Als Pfarrer Menzel einmal beim Predigen nicht mehr aus noch ein wusste, schwieg er einfach und beharrlich. Das beunruhigte seine Gemeinde dann zum Erstaunen des protestantischen Amtsbruders unerwartet stark, und die Sorgen bezüglich Pfarrer Menzels leib-seelischer Verfassung erlebten hier ihren fragwürdigen Anbeginn und Ausgang.
Willms‘ Woche: Watson, komm herüber!
Die erste E-Mail, die im Jahr 1970 über das ARPAnet versendet wurde, war eine Nachricht an eine Gruppe von Computerwissenschaftlern an der University of California. Das Stanford Research Institut schickte damals folgenden Text:
»Watson, komm herüber. Ich brauche deine Hilfe.«
Natürlich bezieht sich diese Anspielung auf keinen geringeren als den wohl berühmtesten Detektiv der Literaturgeschichte.
Folge 34: Pfarrer Menzel fürchtet
Wenn Pfarrer Menzel sich fürchtet, werden sein Pupillen annähernd winzig. Geschwind schlüpft er alsdann unter eine Bettdecke oder zieht sich die Alba über die Ohren und schlägt allda dreimal das Kreuzeszeichen. Notfalls erfüllt ein hastig ergriffenes Tuch den gleichen Zweck. Wenn Pfarrer Menzel sich nicht mehr fürchtet, geht es ihm gleich besser. Am meisten fürchtet sich Pfarrer Menzel übrigens vor dem Satan.
Zuschussverlag verliert Gerichtsstreit gegen Wikipedia und muss kritische Äußerungen hinnehmen
Wie heise online und die Wiener Zeitung berichten, klagte die Frankfurter Verlagsgruppe gegen den Verein Wikimedia Deutschland, da sie sich in einem Wikipedia-Eintrag über das Unternehmen verunglimpft sah. Wie in der 20-seitigen Urteilsbegründung nachzulesen ist (PDF-Download/1,2 MByte), ging es u. a. um Einträge und Aussagen zur Verlagsgruppe wie
»… sie wähle bewusst wohlklingende Namen und Bezeichnungen von ähnlich renommierten Verlagen und Vereinigungen, um so potenzielle Autoren zu täuschen. …«
und
»… Da man hierbei nicht von einem Verlag im eigentlichen Sinne sprechen kann, bezeichnen sich die Unternehmen selbst als Dienstleisterverlage…«
sowie weiterer vier im Artikel gemachter Aussagen, die sich zum Teil auch auf einen kritischen Beitrag der ZDF-Sendung WISO bezogen bzw. diesen als Quelle anführten.
heise online schreibt: »Alle sechs beanstandeten Passagen sind nach Überzeugung des Gerichts hinzunehmen, da es sich zumeist um wahre Tatsachenbehauptungen oder zulässige Meinungsäußerungen handelt«.
Zuschussgeschäft trotz Kalender mit Nacktbildern
Was sieben spanischen Frauen passiert ist sollte jedem zu denken geben, der gewillt ist, einem Zuschussverlag Geld für die Veröffentlichung des eigenen Romans zu zahlen.
Wie SPIEGEL Online und spanische Zeitungen und Weblogs berichten, wollten die sieben Mütter aus dem 400-Seelen-Dorf Serradilla del Arroyo Geld für die Modernisierung eines Schulanbaus sammeln, um das kulturelle Leben in der Gemeinde zu fördern. Allein mit Kuchenbacken und Flohmärkten war das nicht zu erreichen.
So kamen sie auf die Idee, Aktfotos von sich zu machen und einen Kalender zu produzieren. Das hat bereits bei Sportvereinen und Studenten funktioniert. »Sex sells« und ist eine sichere Einnahmequelle, so dachten sie und starteten die Shootings für den Erotikkalender in Eigenregie.
Einen Verlag für den Kalender hatten Sie natürlich auch nicht. Und so begann das finanzielle Unglück.
