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Buchtipp: Erinnerungen an den Packraum 2003-2007

Das Beste aus dem Packraum 2003-2007»Der Packraum« wurde 2007 geschlossen. Leider. Es war ein Weblog mit »Notizen aus den Niederungen des Buchhandels«, das es auch nicht ansatzweise ein zweites Mal gab und gibt.

Eine bis heute anonym geblieben Sortimentsbuchhändlerin, die sich selbst »Die Packerin« nennt, schrieb mit wunderbar respektloser Ironie über sonderbare Buchtitel, Klappentexte, Verlage, Kunden und über den Alltag einer Buchhändlerin schlechthin, die überwiegend Bücher auspackt oder an die Verlage zurückschickt und sich dabei so ihre Gedanken macht.

Jetzt gibt es die Texte aus den Jahren 2003 bis 2007 in Buchform. Wer im Buchhandel arbeitet, der muss dieses schmale Bändchen einfach haben. Enthalten sind darin die undatierten Blogeinträge. Es gibt kein Vor- und kein Nachwort, das Cover ist grau und unscheinbar gestaltet. Dafür amüsiert man sich beim Lesen umso mehr.

Folge 28: Pfarrer Menzel röchelt

Kurz vor einem Ausspuck pflegt Pfarrer Menzel noch geschwind und beeindruckend zu röcheln. Der Erfolg giebt ihm recht.

Folge 27: Pfarrer Menzel ist betroffen

Bei dem von ihm selbst wie schon seit Gemeindegedenken vortrefflich organisierten Martinsumzug überwältigte im vergangenen Jahr Pfarrer Menzel eine tiefe Betroffenheit. Der neue Darsteller (der alte war erstaunlicherweise im Zusammenhang mit einer seelsorgerischen Betreuung verblichen) spielte derart überzeugend, dass Pfarrer Menzel ernsthafte Anstalten unternahm, spontan sein zu diesem Anlass fabrikfrisch gekauftes Ornat zu zerrupfen. Rechtzeitig jedoch noch fiel ihm der beklagenswerte Zustand seiner Unterwäsche ein, und er nahm Abstand. Gegen die nachfolgende intensive Beschämung wusste Pfarrer Menzel kein Mittel.

Maltes Meinung: Eine mit schrägen Bildern verbrämte Schuldzuweisung

Maltes Meinung»Gibt es nicht würdigere Gegner für Herrn Bremer?«, wurden wir unlängst gefragt, nachdem unser Textkritiker für ein Gedicht wieder mal 0 Brillen vergeben hatte. Und weiter: »Müssen die literaturcafe.de-Leser denn überhaupt die Besprechung eines Textes lesen, der so schwach ist, dass sich meines Erachtens jede weitere Behandlung desselben von selbst verbietet?«

Offenbar ja, denn abschreckende Wirkung haben diese Besprechungen scheinbar nicht – zumindest nicht bei den Autorinnen und Autoren. Natürlich geht es in der Textkritik nicht darum, schlechte Texte vorzuführen. Tatsache ist jedoch, dass die meisten der an Malte geschickten Texte schlecht sind.

Auch das heute besprochene Gedicht ist exemplarisch für so viele Gedichte, in denen aus einem Reflex heraus eine gescheiterte Beziehung aufgearbeitet wird. Gedichte mit therapeutischer Wirkung, bei denen jedoch die lyrische Qualität auf der Strecke bleibt. Gedichte, die wahrlich besser im Poesiealbum als im Mail-Postfach von Malte Bremer aufgehoben wären.

Also: Wo sind die würdigen Gegner für Malte Bremer? Das Einsendeformular für gute Texte ist hier zu finden.

Zur aktuellen Textkritik »

Folge 26: Pfarrer Menzel klagt

Einmal hub an aus Pfarrer Menzel recht erzürnt ein bejammernswertes Klagen. Das war, als ihm um zweiten Male nacheinander die Sauce Gribiche zusammenklumpte. Nicht aber etwa Unfähigkeit ist Ursache gewesen, sondern telefonisch-seelsorgerische Betreuung. Dass beide Betreute dennoch oder deshalb kurz darauf freiwillig aus dem Leben schieden, füllte Pfarrer Menzel mit schlechtem Gewissen und leiser Genugtuung.

Abzockversuch: Erneute Warnung vor Gedichte-Websites

Betrügerisch: Die Website gedichteonkel.comAus aktuellem Anlass muss erneut vor Websites mit angeblich kostenlosen Gedichten gewarnt werden. Besonders auffällig und verdächtig sind perfiderweise Websites, die bereits auf der Startseite betonen, dass die Gedichte dort »100 % KOSTENLOS« seien.

