde, fand die Preisverkündung des Preises der Leipziger Buchmesse im Radio statt.
Auch 2021 bleiben die Messe-Gänge in Leipzig leer

»Wir sehen uns 2021«, war oft zu hören, als die Leipziger Buchmesse 2020 als erste große Veranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt wurde. Nachdem die Messe 2021 in den Mai verlagert werden sollte, wurde sie heute (29.02.2021) offiziell abgesagt. Sehen wir uns 2022? Und sehen wir künftig überhaupt noch Bücher?

Keine Publikumsmassen vor den Bühnen

Mit der im September 2020 angekündigten Verlegung vom traditionellen März-Termin in den Mai 2021 hatte die Leipziger Buchmesse nach dem ruhigeren Pandemie-Sommer gehofft, zusätzlich Außenareale nutzen zu können. Doch mit dem Fortschreiten der Pandemie, dem erneuten Lockdown und dem zögerlichen Impfbeginn ist klar: 2021 wird sich veranstaltungsmäßig gegenüber dem Vorjahr nichts ändern. Sich drängelnde Publikumsmassen vor den Bühnen der Leipziger Buchmesse? Weiterhin komplett undenkbar!

Nachdem schon in den letzten Tagen vereinzelt zu hören war, dass die Leipziger Buchmesse 2021 auf der Kippe stehe, ging am 29.01.2021 um 9:07 Uhr die offizielle Absage an die Aussteller, bevor gut eine Stunde später die allgemeine Pressemeldung folgte, nachdem Branchenmedien die erneute Absage bereits in Eilmeldungen verkündeten.

»Die pandemische Entwicklung und die damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen und Reisebeschränkungen machen eine weitere Planung der Leipziger Buchmesse für Aussteller:innen, Programmteilnehmer:innen und die Leipziger Messe unmöglich«, benennt die Pressemeldung die Gründe. Mit der abgesagten Buchmesse wird es auch die parallel stattfindende Manga-Comic-Con, das Lesefestival »Leipzig liest« und die Leipziger Antiquariatsmesse nicht geben.

Klare Absage

Obwohl im Mai »Live-Lesungen und Verlagspräsentationen im digitalen Raum sowie an ausgewählten Orten in Leipzig« stattfinden sollen, hat man sich kommunikativ eindeutig für eine Absage entschieden. Man geht nicht den Weg der Kolleg:innen in Frankfurt, die die Absage der Frankfurter Buchmesse kommunikativ in eine »virtuelle Messe« umdeuteten, die mäßig funktionierte und kein Ersatz für eine echte Messe vor Ort war.

So schmerzlich die erneute Absage für die Buchbranche ist, so klar und eindeutig ist sie. Eine Hängepartie wie in Frankfurt wollte man sich, den Ausstellern, der Branche und den vielen Besucher:innen nicht antun.

Die Verleihung des »Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung« und der »Preis der Leipziger Buchmesse« sollen dennoch durchgeführt werden, idealerweise vor ausgewähltem Publikum, sofern es die aktuellen Bedingungen zulassen.

Schwindende Sichtbarkeit der Bücher?

»Unser Fokus liegt auf Sichtbarkeit. Wir wollen trotz herausfordernden Bedingungen Literaten und Lesefans zusammenbringen«, wird Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, in der Pressemeldung zitiert.

Jedoch wird die Sichtbarkeit von Büchern und ihrer Autor:innen unter der erneuten Messe-Absage leiden, denn medial sind die beiden Buchmessen immer Aufhänger für eine verstärkte Buchberichterstattung. Viele Titel erscheinen rund um den Messetermin.

Die gesamte Kulturbranche ist mit am härtesten von Corona getroffen, wie es eine Studie von Ernst & Young belegt. Gesamteuropäisch erwirtschaftete die Branche 2019 einen Gesamtumsatz von rund 253 Milliarden Euro, was mehr ist als der der Automobilindustrie mit 107 Milliarden Euro. Doch während die Autobauer staatlich gefördert weiterschrauben, müssen Kultureinrichtungen trotz Hygienekonzepten staatlich verordnet schließen.

Und während sich die Branche und die Büchermenschen immer wieder gegenseitig versichern, wie wichtig Bücher sind, hat in der Woche vor der Messe-Absage der WDR die Einstellung langjähriger Büchersendungsformate verkündet. Ähnlich agierte bereits der NDR im vergangenen Jahr. Von den Verantwortlichen der Sender wird dies stets damit begründet, dass Buchbesprechungen künftig in anderen Sendungen unterkommen und nicht weniger werden. Doch mit dieser Argumentation könnte man auch Buchhandlungen schließen, denn Supermärkte haben schließlich auch ein Bestsellerregal mit Taschenbüchern neben den Zeitschriften stehen, und Drogeriemarkt-Milliardäre schreiben sich ihr Buch für den Filialverkauf notfalls selbst.

Welche Rolle werden Bücher, wird die Literatur nach Corona noch spielen? Wird es 2021 eine Messe in Frankfurt geben? Sehen wird uns 2022 in Leipzig?

Alles offen – auch die Absagen.

Wolfgang Tischer

3 Kommentare

  1. Ich bin mir sicher, dass die interessierte Öffentlichkeit gar nicht weiß, wie viele Bücherformate es im öffentlich-rechtlichen Angebot in Mediatheken usw. überhaupt gibt. Es fehlt eine Übersicht, die Leser*innen auch einmal auf die Literaturangebote wie in Mosaik (WDR) oder bei SRF Literatur, Radio Bremen usw. leitet. Literarisches Quartett und Druckfrisch dürften wohl bekannter sein, aber auch im TV gibt es deutlich mehr Formate und es überrascht mich immer, auf welche unentdeckten Formate ich noch stoße, obwohl ich teils aktiv danach suche. Oftmals höre ich aber erst von einer Sendung, wenn die Einstellung droht. Ich kann mir vorstellen, dass das auch auf andere zutrifft und es nicht so sehr ein Nachfrageproblem ist als ein Vermittlungsproblem.

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