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Beitrag vom 1. September 2008 | Rubrik: E-Books

eBooks: Kommt statt des Kindle nun das Prs?

Noch undeutlich am Horizont: Der Sony PRS-505Bis heute wird von den Medien die Nachricht kolportiert, Amazon würde auf der Buchmesse das eBook-Lesegerät Kindle präsentieren und demnächst auch in Deutschland verfügbar machen – ein Gerücht, das auf einem Artikel in der FAZ beruht, der jedoch nur hinlänglich Bekanntes aufwärmte. Doch die Medienspirale drehte sich schnell und plötzlich lasen einige Journalistenkollegen aus dem FAZ-Artikel sogar einen Termin »bereits vor der Frankfurter Buchmesse« heraus.

In den USA gab es Gerüchte, dass Amazon ohnehin eine neue Version des elektronischen Lesegerätes in diesem Herbst auf den Markt bringen würde; diese haben sich nun zerstreut, denn der New York Times liegt die Aussage eines Amazon-Managers vor, der ein überarbeitetes Gerät noch vor Weihnachten definitiv ausschließt.

Dennoch haben die Meldungen über einen angeblichen Deutschlandstart des Kindle für viel Diskussionsstoff gesorgt. Die Branche macht sich Sorgen um Preisbindung und Kopierschutz der elektronischen Buchausgaben, und die Nutzer diskutieren – wie bereits vor fast 10 Jahren – ob es denn ästhetisch überhaupt vertretbar sei, Romane nicht auf Papier zu lesen.

Einen guten Abriss über die Vielschichtigkeit der aktuellen Diskussion gibt erstaunlicherweise ein weiterer Artikel der FAZ. Hubert Spiegel geht dort einigen Aspekten nach und findet eBook-Fans, von denen man es gar nicht vermutet hätte, z. B. den türkischen Nobelpreisträger Orhan Pamuk, der die Frage stellt: »Was ist schlecht am e-book?«. Doch letztendlich wird auch der FAZ-Artikel am Schluss reichlich pathetisch. Zitat: »Wer heute Amazons Lesegerät zur Hand nimmt, ist in den ersten Stunden und Tagen dieser Erfahrung beeindruckt von den technischen Möglichkeiten dieses Geräts. Tritt er danach wieder an sein Bücherregal, wird ihm die Aura des Buches so zart und verletzlich erscheinen wie der Flügel eines Schmetterlings.« Wir umarmen uns und blicken in den Sonnenuntergang.

Nun meldet sich auch Sony zu Wort und gibt bekannt, dass man auf der Buchmesse das bereits in Asien vertriebene eBook-Lesegerät PRS 505 auch für den deutschen und europäischen Markt präsentieren wird. So hat es zumindest ein Sony-Manager der WELT anvertraut. Zur Messe will man erste »Content-Partnerschaften« verkünden und erzählen, welche Verlage Inhalte für das Gerät bereitstellen werden.

Im Gegensatz zum Kindle, das seine Inhalte nur per Mobilfunk direkt über oder via Amazon in einem eigenen Datenformat eingefüttert bekommt, wird das Sony-Gerät an einen Computer angestöpselt und stellt auch herkömmliche PDF-Dateien dar. Es bleibt abzuwarten, ob Sony das Henne-Ei-Problem (kein Gerät ohne Inhalte und keine Inhalte ohne Gerät) in den Griff bekommt.

Dass der Anschluss an einen PC ein Einfallstor für Hacker darstellt, wusste seinerzeit schon eBook-Pionier Gemstar (Nuvomedia). Der riegelte sein eBook so ab, dass fast niemand »einfach so« Texte dorthin überspielen konnte – und letztendlich wollte sie damit dann auch niemand mehr lesen.

Überhaupt erinnert die ganze Diskussion daran, dass es zwei Jahre lang eine große eBook-Gala und -Preisverleihung zur Buchmesse in der Frankfurter Oper gab – mit Hummer und Fahrzeug-Eskorte, gesponsert u.a. von Gemstar, Bertelsmann und Microsoft. Gemstar hat sein eBook längst wieder eingestellt und Microsoft die Weiterentwicklung seines Readers. Der Kelch ging damals an der Buchbranche vorüber.

