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Kindle Scribe: Teurer großer schwerer E-Reader mit Schreibfunktion von Amazon [Update]

Schreiben auf dem Lesegerät: Der Kindle Scribe (Foto: Amazon)
Schreiben auf dem Lesegerät: Der Kindle Scribe (Foto: Amazon)

Nach der jüngsten Aufwertung des Kindle-Basismodells, stellt Amazon den Kindle Scribe vor. Mit einem Stift können auf dem E-Reader handschriftliche Notizen und Zeichnungen erfasst werden. Mit großem Display und breitem Griffrand wiegt das Gerät fast ein halbes Kilogramm. Wer braucht so ein teures Gerät für 370 Euro?

Der Kindle Scribe hat ein Display mit 10,2 Zoll Durchmesser. Zum Vergleich: Die Standardgröße von E-Reader war jahrelang 6 Zoll. Zudem bietet der Scribe allen Luxus, den sonst nur der Kindle Paperwhite in der Signature Edition besitzt: Einstellbare Farbtemperatur und automatische Helligkeitsanpassung. Damit man das rund 20×23 Zentimeter große Gerät relativ gut in der Hand halten kann, besitzt es einen breiten Griffrand.

Die größte Neuigkeit ist jedoch die Möglichkeit, mit einem speziellen Plastikstift handschriftliche Notizen und Skizzen zu machen, entweder innerhalb der E-Books, in einer speziellen Notizbuch-App oder in einer PDF-Datei. Der Stift selbst braucht dabei keine eigene Stromversorgung. Mittels Magnet bleibt er am Rand des Gerätes haften. Für 30 Euro mehr gibt es einen Premium-Eingabestift, der am anderen Ende eine Radierfunktion und eine Kurzbefehl-Taste besitzt.

Ansonsten kann man mit dem Gerät auch Texte lesen, wie mit allen anderen Kindle-Geräten.

Mit 433 Gramm ist das Gerät relativ schwer, hinzu kommt der Stift mit rund 15 Gramm. Der größere Akku soll allerdings laut Amazon bis zu 12 Wochen durchhalten, beim Paperwhite werden 10 Wochen angegeben. Der Scribe ist mit 16, 32 oder 64 GByte Speicher erhältlich. Mit mehr Speicher kostet der Scribe dann stolze 450 Euro.

Amazon verspricht auf dem Gerät ein Schreiben wie auf Papier. Von einer automatischen Texterkennung (OCR) ist in der Ankündigung jedoch nichts zu lesen. Auch in Sachen Wasserfestigkeit kein Hinweis.

Fast wie Tablet – nur mit weniger Funktionen

Wer gerne ohne Ablenkungen Textpassagen auf einem auch in der prallen Sonne gut lesbaren E-Ink-Display unterstreicht, mag mit dem Kindle Scribe nun auch auf einem E-Reader auf seine Kosten kommen. Für Lektoren und professionelle Textarbeiter, die ein Gerät mir langer Akkulaufzeit benötigen, könnte das interessant sein. Aber sonst?

Im Grunde genommen ist der Kindle Scribe ein in den Funktionen beschnittenes Tablet mit E-Ink-Display. Man kann damit weder in Farbe noch Druckintensiv zeichnen.

Denn für genau den gleichen Preis von 370 Euro ist auch das Apple iPad zu haben. Das hat ein LED-Farbdisplay, erlaubt mit dem Apple Pencil ein wesentlich präziseres Malen und Zeichnen wie mit Stift oder Pinsel. Es hat zudem eine Kamera und man kann damit so unendlich viel mehr machen. Das Display ist mit 10,2 Zoll ebenfalls identisch groß.

Mit der kostenlosen Kindle-App kann man auch auf dem iPad Amazons E-Books lesen, und Amazon hat angekündigt, dass die App im Frühjahr 2023 auch handschriftliche Notizen unterstützen soll.

Was spricht also neben der längeren Akku-Laufzeit für den Kindle Scribe? Wir konnten bislang keinen Grund erkennen, wozu man das Gerät wirklich benötigt und würden weiterhin den günstigeren Paperwhite mit »normaler« Notizfunktion bevorzugen. Ab Ende November 2022 soll der Kindle Scribe erhältlich sein, vorbestellbar ist er schon jetzt.

Nachtrag: Wirklich noch vor Weihnachten?

Bei der Bestellung am 29.09.2022 gibt Amazon mittlerweile einen recht großen Lieferzeitraum vom 3. bis zum 23. Dezember 2022 an.

