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Beitrag vom 20. September 2011 | Rubrik: E-Books, Literarisches Leben

Indie-Autoren und E-Book-Selbstverleger: »Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst«

Die vier Indie-Autoren, die an diesem Artikel mitgearbeitet haben (Fotos: privat)Wie man sein eigenes E-Book ganz einfach selbst bei Amazon veröffentlicht, haben wir im literaturcafe.de in unserem E-Book und einem Erfahrungsbericht ausführlich beschrieben.

Doch das Selbstverlegen wird nicht nur von den etablierten Verlagen argwöhnisch beobachtet.

Unabhängige Autoren, die ihre E-Books selbst veröffentlicht haben, müssen gegen viele Vorurteile ankämpfen und Missverständnisse ausräumen.

Für das literaturcafe.de erläutern die vier erfolgreichen Indie-Autorinnen und -Autoren David Gray, Birgit Böckli, Emily Bold und Andreas Stetter die Denkfallen und Stolpersteine beim Selbstverlegen in einem ausführlichen Artikel.

Eine Chance mit Namen »E-Book«

Man hat es seit Jahren prophezeit und entweder als bedrohlichen Buhmann betitelt oder so klein zu reden versucht, dass es fast schon wieder unsichtbar geworden war. Doch nun ist es da und wird den Buchmarkt für immer verändern. Ich rede natürlich vom E-Book und Amazons Start seiner Kindle Offensive vom April dieses Jahres. Von den einen verteufelt, von anderen als Chance begrüßt, steht fest, dass sich seither die deutsche Buchbranche in einigen Aspekten entscheidend verändert hat.

Doch ich bin sicher, keiner von uns Autoren wird nur wegen der gerade begonnenen massenhaften Verbreitung von E-Readern, Tablet-PCs und E-Books um sein Einkommen zu fürchten haben. Genauso wenig wie unsere Brothers and Sisters in Arts aus der Filmbranche Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wegen der massenhaften Verbreitung des Fernsehens ganz plötzlich um ihre Zukunft zu fürchten hatten, nur weil einige Hollywoodbosse das Ende des Kinos gekommen sahen. Das Kino lebt nach wie vor. Und so einige der gerade aktuellen Kinostars haben ihre Karriere in Fernsehserien begonnen und nahtlos auf der großen Leinwand fortgesetzt.

»The only thing we have to fear, is fear itself – Wir haben nichts weiter zu fürchten als die Furcht selbst« dieses Zitat aus der Einstandsrede Franklin Delano Roosevelts, gilt für uns Autoren gerade heute mehr denn je zuvor, denn die E-Book-Revolution eröffnet uns Autoren ein Zeitalter von höherer künstlerischer Freiheit und zuvor nicht gekannten finanziellen Möglichkeiten. Ich will im Folgenden darstellen, wie und weshalb ich zu dieser für viele sicher recht vollmundig scheinenden Prophezeiung komme.

Eine einfache Rechnung

Man weiß, wie viel Tantieme ein Autor derzeit für einen Printvertrag bei einem der großen Verlagshäuser zu erwarten hat: nämlich so etwa 8 bis 15 % Anteil vom Nettopreis jedes verkauften Printbuches. Natürlich sieht er erst dann etwas von diesem Geld, nachdem sich für den Verlag der Vorschuss amortisiert hat, den er dem Autor für dessen Titel ausgezahlt hat. Geht der Titel gut, dann darf der Autor nach etwa einem halben bis dreiviertel Jahr damit rechnen, dass sich der Vorschuss für den Verlag amortisiert hat und er selbst in die »Gewinnzone« einläuft. Berücksichtigt man überdies, dass die meisten Publikumsverlage Tantiemenzahlungen jedoch nur halbjährlich überweisen, so vergeht alles in allem in der Regel deutlich mehr als ein volles Jahr, bevor die ersten Tantiemen für irgendeinen Titel endlich auf dem Privatkonto des jeweiligen Autors verbucht werden.

Amazon.de und Co bieten Autoren jedoch zwischen 30 und 70% des Verkaufsnettopreises ihrer selbstpublizierten E-Book-Titel. Und diese Tantiemen werden nicht nur monatlich abgerechnet, sondern auch jeweils zum Ende des zweiten darauf folgenden Monats ausgezahlt, also nach nur etwa acht Wochen. Auf diesem Wege selbst zu publizieren bietet noch einen weiteren Vorteil: Ist der jeweilige Text einmal fertiggestellt, lektoriert worden, mit einem ansprechenden Cover versehen und auf den jeweiligen E-Book-Vertriebswebseiten hochgeladen worden, verdient dieser Titel bereits von Stund an Geld für den Autor.

Zudem ermöglicht der Weg des »Selfpublishing« den Autoren, ihre bislang ungenutzten »Schätze« aus den berühmt-berüchtigten »Schubladen« zu heben und innerhalb von wenigen Tagen an die Kundschaft – den Leser – zu bringen.

