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Tipps: So finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript

Wie finde ich einen Verlag? Schreibzeug gibt Antworten.
Wie finde ich einen Verlag? Schreibzeug gibt Antworten.

Wer schreibt, will seinen Text veröffentlichen. Die Suche nach einem Verlag beginnt – und endet oft erfolglos. Diana Hillebrand und Wolfgang Tischer erklären im Schreibzeug-Podcast den Weg zur Veröffentlichung. Die wichtigsten Tipps zur Verlagssuche haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

Wie finde ich einen Verlag für mein Manuskript? Wie wende ich mich an einen Verlag? Viele Schreibratgeber beschränken sich oftmals auf die Formalien: Ein kurzes Anschreiben, Pitch und Exposé für den Text und eine Leseprobe (immer der Anfang!) sollten eingeschickt werden. So ist es auch auf einigen Verlagswebsites zu lesen.

Pitch und Exposé vorbereiten

Ein Pitch, das sind zwei bis drei Sätze, die neugierig auf den Text machen sollen und die ohne lange Erklärung die Geschichte umreißen und das Besondere aufzeigen, was den Text von anderen Geschichten abhebt. Ein Pitch ist im Präsens geschrieben und sollte die Hauptfigur buchstäblich beim Namen nennen. Ein Exposé ist eine längere Zusammenfassung des kompletten Inhalts (2-3 Normseiten), anhand derer ein Verlag eine klare Einschätzung des Projekts gewinnen sollte. Tabellarisch werden am Anfang häufig Genre, Umfang, Zielgruppe und vergleichbare Werke genannt.

Wer mehr über Pitch und Exposé erfahren will, kann sich Folge 18 des Schreibzeug-Podcasts anhören.

Marktforschung betreiben

Ganz wichtig: Wer sein Manuskript einem Verlag anbieten möchte, sollte deutlich machen, dass er den Markt kennt und sich Gedanken darüber gemacht hat, für welche Leserschaft der Text geeignet ist und was ihn besonders macht. Die Zielgruppe sollte nicht zu klein aber auch nicht zu groß und allgemein (»Leserinnen zwischen 18 und 80 Jahren«) genannt sein. Das Genre sollte eindeutig benannt werden.

Als Autorin oder Autor sollte man zudem wissen, welche Verlage für den Text geeignet sind und diesen nicht wahllos verschicken. Immer wieder wird auch die Redaktion des literaturcafe.de pauschal gefragt: »Können Sie mir einen Verlag empfehlen?« Die Frage zeigt, dass die oder der Fragende völlig naiv ist und selbst nichts Vergleichbares gelesen hat. Umgekehrt sollte es sein: Wer einen Krimi schreibt, sollte viele vergleichbare Krimis gelesen haben und wissen, was das eigene Manuskript besonders macht. Wer vergleichbare Texte und Bücher kennt, der oder die muss auch nicht nach Verlagsnamen fragen: deren Namen sind auf den Umschlägen der vergleichbaren Bücher zu finden.

Schwierig: Die unverlangte Einsendung

Doch selbst wer formell alles richtig macht und dem Verlag signalisiert, dass er oder sie den Markt kennt, wird Absagen bekommen, wenn die Unterlagen an einen Verlag geschickt wurden. Und es kann dauern. Nicht selten Monate.

Auch wenn es viele Autorinnen und Autoren nicht gerne hören: Die Ausbeute der Perlen im Stapel der unverlangten Manuskripte ist in der Praxis nahezu null. Langjährige Verlagslektorinnen erzählen oftmals, dass es vielleicht in ihrem gesamten Berufsleben höchstens einmal eine solche Einsendung geschafft hat. Umgekehrt lieben die Medien die Geschichte, wenn eine Bestsellerautorin erzählt, dass sie zuvor von unzähligen Verlagen abgelehnt wurde.

Effektiver für die Verlage ist es, sich an anderen, Erfolg versprechenderen Orten nach neuen Talenten umzusehen. Mehr dazu gleich.

Was sind Verlage?

Es ist wichtig zu verstehen, was Verlage sind und mit welchem Blick diese auf die Manuskripte schauen. Mit diesem Blick das eigene Manuskript zu betrachten, kann nicht schaden. Verlage sind keine Dienstleister für Autorinnen und Autoren. Ein seriöser Verlag verlangt nie Geld von seinen Autorinnen und Autoren.

