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Folge 24: Pfarrer Menzel sieht fern

Das ist schlichtweg und geradheraus gelogen: für Pfarrer Menzel sind Fernsicht und Fernsehen Synonyma schon immer gewesen seit seiner frühesten klüglich verborgenen Kindheit! Aber sein Radio liebt er arg.

Schulbuchpädagogik: Wie man ein Gedicht verhunzt

Ausschnitt aus Trainingsheft Deutschbuch 1Wer bisher in der Schule noch nicht gelernt hat, wie man ein Gedicht verhunzt, dem hilft jetzt der Cornelsen-Verlag in seinem »Deutschbuch 1 – Trainingsheft für Klassenarbeiten und Vergleichsarbeiten« gewaltig auf die Sprünge: geopfert wird dabei Christian Morgenstern:

Gruselett
Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Goltz.

Damit soll der Schüler einer Unterstufe sich jetzt selbständig beschäftigen. Unter der Überschrift »Ein Gedicht verstehen« wird ihm Staunens- und Wissenswertes mitgeteilt, nämlich: Auch andere Autoren haben sich mit Unheimlichem beschäftigt. Hier siehst du eine Gedicht von Christian Morgenstern. Neben diesem Text sieht man ein Bild – das Gedicht sieht man nicht hier, sondern darunter, aber vor allem nutzt das Sehen nichts, denn man muss es lesen. Und danach folgen pädagogisch ausgefeilte Aufgaben:

Folge 23: Pfarrer Menzel erlöst

Seitdem für Pfarrer Menzel die Umwelt zum Problem geworden ist, trägt er sich ernsthaft mit dem Gedanken, sie zu erlösen. Das Wie bereitet ihm z. Z. schon noch Einiges an Kopfzerbrechen. Im Augenblick probiert er es mit intensivem Beten. Die Erfolge allerdings sind leider mehr als nur beschämend, sie sind geradezu lächerlich. Ohne Selbstverleugnung hinwiederum könnte Pfarrer Menzel das sich nicht eingestehen, und so betet er frohgemut sinnlos drauflos.

Folge 22: Pfarrer Menzel lässt nach

Wenn Pfarrer Menzel bedrückt wird und eingeengt, lockert er den Gürtel um ein halbes bis sieben Löcher. Warum allerdings sein protestantischer Amtsbruder dies mit dem Wort »nachlassen« bezeichnet, bleibt dessen ureigenstes Geheimnis. So recht einleuchten will es uns aber wahrlich nicht.

Folge 21: Pfarrer Menzel spielt Fussball

Als Fußballspieler ist Pfarrer Menzel bekanntlich bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, dass mit letzter Sicherheit er nimmer auszumachen ist. Da er außerdem in der Torschützenliste keinerlei Erwähnung findet, tuschelt man in der Gemeinde vor verschlossenen Türen unter halbgesenkten Lidern hinter vorgeschobenen Hostien sich zu, dass Pfarrer Menzel wohl eher dem Federballspiel ausgiebig frönt. Sei es, wie es sei.

Willms‘ Woche: Zwei Meisterstücke gegen Rassismus und Krieg

Die besten Geschichten sind oft jene, die das Leben selbst schreibt. Daher ließ sich Harper Lee für ihren ersten und einzigen Roman »Wer die Nachtigall stört« von ihrer Jugendzeit in den Südstaaten der USA inspirieren und heimste damit gleich mal den begehrten Pulitzer-Preis ein. Unklar ist bis heute, ob die Autorin sich bei der Fertigstellung ihres Meisterstücks von ihrem Jugendfreund und Schriftstellerkollegen Truman Capote unter die Arme greifen ließ. Capote selbst hatte mehrmals Hinweise auf eine solche Kooperation gegeben und es wäre nicht das einzige Mal gewesen, dass die beiden gemeinsam an einem Buch arbeiteten. In »Kaltblütig« findet sich neben der Widmung für Capotes damaligen Lebensgefährten Jack Dunphy nicht zufällig auch der Name Harper Lees. Seine beste und vermutlich einzige wahre Freundin, die am 28. Mai ihren 82. Geburtstag feiert, hatte Capote bei den aufwändigen Recherchearbeiten für den authentischen Bericht tatkräftig unterstützt. Ob mit oder ohne Capotes Hilfe – »Wer die Nachtigal stört« ist ein eindrucksvolles Plädoyer gegen Rassismus und Vorurteile, das auch mehr als 40 Jahre nach seiner Erscheinung nichts an Brisanz eingebüßt hat.