Denn der Leser ist ja der eigentliche Kunde der Autoren, nicht etwa irgendein Verlag, der ja nur Herstellung und Vertrieb, der von Autoren verfassten Texte für sie übernommen und organisiert hat.

Natürlich ist auch im E-Book-Markt längst nicht alles Gold, was glänzt. Ohne Risikobereitschaft und einem gewissen Unternehmergeist vonseiten der Autoren ist auch dort kein Blumentopf zu gewinnen.

Andererseits war es im herkömmlichen Verlagsgeschäft auch ganz und gar nicht garantiert, dass sich ein Titel gut verkaufte, nur weil er in einem der Kataloge der großen Publikumsverlage verzeichnet gewesen war. Auch da wurde vom Autor immer mehr Eigeninitiative erwartet, seine Titel an den Mann oder die Frau zu bringen, sei es durch eigene Pressearbeit oder selbst organisierte Lesungen in Buchgeschäften, die ihn nicht selten von Schleswig Holstein bis zum Starnberger See führten.

Irgendeinen selbst publizierten E-Book-Titel im Internet zu vermarkten, ist zwar auch kein reines Vergnügen, doch wenigstens erspart es dem jeweiligen Autor jene Zeit, die er bislang in Auto, Zug oder Flugzeug verbrachte, um zu den Veranstaltungsorten seiner jeweiligen Lesungen zu gelangen.

Und gerade jetzt decken sich immer mehr Leser in zunehmendem Maße mit Tablet-PCs und E-Readern ein. Selbst auf den billigsten dieser Geräte existiert genug Speicherplatz für Hunderte verschiedener E-Book-Titel.

Wie viele Printbücher wird ein durchschnittlicher Leser wohl im Jahr kaufen?

Glaubt man den Statistiken so etwa zwischen drei und acht, nicht wahr?

Auf einen E-Reader oder Tablet-PC passen aber nun einmal Hunderte verschiedene Titel. Diese Bücher beanspruchen keinen Raum im Bücherregal, sondern passen auf einem E-Reader gespeichert in jede Hand- oder Manteltasche. Dem Besitzer jenes E-Readers genügt ein einziger Knopfdruck, um sehr bequem auf amazon.de oder dem iTunes-Store nach neuem »Lesefutter« zu browsen. Und da das Onlinegeschäft keine Ladenöffnungszeiten kennt, vermag jener Leser 24 Stunden am Tag und 7 Tage pro Woche immer dann, wenn es ihm gerade in seinen Zeitplan passt, seinen Hunger nach neuem Lesestoff zu befriedigen.

Für die Printausgabe eines Belletristiktitels werden im Durchschnitt zwischen 7 und 26 Euro fällig. Amazons Kindle-Programm erlaubt mir jedoch, meine Titel zu einem Preis anzubieten, der noch unter dem eines Glases Bier in irgendeinem Biergarten liegt, und der damit problemlos mit denen der E-Book–Titel der Publikumsverlage zu konkurrieren vermag.

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5 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Caltha schrieb am 20. September 2011 um 20:22 Uhr

    Ich persönlich freue mich sehr über E-Books. Gerade die “Selbstverleger” bieten oft unterhaltsamen Lesestoff, den mir Verlage vorenthalten hätten, da sie das Buch schlichtweg abgelehnen würden. Ich entscheide gerne selber, was ich lesen möchte. Die weiteren Vorteile beim Kauf von E-Books, wie Platzverbrauch, Gewicht in der Handtasche etc. wurden bereits erwähnt.
    Auch kann ich immer mehrere Bücher mit mir führen, was ich überraschend sogar oft nutze, indem ich nach Laune entscheide, was ich jetzt im Moment lesen will.
    Ich kann Herrn Grey also nur zustimmen.
    Grüße
    Caltha

  2. Sven schrieb am 22. September 2011 um 09:30 Uhr

    Gerade auch Nischenthemen bieten sich für ebooks an. Ich drücke allen, die sich auf diese Buchreise begeben, die Daumen und wünsche viel Erfolg.

  3. Frank Rawel schrieb am 26. September 2011 um 00:09 Uhr

    Rollt man durch das amazon-Ranking, staunt man, wie gut manch selbst publiziertes eBook platziert ist. Allerdings sieht dort ein kleiner Erfolg schon wie ein großer aus. Ein einzelnes verkauftes eBook-Exemplar kann den Titel in der Verkaufsstatistik um mehrere zehntausend Plätze höher katapultieren.
    Online habe ich jedenfalls (auf kleiner Flamme freilich) mehr eBooks als Papierbücher verkauft, was mich sehr überrascht und ermutigt hat, zumal ich kaum werbe.
    Aber eBook-Leser können schnell mal eine beachtliche Leseprobe gratis herunterladen und dann mit meist nur einem Klick das ganze Buch bestellen: so niedrig war die Schwelle zum Buchkauf sicher noch nie. Und so gleichberechtigt platziert im Regal fanden sich verlagsunabhängige Autoren auch noch nicht.