Verlage nehmen eine Doppelrolle ein: Zum einen und in erster Linie sind es Wirtschaftsunternehmen. Sie gehen in Vorleistung, glauben daran, mit einem Buch Geld zu verdienen und zahlen im Idealfall einen Vorschuss. Nicht nur die Corona-Zeit lässt Verlage vorsichtiger agieren. Es werden weniger Bücher im Halbjahr produziert. Im Zweifel arbeitet man lieber mit bereits etablierten Verlagsautorinnen oder Prominenten zusammen. Dennoch sind Verlage stets und ständig auf der Suche nach neuen Talenten und dem nächsten Bestseller – oder zumindest auf der Suche nach Manuskripten, deren Veröffentlichung Gewinn bringt.

Auf der anderen Seite sind Verlage auch wichtige Akteure im Kulturleben. Natürlich wollen sie Talente finden und fördern. Doch zumindest längerfristig sollte sich für einen Verlag eine wirtschaftliche Perspektive ergeben. Daher ist es hilfreich – siehe oben – dem Verlag diese Perspektive mit dem eigenen Text aufzuzeigen.

Was sind keine Verlage?

»Ich hatte ja etliche Zusagen von Verlagen, doch leider wollten die alle zu viel Geld.« Nicht selten hören wir solch eine Aussage. Daher sei es an dieser Stelle noch einmal deutlich gesagt: Verlag kommt von Vorlegen! Ein Unternehmen, das sich Verlag nennt, aber Geld von der Autorin oder vom Autor nimmt, ist kein seriöser Verlag. Es ist ein sogenannter Zuschussverlag, der sein Geld mit der Naivität oder Eitelkeit von Autorinnen und Autoren verdienen will. Finger weg davon!

Zuschussverlage sind nicht zu verwechseln mit seriösen Dienstleistern und Dienstleistungen, die man beispielsweise als Self-Publisher zu marktüblichen Preisen dazukaufen kann.

Bessere Wege zum Verlag

Wenn – wie oben beschrieben – der Weg über die unverlangte Manuskripteinsendung wenig Aussicht auf Erfolg hat, wie komme ich dann an einen Verlag? Und wie kommen Verlage an gute neue Autorinnen und Autoren? Die Antwort lautet: Verlage schauen sich dort nach Talenten um, wo die Wahrscheinlichkeit höher ist, auf diese zu stoßen. Der Gewinn von Schreibwettbewerben, ein Stipendium, erste kleine Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Verkaufserfolge als Self-Publisherin, all das lässt Verlage näher hinschauen. Und es sind die Empfehlungen von Literaturagenten oder Autorenkollegen, denen man eher folgt. Oder man studiert das Schreiben an Literaturinstituten wie in Hildesheim oder Leipzig. Man sollte sich kontinuierlich ein Netzwerk aufbauen – auch via Social Media.

Hier mag es Aufschreie geben: »Was? Preise gewinnen? Kleinere Veröffentlichungen? Aber das kann ja Jahre dauern!«

Und wieder lautet die Antwort: »Ja, genau!«

Geduld, Geduld, …

Viele der Autorinnen und Autoren, die heute erfolgreiche Bestseller schreiben, haben sich dies über Jahre aufgebaut. Erfolg kommt nicht über Nacht. Die Anfänge sind mühsam und kleinteilig. Natürlich lieben die Medien die Erfolgsgeschichte des Weltruhms über Nacht. Doch dieser ist – nicht nur im Literaturbetrieb – eher die Ausnahme.

Der Weg zum Verlag kann lange dauern. Zudem sollte man nicht gleich den erstbesten Entwurf an einen Verlag schicken. Auch das ständige und stetige Verbessern seiner Schreibkunst, das Hinterfragen der eigenen Qualität und des Talents sollte Zeit in Anspruch nehmen. Ein schlechter Text hat von Anfang an keine Chance.

Aber wenn es dann so weit ist, wenn Sie Kontakte aufgebaut haben, wenn ein Verlag interessiert an Ihrem Manuskript ist, dann sollten Sie Pitch und Exposé vorbereitet haben.

Nicht nur ein Buch schreiben!

Der Erstling wird selten ein Bestseller. Es ist bereits ein Erfolg, wenn die Verkäufe den Vorschuss einspielen, den Ihnen der Verlag gezahlt hat. Es ist die gute Basis für eine längerfristige Zusammenarbeit. Im besten Falle bauen Verlage eine Karriere mit auf und sind daher an einer längerfristigen Zusammenarbeit interessiert. Daher ist es von Vorteil, wenn man zeigt und signalisiert, dass man nicht nur ein Buch im Leben geschrieben hat oder schreiben will.