Außerdem sei hier noch ein schöner Satz aus einem Kommentar erwähnt: »Man kauft sich so ein Gerät, weil man es sich leisten MÖCHTE und nicht weil man es braucht.« Das galt für E-Reader im Vergleich zu Tablets schon immer. Nutzer von E-Readern schätzen das gestochen scharfe E-Ink-Display, das auch in der hellsten Sonne gut lesbar ist und wenig Akkuleistung benötigt. Ebenso ist für viele das Angenehme an E-Readern, dass man darauf eben nicht von eintreffenden E-Mails, WhatsApp-Nachrichten oder anderen Apps gestört wird. Vor 10 Jahren waren E-Ink-Displays träge und langsam bei der Aktualisierung. Auch das hat sich extrem verbessert, was ein Gerät wie den Scribe überhaupt erst möglich macht.

Nachtrag 2: Ein Test wird es zeigen

Wie viel Mehrwert bringt der teure Kindle Scribe gegenüber dem günstigen Kindle oder Kindle Paperwhite wirklich? Mittlerweile haben wir uns entschlossen, dies mit einem selbst erworbenen Seriengerät zu testen. Aufgrund der aktuellen Lieferfristen wird dies wohl erst zur Jahreswende 2022/23 möglich sein. Unser Newsletter informiert Sie gerne.

Kindle Scribe, der erste Kindle mit Schreibfunktion, mit 10,2-Zoll-Paperwhite-Display mit 300 ppi, mit Standard-Eingabestift | 16 GB. Elektronik. Amazon. ISBN/EAN: 0840080520308. 369,99 €  » Vorbestellen bei amazon.de Anzeige

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9 Kommentare

  1. Wer ein schwarz-weiß E-Ink Display mit einem hinterleuchtetem LCD-Farbdisplay vergleicht, sollte sich und uns vielleicht die Rezension eines solcherart ausgestatteten Geräts ersparen!?
    Man kauft es ja genau deswegen und nicht weil es billiger oder gar vielseitiger als ein Standard-Tablet ist. Deswegen ist auch die Preisbewertung fragwürdig, man kauft sich so ein Gerät, weil man es sich leisten MÖCHTE und nicht weil man es braucht.

    • Lieber Richard,
      vielen Dank. Ihr Kommentar fast sehr gut die Aussage unseres Beitrags zusammen.
      Bitte beachten Sie jedoch, dass der Beitrag keine Rezension ist! Unsere erste Einschätzung beruht allein auf den bislang bekannten Angaben von Amazon. Das Gerät selbst wird erst wie erwähnt ab Ende November verfügbar sein. Ob wir das Gerät dann – wie bislang alle in Deutschland erschienenen Modelle seit 2011 – wieder testen werden, haben wir noch nicht entschieden. Da wir unsere Tests stets mit selbst gekauften Seriengeräten durchführen, zögern wir noch, ob wir den hohen Betrag für den Test eines solchen Nischengerätes ausgeben sollen.

  2. “Wir konnten keine Grund erkennen, wozu man das Gerät wirklich benötigt”. Das kann, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, nur schreiben, wer keine E-Books liest. Der Unterschied zwischen dem Lesen auf dem hier mal wieder bemühten iPad mit superschönen Spiegeleffekten und greller Ausleuchtung (nur am Rande, warum eigentlich kein Samsung oder Amazon Fire?) und dem Lesen auf E-Ink Display ist gigantisch. Insofern ist der Kindle Scribe hochinteressant, wenn man zudem noch die Möglichkeit hat, zu kommentieren oder ein separates Notizbuch zu führen. Wer ohnehin nur im Internets surfen oder streamen will, braucht den natürlich nicht. Genau dafür wurde der Kindle aber NICHT erfunden. Ein bißchen mehr Offenheit für andere Nutzerinteressen und weniger Voreingenommenheit (wie viele negative Adjektive kann man in eine Überschrift packen, bevor es holprig wird? Antwort: Weniger als drei!) würde Ihrem Nicht-Rezension durchaus mehr Professionalität verleihen.

  3. Liebe Manuela,
    das ist ein Missverständnis und im Text jetzt etwas klarer gemacht. Natürlich sind die Vorteile des Lesens auf dem E-Reader bzw. auf einem E-Ink-Display sattsam bekannt, und sie werden seit Jahren in unseren Test gebetsmühlenartig wiederholt. Wer noch nie einen E-Reader in der Hand hatte, hat da in der Tat falsche Vorstellungen. Zum Lesen von E-Books ziehe ich immer ein E-Ink-Gerät einem Tablet vor. Die erste Einschätzung bezieht sich vielmehr auf die Frage, ob der hohe Preis gegenüber dem Kindle oder Paperwhite für eine manuelle Notizfunktion in Schwarzweiß gerechtfertigt ist. Textnotizen beherrschen ja alle Geräte. Ob dem wirklich so ist, werden wir aber demnächst in der Praxis testen.
    Wolfgang Tischer