Folge 33: Pfarrer Menzel tut Gutes
Pfarrer Menzels Versuch, das Kartenspiel kirchenfähig zu gestalten, indem er die üblichen Bildchen ersetzte durch Vater, Sohn und Maria mit dem Heiligen Geist, stieß in den dafür zuständigen Kirchenkreisen unisono auf Distanz und entsetzte Ablehnung. Pfarrer Menzel schwor ab dem Irrglauben und verlegte die Produktion in den dunklen Keller. Der in neutralem Umschlag erfolgte Großauftrag von einem in gewissen Fachkreisen bestens bekannten Versandhaus konnte Pfarrer Menzel dank seiner diesbezüglichen Unwissenheit nicht im Mindesten beunruhigen. Die unverhofft sprudelnden zusätzlichen Einnahmen verschwanden unversteuert in sehr finsteren Kirchenkanälen. Fest steht, dass viele sich seitdem an vor allem dem einen Bildchen ergötzen.
Das Internet als Motor der Verlagsbranche – in China
Unter dem Titel »Vom Blogger zum Bestsellerautor« berichtet die Frankfurter Buchmesse darüber, welche Rolle das Internet für die chinesische Verlagsbranche spielt. China ist im kommenden Jahr 2009 Gastland der Messe.
»Innerhalb kürzester Zeit hat das Internet die verkrusteten Strukturen der chinesischen Buchbranche aufgebrochen«, schreibt Dr. Jing Bartz, die das Außenbüro der Franfurter Buchmesse in Peking leitet. Ursprünglich im Netz veröffentlichte Texte erscheinen immer häufiger in gedruckter Form auf den Bestsellerlisten. Generell boomen im Netz veröffentlichte literarische Texte und E-Books. »Allerdings«, so sagt uns Britta Friedrich von der Frankfurter Buchmesse in einem Gespräch, »darf man sich beim Begriff E-Book nicht täuschen lassen, da eine Studie des »China Book Business Report« unter diesem Begriff sämtliche literarischen und im Netz veröffentlichten Texte zusammenfasst«. Somit verdienen auch nur die wenigsten der ausschließlich im Netz veröffentlichenden Autoren Geld mit ihren Texten. Die literarischen Netzangebote in China finanzieren sich zum Teil durch Werbung.
Durch die im Netz neu zu entdeckenden Talente werden Literatur-Scouts und -Agenten in China immer wichtiger. Ein Berufsbild, das dort relativ neu ist. Inhaltlich bewegen sich die Texte meist im Unterhaltungsbereich, doch bietet das Internet in China – trotz staatlicher Zensur – auch für politische Texte mehr Freiräume.
Folge 32: Pfarrer Menzel arbeitet
Pfarrer Menzels Herübersetzung der Lutherbibel ist inzwischen bis zum Exodus fortgeschritten. Sein Supervisor betrachtet das eher mit skeptischen Augen, sofern er es überhaupt bemerkt.
»Druckfrisch« endlich als Video-Podcast
Die neue ARD-Mediathek, die an Pfingsten online gegangen ist, kommt bei Bloggern und Zeitungen überaus schlecht weg. Alles wirke wenig durchdacht und es sei ein »unübersichtlicher Clip-Salat«.
Doch die ARD-Mediathek hat im wahrsten Sinne des Wortes auch ihre guten Seiten, denn endlich kann man dort die Büchersendung »Druckfrisch« mit Denis Scheck ansehen und sogar als Video-Podcast abonnieren. Vorbei also die Zeiten, an denen man sich geärgert hat, weil man diese gut gemachte Literatursendung am Sonntagabend um 23:30 Uhr verpasst hat und sie auch im Netz nachträglich nicht abrufen konnte.
