Trolle findet man nicht nur in literarischen Internetforen, sondern auch unter den Rezensenten bei Amazon. Volker König beschreibt sie in Telepolis.
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Trolle findet man nicht nur in literarischen Internetforen, sondern auch unter den Rezensenten bei Amazon. Volker König beschreibt sie in Telepolis.
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Die FAZ berichtet über das Festspiel der Deutschen Sprache, das die Kammersängerin Edda Moser auf der Rudolstädter Heidecksburg initiiert und organisiert hatte.
Drinnen, im Foyer, wo schon Sekt getrunken wird, sieht es anders aus. Greifen wir uns einen Kurzdialog heraus. Frau: Was strahlen Sie denn so? Mann: Ich freue mich immer, wenn ich eine schöne Frau sehe. Frau: Danke des Lobes. Danke des Lobes! Wenn das Schule macht, dann gute Nacht, Ihr Sprachpfleger. Wenn man so etwas hört, ist man geneigt, Verständnis zu haben für den ruppigen Ton, der sich unter Sprachfreunden zuweilen einschleicht. Alles, was nicht dem eigenen Stilempfinden entspricht, aber doch auch aus dem Mund von Mitmenschen kommt, wird als Sprachmüll bezeichnet. Man muß ja nicht so weit gehen wie Jack Nicholsen in dem Film Besser geht’s nicht: Wer in Metaphern spricht, kann mir mal den Schritt shampoonieren.
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Zumindest in seinen „Erinnerungen“. Die Süddeutsche beschreibt in einem längeren Artikel, wie die medialen Deals um ein solches Werk ablaufen.
Die neue Hamburger Kumpanei bestand bis Freitagmorgen aus Bild und Spiegel und der ARD. Schröders Erinnerungen werden am kommenden Montag zunächst sowohl von Bild als auch vom Spiegel veröffentlicht – auf dem Boulevard wird es ein Fünfteiler, im Magazin eine Titelgeschichte samt Interview.
Bisher wurde eine ähnliche Kumpanei nur beim Vorabdruck von Bill Clintons Memoiren praktiziert. Damit bloß keine Sonntagszeitung von Schröders süßem Honig der Erinnerungen vorab naschen sollte, war sogar geplant, das Nachrichtenmagazin an die treue Schar der Auserwählten, die das Blatt sonst stets am Samstag vor Erscheinen bekommt, erst am Montag auszuliefern.
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Am 16. November ist es wieder so weit um im Süden Deutschlands beginnen wieder die beiden regionalen „Buchmessen“. In München startet die Bücherschau und in Stuttgart finden die Buchwochen statt.
Wie immer präsentiert man sich in München nicht nur mit dem zugehörigen Internetauftritt etwas frischer und zeitgemäßer. Dort ist zudem die literarische Promidichte sehr hoch: Frank Schätzing, Senta Berger, Ilija Trojanow, Zeruya Shalev, Maria Schrader, Florian Illies, Jakob Arjouni, Willy Astor, Hâkan Nesser, Peter James und Heike Makatsch sind u.a. auf der Bücherschau anzutreffen. Der Bayerische Rundfunk veranstaltet zudem so eine Art regionales Blaues Sofa, dass sie Bayern2Radio-Diwan nennen.
Um es wohlwollend auszudrücken: In Stuttgart nimmt man das regionale Konzept durchaus noch ernster. „Heile Dich selbst mit Bachblüten“ und „Stuttgarts beste Weine“ heißen dort die Veranstaltungen. Und – ganz im Stil von Sabine Christiansen – stellt man dort so provokativer Fragen wie „Wer braucht schon Bilderbücher?“.
Doch nein, diese lästerlichen Worte stellen die Stuttgarter Buchwochen falsch dar, denn der Besuch der Buchwochen lohnt sich! Und auch der dort vergebene „Deutsche Fotobuchpreis“ hat mittlerweile einen sehr guten Ruf. Und immerhin kommt auch Krimi-Autorenstar Hâkan Nesser nach Stuttgart.