Doch der Kelch kreiste nur um den Tisch und wird in diesem Jahr wieder durchgereicht. Daher tut die Buchbranche diesmal gut daran, die Diskussion um die Preisbindung elektronischer Texte aktiv zu führen, bevor hier heimliche Preis-Lücken entstehen, die sich negativ auf die gesamte Branche auswirken könnten.

Übrigens sei nachgetragen:
Geradezu körperliche Schmerzen verursachen in diesem Zusammenhang solch dummbrummende Sätze wie »Bei der nächsten Frankfurter Buchmesse im Oktober ist ein herkömmliches Buch zu lesen absolut ‘out’. ‘In’ sind hingegen sogenannte E-Book-Reader wie das Kindle von Amazon und nun wohl auch ein Gerät aus dem Hause Sony.« Dass man dem Autoren solcher Sätze ein Buch eher um die Ohren schlagen möchte als ein teures elektronisches Gerät, spricht ebenfalls für die gedruckte Form.

4 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. olli schrieb am 2. September 2008 um 12:13 Uhr

    Die einzig wahre Verwendungsmöglichkeit für eBook Lesegeräte sind (personalisierte) Tageszeitungen. Der Inhalt ist zu kurzlebig, als dass sich die böse Cracker und Hacker damit beschäftigen würden. Zeitungen würden sich besser lesen lassen und die Papiereinsparung wäre immens. Bliebe die Frage, was ich unter meine Meerschweinchen packe, wenn ich den Käfig säubere oder was ich unterlege, wenn ich das nächste Mal tapeziere …

  2. dummbrumm schrieb am 3. September 2008 um 11:01 Uhr

    Liebe/r namenlose/r Autor/in. Schön, dass Sie News.Idealo zitieren .. schade, dass Sie trotz ihrer “Erfahrung” im Literaturbereich den feinen Wortwitz dieser Zeilen nicht verstanden haben und offenbar wie so viele schlicht um eine reißerische Darstellungsweise bemüht sind – toll!

  3. Frank Rawel schrieb am 3. September 2008 um 14:19 Uhr

    Sobald Literatur papierlos daherkommt, wird die Nase gerümpft. Die “Welt” titelte vor kurzem sogar “Das Ende des Buches”.
    Ist es aber nicht auch faszinierend, überall Zugriff auf seine Bibliothek zu haben, auf Lexika, Zeitung, Blogs, und das alles dank e-Paper augenschonend lesbar?
    Was ist so schrecklich daran, Bäume stehen zu lassen?

  4. Molly-chills schrieb am 25. Oktober 2008 um 11:56 Uhr

    Ich besitze den Sony PRS 505 seit einem halben Jahr (Import aus den USA) und stelle die wichtigsten Funktionen in einem Video vor: http://de.sevenload.com/videos/ZZiprQj-Vorstellung-des-eBook-Readers-Sony-PRS-505 und einen ausführlichen Testbericht von mir gibt es unter http://mitglieder.dooyoo.de/organizer-pdas/sony-reader-prs-505/1224886/#rev

    Ich liebe meinen Sony PRS 505 über alles und möchte ihn auf keinen Fall missen. Es ist das Beste, was ich mir seit langem gekauft habe und finde es peinlich, wie lange Amazon und Sony brauchen, um Ihre Reader in Deutschland auf den Markt zu bringen. Ich würde gerne nur noch auf dem Reader lesen, aber leider gibt es Bestseller noch nicht digital. Ich hoffe das ändert sich bald. Ich will endlich der Chinese von Mankell lesen, aber ich habe mir geschworen, keine gedruckten Bücher mehr zu kaufen. Es ist schon unglaublich, wie langsam sich der Markt entwickelt. Aber in 2018 sollen mehr digitale als gedruckte Bücher verkauft werden. Ich bin sehr gespannt :0))

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