Namentlich betrifft dies Angebote wie z. B. www.gedichteonkel.com oder www.gedichteservice.com, die von der in Dubai ansässigen Firma Web Content FZE betrieben werden.

Sämtliche Links auf diesen Websites führen nicht auf Gedichte, sondern auf ein Programm namens gedichte.exe. Hierbei handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Virus oder ein Dialer-Programm, das den betroffenen Computer schädigt. Das Programm sollte auf keinen Fall heruntergeladen und ausgeführt werden. Mit frei erfundenen Logos wird dreist behauptet, das Programm diene dazu, »die Vorlagen vor unerlaubten Zugriffen von falschen Suchmaschinen oder Seiten die unsere Inhalte böswillig kopieren« zu schützen.

Insbesondere bei Nutzern, die sich nachwievor mit einem Modem ins Netz einwählen, besteht die Gefahr, dass dieses in betrügerischer Absicht auf eine kostenpflichtige Einwahlnummer umgestellt wird. Für die erwähnten Websites wird aktuell mit Google-Anzeigen geworben.

Virenscanner erkennen in der Regel solche Dialerprogramme. Daher ist unbedingt zum Einsatz eines Virenschutzprogrammes zu raten.

Nie sollte man unbekannte Programme von dubiosen Websites herunterladen und ausführen.

Folge 25: Pfarrer Menzel hat Vorzüge

Neben vielgestaltigen Vorzügen hat Pfarrer Menzel auch ein Herz für Kinder. Manche sehen das allerdings ganz anders und betrachten es deshalb mit Misstrauen, was ihr gutes Recht ist und billig zumal.

Mut zur einfachen Form: Die neue Website der Frankfurter Buchmesse

Die neue Website der Frankfurter BuchmesseSeit Anfang Mai 2008 hat die Frankfurter Buchmesse eine neue Website, und es erstaunt zunächst, was da seit letzter Woche unter www.buchmesse.de zu sehen ist.

Wir haben einen Blick auf die neue Website der Messe geworfen und uns mit Marifé Boix-García unterhalten, die als Leiterin der Abteilung eServices der Frankfurter Buchmesse für den neuen Webauftritt verantwortlich ist.

Eine internationale Wirtschafts- und Kulturveranstaltung wie die Frankfurter Buchmesse im Internet abzubilden ist keine leichte Aufgabe. Zielgruppen wie Aussteller, Fachbesucher und Journalisten haben unterschiedliche Anforderungen an eine solche Site. Zahlreiche Kataloge und Datenbanken – vom Ausstellerverzeichnis bis zum Veranstaltungskalender – müssen abrufbar sein. Darüber hinaus ist die Frankfurter Buchmesse ein Service-Unternehmen, das nicht »nur« für fünf Messetage im Oktober zuständig, sondern ganzjährig aktiv ist und die deutsche Buchbranche auf zahlreichen Buchmessen weltweit repräsentiert.

Folge 24: Pfarrer Menzel sieht fern

Das ist schlichtweg und geradheraus gelogen: für Pfarrer Menzel sind Fernsicht und Fernsehen Synonyma schon immer gewesen seit seiner frühesten klüglich verborgenen Kindheit! Aber sein Radio liebt er arg.

Schulbuchpädagogik: Wie man ein Gedicht verhunzt

Ausschnitt aus Trainingsheft Deutschbuch 1Wer bisher in der Schule noch nicht gelernt hat, wie man ein Gedicht verhunzt, dem hilft jetzt der Cornelsen-Verlag in seinem »Deutschbuch 1 – Trainingsheft für Klassenarbeiten und Vergleichsarbeiten« gewaltig auf die Sprünge: geopfert wird dabei Christian Morgenstern:

Gruselett
Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Goltz.

Damit soll der Schüler einer Unterstufe sich jetzt selbständig beschäftigen. Unter der Überschrift »Ein Gedicht verstehen« wird ihm Staunens- und Wissenswertes mitgeteilt, nämlich: Auch andere Autoren haben sich mit Unheimlichem beschäftigt. Hier siehst du eine Gedicht von Christian Morgenstern. Neben diesem Text sieht man ein Bild – das Gedicht sieht man nicht hier, sondern darunter, aber vor allem nutzt das Sehen nichts, denn man muss es lesen. Und danach folgen pädagogisch ausgefeilte Aufgaben:

Folge 23: Pfarrer Menzel erlöst

Seitdem für Pfarrer Menzel die Umwelt zum Problem geworden ist, trägt er sich ernsthaft mit dem Gedanken, sie zu erlösen. Das Wie bereitet ihm z. Z. schon noch Einiges an Kopfzerbrechen. Im Augenblick probiert er es mit intensivem Beten. Die Erfolge allerdings sind leider mehr als nur beschämend, sie sind geradezu lächerlich. Ohne Selbstverleugnung hinwiederum könnte Pfarrer Menzel das sich nicht eingestehen, und so betet er frohgemut sinnlos drauflos.