Jetzt kann man Autoren-Interviews, Buchtipps und -kritiken auch unterwegs auf dem iPod »nachsehen«. Die Sendungen liegen dabei nicht jeweils als komplette Datei vor, sondern sind unterteilt, was den Vorteil hat, dass man Interviews wie z.B. mit Ray Bradbury oder Siri Hustvedt auch gezielt auswählen und ansehen kann.
Eine feine Sache!
Folge 31: Pfarrer Menzel isst
Als Pfarrer Menzel aß, tat er solches überaus zungenfertig und gemach zur vollen Freude seines HNO-Arztes. Übrigens waren lediglich Eier ihm nicht geheuer.
Folge 30: Pfarrer Menzel wäscht
Wäscht Pfarrer Menzel sich, fängt er nach der Entkleidung unten an und hört erst auf, wenn er oben angekommen ist. Umgekehrt und in der Regel auch unter Verzicht auf eine Entkleidung geht er vor beim Waschen von Geschirr und Wäsche.
Willms‘ Woche: Abgefeimte Lügner
Vor 75 Jahren wurden im Mai und Juni die Werke von vielen deutschen und internationalen Autoren von den Nationalsozialisten öffentlich verbrannt. Zwar hatte dieses perverse Spektakel am 10. Mai seinen Höhepunkt, jedoch zogen die Scheiterhaufen freien Denkens noch wochenlang durchs ganze Land:
- 12. Mai: Erlangen und Halle (Saale)
- 13. Mai: Hamburg und Neustrelitz
- 14. Mai: Neustadt an der Weinstraße
- 17. Mai: Heidelberg und Köln
Und das sind nur die traurigen Jahrestage, die uns diese Woche beschäftigen. Traurig vor allem auch deshalb, weil ein großer Teil der Bücher von Studenten und Professoren in die Flammen geworfen wurde. Es ist müßig und unmöglich, sich vorzustellen, wie man sich als Autor in diesem Moment gefühlt haben muss. Daher sollte jemand zu Wort kommen, der es selbst erlebt hat.
Textkritik: Betrug – Lyrik
Wir fischten
zusammen im Morgentau
im
klaren Wasser des Sees
als Dein Betrug
unser Netz in Stücke riss
und mich
in den Abgrund stürzte
fingen andere mich auf
hielten mich
knüpften ein Freundschaftsband
Und doch
tauche ich
nächtens im Schlaf
im trüben Wasser des Sees
nach
Deinem Bild
Zusammenfassende Bewertung
Schon die Überschrift spricht die Warnung aus: Ja nicht weiter lesen! Ein lyrisches Ich kommt mit einer Trennung nicht zurecht und pappt verschiedene Sprachbilder zusammen, womit es noch weniger zurecht kommt.
Das stimmige Anfangsbild wird verschenkt, stattdessen wird unvermittelt hochdosierter Trennungskitsch verabreicht (Abgrund, Absturz, Auffangen, ungestilltes Sehnen trotz Betrogen-worden-Seins) – hach, jammer, Elend!
Die Kritik im Einzelnen
Bis hier haben wir ein klares Bild: Ein frischer Morgen, ein klarer See, eine gemeinsames Fischen; oder: Ein Beginn, eine klarer Blick in die Zukunft, denn beide wollen füreinander da sein, miteinander leben. Das alles liegt allerdings in der Vergangenheit. zurück
Jetzt wird die Bildebene völlig unvermittelt zerstört, indem Dein Betrug als Netzzerfetzer das Gedicht betritt. Betrug hat nichts mit Fischen zu tun. Folglich stellt sich heraus, dass es bei diesem Text in erster Linie gar nicht um ein Gedicht geht, sondern um eine mit schrägen Bildern verbrämte Schuldzuweisung: »Dein böser Betrug hat unser schönes Netz zerrissen!« Wie aber kann welcher Betrug auch immer ein Netz zerreißen? Haben sie gemeinsamen einen zu sperrigen Betrug gefischt? Hat das angefeindete Du seinen Teil des Netzes zerrissen, so dass das lyrische Ich mit dem Rest allein fischen musste? Schade um den schönen Anfang! zurück
Wie tief lag der See unter ihnen, als sie gemeinsam mit einem Netz fischten, damit das lyrische Ich auch nur die geringste Chance hat, in den Abgrund zu stürzen? Und warum stürzt es darein, wenn das Du das Netz zerrissen hat? Ist hier ein ganz anderes Netz gemeint, nämlich das, in dem man sich geborgen fühlt, z. B. das soziale? Das Zwischennetz, auch unter dem Pseudonym Internet bekannt? Hat das Du nach dem lyrischen Ich gefischt, und wir fischten zusammen ist nichts als ein Euphemismus dafür, das sich jemand jemanden geangelt bzw. an Land gezogen hat und die geangelte Person das im Nachhinein als eine gemeinschaftliche Glanzleistung betrachtet?
