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Beitrag vom 9. Juli 2009 | Rubrik: Literarisches Leben, »Bis Klagenfurt anruft«

Bis Klagenfurt anruft. Ein Praxisbericht. Nachtrag.

Ein Ort für Manuskripte?Diesmal ein spätes PS: Literaturagenturen.

Nach 9 Teilen Praxisbericht dachte ich, dass ich als Autorin nun alles hätte, was man braucht. Doch da war tatsächlich noch etwas Nützliches zu finden, und das will ich natürlich niemanden vorenthalten. Und da ja auch heuer Klagenfurt wieder einmal nicht angerufen hat, hatte ich Zeit für andere interessante Dinge des Literatinnenlebens, wie zum Beispiel: die Suche nach einer Literaturagentur.

Wozu braucht man so etwas eigentlich, beziehungsweise was macht eine Literaturagentur überhaupt?

Das sind Fragen, die vor allem Nicht-Literaten oft als Erstes stellen. Um diese beiden Fragen und  wie man es überhaupt anstellt, von einer Agentur an der Hand genommen und durch die verstörende Welt des Literaturbetriebes geführt zu werden, darum geht es in diesem Nachtrag zum Praxisbericht.

Cornelia Travnicek

berichtet im literaturcafe.de seit 2006 von ihrer bisherigen Autorenlaufbahn und davon, wohin es führen kann, wenn man eines Tages beschließt zu schreiben. Interessant für alle, die Ähnliches selbst erlebt haben, noch erleben wollen oder sich vielleicht nach der Lektüre entschließen, es doch besser zu lassen. Seinerzeit schrieb Cornelia unter dem Motto »Bis Klagenfurt anruft« sieben Berichte und einige Bonusfolgen u.a. über Veröffentlichungen, Preise, Lesungen, Literaturforen und die eigene Website.

Cornelia Travnicek: Chucks (Buchcover)Im Frühjahr 2012 erscheint Cornelia Travniceks erster Roman »Chucks« in der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA). Wie ergeht es einem als österreichische Autorin, wenn man zu einem großen deutschen Verlag wechselt? Erfüllt sich ein Autorinnentraum? Ist es der Karrieredurchbruch?

Unter dem Titel »Bis Klagenfurt anruft. Reloaded« setzt Cornelia Travnicek 2012 ihre Berichte im literaturcafe.de fort.

Im Juli 2012 las sie dann tatsächlich in Klagenfurt und gewann den mit 7.000 Euro dotierten Publikumspreis. 2012 ist sie Stadtschreiberin in Kärnten.

Klicken Sie hier, um alle bislang erschienenen Teile zu lesen »

www.corneliatravnicek.com

Cornelia Travnicek: Chucks: Roman. Broschiert. Deutsche Verlags-Anstalt. ISBN/EAN: 9783421045263. EUR 14,99. Ersch.: 2012 (Bestellen bei Amazon.de)

Die Antwort auf die zweite Frage sollte gleichzeitig als Antwort auf die erste Frage ausreichen: Eine gute Literaturagentur hätschelt die Autorinnen und Autoren während ihrer Textarbeit, umsorgt sie in Zeiten der Verzweiflung, tritt ihnen in den Hintern, damit die Manuskripte auch fertig werden, und nimmt ihnen am Ende auch noch die nervenaufreibende Arbeit ab, mit dem eigenen Manuskript von Verlagstürklinke zu Verlagstürklinke zu laufen wie ein zweitklassiger Staubsaugerverkäufer.

Darüber hinaus kümmert sich eine Literaturagentur grundsätzlich um die richtige Platzierung im passenden Verlag und Programm, arbeitet als Vermittler während der Lektorats- und Designphase, und das Wichtigste: Sie verhandelt den Vertrag mit dem Verlag aus. Denn auch eine Literaturagentur möchte Geld verdienen, und bei einer seriösen Agentur ist genau das der Punkt, der für Autorinnen und Autoren von großem Vorteil ist. Da nämlich eine richtige Agentur auf Provisionsbasis arbeitet, liegt es in ihrem eigenen Interesse, dass auch ihre Autoren gut verdienen und geht mit diesem Gedanken im Hinterkopf in die Verlagsvertragsverhandlungen. Denn nur dann, wenn die Autorin Geld bekommt, erhält auch die Agentur einen Anteil.