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„Als ich ein junger Mann war, bin ich aufgewachsen in einer Welt, in der Kultur etwas Weltliches war. Religion war damals uncool, ein Revival der Religion als wichtige Kraft in der Weltpolitik schien undenkbar.“ Jedoch: „Während wir cool waren und inhalierten, haben die Uncoolen die Welt übernommen. Das ist jetzt das Problem, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen.“
Salman Rushdie am 18.10.2006 in Wien
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Mit einer kreativen Aktion bei eBay protestieren die Jusos Baden-Württemberg gegen den geplanten Handschriftenverkauf der Baden-Württembergischen Landesregierung. Zitat aus der Artikelbeschreibung:
Da uns die eBay AG darauf aufmerksam gemacht hat, dass es nicht erlaubt ist, die baden-württembergische Landesregierung zu versteigern, haben wir uns eine Alternative überlegt, wie wir Jusos Baden-Württemberg uns dennoch für den Erhalt badischer Kulturgüter, wie alter Handschriften und Bücher einsetzen können.
Wir Jusos sind gerne bereit, hierzu unser Scherflein beizutragen und im Rahmen der Diskussion um die Finanzierung des Erhalts der Kulturgüter das von Ministerpräsident Günther Oettinger in der letzten Woche ins Spiel gebrachte Drei-Säulen-Modell um eine weitere vierte Säule zu erweitern. Um nicht wie vom Land geplant das Budget der Landesstiftung zu verschleudern, bieten wir in dieser Versteigerung folgende „alte Handschrift“ und folgendes „altes Buch“ an:
Original-Autogrammkarte von Günther Oettinger
sowie
das im Jahr 1994 von Günther Oettinger verfasste Buch Gräben und Brücken. Standortbestimmungen in der deutschen Politik
Bitte beachten: Bei den beiden Gegenständen handelt es sich um Raritäten, die nach der Abwahl der Landesregierung 2011 Seltenheitswert erhalten. Wir bitten daher darum, dass diese Raritäten nicht ins Ausland gebracht werden, dort in Tresoren verschwinden und damit der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind.
Viel Spaß beim Bieten!
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Wörter und Literatur sind nämlich wie Ameisen oder Wasser: Sie dringen überallhin, auch noch in die kleinsten Ritzen und Schlupflöcher.
Orhan Pamuk, Literaturnobelpreisträger 2006
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Heute Abend (13.10.2006) im ZDF um 22.35 Uhr wird der Film „Ich, Reich-Ranicki“ gezeigt. SPIEGEL Online nennt es „das eindringliche Porträt eines Mannes, der das Warschauer Ghetto überlebte und später zum einflussreichsten Literaturkritiker Deutschlands wurde„, während es die Berliner Zeitung für ein „ziemlich dummes Porträt“ hält.
Keines seiner – sagen wir mal – Opfer kommt zu Wort, keiner seiner Kritiker. Stattdessen sprechen Frank Schirrmacher und Hellmuth Karasek mit so viel Kreide im Mund über den quicklebendigen Reich-Ranicki, als stünden sie an dessen Grabe. …. Die Autoren interessieren sich weder für Literatur, noch für Reich-Ranicki. Sie treibt nichts an. Sie wollen nichts herausfinden. Sie sind desinteressiert.
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Es ist schon absurd: da geben manche Firmen zehntausende von Euros aus, nur um optimal bei Google und anderen Suchmaschinen platziert zu sein.
Und dann gibt es da die Zeitungsverlage, die irgendwie das Internet nicht kapiert haben, und alles daran setzen, nicht bei Google gelistet zu werden. Sie mögen es nicht, dass Google in seinem News-Bereich Ausschnitte aus den Nachrichten präsentiert und dann zur Vollversion auf die Zeitungen weiterverlinkt.