  4. Julien Biere schrieb am 11. Dezember 2011 um 22:46 Uhr

    Erstmal den Autoren mein besonderer Dank für für den ausführlichen Beitrag, der mir Mut machte, mich der Option “eBook selbst erstellen/verlegen” zumindest zu öffnen. Dennoch kamen mir bald düstere Ahnungen: Wir alle wissen, wie durch die Digitalisierung der Schallplatte, also das Aufkommen der Audio-CD, die Musikbranche kaputtging, weil CDs gnadenlos kopiert und dann auch noch ins Internet gestellt wurden. Kaum ein Künstler kann noch von Tantiemen von Schallträgern leben. Das Gleich passiert(e) mit Film: DVDs werden einfach kopiert und zum Download ins Netz gestellt. EPUB-Dateien sind noch wesentlich leichter hoch- und runterzuladen aufgrund ihrer geringeren Größe. Kurzum: Sobald das eBook seinen Marktdurchbruch hat (abzulesen an dem Verkauf der Reader), werden Portale erscheinen, auf denen jeder seine einmal gekauften EPUB-dateien hochladen kann zum Download für jedermann. Das Internets, v.a. die Social Networks beschleunigen die Bekanntheit eines Titels. Und in der Folge werden unsere zukünftigen Leser schnell zu einem dieser Tausch- oder Downloadbörsen surfen und schauen, ob der Titel dort schon zu haben ist, kostenlos versteht sich. Ich befürchte, dass nach Musik- und Videodateien in kürzester Zeit auch EPUB-Dateien massenhaft illegal zum Download bereitstehen und die Einkommenshoffnungen zunichte machen werden.
    Zweitens habe ich noch eine technische Frage bzgl. “enriched content”: Auf dem schönsten eBook-Reader von Sony kann ich keine Fotos und Filme sehen. Auf einem iPAD oder Tablet PC ja.
    Danke für eine lebhaftes Feedback (und ggf. Hinweise und Links zum Thema der Raubkopien von e-Büchern)

  5. Annette Scholonek schrieb am 2. Mai 2012 um 10:28 Uhr

    Ich finde es toll, dass mit der Etablierung der Ebooks so allmählich ein gewisser Umschwung in der Literaturbranche stattfindet und dass sich hier im Lit-Cafe mutig die Selbstverleger dazu äußern. Selbstverlegen wird zunehmend etwas normales. BOD hat’s irgendwie nicht so recht geschafft, von gewissen Vorurteilen vorzukommen, aber seit Amazon das Ebook-Programm gestartet hat, scheinen selbstverlegte Bücher durchaus populär zu werden. Auch ich habe mich nun entschlossen, meinen Astarian Roman als Ebook bei Amazon zu veröffentlichen. Und zu noch etwas ist der Ebook-Trend gut: Druckkkostenzuschussverlage verlieren vermutlich noch mehr an Kundschaft : – ) Ich hatte das mal vor einigen Jahren analysiert. Die Existenz von BoD schien in meiner Analyse die stärkste Variable gegen DKZs zu sein (weit vor der Fairlag-Aktion). Bin gespannt, wie sich der E-Book-Markt darauf auswirken wird.

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Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. Emily Bold » Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst verlinkte am 21. September 2011 um 15:25 Uhr

    [...] David hat meinen Kollegen Andreas Stetter, Birgit Böckli und mir im Vorfeld die Möglichkeit gegeben, an diesem Artikel mitzuwirken. Zum Artikel beim Literaturcafe geht es HIER. [...]

  2. Verlagsvertrag, Verlag, Eigenverlag, Selbstzahlerverlag « Literaturgefluester verlinkte am 28. September 2011 um 13:26 Uhr

    [...] Eigenwerbung, viel verkauften oder sogar irgendwann bei Ulstein landeten und die Sache mit den e-Books, die ja jeder selbst bei Amazon einstellen kann, macht das Ganze noch einmal anders. Vorurteile [...]

  3. Blog Buch & Literatur | ZwischenZeilen » Blog Archive » Indie-Autoren und Selbstverleger verlinkte am 28. Dezember 2011 um 14:27 Uhr

    [...] möchtest mehr Informationen zu diesem interessanten Thema? Im Literaturcafé findest Du einen interessanten Artikel. Einfach HIER [...]

  4. Mit eBooks Geld verdienen - Mein Plan | Hangout Lifestyle Design verlinkte am 4. Mai 2012 um 12:13 Uhr

    [...] 8% bis 15%, die man erhält, wenn man einen Verlag die gesamte Arbeit machen lässt (Quelle: Literaturcafé).Und hier liegt auch der Hund begraben: Als so genannter Indie-Autor (Independent Author) muss man [...]

  5. Fundgrube – Was sind Indie-Autoren? | Schreibtraining Fritsch verlinkte am 9. Mai 2013 um 10:38 Uhr

    [...] Artikel über Indie-Autoren, Denkfallen und Stolpersteine des Selbstverlegens [...]

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