Außerdem hat eine Agentur eine sehr viel bessere Verhandlungsbasis als eine gestresste und sowieso schon von Selbstzweifeln geplagte Autorin, die einfach nur froh ist, das Manuskript irgendwo gedruckt zu sehen.

Wer jetzt denkt, dass die ganze Sache ziemlich praktisch klingt, möchte natürlich am liebsten eine kurze Mail an die nächstbeste Agenturadresse schreiben:

»Hallo! Ich, Autor im besten Alter und mit herausragenden schriftstellerischen Fähigkeiten, suche nette Agentur für gemeinsame Textproduktion.«

So funktioniert das aber nicht. Abgesehen von der Gefahr, an einen unseriösen Agenten zu geraten, werden gute Literaturagenturen von Manuskripten mindestens genauso überschwemmt wie gute Verlage. Wie bei einem Verlag gilt: Hier geht die Autorin quasi zu einem Vorstellungsgespräch. Einzureichen sind daher ein freundliches Anschreiben, ein Lebenslauf, ein Exposé und ein Manuskript (eventuell auszugsweise).

Mein eigenes eingesandtes Exposé war übrigens grauenhaft, ganz ehrlich. Genommen wurde ich trotzdem. Warum? Weil zum Glück im Internet genügend vorteilhafte Informationen zu finden waren. An diesem Punkt möchte ich noch einmal an die Wichtigkeit einer Autorenhompage erinnern. Und natürlich sollte auch das Manuskript nicht ganz schlecht sein. Vielleicht war es auch der glückliche Umstand, dass meine Agentin das Pferd von hinten aufgezäumt und zuerst das Manuskript angelesen hatte und erst am Ende das schreckliche Expose entdeckte.

Das gute an der Sache: Nette Agentinnen helfen einem zukünftig auch beim Schreiben von Exposés.

2 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. F.A. Hallé schrieb am 17. Juli 2009 um 08:01 Uhr

    Was mich an diesem Beitrag ein wenig befremdet (wenn auch leider nicht mehr überrascht hat), ist die Bemerkung, dass für die erfolgreiche Publikation eine Internet-Recherche nach der Autorin (mit-)entscheidend war. Es überrascht mich nicht, weil ich selber kürzlich in einem Antwortschreiben einer Agentur mit meinem akademischen Titel angesprochen wurde, den ich im Anschreiben nie genannt habe (da irrelevant in diesem Zusammenhang), den man aber rasch dem Internet entnehmen kann. Nun würde mich interessieren: Ist das üblich? Und wenn ja, geschieht das vor oder nach einer eventuellen Lektüre von Manuskript bzw. Exposé? So oder so: Ich halte das für eine ziemlich unerfreuliche Entwicklung; ein Text sollte für sich selbst sprechen können! Internet-Recherchen könnten allerdings erklären, warum in den letzten Jahren so viele auffallend gutaussehende AutorInnen von Verlagen gepusht werden. Ob wohl ein Schielgesicht wie Sartre heute noch einen Verlag finden würde…?

  2. Julius Franzot schrieb am 19. Juli 2009 um 23:22 Uhr

    Es ist mir nicht so unangenehm zu wissen, dass Verlagslektoren googlen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Ich bin eher missmutig, wenn Manuskripte nach wenigen Tagen zurückkommen und mit dem allseits bekannten Standardbrief versehen sind. Manchmal denke ich, man sollte, wenn man keine Spezis beim verlag hat, etwas Eklatantes tun, damit ein klitzekleiner VerlagspraktikantIn, das das Manusktipt begräbt, auf den Autor aufmerksam wird und zumindest den Text an den Fachmann/an die Fachfrau weitergibt.
    Wenn jemand den Römer anzündet und sich zu seiner Tat bekennt, der landet (vielleicht) ins Gefängnis, aber seine Memoiren werden zum Bestseller.
    Stelle man sich Bin Laden vor, der seine Koran-Auslegung nur einem Verlag zur Veröffentlichung anbietet…
    Bin Laden braucht nicht unbedingt echt zu sein, auch Hitlers falsche Tagebücher fanden zuerst ihren Weg ungehindert bis in die promiseiten des Spiegels!

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    […] immer noch, ich nicht mehr. Denn ich bin nicht mehr alleine, jawohl. Warum, dass kann man in diesem Nachtrag zum Praxisbericht auf literaturcafe.de […]