»Wenn ich lese, dass ich bisher nichts mehr geschrieben habe, das so gut wäre wie Catch 22, bin ich immer versucht zu sagen: Wer hat das schon? «, soll Joseph Heller einmal gesagt haben.

Buchmesse für Anfänger LITERA 2008 in Linz

Eintrittskarte LITERA08Wenn Zwei bei etwas zusammentreffen, das für Beide das erste Mal ist, dann kann das mitunter schiefgehen. Oder es wird als erfolgreich empfunden, bis spätere Erkenntnisse die Qualität relativieren. Wie ist das nun, wenn eine junge Autorin mit ihrem ersten Buch zum ersten Mal auf der ersten Buchmesse Österreichs unterwegs ist?

Zuerst muss man sagen, dass die Bahnfahrt mit dem ÖBB-Eventticket, welches auch verbilligten Eintritt garantierte (nicht dass lesende Autoren Entritt zahlen hätten müssen), günstig und im deutschen ICE von Wien nach Linz auch sehr komfortabel war. Ungewohnter Luxus irgendwie. Am Bahnhof Linz konnte man ohne Probleme beim »Infopoint« die Buslinie bis zum Design-Center erfragen, praktischerweise gab es gleich drei Buslinien. Der Busticketautomat war da schon etwas unübersichtlicher, allerdings kann man das nicht den Messeveranstaltern anhängen. Die fehlende Werbung hingegen schon. Das erste Buchmesseplakat hing nämlich genau vor der dem Design-Center, das sich etwas hinter einem riesigen, leeren und rundherum begrünten Parkplatz verstecke. Es regnete.

Zu meiner Ankunftszeit, gegen 13 Uhr, war – gelinde gesagt – nicht viel los. Beim Hineingehen war das Erste, was man sah, der lange Stand des August von Goethe Zuschussverlags. Leicht erkennbar am großen »Wir suchen Manuskripte«-Schild. Ob die Autoren wissen, dass von ihrem Geld dermaßen überdimensionale Messestände und vier unterbeschäftigte Standbetreuerinnen bezahlt werden? Wahrscheinlich nicht.

Buchempfehlung nicht nur für Autoren: Urheberrecht im Alltag

Sollten Sie haben: Urheberrecht im AlltagNicht zuletzt die »Copy-and-Paste«-Kultur und der Kostenlos- und Download-Wahn im Internet haben dazu geführt, dass die Rechte von Künstlern und Urhebern immer weniger respektiert und wahrgenommen werden. Dazu hat auch die »Raubkopierer sind Verbrecher«-Kampagne von Musikindustrie und Verlagen beigetragen, die im öffentlichen Bewusstsein die Meinung verankert hat, dass es beim Schutz des geistigen Eigentums lediglich darum gehe, dass die großen Konzerne noch mehr Geld verdienen.

Doch der Schutz des geistigen Eigentums ist wichtiger denn je! Künstler, Journalisten und andere Urheber müssen für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden. Es ist wichtig, dass sowohl die Urheber als auch die, die – in welcher Form auch immer – von deren Arbeit profitieren, ihre Rechte und Pflichten kennen.

Als Autor wird man ständig mit urheberrechtlichen Fragen konfrontiert: Was muss ich tun, damit mein Text geschützt ist? Wie kann ich es verhindern, dass jemand meine Texte als seine eigenen ausgibt? Was mache ich, wenn ich mein Gedicht plötzlich auf einer anderen Website sehe? In welchem Umfang darf ich die Texte von anderen zitieren? Was muss ich mit einem Verlag alles rechtlich regeln?