Es ist halt nicht so einfach, bei 1 Bild zu bleiben, wenn man vor allem eine Botschaft loswerden will – und dann kommt jede beliebige Assoziation offenbar gerade recht! Noch schaderer um den schönen Anfang!
Gelungen ist die grammatische Verschränkung des Nebensatzes mit riss und stürzte, da er zum ersten Satz gehören könnte, obwohl er zum letzten dieses Abschnittes gehört, was man aber erst beim Weiterlesen bemerkt. zurück
Falls der Abgrund jetzt doch der See sein sollte, müssen die Auffänger Seejungfrauen oder Seejungmänner sein; sollte sich der See in einen Abgrund verwandelt haben, sind das bestenfalls Trolle oder – eine Etage tiefer – allerlei Teufelszeug. Wer auch immer diesen ominösen Absturz behindert hat, sie alle knüpften jedenfalls 1 Freundschaftsband; das ist zwar dünner als ein Netz, aber immerhin geknüpft! Es existiert übrigens ein abschreckendes lebendes Beispiel dafür, was passiert, wenn sich einzelne Freundschaftsbänder zusammenrotten. zurück
Jetzt sind wir in der Gegenwart angekommen, und was geschieht? Nix Betrug, nix Abgrund! Dafür ist der See wieder See, aber inzwischen trübe geworden (da schwimmen wohl zu viele Netzteile drin), und das lyrische Ich taucht trübselig nicht nach dem Betrüger oder der Betrügerin, sondern nach dem Bild des/der Betreffenden. Wie dieses Bild in den See kommt, weiß allein der Geier, Träume sind bekanntlich Schäume. zurück
Zwei literarische Websites für den Grimme Online Award 2008 nominiert – aber warum?
Gestern wurden die Nominierungen für den Grimme Online Award 2008 bekannt gegeben. Seit Jahr 2001 werden mit diesem Preis durch das Adolf-Grimme-Institut qualitativ hochwertige Websites ausgezeichnet.
Leider bröckelte das Ansehen des Preises im letzen Jahr gewaltig, nachdem aufgrund einer technischen Panne die Gewinner vorab im Internet zu lesen waren und der Eindruck entstand, dass sich die Jury die Preise gegenseitig zuschanzt.
Unter den vier nominierten im Bereich »Kultur und Unterhaltung« finden sich in diesem Jahr gleich zwei literarische Websites. Eine Quote von 50% für die Literatur ist in dieser Rubrik ja schon mal nicht schlecht. Zumindest darüber kann man sich freuen.
Doch ein Blick auf die beiden Angebote lässt die Frage aufkommen, was an diesen Websites denn so herausragend »qualitativ hochwertig« sein soll, dass sie einen Preis verdient hätten.
Folge 29: Pfarrer Menzel stopft
Wenn ein Strumpf von Pfarrer Menzel Löcher aufweist, stopft er selbigen mit einem noch heilen, zumindest allerhöchstens fadenscheinigen. So kommt Pfarrer Menzel gut über die Runden.