Alternative Literaturagentur?

Wer all diese Dinge nicht auf sich nehmen will oder keine Geduld hat, von der oder dem ist oft zu hören: »Ich mache mir das Ganze einfacher! Ich nehme mir eine Literaturagentur. Die übernimmt für mich die Verlagssuche.«

Leider ein naiver Trugschluss. Denn zum einen muss man immer wieder betonen, dass seriöse Literaturagenturen ausschließlich auf Erfolgsbasis arbeiten und kein Geld von ihren Autorinnen und Autoren nehmen und auch keine kostenpflichtige »Prüfpauschale« oder »Vorlektorat« anbieten.

Eine Literaturagentin oder ein Literaturagent wird ebenfalls genau prüfen, wen sie oder er unter Vertrag nimmt. Das machen die Agenturen mindestens so gewissenhaft wie die Verlagslektorate. Mit anderen Worten: All das Gesagte gilt so oder ähnlich auch für Literaturagenturen.

… und nochmals Geduld

Die Verlagssuche ist selten das Eintüten eines Manuskripts in einen Briefumschlag bzw. heutzutage der Klick auf den Senden-Button einer E-Mail mit Anhang. Sie ist ein längerfristiger Prozess. Es ist zeitraubend, es kann frustrierend sein.

Doch wer den Mut nicht verliert, an sich und seinem Text arbeitet und durch erste Erfolge oder Empfehlungen durch andere auffällt, wer dabei immer freundlich, nett, kooperativ und bescheiden bleibt, der oder die kann auf lange Sicht einen Verlag finden.

Weitere Infos im Schreibzeug-Podcast – Folge 20

Weitere Infos zur Verlagssuche, zu Pitch und Exposé, zu Schreibwettbewerben und vielen weiteren Themen rund ums Schreiben können Sie alle 14 Tage immer sonntags im Schreibzeug-Podcast von Diana Hillebrand und Wolfgang Tischer hören. Abonnieren Sie den Podcast bei Spotify und allen gängigen Podcast-Portalen.

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9 Kommentare

  1. Danke für den (ernüchternden) Artikel!

    Es ist also wie aktuell beim Musikbusiness, wo man unbedingt einen Namen, Referenzen und besonders viele „Follower/Fans“ braucht, damit sich das Label überhaupt mit einem beschäftigt.

    Ist eigentlich schade, weil früher waren Verlage/Plattenfirmen für das Marketing zuständig.

    Da kann man zwar eine „Perle“ als Erstlingswerk schreiben, aber niemand wird sich dafür interessieren bzw. ein großartiger Hype entstehen.

    Ich habe sowas wie „Der Vollidiot“ in der Pipeline, aber werde wohl lieber resignieren…

  2. 2014 habe ich an einem Gedichtwettbewerb des August Brentano Verlages
    teilgenommen und es wurde eins meiner Gedichte im Jahrbuch der Frankfurter Bibliothek im Brentano Gesellschaft veröffentlicht.
    Danach wurde ich aufgefordert weitere Texte einzureichen. Leider beinhaltete ein anschließender Vertrag sehr hohe Vorauszahlungen , die nach meiner Meinung bei lyrischen Texten mit erhellenden Geschichten keine so große Leserschaft anspricht..
    In ihren Angaben heißt es, Verlage, die
    Vorkasse verlangen sind keine gute Verlage.
    Wie wäre ich beraten.
    Denn auch im Gedichtwettbewerb 2021/22 wurde ein weiteres Gedicht in diesem Jahresband veröffentlicht.

    Gibt es eine Info für mich.