Aber auch als Leser oder Hörer von Texten ergeben sich Fragen wie: Darf ich als Hesse-Fan das Gedicht »Stufen« abtippen und auf meiner Fan-Website veröffentlichen? Darf ich das neue Hörbuch von Frau Roche von CD auf meinen MP3-Player kopieren – oder gar auf den meiner Freundin?

All diesen Fragen – und noch vielen mehr – geht nun ein fast 400 Seiten starkes Buch nach, das verständlich und ohne juristische Fachsprache daherkommt. Und das Beste: Das Buch kostete nur 2 Euro!

Künstler fordern verstärkte Kriminalisierung von Fans und Kunden

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Offener Brief an die BundeskanzlerinAnlässlich des morgigen Tags des Geistigen Eigentums fordern zahlreiche, zum Teil bekannte Musiker, Schriftsteller und Verleger, die Kriminalisierung ihrer Fans und Kunden von staatlicher Seite weiter voranzutreiben. In einer ganzseitigen Anzeige, die heute in der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der tageszeitung erschienen ist, fordern sie von der Bundeskanzlerin indirekt eine Lockerung des staatlichen Gewaltmonopols und des Datenschutzes, um mithilfe privater Ermittler schneller die Nutzer von Tauschbörsen und illegaler Downloadsites juristisch zu verfolgen. Vorbild soll hier das französische Modell sein, bei dem Rechteinhaber die Nutzerdaten recht einfach durch die Provider erhalten können oder der Netzzugang zensiert wird.

In den Anzeigen wird zudem nicht zwischen gewerblichen und privaten Nutzern unterschieden, sodass die von staatlicher Seite bislang verneinte »Kriminalisierung der Schulhöfe« (Kulturstaatsminister Neumann) weiter vorangetrieben werden sollte.

Zu lange schauten Musikindustrie und Verleger dem Treiben auf den illegalen Tauschbörsen zu, ohne legale Alternativen anzubieten oder Preis- und Produktpolitik zu ändern. Erst innovative und zunächst brachenfremde Unternehmen wie Apple mussten der Verwertungsindustrie Alternativen aufzeigen.

Folge 20: Pfarrer Menzel kuschelt

Wenn Pfarrer Menzel kuschelt, tut er das gerne mit dem kleinen Nilpferd, das er von seinem Lieblingsoberpriester im Verlaufe seiner Firmung klammheimlich überreicht bekam. Das Kuscheln geht so vor sich, dass er seine Nase gegen die des kleinen Nilpferds heftig-zärtlich reibt. Die Nase des kleinen Nilpferds ist inzwischen jeglicher Befellung entblößt, was ja eigentlich erstaunlich ist.

Folge 19: Pfarrer Menzel wird übel

Wenn Pfarrer Menzel Blut sieht oder riecht, wird ihm gotterbärmlich übel. Das wäre an sich jedoch nicht weiter erwähnenswert, stünde er damit nicht gleichzeitig unter dem elenden Druck seiner Amtspflichten, abzulesen an den Folgen, die gemäß der Transsubstantiationslehre während der Messe nach der Wandlung (das ist, wenn das Glöcklein in der Messe dreimal dreimal gebimmelt hat) regelmäßig dem Altartuch und der Casula anhaften. Teuer ist eine Reinigung von so kostbaren Stoffen zudem. Aber Pfarrer Menzel trägt sein Schicksal tapfer.