Kein Wunder also, wenn Zeitungen das Internet als große Bedrohung sehen, wenn sie dieses nicht verstehen. Wozu erstellen Sie Online-Ausgaben, wenn niemand sie finden soll?
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Zu einem interessanten Prozess kommt es am Donnerstag, 12. Oktober 2006. Die FAZ und die Süddeutsche Zeitung klagen gegen das Internet-Literaturportal perlentaucher.de. Perlentaucher kommentiert u.a. in der täglichen Presseschau die Literaturkritiken der beiden Blätter und gibt deren Tendenz und Inhalte in eigenen Worten wieder. Die Frage, die nun verhandelt wird: darf Perlentaucher diese „Inhaltsangaben“ der Kritiken an Dritte weiterverkaufen? FAZ und SZ sind der Meinung, dass nicht und argumentieren mit dem Urheberrecht. Mehr dazu ist in der Welt nachzulesen. Beim Perlentaucher heißt es ironisch: FAZ und SZ haben ihre Kräfte gebündelt, um sich gegen die Übermacht des Perlentauchers zur Wehr zu setzen.
Nachtrag: Das Urteil wird am 23. November erwartet.
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Alle, die sich über Elke Heidenreichs Buchempfehlungssendung "lesen!" aufregen, sollten sich erst mal Wickerts Bücher anschauen, und sie werden Frau Heidenreich plötzlich zu schätzen wissen.
Das war sie also, die erste Ausgabe von Wickerts Bücher (04.10.2006/22:45 Uhr). Die allerallererste Ausgabe (sozusagen die Beta-Version), in der man rasch die mediale Aufmerksamkeit einer SS-Mitgliedschaft nutzte und die beiden alten Herren Grass und Wickert in unvorteilhaften Würfel-Sesseln platzierte und die die Dramatik eines Verhörs bei Derrick hatte ("Warum?" – Lange Pause), wollen wir hier besser unerwähnt lassen.
Nun gut, seit der gestrigen Sendung von Wickerts Bücher wissen wir zumindest, was uns in Angst und Schrecken versetzen kann: der Blick der diesjährigen Buchpreis-Gewinnerin Katharina Hacker. Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf und blicken in diese weit aufgerissenen Augen. Ein Grauen.
Ansonsten hangelte sich Wickert mit erzwungenen Überleitungen von einem Gast zum anderen, ohne auch nur halbwegs den Eindruck zu vermitteln, lesen könnte auch so etwas wie Spaß machen.
Und eine lobende Heidenreich ist uns 1.000 Mal lieber, als ein Wickert, der das neue Buch "Das Wetter vor 15 Jahren" von Wolf Haas irgendwie nicht so gut fand, weil er das irgendwie nicht so ganz kapiert hat. Diese völlig unbegründete Gefühlsaussage von der Qualität einer VHS-Autorengruppe blieb leider unkommentiert stehen, weil offensichtlich keiner der übrigen Gäste das Buch gelesen hatte, um hier vehement zu widersprechen. Stattdessen blickten sie peinlich berührt wie die Schüler um sich, in der Hoffnung, dass der Lehrer nicht merkt, dass man die Hausaufgaben nicht gemacht hat.
Wunderbar von Wickert war es auch, eine dicke französische Schwarte in die Kamera zu halten, mit der Bemerkung (oder so ungefähr): "Dieses ungeheuer wichtige Buch können Sie leider erst im kommenden Jahr auf Deutsch lesen." Da schwang natürlich die Aussage mit: "Aber ich supergeiler Typ kann natürlich Französisch und habe auch unheimlich viele rote Lesemarkierungen da reingeklebt, dass das auch im Fernsehen bildlich gut rüberkommt, dass ich das Buch schon im Original gelesen habe."