Folge 22: Pfarrer Menzel lässt nach

Wenn Pfarrer Menzel bedrückt wird und eingeengt, lockert er den Gürtel um ein halbes bis sieben Löcher. Warum allerdings sein protestantischer Amtsbruder dies mit dem Wort »nachlassen« bezeichnet, bleibt dessen ureigenstes Geheimnis. So recht einleuchten will es uns aber wahrlich nicht.

Folge 21: Pfarrer Menzel spielt Fussball

Als Fußballspieler ist Pfarrer Menzel bekanntlich bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, dass mit letzter Sicherheit er nimmer auszumachen ist. Da er außerdem in der Torschützenliste keinerlei Erwähnung findet, tuschelt man in der Gemeinde vor verschlossenen Türen unter halbgesenkten Lidern hinter vorgeschobenen Hostien sich zu, dass Pfarrer Menzel wohl eher dem Federballspiel ausgiebig frönt. Sei es, wie es sei.

Willms‘ Woche: Zwei Meisterstücke gegen Rassismus und Krieg

Die besten Geschichten sind oft jene, die das Leben selbst schreibt. Daher ließ sich Harper Lee für ihren ersten und einzigen Roman »Wer die Nachtigall stört« von ihrer Jugendzeit in den Südstaaten der USA inspirieren und heimste damit gleich mal den begehrten Pulitzer-Preis ein. Unklar ist bis heute, ob die Autorin sich bei der Fertigstellung ihres Meisterstücks von ihrem Jugendfreund und Schriftstellerkollegen Truman Capote unter die Arme greifen ließ. Capote selbst hatte mehrmals Hinweise auf eine solche Kooperation gegeben und es wäre nicht das einzige Mal gewesen, dass die beiden gemeinsam an einem Buch arbeiteten. In »Kaltblütig« findet sich neben der Widmung für Capotes damaligen Lebensgefährten Jack Dunphy nicht zufällig auch der Name Harper Lees. Seine beste und vermutlich einzige wahre Freundin, die am 28. Mai ihren 82. Geburtstag feiert, hatte Capote bei den aufwändigen Recherchearbeiten für den authentischen Bericht tatkräftig unterstützt. Ob mit oder ohne Capotes Hilfe – »Wer die Nachtigal stört« ist ein eindrucksvolles Plädoyer gegen Rassismus und Vorurteile, das auch mehr als 40 Jahre nach seiner Erscheinung nichts an Brisanz eingebüßt hat.

»Wenn ich lese, dass ich bisher nichts mehr geschrieben habe, das so gut wäre wie Catch 22, bin ich immer versucht zu sagen: Wer hat das schon? «, soll Joseph Heller einmal gesagt haben.

Buchmesse für Anfänger LITERA 2008 in Linz

Eintrittskarte LITERA08Wenn Zwei bei etwas zusammentreffen, das für Beide das erste Mal ist, dann kann das mitunter schiefgehen. Oder es wird als erfolgreich empfunden, bis spätere Erkenntnisse die Qualität relativieren. Wie ist das nun, wenn eine junge Autorin mit ihrem ersten Buch zum ersten Mal auf der ersten Buchmesse Österreichs unterwegs ist?

Zuerst muss man sagen, dass die Bahnfahrt mit dem ÖBB-Eventticket, welches auch verbilligten Eintritt garantierte (nicht dass lesende Autoren Entritt zahlen hätten müssen), günstig und im deutschen ICE von Wien nach Linz auch sehr komfortabel war. Ungewohnter Luxus irgendwie. Am Bahnhof Linz konnte man ohne Probleme beim »Infopoint« die Buslinie bis zum Design-Center erfragen, praktischerweise gab es gleich drei Buslinien. Der Busticketautomat war da schon etwas unübersichtlicher, allerdings kann man das nicht den Messeveranstaltern anhängen. Die fehlende Werbung hingegen schon. Das erste Buchmesseplakat hing nämlich genau vor der dem Design-Center, das sich etwas hinter einem riesigen, leeren und rundherum begrünten Parkplatz verstecke. Es regnete.

Zu meiner Ankunftszeit, gegen 13 Uhr, war – gelinde gesagt – nicht viel los. Beim Hineingehen war das Erste, was man sah, der lange Stand des August von Goethe Zuschussverlags. Leicht erkennbar am großen »Wir suchen Manuskripte«-Schild. Ob die Autoren wissen, dass von ihrem Geld dermaßen überdimensionale Messestände und vier unterbeschäftigte Standbetreuerinnen bezahlt werden? Wahrscheinlich nicht.