Für einen fairen Umgang zwischen Verlag und Autor – Autorenverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlichen gemeinsame Erklärung

FAIRLAG - Aktionsbündnis für faire VerlageMit einer sogenannten »Fairlag-Erklärung« haben sich heute namhafte Autorenverbände und andere Institutionen des Literaturbetriebs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an die Öffentlichkeit gewandt. Die Unterzeichner, die sich zu einem »Aktionsbündnis für faire Verlage« zusammengeschlossen haben, wenden sich in dem am Welttag des Buches (23. April 2008) veröffentlichten Text insbesondere gegen die schwarzen Schafe der sogenannten »Zuschussverlage«. Bei »Zuschussverlagen« ist die Zahlungsbereitschaft des Autors das ausschlaggebende Kriterium für die Veröffentlichung. Diese »Verlage« kehren das Verlagsprinzip somit um, indem sie keinerlei finanzielles Risiko tragen.

Besonders junge und unerfahrene Autoren werden nach Meinung der Autorenverbände von den unseriösen Unternehmen der Branche über »die Gefahren derartiger Publikationen auch nicht aufgeklärt«. So werde den Autoren aufgrund ihrer »erkauften Veröffentlichung« oft die Chance genommen, auf dem Literaturmarkt und bei anderen Verlagen Fuß zu fassen. Außerdem gingen einige der »Verlage« juristisch oder durch Diffamierungen vehement gegen Kritiker vor.

Folge 18: Pfarrer Menzel fährt Rad

Als Pfarrer Menzel Rad fuhr, verhielt er sich zweifelsohne vorschriftengemäß, als er den linken Fuß auf das linke Pedal setzte und umgekehrt. Dass er auf der Suche nach der Klingel abstürzte, ist höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass er in und wegen der Dunkelheit mit den Händen am Sattel abrutschte; dass er dabei auf der Lenkstange saß, darf wohl etwas dem Einfluss des neuen Messweins zuzuschreiben sein. Das Fahrrad übrigens hat er nie wieder gefunden! Sichere Quellen ziehen stark in Zweifel, dass Pfarrer Menzel überhaupt je eines besessen hat. Das braucht uns aber hier nicht weiter zu interessieren.

Literaturagentur von Werneke: seriös oder nicht?

Literaturagentur von WernekeGesucht wird der Literaturagent Friedr. Wilh. von Werneke. Der Mann mit den abgekürzten Vornamen betreibt scheinbar eine Literaturagentur in Berlin, und es existieren nachweislich eMails, die seinen Namen tragen. Es gibt sogar eine Homepage, auf der er um Autoren wirbt. Nur: das Büro in Berlin entpuppt sich bei näherem Hinsehen lediglich als gemieteter Briefkasten und fragt man bei einigen kleineren und größeren Verlagen nach, so ist dort ein Literaturagent mit Namen Werneke nicht bekannt.

Tatsächlich häufen sich in unserer Redaktion in letzter Zeit die Nachfragen besorgter Autoren nach der Seriosität der Literaturagentur Friedr. Wilh. von Werneke. Erst unlängst hatten wir eine Liste mit möglichen Kennzeichen unseriöser Agenturen veröffentlicht, und die adelige Berliner Agentur scheint diese Negativpunkte fast vollständig zu erfüllen. Freilich: diese Kennzeichen müssen nicht automatisch auf unseriöse Literaturagenten schließen lassen, allerdings ist erhöhte Vorsicht geboten!

Doch im Falle Werneke sind es nicht nur diese Negativpunkte, sondern eine ganze Reihe weiterer Indizien, die darauf schließen lassen, dass es dem Adelsmann lediglich darum geht, indirekt Geld von Autoren abzukassieren und man daher mit Herrn von Werneke – so er überhaupt existiert – besser keinen Kontakt aufnehmen sollte.

Folge 17: Pfarrer Menzel tritt fehl

Pfarrer Menzels Fehltritt war nicht, wie böszungig gemunkelt wurde, dass er fremdgegangen sei, was weder dem Tatbestand noch dem Begriff gerecht wird, sondern die Ursache des komplizierten Beinbruchs: er betrat nach erfolgreichem Polieren des Hauptklöppels – statt wie vermutet die oberste Leitersprosse – den freien Raum unmittelbar daneben. Einigermaßen heftig gestaltete sich der Aufprall: vom linken Bein bröckelte eine Kleinigkeit weg.