Mythos und Misshandlung - Ulrich Struve über Kaspar Hauser
 
Anmerkungen

Zu den Bildbeigaben
Der Holzschnitt Kaspar Hausers nach Laminits Lithographie von 1828, das so genannte Auftauchbild, stammt aus dem bei Conrad Diller verlegten Neuen Pirnaischen Natur und Kunst Calender auf das Jahr 1831. Die sechs kleineren Bilder sind einem der vielen zeitgenössischen Bilderbogen entnommen. Sie zeigen Stationen aus dem Leben Kaspar Hausers, oft um ein Portrait herum gruppiert: Mit seinem Wächter im Kerker; Die Ankunft in Nürnberg; Zu Tisch mit seinen Wohltätern; Der erste Mordanschlag 1829 im Hause Daumer; Die Ermordung 1833 in Ansbach; Auf dem Totenbett. Dabei handelt es sich teilweise um reine Fantasieprodukte. Hauser betonte stets, seinen Wärter nie zu Gesicht bekommen zu haben, und man hat selbstverständlich nicht die Wache am Stadttor nach dem Weg gefragt, als der Findling in Nürnberg ausgesetzt wurde. Mit seinem Tod war Hauser endgültig zur Moritat und damit frei verfügbar geworden.

Anmerkung 1
Dass Quellenfunde nach wie vor möglich sind, belegen auch Schwarzmaier und Boxler. Vgl. Lore Schwarzmaier, »Der badische Hof unter Großherzog Leopold und die Kaspar-Hauser-Affäre: Eine neue Quelle in den Aufzeichnungen des Markgrafen Wilhelm von Baden«. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 134 (1986), S. 245-262. Und jüngst: Horst Boxler, »Autobiografische Notizen des Großherzoglich Badischen Hofmarschalls Ferdinand Frhr. Roeder von Diersburg«. Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald: Beiträge zur Geschichte des Landkreises Waldshut, hrsg. v. Horst Boxler and Manfred Dietenberger. Sonderausgabe 1 (1997), S. 5-114. Abschnitt IV, S. 30-48, befasst sich schwerpunktmäßig mit Kaspar Hauser, speziell die Ablieferung von Hennenhofers Papieren an den Badischen Hof betreffend, von denen Freiherr Roeder von Diersburg bis 1883 einen »Restposten« in Händen behalten hat. Es finden sich deutliche Hinweise in den Aufzeichnungen Roeders, dass am Hof ein Verbrechen stattgefunden hat, wenn auch nicht unbedingt eine Vertauschung des Prinzen. Auf S. 115-183 desselben Bandes argumentiert Manfred Dietenberger, Kaspar Hauser sei ein außereheliches Kind von Nürnbergs Bürgermeister Binder gewesen, der die Fabel von Hausers Gefangenschaft erfunden habe, um seine eigenen Spuren zu verwischen; hier wäre weniger Polemik und mehr Dokumentation wünschenswert gewesen. Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald ist nicht im Buchhandel erhältlich, kann aber für ca. DM 24, 80 bestellt werden bei Dr. H. Boxler / Wagnerei, Landstraße 29 / 79809 Bannholz oder bei M. Dietenberger / Erlenweg 23 / 79774 Albbruck oder direkt per eMail.Zurück zum Text

Anmerkung 2
Bezüglich Daumers homöopathischer Experimente an Kaspar Hauser ist dies unlängst eindrucksvoll gezeigt worden von Philipp Portwhich, »Kaspar Hauser, naturphilosophische Medizin und frühe Homöopathie«. Medizinhistorisches Journal 31 (1996), Nrr. 1-2, S. 89-119.Zurück zum Text

Anmerkung 3
Die vollständigen Angaben zu John Moneys Buch, in dem es um physiologisch messbare Folgen von Kindesmisshandlung geht, lauten The Kaspar Hauser Syndrome of »Psychosocial Dwarfism«: Deficient Statural, Intellectual, and Social Growth Induced by Child Abuse. (Buffalo, NY: Prometheus, 1992).Zurück zum Text

Anmerkung 4
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die zweite Hälfte von Renners Buch sich nicht mit Kaspar Hauser befasst. Sie vereint Arbeiten über die Yequana am oberen Orinoko und ihren Habitus der Ausgeglichenheit sowie über Autobiografien zeitgenössischer Indianer aus den Stämmen der Sioux-Lakota, Navajo und Cherokee in Nordamerika vor dem Hintergrund von Modernisierungsprozessen.Zurück zum Text

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Lesen Sie zum Thema Kaspar Hauser auch Ulrich Struves Sondernotiz »Selbstheilung mit Kaspar H.«
 


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