    • Liebe Frau Dolezal,
      alle Infos finden Sie im Artikel. Lesen Sie ihn nochmals aufmerksam durch. Dort steht nicht, dass Verlage, die Vorkasse verlangen, keine guten Verlage sind. Richtig ist vielmehr, dass diese im Grunde genommen gar keine Verlage sind. Wenn Sie hier klicken, können Sie auch die Herkunft des Begriffs „Verlag“ und „verlegen“ nachlesen. Ganz allgemein gesagt sind dies Unternehmen, die mit der Bezeichnung „Verlag“ die Naivität und Eitelkeit von Autoren ausnutzen. Ebenfalls geht es dabei nicht um „Vorauskasse“, sondern um die Umkehr des Verlagsprinzips. Immer wieder empfehlen wir auch bei Anthologien und Wettbewerben ganz genau hinzuschauen, wer diese aus welchen Anlass herausgibt bzw. veranstaltet. Nicht selten dienen Anthologien und Wettbewerbe als „Fliegenfänger“ für unerfahrene Autorinnen und Autoren, um ihnen Honig ums Maul zu schmieren und Geld aus der Tasche zu ziehen. Im Übrigen gilt diese Warnung auch, wenn indirekt Geld verlangt wird, indem man z. B. verpflichtet wird, selbst eine gewisse Anzahl von Exemplaren abzukaufen. Unsere Meinung und unser Rat sind eindeutig und im Artikel nachzulesen. Die Tätigkeiten dieser „Verlage“ sind in der Regel juristisch nicht greifbar. Es handelt sich nicht um Betrug. Wenn jemand für diese Versprechen Geld zahlen will, dann kann er daran nicht gehindert werden. Trotz unserer seit Jahren immer wieder ausgesprochenen Warnung, ist das „Ja, aber …“ groß, wenn es scheinbar die einzige Hoffnung auf eine Veröffentlichung ist. Leider erleben wir regelmäßig auch das Leid, die Fassungslosigkeit und manchmal Wut derer, die in ihrer Naivität gezahlt haben und dann merken, dass Versprechen nichts Wert sind. (WT)

  3. Ich zitiere mal aus einem Wikipedia-Artikel: „Kritik und Gerichtsurteile
    Kritiker warfen dem BDS Verbindungen zur umstrittenen Frankfurter Verlagsgruppe vor, zu der u. a. die Pseudoverlage August Goethe Verlag, Cornelia Goethe Verlag und Fouqué Verlag gehören.[8] Das wurde später sowohl vom BDS als auch von der Frankfurter Verlagsgruppe bestätigt und steht auch gerichtlich fest.[9] Das Oberlandesgericht Köln stellte fest: „Die vorgebrachten Umstände weisen klar auf eine solche Zugehörigkeit des BDS hin.“ Denn: „Hierfür kommt es nicht auf im unternehmenstechnischen Sinne bestehende Verbindungen – etwa eine gesellschaftsrechtliche Konzernverflechtung – an, sondern … darauf, ob der BDS seiner personellen Struktur oder seinem Unternehmenszweck nach in enger Verbindung mit der klägerischen Verlagsgruppe steht.“[10] Eine Klage der Frankfurter Verlagsgruppe gegen einen Artikel des Autorenhaus Verlags, der Verflechtungen der Verlagsgruppe unter anderem mit dem Bund Deutscher Schriftsteller, der World Writers Association (WWA) und der Brentano-Gesellschaft Frankfurt mbH nahelegte, blieb ebenfalls erfolglos.[11]“
    Wenn Du nach dem Urteil LG Köln, Urteil vom 14.05.2008, Az.: 28 O 344/07 suchst, findest Du einiges über die Verflechtungen dieser Abzocker-„Verlage“.

  4. Ich habe auch die Erfahrung gemacht mit dem Frankfurter Verlag, dass meine Geschcihten nur etwas wert wren, wenn ihcfür die Veröffentlichung auch bezahlt habe. Umgekehrt bestand kein Interesse, wenn ich auch mal etwas verkaufen wollte. Der Kontakt mit dem Frankfurter Verlag liegt auf Eis. Ich denke, self-publishing ist der bessere Weg. Ich versuche es mal auf diesem Weg.

  5. Leider habe auch ich bei einem Verlag ( Novum-Verlag ) mein Buch „Wohin gehst du Adam?“
    drucken lassen und habe sehr viel Geld dafür bezahlt und man hat mir großartige Werbung zugesichert. Die Werbung bezog sich nicht auf mein Buch sondern nur auf den Verlag und auch dafür sollte extra bezahlt werden. Geld vom Verkauf meines Buches werden wahrscheinlich erst meine Enkelkinder bekommen, wenn 500 Stück verkauft wurden.
    Rundum also negative Erfahrung, die mich bei meinem zweiten Buch zur Vorsicht mahnt.

    • Da nicht alle in den Podcast reinhören und nicht immer alle Dinge lesen, sei an dieser Stelle nochmals deutlich gesagt, dass das literaturcafe.de mit Nachdruck von Unternehmen abrät, die sich Verlag nennen, aber von den Autorinnen und Autoren Geld verlangen. Verlag kommt von vorlegen, und ein echter Verlag glaubt an Ihren Text und trägt das unternehmerische Risiko der Veröffentlichung. In keinem Fall und ohne Ausnahme – egal wie glaubhaft diese begründet sein mag – sollte die Autorin oder der Autor etwas für die Veröffentlichung zahlen.

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