  4. Dieses Gerät konzentriert sich mehr auf die Bearbeitung, daher die Art seiner Größe und seines Gewichts. Denken wir darüber nach, das Betrachten eines PDFs auf einem aktuellen Kindle ist unangenehm anzusehen, jetzt mit einem größeren Bildschirm wird es ein Erfolg. Es ist leicht, mit aktuellen Geräten zu vergleichen, z. B. einem Tablet mit mehr Funktionen und ähnlichen Preisen, aber wie sieht es mit dem Preis für die Gesundheit unserer Augen aus? Ich möchte Sie einladen, ein 400-seitiges PDF auf iPad und Kindle zu lesen, und Sie werden die Notwendigkeit eines 10-Zoll-E-Ink-Bildschirms verstehen. Nun wäre für den Test interessant, dass Sie mit Geräten gleicher Art vergleichen, vor allem in Größen, Preis und Vertriebsformen und in letzterem. (Ich habe mein Bestes getan, um meinen Kommentar aus dem Spanischen zu übersetzen, Grüße aus Mexiko)

  5. Ich möchte mich der (Vorab-)Beurteilung anschließen, dass nicht klar ist, für wen dieses Gerät gedacht ist.

    Theoretisch ist es ein Gerät für Textarbeiter, aber wenn es um das Lesen und Annotieren von PDFs geht, ist das Display des Kindle Scribe schlichtweg zu klein. Jedenfalls in unseren Breiten, wo A4 das Format der Wahl ist. Eine komplette A4-Seite kann auch auf dem Scribe nicht 1:1 angezeigt werden. Nicht so sehr verkleinert wie auf einem der Kindles mit kleinerem Bildschirm natürlich, aber eben doch.

    Entweder muss man also das PDF verkleinert lesen, was spätestens beim Markieren schwierig wird. Oder man vergrößert die Anzeige und liest es in Ausschnitten. Und das ruckelt wie gehabt auf E-Ink-Displays – so gut sie inzwischen auch geworden sind.

    Alle anderen beworbenen Dateiformate, die kein starres Seitenlayout verwenden, werden dann halt in der vom Benutzer gewählten gut lesbaren Schrift auf die Displaygröße umgebrochen. Wie bei allen kleineren Geräten auch schon.

    Das einzige, was vermutlich mehr Spaß macht auf dem Scribe, ist die Zeitungslektüre. Weil die Überblicksseiten mit ihrer nicht veränderbaren Schrift größer ausfallen. “Vermutlich”, weil Amazon sich um Zeitungen und ihre Leser genau gar nicht kümmert. Die laufen so nebenher, und die Produktseiten wurden seit ewig nicht mehr aktualisiert, nicht einmal der zweite Oasis (der erste mit größerem Display) wird mehr als kompatibles Gerät gelistet.

    Ist er aber, was nicht überrascht, denn der alte Kindle DX ist es auch. Der Scribe dagegen hat ein noch größeres Display als dieser, da weiß man es nicht. Und 300 oder 400 Euro für ein Gerät, nur ein Produkt darauf zu lesen, das Amazon nicht mehr interessiert? Für mich als Zeitung-auf-dem-Kindle-Leser definitiv zu viel.

  6. Die wichtigste Frage sehe ich nicht beantwortet: kann man denn in einem Buch auf dem Kindle direkt im Text handschriftlich ergänzen (so wie ich es in einem echten Buch machen würde) so dass ich sofort meine Anmerkungen sehe (wenn ich vor oder zurückblättere)…oder sind die Notizen „hinterlegt“ und müssen jedesmal mühsam geöffnet werden? So wie es bisher mit Tastatur Anmerkungen funktioniert: Wort markieren, Auswahl öffnen, Notiz eingeben…. Ich vermute zweiteres…denn sonst müsste der Kindle ja das ganze Dokument „neu“ speichern, nicht nur die Notiz…Dann macht der Stift keinen Sinn (für mich)..

  7. Wir haben viele, teilweise sehr alte Bücher, die schon aus olfaktorischen Gründen niemand dauerhaft im Wohnbereich haben will.
    Deshalb haben wir uns extra einen Buchscanner gekauft, um diese Bücher bei schönem Wetter und offenem Fenster zu digitalisieren.
    (Selbstverständlich unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften, die in Bezug auf das Urheberrecht aber nur selten zur Geltung kommen dürften.)
    Da OCR schon wegen der verwendeten Schriften keinen Sinn macht, werden sie als Bilddateien in Archiven (zip = cbz) oder pdf zusammengefasst.
    Und hier spielen nach verschiedenen Versuchen mit iPad & Co. große E-Reader ab 8“, besser 10“ und noch größer ihre augenschonenden Vorteile richtig aus….

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