Frau Heidenreich begeistert sich für "ihre" Bücher. Das mag zwar einigen auf den Keks gehen, aber sie vermittelt dennoch den Eindruck, dass Lesen eine tolle Sache ist. Die Begeisterung des Herrn Wickert ähnelt eher der eines Verwaltungsangestellten, der morgen in Rente geht und den daher das Ganze eigentlich gar nicht mehr so richtig interessiert. So pries Wickert dann noch ein paar Bücher an und zwar – äh – naja, schon wieder vergessen – oder waren wir schon eingeschlafen? Auch egal.
Aus einer Pressemitteilung des Verbands deutscher Schriftsteller (VS):
Berlin/Karlsruhe: Der VS Bundesvorstand bittet alle Besucher der Frankfurter Buchmesse, mit ihrer Unterschrift gegen den Verkauf der wertvollen Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe durch die Landesregierung Baden-Württemberg zu kämpfen.
Der Bundesvorsitzende des VS, Imre Török, unterstützt die internationalen Proteste gegen die barbarische Verschleuderung unseres nationalen und europäischen Kulturerbes. Er appelliert insbesondere an die Besucher der Frankfurter Buchmesse, mit ihrer Unterschrift den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Günther Oettinger zum Einlenken zu bewegen und die frühen Zeugnisse der europäischen Dichter, Denker und Chronisten zu retten.
Unterschriftenlisten sind am Stand des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) auf der Buchmesse in Frankfurt/M. (Stand 3.1 H101) sowie auf dem der Bundessparte Übersetzer des VS (VdÜ – Stand 5.0 E955) ausgelegt
Die Unterschriftenliste und die Presseinformation im Wortlaut können vorab auf der verdi-Websites heruntergeladen werden. So kann man Freunde und Bekannte unterschreiben lassen und die Liste zur Buchmesse mitnehmen und an den oben genannten Ständen abgeben.
Wow! So genau haben wir dem werden eines Bestsellers noch nie zugeschaut: Als kurz nach 19 Uhr verkündet wurde, dass Katharina Hackers Roman Die Habenichtse den Deutschen Buchpreis 2006 gewinnt, hatte das Werk bei Amazon noch Verkaufsrang 27.463 bei den Bücher inne. Und das, obwohl das Buch bereits auf der Shortlist stand. Und 2 1/2 Stunden später, um 21:40 Uhr, ist es bereits auf Rang 9 zu finden.
Der Autor hat aus seinem neuen Buch gelesen, das, deutlich erkennbar, autobiographische Züge trägt. Nach Ende der Lesung meldet sich ein Zuhörer und fragt, wie hoch der autobiographische Anteil des Buches sei. 25 Prozent, antwortet der Autor. Erleichterung malt sich auf den Zügen des Fragenden. Ja, dann hat er ja schon ein Viertel des Stoffs für sein eigenes Buch beisammen!
Henning Ritter in dem FAZ-Artikel „Der Wunsch, Autor zu sein“
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„Katharina Hackers Roman Die Habenichtse erzählt die Geschichte von Haben und Sein neu. Ihre Protagonisten sind in den Dreißigern, wissen alles und kennen doch eines nicht: sich selbst. Sie lassen sich treiben und sind gleichermaßen Getriebene. In einer flirrenden, atmosphärisch dichten Sprache führt Katharina Hacker ihre Helden durch Geschichtsräume und in Problemfelder der unmittelbarsten Gegenwart, ihre Fragen sind unsere Fra-gen: Wie willst du leben? Was sind deine Werte? Wie sollst und wie kannst du handeln? Die Qualität des Romans besteht darin, diese Fragen in Geschichten aufzulösen, die sich mit den plakativen Antworten von Politik und Medien nicht zufriedengeben, so die Begründung der sieben Jury-Mitglieder.
Und wir blicken wieder mal auf den Amazon Verkaufsrang:
02.10.2006/19:05 : Platz 27.463 in Bücher
02.10.2006/21:40 : Platz 9 (!!) in Bücher